Ausgabe 
10.10.1904 Zweites Blatt
 
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yrrie tmb holte Dr. Best, dem e« nach längerer Zeit gelang, den infolge der GärungSgase fnft Erstickten wieder inS Leben zurück zu rufen. Dem Knaben, der am Sonntag bei der im Bürgfeld abgebaltenen Jagd angeschossen wurde, geht eS befiec. Es sind Venvundungcn der Beine und deS Leibes vorhanden. In Stammheim wurde ein 40 Jahre alter Arbeiter im Steinbruch durch Zusammensturz von Stein- und Erdmassen erschlagen. Er sall seinen Tod selbst ver­schuldet haben.

Frankfurt, 6. Oft. Der evangelische Kirchenvorstand sendet der Franks. Zeitung eine Zuschrift bezugnehmend auf eine s. Z. von dem Blatte gebrachten Notiz aus Hornburg v» H. über Freiherrn von Mirbach, in der behauptet wurde, daß er eine ihm für die Erlös er kirche in Horn­burg übergebene Spende von 2 5000 Mk. nicht für diesen Zweck abgeliefert babe, sondern für einen seiner Vereine benutzt habe. In der Zuschrift erklärt der Krrchen- vorstand: Der hochherzige Geber der bezeichneten Spende hatte das Geld nach Berlin eingesandt, und dort war es durch Freih. v. Mirbach bei der Königl. See Handlung zinstragend angelegt worden. Somit ist die Behaup­tung, daß das Geld zu anderen Zwecken verwendet sein soll, unrichtig, da das Geld bei der Seehandlung niedergelegt^var.

5>et Wrand des Aascler Stadttveaters.

Eine Feuersbrunst hat, wie bereits gemeldet, im Laufe der Nacht zum Freitag das Stadttheater von Basel gänzlich zerstört. Der Brand entstand, wie vermerkt wird, durch Kurzschluß. ITmi 2 Uhr morgens bemerkte der <nn Steinenberg patrouiNiercnde Polizist einen intensiven Brandgeruch. Er weckte den in der Portierivohnung schlafen­den Wächter und avisierte die Feuerwehr. Als man die Tür zum Bühnenraum erbrach, flammte eine gewaltige Feuergarbe auf. Mit rasender Schnelligkeit ergriff das Feuer auch den Zuschauerraum sowie den Garderoben- rainrt Durch die Straßen gellten die Stöße des Feuer­horns und riesen die Pvrnpiers aller Quartiere zu den Sammelplätzen. Als um 2*4 Uhr die zweite Kompagnie der Feuerwehr auf dem Brandplatz erschien, war schon das ganze Theater in ein Flammenmeer gehüllt. Eine gewal­tige Feuergarbe stieg zum Nachthimmel empor, und weit über die umliegenden Häuser auf eine Entfernung von Vielen hundert Metern ergoß sich ein riesiger Funken- regen. Die umliegenden Gebäude tdes Quartiers waren ernstlich gefährdet. Die Feuerwehr mußte sich darauf be­schränken, die dem Theater zunächst liegenden Häuser, vor allem Pas benachbarte Stadtkasino, die Kunsthalle und daS SteinenschulhauS zu retten. An eine Rettung deS Theaters war nicht zu denken. Die mächtigen Dasserströme, welche die Hydranten hineinwarfen, vermochten nichts aus­zurichten. Während dieser Arbeiten verunglückte leider ein Feuerwehrmann, Wachtmeister Baumann. Er befand sich mit einem Kameraden auf der großen Schiebleiter, wo er das Wendrohr führte, als die Leiter plötzlich in der Mitte zusammen knickte und auf die Straße siel. Der Wachtmeister erlitt einen Schädelbruch und wurde in bewußtlosem Zu­stande nach seiner Wohnung gebracht. Die letzte Auf­führung war die derFledermaus". Die Bühne und der Zuschauerraum sinh vollständig ausgebrannt, nur die nackten Mauern stehen noch. Die Fassaden sind ziemlich intakt geblieben, dagegen bieten ausgebrannte Fenster und Türhöhlen einen trostlosen Anblick. Gegens 7 Uhr morgens war das Innere des Theaters immer noch ein glühender

Feuerherd: die Gard erobe, ein Teil der Bibliothek und die Instrumente deS Orchesters sind ver­brannt. Als man die Tltren deS JnnenraumeS, wo der Brand miSgebrochen war, einschlug, lohte der ganze Raum lichterloh empor. ES war unmöglich, zu dem in diesem Sommer hergestelltcn Regenapparat, durch den die ganze Bühne unter Wasser gesetzt werden konnte, zu gelangen. Der eiserne Vorhang, der die Bühne vom Zuschauerraum! abschlicßt, versagte. Schweren Schaden erlitten die Schau­spieler. Einige hatten ihre ganze Garderobe im Theater untergebracht. Zudem soll der Engagementskontrakt eine Klausel enthalten, wonach eine Feuersbrunst und ähnliche elementare Ereignisse den Vertrag ausheben. Das tn uu mittelbarer Nähe des Theaters liegende Requisitengebäude, in dem die meisten Szenerien und Dekorattonen auf­bewahrt wurden, ist verschont geblieben. DaS Tl)eater und die Garderobe waren mit IVs Millionen Francs versichert. Nachts 1 Uhr brach nochmals in den Ruinen des Theaters Feuer aus, das aber gleich gelöscht wurde. Ein Teil der Llbonnenten verzichtet auf Zurückzahlung ihrer Abonne- mentSbeitrüge.

Das Personal deS Stadttheaters erhält für Ende Oktober die Kündigung uitb die volle Gage. Die Kom­mission will, je nach der Höhe der eingehenden Gelder, bis zum Schluß die Gage zahlen und ersucht in einem Ausruf um die Unterstützung der Bevölkerung. Zur Linderumg der größten Not erfolgte die Auszahlung der zweiten Rate der Theatertubvcntion im Betrage von 25 000 Fr.

Im Stadttheater befand sich zurzeit des Brandes auch die Garderobe der französischen Truppe Silvain, die am 8. Oktober auszutreten gedachte. Bon diesen Effekten konnte nichts gerettet werden? Verbrannt ist auch zum größten Teil das Mobiliar des im Theater wohnenden Theater­dieners.

Folgendes sind die Summen, für welche das Theater mit dem Requisitenbau und der Bibliothek, samt Inhalt, v e r s i ch e r t ist: bei der Versicherungsgesellschaft Helvetia 285 000 Frs., bei der BaSler Versicherungs-Gesellschaft 185 000 Frs., beim Phönix 150 000 Frs. und der Urbaine 150 000 Frs., zusammen 770 000 Frs. Da der Requisiten­raum und die Bibliothek, die im Stcinenschulhaus unter* gebracht ist, dabei nicht gelitten haben, so wird auch für den Brandschaden eine entsprechet Heinere Summe aus­bezahlt werden.

Ueber die Entstehung des Feuers herrschen bis jetzt nur Vermutungen. Bestimmte Anhaltspunkte fehlen. Nach der gestrigen Vorstellung, die einen in jeder Hinsicht tadellosen Verlauf genommen und eines äußerst starken Be­suches sich zu erfreuen hatte, machte die Feuerwehr, welche während der Vorstellung den Wachtdienst besorgt, noch kurz vor 12 Uhr, bevor sie das Theater verließ, einen letzten Rund­gang durch alle Räume, ohne dabei einen Brandgeruch oder irgend etnxrs Verdächtiges zu bemerken. Auch der Theaterdiener hatte, bevor er sich zur Ruhe begeben, überall nachgesehen und nichts Auffälliges wahrgenommen.

Kandel und UcrKeljr. Volkswirtschaft.

Buderussche Eisenwerke in Weblar. Tic Verwal­tung dieser Werke hat einem Aktionär die Mitteilung gemacht, daß die guten Erwartungen, die sie am Schluß des vorjährigen Geschäftsberichts ausgesprochen hatte, durch das bis jetzt vor­liegende Ergebnis des laufenden Jahres gerechtfertigt wor­den find.

Gewerkschaft Elisenburg. Von der technischen Leit­ung der Gewerkschaft in Grünbera wird uns mitgeteilt, daß die in Nr. 233 über die Gewerkschaft gebrachte, der in Essen er­

scheinenden ,Deutschen VergweikSztg." entlehnte Notizauf einer vollkommenen Unkenntnis der Verhi nisse" beruhe. Eine nähere Erklärung ist leider bisher ansgeblieben.

Deutsch-amerikanische P e t r o l e u m g e s e l l sch a f t Aus Hainburg wird gemeldet, biete Gesellschaft habe beschlossen, die Errichtung einer Anzahl inländischer Benzin-Raffi­nerien in nächster Zeit, um sich Einfluß zu sichern auf das Benzingeschäft in Deutschland. Diese Maßnahine steht damit in Zusammenhang, daß nur inländische Raffinerien aus­ländischen Naphthas nach den geltenden Zollbestiminungen das Recht zusteht, Benzin gegen Erlaubnisschein steuerfrei abzugeben Es scheint also ein Kampf auf dem Benzin-Markt zu drohen.

Papierpreise. In einer kürzlich stattgefundenen V<n> sammlung des Vereins der östreichischen Papierinteressenten in Wien wurde die ErWhung der Preise für alle Sorten Papiere, Papierwaren und Papiersäcke beschlossen. Tie Preiserhöhung, die sofort in Kraft tritt, ist dumh die seitens der Papiersabrikauten beschlossene durchschnittlich lOproz. Preissteigerung aller Papier­sorten begründet.

Vom G e ttd m a r k t. Tie Situation am Geldmarkt bleibt gespannt und die Befürchtungen »vegen einer event. Tiökont- erhöhimg der Deutschen Reickisbank bleiben bestehen. Anderer­seits^ ist aber doch anzunehmen, daß das letztgenannte Institut, ebenso wenig es sich seinerzeit zum Herabsetzen des Tiskontsatzes verleiten ließ, sich zu einer Erhöhung desselben bestimmen lassen wird, wenn nicht ganz besonders gewichtige Gründe vorliegen. Merdings im November machen sich gewöhnlich nochmals besonders große Geldbedürfm'sse, meist bei Grundbesitzern, geltend, und da ist es sctwn möglich, daß die Bant ilwe so zäh behauptete Position verläßt. _____________________________

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Spielpltm der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

DienStag den 11. Oktober*):Don Juan/ Mittwoch den 12. Oktobor:Das Veilchenmädel." Donnerstag den 13. Oktober: Die Afrikanerin." Freitag den 14. Oktober geschlossen. Samstag den 15. Oktober:Hans Heilinq." Sonntag den 16. Oktober, nachmittags halb 4 Uhr:Die Geisha." Abends 7 Uhr' Margarethe."

Schauspielhaus.

Dienstag den 11. Oktober:Die Welt, in der man sich langweilt." Mittwoch den 12. Oktober:Tie Karlsschüler." Donnerstag den 13. Oktober:Faust", 1. Teil. Freitag den 14. Oktober:Rose Bernd." Samstag den 15. Oktober: Zum ersten Male:T r a u m n l u s." Sonntag den 16. Oktober, nach- mittcvgs halb 4 Uhr:Miß Hobbs." Abends 7 Uhr:Trau- mulus." Montag den 17. Oktober:Die Welt, in der man sich langweilt."

) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.

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denen mehrere imSimplizissimnS" zuerst veröffentlicht vTurden, bietet er sich als frischer Beobachter; scharfe, aber fein geführte Pointen geben mancher unter diesen gut erzählten kleinen Osfiziergeschichten Reiz und Wirkung. Ein Rest Nachdenklichkeit bleibt von dem lustigen Gelächter, und durch komische Szenen puS dem Leben der Subordi- natton geht die Ahnung ttagischer Konflitte. Bisweilen aber ist deS Frhrn. v. Schlicht Kunst zur Manier ge­worden und seine Sattre hat etwas Betriebsmäßiges. Am' unangenehmsten ^igt sich das in seinem höchst üblen RomanErstklassige Menschen", der wegen dieser Eigen­schaften allseittge Beachtung fand. Nun hat er in Ge­meinschaft mit Krantz, dem groben Hauptmacher des vom vorigen Jahre her hier bekanntenHochtouristen", die ,>Liebesmanöve^ geschrieben.

Davon zu sprechen ist Verlegenheit. Drei Paare trei­ben Liebesmanöver: eines Muster-Obersten Tochter, nach des Verfassers Andeutungen so schön, so rein, so hold, und ein Reserveleutnant, von dem man glauben soll, daß er, wenn er nicht im bunten Rock steckt, ein berühmterba­bylonischer Mumienbuddler" alias Assyriologe ist. Des Obersten Nichte, mindestens dreimal so schön als ihre Cousine und Schneewittchen zusammen genommen, Groß­stadtdame, also geistteich, reizend, berückend, und ein akttver Leutnant, von dem wir glauben sollen, daß er, wenn er einmal aus seiner kleinen Garnison nach Berlin hinüberhüpft, von seiner Leutnantsgage die arme Witwe eines lieben Kameraden glänzend unterstützt. Der Oberst und seine Frau hangend nnb bangend in schwebender Pein zwischen Generalsfederbusch und Zylinderhut; m'ch sie treiben auf ihre alten Tage Liebesmanöver. Als der Zylinder unvermeidlich scheint, sinken sie sich gerührt in die Arme: Hab ich nur Deine Liebe. Wenn das Stück langsam und stockend einsetzt, taucht die heiligeKäkilick" auf, eine alte Tante, die die Liebenden verhetzt. Aber ein Onkel war schon früher, ist überhaupt immer da: einen bessern findst du nit. Dieser versöhnt alle Lieben­den, nur sich nicht, als Major a. D., mit dem Bürgerrock. ^Das eigentliche Mißverständnis zwar wird durch einen Kadetten beseitigt, der nicht blos als Hosenrolle aufs Sonntagspublikum wirkt, sondern durch die ungenierte Mischung von jungenhafter Naivetät, militärischer Stramm­heit und Schwanknaseweisheit. Er schreit der Dame seines großen Bruders, des Leutnants, ins holde Angesicht, wie sehr sie diesen erstklassigen Menschen verkenne. Ter durch die Leutnantsgage glänzend unterstützten Witwe wurde nämlich eine unsittliche Bedeutung unterschoben. Der Re­serveleutnant aber, natürlich auch ein Herrvon", über­haupt stört kein bürgerlicher Name die aristokratische Har­monie greift in die Handlung, als er bei der Besichtig­ung durch eine Exzellenz das ganze Regiment durch ein­ander bringt, und so idem General Gelegenheit gibt, das Geschick deS Obersten zu erkennen, der im Nu seme Leute wieder in de r Hand hat. Aber jener Onkel bringt doch den poetischsten Moment des Abends. Er flucht fortwäh­rend, woran man doch schon gleich den rauhen, aber braven freuen Krieger erkennt. Ihm sagt der General: a er ade die mißglückte Besichtigung habe ihm die hervvr- raaenbe Bceabung des OberstS gezeigt; und die t^enerals- hofen liegen verheißend in seine Worte verpackt. Da erhebt sich jener rauhe aber brave Krieger a. D. und

pricht, indem er eine Träne auS seinem Auge auf den Blüsch seines Sessels wischt: Lieber Herrgott, daS hast Du wieder gut gewacht." In diesem Moment kommt dem andachtsvollen Zuschauer die ganze verinnerlichte Gemüts- Hefe dieses dramatischen Werkes $unt Bewußtsein.

Die HerrenVe rfasser haben nach mutigem und erfolg­reichem Ansturm auf den reichhaltigen deutschen Schwank- larnaß, nach radikaler Ausplünderung der alten Forts Epidemisch",Krieg in Frieden", ,Meilchenfresser" ic. pp., allerhand Terrainunebenheiten mit skrupelloser Grazie überwunden. Und so ist denn die Krittk >es Höchstkommandierenden, deS Publikums, gewiß ganz zu ihren Gunsten ausgefallen. Führer und Truppen durftenl gleich auf dem Manöverselde Auszeichnungen entgegen­nehmen, die mancher um so lieber austeilte, als er da­mit freudia der verhältnismäßigen Kürze deS Schwankes gedachte, eines Vorzugs, der gettost noch stärker hätte her- vortteten können.

Man kann nicht gut sagen, die Aufführung derLiebeS- manöver" sei verlorene Liebesmüh gewesen. Verriet sie doch nur in einzelnen Rollen Liebe, Fleiß und Talent.

Frl. Gartner scheint im modernen Salonstück, wozu dochLiebeSmanöoer" gern gezählt werden möchten, nicht am Platze. Etwas mehr Geschick dafür hat Frl. Dülser. Frl. Nus war als Kadett sehr nett, wenn auch, namentlich am Anfang, ohne die rechte Absicht, sonderlich natürlich zu wirken. Immerhin läßt ihr niedliches, im Laufe des Abends immer wirksamer sich gestaltendes Spiel auf hübsche Be­gabung schließen. Ihre gestrige Rolle, die zahmen Witz­blättern und Backfischgeschichten, je zur Hälfte, entnommen ist, schließt ein sicheres Urteil über den Umfang ihres Talentes auS. Einst sagte man vorschnell, wir wären über diese Lieblingsfiguren der alten Berliner Poffe hinaus; es war ein eitler Irrtum. Die Damen Fischer und Jenny, in ihrer Art so überaus verschieden, sind von ftüher her bekannt und haben sich nicht verändert.

Viel bester als die Damen schnitten gestern die Herren ab. Herr de Giorgi ist uns auch kein Fremdling mehr. Vor zwei Jahren war er bei Beginn der Spielzeit der sehr viel versprechende Charakterdarsteller. Namentlich war er in dem bekannten SchwankCornelius Voß" ein ganz prächtiger alter KabinetSrat und Dümling. Auch als Shylock erhob er sich über das Durchschnittsmaß. Leider aber mußte er damals Knall und Fall unserer Bühne Valet sagen. Der bunte Rock rief ihn zum Einjährigenjahr nach Wiesbaden. Die vorjährige Spielzeit hat er dann am Stadttheater in Krefeld zugebracht, und nun haben wir ihn wieder. Er war's gestern, der vorübergehend recht wirksame Komik in dasLustspiel" brachte, der überhaupt im wesentlichen das Stück hielt und führte. Er schuf aus dem Major a. D. eine kräftig lebensvolle Charakterfigur. Ein klein wenig Mäßigung in seiner Barsch­heit hätte ihm am Anfang allerdings wohl noch bester ge­standen. Herr Andreas, berDinar desTalisman", zeigte auch gestern, daß er gute Mittel besitzt, angenehme Erscheinung und dito Organ, leichte, bewegliche, ausdrucksvolle, nicht übertrieben korrekte Sprechweise. Der Humor scheint nicht feine starke Seite zu sein, wenigstens war in (einer gestrigen

Leistung nicht viel davon zu verspüren. Dafür aber zeigte er guten Anstand und Takt. In anderen Rollen und bei freierer Entwicklung feiner ansprechenden Mittel aber wird eS ihm dem Anschein nach gelingen, noch mehr zu internieren. Den unmöglichenberühmten" Reserveoffizier Dr. v. Osten gab Herr Lütt jo Hann mit täppischer Lustigkeit und Ungezwungenheit. Die Herren Linz en und Henn. Stein- goetter vervollständigten angemesten daS Ensemble. W

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Im Frankfurter Schauspielhause wurde env, SamStag außer Sudermanns sattsam bekanntemJohannis- euer, worin Frl. Lange jetzt als Nachfolgerin der Trtesch die Marikke mit schlichterer, feinerer und innigerer Kunst dar­stellt, HartlebenSSittliche Forderung" gegeben, eine höchst amüsante Satire auf spießbürgerliche Unmoral. Hier mimt Frl. Lange eine Sängerin vom Variete mit herzbrechender Vorgeschichte und führt den Ton graziösen leichten Spottes mit einem kleinen Uebermaß von Zierlichkeit durch. Und Herr Bolz giebt ihrem unfreiwillig komischen Jugendfreund, einem Kausmanne auS Rudolstadt, so viel an bürgerlicher Solidität und braver Unverfrorenheit, als er in feinem klugen Kopfe irgend auftreiben kann. Trotzdem aber wird doch leider keine Figur aus der Wirklichkeit daraus. ES ist ihm trotz heftigen Bemühens schlechterdings unmöglich, die Verehrer seiner reifen Kunst und seines scharfen Verstandes glauben zu machen an einen kleinmütigen und engherzigen Philister, dessen Begriffe nicht über die Rudolstädter Schul- und Gesellschafts­weisheit hinausragen. Linkische Gestikulation wirtt nun ein­mal bei ihm weniger komisch als unfrei. -o.

__ Viktor Step Hany, der Regisseur des Hamburger Stadttheaters, hat ein Schauspiel beendet:Alma mater. DaS Stück spielt in korpsstudentischen greifen, die der Autor, als alter Korpsstudent, kennt. Der Autor hat es seinen Korpsbrüdern mit folgenden Worten gewidmet:

Aus längst entschwund'nen sonn'gen Frühlingstagen Klingt mir im Ohre leis ein Lied:

Ich seh' die alten Turme wieder ragen

Vom Abendsonnengold umglüht;

Es spiegeln wieder sich im klaren Sttome Die sanften Hügel, rebumkränzt, Und weit hinaus ins Land vom hohen Tome Die Kuppel mit dem Kreuz erglänzt.

Ich sehe all die stillen Wmkel wieder, Wo wir so ost gelacht, gescherzt Und jene Moosbank mitcrtn dust'gen Flieder, Wo ich mein Mädel keck geherzt!

Der lieben ftreimbe buntbemutzte Menge Naht dort mit lachend-frohem Blick Und jubelnd schallen wieder die Gesänge Von Jugendlust und Jugendglück 1 Euch widm' ich diese Zeilen, teure Brüder, Genossen wonn'ger Maienzeit!

Vergang'ner Liebeslenz ersteh' Euch wieder In rosendust'nem Blütenkleid!

Dem Frühlingstraum verlieh ich schlichte Worte Nun wende rückwärts sich der Blick:

Ich führ' tmrd) der Erinn'rung gold'ne Pforte Ju Eure Jugend Euch zurück!