Ausgabe 
9.5.1904 Erstes Blatt
 
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auS Niedershausen, Former Chr. Erbe aus Lollar, Hoch­ofenarbeiter Ehr. Vogel auS Ruttershausen und Nacht­portier Chr. Rain auS Lollar. Auf den Antrag des Direktors St ei necke wurde darauf von den nahezu 1000 versammelten Arbeitern ein Danktelegramm an S. K. H. den Großherzog gerichtet, worauf Sonntags folgendes Antwort- telegramm einlief:

.Hütten-Dircktor H. Steinecke, Lollar.

Se. Konigl. Loh. der Großherzog lassen den gestern festlich versammelt gewesenen Angestellten der Eisenwerke Lollar für die Versicherung treuer Ergebenheit bestens danken.

R ö m h e l d, Gebeimer Kabinetsrat/

Aber auch die Leitung der Eisenwerke hat die Jubilare reich beschenkt. Direktor Steinecke, der namens des Vorstandes eine herzliche Ansprache an sie richtete, in der ihnen Anerkennung und Dankbarkeit für ihre treuen Dienste zollte, teilte mit, das; der Vorstand den 10 Arbeitern als äußeres Zeichen deS Dankes ein Festgeschenk von zusammen 1000 Mk. gespendet habe. Zugleich wurden dazu lO Spar- kasienbücher ausgeteilt. Namens der Jubilare stattete Magazin­aufseher Knörr für die ehrenden Worte und Auszeichnungen den Dank ab. Er blickte dabei auch zurück auf Elternund Schule und gedachte des Landesfürsten, auf den er zum Schluß ein Hoch ausbrachte. Darauf rief der aus Gießen erschienene Vorsitzende des Aufsichtsrats der Werke, Ingenieur Schiele, mit einem Rückblick auf die 40 Jahre der Vergangenheit, den Veteranen der Arbeit ein freundliches Glückauf zu, denselben Gruß, mit dem die Arbeiter vor 40 Jahren auf dem Eisen­werk empfangen worden seien. NamenS der Arbeiterschaft deS Werkes sprach der Arbeiter Schupp, der die 10 Kame­raden ebenfalls beglückwünschte und dabei die Hoffnung aus­sprach, daS Werk möge ferner einer guten Zeit entgegen gehen und sich immer mehr vergrößern zum Wohl der Arbeiter, die bei ihm ihr Brod verdienten. Darauf verließ Provinzialdirektor Dr. Breidert mit freundlichen Abschieds­worten, besonders an die versammelte Arbeiterschaft, das Fest, in desien Verlauf noch Pfarrer Gußmann aus Lollar auf die Familien der Jubilare redete und Kommerzienrat Koch namenS der Handelskammer den 10 Arbeitern Glückwünsche aussprach und den Geist der Zusammengehörigkeit auf dein Werk lobte. Sämtliche Anwesenden wurden reichlich mit Speise und Trank bewirtet, und immer gehobener wurde die Stim­mung, als die Arbeiter ihr Bergmannslied und dergl. sangen. Dies große Arbeiterfest aus so schönem Anlaß zeugte von einem guten Geiste, der auf den Eisenwerken in Lollar herrscht.

** Chirurgische und Augenklinik Gießen. Bet der Submission über Maurerarbeiten für die Klinik­bauten am 27. v. M., deren Resultate wir veröffentlicht haben, war als Bedingung eine vierFehnwöchige Bau­zeit vorgesehen. Die Sübmittenten erhielten damals ihre Offerten zurück mit der Llüfforderung, ein neues Angebot einzureichen und dabei eine 20wöchige Bauzeit Mt gründe zulegen. Die Offerteneröffnung, welche am 7. d. M. er­folgte, zeitigte folgendes überraschende Resultat: Mrken- stock und Schneider, Abermann und Kling Los 1: 166 001,90 Mark (181 722,85 Mk.) Los 2: 109 694,25 Mk. (111127,10), Scheppelmann und Becker Los 1: 166 915,20 Mk. (früher - nicht offeriert), Los 2: 109 666,75 Mk. (118 905,85), Heinrich Minn Los 1: 168 724,74 Mk. (194 567,90), Los 2 keine Offerte (früher 126 424,50); Jäger und Rumpf-Hanau Los 1: 156 652 (169 394,85), Los 2: 101204,40 (112 645,75), Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbau Frankfurt a. M. Mgebot 3 ,Proz. auf die frühere 317 514,71 Mk. betragende Offerte für beide Lose. Die in Klammer gestellten höheren Preise sind die Forderung bei der ersten Submission.

* ®te Sängerfahrt nach Weilburg, die am gestrigen Sonntag pünktlich um 1 Uhr 50 Min. unter zahl­reicher Beteiligung und in der besten Stimmung ihren Anfang nahm, hat allen Teilnehmern ungetrübte Freude gemacht. Als man um i/,3 Uhr in Weilburg anlangte und von einer tatkräftigen, von auswärtigen Künstlern noch verstärkten dortigen Musikkapelle an der Bahn empfangen wurde, strahlten Männlein und Weiblein vor guter Laune. Der Mai ist ja auch nicht umsonst der Wonne- und Liebesmonat. Selbst ein kräftiger Gewitterregen vermochte nicht Laune und Lust zu trüben. Zunächst marschierte man durch die Stadt zum Schloß, welches man eingehend besichtigte. Darauf gings weiter zum Webers-Berg, wo Kaffee genug für die Sänger und Sänger­innen gekocht worden war. Die Kaffeegesellschaften hatten dann wieder das Bedürfnis,in Sonntagsröcklein durch Wald und Flur", zu spazieren und, wieder versammelt, Lob- und andere Gesänge anzustimmen, bis gegen 8 Uhr das gemein­same Abendessen durchgemacht wurde, wobei sämtiiche Platten und Schüsseln leergepuht wurden. Damit war des Tages Höhepunkt erreicht, d. h. die Erlebnisse wurden in heiterster Sammlung noch einmal richtig durchgekostet. Um 9.15 Uhr wurde zur Abfahrtnach der Heimat" geblasen (und ge­sungen) und die waschechten Sängerkranzmitglieder kamen trocken und von dem bischen Regen unversehrt wieder in Gießen an.

** Nationaler GesangS-Wettstreit. Tie erste Gesamtprobe der Gesangvereine fand am Samstag abend im Neuen Saalbau statt. Groß war die Beteiligung und groß die Begeisterung. Ein solcher Massenchor übt doch eine ganz besondere Wirkung auS, namentlich, wenn er, wie hier, aus Sängern besteht, die dem deutschen Liede ihre ganze Hin­gebung widmen. Die nächsten Proben sind: Montag den 9. Mai: Tenor I und II, Dienstag den 10. Mai: Baß I und II.

** Der Flottenverein hält, wie ein Inserat heute bekannt macht, nächsten Mittwoch, abends 7 Uhr, in der kleinen Aula der Universität seine diesjährige Hauptversamm­lung ab.

** Zum Dienst bei der Schutztruppe in Deutsch­südwestafrika hat sich, wie wir hören, eine stattliche An­zahl von Mannschaften vom hiesigen Regiment freiwillig zur Verfügung gestellt.

K. Lich, 8. Mai. Der Geflügel- und Vogelzuchtvcrein Lich und Umgegend hielt unter dem Protektorat Sr. Durch­laucht des Fürsten eine Lokal- Geflügel- und Vogel- Ausstellung im Heller'schen Felsenkeller ab. Gestern, Sonntag, nachmittags 2 Uhr, wurde die Ausstellung eröffnet durch Bürgermeister Heller, welcher 1. Vorsitzender des Vereins ist. Der Fürst, der durch den Todesfall seiner Tante, der Gräfin K oll al do in Italien, verhindert war zu erscheinen, lies; sich durch Assessor Löhlein vertreten, erschien jedoch später selbst in der Ausstellung, die er eingehend besichtigte. Die Ausstellung

war sehr stark beschickt. Das Programm umfaßte 200 Nummern, darunter ca, 90 Nr. Hühner, 60 Nr. Tauben und ca. 30 Nr. Enten. Die gestrige Prämiierung ergab folgende Preise: I. für Gänse: 2. Preis Zimmer-Bingmühle bei Grünberg; II. für Truten: 1. Preis Zimmer-Bingmühle; III. für Enten: 1. Preise: Christ-Neumühle bei Grünberg, Presser-Ober-RoSbach, Bürgermeister Heller-Lich; 2. Preise: Engel-Birklar, Södler-Nieder-Gemünden, Pitz-Laubach,Presser- Ober-Roßbach; III. für Hühner: erste und Ehrenpreise: Wick-Marburg, Södler - Rieder-Gemünden, Lehrer Seipp- Beltershain, Adam-Gießen, Presser-Ober-Rosbach, Heßler- Hungen; zweite Preise: Södler-Nieder-Gemünden, Kömpf- Elbenrod; dritte Preise: Wick-Marburg, Stein-Grünberg, Seipp-Beltershain, Stoll-Lich, Adam-Gießen, Hofmann-Hof- Güll; IV. für Italiener, Hamburger und Zwerg­hühner: erste und Ehrenpreise: Zimmer-Lich, Müller- Bettenhausen, Burg-Ruppertenrod, Jöckel-Grünberg; zweite, bezw. dritte Preise: Pletsch-Hungen, Presser-Ober-Rosbach, Maus-Ruppertenrod, Körber-Lehnheim, Müller-Bettenhausen, Engel-Birklar, Weisel-Muschenheim, Vogt-Lich, Zimmer-Lich, Christ-Neumühle, Seipp-Beltershain, Hecker-Gießen, Zimmer- Bingmühle bei Grünberg; V. fürTauben: erste und Ehren­preise : Albach-Lich, Fürstliche Gutsverwaltung-Lich, Zimmer- Lich; zweite, bezw. dritte Preise: Jöckel-Grünberg, Schäser- Lich, Högy-Klein-Eichen, Zimmer-Lich, Fürstl. Gutsverwaltung- Lich; VI. Farbentauben: erste und Ehrenpreise: Gutsver­waltung-Lich, Södler-Nieder-Gemünden, Decher-Grünberg, zweite, bezw. dritte Preise: Södler-Nieder-Gemünden, Albach- Lich, Wagner-Birklar, Schwenk-Lich, Fürstl. Gutsverwaltung- Lich, Bürgermeister Heller-Lich, Decher und Jöckel-Grünberg; VII. Brieftauben: 1. Preise: Zimmer-Lich, Schäfer- Lich, 2. Preise: Zimmer-Lich, Schäfer-Lich, 3. Preise: Engel- Birklar, Jöckel-Grünberg, Schäfer-Lich; VIII. für eine Amsel: 1. Preis: Albach-Lich; IX. Sammelklasse: Erster und Ehrenpreis: Bürgermeister Heller-Lich, 2. Presse: Lehrer Noth-Lich, Stein-Grünberg, Jöckel-Grünberg, Born- mersheim-Bettenhausen, 3. Preise: Müller-Henriettenhof bei Villingen, Engel-Birklar, Schenk-Grünberg, Schneider-Birklar. Ehrenpreise wurden gestiftet: zwei vom Fürsten, zwei von der Stadt Lich, zwei vom Vogelsberger Geflügelzuchtverein, ein vom Wetterauer Geflügelzuchtverein, zwei vom Geflügel­zuchtverein Hungen, drei vom Geflügelzuchtverein Lich, ein vom Rentner Kretschmann-Lich und ein von Holzinger-Hungen. Heute nachmittag war Konzert in der Ausstellung, welches sehr zahlreich besucht war. Morgen findet eine Ver­losung statt.

sf. Friedberg, 8. Mai. In der heute im Hotel Trapp stattgehabten Wahlmänner-Versammlung wurde für den zweiten Oberhessischen Landtagswahlkreis Rechtsanwalt Windecker offiziell als Kandidat proklamiert. Von land­wirtschaftlicher Seite kandidiert bekanntlich Oekonomierat Sch lenke, den die Landleute der Wetterau schon wegen seiner rednerischen Gewandtheit als geeigneten Vertreter ihrer Interessen ansehen.

)( Grünberg, 8. Mai. In voriger Woche hatte hier ein Dienstmädchen mit Vitriollösung einen Kessel ge­reinigt und den Rest in einem Gefäß stehen lassen. Das zweijährige Söhnchen des Arbeiters sah das Gefäß, trank daraus und erlitt infolgedessen schwere Verbrenn­ungen im Hals und Mund. Im Befinden des Kindes ist indessen jetzt eine Besserung eingetreten.

c. Laubach, 8. Mai. Heute nachmittag machte der 32 Jahre alte Maurer Heinrich Högel in seiner Wohnung durch Erhängen seinem Leben ein Ende. Er war ver­heiratet und hinterläßt eine Witwe mit 2 Mädchen im Alter von 4 und 2 Jahren. Das Motiv der Tat ist unbekannt.

)( Groß-Eichen, 6. Mai. Demnächst beabsichtigt unser Gemeinderat, an die Großh. Regierung eine Ein­gabe zu richten, in welcher diese gebeten wird, falls die pro­jektierte Bahnlinie Mücke-Ulrich st ein-Rixfeld zur Ausführung gelangt, auch unserer Gemeinde eine Halte­stelle zu gewähren. Zur Begründung dieser Eingabe wird folgendes ansgeführt: Innerhalb unserer Gemarkung be­finden sich schon jetzt fünf Dampfbetriebe zwei Holz? fchneidereien, zwei Molkereien und das Eisensteinbergwerk Grube Luise". Viele Grubenfelder, die sich rentieren wür­den, könnten alsdann noch abgebaut werden, wenn die Bahn unsere Gemarkung durchzieht. Das bisher geplante Projekt ist Mucke-Kirschgarteu-Wettsaasen u.w : statt dessen wird vorgeschlagen, die Linie von Müc^-Jlsdorf-Waden- häusermiihle und sodann zwischen Ruppertenrod und Ober- Ohmen in das Ohmtal übergehen zu lassen. Hierdurch würden die beiden Seitentäler des Gilgbachs und des Stteitbachs mit den Ortschaften Höckersdorf, Kölzenhain, Sellnrod, Schmitten und Wiohnfeld dem Verkehr erschlossen, welches Projekt auch weniger Schwierigkeiten aufzuweisen habe, als dasjenige Kttschgarttn-Wtttsaasen. Die Guneiude Groß-Eichen ist bereit, das zum Bahnbau erforderliche Ge­lände kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

d. Alsfeld, 8. Mai. Heute nachmittag fand hier im HotelMainzer Host" der erste diesjährige Bezirks­tag des Hassiabezirkes Alsfeld statt. Sämtliche Vereine, 33 an der Zahl, waren vertteteu. Die Anttäge des Hassiapräsidiums wurden beraten und durchweg befür­wortet resp. angenommen. M? Ort für das Bezirksfest wurde Groß-Felda einstimmig gewählt und als Festtage der 10. und 11. Juli in Aussicht genommen. Zu Vertretern des Bezirkes auf dem Delegiertentag der Hassia in Groß- Umstadt am 12. Juni wurden die Kameraden Rudolf und Weitz-Alsfeld gewählt.

sd. D a r m st a d t, 7. Mai. Die Vorstände der P o l i z e i- verwaltungen der Städte des Großherzogtums Hessen waren gestern in unseren Mauern versammelt, um in einer umfangreichen Tagesordnung in einer Reihe teils dienstlicher, teils allgemeiner Fragen einheitliches Vorgehen anzustteben. Die Verhandlungen leitete Regier- ungs- und Polizeirat Dr. Kratz-Darmstadt. Außerdem waren Vertreter der Polizeiverwaltungen Mainz, Kastel, Worms, Offenbach, Gießen, Friedberg, Bad Nauheim, sowie die Bürgermeister von Mzetz, Bensheim und Neu-Psenburg an­wesend. Der erste Punkt betraf die Exekutivpolizei, insbesondere militärische Organisation. Anstelluugsbeding- ungm. Ausbildung (Schutzmanusschulen), allgemeine Tienst- vorschristen, Uniformierung der Schutzmannschaft usw. Tie Debatte hierüber nahm den größten Teil der vorgesehenen Zeit in Anspruch. Im Prinziv wurde eine Einigung erzielt; es soll eine gewählte Kommission bezüglich der eiuheitlickeu Uniformierung nach weiteren Beratungen demnächst entsprechende Vorschläge machen. Tann soll bei Erteilung von Leumundszeugnissen demnächst nach einheit­lichen Grundsätzen verfahren werden. Zu Tit. Nähr-

ungsmittelköntrolle wurde die Darmstädter Milch. Verkaufs Ordnung und der Entwurf einer Instruktion hierzu vorgelegt und gutgeheißen, sodaß die allgemeine Einführ­ung empfehlenswert erscheint. Bezüglich des Kollek« tieren§ wurden eine Reihe einheitlicher Ersiehtspunkte gutgeheißen, nach denen in Zukunft eine Genehmigung oder ein Verbot stattzufinden hat. Eine ganze Anzahl weiterer Beratungsgegenstände wurde zur Besprechung auf eine der nächsten Versammlungen, welche nunmehr in regelmäßigem Turnus in den drei Provinzen stattfinden sollen, ver­schoben. Die nächste Versammlung findet am 11. Juni d. I. in Mainz statt. i

Kunst und Wisse» sch ast.

München, 7. Mai. Zu Lenback>s Tode sind Beileids­telegramme aus vielen Städten Deutschlands, aus Frankreich, Italien, Spanien und Oesterreich eingettoffen. Reichskanzler Graf Bülow und Gemahlin sandten ein längeres Telegramm. In den letzten Tagen wurden auf Veranlassung von höchster Seite wiederholt Versuche gemacht, Lenbach, der aus der Kirche ausgeschieden war, zum Wiedereintritt, zu bewegen. Tie Versuche blieben jedoch fruchtlos. . Die heutige Beisetzungsfeier Professor v. Lenbach's gestaltete sich zu einer imposanten Kund­gebung. In der prächtigen Aussegnungshalle harrten alle Mün­chener Künstlervereinignngen, alle Staatsminister usw. Die offi­zielle Rede hielt im Namen der Münchener Künstlerschast nach dem Chorgesange des Künstlersängervercins Prof. v. S t i e l e r. Er führte aus, der Stolz, das Wahrzeichen der Münchener Künstler­schaft sei vom Tode gefällt worden, die hellste Leuchte sei er­loschen. Jeder wahrhaft große Genius sei im gemeinsamen Besitze der ganzen Menschheit. Darum herrsche heute Trauer überall, wo ein Herz für Kunst schlägt. Professor Stieler schloß mit dem Gelöbnis, das Vermächtnis Lenbachs seine begeisterte Liebe zur Kunst, hochzuhalten. Unter Trauerklängen bewegte sich sodann der g.'walt'ge Zug durch die Reihen der Flambeaux haltenden Kunstakademiker zu Grabe. Hier wurden mit entsprechenden,An­sprachen zahllose Kränze niedergelegt, so u. a. vom preußischen Gesandten Grafen Pourtales namens des Kaisers, von allen Künstlervercinigungen Münchens, von Professor Metzerheim für die Berliner Kunstakademie, von Professor Beckmann-Berlin für die große Berliner Kunstausstellung und dem Verein Berliner Künstler usw. Im Auftrage des Reichskanzlers wurde am Sarge ein Kranz aus Lorbeer und Eichenblättern niedergelegt mit der Inschrift:Dem großen Meister. Graf und Gräfin v. Bülow". Die Grablegung begann und endete mit Gesang und Trauermusik

Sport.

Gießen, 9. Mai. Am gestrigen Sonntag nachm. 3Vs Uhr fand aus dem Trieb das angesagte Wettspiel zwischen dem Gießener Fußballklub 1900 und dem Offenbacher Fuß­ballklubMelitta" statt, und endete mit dem Resultat: Gießen 6 Goals gegen Offenbach 2 Goals. Gießen machte im 1. Teil des Spiels, d. h. bis zur Pause, 5 Goals hintereinander und zum Schluß des 2. Teils, kurz twr Toresschluß, noch ein 6. Goal, während Offenbach seine beiden Goals gleich zu Beginn des 2. Teiles nacheinander machte. Das Spiel war im allgemeinen sehr erregt und lebhaft, und derUnparteiische" hatte manchmal viel Mühe, die Gemüter zu besänftigen und die nötige Ruhe her­zustellen. Wenn nun Gießen auch numerisch ein Plus von 4 Goals gemacht hat, so ist, vom Standpunkte eines unparteiischen Beobachters betrachtet, dieses Plus moralisch nicht anzurechnen: denn was das Spiel an sich anlangt, so hat Offenbach zum min­destens ebenso gut, manchmal und im ganzen sogar besser gespielt, als Gießen wenn man folgende Punkte in Betracht ziebt: 1. kennt Gießen seinen Spielplatz ganz genau, während es für den Nichtgewohnten schwierig ist, auf Rasen, namentlich wenn er noch vom Regen angefeuchtet ist, die nötige Sicherheit im Balltteten zu entwickeln; 2. spielte Gießen bei seinen Hebungen meistenteils oder gar immer an dem schwierigen Goal, d. h. an dem nach der Kirschenalle zu, welches im ersten Teil des Wett­spiels Gießen zu verteidigen hatte: daß dieser Punkt namentlich ins Gewicht füllt, ersieht man deutlich aus dem Resultat: Offen­bach verliert 5 Goals nacheinander, d. h. kann trotz verschiedener günstiger Stellungen nie ein Goal an dieser Seite machen, da Gießen besonders aus die Verteidigung dieses Platzes eingeübt ist; 3. anderseits war es auch wegen des abschüssigen Bodens, sowie zum Teil infolge des Windes leichter, gegen das andere Goal zu spielen; hierbei kommt in Bettacht, daß die Gegenspieler infolge derselben Umstände leichter ermüdeten.. Tas Spiel war, wie schon gesagt, sehr lebhaft und daher namentlich für die unbeteiligten Beobachter, deren sich eine große Anzahl ein­gefunden hatten, sehr interessant. Daß die Mitglieder beider Vereinigungen auch andern Sport zu treiben wissen, als nur Fußballspiel, bewies die nachher stattgehabte feucht-fröhliche Sitz­ung im RestaurantSchützcnhaus". Die auswärtigen Spieler schieden in der Hoffnung, die Gießener Kollegen in Offenbach bald zum Revanche-Wettspiel Wiedersehen zu können und nahmen iedenfalls als Trost für ihr Mißgeschick die Hoffnung mit, in Offenbach Gelegenheit zur Rache zu haben und zu benutzen natürlich nur im Fußballspiel?

Märkte.

fo. Frankfurt a. M., 9. Mai. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt- preise. Zum Verkaufe standen: 561 Ochsen, 268 aus Oest­reich, 42 Bullen, 6 aus Oestteich, 749 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 3 auS Oestteich, 300 Kälber, 78 Schafe und Hammel, 1399 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezalli wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht Ochsen 1. Qualität 7173 Mk., 2. Qual. 6466 Mk., 3. Qual. 6062Mk.; Bullen l.Qual. 63 die 65 Mk., 2. Qual. 6062 Mk.; Kühe 1. Qual. 66-68 Mk., 2. Qual. 6163 Mk., 3. Qual. 58-60 Mk, 4. Qual. 4547 Mk., 5. Qual. 00-00 Mk. Kälber: l.Qual. 8788 Pfg., Lebendgewicht 51-53 V., 2. Qual. 8084 Pfg., Lebendgewicht 4850 Pfg., 3. Qual 00 00 Pfg., Schlachtgewicht 6466 Pfg., Schafe: l.Qual. 68'0 2. Qual. 6062 Pfg., 3. Qual. 0000 Pfg.; Schweine 1. Qual. 5300 Pfg., Lebendgew. 42 Pfg., 2. Qual. 5152 Pfg., Lebendgewicht 4100 Pfg., 3. Qual. 4446 Pfg., Lebendgewicht 0000 Pfg. - Geschäft: bei Hornvieh gut, Ueberstand unbedeutend; Geschäst bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand.

io. Frankfurt a. M., 9. Mai. (Orig.-Telegr. desGießer Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise: Weizen Alk. 17.0000.00, Kurhcfsikcher Mk. 17.2500.00, La Plaw Mk. 17.2518.00, Kansas Ml. 17.5018.50, Roggen (hiesiger, Mark 13.2513.50, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.0000.00, Franlei selber Mk. 00,0000,00, Ha-er Mk. 12.7714.00, Mais Mk. 12.0000.-0, Weizenmehl 0 Mk. 26.0026.50, 2. Qualität Mk. :.4.00

bis Mk. 24.50, 3. Qualität Mk. 22.0022.50, Roggcninehl 0 Mk. 22.0022.50,1. Qualität Mk. 15.5020.00, Weizenkleie Mk. 8 75 bis Mk. 9.00, Roggcnkleie Mk. 9.5010.00, Maiskeime Mk. 900 bis Mk. 10.75, Franken, Pfälzer, Ried Mk.00.00000.0. Alles per 100 Kg. ab hier.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst

Boanslchtlichc Witterung in Hessen für Dienstag, den 10. Mai 1904 Windig, zeitweise heiter, kühler, Regenschauer.

'Näbc'-es durch die Gießener Wetterkarte.

Briefkasten der Redaktien.

K. L. 'Muf der BerlinerRingbahn verkehren Personcw S züge: räglich 110 Züge ab Bahnhof Alexandcrplatz nach Bahn! o- . , Gesundbrunnen mit Anschluß nach Pankow und 133 vom Stettiner Bahnhof-Hauptabgang und am beguemsten über Gesundbrunuel . nach Pankow. An Sontagen werden nach Bedarf Züge eingcle-ii.

Neueste Nlelduntzen.

Berlin, 9. Mai. Wegen HeiratS sch wind els ist ein D russischer Ingenieur nainens Dostoia Sambcoski oer* haftet worden.