Nr. 186
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Zweites Blatt. 184. Jahrgang Mittwoch 10. Aagaft 1804
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Antiklerikale Kundgeöungen in Arankreich
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Die Parlamentswahlen nvd der Bund der Landwirte.
Der Gesamtvorstand des Bundes der Landwirte erläßt folgende ^Bekaiutttnachung":
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Pariser ^Freidenker", und sein Standbild der für allerhand ronrfeindliche und weiterhin Kundgebungen geworden; ja, die alljährliche feier seines Todestags kann gewissermaßen messer dafür dienen, welche Fortschritte die Pariser Bevölkerung in ihrem Drang, nach Befreiung aus staatlicher und kirchlicher Bevormundung im Laufe der Zeiten gemacht hat. Ueber die Ferer am Sonntag wird berichtet:
Wie alljährlich am ersten Sonntag des August veranstalteten am letzten Sonntag die Vereine von Paris eine Massenkundgebung zu Ehren Etienne Dotets, in dessen Person sie den Vorkämpfer und Märtyrer des freien Gedankens feiern. Dem Zeitgenossen Luthers, der am 3. August 1546 in Paris als Ketzer öffentlich verbrannt wurde, hat die Nachwelt an derselben Stätte, wo einst sein Scheiterhaufen zum wimmel flammte, auf der Place Maubert im Herzen des lateinischen Viertels, ein Denkmal errichtet, dessen Sockelwände in vielbewunderten Reliefdarstellungen beredte Kunde von seinem traurigen Schicksal geben. Seitdem ist Etienne Dolet der
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Redakttonsstäbe der beiden sozialistischen Blätter „Humanitö" und „Action", letztere von ihrem Herausgeber, Henry Verenger, vertreten, bemerkte man in den ersten Reihen des Zuges, mit riesigen Blumenkränzen und Nelkensträußen beladen. Trotz aller augenfälligen Mühe, die sich die Komiteeleiter zu geben schienen, um der Kundgebung den Stempel eines Volksmassenproteftes gegen Rom aufzudrücken sind ernstere Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung abgesehen von den oben erwähnten Reibereien, nicht vorgekommcn.
Tie Kundgebung, die unter außerordentlich großer Beteiligung stattfand, und über deren Verlauf bereits kurz berichtet wurde, trug ein bei weitem stürmischeres, leidenschaftlicheres Gepräge als in den letzten Jahren. Obwohl die Feier erst um 2 Uhr beginnen sollte, füllte sich bereits um Mittag der riesige Platz vor dem Stadthause, wo sich die Vereine und Gruppen des „Bundes der Freidenker", die Abordnungen der Freimaurerlogen und sozialistischen Klubs versammeln sollten, mit einer nach vielen Tausenden zählenden Menschenmenge. Tiesein ungewöhnlichen Andrang entsprach ein bedeutendes Aufgebot an Schutzleuten zu Fuß und zu Pferde. Auf der langen Sttecke vom Stadthaus bis zur Place Maubert bildeten Schutzleute Spalier, und am
Volttische Tagesschau.
Rach der Rückkehr des Kaisers.
Mehrere Angelegenheiten von Bedeutung harren nach der Rückkehr des Kaisers von der Nord lanbr eise der kaiserlichen Entscheidung. Zunächst die Sache der s ü d a f r i k a - nischen Ansiedler, deren Empfang auf den 13. August festgesetzt ist. Vielleicht hat der Empfang in diesem Zeitpunkt auch sein gutes. Als die Farmer-Abordnung in Berlin eintraf, war die Bewegung über die Unzulänglichkeit der Reichshilfe eine sehr lebhafte. Proteste kamen von allen Seiten, brieflich und auf dem Drahtwcge. Die Deputation machte aus ihren Empfindungen keinen Hehl. Inzwischen hat eine ruhigere Auffassmrg Platz gegriffen. Man hat billigerweise eingesehen, daß nicht die Regierung allein Är die gefaßten Beschlüsse die Verantwortung hat; der Reichstag trägt in diesem Falle die Hauptschuld an der kargen Zumessung der Entschädigung. Nach dem, was bekannt geworden ist, beabsichtigte die Regierung urspriing- lich eine freigebigere Austeilung. Aber es wurde bei den maßgebenden Parteien nicht viel Neigung für solche Zuwendungen bemerkt, im Gegenteil auf Sparsamkeit gedrungen. Schon das Bewilligte zu erreichen, hat Mühe genug gekostet. Die Unruhen in Südwestafrika, die Ausgaben der Expeditton verstimmten den Reichstag; unter dieser Verstimmung haben bedauerlicherweise die zunächst Betroffenen zu leiden gehabt, statt daß Ihnen die volle Anteilnahme zuteil wurde, wie sie in der Oeffentlichkeit zu bemerken war und in dem Ergebnis der Sammlungen zum Ausdruck gelangte. Eine erweiterte Berücksichtigung der Entschädigungswünsche setzt nun in erster Reibe nicht die Bereitwilligkeit der Regierung, sondern des Reichstags voraus. — Eine weitere Frage ist, welche Erledigung der „Fall Mirbach" nach der Rückkehr des Kaisers findet. Daß durch die mannigfachen Erklärungen zu Gunsten des Frhrn. v. Mirbach die Erörterungen gänzlich Lügen ge traft und alles gegen den Oberhofmeister Gerichtete durch bloße Verachtung des Angriffs widerlegt sei, kann nur glauben, wer sehr von Zweifeln freier Natur ist. Man muß vor allen: wissen: Wo sind die Hunderttausende geblieben, über die Freiherr v. Mirbach den Pommerubank direktoren quittiert hat, ohne den Gegemvert zu empfangen? Wie konnte die Pommerubank Hofbank werden? Endlich welche Bewandtnis hat es mit der Mirbachschen Mosaik- Sammlung für die Kaiser Wilhelni-Gedächtiiiskirche? Die „Köln. Ztg." fordert tum Rücktritt des Frhrn. v. Mirbach vom Amte. Ein Rücktritt vom Amte, ohne daß eine ent chiedene Ermittelung der Wahrheit vvrausgegaugeu, würde aber erst recht peinliches Aufsehen erregen
Aie Engländer in Tibet.
Das „Reutersche Bureau" meldet aus Lhassa: Die am 3. d. M. hier ein g etr o ffene englische Tibet-Expedition hat iy2 Kilometer von Potala in unmittelbarer Nähe der Privatgärten des Dalai Lama ein Lager bezogen. Am Vormittag des 3. d. M. bemerkten die Engländer Gruppen von Personen in glänzenden Kostümen auf den Dächern in Potala, die das Herannahen der Engländer beobachteten. Wahrscheinlich befand sich der Dalai Lama selbst darunter, der sich nach den letzten Nachrichten noch in Potala befinden soll. Der Resident von Nepal kam den Engländern entgegen und teilte ihnen mit, in Lhassa habe eine Partei bestanden, die geschworen hätte, eher zu sterben, als die Engländer in die Stadt zu lassen. Diese Partei habe sich aber zurückgezogen, als bekannt gemacht wurde, es sei verboten, gegen die Engländer zu kämpfen, weil mir unter ihrem Schutze die Tibetaner stark sein würden. Als die Expeditton das Lager erreichte, erschien der chinesische Amban, von chinesischen Soldat eskortiert, und stattete dem Obersten Aounghus- band einen Besuch ab. Der Eintritt in die Stadt ist den Truppen verboten.
Chamberlains Zollpolitik.
Was' Chamberlain zu Nutz und Frommen der heftnrschen LandwirtsäM verlangt, besteht in der Hauptsache in folgendem: ein Zoll von 2 Schilling pro Quarter für Weizen, Hafer unb Gerste (d. l ettva 1,40 Mk. pro Doppelzentner); ferner ein Wertzoll von 5 Prozent aus Fleisch, Molkereivrodukte, Geflügel, Eier, Gemüse und Frückite und endlich ein böherer Zoll auf Mehl um der halb ruinierten englischen Mitblenindustrie wieder aufzuhelfen und damit der Landnnrtschaft in den Abfällen der Müllerei billigere Futtermittel zu schaffew Chamberlains Argu- mente sind folgende: Ein Wettzoll von 2 Schilling würde — w meint er — den Preis von Getreide und Brot kaum beeinflussen. Er würde auch .der englischen Landwittsckast nicht viel helfen, wohl aber hat er für Canada außerordentlichen Wert. Dagegen würde der vorgeschlagene Wettzoll auf Fleisch, Milch, Butter Käse usw. ein wirklicher Schutzzoll für die mimische Land- wittschast sein: er würde ihr Vorteile gewahren, die indirekt auch dein Landarbeiter zu statten kommen müßten. Erstens würden die Löhne steigen; denn bei dem ungeheuren Arbeitermangel auf dem Lande würden die Farmer gern höhere Löhne zahlen, sobald die steigenden Preise der Produkte es ermöglichen, sich wieder aus reichende Arbeitskräfte zu sichern. Sodann sollten die Arbeiter an den Interessen der Lmidunttschast. direkt beteiligt werden, und zwar dadurch, daß sie, wie es in Deutschland vielfach üblich ist- eine kleine eigene Wittschast erhielten, deren Erzeugnisse sie zu Markte bringen könnten und aus denen sie um so mehr Oe- rinn ziehen könnten, je höher die Preise dank dem Zollschütz sich teilten.
Wir bringen Nachstehendes unseren Herren Mitgliedern hierdurch zur Kenntn's und empfehlen die darin enthaltenen Gesichts- punkte bei den künftigen Vorbereitungen zu den Parlamentswahl« zur entsprechenden Berücksichtigung:
Erfahrungen bei den Hauptwahlen des Jahres 1903 irttb jetzt auch wiederum bei den Nachwahlen haben dargetan, daß Bundesmitglieder und namentlich die Herren, welche in den einzelnen Wahlkreisen leitende Stellen in der BundeSorganisation einnehmen, sich, ehe es zu dem maßgebenden über die Kandidatenfrage entsckeid.mden Spruch der Vettraueusmänner im Wahlkreise gekommen war durch Versprechungen einzelnen Personen gegenüber gebunden oder befteundeten Patteien gegenüber verpflichtet hatten. Die Folge davon war, ^>aß Zersplitterung eintrat. So ist hierdurch sogar Kandidaten mit Hilfe des Bundes zum Siegs verholfen worden, die keinerlei Gewähr dafür bieten, daß fie die landwirtschaftlichen Interessen auch nur einigermaßen mit Wohlwollen und Verständnis nn Parlament Vertreten werden.
Zur Vermeidung dieser unerwünschten Vorkommnisse ist nun in den letzten Sitzungen der geordneten Vettretungskörperschasten des Bundes der Landwirte als Grundsatz aufgestellt worden, daß es für die Bemühungen des Bundes, die auf eine nachdrückliche Vertretung der landwirtschaftlichen Interessen in den Parlamenten hinzielen, notwendig sei, daß einerseits der Wahl Vorstand des Bundes — der Wahlkreisvorsitzende und die Bezirksvorsttzendeu des bett. Wahlkreises und deren Stellvettreter — in denjenigen Wahlkreisen, in denen der Bund organisiert ist, sich möglichst zeitig mit den maßgebenden Pettönlichkeiten uüd den führenden Männern der befteundeten Patteien ins Berrehmen setze, um die Lage zu klären und die Stimmung kennen zu lernen, und daß er andererseits, ebenso wie jedes einzelne Mitglied, sich nickst irgend- w-'e binde und verplichte, bevor nicht die ordnungsmäßig berufene Versammlung der Vettraueusmänner, die ja über die Karrdidaten- frage zunächst zu befinden und zu entscheiden hat, SteNung zu derselben nahm. Nur so fmut es vermieden werden, daß, Lum Nachteil der Bestrebungen des Bundes, dieser rncht genügend berücksichtigt, ja überhaupt nicht oder mcht ernstlich gehört wird.
So hat sich also doch, wahrend in blutigem Krieg die Geschicke Ostasiens entschieden werden, »in Mittelasien ein Ereignis vielleicht nicht geringerer polittscher und historischer Bedeutung vollzogen. Fast will es scheinen, als ob das Jahr 1904 der Ausgangspunkt einer neuen Zeit für den ganZen asiattschen Erdteil zu werden besttmmt ist. Der letzte Rest bewohnter Erde, der dem Andrängen wissenschaftlicher Forschung bisher ebenso erfolgreich widerstanden t)at, wie den mannigfachen Versuchen, ihm politisch oder militärisch nahe zu kommen, liegt nunmehr seiner schützenden Sperrdämme beraubt, offen da. In der herttigen, bisher unnahbaren Stadt des lamaitischen Buddhisw.'.s, der ttbetanischen Hauptstadt Lhassa, gingen die Engländer ein. Der seit Jahrhunderten verschlossene buddhisttsche Kirchenstaat wird dem Handel geöffnet und die in der ^heiligen Stadtt aufgehäuften Kunst- und Litera- turschähe werden den Forschern zugänglich gemacht werden. Hoffentlich gelingt es den englischen Offizieren, die Soldateska beim Einmarsch in Lhassa im Zügel zu halten und die Residenz des Dalai Lama vor Plünderungen zu schützen. Das im obigen Telegramm gemeldete Verbot an die Soldaten, die Stabt zu betreten, bestärk diese Hoffnung. Die Bevölkerung verhält sich ruhig und freundlich, nur legt sie den Frernden gegenüber eine grenzenlose Neugier an den Tag.
Nach telegraphischen Berichten englischer Blätter eröffnet sich das Panorama der geheimnisvollen Stadt erst, wenn man sich ihr bis auf V/2 Kilometer genähert hat. Sie liegt in einem großen Hain von mächttgen Pappeln und Weiden, deren Stämme ost vier Fuß Durchmeffer aufweisen, und gleicht mit ihren kleinen Häusern und engen Sttaßen einer Londoner Vorstadt. Die Talebene ringsum ist gut bebaut. Westlich von der Stadt dehnt sich ein Sumpf aus, über dessen grüner Oberstäche Myriaden von riesigen Schmetterlingen flattern. Im Osten erblickt man Lustgärten und die Mauern der Sommerresidenz des Dalai Latna.
Die Expeditton ist nur ein Glied in der großen Kette von Kämpfen zwischen Rrrßland mib England um Asien. Angeblich handelt es sich um die Durchfilhrung von Besttmmungen^ die bereits im Jahre 1893 zwischen China und England zur Beförderung des Hatrdels zwischen Tibet und Indien getroffen worden sinb, aber nicht zur Ausfi'lhrung gelangen konnten, weil die Regierung von Tibet die neue, in der erwähnten Konventton festgesetzte Grenze nicht anerkennen wollte und entgegen den Bestimmungen der Konvention Zölle auf Waren aus Indien legte. Der Eifer der Engländer für die Durchführung der Konvention von 1893 erwachte aber erst im Jahre 1901, als eine tibetanische Mission in Petersburg erschien und sich das Gerücht verbreitete, Rrtßland unb China hätten einen geheimen Verttag geschlossen, tmrch, welchen ersteres eine Art Protektorat über Tibet erhalten sollte. In Peking wie in Petersburg bestritt man die Nichtigkeit dieser Meldungen, aNein ttotzdem hielt die englische Regierung die Gelegenheit für günsttg, eine Expedition nach Tibet zu schicken. Als diese Expedition ausgerüstet wurde, sandte die russische Gesanbtsck)ast in London an Lord Lansdowne folgendes Memorandum: „. . . Die große Bedeutung, die das kaiserliche Kabinett darauf legt, jede Friedensstörung in China fernzuhalten, veranlaßt es, zu erklären, daß eine solche Expeditiorc nach Tibet eine sehr ernste SituattoN Hervorrufen würde, die die kaiserliche ^gieruug zwingen könnte, Maßregeln zu ergreifen, ihre Interessen in jenen Regionen zu schützen." Der Wortlaut dieses Protestes ist ebenfalls ein zwingender Beweis für die Auffassung, daß der Zar nahe daran war, Herr der buddhistischen Welt zu werden. Lansdowne anttvortete init überraschender Entsctftedenheit, er halte diese Sprache für ungewöhnlich unb für drohend; England werde darauf bedacht sein, energischere Maßregeln als Rußland zu ergreifen. Dies geschah im Februar 1903. England und Rußland standen damals vor einem Kriege. Aber die Sprache Lansdownes veranlaßte Riißlaiid, sich nach rückwärts M konzeiltrieren und alles abzuleugnen. Die britisch?4ndtsche Expeditton wurde dann ausgerüstet und nach Tibet geschickt^ wo sie haupffächlich auf topographische und klimatische Schwierigkeiten stieß. Genau ein Jahr nach der Antwort Lansdownes brach der japanisch-russische Krieg aus. Die Tibetaner schickten im ; Februar 190 t eine Misstoy nach Rußland, aber die zarische , Regierung erklärte ihr, der Zeitptlrttt sei ftir einen Empfang durch den Zaren nicht günstig. Seitdem ist die \ Zeit noch ungünstiger geworden. Die nun an chrem Ziel angelangte Expeditioic, ob sie zunäM einen bedeutsamen Vertrag durchsetzt oder nicht, und der siegreiche ^Vonnarsch des japanischen Heeres in der Mandschurei IjaBctt Rußland um die Herrschaft iber Asien gebracht, an der es im Jahre 1902 ganz rtahe tuar.
Deutsche Kanonenboote aus dem Trmgting.See.
Aus Shanghai, Anfang Juli, wirb der „Wclt-Korr." geschrieben :
Ein „Stand."-Telegramm, Deutschland beabsichtige den Tungting-See zu pachten, hat hier wieder einmal, was der offenbare Zweck der Hebung war, allerhmrd Mißtrauen und Mißstimmung gegen Teutschsmck» hervor gerufen. Was der Sache zu Gruride liegt, ist ein recht harmloser Zwischenfall. Der Tungtmg-Lee wie der Po-Yang-See werden schon seit Jahren von den Kriegsschiffen aller Nationen, ohne daß dafür eine besondere Erlaubnis einzuholen wäre, zu Uebungszwecken benutzt. In der letzten Zeit ist der chinesischen Regierung von derattigen bevorstehenden Flottenübungen — für Deutschland handelt es sich dabei lediglich um^die flehten Flußkanonenboote „Vorwärts" und „Vaterland" — stets auf ihren Wunsch vorher Notiz gegeben, damit .die Bevölkerung her Umgegend vorher in Kenntnis gesetzt werden kann. Tas ist auch jetzt vor zwei Wochen von den deutschen Konsulaten in Shanghai und Hankou geschehen. Tobet hat das letztere in Hankou, anscheinend um besonders höflich zu erscheinen, den Generalgouvemeur Tschangtschitung effucht, Deutschland zum Zwecke einer Schießübung den genannten Kanonenboote den Tungting-See zu leihen, d. h. zur Verfügung zu stellen. An dieser Wttchuug hat der Generalgouvemeur Anstoß genommen. Er scheint ge- fürchttt zu haben, daß Deutschland aus dem Leihen des Sees später Rechte ableiten könnte. Als nun auf dem deutschen Konsulat eine ablehnende Nntwvtt der chinesischen Behörden ein- ging, wurde ihnen einfach die Antwott, angesichts des bisherigen Brauches seien die Bedenken durchaus ungerechtfertigt: die Schiffe hätten überhaupt nicht um eine Genehmigung ttachzusuchen, sondern nur eine Anzeige erstattet. Wolle China Schwiettgkeften machen, so würde man sich einfach an die Verträge halten und ohne Genehmigung Pie Seen befahren. Aus diesem Sachverhall haben die Freunde Deutschlands — und an solchen fehlt es hier draußen wahrlich nicht — nun das Märchen gemacht; Tkutschlaud bestände auf einer Pachtung des Tungting-Sees.
Plehwes Nachfolger.
Tie Entscheidmlg, wer der Nachfolger des mnerbeten Ministers Jr Piebwc werden wll, ist nodi nicht endgiltig getroffen worben. Der Zar hat. nach der „N. Fr. Pr.", die Lösung dieser irncfitigcn <yra$c einer Beratung Vorbehalten, welche demnächst unter feinem Vorsitz abzwhalten werden soll. Turan werden unter anderen teünefonen: Der AdelSmarsckz-all des Gouvernements Moskau, Jägermeister Fürst ^nibchfoi, '3 (hierin ei fier Graf Scberemttiew, her künftige Nachfolger PobjedonoszewS in Cht Leitung des Heil Svnod, und Großfürst Sergius, frei Onkel unb Twwager des Zaren nnd gegenwärtige Generalgonvernenr von Moskau, melrtrr bekanntlich aus die Entswließuugen des Zaren den größten Ein luß bat. Die reaktionäre Partei am Zarenlwfe, zu der auch die genannten Persönlichkeiten zahlen, Var beut Zaren die Denk christ Katkows überreicht, welche der verstorbene Herausgeber der „Moskotvskiia Wjedomosti" vor 25 Jahren aus Anlaß der Er morbuitg hoher russischer Staatswürdenträger in "lftterslmrg imh Charkow Alexander IL unterbreitet hatte In dieser Tenkschrist ibrncb sich Katkow energisch gegen irgend welche Zugeständnisic
Clunymuseum hatte sogar ein ganzer Trupp von Polizisten Aufstellung genommen da dort die Auflösung des Zuges erfolgen sollte. Tie am Wege liegende Kirche St. Gervais hatte man der Vofficht halb'r geschlossen, unb die Umgegend weithin durch Schutzleute abgespertt. Ter Zu§ setzte sich unter dem Absingen der Internationale unb dem Schwenken bluttoter Fahnen um 2 Uhr über die Seinebrücke nach dem Notredamekirchvlatz zu in Bewegung. Dort ereignete sich der erste ernstere Zusammenstoß zwischen der Polizei unb her Volksmenge. Schutzleute versuckften einer Gruppe, „ben Roten von der Bretagne", .die rote, mit vergoldeter Schrift gegierte Fahne zu entreißen, stießen dabei aber auf heftigen Widerstand. Erst das Einschreiten der berittenen Schutzmannschaft und der republikanischen Garde mit blanker ^Waffe brachte die Menge wieder halbwegs zur Vernunft. Auch während des weiteren Umzuges durch die Rne Lagrange und des Vorbeimarsches an dem Standbildc, sowie schließlich bei der Auflösung .des Zuges wiederholten sich ähnliche Auftttttc, die stellenweise einen recht bedrohlichen Charakter annahmen. Alle Teilnehmer an bet Massenkundgebung, darunter eine auffallend große Anzahl Frauen, trugen als Abzeichen die rote Nelke. Redakttonsstäbe der beiden sozialisttschen Blätter „Humanit^


