..unerwünschten Fremden". Ist zn verwundern, daß birrtb loiche Bezeichnungen von leitender Stelle der Fremden- ; baß. der in erster Linie den Deutschen gilt, Nahrung er- < hält? Vielleicht hat ÖVrat Bülow mit seiner Neiäistagsrcde auch * bte englischen Minister ein wenig im eilige gehabt, als er den 1 Unverst a n d des Mißtrauens gegen Deutschland geißelte. Die i Haltung englischer Staatsmänner gegenüber dem Deutschtum wird < in Berlin nicht unbekannt feilt J
Uebtr da? sranzöfische Musterduell JaurvS und Dvronlöde werden noch folgende charakteristische Einzelheiten berichtet: J C§ war eine großartige Begebenheit. Die spanischen Ve- k Hörden bedeuteten IauröS und seinen Zeugen bei ihrer Ankunft in San Sebastian, daß sie auf spanischeni Boden keinen Mord und Totschlag dulden würden. Sie verhafteten sogar D^roul^de und entließen ihn erst nach dem Versprechen sried- , lichen Betragen?. Beide Parteien waren auf Schritt und ' Tritt von Polizisten überwacht. Unter diesen Umstanden be- j schloß die ganze Gesellschaft, den Handel auf französischetn Gebiet auszutragen. Jaurös bat den Ministerpräsidenten Combe? wiederholt um sicheres Geleit für den verbannten Teroulöde. CombeS bcschied schließlich dahin, daß er zwar ' kein sicheres Geleit gewähre, aber die Grenzpolizei anweise, vierundzwanzig Stunden lang kurzsichtig zu sein. Darauf ging das Drama im Garten der Villa Chomiena in Hcndavc ' vor sich. Als D^roulöde mit großem Geleit die Grenze überschritt, entblößte er mit weit ausholender Armbewegung feier- _ lich das Haupt. Man hatte gedacht, er würde den Boden , küssen, das unterließ er jedoch. Der Zweikampf fand mir Pistolen statt: es war ein einmaliger Kugel wechsel ; auf 25 Sprungschritte und auf Kommando. Er hat natürlich keinen Schaden angcrichtct. DaS Schauspiel hatte die ganze Bevölkerung zu Zuschauern. Die Gendarmen hielten die Ordnung aufrecht. Nach dem Duell übergaben beide Gegner dem Bürgermeister einen Betrag für die ÖrtSarmen. Däroulöde verlieh dem Besitzer der Villa Ehomiena eine Ehrcnmünze mit seinem Bildnis, gewisiermaßen seinen HauSorden, und verteilte, während er langsam zu Fuß an die Grenze zurückkehrte, an die ihn in großen Scharen begleitende Jugend halbe Pesetastücke. JaurßS fuhr nach Paris zurück, wo ein solennes Diner seiner wartete. Damit sand daS welthistorische Ereignis seinen Abschluß. _____________________________
parlamentarisches.
Berlin, 6. Dez. In der heutigen Sitzung des Ab- geordneten-HanseS wurde der Gesetzentwurf über die Freihaltung des Ueberschwemmungsgebietes der Wasserläufe an die Kommision zurückverwiescn, da von verschiedenen Seiten Abänderungsanträge eingebracht wurden.____________
Leer und Slotte.
— Aus „durchaus zuverlässiger Quelle*, wie sie sagt, werden der „Preuß. Korresp." folgende Tatsachen mitgeteilt, die ein über den Einzclfall hinausgehendes öffentliches Jnter- effe beanspruchen: In einer großen Garnison der Provinz Sachsen wurde jüngst ein Leutnant wegen eines Vergehens vom Kriegsgericht freigesprochen. Der Regimentskommandeur ließ sich den Offizier kommen und erklärte ihm: „Wenn ich Richter gewesen wäre, würden Sie nicht straflos davon gekommen sein. „Die Angelegenheit kam vor die Berufsinstanz und der RegimcntS- knmmandeur wurde Vorsitzender des OberkriegSgerichteS. Da lehnte der Leutnant unter Bezugnahme auf jene Aeußerung seinen Oberst als Richter wegen Befangenheit ab und der Gerichtshof schloß sich dem Anträge an. Ter Leutnant wurde zu 3 Tagen Stubenarrest verurteilt und bald darauf nach einer der unbeliebtesten kleinen Garnisonen an der französischen Grenze versetzt. Bei der Abmeldung fragte ihn der Kommandeur: „Sie wiffen doch, weshalb sie versetzt sind? „Jawohl Herr Oberst!"_________
Aus Stadl und Land.
Gießen, 8. Dezember 1904.
* * Handelskammerwahl. Die Wahl sämtlicher Mitglieder der Großh. Handelskammer ist vom Großherzog- lichen Ministerium bestätigt worden.
• * Vortrag des StaatsMinistersFrhrn. v. Berlepsch. Wie wir in Erfahrung gebracht haben, mußte der von Sr. Exzellenz Staatsminister Frhr. v. Berlepsch, Vorsitzender des Vorstandes der Gesellschaft für Soziale Reform zu Berlin, der Deutschen Sektion der internationalen Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz in diesem Herbst für Gießen in Aussicht gestellte Vortrag wegen eingetretener Krankheit verschoben werden.
* • Immer gut deutsch! In Frankfurt sieht man z. Zt. einen stattlichen Neubau an der Zeil sich erheben. ES wird wieder ein Warenhaus, eins von den vielen, die darauf ausgehen, den kleinen Kaufmann zu Grunde zu richten. Und in Riesenlettern prangt an dem außen beinahe fertigen Bau die Aufschrift: „Grand Bazar“. Hoffentlich findet dieses Beispiel Nacheiferung, sodaß man nächtens nur noch französische Firmenschilder in Frankfurt findet. Dann kaufen aber hoffentlich auch nur noch Franzosen in den Frankfurter Geschäften und die Frankfurter gehen nach Offenbach zum Einkauf.
Darmstadt, 7. Dez. Prinzessin Heinrich von Preußen reist mit ihrem Sohne am 9. Dezember von hier rach Kiel zurück.
Mainz, 7. Dez. In der Stadtverordnetenver- /ammlung machte vor dem Eintritt in die Tagesordnung Oberbürgermeister Tr. Gaßner die Mitteilung, daß das Großh. Ministerium daS Baustatut für daS Hafengebiet genehmigt habe. Stadtverordneter Kommerzienrat M. M. Mayer stellte nunmehr an die Bürgermeisterei verschiedene Anfragen wegen der Nordwestsronte der Stadt. Diese Anfragen richten sich in der Hauptsache dahin, ob und wie weit die Angelegenheit der Nayonsreiheit nach der Nord- weftfeonte der Stadt Mainz gediehen sei und ob die in der Presse verbreitete Mitteilung richtig stehe, daß ein Konsortium mit dem Reichsschahamte wegen Erwerbung der Nordwestsronte m Unterhandlung getreten sei. Der Ober- bürgermeister beantwortete diese Fragen dahin, daß nach den i.oriiegenben Plänen die ganze Ingelheimer, also das ganze Industriegebiet von den Bestimmungen des Nayongesetzes be- srett worden sei, ferner sei befreit davon daS ganze Rhein- hafenaebiet, das ganze Gebiet zwischen dem Rhemgauwall
bis zum Damme der Wiesbadener Eisenbahn und ein Teil des hinter diesem Damme liegenden Geländes. Die Stadt Mainz besitze hinter diesem Damm noch ein größeres Gelände, welches aber nicht von der Rayonfreiheit betroffen worden sei. ES werde aber die Bürgermeisterei bei der Reichkrayonbehörd.e Schritte tun, damit auch dieses Gebiet von den Rayonbeschränkungen befreit würde. Ob Verhandlungen mit einem Konsortium wegen deS Ankaufs der Nordwestfront bestünden, könne er nicht sagen, nur soviel sei sicher, daß tatsächlich ein Konsortium bet dem NeichSschatzamte ein Gebot gemacht habe. Aber auch die Stadt Mainz habe schon vor längerer Zeit ein Gebot auf die ganze Nordwestsronte bis zum Rheinuser hin gemacht. ES sei ihm die Mitteilung von Berlin geworden, daß in der nächsten Woche Vertreter deS Reichsschatzamtes nach Mainz kommen würden, um mündlich mit der Bürgermeisterei wegen des Ankaufes der Nordwestsronte zu unterhandeln.
Hanau, 5. Dez. Die Strafkammer verurteilte lieute abend nach mehrstündiger Verhandlung den Agenten Karl Knopf auS Gelnhausen wegen Unterschlagung, Intreue, schwerer Urkundenfälschung und Be- rugS unter Zubilligimg mildernder Umstände zu 1 Jahr 3 Monaten Gefängnis. Der StaatSamvalt hatte 3 Jahre Zuchthaus beantragt.
Kleine Mitteilungen a u S Hessen und den Nachbarstaaten. In Frankfurt a. M. geriet der ledige A. Heymann, 1881 in Hüblingen geboren, in der Schwantalerstraße unter sein eigenes Fuhrwerk und erlitt solche Verletzungen, daß er alsbald nach Verbringung in daS städtische Krankenhaus verstarb. — Der 55 Jahre alte Landwirt Seb Belz von Bürstadt lud auf dem Bahnhof Heu ein, als eine Rangierabteilung aus den Wagen auffuhr. Belz stürzte durch den Anprall so unglücklich ab, daß ihm von der Rangierabteilung ein Bein abgefahren wurde. Der Verletzte starb im Wormser Krankenhaus. — Die Station Wirt- heim (Strecke Frankfurt—Bebra) ist infolge Hochwasser seit dem 7. d. M., nachmittags, von dem Dorfe Wirtheim gänzlich abgeschnitten. Die Eisenbahnverwaltung verausgabt keine Fahrkarten dorthin.
Vermiict)!«*
• I m Examen gestorben. Vor der Prüfung wurde in Berlin der 27 Jahre alte Kandidat der Theologie und Vizefeldwebel der Reserve HanS Stellmacher, vom Tode ereilt. Stellmacher befand sich mit vier anderen Kandidaten im PrüsimgLsaal deS Konsistoriums. Uni 38/< Uhr kam an ihn als den letzten Prüfling die Reihe. Bevor aber die erste Frage an ihn gestellt wurde, brach er plötzlich zusammen und sank bewußtlos aus seinen Stuhl zurück. Die Examinatoren, Konsistorialräte D. Saenger und Kritzinger und Prediger D. Weser, bemühten sich um den Kranken und suchten ihn zu erfrischen, bis zwei Aerzte kamen. Auch diese vermochten nicht mehr zu helfen. Nach einer halben Stunde verschied der junge Mann unter ihren Händen. Seine Leiche wurde nach der elterlichen Wohnung gebracht. Stellmacher war verlobt.
* AuS dem Leben eines Prinzen. AuS dem Leben des kürzlich verstorbenen Prinzen Friedrich von Hohen- zollern veröffentlicht ein ehemaliger Einjähriger deS 2. Garde- DragonerregimentS auS der Zeit, in der der Prinz dieses Regiment kommandierte, folgende niedliche Anekdote: „Versucht da eines Nachts, wie eS ja öfter vorkommt, ein Dragoner, der seinen Urlaub überschritten hatte, in der Schleier- macherstraße die Kasernenmauer zu übersteigen. Aber alle seine Anstrengungen sind vergeblich. Ta hallen Schritte durch die einsame Straße; scheu duckt sich der Soldat zur Seite, aber, gottlob, es ist nur ein Zivilist. An ihn wendet sich der ReiterSmann in seiner Not: „Sie, Ziviliste, kommen Sie doch mal her, und helfen Sie mir über die Mauer!" Der Herr willigt lachend ein, legt auf Geheiß seine Hände zusammen, als helfe er einer Dame aufs Pferd, der Soldat tritt darauf und schwingt sich auf die Mauer, um im nächsten Augenblick drüben im Dunklen zu verschwinden. Ungesehen gelangt er gleich darauf in seine Stube und in sein Bett. Am nächsten Tage tritt auf Regimentsbefehl das ganze Regiment auf dem Kasernenhofe an. Niemand weiß weshalb. Da erscheint der Kommandeur und sagt: „Es ist mir mit- geteilt worden, daß heute nacht zwischen 1 und 2 Uhr ein Dragoner in der Schleiermacherstraße über die Mauer gestiegen ist. Der Mann trete vor." Ein paar Augenblicke ist alles still, dann kommt, wenn auch zögernden Schrittes, der Uebcltäter aus dem ©liebe hervor. Der Oberst läßt sich von ihm genauen Bericht erstatten, wie er es fertig gebracht hat, hinüber zu kommen, und zum Gaudium des gesamten Regiments und der Straßenpaffanten muß der Dragoner mit Unterstützung eines Kameraden noch einmal das Hindernis überwinden. Dann fragt ihn der Kommandeur, ob er den Zivilisten wieder erkennen würde, und teilt auf verneinende Antwort dem aufs höchste Erschreckten mit, daß er selbst, Prinz Friedrich von Hohenzollern, der Herr in Zivil gewesen sei. — Eine Strafe erhielt der Soldat nicht, aber er hat auch nie wieder seinen Urlaub übertreten.
* Ein großer Gewinn. Eine Vereinigung von 150 Manu in dem Spielerneste Oldenburg hatte sich zu gemeinschaftlichem Lotteriespiele zusammengetan. Sie waren nicht blöde und stellten Frau Fortuna zahlreiche Fußangeln, indem sie möglichst viele Lose spielten, wovon sie sich zahlreiche und hohe Gewinne versprachen. Der erste Glüclsversuch wurde in der Gothaer Lotterie unternommen. Man bezog nicht weniger als 165 Lose und hoffte aus die besten Erfolge, um sodann die Weihnachtsfreudm verdoppeln zu können. Die Spieler, die mit größter Spannung der Ziehung entgegensahen, sind jedoch arg enttäuscht wordeu, denn auf sämtliche 165 Lose entfielen nur sechs Treffer zu je 3 Mark, gleich 18 M?., sodaß jeder Spieler die Riesensumme von — 12 Psg. erhielt.
* Die Königin Maria Amalia von Portugal hat ihre medizinischen Studien absolviert und bereitet sich jetzt für das Exomen vor, um das Diplom als praktifcher Arzt zu erwerben.
• Die Gesundheit der Zarin hat sich, wie ein eng» > lsicher Korrespondent, der „Köln. Volksztg.^ zufolge, berichtet, i seit der Geburt des Thronerben sehr gebessert. Ihre ? seelische Depression ist gewichen und hat einer Lebhaftigkeit - Platz gemacht, wie man sie früher an der Kaiserin nicht - kannte. Ihre Umgebung ist sehr befriedigt von dieser Ver- l änberung, denn die früher schweigsame und sehr ernste Zarin
ist nun ganz mitteilsam geworden. Ihr Hauptintereffe wendet ic naturgemäß ihrem Sohne zu, in dessen Zimmer sie täglich mehrere Stunden ^ubringt. Abends sitzt sie häufig an einer Wiege und singt ihm englische Wiegenlieder vor. Die Kaiserin beklagt den Krieg sehr, beim durch diesen ist der Zarewitsch verurteilt, den ganzen Winter im Zimmer zuzubringen, da der Zar nicht nach dem Süden gehen will. /Sollte wirklich nur aud diesem einzigen Grunde die Zarin den Krieg beklagen? Die Red. d. Gieß. Tlnz.)
* Kleine Tages chronik. In Stuttgart wurde die Empfangsdame im Geschäft des' Photographen Klaiber durch Stiche in den Hals ermordet und die Kasse beraubt. Die Ermordete war ein in den zwanziger Jahren stehendes Fräulein. Von dem Mörder fehlt bisher jede Spur. — In N aurn- burg a. d. S. erfolgte in einem Restaurant eine Gasexplo- i o u, bei welcher die 15 jährige Tochter des Wirtes durch Brandwunden schwer verletzt wurde. — Bei Ruhland sSckles.) erfolgte ein Zusammenstoß zwischen einem Schnell- und Per- onenzug. Zwei Personen wurden getötet und vier schwer verletzt. — In Budape ft wurde der Stadtvfarrer Koloman R o s a h a z t) vom Fürstprimas wegen Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Kir-benaeldern vam Amte suspendiert.
Kunst »nk> Wissenschaft.
— Der berühmte Maler Adolph von Menzel vollendet heute (8. Tezemberl in,nnver mderter körperlicher wie geistiger Irische und Gesundheit sein 89. Lebensjahr.
— „Pharaos Tochter" betitelt sich ein neues, dreiaktiges Lustspiel von Rudolf Presber und Hans v. Wentzel, das vom Hostheater in .Hannover zur Aufführung angenommen wuiche.
Mniversttäls-Bachrichten.
— Ter Privatdozent in der Philosophischen Fakultät der Universität zu Berlin Professor Tr. Mols v. Wenckftern, ist zum außerordentlichen Professor zu Greifswald ernannt worden. — Ter ordentliche Professor Tr. Walther Nernst zu Göttingen ist in gleicher Eigenschaft in die Philosophische Fakultät der Friedrich Wilhelms-Universität zu Berlin versetzt worden.
— Ter Privatdozent Prof. D. hon. c. Martin Rade früher Pfarrer in Frankfurt a. M., der Herausgeber der bekannten Zeit- chrift „Die christliche Welt", wurde zum außerordenlichen Professor )er tbeolpgischen Fakultät in Marburg ernannt.
Hkrichtssaal.
R. B. Tarmftadt, 7. Tez. Der räuberischen Erpressung angellagt war der 53 jährige, vielfach 'vorbestrafte Tienftknecht Georg Höflich aus Oppau, der sich heute vor dem Schwurgericht zu verantworten hatte. Er hatte ,aus dem Arbeitshaus entlassen, beim Pächter Massau in Klein-Rohr- heim lKreis Bensheim) einen Tienst gefunden und War mit dem Sohn seines Arbeitgebers auf dem Felde mit dem Einsam- meln von Zuckerrüben beschäftigt. Da kam der Landwirt Adam Knaub aus Großliausen mit einem Fuhrwerk von Gensheim die Landstraße entlang, hielt bei dem Wagen des Massau an und machte sich daran zu schaffen, indes die in seiner Begleitung gewesene Frau 5bring mit seinem Wagen langsam weiter ftihr. Als .Knaub nach einigen Minuten wieder seinem Wagen nachlief, kamen Höflich und dm Sohn ihm nachgelaufen und schrien ihm nach: ,.Wenn Tu nicht sofort stehen bleibst, schlagen, wirDich lot". Sie fielen auch den Pferden in die Zügel und Höflich wiederholte seine Drohung mit zum Schlage erhobener Rübengabel. Er beschuldigte dann den Knaub, er habe von ihrem Wagen eine Kette losgelöst und entwendet, wenn er ihm nicht eine Mark zahle, werde er ihn zur Anzeige bringen. Knaub ließ sich wirklich von dem Höflich einschüchtern unb gab ihm zuerst einige Groschen, bann im Ganzen eine Mark, worauf sie das Fulirwerk weiter fahren ließen. Tie heutige Verhandlung ließ über den Tatbestand der räuberischen Erpressung und Bedrohung keinen Zweifel. Doch billigten die Geschworenen dem schon stark ergrauten Angeklagten mildernde Umstände zu. Der Staatsanwalt beantragte darauf 4 Jahre Gefängnis. Das Urteil lautete auf drei Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust.
— Ein Schuh macher meist er in Margrabowa batte wegen Abhaltung einer nicht gemeldeten öffentlichen Versammlung ein Strafmandat über 15 Mark erhalten Er erhob Wider- svrnch und wurde vom Schöffengericht freigesprochen. Da der Amtsanwalt Berufung einlegte, beschäftigte die Sache auch die Strafkammer in Lyck, die das polizeiliche Strafmandat aufrecht erhielt. DaS Kammergericht hob das Urteil auf und verwies die Sache zur nochmaligen Beweiserhebung an ba§ Landgericht in Lyck zurück. Vor der Strafkammer in Lyck sollte nun festgestellt werden, ob in jener Zusammenkunft politische Fragen erörtert worden seien. Bei der Befragung des Angeklagten äußerte der Staatsanwalt dem Sinne nach: „daß der nicht die Wahrheit sagt, ist doch klar, daS sieht man ihm doch schon an." Bei diesen Worten will der Staatsanwalt bemerkt haben, daß der Angeklagte höhnisch gelächelt habe. Er stellte den. Antrag, den Angeklagten wegen Un gebühr vor Gericht mit 24 stündiger, sofort zu vollstreckender Haft zu bestrafen. Der Bor- sitzende deS Gerichtshofes sowie die anderen Richter erklärten, von einem Lächeln deS Angeklagten nichts bemerkt zu buben. Der Vorsitzende meinte, der Staatsanwalt müffe bann wohl als Zeuge gegen den Angeklagten auftreten. Darauf erhob stch der Staatsanwalt und bot sein Ehrenwort für seine Bebauptung an. DaS Gericht verurteilte nun den Schnhmachermesiter wegen Ungebühr vor Gericht zu einer Hast von 24 Stunden. Lie Verhandlung selbst wurde vertagt. Der Verurteilte wurde sofort von der Anklagebank in eine Zelle deS GerichtsgebaudeS geführt. Hier blieb er bis 1 Uhr mittags. Dann wurde er von einem Auffeher durch die Stadt nach dem Gerichtsgefängnis gebracht.
Bergamo, 7. Dez. Mlbert Olioo, d-er ferne Frau ermordet unb den zerstückelten Leichnam rn Genua ins Wett geworfen hat, wurde auch vom üieftgen schwur» gerfcht, dem der Prozeß nach Annullierung des Frnspruchs des Mailänder Schwurgerichts überwiesen worden war, frerge- sprachen. Tas Urteil ruft grobe Erregung hervor
Budapest 7 Tez Ter Abgeordnete Rechtsanwalt Valentin E o e t Y o e s , der angellagt war, von einer Klienttn, Kaeziani, 90 000 Kronen unter der Vorspiegelung entlockt zu haben, er werde ihr dafür eine Lebensrente aussetzen, wurde heute nach Dreitägiger Verhandlung zu drei Jahren Zuchthaus und Verlust der politischen Rechte auf die Tauer von 10 Jahren verurteilt. —-— _ 2
Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.
_D i e Aktiengesellschaft Krupp-Essen erzielte im ersten Geschäftsjahr 17 290188 Mk. Betriebsüberschuß 284 796 Mk. sijnscu 2 587 800 Mk verschiedene Einnahmen, zusammen 20,16Mtll. Davon gehen ab: 3 339 369 Mk. fürWohlsahrtsausgaben, sodaß ein Gewinn von 11562 762 Mk. verbleibt Von dem Gewinn werden 5 Prozent der gesetzlichen Rücklage, 600 000 Mk. den Sonderrücklagen und 500 000 Mk. der Arbeiterpensionskasse überwiesen und 6 Proz. Dividende auf ein Kapital von 160 Mill. Mk. auSgeschüttet.
R e i ck s b a n k. Am 2. Januar wird in Homberg (Rhein) eine von der Reichsbankftelle in Duisburg abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kafseneinrichtüng und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
Märkte.
fc. Frankfurt a. M., 8. Dez. (Telegr. Orig.-Bericht deö „Gieß. Anz.".) Amtliche Notierungen der heutigen D i e h m a r k t- p reise. Zum Verkaufe standen: 14 Ochsen, 6 aus Oesterreich, 0 Bullen, 00 ans Oesterreich, 49 Kühe, Fersen, Stiere nnd Rinder, 0 ans Oesterreich, 680 Kälber, 183 Schale und Hammel. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70 bis 72 Mk., 2. Qual. 68-70 Mk-, 3. Qual. 59—63 Mk.; Bullen 1. Qual. 00-00, 2. Qual. 00-00; Kühe 1. Qualität 67-69 “Ulf., 2. Qual. 64—66 Alk., 3. Qual. 54—56 Mk., 4. Qual. 45—47 Mk., 5. Qual. 00—00 Alk. Kälber 1. Qual. 75—80 Psg., Lebendgewicht


