Ausgabe 
9.11.1904 Viertes Blatt
 
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Nr. ÄG4 Zweites

154. JahrgEg Mittwoch November 1904

scheint lSglkch mit Ausnahme de- Sonntags.

Die©iefiener Kamtttenblütter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hrrsilche Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Gieheim Nystzre

Rotationsdruck und Verlag der BcÜ hl'scheu Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen»

General-Anzeiger, Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

Kriminal-Roman von O. Elster. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Und

Ich fliehen

Aus «plM und Lmch.

Gießen, den 9. November 1904.

* Die gestriqe Volksvorstellung derJour­nalisten^ im Stadttheater war nicht nur bis auf den letzten Sitzplatz, sondern auch bis auf die äußerst zulässige Zahl von Stehplätzen besucht. In der Auswahl der Stücke für die Volksvorstellungen war die Direktion bisher glücklich: das erste MalTalisman" und gesternDie Journalisten", Werke, die es so recht verdienen, vom Volke gesehen zu lverden. Denn ausnahmslos Dichtungen unserer Klassiker zu bieten, geht nicht an. Es wäre nur zu wünschen, daß die Darsteller cs als eine sehr lohnende Aufgabe ansehen, für eine so große Menge dankbarer und gewiß zum größten Teil auch verständnisvoller Zuschauer ihr bestes Können und den ganzen Ernst ihrer Künstlerschast cinzusetzen. _ Das Publikum bewies gestern großes Interesse für das hübsche Lustspiel.

** Die Generalversammlung de§ Freisinnigen Vereins am gestrigen Abend war überaus stark besucht.

rüdf ich floh weiter und weiter. Ter Gedanke an dieses Grab verfolgte mich, ich wanderte Tag und Nacht, um hier zu sterben

Sie schlug die Hände vor das Gesicht und blieb regungslos fl6Cn,',<Sie haben die Wahrheit gesprochen, Bertha Wullbrandt?" fragte Käthe mit bebender Stimme.

Ta fuhr sie empor. e ~ ,

Bei dem Leben meines Kindes, das r» vor der Schmach seiner Mutter wahren wollte, ich sprach bze Wahrheit. . ckbcr sehen Sie", fuhr sie mit bitterem Lächeln fort,Nicht einmal Sie glauben mir, wie sollten da die anderen Menschen mir 0lClU^Mi", rief K-ithe aus, >,ich glaube Ihnen! Und die an- deren sollen und werden Ihnen auch glauben, haben Sie nur den Mut, bie Wahrheit zu sagen!" .

"ES ist niemals' zu 'spät, anher wir stehen schon vor GotteS Richterthrou." ... . ., , .

Binnen kurzer Zeit werde ich, vor seinem Throne stehen, und ' er wird nur barmherzig sein."

Sie sind erschöpft, ermattet von der langen Wanderung, m unserem Hause werden Sie sich erholen."

Nein nein. . ich danke Ihnen ... cs ist vor­über". . ich ' sterbe .. . ich ,'habe Gift . ..."

Sie vollendete die Rede Nickt, sondern sank zurück, wahrend eine fahle Totenblässe ihr Gesicht überzog und ein krampf­hafter Schauder durch ihre Glieder rieselte.

Bertha . . . um' des Himmelswillen! Nein, nein, Sie dürfen nicht sterben." ... m L . Urt,.r,tAi-

Sie schlang die Arme um Berthas Körper und versuchte sie aufzurichten. Bertha schlug noch einmal die Augen auf. Tank tausend Tank", flüsterten ihre Lippen, dann sch oßJie die Augen und sank schwer und leblos ui die Arme Küthe,>

Ratlos sah sie sich um. Da gewahrte sie den Kirchendiener

Berufe. Es ist ein einfach notwendiges Resultat der neu- < zeitlichen Gestaltung unseres öffentlichen sozialen Lebens, das J immer feiner, aber damit auch komplizirter ausgestaltet wird. !

Neuerdings regt sich unter den rheinischen Bürger- , uieistern eine Bewegung unter der Devise: Wissen- < schaftliche und fachliche Fortbildung. Zuuial der Trierer Bezirksverein hat in seinen Versammlungen sich ernst- < lich daruit befaßt, während Negierungsrat Schmidt (Trier) i publizistisch dafür eintrat und brauchbare Verträge lieferte. , Kürzlich hat sich die Hauptversammlung des Vereins der Land­gemeinden, Bürgermeistereien und Bürgermeister der Rhein- : Provinz damit beschäftigt. Der Bürgermeisterverein macht Vorschläge in einer Denkschrift, die von der Versaiumlung gutgeheißen wurde und betitelt ist:Die wissenschaftliche und sachliche Fortbildung des rheinischen Landbürgermeisters, eine , politische und soziale Notwendigkeit." Genauer sagt man 1 wohlAusbildung" oderHeranbildung"; um den Nach- i w u ch s handelt es sich, nicht umFortbildung" des im Dienst befindlichen Bürgermeisters. Im Verfolg einer all­seitig gründlichen Darstellung der Pflichten des Landbürger­meisters kommt die Versammlung zu folgenden Forderungen: 1. Primazeugnis, 2. drei Jahre Kommun al dienst, 3. Ablegung einer mündlichen und schriftlichen P r ü f u n g.

Diese Forderungen, hervorgcgangen aus den Kreisen der Bürgermeister selbst, dürften wohl im allgemeinen den Kern der Sache treffen. Sie stellen nämlich der Reihe nach bei den Kandidaten sicher die nötige Allgemeinbildung, die fach­liche praktische Uebung und seinen Fleiß, sowie feine Be­fähigung zur Bürgermeisterstelle.

Das Primanerzeugnis halten die Einen für zu weitgehend, die Anderen für zweckentsprechend. Die drei Jahre Kommu- naldienst finden keinen Bekrittler. Auch bei Bürgermeistereien gilt das alte Sprichwort:Des Herrn Auge schafft mehr als seine beiden Hände." Der praktische Blick darf nicht fehlen. Eine schließliche Prüfung ist auch nicht unbillig. Man muß die Fähigkeiten der einzelnen unparteiisch abwägen können gegen einander. Zugleich ist es ein Ansporn zum Fleiß. Jedoch verlangt hier die Denkschrift etwas viel, wenn sie verlangt, die Anwärter sollten durch Privatstudien sich in all den Gebieten wissenschaftlich und praktisch ausbilden. Oder klafft hier eine Lücke in den Darlegungen, daß man doch an Mittel gedacht hat, den Herren diese Bildung durch Unterricht zu verschaffen, Will man die Bildung, niuß man auch die notwendigen Bildungsmittel wollen. Hier darf man den Kandidaten nicht aus pures Selbststudium verweisen. In irgend einer Weise müßten Unterrichtskurse oder Vorträge oder wenigstens Angabe eines bestimmten Pensums nebst dem Unterrichtsmaterial dazu oder von Zeit zu Zeit einzuforderude schriftliche Arbeiten anregend mithelfen, sonst ist zu fürchten, wird aus dem Selbststudium nicht viel.

*

Die neuen Bestimmungen über die Beförderung, -ou Vieh, die in die Eisenbahn-Verkehrsordnung ausgenommen sind, geben zu Erörterungen Anlaß, weil in Z 6 Z. 1 die Frist, innerhalb deren die Tiere bei weiten Reisen mindestens ein- mal getränkt werden sollen, von 24 auf 36 Stunden ver­längert worden ist. Hierdurch sei eine im Interesse des Tierschutzes beklagenswerte Verschlechterung gegen­über dem früheren Zustand eingetreten. Deuigegnüber ist die Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen in der Lage, festzustellen, daß kein Grund zu Beschwerden vorliegt.

Denn die bisherige Vorschrift, wonach bei allen Transporten in Viehzügen, die für die Fahrt zwischen dem Absende- mw Be­stimmungsort eine Zeit von 24 Stunden und darüber erfordern, eine Tränkung der Tiere auf einer zwischenliegenden -rranknatlon stattfmbeir mußte, hat sich nicht bewährt. Es wurde achettlg da- rüber geklagt, daß die Tiere durch das zur Tränkung erforderliche Aus- und Wiedereinladen, sowie durch die danut verbundene Ver­längerung des Transportes mehr litten, als durch den etwaigen Mangel an Wasser. Infolgedessen war schon vor dem Inkrafttreten der neuen Vorschriften für bestimmte regelmäßige Sendungen eine 1 Ausnahme dahin zugelassen, daß bei Transporten bis zu 36 - Stunden Dauer von einer Tränkung aus einer -rrautNation aa-

gesehen werden könne, wenn den Tieren unterwegs einmal Wasser im Wagen gereicht würde. Aber auch diese Maßregel erwies sich als unziveckmäßig, weil die Tiere (mit Ausnahme der Pferde) im Wagen nicht trinken. Vor Erlaß der neuen Bestimmungen sind umfassende Erhebungen über das Nahrungsbedurinis der Tiere angestellt und namentlich zahlreiche Gutachten von hervorragenden Sachverständigen Tierärzten, Veterinärbeamten, Züchtern usw. eingeholt worden. Die Gutachten stimmten darin überein, daß im Interesse der Gesunderhaltung der Tiere in erster Linie auf eine schnelle Durchführung der Transporte Wert zu legen sei. Sie er­gaben ferner, daß eine Tränkung ohne vorherige Fütterung nament­lich bet Pferden, Rindern und Schweinen oft tätliche Darment­zündungen verursacht, und daß alle Tiere einen Transport bis zu 36 Stunden Dauer ohne Schädigung ihrer Gesundheit aushalten, wenn sie vor der Abfahrt gehörig gefuttert und getränkt worden sind. Auf Grund dieser Gutachten wurden die Beiörderungsvor- schristen nach mehrfachen kommissarischen Beratungen zwischen Vertretern des Reichseisenbahnamts, des Reichsamts des Innern, sowie der preußischen Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten und der öffentlichen Arbeiten neu geregelt und dabei auch dem Umstande Rechnung getragen, daß die .Tiere nach der Fütterung und Tränkung einer mindestens sechsstündigen Ruhe bedürfen.

Die neuen Bestimmungen bedeuten also keine Ver­schlechterung, sondern eine Verbesserung gegenüber dem früheren Zustand.

*

Vertragsbruch landwirtschaftlicher Arbeiter.

Düs preußische Gesetz über die Bestrafung des Ver­tragsbruchs landwirtschaftlicher Arbeiter wird aller Vor­aussicht nach nicht zu stände kommen. In der Landdags- kommission wurde, wie wir bereits gestern mitteilten, der grundle gende § 1 d es Entwurfes ab gelehnt. Die Vorlage hat auch im Reichstag eine Rolle gespielt. Der Staats- sekretär des Reichsjustizamts Dr. Nieberding sah sich zu dem Urteil veranlaßt, der Entwurf sei schwer verständlich, er zähle zu den minder gelungenen Schöpftntgen der Gesetz­gebung. Tie ungewöhnliche Kritik eines Reichsregiernngs- mitgliedes an einem Werk der preuß. Negierung der Entwurf ist aus dem preuß. Land Wirtschafts Ministerium hervorgegangen erregte nicht geringes Aufsehen. Nun haben sich die Parteien mit der Verbesserung befaßt. Dabei ist erst recht nichts herausgekommen. Nicht weit genug ging den Konservativen die Bestrafung desjenigen Arbeit­gebers, der kontraktbrüchige Dienstboten oder landwirtschaft­liche Arbeiter in Dienst nimmt. §icr beantragten die Konser­vativen der Androhung einer Geldstrafe bis zu 150 Mk. hinzuzusügenoder mit Haft bis zu vier Wochen". Weitere Strafverschärfungen waren von agrarischer Seite den Ver­mittlern kontraktbrüchiger landwirtschaftlicher Arbeiter zu­gedacht. Daß dadurch das Gesetz an Klarheit gewonnen hätte, läßt sich kaum behaupten. Auch die Vertreter des Zentrums stimmten gegen die konservative Abänderung des § 1. Das Beste wäre schon, derminder gelungene" Gesetz­entwurf würde vom der Negierung zurückgezogen und einer Umarbeitung von Grund aus unterworfen. So dürfte die Korrekturarbeit des Landtags ein vergeblicher Aufwand an Mühe und Zeit sein. Aus Zweckmäßigkeitsgründen empfiehlt sich auch, die Verleitung zum Vertragsbruch und die An­nahme Vertragsbrüchiger Arbeitnehmer durch die Reichs­gesetzgebung zu behandeln. Die Nationalliberalen haben diesen Antrag gestellt, über den eine Abstimmung noch nicht erfolgt ist. ________________________

Stromabgaben in Sicht ? .....i

IN der preuß. KanalkomMission herrscht setzt große Geschäftigkeit. Auf der Tagesordnung stand am Diens- tag die Beratung des Abschnittes Dortmund-Rhein , der Kanalvorlage. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt j Minister v. Budde einen längeren Vortrag über die Belast­ung der Eisenbahnen im Ruhrgebiete und über die Bedeut- 1 ung des geplanten Kanals zur Abhilfe dieser Ueberlastung. ' Einzelne Bahnhöfe des Ruhrgebietes seien an der Grenze ; ihrer Leistungsfähigkeit an gelangt. Eine neue Güterbahn , sei nur mit außerordentlich großen Kosten herzustellen. . Neue Sammelstationen seien schwierig, wenn überhaupt her- , zustellen. Der Kanal werde dezentralisieren. Dazu sei aber nicht nur ein Kanal von Dortmund nach dem' Rhein, son­dern auch derjenige zur Lippe erforderlich. Man müsse den Kanal nicht blos vom Standpunkte der Tarife aus betrachten. Es komme im wesentlichen nichll darauf an, dem Ruhrgebiete billigere Frachten zu verschaffen, viel­mehr käme wesentlich das allgemeine Interesse in Frage. Nach den Ausführungen des Ministers wird in die Tages- - ordnung ein getreten. Entgegen dem Antrag, die Abgabe­erhebung auf den regulierten Strömen von der Tagesordnung abzusetzen, wird mit überwiegender Mehr­heit beschlossen, auch diese mitzuverhandeln. Minister v. Budde erklärt, es sei der Wunsch des Reichskanzlers, daß die Verhandlungen hinsichtlich der Abgaben vertraulich behandelt würden, weil die Reichsinteressen mit in Frage ständen. Die Kommission beschloß demgemäß. Hierauf be­gann die Diskussion der Frage betreffend das Schlepp­monopol, wozu der Antrag des Berichterstatters vorliegt, auf dem Kanal vom Rhein nach Hannover einen ähnlichen staatlichen Schleppbetrieb einzurichten. Minister v. Budde sprach sich im allgemeinen für das Schleppmonopol aus, da hierdurch Privatinteresjen nicht verletzt würden und der Kanalbetrieb im Interesse der regelmäßigen Be­nutzung möglichst dem Eisenbahnbetrieb angepaßt werden müsse. Gegenüber der ablehnenden Haltung eines Mitglieds der Kommission, das die Ausdehnung des Monopols, aus alle Wasserstraßen fürchtete, betonte der .Finanzminister, dies sei nicht beabsichtigt, ebensowenig wie . die staatliche Beschaffung der Schiffsgesäße, wohl aber die allgemeine ,Abgabe elektrischer Kraft. In der weiteren Debatte ver­warf ein Kommissionsmitglied das staatliche Schleppmono­pol, weil es nicht geeignet sei, das Eisenbahntarifwesen aus seiner Verknöcherung herauszubringen und weil das SchlepMonopol als Verkehrshindernis die Rentabilität des Kanals gefährde. Gegenüber diesem Vorwurf der Ver­knöcherung des Tarifwesens wies der. Eisenbahnminister auf die Tarifermäßigungen seit 1879 hin, die dem Staate 2 Milliarden gekostet hätten. Nachdem ein anderes Kom­missionsmitglied noch ein ergänzendes Befrachtungsmono- pol zur Erreichung der völligen Ausgleichung mit den Eisenbahntarifen empfohlen hatte, wurde der Antrag Am Zehn ho ff mit 17 Stimmen angenommen.

Soweit der offizielle Bericht. Warum soviel Feierlich­keit und Heimlichkeit? IM Reichstag hat sich doch. Graf Bülow über die Stromabgaben-Frage und zwar in be­ruhigendem Sinne geäußert. Gelegentliche Erklärungen des Staatssekretärs Grafen Posadowsky waren allerdings we­niger geeignet, die Besorgnisse wegen einer künftigen Ab­gabeerhebung zu zerstreuen. Jetzt scheint in der Tat etwas im Werk zu sein, um auch diesen lang gehegten agrarischen Herzenswunsch zu erfüllen, der Stromschiffahrt Lasten auf­zuerlegen, um dadurch wieder ein Hindernis zu er­richten gegen die Konkur'renlz des Auslandes in landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Es mußte schon auffallen, daß die Regierung eine nmndliche Auskunft zugesagt hatte, während die anderen Aufklarungs- fragen aus der Kommission zu den Kanalplänen fast, durch­weg schriftlich beantwortet worden waren. Man wird gut tun, sich daraus gefaßt zu machen, daß die preußische Regierung im Bundesrat für die Erhebung von Schiffahrtsabgaben eintritt. Es kann eure ähnliche Ueberraschung werden, wie bei der Aushebung des § 2 des Jesuitengesetzes.

Landülirgermeister.

Erhöhte Vorbildungssordernng, vertiefte Ausbildung und Fortbildung, in dieser Richtung betätigt sich das Streben

und den Totengräber, welche soeben den Friedhof betraten. Sie rief die Männer herbei, erklärte ihnen mit kurzen, raschen Worten, was geschehen, und bat sie, die Leblose in das Pfarrhaus Zu tragen. .. m

Tie Männer gehorchten ihr gern, und so trugen sie die Ve-» wußtlose und nur zuweilen heftig und krampfhaft Erschauernde zu dem Pfarrhause, während Käthe zum Arzt eilte, um Hilfe herbeizuhvlen.

14. Kapitel.

Sie sehen schlecht aus, mein verehrter Herr Groller! haben Sie sich denn so lange umhergetrieben?"

Mit diesen Worten reichte der Justizrat Berner Ferdinand die Hand und führte ihn in sein Privatkontor, um nicht durch andere Besuche gestört zu werden. Tas Kontor sah eigentlich gar nickt geschäftsmäßig aus. Justizrat Berner liebte e§, seine geistreichen und pl>antasievollen Verteidigungsreden in einer schönen, anregenden Umgebung auszuarbeiten: deshalb sah man hier an den Wänden prächtige Gemälde und auf den Tischen künstlerisch schöne Statiletten und Büsten. Ten dampfte eilt weicher Smvrna-Teppich, elektrisck^e Flammen, in künstlersichrn Blumenrauken verborgen, erhellten das Zimmer, dr'ffen Luft mit einem feinen Parfüm geschwängert war. Nur der grohe, aber elegante Schreibtisch erinnerte an den Beruf des berühmten Ver­teidigers, denn dort lagen ganze Stöße von Akten ausgelmust.

(Fortsehung folgt.)

Sarah Bernhardt macht gmeit tvicbcr die deutschen Bühnen unsicher. In den letzten Tagen ist sie mit derunsterb­lichen" Kanteliendame in F rankf u r t a. M. ausgetreten, -nc berühmte Künstlerin ist natürlich wieder nicht immer geworden, seit sie zuletzt dort gastierte und es ist traurig aber n>ahrj alle Kunst Künstelei, Routine, Mache und wie die Attribute earaM fimft iiml, i. i'icn siu> nicht mehr imstande, zu verbergen, daß auch Frau Beruharbl nunmehr der Zeit ihren Tribut zu zahlen hat Nichts ist trauriger, als sich selbst zu .überleben.

Sie sahen niemanden. . .?"

hörte einen eilenden Schritt durch den Wa b babon das war alles! Ich warf mick neben bem Erschosstn n nieder, ich suchte nach einem Lebenszeichen ^ vergebens, war tot. Wie lange ich halb besinnungslos neben ihm geMi , ich weiß es nicht. Doch plötzlich schoß nur der ^danke durch den Köpft wenn man dick hier findet, wirst dil als Mörderin gelten. Tu hast ihn an diese Stelle in den Wald bestellt, dl hattest ein Liebesverhältnis mit ihm, du hast ihm Rache geschworen, weil er dich verlassen die Briefe, welche er von dir besitzt, beweisen es! Tu wirst in den Augen aller Menschen seine Mörderm sein! Tu wirst vor aller Augen mit Schmach und Schande at. seine verbrecherische Geliebte dastehen. Eine namenlose Angst ergriff mich. Ich wollte nicht die Schmach und das Verbrechen zugleich auf mich nehmen. . . Ich eilte in das Haus,Zurück aiij demselben Wege, den ich gekommen. Niemand hatte nun) bemenn Noch konnte ich auch meine Schmach vor den Augen der -weil verbergen. Ich entwarf meinen Plan. Ich wußte, wo er seine Briefe aufbewahrte, stch nahm die meinigen, nebst alle den tieinen Andenken verbrannte ich 'seine und meine Briefe m nmnem Pfeil Nur diesen kleinen Ring behielt ich, den er mir in der tfcti unserer ersten Liebe geschenkt. Und doch sollte dieser Ning zum Verräter werden! Ich hatte ganz vergessen, daß auch er den nIHctot Rinn befaß - er hatte die Rinne für uns anfcrtme f ifffti Tiefer Rinn fiel seinem Bruder in die Hand -- pieieii N nn sandte er mir vor einin-n Tagen in mein Asyl des Friedens »»in Zeichen, das, er alles wisse . . .. »ud ich erkannte, dass ich verloren, und cittsloh, um in der Emsamkett - «u sterben.. ... als id) schon das Gist zum Munde führte, schauderte ich zu­