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Ter Vorstand.
Nv. 7
Drittes Blatt.
154. Jahrgang
Samstag $>♦ Januar 1904
Lrschetui ISgNch mit Ausnahme des Sonntags.
Dii „Siebener Famllienbiätter" werden dem Anzeiger dermal wöcheMllch beigelegt. Der „hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal
Giehener Anzeiger
verantwortlich tot den aQgttnrhMD tafli D. Wittko; tot den Anzelgentetl: 0* 6«<t
Rotationsdruck unb Verlag bet BrÜhklche» UniversuätSdruckerei (Pietsch Trd«n>. Dietz««,
General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe».
Volilische Tagesschau.
Handelshochschule und Ausländer.
Aus Berliner Handelskreisen wird uns geschrieben:
Die ministerielle Genehmigung zur Gründung einer Handelshochschule durch die Korporation der Berliner Kauf- mannschaft ist nunmehr erteilt. Sie ließ zwar monatelang aus sich warten, doch die Reichshanptstadt hat sich daran gewöhnt, daß ihre Angelegenheiten seitens der Staatsregierung nickst gerade schleunig behandelt werden. Das Aeltesten-Kollegimn der Berliner Kaufmannschaft kann also jetzt in Beratungen ein treten über die endgiltigc Ausgestaltung der Orgamsation der Hochschule. Der Gründ- nngsplan ist bereits ausgcarbeitet worden durch einen zu diesem Ziveck gewählten Ausschuß, der seine Beschlüsse zum wesentlichen Teil in einer Berliner Zeitung bekanntgab. An der Hand der an bereits bestehenden deutschen 5)andelsHochschulen gemachten Erfahrungen sei an dieser Stelle auf eine Erscheinung hinDewiesen, von der zu wünschen ist, daß sie sich in der Reichshauptstadt nicht wiederhole: auf oie Ueberfülluno der Hochschule mit Ausländern. Nicht chauvinistische oder „alldeutsche" Empfindung, sondern nüchterne praktische Erwägung führt zu solchem Schluß. Eine in die Existenzfrage tief einschneidende Konkurrenz gibt es in der Wissenschaft nicht, Umso- mehr aber auf kaufmünnischem Gebiet, und die Handelshochschulen werden doch gerade zu dem Zweck gegründet, den Bildungsstand der jungen deutschen Kaufleute zu heben und sie tüchtig zu machen für den Wettbewerb auf dem Weltmarkt, wo heut die Entscheidung über das wirtschaftliche Schicksal der Nationen ausgefocksten wird. Ist es da nicht im Grunde widersinnig, wenn eine deutsche Handelsschule in demselben Maße wie den deutschen Kaufmann den Ausländer tüchtig macht, wenn sie auch dem dereinstigen Gegner des Deutschen sozusagen die Waffe in die Hand gibt? Doch es soll ein- geräumt werden, daß man den Ausländern die Erlaubnis zum Besuch deutscher Handelshochschulen nicht grundfätzlich verjagen kann. Die Erlaubnis sollte aber eingeschränit werden dahin, daß die Zahl der zuzulassenden Ausländer einen bestimmten Prozentsatz derjenigen der deutschen Hochschüler nicht übersteigen darf. Denn wenn z. B. an" der leipziger Handelshochchule, einem sächsischen Blatt zufolge, unter 1OO Studierenden 75 Ausländer sind, von denen wieder dreiviertel aus Russisch-Polen stammen, so ist das ein Zustand, der den Absichten, aus denen heraus die Hochschule errichtet wurde, widerspricht und als bedenklich bezeichnet werden muß. Die deutschen Hochschulen sind für die d e u t s ch e I u g e n d da. Wo ist im Auslande die Hochschule, an der auch nur halb so viel Deutsche studieren, wie AÜchtdeutsche in Leipzig? Ällles hat seine Grenzen, und deshalb ist zu wünjchen, daß einer Ueber- stutung der Handelshoch,chule durch ausländische Elemente beizeiten ein Damm entgegengesetzt werde.
Ans SIM und Land.
Gießen, 9. Januar 1904.
C. Lehrerinnenprüfung. Wie wir einer Veröffent- lichung der Schulabteilung des Großh. Ministeriums in der Darmst. Ztg. entnehmen, soll von dem neuerrichteten Lehrer- innen-Seminar zu Mainz die Prüfung der Anwärterinnen für das Lehramt an höheren Mädchenschulen am 22. Februar beginnen, und zwar haben sich derselben nicht nur die Abiturientinnen des mit der höheren Mädchenschule zu Mainz verbundenen Lehrerinnen-Seminars, sondern auch die nicht
in ii in iiiiib ■MiiiMMgwimnrrTJ-w^mva’mn^y;
Plaudereien aus der Kaiferstadt.
(Nachdruck verboten.)
Der neueste Tric. — Der „Schleifenfahrer". — Zur Schließung des Opernhauses. — Die Gefahren anderer Kunststätten. — Sylvester-Kavaliere.
Fast möchte man annehmen, daß in den Artisten von heute der heimliche Ehrgeiz steckt, endlich einmal das Genick zu brechen^ wenn man nicht wüßte, wie unersättlich Publikum und Direktoren in sensationellen Ueberraschungen sind, die der Künstler dieser Gattung bieten muß. Jede Saison etwas Neues — oder er wird zum alten Eisen geworfen. Ta heißt's eben das lumpige Genick riskieren, wenn man auch nur , das eine hat. „Tenn schließlich kann einem das Dom Artistenstandpunkt aus lieber sein", sagte mir einmal ein alter Zirkuskünstler, „als ein Bein, zu brechen, obgleich man oon, diesem zwei besitzt. Tie Karriere ist damit auch nur zu Ende, aber die Sorgen beginnen. Und die macht einem das Genick nicht, wenn es futsch ist!" Eine etwc.s bittere Lebensauffassung, die aus diesen Worten spricht, aber mit tausend bösen Beispielen leider zutreffend belegt werden kann! Die letzten Spezialisten jener Kunst, die aus Kunststücken besteht, sind bekanntlich die Schleifensahrer; ,Looping de loop" heißt die Nummer aus den Zetteln und in den Zeitungen, da aus diesem Gebiet der inter- uationale Sprachensalat am reichhaltigsten und buntesten ist. Ein Radfahrer oder Automobilist fährt auf einer schiefen CBene abwärts, bis seine Geschwindigkeit ausreicht, um nach den Gesetzen der Zentrifugalkraft den Sieg über die Schwere davonzutragen. An diesem Punkte geht die schiefe Ebene in eine riesige Schleifend ahn über. Der Fahrer saust hinaus und weiter, sodaß er sekundenlang mit seinem Gefährt, den Kopf nach unten, die Räder nach oben, den Raum durchmißt, bis er das Ende des Ringes erreicht und in leichter Neigung endlich zu ebener Erde anlangt. Ein findiger Kopf, der augenblicklich im Zirkus Schumann austritt, hat ganz logisch herausgefuuden, daß der obere Teil der Schleifenperipherie bei diesem halsbrecherischen Kunststück ganz überflüssig ist, sein Fehlen aber das Gruseln unbedingt um 100 Prozent erhöhen muß; und so produziert er sich denn als Radfahrer in der „offenen Loop". Das Heißt, in seiner Schleifenbahn fehlen oben ca. 7 Meter,
in Seminaren vorbereiteten Tarnen zu unterwerfen, welche den Wunsch hegen, die staatliche Bestätigung ihrer Befähigung zum Unterrichte an höheren Mädchenschulen zu erhalten. Im Interesse gerade solcher Damen sei auch an dieser Stelle aus die erwähnte ministerielle Bekanntmachung besonders hingewiesen.
** Unentgeltliche Benutzung der deutschen Patentschriften. Seit dem Jahre 1877 befindet sich in den Räumen der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe, Darmstadt, Neckarstr. 3, eine Auslcgcstelle der vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin herausgegebenen Patentschriften über die in den Patentklassen 1—89 vom 1. Juli 1877 ab erteilten Patente, beginnend mit Nr. 1, die an jedem Werktage in der Zeit von 10—12 1/2 und 3—5 1/2 Uhr (Samstag-Mittag ausgenommen) von jedermann unentgeltlich benutzt werden kann. Durch die Auslegung der Patentschriften wird jedermann Gelegenheit gegeben, sich über den Inhalt eines Patentes zu unterrichten. Um auch auswärts wohnenden Personen die Einsicht der Patentschriften zu ermöglichen, ist die leihweise Abgabe einzelner Nummern auf kürzere Zeit gestattet. Die neu erscheinenden Patentschriften werden den Auslegestellen vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin in ein- wöchertlichen Zwischenräumen überwiesen und dem Publikum alsbald nach ihrem Erscheinen zugänglich gemacht.
() Kirchhain, 7. Jan. Im Saale des Hotels Mase- bach hielten heute nachmittag die Bahn bau ko mite es des Wohra- und Kleintals eine zahlreich besuchte Versammlung ab, der auch der Landrat des Kreises Frhr. Schenck zu Schweinsburg und das neugewählte Mitglied der Kasseler Handelskammer, Fabrikbesitzer Gramm aus Frielendorf beiwohnten. Während der sehr lebhaften Diskussion traten die Interessenten der Wohratalbahn für die Bahn Gemünden-Kirchhain und derjenigen des Kleintals für die Fortsetzung von Kirchhain durch Gemünden nach Alsfeld und von da weiter nach Hersfeld ein. Mit dem Ausbau dieser ganzen Strecke wäre also eine direkte Verbindung zwischen Thüringen und dem westfälischen Industriegebiet geschaffen, wenn man die Wetterführung nach Frankenberg und Winterberg in Betracht zieht. Es wurde auch ausgeführt, daß die in Gemünden beschlossene Petition an die Regierung abgegangen sei und daß dieser Tage Landrat Riesch von Fraukenberg und Exzellenz v. Stumm aus Holzhausen in Berlin beim Eisenbahnministerium Audienz hätten. Verschiedene Redner traten auch dafür ein, daß die drei getrennten Bahnprojekle Gemünden-Kirchhain, Kirchhain-Alsfeld und Alsfeld-Hersfeld als großes einheitliches Projekt zu betrachten und für den Fall, daß von der Siegierung kein Entgegenkommen zu erwarten ist, einer Gesellschaft den Bahnbau zu übertragen. Auch das Projekt Zimmersrode-Frankenberg wurde eingehend erörtert. Man beschloß zum Schluß, erst den Erfolg der Audienz in Berlin abzuwarten und dann weitere Versammlungen anzuberaumen.
Vermischte».
* Eine v erun glückte Winter touraufdasSchreck- horn. Der Engländer Wood, der in der vorigen Woche von Grindelwald aus das Wetterhorn bestiegen hatte, machte nun, von zwei Führern begleitet, eine Partie auf das Schreckhorn. Die drei Bergsteiger hatten glücklich den Gipfel erreicht und wandten sich wieder zu Tal, als beim Abstieg Wood durch eine trügerische Schneedecke brach und in einen darunter fließenden Bach fiel. Er konnte sich zwar wieder aus dem Wasser herausarbciten, mußte aber durchnäßt bei strenger
die er mit seinem Rad, nun auch für das Auge deutlicher merkbar, tatjächlich durchfliegt. Für Leute, die ihre Nerven stählen wollen, ein geradezu idealer Anblick, diese „Höhen- kunft!" Tie anderen tun gut, solange die Singen zu schließen. Ein eigentümlicher Gegensatz ergibt sich) wenn man dieses tägliche Spiel mit dem Leben, das die Zirkusleute sich leisten, in Parallele stellt mit dem jüngsten Erlaß des Kaisers, der die Schließung des Berliner Opernhauses befiehlt, um den Zuständen ein Ende zu machen, die dem Leben seiner dort Angestellten bei einer Katastrophe gefährlich werden könnten. Diese Maßregel hat in allen Kreisen der Bevölkerung die höchste Befriedigung erweckt, gibt sie doch einen vollgiltigeu Beweis für das hohe Ver- antwortlichkeitsgefühl, für die echt menschliche Empfindung, die den Kaiser beseelen. Auf das schreckliche Unglück von Chicago war dieser impulsive Entschluß, längst geplante Aenderungen sofort durchzuführen und lieber materielle Einbußen dafür in den Kauf zu nehmen, das denkbar beste Mittel, das schwankende Sicheryeitsgefühl des Berliner Theaterpublikums zu beruhigen. Trotzdem hat es auch hierüber nicht an Mrglern gefehlt, die es ihrer Meinung nach hätten besser machen können. Aber seit ich in den „Hamburger Nachrichten" die empörendste und unverschämteste aller Kritiken über die Bestrebungen moderner Kronenträger, die Bemäkelung des Großherzogs von Hessen wegen seiner Teilnahme an einer Weihnachtsfeier in der „Herberge zur Heimat" in Darmstadt, gelesen habe, nimmt mich auf diesem Gebiete nichts mehr wunder. Die Berliner Sicherheitspolizei hat sich natürlich in diesen Tagen auch mit unseren Privat-Theatern beschäftigt und wird sich zweifellos den Mängeln nicht verschloßen haben, die hier und dort vorhanden sind, zumal an den alten Bauten. Eine der gefährlichsten Menschenfallen ist schon seit längerer Zeit geschlossen. Das ist das Theater am Alexcmderplatz, in dem einst Wolzogen seine ersten Ueberbretti-Triumpye feierte. Manch liebes Mal hat mich in jenem oft wahnsinnig überfüllten, nur durch einen einzigen schmalen langen Eingang erreichbaren Raum der Gedanke gepeinigt, was für ein Riesenunglück das geben müsse, wenn plötzlich der Ruf „Feuer" erjajialle. Es war schon unter normalen Verhältnissen eine Aufgabe, die viel Ellenbogenkunst erforderte, bei Schluß der Vorstellung hinauszukommen! Irgendwo war wohl auch ein Notausgang, aber den kannte man
Kälte weitermarschieren, unb nach einiger Zeit waren ihm beide Füße erfroren.
* An die Herren Gartendiebe! Ein drolliges Inserat veröffentlicht das „Pößn. Tagebl." Es lautet: „Denjenigen Interessenten meines gep. Gartengrundstückes, welche den Genuß frischer Gemüse auch jetzt nicht entbehren zu können glauben, zur gefälligen Kenntnisnahme, daß die Schlüffel zu demselben jeder Zeit, selbst nachts, bei mir zu haben sind, der Eingang durch die Tür auch weniger gefährlich erscheint. Ferner bitte ich, mir Wünsche betr. Frühjahrsbestellung recht bald übermitteln zu wollen, damit die Ernte so reichlich ausfällt, daß auch für mich noch eine Kleinigkeit übrig bleibt. Der Obstertrag scheint, dem Ansatz gemäß, auch wieder ein ganz vorzüglicher zu werden, nur bitte ich, mir dann wenigstens die Bäume stehen zu lassen. Zum Schutze derselben werde ich geeignete Maßnahmen ergreifen, so daß das Betreten des Grundstücks nur mit äußerster Vorsicht zu empfehlen ist. H. Spengler."
* T ie Zahl der Berliner, welche mehr als 100000 Mark zu verzehren haben, dürfte nach den neuesten Ermittelungen der Berliner Steuerdeputation etwa 800 betragen. 51 haben ein Einkommen von 100 000 Mark bis 105 000 Mark; es folgen 36 mit 105 000 Mark, 36 mit 110 000 Mark, 31 mit 115 000 Mark, 49 mit 120 000 Mark. Während nur 1 ein Einkommen von 285 000 Mark hat, folgen wieder 7 mit Einkommen von 290000 Mark, wiederum 7 mit solchem von 295000 Mark. Selbstverständlich ist das Einkommen der steuerpflichtigen nichtphysischen Personen viel höher; von diesen 351 hat einer ein Einkommen von 12 745 000 bis 12 750000 Mark; er zahlt dafür 509 800 Mark Steuern; der nach unten folgende verdient nur 11835 000 Mark (Steuer 473 000 Mark); ihm schließt sich ein dritter mit einer Einnahme von 10 015 000 Mark (400 600 Mark) an; nun springt es nach unten gleich auf 6 345 000 Mark Einkommen, er braucht auch nur 253 800 Mark Steuern zu bezahlen. Sehen wir uns nun die Einnahmen der Er- gän zun g s steuer an, so geht aus denselben hervor, daß der r e i ch st e Berliners 000 000 Mark irn Ver- mögen hat, 2 haben 32 000000 Mark. Neber 20 000 000 Mark haben 11, über 10 000000 Mark haben 39. Neber 1 Million Mark im Vermögen haben — 1236 Berliner; also trotz der Not der Zeit ist noch recht viel Geld in Berlin.
* Ein Medium verhaftet. Aus Paris wird berichtet: Frau Chappuis hatte vor zwei Jahren durch den Tod ihres Mannes, oes Schauspielers Chappuis in Brüssel, die furchtbarste Trübung ihres Seelenzu)mndes erlitten. Seitdem dachte sie nur noch ans Sterben. In Brüssel: hatte das Ehepaar eine Frau Martin kennen gelernt, und Chappuis hatte seine Frau vor „dieser Abenteurerin, die zu allem fähig ijt" gcroarut. Als Frau Martin nach Ch's. Lode der Frau Chappuis zufällig begegnete, sah sie bald, in welchem seelischen Zustand sich die Witwe befand, und handelte danach; sie wußte Frau Chappuis zu bestimmen, daß sie sie in ihre Villa nach Marly zu Gast lud, und versprach ihr dort den Geist i h r e s M a n n e s zu zeigen. In einer Nacht kniete Frau Chappuis vor ihrem .Hausaltar, an dem zwei Kerzen brannten, und der von stark riechenden Pflanzen umgeben war. Hinter dem Hausaltar stand, in weiße Laken gehüllt, Frau Martin und redete zu chr als „Geist" ihres Mannes; sie sagte ihr: „Wegen einiger Sünden bin ich im Fegefeuer, und du müßtest noch vor Ende dieses Jahres tommen, um mich zu erlösen. Um schlechte Einflüsse von dir abzuwenden, verbrenne diese Parfüms und atme ihren Rauch ein, aber beseitige dann
natürlich nicht. Ein paar Wissende hätten sich vielleicht durch ihn retten können. Für oie überwiegende Mehrzahl war er so gut wie nicht vorhanden. Auch das „Deutschs Theater" ist meiner Meinung nach baulich sehr verbesserungsbedürftig, wenn eine Gefahr dort auch nicht in dem grausigen Ataße besteht; ebenso sollte man im „Berliner Theater", das vor Jahrzehnten bekanntlich einmal ein Zirkus gewesen, an Aenderungen denken, ehe es zu spät ist. Was die Bühnenzugänge des „Kleinen Theaters" betrifft, so liegt da wohl auch manches im Argen. Wirklich modern, auch nach dieser Seite, ist in Berlin eigentlich nur das „Theater des Westens", das mit seinen großen Raumverhältnissen ein Gefühl der Furcht nicht auf kommen läßt. Es hat übrigens unter der neuen Direktion von AloyS Prasch, dem früheren Intendanten von Mannheim, einen frischen Aufschwung als zweite Opernbühne der Reichshauptstadt genommen, "nd wird während des Interims der-Königlichen Oper seine Zugkraft zweifellos verdoppeln.
Ter Sylvestertrubel Berlins unterschied sich im wesentlichen nicht von denen der Vorjahre. Es war nicht ganz so arg wie sonst, was jedoch nicht ausschließt, daß stellenweise' die Zunft der Berliner Rowdies wieder chre ganze widerliche Unflätigkeit entfaltete. Ein Ingenieur, der Berliner Sitten nicht kennt, und just um die Mitternachtszeit, aus \bem Norden kommend, die Friedrichstraße im Zylinder passierte, hatte alsbald ein ganzes Rudel jener frechen Berliner Lümmel hinter sich- die in dieser Nacht keinen Zylinderhut ungeknickt passieren lassen können. Vergebens suchte der Ingenieur das Gesindel durch Höflichkeit zu besiegen. „Aber, meine Herren, Sie sind doch Kavaliere! Sie werden doch nicht. . ." Aber da unterbrach ihn auch schon ein Hohngelächter, und ein derber Schlag trieb ihm die funkelnagelneue Behauptung bis über die Ohren. Tann ergoß sich ein wahrer Hagel von Stößen, Schlägen und Püffen über sein Haupt, bis plötzlich eine Pickelhaube auftauchte und die Bande zur Flucht trieb. Der arme Kerl trug fein Unglück übrigens mit Humor. Im nächsten Jahre will er den Zylinder nicht etwa zu Hause lassen, wenn er in der Neujahrsnacht lustwandeln geht. Ader er wird ihn elektrisch laden, sodaß jede Berührung einen kräftigen elektrischen Schlag auslöst, der den Angreifer nach Wiederholungen nicht lüstern mad>en soll. Wohl bckomm's den Berliner Kaavalieren — aus her Ackerstraße! A 3t


