Nr. 288
Zweites Blatt.
154. Jahrgang
Montag 10. Oktober 1904
Gießener Anzeiger
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Redaktton, Expedition u. Druckerei: Schulstr. F, Lei. Nr. 6L Lelegr.-Adr. r Anzeiger Gieße»
Rotationsdruck und Verlag der Brühlstche» Unwersttätsdruckerei. St Lange, Gieß«.
Die „©teßenet Zamilienbtätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hesstschr Landwirt- erscheint monatlich einmal.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
&
KeKanntmachung.
In dem Verfahren zur Anlegung des Grundbuchs und Berggrundbuchs für die Gemarkungen Bersrod und Winnerod beginnt die Anmeldungsfrist mit dem 15. Oktober 1904 und endigt mit dem 14. Januar 1905. Die Vorschriften darüber, was seitens der Beteiligten während der An- meldnngsfrist zu geschehen hat, können auf der Amtsstube des Gr. Ortsgerichtsvorstehers zu Bersrod und auH dem Anschlag an der dortigen Ortstafel ersehen werden.
Gießen, den 8. Oktober 1904.
Grohherzogliches Amtsgericht.
MMlsche Wochenschau.
Tie Thronstreitigkeiten in Lippe-Detmold haben durch das Eingreifen des Kaisers, das wahrscheinlich noch weittragende staatsrechtliche Folgen nach sich ziehen wird, eine Bedeutung erlangt, die ihnen sonst nicht entfernt zukommen würde. Ter springende Punkt in der Angelegenheit durch die jetzt geschaffene Lage ist der, ob die einzelnen Bundesstaaten in Zukunft .Herr im eigenen Hause sein werden oder sich Eingriffe itt ihre Selbständigkeit gefallen lassen, wobei es im Prinzip gleichgiltig ist, von toeMyer Seite diese Eingriffe ausgehen. Formell schien die Angelegenheit klar zu liegen. Der lippesche Landtag hatte 1898 die Erbfolgefrage im Fürstentum gesetzlich in der Weise geregelt, das; nach dem Tode des Grafregenten sein ältester Sohn Leopold die Regentschaft übernehmen solle. Es muß daher unverständlich bleiben, wenn der Kaiser in seinem Telegramm vom 26. September behaupten konnte, daß, da die Rechtslage in keiner Weise geklärt sei, er die Uebernahme der Regentschaft durch den Grafen Leopold nia-t anerkennen könne. War in der Umgebung des Kaisers niemand, der den Monarchen aufklärSn konnte? Freilich, Graf v. Bülow sitzt behaglich in Homburg, obwohl er dringende Ursache hätte, ein Lebenszeichen von sich zu geben. Ist er aus irgend welchen Gründen mit dem Tenor des kaiserlichen Telegramms einverstanden gewesen, so müßte er um seinen Abschied einkommen, da er damit die Verantwortung für eine inkonstitutionelle Kundgebung trüge; ist er aber — und dies ist das wal-rscheinlichere — nicht gefragt worden, so bliebe ihm erst recht nichts anderes übrig, als aus dem Amt zu stbeiden. Gras Bülow aber fällt es nicht ein, diese Konsequenzen zu ziehen, sondern vergnügt sich im spätherbstlichen Taunusbade bei guten Tiners. So fand dort am letzten Samstag bei ihm ein größeres Tiner in Ritters berühmtem Park-Hotel statt, an dem Prinz und Prinzessin Karl von Hessen, Prinz Arenberg, der Botschafter in Rom Graf MontS, der deutsche Gesandte in Kairo, Oberbürgermeister von Marx, sowie Kurdirektor Frhr. v. Malhahn teilnahmen. T«er Reichskanzler dürfte seinen Homburger Aufenthalt sogar, wie es neuerdings heißt, bis über den 20. Oktober ausdehnen. Alle Preßerörterungen über das kaiserliche Telegramm lassen ihn scheinbar kalt. Und doch hätte die Tepesche eine ministerielle Gegenzeichnung haben müffe, da sie sich durch die Inhibierung der Truppenvereidigung nicht als eine private Meinungsäußerung dokumentierte, als die man sie sonst vielleicht hätte auffassen können. Weit bedauerlicher aber als die Tatsache, daß daö Reick^oberhaupt sich nach dem BiS- marckscl-en Wort ohne ministerielle Bekleidung vor der Oeffent- lichkeit gezeigt hat, ist die Schädigung, die das kaiserliche Ansehen erfahren muß, wenn in der Folge ein neues Schiedsgericht den Spruch des alten Schiedsgerichts von 1897 wiederholen und dadurch die Biesterfelder Linie für absehbare Zeiten die Herrschaft in Lippe behaupten sollte. Bekanntlich besteht auch in Bayern eine Regentschaft, ebenso wie in Braunschweig, Sachsen-Coburg- Gotha und Reuß ä. L. Würden nun, wenn in diesen oder anderen Staaten den Regenten von entfernten Agnaten ebenfalls die An- sprüche trüf die Regierung bestritten würden, ähnliche Eingriffe, wie z. B. das Verbot der Truppenvereidigung usw., möglich sein? Es sollte in der unerquicklichen Lippeschen Angelegenheit alles vermieden werden, das' den Anschein haben könnte, als ob hier Familienintereffen eine größere Rolle zu spielen berufen seien als Recht und Gesetz. Tie Kommission deS lippeschen Landtages setzte übrigens ihre Sitzungen auS. Tie Pause wird mit Ver- handlnngen zwischen den Fraktionen ausgefüllt. Heute, Montag, tritt die Kommission wieder in Lage zusammen. Wahrscheinlich iindet heute nachmittag eine Plenarsitzung statt.
Ter Entwurf des deutsch-rumänischen Handelsvertrags ist am 8. d. M. in Bukarest von den beiderseitigen Delegierten unterfertigt worden. Ob es indes gelingen wird, dem I Ende November zusammen tretenden Reichstage gleich zu Beginn die neuen Handelsverträge vorzulegen, ist zweifelhaft. Tie Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Oe st erreich und dem deutschen Reiche sind inzwischen auf Anfang November ver- ; schoben nmrdm, da die östreichische Zoll- und Handelskonferenz, der die Vorbereitungen für die neuen Verhandlungen obliegt, erst am 20. November zusammentrtten kann. Auch die Verband-
Der Fling.
Kriminal-Roman von O. Elster.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ter Anwalt lachte leicht auf.
„Ricl-tig! Bei solchen geheimnisvollen Vorfällen ist stets eine Frau beteiligt. Aber, bester Herr Groller, die Frau, als Gattungsbegriff, hat im Leben Ihres Bruders eine solch bedeutende Nolle gespielt, daß es unmöglich ist, die richtige herauszufinden. Sie wissen selbst, daß nach dieser Richtung hin die eingehendsten Nachforschungen angestellt wurden — ohne Resultat."
„Ich weiß es — und doch bin ich jetzt überzeugt, daß eine Frau beteiligt ist."
„Ich teile Ihre Ueberzeugung, aber es handelt sich darum, diese Frau zu finden."
„Ich habe sie gefunden!"
„Alle Wetter! Tas wäre ja sehr interessant! Wollen Sie mir das Nähere mitteilen?"
„Ja — deshalb kam ich her. — Sehen Sie hier! — Was ist das?"
Er reichte dem Anwalt das kleine Etuis mit dem seltsam geformten Ning.
Ter Iustizrat besah das Kästchen von allen Seiten. Dann sagte er lächelnd:
„Ein sehr hübscht Etuis mit einem seltsam geformten Ning..."
„Ja, aber bemerken Sie nicht noch etwas?"
„Einen Wichtigen Rubin und einen Einschnitt ist dem Polster des Kästchens, in dem noch ein zweiter Ring gesteckt haben muß."
„Gut. Und höchst wahrscheinlich ist dieser zweite Ring ebenso gesonnt ge-vcsen, wie der nocy vorhandene. Tenn in diesem Ringe befindet sich eine Inschrift: „Verbunden auf ewig in L^bca und Treue . . ." Tas läßt darauf schließen, daß die beiden Ringe angefertigt wurden zur Besiegelung eines Liebes
bündnisses und jeder der beiden Liebenden einen Ring erhielt."
„Ich kann mich der Richtigkeit Ihrer Schlüsse nickt entziehen. Aber ich sehe nicht ein, inwiefern das mit dem Tode Ihres Bruders in Verbindung steht. Ihr Bruder hat verschiedene Liebesverhältnisse gehabt. Es käme vor allem darauf an, die Besitzerin des zweiten Ringes zu finden. Aber auch das wäre kein Beweis. Ihr Bruder hat viele Ringe verschenkt."
„Tie Besitzerin des zweiten Ringes «ist gefunden!"
„9lh — "die Sache wird immer interessanter. Wer ist die Tmne?"
„Fräulein Bertha Wüllbrandt..."
„Wie? Ihre Wirtschafterin, welche so sehr zu Ihren Gunsten aussagte?"
„Ja — dieselbe. Sie bat einige Tage nach meiner Rückkehr nach Wendessen um ihren Abschied, den ich ihr sofort erteilte. Als sie mir die Hand zum Mschied reichte, wobei sie seltsam bewegt war, bemerkte ich an itym Hand einen Ring — den gleichen Ring, wie Sie solchen jetzt vor sich sehen."
„Hm, können Sie sich nicht getäuscht haben?"
„Nein, — die Form deS Ringes, der blutrote Rubin fielen mir sofort auf. Ich hatte den Nirm noch nie an ihr bemerkt — als mir beim Ordnen des Nachlasses dann dieser Ning in die Hände fiel, erkannte ick ihn sofort wieder."
„Tas ist allerdings seltsam. Mer Ihr Bruder hatte die nicht sehr löbliche Gewohnheit, seine Liebesbriefe aufzubewahren, haben tDte in den Briefen keinen von Fräulein Wüllbrandt gefunden? Ich entsinne mich nicht, daß das Gericht einen Brief des Fräuleins gefunden hat..."
„T>as ist das Merkwürdige! Ich habe alle Briefe durchge- sehen, ich fand keinen Brief des Mädchens."
„Seltsam, in der Tat! Mer worauf gründen Sie Ihren VerdacA, daß jenes Mädchen mit der Tat in Verbindung steht?"
„Auf diese beiden Ringe und auf die Mitteilung des Pfarrers Vollmar, daß er meitrn Bruder und Bertha Wüllbrandt einige Male auf einsamen Wegen gesehen, sodaß er annimmt, mein Bruder habe zu dem Müdcl-cn in Beziehungen gestanden."
lungen mit der Schw ei z find auf Schwierigkeiten gestoßen, sodaß auf ihren baldigen Abschluß nicht zu rechnen ist. Tie Hauptschwierigkeiten beziehen sich dabei auf die deutsche Konfektion und unter den schweizerischen EZportartikeln auf Maschinen, Seide und Baumwollenwaren.
Neue Forderungen für S üd w e st a fr i ka werden an den Reichstag sicherlich he^antreten. Tie letzte Meldung des Generalleutnants v. Trohta ließ hoffen, daß es den deutschen Truppen gelungen sei, den Widerstand der aufsässigen Neger zu brechen. Jetzt aber kommt die Kunde, daß die W i t b o i - Hottentotten im Süden von Südwestafrika die Station Kuis angegriffen haben. Sie scheinen einen allgemeinen Aufstand ins Werk zu setzen. Auch die Station Hoachanas soll angegriffen sein. Tie Bastards von Rehoboth sollen Aufforderungsschreiben zum Aufstande erhalten haben. Oberst Leutwein stehen zur Verfügung: Zwei Kompagnien (270 Gewehre, abzüglich einer Detachierung in den Karrasbergen), eine Batterie unter Major von Lengerke in KeetmanshoP und eine Kompagnie (170 Mann) in Windhuk. Tie Gebirgsbcrtterie geht am 17. Oktober nach dem Süden des Schutzgebietes hinaus. Teimling ist auf die Meldung, daß zahlreiche HereroS bei Otjimanangombe-Ganas stehen, am 23. September von Epukiro auf Otjimanangvmbe ausgebrochen. Ombakaha, Sturmfeld imb Kalkfontein bleiben besetzt. Teimling versucht, lange Turststrecken durch Vorschicken von Wasser mit Ochsenwagen zu überwinden. — Man sieht, Ruhe und Frieden werden, so bald in die verwüstete Kolonie nicht einziehen, eS wird vielmehr noch gar sehr lange dauern, bis das immer auss neue wieder entfesselte Feuer «des Aufruhrs erstickt sein wird.
Ter Gedanke einer Betriebsmittelgemeinschaft der deutschen Staatseisenbahnen ist in ein neues Stadium getreten. In Heidelberg wurde aus Antrag der süddeutschen Staaten eine Konferenz. der Eisenbahnverwaltungen abgehalten. Man einigte sich dahin, daß eine Betriebsmittelgemeinschaft angebahnt werden solle. Tiese Betriebsmittelgemeinschäft bezweckt die gemeinschaftliche Benutzung der Lokomotiven, sowie der Personen- und Güterwagen. Turch eine solche Gemeinschaft wird vermieden, daß z. B. ohne Grund Güterwagen leer hin und her laufen und daß auf den Uebergangsstationen wie bisher zum Zwecke besonderer Uebergabeverhandlungen ein Aufenthalt für die Güterwagen erttsteht.
Joö Chamberlain hat nach längerer Pause seine Zollkampagne wieder aufgenommen. Am letzten Mittwoch hielt er in Lutton, in der Grafschaft Dredford, eine Rede über seine Tarifvorschläge, in der er besonders seine Uebereinstimmung mit der des Ministerpräsidenten Balfour in bezug auf den Protektionismus, wie er vor fünfzig Jahren bestand, betonte, den beide verwerfen. Was England brauche, sei Sicherheit für den einheimischen Fabrikanten. In der für England Zukunft hochwichtigen Frage der R e i ch s u n i o n begrüßte der ehemalige Kolonialnnnister von seinem imperialistischen Standpunkte auS den Vorschlag einer Konferenz mit den Kolonien natürlich aufs lebhafteste, wobei er es an Ausfällen gegen Rosebery und die Liberalen nicht fehlen ließ.
Auf dem Kriegsschauplatz in der nördlichen Mandschure i scheinen sich die Verhältnisse immer mehr zuzuspitzen. Am 2. d M. haben die Japaner auf der Linie vom Hunhofluß biS zur Straße Mukden-Pönsihu die Offensive ergriffen, sind aber zurückgesck;ilagen wovden. Wahrscheinlich handelt eS sich hier auch nur um ein Vorpostengesecht größeren Stils, wie solche fast täglich stattfinden, und die nur die Einleitung zu der für die nächste Zeit angekündigten großen Scklacht bei Tieling zu bilden scheinen. Wie eS heißt, soll sich Kuropatkin jetzt endlich entsMoffen haben, aus seiner bisher beobachteten Reserve herauS- zutreten und geneigt sein, zu einem energischeren Angriff gegen ine Japaner unter Oyama vorzugehen. Augenscheinlich gedenken die Ruffen Tieling alS HauptbasiS zu benutzen, was sckwn auS den starken Befestigungen, die sie in der Umgegend errichten, schließen kann. Die augenblicklich bestehende Verteilung der russischen Streitkräfte kann nur die wiederholt ausgesprochene An- sicht bestärken, daß Kuropatkin beabstchttge, den Marsckall Oyama beim Ueberschreiten des Hunhofiusses sozusagen zu stellen, um ihn zu einer Schlacht in dem Gelände zu zwingen, das sich der ncffische Oberbefehlshaber selbst ausgesucht und demgemäß eingerichtet, b. h. befestigt hat.
Tie japanische Einschließung Port Arthurs wfrd immer enger. Ten Japanern liegt sehr daran, Port Arthur am 8. November, dem Geburtstage des Mikados, zu nehmen. Ruffische Gefangene sagen aus: viele Tote liegen unbeerdigt innerhalb der Festung: die Hospitäler seien so voll, daß Verwundete an Bord der Schiffe im Hafen geschickt werden. Tie Garnison ist aus 10 000 kampffähige Männer reduziert. Tie Blockade wird strenger, die Nahrung ist knapp: Pferde werden bereits geschlachtet. 'In den letzten Tagen herrschte dort ein furchtbarer Sturm. Alle Verbindungen mit Port Arthur seien daher unterbrochen. Wie weiter verlautet, soll ein deutscher Tampfer bei Tsingwu Kohlenladungen der englischen Tampfer „Howik" und „Hall" über- nommcn und versucht haben, die Blockade zu durchbrechen.
Ans Stadt und Land.
Gießen, den 10. Oktober 1904.
** Empfänge. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog empfingen am 8. Oktober den Kreisschulinspektor Eck von Alsfeld und den Professor Dr. Vossius, Rektor der LandeS- unioersität Gießen.
** Auszeichnung. Se. Kgl. Hoh. der Großberzog haben dem Hauptmann a. D. v. Meier, seither Kompagniechef im Jnfanterie-Leib-Regiment Großherzogin (3. Großh. Hessisches) Rr. 117, das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps deS Großmütigen verliehen.
•* Oeffentliehe Lesehalle. Im September wurden 2149 Bände auSgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 1090, Zeitschriften 411, Jugendschristen 218, Verdichtungen 22, Literaturgeschichte 17, Länder- und Völkerkunde 66, Kulturgeschichte 35, Geschichte und Biographien 71, Kunstgeschichte 14, Naturwissenschaft und Technologie 107, Seewesen 33, Haus- und Landwirtschaft 6, Gesundheitslehre 10, Religion und Philosophie 21, Staatswissenschaft 7, Sprachwissenschaft 6, Fremdsprachliches 15 Bände. Nach auswärts kamen 42 Bände.
** Tuberkulose-Bekämpfung in Hessen. In der Ernst Ludwig-Heilstätte (der Invaliden-Versicherungsanstalt Gr. Hessen gehörig) wurden im dritten Quartal dieses Jahres 145 männliche Lungenkranke neu zur Kur ausgenommen und die gleiche Zahl aus der Kur entlassen. Ende September befanden sich noch 118 Pfleglinge in der Heilstätte. Da die Heilstätte seit Monaten vollständig belegt ist, läßt die Invaliden - Verstchenmgsanstalt eine Anzahl Patienten in der Pension Kirchbaum in Eberbach verpflegen. 22 Personen« wurden dort im dritten Quartal ausgenommen. Die weiblichen Lungenkranken der Jnvaliden-Versicherungsanstalt werden in der Pension Göttmann in Reichelsheim L O. behandelt. Die Ernst Ludwig-Heilstätte und die Pension Göttmann sind auch in den Winter-Monaten geöffnet und nehmen — soweit Platz vorhanden — auch minderbemittelte Kranke, die der reichsgesetzlichen Jnvaliden-Versicherung nicht unterliegen, gegen mäßige Pensionssätze zur Verpflegung auf.
L-:.** Heilstättenverein für Hessen. Der Bau der Lungenheilstätte des Vereins, welcher bei Winterkasten im Odenwald errichtet wird, schreitet Dank der günstigen Witterung rasch fort, sodaß die Haupt-Gebäude wohl noch vor Eintritt der strengen Jahreszeit und des Frostes unter Dach kommen werden. Der innere Ausbau und die Einrichtung sollen so gefördert werden, daß die Inbetriebnahme der Heilstätte im Herbst 1905 erfolgen kann.
bä. Hochelheim, 9. Okt. Dieser Tage traf tmfel neuer Pfarrer Heep hier ein. Von zwei Mitgliedern^ deS Presbyteriums wurde er in einem Landauer von Wetzlars abgeholt. Gesangvereine und Schulkinder mit den Fahnen, begleitet von den Lehrern der Gemeinden Hochelheim und Dornholzhausen, gingen ihm entgegen und begrüßten ihn auf der Chaussee zwischen Hochelheim und Rechtenbach. Vor dem geschmückten Pfarrhause hatte sich eine zahlreiche Versammlung eingefunden. Die Vorsteher sowie die Mitglieder deS Presbyteriums beider Gemeinden hießen ihren neuen Pfarrer willkommen. Hierauf trug der Gesangverein unter Leitung des Lehrers Drescher das Lied vor: Mit dem Herrn fang' alles on*. Nach der Begrüßungsansprache des Lehrers Braun-' Hochelheim sang der Verein daS Lied: ,Die Himmel rühmen deS Ewigen Ehre^. Dann sprach Pfarrer Beck-Rechtenbach. Nach dem Gesang eines ChoraleS dankte Pfarrer Heep für die Ehrungen, worauf die Versammlung nach dem Gesang eines Schlußverses auseinander ging. Die Einführung in das Amt fand durch Superintendent Schoeler-Wetzlar statt» Herr Heep, der unter 30 Bewerbern fast einstimmig von beiden Gemeinden gewählt wurde, war im vorigen Jahre Synodal-' vikar in Wetzlar und seit dem 1. Januar d. Js. Pfarrer an der deutsch-evangelischen Kirche in Madrid.
bk. Friedberg, 9. Okt. Vor einigen Tagen fand man den Metzger und Wirt Ph. Steinhäuser in seinem Apfelweinkeller bewußtlos vor. Man trug ihn ins
„Der Herr Pfarrer hat wahrend der Untersuchung schon diesen Verdmcht geäußert. Wre ete wffsen, ist Fräulein Wüllbrandt danach gefragt, fte bestritt durchaus, nähere Beziehungen zu Ihrem Bruder gehabt zu haben. T'a keinerlei weitere Beweise Vorlagen^ rm Gegenteil Fräulein Wüllbrandt als durchaus moralischer Eha- rNkttr gelten konnte, ließ man diese Sache fallen. Mer ich bin mrßtvlnujich — ich glaube cm nichts und an alles — und weise dcLyalb auch Ihren Verdacht nicht von der Hand. Lasten Sie unS jedoch, elye loir weiter gehen, die Tatsack>en in das Gedächtnis'
< fie uo chsdeutilich in der Erinnerung. Also Ihr. Bruder kam in dreiem Sommer, wie jedes Jahr, am ersten Ium, zu Ihnen zum Versuch Er war lustig unS guter Tinge^ nne immer, ene beide verkehrten sehr angenehm mit einander/ Grund zu Streitigkeiten lag nicht vor."
„G^wiß nicht. Mein Bruder bot mir sogar ein unverzmS* liches Darlehen an."
„Welches Anerbieten Sie Mehnttn."
„Ja ich glaubte ohne dtisselbe auskommen zu können." (Fortsetzung folgt.)
Gießener Stadttheater.
Lieveömattvver.
Don Kurt Kr a a tz und Frhrn. v. Schlicht.
Wolf Gras v. B a u d i s s i n, der als Fvi)r. v. Schttchi unter die Literaten trat, ist ?Bt'rfasser einer Reihe größerer und kleinerer belletristischer Schriften auS dein! Militärleben der Owgenivart. In dicken Romanbürrden hat bisher seine D'aft versagt, aber er schien die flache rntbl harmlose Militär) re auf ein lwhercs Niveau bringe^ zu können. In unlängst unter der smumrlnden Starl- oartenlnschrist „Tie Fahiienkompaanie" (Müuel>en, Mievt Langen) erschienenen kleinen ledendiaen Bildern, von


