Ausgabe 
9.11.1904 Drittes Blatt
 
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Erstes Blatt

154* Jahrgang

Amts- AnzetzMM für dm Kreis Gichm

Schnlstratze 7.

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HernsprechanschlußNr 81

diePostM.S.UierLel- sährl. ausschl. Bestellg. Annaksme von Anzeigen sür bie Tagesnummer bis vormittag- 10 Uhr. ßeüenpreiS: lokal 12Pf^

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Verantwortlich füi den poltt und allgem. Teil: P. Wittko: für Stadt und ßanb* und GerichtLsaal*: August Goetz; für den An- zeigenteil: HanS Beck.

Mittwoch S November 1904

ä Be-«gspret»r

monatlich 7SPf^ viertel» » . iäbrlich Mk. 2J20; durch

Avhole- il Zweigstellen monatlich 6o Pf.: durch

Nr. 364

yr'.chetut täglich

außer Sonntags.

Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit den. hessischen Landwirt die Lietzener Zamilien» Blätter viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck u. Der- wa der Brühl'fchen Unwerf.-Buch-u. Stein- druckeret. 8t öang^

Die Veutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Ausschreilien.

300 Mark Belohnung.

In der Nacht vom 5. auf 6. l. Mts. hat die am 2. März 1874 geborene Emmy Winkler ihre elterliche Wohnung heimlich unter Umständen verlassen, die die An­nahme rechtfertigen, daß ihr ein Unfall zugestoßen, oder aber, daß sie sich ein Leid angetan bat.

Die Vermißte ist etwa 1,60 Meter groß, von schlanker Statur, hat dunkelbraunes Haar, dunkle. Augen und Stumpf­näschen. Sie war bekleidet mit braunem Kleid, schwarzem Jaket, schwarzem Strohhut und weißer Leibwäsche, gez. E. W.

Wir ersuchen um Anstellung eifriger Nachforschungen nach der Vermißten und Drahtnachricht mit dem Anfügen, daß eine Belohnung von 300 Mk. ausgesetzt ist.

Gießen, den 7. November 1904.

Großherzoglickes Volizciamt Gießen.

Herberg.

Wooscvelt wicdergewätztt.

Gießen, 9. November.

Wir erhielten heute in frühester Morgenstunde folgendes Telegramm:

Newyork, 9. Nov., 12.10 Uhr nachts. Roosevelt ist mit großer Mehrheit zum Präsidenten wieder gewählt worden. Parker telegraphierte um 8V2 Uhr abends an Roosevelt: Das Volk billigte durch Abstimmung nachdrücklich Ihre Ver­waltung. Ich beglückwünsche Sie." Roosevelt sandte an Parker ein Danktelegramvr.

Vor wenigen Tagen noch ging uns von einem amerika­nischen Leser desGieß. Anz.", aus La Croasse in, Staate Wiskonsin, eine Broschüre zu. Als Nufer im Streit war, wie wir schon in unserer Nr. 234 erwähnt hatten, Karl Schurz auf dem Plan erschienen. In dieser Broschüre nun, die in der Form eines offenen Briefes an James W. Pryor, den Generalsekretär des Parker Independents Club, gerichtet ist, sprach er sich in der allerentschiedensten Tonart für Parker aus und gegen Roosevelt. Von diesem erzählt er u. a. folgendes:

Ich habe ihn gekannt seitdem er als blutjunger Mensch in das öffentliche Leben getreten ist, und ich habe seine Karriere verfolgt nicht nur mit der Teilnahme eines interessierten Bürgers, sondern auch mit der warmen Sympathie eines Freundes. Sein überfprndeffides Temperament, sein heller Verstand, seine groß­herzigen Triebe, seine heitere Kampfeslust und die überschäumende Lebhaftigkeit, die er in seinen Begeisterungen zeigt, haben ihn zu einer außergewöhnlich anziehenden Persönlichkeit, gemacht. Wer beobachtete, mit welchem Mut und mit welcher Fähigkeit er als ein junges Mitglied der Newyorker Legislatur sich in den Kampf stürzte gegen bestehende Mißbräuche im öffentlichen Dienst und in der Führung der Partei, durfte wohl hoffen, daß er heran­wachsen würde zu einem furchtlosen und uneigennützigen und zu gleicher Zeit zu einem weisen Kämpfer für die höchsten Ideale der öffentlichen Moral und praktischen Staatsknnst, dessen Füllung jeder patriotische Bürger mit rückhaltlosem.Vertrauen folgen dürfte. Und wenn ich nun nach einer Prüfung seiner späteren Karriere, in der ich alles im günstigsten Lichte zu sehen versuchte, für mich selbst den Schluß ziehen muß, daß diese hohen Erwartungen tu sehr wichtigen Hinsichten getäuscht worden sind, und daß mt- bedingtes Vertrauen gefährlich und unangebracht wäre, mache ich dieses Geständnis mit aufrichtigem Bedauern.

Es sind zwei Roosevelts int Felde der ideale Roosevelt 6ec Legende, wie er einmal erschien und wie viele Leute noch immer glauben, daß er ist und der wirkliche Roosevelt, wie er sich seither entwickelt hat. Es gibt ohne Zweifel viele gute Burger, die die Absicht hegen, sür Roosevelt zu stimmen, und denen der Roosevelt der Legende vor Augen schwebt. Diese Bürger werden gut tun, zu bedenken, daß im Falle der Erwählung der wirmche Roosevelt Präsident sein wird. Ter ideale Roosevelt der -egende war der, welcher unlautere Prattiken in öffentlichen Sachen nmiit nur verabscheute und verdammte, sondern sie nie verzieh oder sich 'mit ihnen verglich, der vom Grunde seines Herz ms Beute- Politik und Veutepolitiker, Parteimaschinen und Parteiboße haßte und verachtete, der es verschmäht hätte, sie zu begünstigen oder seine Interessen und seine Bestrebungen mit den ihrigen tn Be­rührung zu bringen, um seines eigenen oder des Partervorterls halber, der ihnen eher Trotz bot und seine äußerste Kraft an- spannte, sie zu bekämpfen und ihren Einfluß auf unser öffentliches Leben vollständig zu vernichten ein zweiter Sankt Georg, der den Drachen der Korruption und anderer bösen Dinge nut seiner mächtigen Lanze töten wollte. Es war, nebenbei gesagt, derselbe sagenhafte Roosevelt, der in seinen Schriften das Schutz­zollsystem als ungerecht und sch ädlich'verwarf und der auch eine Kolonialpolitik, welche zur Erwerbung ferner Länder und fremder, durch eine Willkür-Herrschaft zu regierender Völker als unverträglich mit unseren fundamentalen Grundsätzen und unamerikanisch verdammte.

. . . Man hätte sicher erwarten dürfen, daß ein Mann, dessen rechtliche Triebe so stark waren, daß er kaum Worte finden konnte, um sie kräftig genug zum Ausdruck zu bringen, in Positionen offizieller Macht nie daran denken würde, jene gemeinen uno gefährlichen Geschöpfe zu begünstigen und daß er lerne ganze Macht ausbieten würde, ihreii schädlichen Einfluß zu yernimten, daß er jaus Gouverneur von Rewyork kein rechtmäßiges, -VCtnei unversucht lassen würde, dem Voß Quay von Pennsylvanien, ein Symbol war für alles, tvas verderblich, demoraüsierenv uno tyranuisth tu der Politik war, seine Mißbilligung zu zeigen, N er danach beeghren würde, seinen Ekel an, emer solchen ft wie Addicks auszudrücken, der offen in einen Staat Egttauen war, um sich mit einem Korrnptionsfonds einen Sitz tnt U zu kaufen, daß er weniastens aus seinem Kabinett Leute von zweifelhastem politischen Charakter serngehallen haben wurd- so weiter. Als Gouverneur des Staates Rewyork hat .Herr Roos - velt in der Tat ein gutes Zivildienstgesetz befördert und viele gute Ernennungen gemacht, allem er hat den Boß Platt bn liiljen .Angelegenheiten mit einer Regelmäßigkeit zu.Rate gez.ger,

die, einer Anerkennuna des Boßtums als einer berechtigten Insti­tution gleich kam. Was er auch dem Boß gewährt oder ab­geschlagen haben mag, nichts ist gewisser als die Tatsache, daß, als .Herr Roosevelt aufhörte, Gouverneur dieses Staates zu sein, die Macht des Boßes nicht im geringsten erschüttert war, sondern gestärkt worden war durch 'Herrn Roosevelts stillschweigende An­erkennung. Ties dauerte fort, während er Präsident war.

Und da war Quay. der gewissenloseste und eigenmächtigste von allen Boßen Präsident Roosevelt nennt ihn seinenfesten und loyalen Freund" er war indeß auch sein einflußreicher Freund, denn wenn auch "Quay nicht die ganze Bundespatronage in, Pennsylvania kontrollierte, kontrollierte er doch genug, um seine absolute Boßherrschaft im Staate aufrecht zu erhalten ohne jeden Abbruch, in der Tat eher befestigt durch Präsident Roosevelts Freundschaft.

Unb da ist der unaussprechliche Addicks, der Mann, der den Staat Delaware kaufen wollte und will, den der sagenhafte Roose­velt mit solcher Energie aus seinem Munde gespieen hätte,, daß alle Welt e/ntzückt gewesen wäre von seinem Ekel an diesem unreinen Dinge, der aber jetzt vom wirklichen Roosevelt mit der Sanftheit freundlicher Neutralität behandelt wird, indem der Präsident einen Teil der Patronage seinen Trabanten gibt und einen Teil der Opposition, sodaß jede Fraktion vorgeben kann, seine Gunst zu besitzen und so daß die Verteidiger Roosevelts keine geringe Arbeit zu haben, zu beweisen daß er nicht der aktive Bundesgenosse Addicks ist.

Und da ist Generalvvstmeister Payne^ dessen einzige Distinktion im öffentlichen Leben die eines Lobbyisten und eines gewandten und nickt allzu sauberen politischen Röhrenlegers und Drahtziehers war, dessen Ernennung zur Kontrolle des Patronaaereichsten De­partements der Regierung, das das weiteste Feld für politischen Schacher bietet, in das Kabinett eines politischen Intriganten im Präsidentenstuhl gepaßt hätte, aber nicht in das Kabinett des Roosevelt der Legende; und der seine wahre Farbe zeigte, als er im Anfänge versuchte, die Untersuchung der in seinem Departe­ment eiternden Korruption zu diskreditieren und lächerlich zu

machen. r _ ,

Und da ist Herr I. M. Clarkson, den der sagenhafte Roose­velt einmal als einen der schädlichsten Beutepolitiker im Amte bezeichnete, und den der wirkliche Roosevelt, nachdem er Präsi­dent geworden, zum Snrveyor des Hafens von Rewyork machte, ein Beamter, der viel mit Patronage zu tun hat.

Und da ist HerrLou" Payn, den der Gouverneur einstens ans gutem Grunde aus dem Amte des Staats-Superintendenten des Persicherungsamtes herauswarf und den Herr EUhu Root als einen Mann charakterisierte, der viele Jahre ein Gestank in der Rase des Volkes von Rewyork gewesen und der kürzlich ins Weiße Haus gerufen wurde als Roosevelt's Feind, der aoer aus dem Weißen .Hause herauskam als Präsident Roosevelts Freund und Unterstützer, und der Präsident Roosevelt dann pries als einen großen Politiker, der erwählt werden muß und Nird.

Hier will ich anshören. Tie berüchtigtsten Beispiele sollen zur Erläuterung genügen. Es wurde von Präsident Eleveland gesaat, daß die guten Bürgerihn liebten wegen der E'NNde, die er sich gemacht". Ich befürchte, es könnte von Präsident Roosevelt gesagt werden, daß wir ihm mißtrauen m uss en , nm der Freunde willen, die er gemacht. Es ist nne Er­fahrung so alt wie die Welt, daß die Freundschaft guter Menjchen sreigegeben wird, wenn sie verdient ist, daß dagegen die Freund­schaft der Bösen ihren Preis hat. Wenn wir Präsident Roosevelt in der Gesellschaft solcher Männer sehen, sind wir wert von dem Verdacht entfernt, daß er solche O^esellschaft liebt, auch dürfen wir nicht vergessen, daß Charakter-' solcher Sorte sich an die Nockschöße einer jeden Verwaltung hängen und ihre Dienfte^ an­bieten, während sie ihre eigennützigen Zwecke verfolgen.

Run ist er doch wiedergewühlt worden, dieser inter- effante Herr Theodor Roosevelt, wiedergcwählt wegen der großen Zerfahrenheit der demokratischen Partei Nordameri­kas, obwohl die republikanische Partei während ihrer Herr­schaft genug Fehler gemacht hat, um eine Niederlage gewär­tigen zu können. Aber Roosevelt besitzt die Zuneigung der großen Massen und die hat ihm zum Siege verholfen. ,

Während Roosevelts bisheriger Regierungszeit zeigte sich bei allen seinen Handlungen ein

die Massen versteht. Er ist ebenein Mann des Volkes trotz seiner aristokratischen Allüren. Als er ferne große Rundreise durch den ganzen Westen machte .

sch wütig" nennt man es in Amerika, da zeigte slchso recht seine Popularität, wie sie seit Lmcoluwohlkaum ein Präsident besessen hat. Eine kleine ^sodemogehter beweisen wie sehr Roosevelt es versteht, bie Leute für sich zu begeistern' Als er in Milwaukee auf denr Wege nach L Bahn °f° war erblickte sein scharfes Ange in der Meiige einen einfach gekleideten Mann der im spanischen Kriege 1898 in dem von ihnt dainals selber geworbenen Muhreiterreaimcnt nnter ihm gedient hatte. JlM anrufen beim Bornamen, mit in den Wagen nehmen, war ems der ehemaliae Roughvider mußte seinem einigen Oberst in dessen Luruszuge mit bis St. Panl folgen, so wie er gergde wa mid ihm von seinent Leben bisher erzählen, von dort lehrte dann Tom hochbeglückt mit dem nach ten Zuge wieder heim eine Strecke von cci. 300 englischen Meilen.

Das mag Berechnung gewesen sein, obwohl er es immer versteht ein ungezwungenes Naturell M zeigen, das alle Schranken der konventionellen Phrase beiseite schiebt, oft 'uni Entsetzen seiner Umgebung.

0 <>n der inneren wie äußeren Politik zeigte er j(t un-

Ipita&ar eine glückliche Harkd. Es war das erstelnal, daß ein Präsident in eineil Arbeitcrstrcik cingriff, als Roosevelt danrals den unheilvollen, gewaltigen Kohlengräbcrausstand durch sein tatkräftiges Einschreiten beilegte. Er war der erste repnblikanische Präsident, der kühn die allmächtigen Trusts augrif itnd besiegte. Er dämpfte den lodernden Aufstand ans den Philippinen, indem er den richtigen Mann, der nun sein Kriegsministcr ist, als Gouverneur hinsehickte. Auch im Benezuelastreik bewies er Vorsicht und Entschieden­heit ^gegen die kriegswütigen Jingos. Der größte und wichtigste Abschnitt in seiner bisherigen Negierung bedeiitet aber die Panama-Affäre. Man hat allerdings wohl nicht mit Unrecht davon gemunkelt, daß Roosevelt selber seine .Hand bei der Revolution im Spiele gehabt hat. Daß ec die Erhebung komnien sah und sich darauf vorbereitete, den 9hi(vcti daraus zu ziehen, könnte Hirni ihnt indes nicht ver­übeln Im Washingtoner Senat aber war die Opposition

des demokratischen Führers Gorman von Maryland gegen Roosevelts Politik vergeblich, 'ber Vertrag mit bem neuen Staate Panama würbe ratifiziert.

Roosevelts Licht", bas in 2lmerika bereits sprichwört­lich geworden ist, hat am 8. d. M. wiederirnt geleuchteti wie wir hoffen wollen, zum Besten aller Deutschen tn Amerika und zum Besten aller deutsch-amerikanischen politü- scheu Beziehungen. * l . ...../. ,

Newyork, 8. Nov. Roosevelt gewann 'den Staat New- Pork. Dadurch erscheint seine Wahl gesichert. Der Republikaner Higgins ist zum Gouverneur des Staates Newyork ge­wählt. In 149 der 3024 Wahlbezirke des Staates Newyork außerhalb der Stadt Newyork errangen die Republikaner einen wesentlichen Gewinn. Parker erhielt in den Landbezirken des Staates Newyork verhältnismäßig weniger Stimmen als Bryan im Jahre 1900.

Newyork, 8. Nov. Zu dem Wahlergebnis schreibt die Roosevelt feindlicheNewyorker Staatsztg.", die persönliche Po­pularität Roosevelts habe den größten Anteil an feinem Siege. Tie Demokratie habe das Vertrauen des Volkes, welches sie durch den Vryanismus verscherzte, nicht wiedergewonnen. Tie größte Gefahr bestehe nunmehr darin, daß die r ad i ka.l c n Ele­mente in der Demokratie jetzt wieder Oberwasser gewinnen werden. -

Newyork, 8. Nov. In Eripvlecreek (Colorado) verlief die Wahl sehr unruhig. In Goldsiclds wurden zwei demo­kratische Wahlobmänner durch den republikanischen Hilfs-Sheriff, den sie aus dem Wahlraume wiesen, erschossen. In Midway (Colorado) wurde em demokratischer Hilfs-She­riff von einem republikanischen tödlich verwundet.

Newyork, 8. Nov. Ter Umsatz der letzttägigen Wahl-, wetten, die in hiesigen Hotels abgeschlossen wurden, beträgt 5 Millionen T o ll a r s. ____________________

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Nov. Zu der gestrigen Frühstückstafel bd dem Kaiser und der Kaiserin im Neuen Palais waren ge­laden: Prinz Johann Georg von Sachsen mit Gefolge, der sächsische Gesandte Graf Hohenthal und Staatssekretär Frhr., v. Richthosen. Bei der Tafel wechselten der Kaiser und Prinz Johann Georg kurze Trinksprüche.

Dem bisherigen Präsidenten der Eisenbahndirektion Berlin, Wirkt. Geh. Nat Kran old, wurde beim Ausscheiden 'aus dem Staatsdienst der erbliche Adel verliehen.

Tie Kommission des Abgeordnetenhauses zur Be­ratung des Ausfiihrungsgesetzes zum Reich ss euchen^ gesetz änderte den § 20 insofern ab, als bie Kosten aller übertragbaren Krankheiten vom Staate allein zu über­nehmen finb. § 27 würbe berartig abgeändert, baß bie, Kreise von einer subsibiäreu Leistung an ber Stelle leistungs- unfähiger Gemeinben völlig ausgeschlossen würben. Ferner, würbe eine Resolution angenommen, baß ber Staat in den Etat- jährlich einen Betrag bis 50 000 Mk. einzustellen habe.

Aender ungen oder Ergänzungen der deutschen Konkursorduung werden von verschiedenen großen Ver­bänden, so von dem Verbände deutscher Uhrengrossisten, dem Kreditorenverein für die Gold- und Silberwaren-Jndustrie und dem Verbände der deutschen Textil-Industriellen an- qestrebt. Wie die ^Leipz. Uhrnmcher-Ztg.^ mitteilt, bewegen sich die Anträge namentlich dahin, daß auch außergerichtliche Vergleiche unter gesetzlichen Schutz gestellt werden, analog den diesbezüglichen Bestimmungen der belgischen und schweizerischen Gesetzgebung. Ferner sollen bei Insolvenzen die 93er6anb§-1 Mitglieder keinem freien oder Zwangsvergleiche zustimmen, der weniger als 50 Prozent unter Sicherstellung bietet. Aus­nahmen sollen nur unter Zustimmung einer besonderen Prüfungs-Kommission aus den Haupt-Waren-Gläubigern zu- lüssig sein.

Den ^Berl. Pol. Nachr." zufolge sei es mehr als, wahrscheinlich, daß auch im Neichshaubhaltsetats- Gntwurfe für 1905, der in naher Zeit dem Reichstages vorgclegt werden wird, sich eine Zuschußanleihe von nich t geringem Betrage befinden wird.

' iDie Reichsjustizkommission zur Vorprüfung, ber Fragen der Abänderung des Strafprozesses am 8. November zu einer vier- bis fünftägigen Beratung im Reichsjustizamte zusammengetreten.

Ausland.

Paris, 8. Nov. (Kainmer.) Tclafosse wüiffcht den 99** schluß eines Dreibundes Frankreich, Eualand.Ruß- land, welcher das beste Mittel wäre, den Weltftiedcn zu sichern und die ftanzösischen Kolonien im fernen Osten dem Lande zu erhalten. Lewy berichtet im Namen der heute er­nannten Kommisfwn über den Antrag des Staatsanwalts auf A ufhebuug der Immunität S y v c t o n s. m Tie Minder­heit ber Kommission habe eine juristische Tebattc über die Aus­legung des Strafgesetzes herbeigesührt. Tie Mehrheit Jet der Meinung gewesen, daß diese Auslegung zur Kompetenz der Ge­richte, nicht aber des Parlaments gehöre. Die Komimilion be- fiirwortet mit neun gegen zwei Stimmen die Aufln'bnug der Immunität und verlangt die Dringlichkeit. Otzuttbier erwähnt, daß der Sozialist Cadenat jüngst den Radikalen Ebaputs tätlich insultiert hätte, ohne daß der Znnscheufall eine Folge hatte; Cadenat antwortet, indem er unter Anspielung auf bie groye robuste Gestalt Chapuis' bemerkt, dieser sei selbst .)wnns genug, sich zu verteidigen. (Zsanthier will Dann die eosinhltcn reizen, indem er sie daran erinnert, daß sie die Gewalttat mcht iNimer mißbilligen und auf einen Artikel der von Laurös berauS- gebeneu Humauitä über die Ermordung des russischcii ..'cmmcrS Plehwe verweist. Jaurös ruft:Das war bereittigtejkot- wehr". Die Reckte lärmt. Brisson ruft I n u r ö s . zur O r d - n il ii g mid sag! er könne keinerlei Verherrlichung cmes Mordes zulassen mc s '.mmer beschließt die Dringlichkeit. Um 9 Uhr wird entlieh bh geschlossen und der Präsident stellt den. Antrag auf Autoriscition deS Strafverfahrens gcgeni Sy v cl on zur Abstinlmuug. Die Kammer beschließt mit