Donnerstag LV. März 1904
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Zweites Blatt
154. Jahrgang
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Liehen
Ire heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.
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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universrtätsdruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Exvedition u.Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen.
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Gießener Zamilienblätter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt' erscheint monatlich einmal.
Die Negierung resp. die in der Verfassung verbürgten Rechne der Bevölkerung; sie vermeidet jede polizeilich^ Bevormundung. Wie anders sollte das Volk gedeihen, als in der Freiheit! Der nationale Terrorismus aber und diestaatsbürgerlicheFreiheit seien grelle W i d e r s p r ü ch e.
Ein Antrag Kästans auf Eröffnung der Debatte über die Beantwortung der Interpellation betreffend Prag wird abgelehnt.
Der Stadtrat zu Prag beschloß, an die gesamte Be- wohnersäMt einen Aufruf zu erlassen, Exzesse zu vermeiden. Die gemäßigten tschechischen Vereine wollen ein Gleiches tun mit dem Bemerken, daß sonst leicht der Ausnahmezustand proklamiert werden könne.
Die Prager Demonstrationen.
Anläßlich dec Vorgänge in Prag und der Proklamation Wiener Universitäts-Rektors Escherich versammelte die Wiener deutsche Studentenschaft, dar-
nicht.
Im österreichischen Abgcordnetenhause beantwortete Ministerpräsident v. Körber unter fortdauerndem Lärm der Tschechisch-Raditalen die Interpellationen betreffend die Prager Studentendemrnsirationen
Preußisches Abgeordnetenhaus.
Berlin, 9. März.
Tie zweite Lesung des Eisenbahnetats wird fortgesetzt beim Abjchlnilt „Zugverbindungen". Minister Budde erklärt, alte Wünsche tonnten nicht erfüllt werden; was möglich sei, solle geschehen. Für neue Sonntags- Fahrkarten werde er nicht ^u Haden sein. Die Per- sonentarifreform richte sich ja im Gegenteil auf Verein- heitliclMng des Fahrtartenwesens. — Es folgen die dauernden Ausgaben. Abg. Busch (Ztr.) führt Beschwerde darüber, daß der Minister Eingaben des Militäranw är- ter-Verbandes grundsätzlich unbeantwortet lasse. — Abg. Prie tze (noll.) fordert den Minister aus, in dem Bau von Dien st Wohnungen für die Eisenbahn- angestellten kräftig fortzusahren. Eine weitere Ausdehnung der Konsumvereine kann Redner nicht befürworten, im Gegenteil, sie sollten sich aus den Verkauf der notwendigsten Lebensmittel beschränken. Redner weist ferner aus die gesundheitlichen Gefahren hin, >denen die Be-
Ärztlich empfohlen.
Niederlagen MPIskel^
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unter viel Couleur, am Mittwoch in der Aula der Universität und brachte dem Rektor eine Ovation dar. Rach dem Gaudeamus forderte der Rektor die Studenten aus, den Tag nicht durch einen Mißton zu stören. Darauf zogen die Studenten auf den Graben und kehrten dann nach der Universität zurück. Ein Zwischenfall ereignete sich
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gehalten werden kann und im Notfall die Einleitung einer sofortigen Heilserumbehandlung gestattet. Letzterer Punkt ist, da ein Zeitverlust von 24 bis 36 Stunden oft schon über Leben und Tod entscheidet, von allergrößter Bedeutung. Menn daher „auch das Tetanusheilserum, gleiche dem Tipy- therieheilserum, überall in Stadt und Land beim Bedarfsfall sofort zur Hand ist", so werden die weiteren Erfolge der Serumbehandlung des Wundstarrkrampfes noch glän- dere sein.
— Man schreibt aus Frankfurt: Bei Vorstellungen zu wohltätigem Zweck sieht man zuerst nach dem materiellen Erfolg und die Kritik der künstlerischien Darbietungen darf sich wohl Zügel anlegen. Aber diesmal kann man doch nicht umhin zu sagen, daß der zweite Teil der Darbietungen zum Besten der Pensionsanstalt der städtischen Theater des Systems, der Abtönung, entbehrte. Den Anfang machte Grillparzers „Estyer"-Fragment, wundervoll ausgestattet, in dem Fräulein Polmer als Trägerin der Titelrolle die herrlichen Verse in herzerfreuender Weise sprach Dann folgte eine Art von Gescllschaftsabend, Herren und Damen vom Schauspielpersonal in einem eleganten Salon malerisch gruppiert. Rach einem Orgelpräludium trug Herr Bolz die schönen Worte des Apostels Paulus aus dem K'orintherbriefe „Die Liebe" wirksam vor. Hieran schlossen sich verschiedene ernste und in der letzten Abteilung t)eitere Vorträge an. Aber die ernsten waren zumeist grausig, die heiteren zum Teil zu burlesk. Fräulein Boch brachte ja das schauerlich-schöne Hebbelsche Gedicht „Der Heideknabe" voll zur Geltung, aber unmittelbar vorher und nachher auch Gedichte, in denen der Tod und das Sterben die Hauptrolle spielen („Judith Simon" von Kiß, „Der Tänzer" von Holzamer, „Der Totentanz" von Goethe und „Das arme Mädel" von Lazarus). Das war des Mordens etwas viel. Und bei den heiteren Gedichten überwog das Possenhafte zu sehr. Es gibt doch auch sehr schöne Gedichte von Schiller und Uhland, von Gottfried Keller und E. F. Mayer, Theodor Fontane, unserm Joroan rc. rc., die, mögen sie auch noch so beUnnt sein, sicherlich ihre Wirkung ausgeübt und einen Uebergang gebildet hätten uno bie vor allem ernst sind, ohne die Nerven der Hörer zu zerzausen.
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gehendeMeinungsverschiedenheit. Wir glauben nicht einmal, daß der Beschluß des Zentrums, das in der Budgetkommission des Reichstags erhebliche Abstriche am Militär- wie am Marineetat vollzogen hat und in der Polenpolitik so oppositionell, wie nur möglich ist, zu größerem Entgegenkommen veranlaßt. Denn das Zentrum hat die Beseitigung des Jesuitengesetzes, den „Vollzug des Windhorst schen iveslarnents", stets als Sache des guten Rechts betrachtet und betont. Warum soll es für etwas dankbar sein, das es zu fordern beanspruchte? Eher wäre dem Zentrum vielleicht im Licht eines Zugeständnisses die Bewilligung der Reichstags-Anwesenheits- gelder erschienen, für die das Zentrum besonders nachdrücklich eingetreten ist. Ein solcher Beschluß des Bundesrats wurde auch unendlich populärer und dankenswerter geävesen sein.
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Kunst und Litteratur.
— Pro fessor v. Behrings Heilserum gegen -en Wundstarrkrampf. Neues über „Aetiologie und ätiologische Therapie des Tetanus" veröffentlicht Professor v. Behring in den Beiträgen zur experimentellen Therapie", während vor der Einführung des Behringschen Tetanus- I Heilserums die Sterblichkeit am Wundstarrtrampf etwa 88 Dozent betrug, also von 9 Erkrankten acht unter schreckten Qualen zu Grunde gingen, ergibt die bereits an- ■■’hmlicbie Statistik der mit Heilserum behandelten Fälle itjon letzt ein Sinken der Sterblichkeitsziffer um ungefähr >ie Hälfte (bis aus 40—15 Prozent). Eine noch weitere Herabminderung der Mortalität lassen die neueren Unter» ! kd-ungen und ihre Nutzanlvendung für die ärztliche Praxis nL2 Sicherheit erhoffen. Es ist dadurch festgestellt, daß ter Tetanusinfektionsstoff von der Axenzylindersubstanz der leripberischien Nerven ausgenommen und zum Zentral- rervensystem fortgesührt wird, daß anderseits das Te- lm nsantitoxin nicht imstande ist, auf dem Nervenwegc den "irSektionsstoff zu erreichen. Jedoch kann man — und i Verfahren ist bereits beim Menschen in einem sehr ji.weren Erkrantungsfall mit Erfolg angewandt worden - durch Antitoxininjektion in das giftaussaugende Nerven- rnenchym den sehr langsam erfolgenden Gifttransport ' Rückenmark künstlich unterbrechen und dadurch den Ksbruch der schwersten Krantheitserscheinungen verhüten 0De^ dieselben wenigstens abschwächen. Demnach ist, neben her bisher geübten Einspritzung des Heilserums unter ! bie Haut, ein Versuch, den schon von dem Nervensystem ou.genommenen Giftanteil durch Nerveninjektionen un- iiiüolich zu machen, dringend anzuraten. Da das Tetanus- Mittoxin aus dem Blute des Menschen ziemlich schnell I Wjwr verschwindet, sind die Heilserumeinspritzungen ev. «i oiederholen. Ferner wird, speziell zum Einstreuen in mi.zierte Munden, ein pulverisiertes Trockenpräparat, To'men-Antitoxin, empfohlen, das aber auch in Kochsalz- - । er gelöst, zur Injektion in infizierte Gewebe verwend-
ist Tas Trocken-Antitoxin hat neben seinem niedrigen ^se den Vorzug großer Haltbarkeit, sodaß es vorrätig
Politische Tagesschau.
Zur Abbröckelung des Jesuitengesetzes.
Tas für unmöglich Gehaltene ist möglich geworden. Graf Bulow hat das Versprechen, das er der „regierenden Partei" im Reichstag gegeben, nun doch einlösen können. Allen Protesten zum Trotz und, was die Uelberraschung besonders verstärkt, entgegen verschiedenen beiruhigeiiden offiziösen Aeußerungen einzelner bundes- staallick-er Regierungen und der enstchiedenen Gegnerschaft mehrerer größerer Staatenregierungen, darunter auch der hessischen, wird die Abbröckelung des Jesuitengesetzes nunmehr zur Tatsache. Aus einen Beschluß des Bundesrats, den § 2 des Gesetzes zu beseitigen, konnte in diesem Augenblick kein Politiler vorbereitet sein. Vielleicht haben nicht einmal Führer des Zentrums darum gewußt, daß der entsprechende preußische Antrag auf die Tagesordnung des Bundesrats gelangen solle. Als kürzlich unvermuteter Weise der preußische Kultusminister Erlasse aus der Ar lturkampszeit beseitigte und den Marianis chen Kongregationen denWeg freigab, wurde vielfach angenommen, die Zugeständnis sei bestimmt, das Zentrum für das Versagen der größeren Forderung zu entschädigen. Ocht stellt sich heraus, daß die Konzession nur der Vor - läuser der größeren Bewilligung gewesen ist, nute eine Anzahlung auf das gesamte beträchtliche Guth aben des Zentrums bei der Neichs- Rigierung. Man könnte auf den Gedanken kommen, daß gewissermaßen ein Versuchsballon ausgelassen worden ist; baii zunächst der Eindruck, den die Aufhebung der erwähnten Crllasse auf die Oeffentlicykeit machte, abgewartet werden stillte, um dann, wenn der Einspruch kein sehr lebhafter nx c, die Hauptsache zu präsentieren. Allerdings hat der Pnotest im ersten Fall sich in engen Schranken gehalten, obi djon von mehreren berufenen Seiten gewarnt wurde, dir Bedeutung des Zugeständnisses zu unterschätzen. Aber, wir man bemerkt, man gab sich zufrieden, weil man bei Aufrechterhaltung des Jesuitengesetzes völlig sicher zu l’eiri glaubte.
Daß her Beschluß des Bundesrats trotz der Beruhigung, di< seit einigen Monaten in Deutschland eingetreten war — eben wegen der Sicherheit, der man sich hin gab, — gegen eine starke Minderheit von Bundes- 91t gieTungen gefaßt worden ist, halten wir füt zweifellos. Denn die Erklärungen, die in einer Reihe oom Landtagen seitens der Regierungen abgegeben worden jintb, gegen die Aufhebung zu stimmen, waren so bündig uiL’! vorbehaltlos, daß etwa eine „veränderte Auffassung" na.K in Frage kommen kann. Verhält es fid) so, wie wir amiehmeu, dann würde in einer Angelegenheit von Bedeutung eine Anzahl von Bundesregierungen über* ftl:m m t worden sein. Aehnliche Vorkommnisse sind da- geiwesen, z. B., als Miquel ungeachtet des Protests der wü Atembergischen Regierung die Weinsteuer in sein Bou- qu.;t von öieichssteuervorschlägen zur Militärvorlage auf- uchm. Wesentlich dem entschlossenen Auftreten des Jrhrn. ö Mittnacht, der vor versammeltem Reichstag von dieser ratlsache Kenntnis gab, fiel das Projekt zum Opfer.
Tie Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes wird stcher- lich im Reichstag zur Sprache kommen, und zwar, wenn mälst früher, so beim Etat des Reichskanzlers. Die Oesfent- lichkeit wird vorn Grafen Bülow hören, mit welchen Gründen. er diese Maßregel rechtfertigt. Nicht minder wichtig aber wird es sein, dann auch die Vertreter der- fenigen Bundesregierungen zu vernehmen, die qe gen den Antrag im Bundesrat gestimmt haben. Es handelt fick' hier um keine Lappalie, sondern um eine tief-
Jn der Wiedergabe waren alle Darbietungen des wärmsten Lebens würdig, aber die Anordnung ließ zu wünschen übrig. Besonders beifällig wurden Frau Freund, Frl. I r m e n, Frl. S a n g o r a und ganz besonders Frl. Hedwig Lange begrüßt, die sich in allen Sätteln gewandt, auch als trefflich Ehansonettensängeriil bewährte. Auch Herr Reimann hatte mit seinem „Mauseschwünzchn" großen Erfolg. Aber warum fehlte eigentlich die glänzende Jmi- tationskünstlerin Sophie König? Das materielle Ergebnis des Abends war jedenfalls ein sehr starkes.
— „Dies Blatt gehört der Hausfrau!" Illustrierte Zeitschrift für die Angelegenheiten des Haushaltes, sowie für Mode, Kindergarderobe, Wäsch, Handarbeiten, mit illustriertem Unterhaltungs.eil, Verlag von Friedrich Schirmer, Berlin SW. Bezugspreis vierteljährliche 1,75 Mk. Wöchntlich ein illustriertes Heft für 15 Pfg. Heft 21 enthält als Leitartikel: Die gute, alte Zeit. Wohin mit unseren alten Sachen? Eine Unterlassungssünde. Der praktische Teil „Das Reich der Hausfrau" bringt in den Rubriken: „Erziehung und Unterricht":' Märchen, unter „Gesundheitsund Körperpflege: Wie verhüten wir die zunehmende Nervosität unserer Schulkinder? Verschiedene Beiträge für „Haus- und Zimmergarten". „Für die Mchss", „Wochn- Küchnzettel und Fastenspeisen". Der „Modeteil" enthalt: Straßenanzüge, Besuch- und Promenadeuklcider, Reformkleider sowie viele moderne und geschmackvolle Muster für Kindergarderobe. Wäsch und Handarbeiten. Im, unterhaltenden Teil: „Nach getaner Arbeit" erscheinen bte Fortsetzungen der beiden Romane: „Schjcksalstücke" von Dorothea Gerard und „Die Siegerin" von C. von Tornau. Im illustrierten Teil: „Eine Mustermilchwirtschaft", mit den Abbildungen: Die elektrisch Milchifarrn auf der Ile de Loge bei Paris. Elektrischer Melkapparat in Tätigkeit. Elek- trischr Flaschureiniger. „Sport im «Sinter", mit den Abbildungen: Schlittenfahrten in St. Moritz: der ,Bummel- zug' bei einer scharfen Biegung. Jmnge Mädchn auf Schnee- schuhen int nordischen Winterwald. „Moderne Nabrungs- sälschung". Heft 21 enthält auch als Gratisbeilage: „Schnitt- mu|ierDogen und Handarbeitsvorlagen".
und sagte, daß der Un iv e r sitä ts b u m rn e l ein alter Studentenbrauch sei. Die Regierung könnte mit dem Verbot nur eingreifen, wenn eine Gefahr für die öffentliche Ruhe geschaffen würde. Solch sei aber solange nicht gegeben, als nicht die Studenten selbst ernste Erzeise begingen. Die letzten Ereignisse in Prag seien aber erst dadurch hervorgerufen worden, daß ein Teil der tschechischen Bevölrerung, ganz zweifellos auf* gestachelt von einzelnen tschechischen Zeitungen, sich zu Angriffen auf d i e deutschen Studenten hin- reigen ließ. (Andauernder Lärm.) Der Ministerpräsident stellt mit Genugtuung fest, daß das Dazwischentreten dec Regierung jeuc Art von ernsten Uni allen bei den Zusammenstößen der beiden nationalen Parteien verhindert habe, und erklärt, die Regierung sei fest entschlossen, die Ruhe mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln aufrecht zu erhalten. Der in der Interpellation Lara auf- gestellten Behauptung, als ob er, Redner, Exzesse bestellt habe (neuer großer Lärm) könnte er die auf anderer Seite zum Ausdruck gebrachte Ansicht über den Uriprung der Vorkommnisse entgegcnljaiten. Beide hätten wahrscheinlich die gleiche Berechtigung. Er wenigstens wisse sich von jeder Ansli|tung frei. (Anhaltende Rufe der Tschechen.) Er könne aber die allgemeine Bemerkung nicht unterdrücken:
Fürsorge für Heimarbeiter.
Bei dem bisherigen Verlaus des Kongresses der Heimarbeiter in Berlin, über den wir bereits berichteten — infolge Raummangels sind wir leider genötigt sehr erhebliche Schranken uns aufzuerlegen — sind politische Exzesse nach dem üblichen Stil der Verhetzung nicht hervorgetreten. Tas ist ersreulich, obwohl die Verhältnisse allerdings danach sind, das; Klagen bereüstiat sind, ein Eingriff der Gesetzgebung in verschiedenen Punkten dringend wünschenswert ist. Namentlich in sanitärer Beziehung. In mandfen Gegenden, in ganzen Dörfern, schaffen sich auch bei uns zu Lande die Familien durch H>ausIndustrie Nebenverdienst. Tie leichten Arbeiten können oft auch schulpflichtige Kinder in ihrer freien Zeit erledigen. Von Agenten wird ihnen Material geliefert und die Maare wieder abgekauft. Ost beschäftigt aber auch ein kleiner Fabrikant oder Meister Fremde im £aufe und es wird dort Handarbeit im Großen verrichtet, namentlich in der Tabak- und Textilindustrie. Hier wie dort wird in den Arbeitsräumen dann oft gleickHeitig gekocht, geschlafen, gegessen, es liegen Kranke darin und es ift eine solche Menschenüberfüllung vorhanden, daß dauernde Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter entstehen oder aucki die Ware unsauber behandelt wird und ourch Krankbeitsstofse des Typhus, des Scharlachs, der Tiphtheritis, der Tuberkulose ober Influenza vergiftet wird. Namentlich bei Wäsche- und Nahrungsmittel- Herstellung wird diese Gefahr zu einer Gefahr für die Allgemeinheit. Wenn deshalb auf dem Kongreß vorgeschlagen wurde, daß jedes Fabrikat der Hausindustrie, bis es in die Hände des Käufers gelangt, die Etikette „Heimarbeit" tragen soll, so ist das allerdings ein verzweifeltes Mittel. Es würde vom Kauf solcher Waren abyaltcu. Notwendig ift vielmehr, die behördliche Kontrolle durch Gewerbe- oder Wohnungsinspek- tion auf die Heimarbeit auszuoehnen, um für heizbare, luftige, reinliche uno trockene Arbeusraume zu sorgen. Gefährlich ist besonders bie Un) itte des Beleckens in der Tabakindustrie. Freilich ob sie sich ganz aus- rotten läßt, erscheint zweifelhaft. Wer in Havanna die Fabrikation selbft unserer edelsten Zigarren mit angesehen hat, wird darüber leider anderer Meinung sein.
Von allen SJlitteln, niedrige Löhne zu heben, wird immer die Schaffung ausgedehnrer und lohnenderer Arbeitsgelegenheiten durch allgemeine Hebung unferö Exports und der Leif rungs fähig leit des inneren Montes auch hier das vomehmste Mittel sein. Tie verbesserte Lage des betr. Industriezweiges teilt sich dann, wie die Erfahrung lehrt, den darin Arbeitenden von selbst mit.
Marke „Gretchen
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