v. Liszt erklärte, die ausdrückliche Kriegserklärung sei nicht unbedingt erforderlich Sie könne auch durch entsprechende Handlungen ersetzt werden, insbesondere durch den Beginn der Feindseligkeiten. Man werde dahin auch regelmäßig schon den förmlichen Abbruch der diplomatischen Beziehungen rcck)ncn dürfen. Auf der russischen Botschaft in Berlin herrscht, nach unseren Erkundigungen, eine entgegengesetzte Ansicht. Japans Angriff wird dort als ein unerhörter Bruch des Völleerechts bezeichnet. Japan sei dadurch des Anspruches verlustig gegangen, zu den zivilisierten Völkern zu zählen.
Pegreiflick>erweise übte die Meldung von dem russischen Verlust einen herabstimmenden Eindruck auf die gesamte russische Kolonie der Reick)shauptstadt. Wie wir ferner erfahren, werden deutscherseits militärische S a ch- ver ständige zu Studwnzwecken in d i e H a up t q u armiere entsandt Werdau. Tie Beobachtung dieses Krieges wird von hohem militärischem Wert sein. Außerdem ist selbstverständlich dafür Sorge getragen, daß die Ereignisse auf Grund sorgfältigster Sammlung altes erreichbaren Materials fortgesetzt eine kritische Würdigung erfahren. Schließlich sei erwähnt, daß die „Nordd. Allg. Ztg." bemerkt, die von Deutschland eingenommene, nach beiden Seiten ehrlich neutrale Haltuug werde von den Organen der öffentlichen Meinunng fast ohne Ausnahme gebilligt
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In unseren politischen Kreisen hält man durch die Ablenkung Rußlands die Gefahr des Wiederausbruchs der Balkan-Unruhen für wahrscheinlich. Es ist allerdings noch der andere „Balkanwächter", Oesterreich-Ungarn, da, und man glaubt Grund zur Annahme zu haben, daß die Uebertragung der balkanpolizeilichen Kollektiv - Vollmacht an Oesterreich-Ungarn bereits zum Gegenstand eines Rotenaus- tausches zwischen Petersburg und Wien gemacht wurde. Doch bei Ausübung dieser Vollmacht dürfte Oesterreich - Ungarn einen schweren Stand haben. Es besitzt nicht Autorität genug gegenüber den Baltänslaaten, und daß dem so ist, daran trägt wesentlich Rußland die Schuld. Systematisch arbeitete eS darauf hin, den Einfluß der Habsburgischen Monarchie zu schwächen, allenthalben mit Erfolg, in Rumänien vielleicht ausgenommen. Das dem Geist des Balkan - Abkommens widersprechende Verhalten Rußlands wird sich rächen, wenn es zu Unruhen im nahen Orient fonmit. Die zweite Gefahr ist, daß England die Zwangslage seines alten Gegners benutzen wird, um den Sultan gegen diesen „scharfzumachen". Die unausbleibliche Folge des oslasialischen Kortflikls wäre also eine Schwächung der politischen Stellung Rußlands in Europa, der Krieg mag zu Gunsten oder Un- gunften des Zarenreichs ausgehen.
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Ein hervorragendes Mitglied der Berliner japanischen Kolonie glaubt nicht recht daran, daß den Staatsmännern an der Newa das entschlossene Vorgehen Japans so völlig überraschend gekommen sei. Die betreffende Persönlichkeit erinnert an die Minierarbeit der Kriegspartei am Petersburger Hofe. Diese Partei habe mit dem Sturz Wckte's ihren ersten Erfolg errungen, an dessen Stelle der von der Kriegspartei unterstützte Herr v. Plehwe einrückte. 91 uf das Betreiben des letzteren wiederum seien die Befugnisse des Statthalters für Ostasien, Alexejew, derart erweitert worden, daß Japan das im Sinne einer Kriegsdrohung deuten mußte. EL habe dieserhalb auch Vorstellungen in Petersburg erhoben und daraufhin sei der Kriegsminister Kuropatkiu in Be- fchwichtigungSmission nach Japan entsandt worden. Der glänzende Empfang habe nicht darüber Hinwegtäuschen können, daß die Wahl gerade des Kriegsministers in Japan Befremden erregte und die Wachsamkeit verschärfte.
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Endlich liegen noch folgende Nachrichten vor:
Eine Note Hays an die Mächte soll, wie versichert -wird, in sich schließen, daß weder Rußland noch -Japan gestattet werden soll, einen Einfall in das leige u tlxdj e China zu machen. — Das Kabinett beschloß, absolute Neutralität zu bewahren.
Vom Kampfe bei Port Arthur w.rü noch folgen» des gemeldet: Die russischen Forts feuerten am Morgen auf die etwa drei Meilen entfernt liegende japanische Flotte, die das Feuer erwiderte. Darauf lichteten andere russische Schstsse die Anker und kreuzten um die R.ede herum. Die Japaner kamen bis auf drei Mellen heran. Tie Seeschlacht begann. Die Japaner feuerten aus die Schiffe des Forts, welche das Feuer erwiderten. Die japanischen Geschosse trafen die russischen Schiffe nur unbedeutend. Das ^Feuer der Russen erreichte die gegnerischen Schisse nicht. Während der Kampf im Gange war, fuhr die Columbia davon, sah aber spater noch- wie die japanische Flotte anscheinend unbeschädigt in der Richtung nach Dalny abfuhr, wenn auch die Offiziere der „Coluinbia" sagen, die Zahl derangreifendenSchiffe Hube 17 betragen und man später nur 16 gesehen h at. Der Dampfer „Funtschau" aus Dalny, der am 9. Februar durch die japanische Flotte hiudurcbgefahren ist, berickstet, daß sie aus 6 Schlachtschifsen, 4 Kreuzern erster Klasse und 6 anderen Schiffen bestand und sich 18 Meilen von Port Arthur in südöstlicher Richtung bewegte. Drei japanische Kreuzer fuhren am Dienstag 10 Uhr vormittags an Port Arthur in Seh welle der russischen Flotte vorbei Letztere lichtete die Anker und brach zur Verfolgung auf, kehrte aber eine halbe Stunde später zurück. Nach einem weiteren Tel.gramm aus Tschifu sind die außer Gesecht gesetzten 6 russischen Schisse die Ählackftschiffe Poltawa, Cäfarewcksch, unD der Kreuzer Boyarin- Die auf dem Strande sitzenden Schiffe blockieren die Hafeneinfahrt, madjen den Kanenenboten die Hasenausfahrt unmöglich und hindern die Schlachlschstfe uno Kreuzer, -zur Kohleneinnahme in den Hasen einzufahren.
Berlin, 10. Febr. Mehrere Morgenblätter melden, gestern abend fand in der Berliner japanischen Gesandtschaft ein Diner statt, an dem der Finanzminisier 'her Staatssekretär des Rllchspostamts und der Re.ch^bank- Präsident Dr. Koch teilnahmen. Bei dem r u s s i s ch e n Botschafter fand gleichfalls ein größeres Diner statt, an dem der Reichskanzler, der österreich-ungarische und »der französische Botschafter teilnahmen.
Wien, 9. Febr. Die militärdienstpflichtigen russi- /scheu Untertanen, die in Lemberg uns Krakau an» isässig sind, erhielten Drahtbefehl, sich unverzüglich zum kDienstantritt nach Warschau. M begeben
Kurz vor Redaktionsfchluß gingen noch folgende Telegramme ein:
Petersburg, 11. Febr., 4.45 vorm. Der Stabs- ,ches des Admirals Alexejew telegraphiert aus
Port Arthur vom 9. Febr.: Gegen 11 Uhr vormittags näherte sich ein aus 15 Panzerschiffen und Kreuzern bestehendes japanisches Geschwader Poll Allhur und eröffnete Feuer. Der Feind wurde von den Küstenbattellen und der Festung und dem Feuer unseres Geschwaders, das sich am Kampfe beteiligte, empfangen. Gegen Mittag stellten die Japaner das Feuer ein und dampften nach Süden. Auf unserer Seite sind 2 Marineoffiziere und 41 Marinesoldaten verwundet, 9 Mann getötet Von der Küstenbatterie ist ein Mann getötet und drei sind verwundet. Das Panzerschiff „Pultawa^ und der Kreuzer „Rovik" erhielten eine Beschädigung unter Wasserlinie. Die Beschädigungen der Festungen sind unbedeutend.
London, 10. Febr. „Daily Mail" meldet aus Port 9lrthur: General Krastalinski geht morgen von Lianyang nach dem Palufluffe an der Spitze der 3. Artilleriebrigade ab, die 24 Geschütze und 3 Regimenter Infanterie umfaßt Die 3., 4. und 5. Brigade verschanzten sich längs der Eisenbahn in einer Entfernung von 40 Meilen von Haitscheng. 3 Batterien der 5. Brigade befinden sich in Kintschou. ^n§- gesamt stehen 3 ostsibirische Regimsnter in der Mandschurei. 4 Regimenter sind seit Donnerstag nach Wladiwostok in Bewegung gesetzt.
London, 10. Febr. Daily Mail meldet aus Tientsin: Am Souutag erschien eine starke japanische Torpedo- divtsion in Begleitung von Kreuzern. Die Truppentransport- schiffe eskortierten plötzlich den Vorhafen von Tschemulpo. Auf Aufforderung des japanischen Kommandanten ergaben sich die im Hafen liegenden russischen Kreuzer Warsiag und Korjez, ohne einen Schutz abzugeben. Die Landung der japanischen Truppen ging schleunigst vor sich. 8000 Mann wurden schnell aus Land gebracht; die übrigen folgten. Die japanischen Truppen begannen den Vormarsch auf Seul, nm die Hauptstadt zu besetzen. Autzcr in Tschemulpo sind in allen Hafen - st adle n des südlichen und westlichen Korea japani- sche Truppen gelandet. Eine Division junger Garde hält Fusau und Masamfo beseht, wo sie ausgcjchifft waren Die russischen Kr eg-Zchifse in Wladiwostok jcheiurn durch Eis im Hafen eingeschlosieu zu sein.
Zur Kandwcrkerftage.
Von einem hessischen Reichstags Mitglieds wurde uns nachstehender Artikel zugesandt:
Ueber die ^bekanntlich auch von Kommerzienrat Hey- ligen siaedt mitunlerzeichnete) nationallivrxale Int r- pcllation, die darauf hinausg ng, die R.gterung zu einer Erklärung darüber zu veranlassen, wie sie dem Wunsche nach einer obligatorischen Juvariditäts- und Allersver- lidjerung gegenüber sich verhallen, ist eine ganze Anzahl irreführender Berichte erschienen, weshalb es notwendig erscheint, einige aufflürenoe Notizen darüber zu mr.fstut- lichen. Daß der Handwerkerstano nach vielen Rmftung n hin schwer zu leiden hat, daß er heute an manchen Orten kaum noch lonhirren^iljig ist, bedarf Eemes w it ren Beweises, wenn uns die Statistik belehrt, daß von IiOjOcO deutscher Handwerker nahezu 900 GOj ein Einkommen un er 2000 Mart besitzen, daß sie also gewiß zu den wirtschafrllch Schwachen gerechnet werden mässen.
Die Regierung selbst hat ja auch den Notstand der Handwerker längst anerkannt und deshalb zur Abhllse das Handwerkerorganifatioiisgesetz vom Jahre 1897 erlassen. Leider hat aber dieses Gesetz nicht gehallen, was man von ihm erwartet hatte, wenn auch nicht geleugnet wcrden darf, daß es in mancher Hinsicht beachtenswerte Forderung n enthüll, die wohl geeignet erscheinen durften, das H. nd- werk einer besseren Zpttunft entgegenzufiihr.n. Von der Notlage des HarrdwertS überzeugt, halten nun alle diejenigen Parteien, die die fogcnannie „Mittelsandspolllll" befürworten, zu Beginn der dicsinaiigen Leg slacurperiode Initiativanträge eingebracht, die dem Handwerk zu gute kommen sollten, darunter befanden sich mch.ere Antr..ge, die die obligatorische Atte.s- und I .v l dttcitt v.rsichcru g befürworteten, andere, die scg..r die obagatorischc Kranken- und Unfallversicherung ciugechhrt wissen wolllln. Der nationalliberalen Partei war es klar, daß alle derart gestellten Anträge vielleicht erst noch Jahr itnd Tag zur Verhandlung kommen wurden und da innerhalb der Fraktion die Meinung verbrellet war, daß dem Hanowercerstand nicht länger die Vortelle vorenthalten tocToen dürften, die dem Arbeiter schon längst durch das Alters- und Juvalidttäts- gesetz, zu dem der Arbellgeber seine Beiträge leisten muß, gewährleistet sind, so entschloß sich die Fraktion, durch Dr. Becker-Offenbach, der als langjähriger Vorsitzender eines größeren Ortsgewerbevereins und als Mitglied des Bczllkstages der Gewerbevereine einen genauen E.nblick in die Wünsche der Handwerker hat, eine Interpellation einbringen und vertreten zu lassen, da auf der Versammlung der Gewerbevereine Deulsch.ands in Mainz ausdrücklich und einstimmig der Wunsch geäußert worden war, man möge durch Eingabe an das Reichsamt des Innern die obligatorische Versicherung der Handwerker gegen Aller und Invalidität alsbald in die Wege leiten. Damit waren natürlich die Initiativanträge der übrigen Parteien gegenstandslos geworden.
Tie Interpellation und die Vertretung war eine rein sachliche, es war von den Interpellanten nicht beabsichtigt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, sondern lediglich darzu- tun, daß int Interesse der Zukunft des Handwerkers eine derartige Versicl-erung geschaffen werden müsse.
Sämtliche bürgerliche Parteien stellten sich in der Debatte auf den Boden der Jttterpellatiou, deren Grundgedanken sie auch in ihren respektiven Initiativanträgen befürwortet hatten. Tie Regierung verhielt sich in der Antwort zunächst außerordentlich kühl, wie das ja gewöhnlich geschieht, wenn es sich um die Unterstützung des Mittel- standes handelt, ja Graf Posadowsky glaubte sogar der Meinung Ausdruck verleihen zu müssen, daß wir mit einer Versicherung selbständiger Existenzen in den Zukunftsstaat des Herrn Bebel segeln würden! Tie Antragsteller waren sich selbstverständlich von vornherein über die finanzielle Schwierigkeit klar, aber wo ein Wille ist, da ist auch, ein Weg; überdies wird es ein leichtes sein, nachzuweisen, daß die finanziellen Bedenken gar nicht so große finb, wie man das gewöhnlich vom Regierungsbisch aus behauptet, denn der Staatszuschuß würde im äußersten Falle höchstens den zehnten Teil betragen von der Summe, die heute schon der Staat zu der Versicherung der Arbeiter beigciragcn hat; was man für den Arbeiter tut, sollte man doch billiger
weise auch für den Arbeitgeber verlangen können. TÄe Idee der Versicherung ist nach Ansicht der Interpellanten folgende:
1. versicherungspflichlig sollen alle Handwerker sein;
2. die bestehende Arbeiterversicherungsgesetzgebung betr. Alter u'nd Jnvalidttät bleibt auch für den .Handwerker in Kraft und zwar mit denselben Beitragssätzen;
3. auf die bestehende Versicherung werden zwei Klassen aufgebaut von 2000—3000 und 3000—4000 Mk. Einkommen, d. h. A r b e i t s emkommen;
4. alle höheren Einkommen sind in der 4000 Mk.-Klasse versicherungspflichtig;
5. das Reich zahlt bei dem Arbetter zu jeder Rente 50 Mk. als Staatszuschuß.
Wer diese Forderungen unparteiisch und vorurteilslos prüft, wird sich der Einsicht nicht verscyließen können, daß die nationalliberale Partei nur im Interesse des bedrängten Handwerkerstandes gehandelt hat, als sie diese Interpellation einbradjae, sie hat die feste Ueberzeugung, daß auch die Regierung zu der Einsicht kommen wird und muß, daß man mit solchen Maßnahmen nicht in den Zukunftsstaat der Sozialdemokraten segelt, sondern daß man im Gegenteil diesen Zulunftsstaar am besten dadurch bekämpft, daß man dem Treiben der „Genossen" eine gesunde Mittelüands- politik entgegensetzt. Diese Aufgabe zu erfüllen, wird auch in Zukunft das eifrige Bemühen der nationalliberalen Partei sein, die schon aus „nationalen" Gründen einen Untergang des Mittelpandes unter allen Umständen verhüten muß. Setzt sie sich damit auch manchmal in Widerspruch mit der Regierung, so ist das zwar zu bedauern, das Interesse der Allgemeinheit aber steht über den Wünschen und An- sichten der Regierung: die Partei hat dem Volkswohl in erster Linie zu dienen.
(tomüHüjnaL
Gießen, 10. Febr. Tie 1. Zivilkammer des hiesigen Landgerichts hat ein für D e l a i 111 ft c n wichtiges Urteil gefällt. Bürgermeisterei und Amtsgericht hauen der hiesigen Ortskranken kaffe zugestanden, daß der Koloniatwaren- händler 91. verpflichtet fei, fein Dienstmädchen als versicherungspflichtig bei dieser Kasse anzumelden. 91. Halle gegen dieses Urteil Berufung eingelegt und nun hat die Zivillammer entjchieden, daß die Orlslrankenlaße anzuerkemien habe, daß dem Kläger diese Pflicht nicht obliege. Tie Ortskrankenkasse hat die Kosten des 9iechlsslreltes beider Instanzen zu tragen. Tas Dienstmädchen Minna Gr. war von 91. gegen einen Monalsloyn von 16 Mk. angenommen. Tie Lrtstrantenlasse will die Berlicherungspftichl der G. daraus herleiten, dap sie nicht allein un Haushalt des Klägers, sondern daneben auch a t s L a d e n r e i n i g e r i n im Ha n d e l s- gero erbe des Klägers beschäftigt geivejen sei, und daß sie auch sür diesen Teil ißrer Beld)äitigung einen tolpi, beuchend in einem verhältiiismäßigeii Tell iyres GeiamUohnes, erhalten habe. Tas Urteil der Zivillamnier führt nun ans; „Rechtlich ist anzuerkennen, daß es für die Frage, ob eine Person in einem die Beriicherungs- pfllcht begründenden Betriebe beschäftigt ist, nicht darauf ankomint, ob sie in diesem Betriebe ihre Hauptbeichafligimg ftndel, daß vielmehr auch eine bloße 9lebenbejchäftiguiigili biejem Betriebe genügt, sofern es sich iiichl blos um eine gelegentliche und mithin vorübergehende oder zwar um eine dauernde, aber nach Leistung und Lohn derart geringfügige Tätigkeit handelt, dag sie um deswillen als eine Pefchaftiguiig un Sinne des § 1 des Kranten- versicherungsgejetjes nicht zu beurteilen ist. Im vorliegenden Fall ist nun aber Die Beschäftigung der Minna Gr. nu Handelsgewerbe des Klägers derart geringfügig gewesen, daß sie nicht wohl als Beschäftigung im Handelsbetrieb im Sinne der angeführten Geieyes- bestimmung in Betracht kommeii tanu. Tenn als derart geringfügig muß eine Beschäftigung erscheinen, die von der gesarruen Arbeitszeit der betrependen Person iiichl niehr als d u r ch s ch ii i 11- l i ch eine Stunde täglich ui Anspruch nimmt, und mehr als im Durchschnitt eine Stunde täglich haben die von der Gr. für das Haiidelsgeiverbe des Klägers geleisteten Arbeiten — alles m allem gerechnet — kemessalls erfordert, während das Aiädchen im Gaiizen etiva 14—15 Stunden täglich zu arbeiten halte. Insbesondere würde sich auch, wollte man einen Teil des deiii Aiädchen geivährten Lohnes als auf die für das Geschäft des Klägers geleisteten Arbeuen entfallend betrachten; für diese Arbeiten ein so überaus geringer Lohn ergeben, daß auch aus diesem Grunde die Befchäftigung nicht als unter § 1 des Krankenversicherungsgejeges fallend betrack)tel werden tonnte. Dazu kommt weiter, daß cm entlohntes gewerbliches Bejchäftigungsverhällms überhaupt nicht als gegeben angenommen werden kann. Ter dem Aiädchen gewährte Lohn von 15 Aik. rnoiiatlich überflieg nicht denjenigen Lohn- betrag, der in Gießen Dienstmädchen gewährt zu werden pflegt, und er würde zweifellos in gleicher Hohe verlangt und gewährt worden fein, wenn eine Befchäftigung des Mädchens im Gewerbebetrieb des Klägers nicht m Frage getommen tuare. Unterlag aber hiernach die Minna Gr. nicht der Krankenversicherimgspflicht, so bestand and) für den Kläger nicht die m Frage stehende Anmeldepflicht, und es ist sonach die Bellagte dein Klageantrag gemäß zu verurteilen, das Nichtbestehen dieser von ihr behaupteten Anmelde- pflicht des Klägers aiizuertennen "
Kunst und Wissenschaft.
— In eine in der „9t. Fr. Pr." veröffentlichte Betrachtung über den 90jährigen Philosophiegelehrten Eduard Zeller hatte der dem deutschen Reichskanzler persönlich befreundete Professor Ludwig Stein folgenden Satz eingesügk: „Wie man dem Grafen Bülow so häusig gesagt hat. er vertrete die Politik der „mittleren Linie", so könnte man die Philosophie Eduard Zellers als die Weltanschauung der Diagonale bezeichnen, aber nicht in malam partem (zu seinen Ungunftcnk Denn der Stammvater dieser Lehre von der Diagonale ist kein Geringerer als Aristoteles." Jetzt hat Graf Bülow folgendes Schreiben an Professor Stein gesanol:
9)1 ein lieber Herr Professor!
Ich danke Ihnen für die freundliche Zusendung Ihrer oo* schöner Pietät zeugenden Auffätze über unseren verehrten Eduard Zeller und für die anerkennende Griindgesinnüng, mit der Sie bei dieser Gelegenheit der Bestimmung meiner politischen Psyche näher treten. Ihre Freundschaft bringt mich freilich in gar erhabene Zusammenhänge. Dem großen Stagiriten sd. h. Aristoteles) darf ich mich doch nur in dem Sinne verwandt fühlen, daß auch er ein Mann des staatlichen Lebens war, und daß vielleicht gerade feine politischen Erfahrungen ihm nahe- legten, das Richtige in allen menschlichen Dingen als ein Mittleres zwischen zwei E x t r e tn e n zu suchen. Was den guten Politiker macht, ist ja im Grunde nutzt das Ziel — das können Phantasten sich immer höher und schöner fteden, als je ein Staatsmann es zu erreichen vermag; — sondern die Benutzung der 'Mittel. Der rührige Erzieher des Niacedotiischen Imperators — .r4riatote qui remue toutes olivaes" ^Aristoteles, der alle Tinge bewegt», sagt 9)loiitaigne voil ihm — besaß eine Lebenserfahrung wie wenige Große im klassischen Altertum und verpflichtete sich auf einen nüchternen Wirkllchkeitssinn, der wohl mehr erworbener Charakter als natürliches Temperament mar. Wenn Sie ihn mit solchen Attributen als einen Lar familiaris (Familiengeist) ausstellen wollen, bin ich bereit, den Meister zu loben.
Mll freundlichen Grüßeii auch von meiner Frau
Ihr aufrichtig ergebener Bülo nx*
unübertroffene Schön beite- und Gewndheils-Seife. viel tausendfach bewahrt. Aerztlich empfohlene Kinder-Seife, ernzic in ihrer All. Stuck 50 Pf. Erhältlich in Apotheken. Dro-ericn und Parfümerien wie auch das nicht fettende Myrrbolin-Glycerin. Ertötet Weisse, zarte Hande, reiner, schöner Teint.
Beste Haut-Pflege-M-tteL


