Ausgabe 
9.2.1904 Drittes Blatt
 
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ZleLer den KöSrnch der diplomatischen Aezieh- «vgen Japans zu Iiußlaud

verlautet tu Tokio an amtlicher Stelle folgerrdes: Zu diesem Entschluß sah. sich! die japanische Regierung durch die fortdauernde Verzögerung in der Ant­wort d e r russischen Regierung gezwungen, die bis jetzt im Gegensatz zu den in Europa verbreiteten Berichten, der japanischen Regierung nicht zugegangen ist.

In einem längeren Telegramm des Petersburger Korrespondenten derKöln. Ztg." vom 8. d. M. heißt es: Anscheinend sieht man den jetzigen Zustand an maßgebender russischer Stelle nock nickt als Kriegszustand an. Dafür spricht der Umstand, daß der Hof ball morgen stattfindet. Von Anzeichen stelle ich an die Spitze die Nach­richt, nach der im Winterpalais eine Beratung über die Lage stattgefunden hat, an der Graf Lamsdorff, Kriegs- Minister Luropatkin und Admiral Avellan teilnahmen, worauf in der Nacht Admiral Alexejew die telegra­phische Weisung erhielt, er solle die Bewegungen der Flotte und des Landheeres derartig leiten, daß aus ihnen Japan keinen Anlaß für die Annahme gewinnen könne, als ob Rußland den Kriegszu­stand als bereits bestehend ansehe. Aus japanischer Quelle zugegangene Nachrichten bestätigen, daß die japanische Regierung ebenfalls in dem Abbruch der diploma­tischen Beziehungen noch keinen Kriegszustand er­blickt, vielmehr die Möglichkeit, auch jetzt noch einen seitlichen Ausgleiche zu finden, anerkennt. Wie aus russi­schen Kreisen versichert wird, würde die Landung ja­panischer Truppen in Südkorea selbst heute noch Zettens Rußlands nicht unbedingt als casus belli angesehen werden. Nur ein Vorgehen Japans gegen die Mandschurei und Nordkorea werde die Interessen Ruß­lands derartig berühren, daß Rußland dann jedenfalls an der Grenze der geduldigen Zurückhaltung angelangt sein würde.

Aus Port Arthur wird gemeldet, daß die Abreise der Japaner fortdauert. Sonst ist alles ruhig.

Tas amerikanische Staatsdepartement erhielt^ ein Tele­gramm von der amerikanischen Gesandtschaft in Soeul, wo­nach dort verlautet, daß japanische Kriegsschiffe auf der Höhe von Masampho angekommen find; die telegraphische Verbindung sei jedoch unterbrochen, eine Be­stätigung oes Gerüchts daher unmöglich.

Zum Schlüsse eines Artikels vom 6. Februar über die Haltung Deutschlands zu dem japanischs-russischen Konflikt, sagt dieKöln. Ztg.", die Ausgabe der deutschen Politik sei sehr einfach. Wie wir früher den dringenden Wunsch hatten, daß die Leiden eines Krieges den Russen und den Japanern erspart bleiben möchten, so werden wir jetzt unsere Aufmerksamkeit daraus zu richten haben, daß aus dem Zwiste in Ostas.ien nicht weitere Ver­wickelungen entstehen, und daß nicht die dem Kriegsschauplätze benachbarten chinesischen Gebiete in die Wirrungen hineingezogen werden. Diesem Zwecke werden wir aber am besten dienen durch eine Politik, die keinen Zweifel an unserer loyalen Neutralität aufkommen läßt._______________________________________

Nom Kerero-Ausstande.

Der Kommandant desHabicht" meldet heute aus Swakopmund: Der Feind verließ die Umgegend von Omaruru. Operationen gegen Gobabis nneder aus­genommen.

Gouverneur Leutwein telegraphiert vom 8. Febr. aus Port Nolloch, daß er sogleich nach Swakopmund ab­reisen werde.

Der vor vier Jahren von Stettin nach Deutsch-Süd­westafrika ausgewanderte Tischlermeister Hermann Berlitz ist, laut einer telegraphischen Nachricht von seiner Frau, in Omaruru gefallen. Gerlitz, welcher seine Wohnung in Windhoek hatte, wurde beim Ausbruch der Feindseligkeiten zur Reserve eingezogen. Seine Frau befindet sich auf der Reise nach Stettin.

Der König von Sachsen spendete für die im Hereroauf- stand Geschädigten 1000 Mark.

Zur Berittenmachung unserer Truppen in Südwestafrcka wurden bisher 300 Pferde in Argentinien auge- kauft, die am 20. Februar, mit dem DampferEttola" nach Swakopmund abgehen sollen. Es ist nur ein Vortrans­port; der Ankauf weiterer 700 argentinischer Pferde ist in die Wege geleitet, die von einer deutschen Regierungskom- misfton, welche bereits nach Buenos Aires abgegangen ist und dort in zehn Tagen eintrifft, abgcnommen werden sollen. Falls noch ein weiterer Ersatz sich als nötig Herausstellen sollte, sind Verbindungen in Mexiko angeknüpft. Ebenso ist die Frage erwogen, ob man einen Versuch mit der Sendung deutscher Pferde machen soll.

Farlamerttarisches.

Berlin, 8. Februar. Im Abgeordnete wurde heute der Landwirtschaftsetat beraten und das Ordi- narium Erledigt. Alsdann wurde die Vorlage über die Tienstaufsicht bei größeren Amtsgerichten an eine Kommission verwiesen.

Ter Senior enkonvent des Reichstages hielt heute vor der Plenarsitzung eine Beratung über die Maßregeln ab, die bei der jetzigen Geschäftslage erforderlich sein dürften. Ter Präsident schlug vor, die Beratung der zum Etat vorliegenden Resolutionen bis nach, Beendigung des Etats auszusetzen. Ter Seniorenkonvent einigte sich dahin, diese Frage dem Haufe selbst zur Entscheidung vor­zulegen.

Berlin, 8. Febr. Ter Reichstagsabg. Jänecke (16 Hannover) legte sein Mandat nieder. (Seine Wahl ist bekanntlich für ungültig erklärt worden. D. Red.)

Recklinghausen, 8. Febr. Gestern ist auf dem Schloß Herten das Mitglied des preußischen Herrenhauses Graf Tröste zu Vischering von Nesselrode-Reichenstein gestorben.

Chemnitz, 8. Febr. TenN. Nachr." zufolge ist der Reichstagsabg. Rosenow (Königr. Sachsen 20) gestern .in Schöneberg gestorben.

Wien, 8. Febr. Ter Großherzog von, Mecklenburg- Schwerin ist heute nachmittag hier eingetroffen.

Ansammlung hessischer Mürgermeisier.

fc. F r a n k f u r t a. M, 8. Febr.

Im Rechneigrabensaale fand heute von 11 bis y22 Uhr die 2. Generalversammlung des Landesver­bandes hessischer Landbürge rm ei st er statt. Tie i erste Versammlung hat vor 7 Jahren stattgefunden. Sie war damals einberufen worden, um den Landesverband zn

gründen. Das geschcch auch. AVer der Verband,schlummerte alsbald sanft und selig ein, niemand kümmerte sich mehr um ihn. Die heutige, von Bürgermeister Wenzel in Hainstadt im Namen des Kreisvereins Offenbach a. M. einberufene Versammlung hatte deshalb die Aufgabe, ihn zu neuem Leben zu erwecken. Die co. 150anwesenden Bürger- m er st er erklärten sich mit der Wiederaufnahme der frü­heren Bestrebungen einverstanden. Zum 1. Vorsitzenden des Verbandes wurde einstimmig Bürgermeister Metzger-Langen gewählt, der dann auch den Vorsitz der Versammlung über­nahm. Zn Vizepräsidenten wurden die Bürgermeister Geis­linger-Gaualgesheim und Jochem-Laubach! gewählt, sodaß alle drei Provinzen im Präsidium des Verbandes vertreten ind. Schäser-Dortelwell wurde zum Rechner des Ver­bandes, Srnger-Seligenstadt zum ersten und Poes-Walldorf rum zweiten Schriftführer gewählt. Sodann wurde aus >rei Herren eine Petitionskommission gebildet, wobei auf den Vorschlag von Köhler-Langsdorf von der Entsend­ung eines Landtagsabgeordneten in diese Kommission Ab- tand genommen wurde. Sie besteht aus den Herren: Höhn- Hepppenheim, Sieben-Zornheim und Schuchard-Brauer- chwend. Sämtliche Herren nahmen die auf sie gefallene Wahl an. Zunächst wird der Verband sein Augenmerk dar­auf richten, daß überall Kreisvereine gegründet werden. Es gibt noch eine ganze Anzahl Kreise, in denen kein Kreis­verein besteht. Die Verbandsstatuten sollen vom Vorstande ausgearbeitet und einer späteren Generalversammlung zur Beschlußfassung unterbreitet werden. Als Jahresbeitrag wurden 2 Mk. pro Kopf vorgeschlagen und dabei aus etwaige Druckkosten bei Petitionen usw. hin gewiesen. Ter kammer­kundige Köhler aber machte darauf aufmerksam, daß es bei Eingaben an den Landtag genüge, die Urschrift einzureichen. Sie werde dann auf Staatskosten gedruckt und den Abgeord­neten überreicht. Darauf wurde der Beitrag auf 1 Mk. ko Jahr festgesetzt. Unter der Rubrik:Anträge aus der Versammlung" beschäftigte man sich hauptsächlich mit den Aufgaben der Petitionskommission, die u. a. dahin wirken oll, daß die hohen Vermessungsgebühren 17 bis 20 Mk. ko Tag ermäßigt werden. Dann aber sind es vor allem drei Dinge, gegen die sie vorgehen soll: die Grund­bücher, die Notariate und die Stempelgebühren. Hierüber entspann sich eine lebhafte Debatte. Im Border- tresfeu stand der redegewandte Langsdorfer. Er wünscht, daßradikal vorgeaangeu" werde. Mit einer Flut von Eingaben soll die Petitionskommission gegen diese ,^preußischen Segnungen" Sturm laufen, und zwar owohl beim Reichstag gegen das Reichsgesetz über )ie Grundbücher, als auch beim hessischen Landtage gegen das hessische Einführungsgesetz dazu. Das neue Grundbuch passe für Ostpreußen, aber nicht für Hessen. Es verursache der Landbevölkerung nur Zeitverlust und Kosten. Kühler fordert, daß den Ortsgerichteu wieder weitere Befugnisse zugewiesen werden, insbesondere die Grundbruh- ührung und das Recht, Kaufverträge abzuschließen. Dre Notariate sollen aufgehoben werden:Weg mit den teuren Juristen!" «Seine Ausführungen fanden im allgemeinen Beifall, wenn auch Stimmen laut wurden, die da meinten, Gesetz sei doch nun einmal Gesetz, man solle auf Ver­besserungen dringen. So solle man den Notaren die No­tariatsgeschäfte über mehr als 10 000 Mk. belassen. Kauf­verträge bis zu 1000 oder 500 Mk. sollten von den Orts­gerichten abgeschlossen werden können. Köhler meinte, Kauf­verträge über 500 Mk. seien oft in rechtlicher Beziehung knifflicher als solche über 100000 Mk. Gr empfahl wieder­holt, aufs Ganze zu gehen. Als wünschenswert wurde be­zeichnet, daß den Bürgermeistern Arbeiten, die nur im Staatsinteresse geschehen, vergütet werden, z. D die Hilfs­arbeiten für die Staatsanwaltschaft. Zum Schluß wurde folgende von Köhler-Langsdorf im Namen des Kreisvereins Gießen eingebrachte Resolu­tion einstimmig agenommen:Die heutige zweite Generalversammlung des Landesverbandes hessischer Bür­germeister erachtet die neue Gesetzgebun g betr. das Grundbuch-, Notariats- und Stempelsteuer- Wesen als äußerst schädigend besonders für die ackerbautreibende Bevölkerung des Landes und fordert die Regierung auf, unverzüglich eine Revision dieser Ge­setzgebung herbeizuführen." 9lac£)> der Tagung fand ein gemeinsames Atittagessen statt.

Aws Stadt and Land.

Gießen, den 9. Februar 1904.

* Personalien. Am 5. Februar wurde der Steuer­aufseheraspirant Georg Helfrich aus Rohrbach zum Steuer­aufseher ernannt. In den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter in der Heff.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Clemens Quell zu Bischofsheim (Kr. Hanau).

** Meisterkurf e. Wie wir erfahren, nahmen die in Darmstadt abgehaltenen dreiwöchigen Meisterkurse für Schuh- macher und Schneider am 8. Februar, ihren Anfang, ein weiterer Kurs im Holz- und Marmormalen beginnt am 22. Februar und ein solcher im Ho lzfärben und Beizen am 2. März; ferner wird ein Buchhaltungs­kurs gleichfalls in Darmstadt vom 29. Februar bis 4. März, von 7 bis 10 Uhr abends abgehalten, sofern eine ausreichende Teilnehmerzahl sich hierzu rechtzeitig anmeldet. Die An­meldungen zu diesem Kurse, ebenso auch zu dem in Groß- Felda stattfindenden Meisterkurse für Sattler, zu welchen außer Handwerksmeistern auch ältere Gesellen zugelassen werden, find baldigst an die Großh. Zentralstelle für die Ge­werbe zu richten.

** Vortrag doS Evangel. Arbeitervereins. Am Sonntag abend sprach Landgerichtsrat Schmeckenbecher über das Thema: ,Warum, wie und wann errichtet man ein Testament?" Es hatte sich eine zahlreiche Zuhörerschaft erngefunden, welche dem Vorttag mit gespannter Aufmerk- samkett folgte. Der Redner besprach den Gegenstand in leicht verständlicher Weise, dazu wurde der Vortrag belebt durch zahlreiche Beispiele aus der Praxis. Das Jntereffe der Hörer bekundete sich nach dem Vorttag durch Stellung einer ganzen Reche von Fragen, welche eingehend beantwortet wurden.

* MaSkenfest des Turnvereins. Bei der stets zunehmenden Zahl von Maskenvergnügen ist die Frage des Arrangements für die Vereine stets schwierig. Will doch jeder Verein möglichst etwas noch nie Dagewesenes bieten. Der Turnverein brachte es fertig; fein Maskenfest verlief groß­artig. Der Saal, wunderschön dekoriert, war mit verschiedenen Schau- und Verkaufsbuden ausgestattet, die von den zahl­reichen Masken recht fleißig besucht wurden. Inmitten der zur Sommerwirtschaft umgewandelten Bühne erschien eine Felsengrotte mit Wasserfall und elektrischer Effektbeleuchtung,

währSid unter der Bühne Gambrinus seinen Einzug gehakten hatte. Ueberall begegnete man fleißigen Verkäuferinnen, so daß die Vergnügungen das Gepräge eines echten venetianischen Festes annahmen. Die vorgesehenen Aufführungen der Gaukler-, Tyroler- und Mandolinen-Bande, sowie der Mordgeschichte kamen nicht zur vollen Geltung, hatten aber auch infolge des bekannt gewordenen Umstandes, daß von der Obrigkeit das Vergnügen in letzter Stunde verboten fei, nicht mehr das Interesse der Mitwirkenden, worauf auch wohl der schlechte Besuch der Sonntagsfortsetzung des Festes zurückzuführen sein dürfte.

Kutscher-Maskenball. Unter anderen tarne« walistischen Veranstaltungen verdient der vom Kutscherverein Gießen veranstaltete Maskenball im Cafe Leib (oder wie ein Witzbold sagte: Safe Bauch- besonders hervorgehoben zu werden. Narrheit und Frohsinn waren vereint; Gelegenhett zum Essen und Trinken gab es in Fülle; auch die angrenzen­den Räume waren mit Tischen besetzt. Besonderen Anklang and ein Karussell, das auch tatsächtlich einem tiefgefühlten Bedürfnis abhalf.

(!) Alsfeld, 7. Febr. Hier ist die Errichtung eines Krankenhauses geplant. Unter den Frauen und Jung- rauen ist eine Bewegung zur Förderung dieser Wohlfahrts­einrichtung im Gange. Es sollen Handarbeiten u. bergt angefertigt und gestiftet werden. Später beabsichtigt man die Sachen auszustellen und zu verkaufen oder zu verlosen und den Erlös 3um Bau des Krankenhauses zu verwenden. Ein Teil der Stadt soll kanalisiert werden, es sind 2200 Wik. vorgesehen.

R.-B. Darmstadt, 8. Febr. Se. Königl. Hohett der Groß Herzog ist heute nachmittag 4 Uhr 5 Min. von seinem 14tägigen Aufenthalt in England mittels Extrazuges über BingenMainz wieder hierher zurückgekehrt. Der Großherzog trug Zivilkleidung und sah frisch und gesund aus.

Marburg, 8. Febr. Eine Gedenkseierder Uni­versität zur hundertsten Wiederkehr des Todestages von Immanuel Kant wird nach derHess. L.-Ztg." am 14. Februar in der Aula der Universttät abgehalten werden. Die Festtede der Feier, zu der alle Lehrer, Beamten und Studierenden der Universität eingeladeu sind, wird Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Cohen halten.

Vermischtes.

*Berlin,8. Febr. Gestern abend kam im Königlichen Sch auspielh ause während der Vorstellung auf der Bühne Feuer aus. Ein Seitenvorhang über einer elek­trischen Leitung, die einer Glühbirne Strom gab, fing Feuer. Die anwesende Feuerwehr bemertte die Gefahr und ersttckte die Flamme, ohne daß im Publikum etwas bemerkt wurde.

* Köln, 8. Febr. Der Wasserstand des Rh eins ist seit Samstag um 1.26 Meter gestiegen, er betrug heute 3.27 Meter. Der Rhein steigt werter.

M ü n ch e n, 8. Febr. DieM. N. N." melden aus G a r - misch: Zwei seit dem 1. Februar auf der Zugspitze ver­mißte Touristen wurden gänzlich zerschmettert einige hundert Mettr unterhalb der Wiener-Neustädter Hütte hinter der Ludergrube aufgefunden. Beide waren von Sachverständigen vor der Tour eindringlichst gewarnt wor­den. Die Leichen der Verunglückten, die gestern abend nach Ehrwald gebracht wurden, wurden rekognosziert; es sind ein Sohn des Bäckermeisttrs Zimmermann aus Ingolstadt und ein Sohn des Brauereibesitzers Meier ebendaher. Beide studierten an per Technischen Hochschule in München.

* Kaiserslautern, 8. Febr. DiePfälzische Pr." meldet: Am Samstagabend wurde an der achtjährigen Loch' ter des Fabrikarbeiters Michel ein Lustmord verübt. Nachdem der Unhold das Kind auf das Feld gelockt hatte, vergewaltigte er es, erwürgte es und warf es in einen Bach. Als der Tat verdächtig. wurde ein älterer Mann verhaftet.

* Bozen, 7. Febr. Seit 4 Tagen anhaltende furcht­bare Regengüsse haben in ganz Südtirol großen Schaden angerichtet. Alle Flüffe sind aus den Ufern ge­treten, die Temperatur ist sehr warm.

* Baltimore, 8. gebr. Seit dem großen Brande in Chicago im Jahre 1871 hat man in den Vereinigten Staaten keine solckx Feuersbrunst mehr erlebt, wie die­jenige, von der Baltimore heimgesucht ist und die noch un- geschwächt fortbauert. Die Gebäude, die zerstört sind, be­decken zusammen 60 Acres Land. Der bisher entstandene Schaden wird mit etwa 50 Millionen Dollars ange­nommen. Das Zollhaus-, Bank- und Theatergebäude, fämt- liche Zertungsdruckereien und viele Warenspeicher sind dem Feuer völlig zum Opfer gefallen. Auch das Stadthaus steht in hellen Flammen. Sonderzüge brachten Feuerwehren von Washington, Philadelphia, Newyork und anderen Städten, doch alle Bemühungen sind gegenüber dem wüten­den Feuermeer vergeblich, das gleich einer Flutwoge von zweihundert Fuß Höhe die Sttaßen entlang fegt, an den himmelhohen Wolkenkratzern hinaufleckt und sie gleich Stteichholzschachteln verzehrt. Heute früh i/27 Uhr sprang der Wind um und trieb die Flammen die Wasserseite der Stadt entlang, sodaß jetzt auch deren südöstlicher Teil be- droht i st.

Zlniversttäts-Dachnchten.

Breslau, 8. Febr. Heute abend brachte die Studenten­schaft Felix Dahn aus Anlaß seines morgigen 70. Geburtstages einen imposanten Fackelzug dar.

Neueste Mewuugeil.

Der erste Schlag im russisch-japanischen Kriege.

Petersburg, 9. Febr. (Ci g en er D r a h t b e r i ch t.) Ter9tegieruug§bote" veröffentlicht folgendes Telegramm des Statthatters Alexejew an den Zaren: Ungefähr um Mitternacht vom 8. auf den 9. d. M. machten japanische Torpedoboote einen plötzlichen Minenangriff auf das auf der äußeren Reede von Port Arthur liegende Geschwader, wobei die Panzerschiffe Retwisan und Zaesa- rowitsch und der Kreuzer Pallada beschädigt wurden. Couverts mit Zinna billigst

Brübme Universitäts-Druckerei. Sieben.