Erstes Blatt.
154. Jahrgang
Schuistrabs T» Übrefle für Devefchenr Au-etger Gtctzea. FernsprrchanIchlußNr 61.
Montag 10. Oktober 1904
Be-ug»pret-r
monatlich 75 viertel*
_ jährlich Mk. 2.20; durch
/^X Aohole- u. Zweigstellen
sm M monatlich 6b Pf.; durch
irHr||ir| /|'II4IFN^ ': v 1 »»-« V/lvIlvllLl 4L<|Emv.äz
^***^ar ■ O M ’Wf Wr sä ^jr bis vormittags 10 Uhr.
General-Anzeiger " MM
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WDZ
___________________ ___ -eigentell: HanS Beck.
Nr. 238
Grfcheivt tägltch außer Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Kamillen- hlätter viermal in der
Woche beigelegt.
MotationSdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Univerch-Buch-u. Stein« druckeret. Ot Langs, lUMfUon, ©rpebttU»
Z)ie yevtige Plummer umfaßt 8 Selten.
Z>,r <Fippesche Akgentschaftsstreit.
Zur Beurteilung des Kaisertelegramms sei eine von der bisher allenthalben geäußerten einigermaßen abweichende Auffassung verzeichnet, die jn der Münchener „Allg^ Ztg." zu Worte kommt. Es heißt ba:
„Doll das Kaiftrtelegrarnm als Regierungsakt aufgefaßt werden, dann war es doch wohl weit eher der erste Schritt des Regenten von Lippe, die Anzeige seiner Re gierungsüber- nahme an den Kaiser! Ist diese von dem lippeschen Staats- Minister Gevekot gegengezeichnet gewesen oder nicht? Wir glauben nicht: sonst wäre es wohl schon längst gesagt worden. Ist das aber so, dann war die Mitteilung eine rein persönliche, von ftof zu Hof, und dann ist auch das Kaisertelegramm nur in Ansehung seiner Formulierung zunächst unter dem Gesichtspunkte höfischer Gepflogenheiten und Uebungen und Stirnrn- urrgen und Verstimmungen, die aber politisch nicht in Betracht kommen können, zu beurteilen."
Das genannte Blatt glaubt ferner den unwiderlegbaren Beweis, daß das Telegramm des Kaisers keinen Regierungsakt darstellt, darin entdeckt zu haben, daß es im „Reichs- anz." nicht abgedruckt ist. Die offiziöse „Lippische Lcmdes- ztg." veröffentlicht in einer am Spätnachmittag des Sonntags herausgegebenen Sonderausgabe folgende Erwiderung aus die Auslassung der Münchener „Allg. Ztg.:
„Ganz abgesehen davon, daß wir einer Zeitungsauslassung mit Reserve gegenübertreten müssen, ist diese Kundgebung des offiziösen Mattes aber nichtgeeignet,Regierung,Landtag und Volk zu genügen. Umsomehr, als der Kaiser darnach auch heute noch aus dem Standpunkt steht, die Vereidigung der Truppen aus Seine Turchlaucht den Gras- reaenten ru verweigern. Tie Tatsache, daß er dre Regentschaft des Grafen Leopold als zu Recht bestehend anerkennt, gleichzeitig aber die Vereidigung der Truppen untersagt, beweist eine Haltung, die den schärfsten Protest heraus- foit>ert. Tenn nach Artikel 6 der Militärkonvention mit Preußen müssen die Truppen auf den Landessürsten resp. Regenten vereidigt werden. Ter Bundestat dürste sich dieser Auffassung zweifellos auschließen und Lippe auch nach der Richtung hin eine absolute Genugtuung erreichen. Tas ist unser Recht, und das lippesche Volk ist entschlossen, auch nicht auf ein Jota desselben zu verzichten.
Protestkundgebungen gegen den Kaiser fanden am Samstag und Sonntag in Lippe statt. Folgende inhaltlich und formell außerordentlich scharfe Resolution wurde in Sonneborn gefaßt:
„Turch das Kaisertelegramm an den Grastegenien fühlt sich die Versammlung aus da:-tiefste beleidigt. Sie empfindet die K r ä n k u n g des Regenten und die Nichtachtung des auf dem Volkswillen beruhenden Landesgcseßes von 1898 schwer und schließt sich der feierlichen Verwahrung der Staatsregierung dagegen voll und ganz an. Sie erwartet vom Landtage, daß er das gleiche tun, die von ihm beschworene Verfassung hochhalten und die Ehre des Landes in energisch erWeisewahren wird. Ten glühendsten Protest gegen den Kaiser hält die Versammlung für notwendiger, als die Stellungnahme zum Regentschastsgesetz, dessen Annahme sie für gesichert hält."
Die Versammlung in Lage war von über 2000 Lippem aus allen Ständen und Berufen besucht. Hunderte mußten wegen Ueöerfüllung umkehren. Die Stimmung war so erregt, wie sie im Lipperlande seit den Tagen d'er, bewegtesten Verfassungskämpfe nicht zu verzeichnen war. Ohrenbetäubende Beifallsstürme unterbrachen zu ungezählten Malen die Referenten, die zwar sehr becent, Denn ad) aber sehr scharf zu Felbe zogen. Widerspruch würbe nicht im geringsten bekundet. Wie erregt bie Stimm- mung war, bewies folgenber Zwischenfall. Der Reichstags- und Lanbtagsabg. Meier-Jobst, ber zu ben Vor> lagen ber Staatsregierung eine zweid eutige Stellung eingenommen hat, würbe zu einer Darlegung seines Standpunktes anfgefordert. Als er bem entsprach, erhob sich ein unbeschreiblicher Tumult. Tausendstimmig ertönten Hervor- nnb Pfuirufe.
Assessor Tasche bemerkte, baß die Teilnehmer an der Versammlung allen Parteien angehörten. Die Thronfolge- berechtigung sowie bas Telegramm des Kaisers an ben Grasen Leopold sollten aus ber Debatte ausscheiben und nur die Negentschastsfrage besprochen werden. Nad)bem sämtliche Redner einmütig für die dem Landtage von ber Regierung unterbreiteten .Vorlagen eingetreten waren, wurde ein der Negierung und dem Landtage mit^uteilenber Beschlußantrag angenommen, welcher tm wesentlichen folgendes besagt:
Tie Verammlung betrachte die Anfechtung des Negentschafts- gesetzes, wie sie sich in dem Protest der schaumburgischen Negierung kiindgebe, als einen unberechtigten, bedauerlichen Eingriff i rtj)i e S e l b st v e r w a l t ung und Souverän i- t ä t des lipp. Staates und spreche der Regierung für ihr mutiges, würdevolles Eintreten für diese Rechte ihre vollste Anerkennungen aus. Sie billige den, von der Negierung an den Bundesrat ge- ftellten Antrag und ersuche den Landtag, sich diesem Anträge vollständig anzuschließcn. Auch betrachte die Versammlung die auf Ergänzung des Regentschaftsgesetzes abzielende Regierungsvorlage als einen Akt weiser Fürsorge und ersuche den Landtag, die Vorlage durch seine Zustimmung zum Gesetz zu erheben.
Au ben $rafregenten wurde ein Huldigungs- f eie gr amm abgefanbt, in welchem es heißt, bieVersammlung stehe unentwegt auf dem Voben des Regentschafts- gesetzes unb betrachte jebe Anfechtung desselben als einen bedauerlichen Eingriff in bie Selbstverwaltung unb Souveränität bes lippeschen Staates. Das Telegramm schließt, indem es ber unverbrüchlichen Treue unfb Anhänglichkeit an ben Regenten unb das angestammte Herrscherhaus Ausdruck gibt. Auch an ben Staatsminister Gevekot wurde ein Dcmklelegramm abgeschickt. Mit einem H o ch auf den Kaiser und den Grafen Leopolb wurde b. Versammlung geschlossen.
Wie in Detmold bestimmt verlautet, sind in hervorragendem Maße Berliner Einflüsse geltend gemacht
worben, um eine Kun b gebung gegen ben Kais er in Lanbtage zu verhindern. Trotzdem steht es fest, daß es nicht gelingt. Jedenfalls wird ber Landtag in schärfererForm protestieren, als es dieStaats- regierung bereits getan hat. Dieser Antrag ist in Vorbereitung, eine Mehrheit für ihn scheint gesichert.
Die materielle Seite des lippischen Thronstreits ist, so schreiben bie „Münch. N. Nachr.", das große Hausvermögen. Es besteht aus dem ganzen Domanium, etwa 100 000 Morgen Wald und fruchtbarem Ackerland, Meiereien, Montangerechtsamen usw. und seine Einkünfte werden mit einer Million Mark jährlich nicht zu hoch gegriffen fein. Nur 60 000 Mk. davon sind nad) dem Vertrag von 1868 durch bie fürstliche Kammer kaffe als jährliche Gelbrente an die Landeskaffe hinaus zu bezahlen. Der nutzbare Grundbesitz des Hausvermögens beträgt ein ganzes Fünftel des lippeschen, zwischen ber Weser unb dem Teutoburger Walde gelegenen Landes, das 1215 Quadratkilometer unb 139 000 Einwohner umfaßt. Die politisch sehr regsame unb intelligente Bevölkerung hat früher lange unb heftig in ben .Verfassungskämpfen wegen der Domänenfrage mit ihren Fürsten gestritten, bis der Landtag von 1868 ben Kürzeren zog unb es zugab, baß das ganze umfangreiche Grundvermögen des Staates in aller Form in ein Fideikommiß des Hauses! Lippe umgewandelt wurde.
Kolttische Tagesschau.
Den Aufstand der Witbois in Groß-Namaland (vgl. bie heutige „Polit. Wochenschau) bezeichnet bie „Natio- nalztg." als einen „neuen furchtbarenSchla g". Das Blatt hofft aber, „daß es dem Sieger von 1894, Oberst Leutwein, unb bem Einflüsse des wahrscheinlich treu gebliebenen greifen Henbrik Witboi gelingt, bas Feuer im Groß-Namalande noch rechtzeitig zu ersticken." Die Witbois finb 1894 von Oberst Leutwein in mehr als einjährigem Kriege niebergeworfen worben und haben seitdem Frieden gehalten.
Die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt zu ber neuen Hiobsnachricht aus Deutsch-Südwestafrika:
„Tie Witbois, ein Stamm der erst im 19. Jahrhundert aus der Kapkolonie nach Norden eingewanderten Orlam (Hottentotten) bewohnen bekanntlich den mittleren Teil des Südens des Schutzgebietes, dessen Mittelpunkt Gibeon, der 1862 von Kido Witboi begründete Stammsitz Hendrik Witbois, bildet. Ter Ort liegt am linken Ufer des Großen Fischflusses oberhalb seines Turch- bruchs durch die Nuanib-Berge. Ter Ort wurde 1894 nach Beendigung der Kämpfe mit Hendrik Witboi als Sitz angewiesen. Die Schutztruppe hat dort auf einer Anhöhe ein festes Stationsgebäude. Tie Poststation Kuis liegt nördlich von Mbeon halbwegs zroischen diesem Ort und Rehoboth, Hoachana nordöstlich davon im Gebiet der Roten Nation. Vielleicht hängt mit dieser aufständischen Bewegung der schon vor einigen Wochen gemeldete Versuch einiger mit Hendrik im Felde stehenden WitboiS zusammen, heimlich in ihre Heimat zuruckzukebren."
Schon im August verlautete, baß von ben mit ben beut* Sen Truppen gegen bie Herero kämpfenben Witbois einige h eigenmächtig entfernt hatten. Damals richtete Hinb r i ck Witboi unternt 23. August aus Gibeon folgendes Schreiben an einen Unterkapitän:
„Mein lieber Unterkapitän Taniel Vitter! Heute habe ich die traurige Botschaft gehört, ein Telegramm, daß 19 Witbois geflüchtet sind. Was ist das? Es ist für mich unbegreiflich und wird vielleicht nur eine Historie fein, aber ich bin sehr traurig Über diese Botschaft. Ferner will ich Tir sagen: Ich bleibe noch gut (treu) zur deutschen Negierung, so gut wie tm Beginn. Bleib treu bis in den Tod mit all den Temigen und gib Botschaft allen Nationen uttd allen Hottentotten, daß ich der deutschen Negierting helfen will in allen Punkten. Ich befehle Tir: also sage den Menschen von Berseba, Bethanien ünd Gokhas."
Gerade jetzt liest man im „B. T.": In Windhuk soll, wenn erst die Hereros ntebergemorfen fein werden, ein Denkma l für Kaiser Wilhelm errichtet werden, das gleichzeitig dem Andenken der im Kampfe gegen bie Milben gefallenen Krieger bienen soll. Um bie zu biesem Zweck nottoenbigen Mittel zu beschaffen, hat sich unter bem Vorsitz der Frau Negierungsrat Anna Prausnitzer ein Komitee gebildet.
Deutsches Reich.
Berlin, 9. Okt. Nach Schluß der Tagung des Evangel. Bundes traf an den Zentralvorstand folgendes Telegramm aus dem Zivilkabinet des Kaisers in Potsdam ein:
Seine Majestät der Kaiser und König haben mich zu beauftragen geruht, der 17. Generalversammlung des Evangelischen Bundes für den Huldigungsgruß allerhöchst Ihren Dank auszusprechen. von L u e a n u §,
Geh. Cabinetsrat.
— In den Deutsch-Sozialen Blättern des Herrn Liebermann v. Sonnenberg sucht der antisemitische Schriftsteller Max Bewer nachzuweisen, daß alle berühmten Leute Antisemiten gewesen seien. Der Artikel schließt mit den Worten:
„Selbst Gott der Herr sagte zu Moses:
„Ich sehe, daß es ein halsstarrigks Volk ist . . . sage zu den Kindern Israels, ich werde einmal plötzlid) über btd) kommen und dich vernichten!" . . .
Im NeichstagswahlkreiS Schwerin-Wismar soll von den Sozialdemokraten ber frühere Abg. Antrick - Berlin ausgestellt werden, ber bekanntlich bei ben letzten Wahlen in Kottbus unterlag.
— Dem polnischen „Sokol" -Verein in Moabit ist von bem Rektor ber Gemeinbeschule in ber Bremerstraße, wo ber Verein seit Jahren seine Turnübungen abhielt, mitgeteilt worben, baß er ihm fortan aus höhere Weistmg bie Benlitzung ber Schulräume nicht mehr gestatten könne.
— Die Fraktion ber Freisinnigen Volkspartei des Land-
iages hatte am Freitag Abend ihre in Berlin unb Umgegend wohnenden Mitglieder zu einer Sitzung berufen, in der einstimmig beschlossen wurde, bei Wiederaufnahme der Plenarsitzungen des Abgeordnetenhauses sofort eine Interpellation einzubringen wegen des Eingriffes b er staatlichen Be- hörben in bie komunale Selbstverwaltung bezüglich ber Benutzung ber Schulgebäude.
— Wie verlautet, besteht die Absicht, die Stellung des Präsidenten ber Justizprüfungskommission, bie bisher nebenamtlich versehen wurde, in ein etatmäßiges Hauptamt mit einem seiner Bedeutung entsprechenden Gehalt zu verwandeln. Dem Vernehmen nach ist, wenn der jetzige Präsident Dr. Stölzel zurücktritt, als sein Nachfolger ber Senatspräsibent am Kammergericht Dr. Coing, derzeit Vor- sitzenber der Kommision für bie erste juristische Prüfung, m Aussicht genommen.
Leipzig, 10. Oft. Meh ring erklärt in ber „Leipz. Volksztg.": Nachbern bie „Berl. Ztg." eine Berichtigung betreffs ber angeblichen Enthüllung de§ „Neuen Montagsblattes" abgelehnt habe, bleibe ihm nur übrig, ben ReichS- tagsabg, v. Verlach öffentlich als ehrlosen Verleum- ber zu kennzeichnen.
Olbenburg, 9. Okt. Der ßanbtag nahm einen Antrag bes Abg. Ahlhorn an betreffenb bie Einführung bes bireften Lanbtagswahlrechtes. Der letzte Landtag nahm denselben Antrag mit 20 gegen 19 Stimmen an. In ber heutigen Sitzung stieg bie Zahl der Freunde der direkten Wahl auf 32 unb nur 7 waren bagegen.
Homburg v. b. H., 9. Okt. Der Staatssekretär deS Auswärtigen, Frhr. v. Richthofen, ist heute morgen hier eingetroffen.
Der gesalbte Peter.
Zica, 9. Okt. Heute vormittag fand hier die Salbung des Königs Peter statt. Um 9 Uhr begab sich der König in feierlichem Zuge zur Kirche, in deren Westportal er von der Geistlichkeit erwartet wurde. Unter Vorantritt derselben begab sich der König zum Thronsessel. Nach dem Hochamt und dem Evangelium, ivährend deren der König die königlichen Insignien angelegt hatte, nahm der Metropolit das kostbare Gefäß mit dem heiligen Chrisam und salbte den König auf der Stirn, den Nasenflügeln, dem Mund, den Ohren, der Brust und den beiden Flächen der Hand, indem er jedesmal das Zeichen des Kreuzes machte, und die Worte sprach: „Tas Siegel der Gabe des heiligen Geistes!" Nach vollzogener Salbung führte der Metropolit den König znm Altar und reichte ihm die KomTNUnion nach königlicher Sitte, d. h. in beiderlei Gestalt. Danach kehrte der König zum Thronsessel zurück .und legte die Insignien der königlichen Würde an, worauf ein Tiakon ein Gebet sprach, in welchem er den Segen Gottes für den gesalbten König erftehte. Lllsdann setzte Chor- gesang ein, währenddessen der, Metropolit dem König das Kreuz zum Kusse darreichte. In feierlichem Zuge verließ darauf der König die Kircbe in vollem Krönrmgsornat.
Krieg zwis<§en Japan und Hrußkand.
Port Arthur.
Mukden, 9. Okt. (Rufs. Tel.-Ag.) Nach erfolg» losen Stürmen auf Port Arthur warfen die Iapanet nördlich von Asandsicm Befestigungen auf und ließen in Inkan sowie auf anderen Punkten Komntandos zurück. Die japanischen Soldaten, die an Verpfleg- ungsrnitteln und Bekleidungsstücken Mangel leiden, plündern vorzugsweise chinesische Ehristen unb Mohammedaner aus. Der Armeeintendant Genercck Huber ließ durch den Kommissar der stÄovinz Mukden bett Notleidenden 50 000 Bekleidungsstücke zugehen. Infolge deK Mangels an Verpflegungsmitteln ist den Japanern den Durchbruch zu den Quellen des Liauflusses mißlungen.
Tokio, 9. Okt. Am 8. Oktober erschien eine Reihe amtlicher Berichte über die Operationen gegen Port ArthuL von der Schlacht von Nanschan an bis zur tatsächlichen Gufr schließung von Port Arthur, die am 30. Juli ihren Anfang nahm. Aus den Berichten geht hervor, daß die Russen, die Vollendung der Einschließung durch die Errichtung vons Befestigungen zwei Monate unmöglich machten, auch fr1 Juli angrrffsweise gegen die Japaner vorgingen.
Eine Kundgebung Knropatkins über die Öffenfive.
Petersburg, 9. Okt. Wie der „Regierungsbote^ aus Mukden vom 8. Oktober meldet, erließ General Kuro- p a t f i n am 2. Oktober einen Tagesbefehl, in welchem! er die Truppen auf die Sch wierigkeit hinwies, die Armee auf bie nötige Stärke zu bringen, und in welchem er die Notwendigkeit des bisherigen Zurück weichens betonte. Er habe den Rückzug auf Mukden kummervollen Herzens befohlen; er habe ihn aber befohlen in der unerschütterlichen Neberzeugmrg, daß der! Rückzugnötig sei, um sch Ne ßlich ein en entscheide ndenSiegzuer ringen. Der Kaiser sende jetzt ausreichende Streitkräfte und werde weitere Truppen- massen nach Ostasien kommandieren, werm auch diese nicht ausreichten. Es sei der unbeugsame Wille de^ Kaisers, den Feind zu besiegen-, und dieser Wille werde unbeugsam durchgesetzt werden. Jetzt breche die von; der Armee längst erwartete Zeit an, wo man dem Dorrücken der Feinde seinen Willen a u f z w i n g e n könne, denn die M an d s ch u re i arm c e sei nunmehr start genug, um zum Angriff überzugehen. Schließlich fordert der Befehl die Armee auf, sich von dem Bewußtsein der Wichtigkeit eines Sieges, besonders im Hinblick auf Jb’ie Entsetzung Port Arthurs, durckchringen zu lassen.
Petersburg. 9. Ott. Die Rufs. Tel.-Aa. ntclbett Die Gerüchte von D< vänbcningen im Oberbefehl auf dem Kriegsschauplatz.- beruhen nicht auf Tatsachen, sondern sind nur als Ausdruck der allgemeinen Anerkennung der hervorragenden militärischen Fähigkeiten des Generals Kuropatkin


