Mittwoch 10. Februar 1 »04
154. Jahrgang
Erstes Blatt.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
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Vchulstrahe 7.
Ndresie für Depeschen: Anzeiger Gieße«.
FerwprrchanschlußNr.bl.
5etCn** Zum Beamtenqesetz. Wir erhallen folgende Zuschrift: „In der gestrigen Nummer besprechen Sie den Gesetzentwurf über die Dienstverhältnisse der Staatsbeamten; Sre erwähnen mit Recht, daß der Entwurf von den Beamte« zu begrüßen ist, daß aber auch gegen einzelne Bestimmungen Bedenken erhoben werden können. Zu diesen Bestimmungen gehört auch die Möglichkeit, einen Beamten nach zurück- gelegtem 6 5. Lebensjahr in den Ruhestand zu ver- etzen. Ob die Regierung von diesem Recht, welches ihr nach Annahme des Gesetzentwurfs zusteht, auch den Richtern gegenüber Gebrauch machen kann, dürste zweifelhaft sem, da es im Widerspruch steht mit der durch daS GerichtS- Berfafsungsgesetz gewährleisteten Unabsetzbarkeit der Richter. Nach Mitteilung der .hessischen Rechtsprechung" Nr. 14 vom 15. Oktober 1903 hielt auch der Verem der hessischen Richter eine Eingabe an das Justizministerium für notwendig, in welcher darauf hingewiesen werden sollte, daß nach .einer in juristischen Kreisen, wie in der Rechtslehre weit verbreiteten Austastung hierin eine Verletzung der §§ 6 und 8 G.-V.-G. enthalten fei und daß eS daher — auS Rechts- wie auS 'Zweckmäßigkeitsgründen — schweren Hebenden begegnen müsse, die Möglichkeit der unfreiwilligen Versetzung eines Richters in den Ruhestand mit Vollendung des 65. Lebensjahres — ohne Hinzutritt sonstiger sachlicher
Gießen, den 9. Februar 1904. Letr.: FortbildungSlehrgang für Zeichenlehrer. , Die Großh. Kreisschulkommisfion Gießen au die Schulvorstände deS Kreises.
Im Sommer l. IS. sollen in Darmstadt zwei drei- wöchige Zeichenkurse abgehalten werden. Lehrer an mehr- klassigen Schulen, die einen Zeichenkurs noch nicht mtt- gemacht haben, aber gern an einem solchen teilnehmen möchten, haben ihre Meldungen bis spätesten- z«M 20. Februar L Js. bei unS einzureichen. Die zum Kurse 6tnberufenen erhallen eine Vergütung von je 100 Mk.
Dr. Breid ert.
Ausland.
Stockholm, 9. Febr. Die Regierung legte heute dem Reichörate einen Gesetzentwurf vor betr. Erweiterung des Stimm rechts der den Wahlen zur zweiten Kammer. Es soll jeder minderns ^Erge Mann wahlberechtigt sein, der in den letzten drei Jahren i Staatssteuern und Gemeindesteuern bezahlte und feiner
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Krkmmtmachmg.
Sonntag, den 14. ds. MtS., nachmittags 3 tlhr, wird, wie bereits angekündigt, HerrOekonomierat Leithiger zu Alsfeld im Gasthaus .Zum Rappen^ zu Grünberg einen Vortrag »über Futter bau* halten. Inzwischen hat er noch einen weiteren Punkt auf die Tagesordnung gesetzt und wird nunmehr außerdem auch über .Stand und Bedeutung der KornhanSgenossen- sch asten* sprechen. Bei dem großen Jnterefle, daS gegenwärtig gerade das letztere VortragSthema in Anspruch nimmt, darf wohl auf eine zahlreiche Beteiligung gerechnet werden.
Die Großh. Bürgermeister von Grünberg und den umliegenden Gemeinden ersuche ich um Bekanntgabe de§ Vor- üehenden.
Gießen, den 9. Februar 1904.
Der Direktor des landw- Bezirksvereins Gießen.
I. 93.: Dr. Heinrichs.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger
Militärpflicht genügte. Die Wahlen finden Proportionen statt.
Paris, 9. Febr. General Davonst, Herzog von Auerstedt, ehemaliger Großmeister der Ehrenlegion, ist, g e ft o r b en.__
Ans Stadt and Saad.
Gießen, den 10. Februar 1904.
*• Die Direktion der psychiatrischen Klinik teilt uns mit, daß ein Kranker entlaufen ist, zu besten Ermittelung folgendes dienen soll: Junger Mann von großer Statur, gesunde Gestchtsfarbe, bartlos, mit etwas starrem Blick. Kleidung: Brauner Jaquetanzug. Der Kranke hat sich vermutlich in der Richtung nach Limburg oder Fried- berg gewendet. Eventuelle Nachricht an die Direktto« er-
Keer tmö Alorte.
— Der Senior des Gesamthauses Hessen, Landgraf Alexis von Hesien-PhilippSthal-Barchfeld be- ging sein 50 jähriges preußisches Militärjubiläum.__________
Gründe — in Heften zuzulaften^.
** Deutscher und österreichischer Alpenverern, Sektion Gießen. „Heber den Gebrauch physikalischer Jn- trumente auf Alpentouren * hielt Prof. Dr. Drude in der letzten Monatsversammlung vor zahlreichen Zuhörern einen höchst anregenden, durch Vorführung und Erklärung der einzelnen Apparate veranschaulichten Vortrag. Als das für alpine Zwecke wichtigste Instrument bezeichnet Redner daS Barometer. Es gewährleistet die zuverlässigste Höhenbestimmung und ermöglicht zusammen mit der Karte auch dem führerlosen Touristen, mit Sicherheit festzustellen, ob er wirklich auf dem ersttebten Punkt sich befindet, oder ob er etwa auf eine benachbarte Höhe sich verstiegen hat. Bei der großen Unbequemlichkeit deS Quecksilberbarometers ist für den Alpinisten am zweckmäßigsten ein Aneroidbarometer, wie ein solches von der handlichen Form einer Taschenuhr vorgezeigt und beschrieben wurde. ES zeigt noch Höhenunterschiede von 5 Meter deutlich an, bis zu 4000 Meter Maximalhöhe. Ein anderes Höhenmeßinstrument ist daS Hypsothermometer. Dieses beruht auf der Tatsache, daß der Siedepunkt deS WasierS mit der Höhe wechselt, und besteht danach auS einer Vorrichtung, um eine kleine Menge Master über einer Flamme zum Sieden zu bringen, und aus einem Thermometer; auS der Höhe de§ SiedepuntteS ergibt sich die Höhenlage des jeweiligen Standortes. Einfacher aber ist daS Barometer; dieses im Verein mit der Karte und dem Kompaß, sind die besten Orientierungsmittel. Weniger von Belang, well bei entsprechender Aufmerksamkeit auch vermeidbar, sind für den Gebrauch des Kompostes die Störungen durch GesteinS- magnetiSmuS, desten Entstehung und Erscheinungsform eingehend besprochen wird. Ebenfalls bequem gleich einer Uhr in der Tasche mitzuführen ist der Schrittzähler, ber selbsttätig die Zahl der von seinem Träger ausgeführten Schritte genau verzeichnet; bei Kenntnis der durchschnittlichen Schrittlange ist die zurückgelegte Entfernung dann leicht zu bestimmen. Freilich ist beim Bergsteigen dieses Instrument von geringerem Werte als bei Bewegungen auf ebener Fläche, hier sogar zu- oerläfsiger als die Uhr, die ja durch langsameres oder schnelleres AuSschreiten, durch Aufenthalte und JRaften tn ihrem Gange nicht beeinflußt wird. Das Prinzip deS Schrittzählers Hai in neuester Zett eine weitere Ausbildung erfahren un „Pebographenfi der auch noch den ganzen zuruckgelegten Weg mit jeder Aenderung der Richtung genau graphisch festhält. Zur Orientierung im Hochgebirge kmm ferner ein NeigemgSmester wichtige Dienste leisten. Die Konstruktion ist höchst einfach: ein m 90 Grade geteilter Quadrantbogen mit kleiner Kimme und einem den Rand bestreichenden Senkel. Dieses Instrument, als Horizontmesser gebraucht, wie eß Paul Güßfeld tut, gestattet aus die bequemste Weise alle die Punkte feftznsteaen, die mit dem Standort des Beobachters in gleicher Höhe liegen; als Neigungsmesser gebraucht, zeigt es genau den Neigrmgs- oder ' Erhcbungswinkel an, den die vom Beobachter nach einem zweiten tiefer oder höher gelegenen Punkte gedachte 93er- bindungslinie mit der Horizontalen oder Verttkalen bildet. i'Kann nun außerdem noch die Höhe des Standortes mittels
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täglich außer Sonntags.
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Politische Tagesschau.
Der deutsche LaudwirtfchaftSrat irctt cmt 9. d. M. in Berlin zur ersten Sitzung ferner Vollversammlung zusammen, der u. a. Staatssekretär Frhr. von Stengel beiwohnte. Der Vorsitzende Graf von Schwenn- Lo ew'i tz eröffnete die zahlreich besuchte Versammlung, sprach seine Freude über die Genesung deS Kaisers auS und forderte die Vertreter der Landwirtschaft mit Rücksicht hierauf, und auf den Ausfall der Reichstagswahlen auf, von Neuem chre Ergebenhett zum Kaiser und seinen Verbündeten zu bekunden. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und die BundeS- sürften sowie die freien deutschen Städte. Darauf wurde m die Tagesordnung eingetretcn, deren erster Gegenstand ist: Der wirtschaftliche Zusammenschluß der europät- schen Staaten und die Reform der bisherigen Merst- begünstigungsverträge. , ,
Der Landwirtschaftsrat nahm emstimmtg eine Resolution zn in der in Hinblick auf den wünschenswerten engeren wirtschaftlichen Zusammenschluß der europäischen Staaten d,e Gründung eines mitteleuropäischen WrrtschaftS- v er eins freubig begrüßt wird, ferner die Notwendigkeit ausgesprochen wird, in den neu abzuschlleßenden Zolltarts- verträgen eine Bestimmung aufzunehmen, nach der dre von den vertragschließenden Staaten einander eingeräumten Der- günstigungen dritten Staaten nicht auf dem Wege allgemeiner Meistbegünstigungen, sondern nur auf dem ©runb gleichwertiger tarifarischer Gegenkonzessionen zugeftanden 'werden dürfen. Die Resolution bittet schließlich den Reichs- kanzler dringend, das landwirtschaftliche Gewerbe wenigstens für 1905 vor großen Schäden zu bewahren und alle mit längerer als dreimonatlicher Kündigungsfrist ablaufenden Handelsverträge unverzüglich zu kündigen.
Nach Erledigung dieses Gegenstandes nahm die Versammlung dann noch einen weiteren Antrag an, bet die Land esversicherungSan st alten ersucht, mehr als bisher die Bau ern-Wohnungen für Landarbeiter durch Hergabe von Darlehn zum Zinsfuß von 3 pEt. fördern. Die Unterstützung wird in erster Linie für Baugenossenschaften, aber auch für die Besitzer größerer Güter verlangt. Eventuell sollen die Darlehen auch für sonstige rein ländliche Zwecke, wie Wegeverbefferungen imd Unterstützung von Darlehns- kaffenvereinen bewilligt werden.
Deutsches Reich.
Berlin, S. Aebr. Trr Kaiser besichtige heut-nach- mittag mit dem Prinzen Heinrich tm Laudesansstellun^ gebäude die für die Weltausstellungen Sb Laues bestimmten wissenschaftlichen Gegenstände in ^nwatz, des Kultusministers Dr. Studt und des schafters. Ter Kaiser und Prinz lxrnrich begaben peb am Wend nach Potsdam und nahmen E ersten Garderegiments an einer Feier zur Sri ung an den Eintritt desKa.sers rndasRegr-
- Voraussichtlich w-rd das Karserpaar ewen längeren Aufenthalt im Fruhrahr in Homburg b‘ ^W?e^die^,Köln. Volksztg^.meldet, ist Kardinal Fischer, der morgen "ach Berlin fahrt, »m f^ien ren Haussitz einzunehmen, den 14. Februar z-u
U -^eb e t hatte im Reichstage ber Meinung Ausdruck geaeten, daß die Reden der Sozialdemokraten lern vanfe nicht mehr Zeit fortnäkMen, als d4e Reden der Mitolieder anderer Parteien. Daraufhin hat sich nun eu Statistiker das Vergnügen gemacht, auszurechneu, wre viele
Spalten des offiziellen ftenograph-ischen ReichStagsproto- . kvlls vom 3. Dezember bis §um 24. Januar die Reden der , einzelnen Parteien füllten. Er kommt zu dem folgenden Resultat: eS füllten die Deutschkonservattven 85 Spalten des ftenographischen Berichts, die Reichspartei 33, bte < Polen 35, das Zentrum 133, die Nattonalliberalen 133, Freisinnige Volkspartei 102, Freisinnige Vereinigung 52, Süddeutsche Dolkspartei 21, Anttsenriteu 62, Sozraldemokraten hingegen 331Spalten.
— In der gestrigen Sitzung des Zentralkomttees vom Roten Kreuz wurde eine Aufforderung an den Landesverein zur Crrichttlng von Sammelstellen M Mmsten des Expedittonskorps für Südwestafrika beschlossen. Vetr. der Beteiligung des deutschen Roten Kreuzes an dem Kriegs-Sanitätsdienst in Ostasien soll Bet dem tatsächlichen Ausbruch des Krieges ein bezügliches Anerbietnt sowohl an das russische wie an das japanische Rote Kreuz gerichtet werden. Tie Vorbereitungen bezüglich Gestellung des Personals und Materials sind eingelettet.
Bremen, 9. Febr. Ter Lloyddampfer „Darmstadr mit dem Truppentransport ist heute nachmittag um 1 Uhr wohlbebalren in Swakopmund eingetroffen.
Königsberg, 9. Febr. Tie Voruntersuchung gegen alle in dem Geh ei mb und Prozeß verwickelten Personen ist wegen Hochverrats gegen das russische Reich und Zarenbeleidigung etngeleitet
Duisburg, 9. Febr. Hier ist auch eine Bewegung der Aerzte gegen die Krankenkasfen in Fluß gekommen. Der Aerzteverein hat eine Bertragskomnnssion eingesetzt, welche freie Aerztewahl, angemessene Honorierung der Kassenärzte und die Einsetzung von Emigungskom- miffionen bei Streitigkeiten lokaler Natur zwischen den Aerzten und Kassen verlangt.
Dresden, 8. Febr. Der Vorsitzende des deutschen DertilarbeiterverbandeS und derDertrauens- 1 mann der organisierten Krinrmitschauer Texttlarbeiter sind beim Bürgermeister Beckmann vorstellig geworden und haben erklärt, daß sie, wenn gegen den angeblichen Terrorismus der Fabrikanten nicht eingeschritten werde, es nicht verhindern könnten, wenn der Kampf von neuem beginne. Don einem Terrorismus der Fabrikanten kann ebensowenig die Rede sein wie von einer Neigung der Arbeiter, von neuem in den Ausstand zu treten.
— In der Wahlrechtsreformdebatte in der zweiten Kammer wurde als einziger Rettungsanker in dem Wahlrechts-Tohuwabohu die Zusage des konservatrven Führers, des Justizrats Opitz bezeickMet, das von national- liberaler Seite vorgeschlagene Pluralwahlsystem tn Erwägung zu ziehen. Jetzt schreibt dte nationalltbera^ „TreSd. Ztg.", wie sie höre, habe Mrnister v. Metzsch persönlich seine Bereitwilligkeit zugesagt, dte für die Erwägung einer Einführung dieses Systems notwendigen Unterlagen regierungsseitig zu beschaffen. Sn der Wahlrechtsdebatte hat der Minister die Pluralwahl allerdtngs verworfen, well es notorisch sei, daß sie ttt^Felgten dte Sozialdemokratte in die Kammer gebracht habe; er hot aber zugleich ein fließen lassen, daß dieses System manches Verlockende habe. Es wäre nicht unmöglich, daß ftch wenigstens ein nicht unerheblick)er Teil der konservattven Fraktion für das Pluralwahlrecht erwärmte, selbst au die Gefahr hin, der Sozialdemokratie wieder etittge Dmn- bate einräumen zu müssen.
München, 9. Febr. Behufs Herabsetzung der Schweinefleischpreise nahm der Magtstrat folgenden Antrag an: Tie Verkaufspreise tu der sog- Fletsch. bank werden künftig einer magistratischen Kontrolle dahin unterstellt, ob sie sich im gerechten Gtnklangjntt den Vieheinkaufspreisen befinden. Ist letzteres nicht der Fall (worüber eine aus dem Magtstrat zu btlden- den Kommission entscheide), so sind die be^effenden Standinhaber zu sofortiger entsprechender Ermaßtgung der Fleischpreise aufzufordern. Wird dieser Aufforderung eine Folge nicht geleistet, so ist Kündigung des Platzes und Weitervergebung des letzteren an etneu anderen Dcetz. germetster beim l^^istrat^z^^eanttagen^^E^EE^E^
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Berlin, 9. Febr. Die Reichstagskommission für die Errichtung von Kaufmunnsgertchlen sprach sich heute mit 7 gegen 6 Stimmen gegen die Verleihung des passiven Wahlrechts an Frauen aus.
- Die Freisinnige Bolksparter und die Deutsche Volkspartei haben ihre gemeinschaftlichen Fraktions sitzungen wieder auftzenommen.
— Die Kommissionsberatung des-Gesetzes über die Der- Pflichtung zum Besuch ländlicher Fortbildungsschulen in der Provinz He f sen-Ra s s a u begann heute. Zum zweiten Abschnitt des § 1 wurde em Anttag Hofmann-Dillenburg (natl.) angenommen wonach Ausnahmen von der SchnlbefuchsverMchtung auch durch. Ortsstatut gestattet sein sollen. Dte entschetdende Bestimmung des ersten Absatzes des § 1 wurde ohne sachliche Aenderung genehmigt.


