Ausgabe 
8.10.1904 Zweites Blatt
 
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vrcmem wrrden. Tie FcuersteNen (Kessekankaaen) iminen knw der von den Kurgästen frequentierten Gegend ver­schwinden. Deshalb ist die Anlage eines Fernheiz­werks von nöten. Dieses kann mir rentabel sein, wenn sämtliche übrigen Krasibetriebe (Elektrizitätswerk, Eis­fabrik, Wäscherei) an derselben Stelle vereinigt werden. Die Anlage muh natürlich an einer Stelle nntergebracht wer­den, wo die Rauchbelästigung die denkbar aeringste ist.

Drüben der hohe Goldstein, jenseits des Bahnhofs, ist ein vortrefflich geeignetes Terrain für die gesamten maschi­nellen Anlagen mitsanrt der Danrpflviischerei und den Sa­linen. Ein dort errichteter hoher Schornstein würde, in erfreulichstem Gegensatz zu den jetzigen von Bürgerschaft und Fremden mit Recht übel empfundenen Zuständen, nie­manden belästigen, zumal dort, fern voti der Stadt und dem internationalen Badelnden, ohnehin schon durch die Bahn und die Fabriken die kBerhültnisse wie dafür ge- schaffen scheinen. Dieses Gelände ist obendrein staatliches Eigenrum, kann also jederzeit ohne alle Unkosten dazu in Verwendung genommen werden. ES können daselbst auch für die in den dort zu errichtenden Betrieben beschäftigten Beamten billigst Wohnungen geschaffen, sowie ein Zoll­amt mit Wohnung untergebracht werden.

Mit solchen oder ähnlichen Gedanken würde ein Ehidher Heuer von Nauheim geschieden sein. Denken ivir uns seine Wiederkehr nach etwa 20 Jahren. Dann werden hoffent­lich längst die jetzt dem hessischen Landtage vorliegenden Regierungspläne zu Gunsten Nauheims sich aujs beste be­währt haben.

Er naht mit dem Frankfurter Schnellzuge. Soeben hat er sich vom Coupöfenster aus an dem reizenden Bilde von Stadt und Schloß Friedberg erfreut. Nun läßt er den Blict hinüberschweifen nach dem altgeliebten Ort, nach dem es it)i; seit Jahrtausenden zieht. Und wieder bietet 'sich ihm ein völlig neues, fremdes Bild dar, das ihn mehr als je fesselt. Welche überraschende, erstaunliche Veränderung I Der heute halbstündige Weg von Friedberg nach Nauheim hat sich um die Hälfte verkürzt. Nauheim ist auf halbem Wege Fried­berg entgegengekommen, die wogenden Getreidefelder sind um die Hälfte kleiner geworden. Da, wo die Salinen standen, erhebt sich cm neuer prächtiger Stadtteil, lauter schmucke Villen von origineller, anheimelnder Baiiart. Jede zeigt eine gewisse Individualität, wie es scheint etwas von dem Charakter des Besitzers. An der Usa zieht sich eine schöne schattige Allee hin, dicht belebt von eleganten Fremden. Er blickt zum anderen Fenster hinaus und isi nicht minder überrascht. Auf dem Goldstein erhebt sich ein kleiner stattlicher Fabrikort, überragt von einem 4550 ni hohen Schornstein, dessen Rauchsäulen hinauf gen Hmimel steigen. Sobald der Zug hält, eilt er die wohlbekannte Bahnhofstraße hinab und steht an deren Ende am Beginn der Ludwigstraße wieder etwas ganz Neuem gegenüber, den in sein modernisiertem Barock errichteten zwei Verwal­tungsgebäuden. Sie bieten willkommenen Ersatz für dir bisher in den verschiedenen Badehäusern piovisorisch unter- gebrachten Bureaus und Amtsräume. Der breite Gang zwischen ihnen, der gewisserniaßen eine Fortsetzung der Bahn­hofstraße bildet und von ihr nur getrennt ist durch die Ludwigstraße, führt ihn in eine gänzlich unbekannte kleine Welt für sich. Die drei alten Bade Häuser sind ver­

schwunden und haben drei lang gestreckten niedrigen neuen Gebäuden, von ähnlichem Stil wie die Verwaltungsgebäude, Platz gemacht. Er betritt das nächste und erbittet sich ein Bad. Flugs führt man ihn in ein wenn auch einfach, so doch recht solid und nett eingerichtetes Badekabinett. Alle un­beständigen Materialien findet er darin ucrmicben, die Fuß- höben sind massiv, die Wände mit glossierten bunten Plätt­chen belegt und geschmackvolle Freskomalereien geben der Zelle ein recht freundliches und sauberes Aussehen. 300 Badezellen zählen die 3 neuen Badehäuser. Fast will es ihn bedünken, daß die nun vorhandene Zahl von 450Zellen gar bald nicht mehr ge­nügen wird. Nach dem stärkenden Bade hält er weiter Umschau. WaS ihm zunächst aufsällt, ist die äußerste Ausnutzung des Platzt. Diese hat, wie er sich sagt, gefchehen müssen wegen der m den Badehäusern in möglichst natürlicher Wärme erforderlichen Thermalsole. Bei größerer Entfernung der Badehäuser von den Sprudeln wäre viel an Wärme und Kohlensäure verloren gegangen. Die ganze Anlage vt also um die Sprudel als Mittelpunkt gruppiert. Rings um die massiv gefaßten Sprudel ziehen sich hübsche lichte Wandel­hallen, von denen die Wartesäle der Badehäuser direkt er­reichbar sind. An die Wartejäle schließen sich die einseitig mit Zellen belegten Flure, die ihrerseits niedliche kleine, mit gärtnerischen Anlagen versehene Schmuck Höfe umschließen. Der Tausendjährige freut sich jetzt schon auf die nächste Wiederkehr. Wenn sich einst üppiger Efeu an diesen Mauern und Säulen emporrankt, wenn die Jahre ihre Schrift aus alle diese kecken, mit dem gemütlich heitern Antlitz des deutschen Barocks dreinblickenden, einfachen iind darum so wohltuenden architektonischen Zierrate geschrieben haben werden, dann muß es sich in diesen Schiiiuckhösen in Sommermondscheinnächten wie in traumverlorenen wunder­holden Paradiesen weilen. Diese Schmuckhöfe sind, praktisch genommen, die Vorhöfe für die Wartejäle und dienen zu­gleich zur Ausnahme von Reservoiren für Thermaljprudel- wasjer. Für Gelegenheit zum Vorfahren nut Wagen ist über­all gesorgt.

Befriedigt von dem bisher Geschauten wandert Ehidher durch den prächtigen Park zum Kurhause. Aiich hier findet er manches anders als es früher war. Zunächst findet er die Terrasse wesentlich verbreitert. Ter alte, baulich und akustisch klägliche Musiltempcl ist nicht mehr. Er erinnert sich der Klagen über den einst zu kleinen Konzertplatz, über die zu geringe Anzahl der bedeckten Plätze, über das Fehlen eines geschlossenen großen Konzerljaales. Der ihm von früher her bekannte Jestsaal eignet sich doch kaum für die Theater-Vor­stellungen, sondern nur für Tanzvergnügungen. Ehidher erblickt nahe am Kurhauje einen fast doppelt so großen Konzert- g arten, doppelt jo viele bedeckte Plätze unter Steinlauben und eine große Konzert Halle für 10001500 Personen. Ter Mujiktempel steht m der west-östlichen Axe jo, daß die Schallwellen m einen allseitig geschloßenen Konzertplatz treffen. Das ist akustisch em Meisterstück. Da der Musil- tempcl an der Böschung steht, ist der untere Teil ausgebaut zu einem Proberarun, den man seit Abbruch des allen Ge- ioachshaujes un Frühjahr 1904 vermißte. Jtaiuit im Zusammenhang, ebenfalls in der Böschung, ist u. a, ein Re- qmjitenraum untergebracht.

Die Trinkhalle im Süden der Stadt fmbet et oen Bedürfnissen entsprechend erweitert. Die neuen Wandel­hallen sind in großem Hufeisen biß an den Victoria- Melitta-Ring herangerückt. Die, wie ihm scheint, zum größten Teil von Nauheimer Geschäftsleuten gemieteten hübschen und viel frequentierten Kolonnadenläden bilden mit ihren gefälligen bunten und schniueken Auslagen einen den Fremden sehr miflfommenen Ersatz für einige an der Parkstraße weggefallene Läden. Auch hier erhebt sich ein stattlicher Musiktempel, und auch ein kleines Kaffee- Restaurant mit Milchkuranstalt ist hier erstanden. Dahinter leuchten die schönen Villen des neuen, nach Fried­berg zu sich erstreckenden Stadtteiles.

Die Ufa, die einst so üble, ist reguliert und entsendet keine unangenehmen Duste mehr in die empfindlichen Geruchs- organc holder Patientinnen.

Ehidher ist aufß höchste befriedigt von all dem Geschauten. Wenn er auch jetzt noch manches gern anders haben möchte, wenn ihm die gar zu einförmige äußere Architektur der Bade- Häuser nicht fonderlich behagt, wenn er baß leider unver­meidlich gewesene eng Zufammengedrängte der ganzen Anlage bcllagt, so gesteht er sich doch ein, daß in der Zeit seiner Abwesenheit ganz Außerordentliches geschehen ist, und zwar, wie er erfährt, ganz ohne Inanspruchnahme des Geldbeutels des hessischen Stencrzah'erS. Tic Gelder wurden nicht vom hessischen Staate aufgebracht, sondern vom Bade selbst, oder rich­tiger gesagt, von ganz Europa, der ganzen zivilisierten Welt, d. h. von den in Nauheim weilenden internationalen Kurgästen. Lediglich deshalb, weil der ganze Betrag, resp. die ganze Einlage auf einmal genehmigt werden sollte, nahm der Staat im Jahre 1904 eine Anleihe auf, die nicht nur miß den Einnahmen des BadeS verzinst, sondern auch durch wertvollen Geländeankauf und den llebcrfchuß auß den reichen Einnahmen deß BadeS amortisirt wird. An­nähernd 6'/, Millionen erforderte die Anlage. Diese Summe ivnrde auf mehrere Jahre verteilt. Die auf die ein­zelnen Jahre auSgeschlagenen Summen wurden jedeSmal einzeln der Kammer zur Genehmigung vorgelegt. Die Kammer, so erfährt Ehidher im Jahre 1924, hieß im Jahre 1904 nahezu einstimmig, biß auf einige mißgünstige Herren, die als Rheinhessen glaubten, die rein hessischen Angelegen- heiten um der speziell rheinhessischen Sonderinteressen ivillen außer acht lassen zu müssen, den Gesamtplan gut und ge­nehmigte die erste Baurate. Die Steuerzahler im Lande hatten mit den 91 aul)eimer Bauten gar nichts zu tun. Wie vor 1904, so fließen auch seitdem jährlich mindestens 100 000 Mk. auß den Ucbcrjchüsfen des Bades außerdem in die Hauptstaatskasse, also die Zinsen eines weiteren Kapitals von ca. 3 000 000 9JiL

In vielen anderen Bädern gibt der Staat oder die Stadt jährliche Zuschüsse und bezahlt außerdem noch die erforder­lichen Neuanlagen l In Nauheim, bezw. Hessen nicht- von alledem!

Tie Zeit der kleinlich nörgelnden Mißklänge vor der Kammertagung 1904/05 erscheint den führenden Männern des Jahres 1924 wie eine Seite aus einem vergilbten Witzblatte. Dem Toden der rhcinhessijchen Presse im Herbste 1904 steht schon die Harmonie befriedigter Seelenftimmung im darauf­folgenden Jahre nach glatt erfolgter Annahme der Regierungs­vorlage gegenüber, was ja eigentlich nichts weiter als eine Form war, "für die Finanzen dcS Staates und der Steuer­zahler bedeutungsloß. Es erfüllte sich auch hier daß alte Wort: .Schimpfen hilft I* Nur manchmal freilich bewirkt es das Gegenteil. Dian prüfte nach und fand, daß nicht die rheinhefsische, sondern die Darmstädter Rcchnnng stimmte. Ter Regen rheinhessifchen Mißvergnügens ward glorreicher reinhessischer Somnier durch die Bewilligung dcr 6% ÜDlillioiieii ür Nauheim.

Ehidhers Abschiedsstunde schlagt. Noch halb berauscht und traumbefangen verläßt er das klug und gut regenerierte Bad. Ist dieses Bad nach seinem mit den Jahrhunderten pielendcn Maßstabe gemessen, auch nur eine Episode deß Erdcnfleckes, der für unö den Namen Nauheim trägt für uns bedeutet es ein Triumphwerk menschlicher Kultur, für Tausende von uns Sterblichen bedeutet daß Leben.

Aus tztuüt rnid Lund.

Gießen, 8. Oktober 1904.

Viehmarktangelegenheit. Gestern abend faßte eine etwa 20 Personen zählende Versammlung einstimmig eine Resolution, die sich an die maßgebende Stelle richtet zur Blenderung der bekannten Polizeiverordnung betr. das Ausmelken der Kühe vor dem Auftrieb auf die Viehmärkte.

* Von der Kanalisation. Der Hauptsammler, oder das Hauptsicl unserer zukünftigen Entwässerung, ist seit einigen Tagen in seinem letzten Teile fertig gestellt worden und reicht nun bis zu der Stelle, wo die Arbeiten für die Klärbecken in Angriff genommen sind. Bisher handelte es sich bei den Arbeiten für die Klärbeckenanlage nur um Erd- arbcitcn, wobei der ausgeschachtete Boden gleich an Ort und Stelle geschafft wird, wo er später als Schutzdamm der fertigen Anlage gegen das Hochwasser der Lahn benuljt werden soll. So lange die Witterungsverhältnisse es zu- lassen, werden die Arbeiten für die Klärbecken fortgesetzt, allerdings ist der eingetretene Regen in den letzten Tagen dem Fortgang der Arbeiten überaus ungünstig gewesen.

* Stenographie. Ein Unterrichtskursus in der Stenographie (System Gabelsberger), beginnt am nächsten Donnerstag abend im Frankfurter Hof. Bei der großen Be­deutung der Stenographie im Erwerbs- und Wirtschaftsleben weifen wir auf diese Gelegenheit zur schnellen und billigen Erlernung solcher nützlichen Fertigkeit besonders hin. Der Kursus wird, wie man uns mitteilt, in etwa zwei 9)lonatcn beendet sein.

* * Verhaftung. Ein hier in Arbeit stehender junger Mensch wurde gestern wegen eines in Heuchelheim verübten Fahrraddiebstahls verhaftet.

* Betrüger in Uniform. Am 28. v. Mts. erschien in einem hiesigen Geschäft ein junger Mann, der die Uniform eines Bahnbediensteten, Weichenstellers oder Hilfsbremserß, trug, und verlangte vier Knabenanzüge, von denen er einen zum Kauf in seiner Wohnung auswählen wollte. Der Mann gab Namen und Wohnung an, die sich aber als fdlsch er­wiesen. Der Geschäftsinhaber hat Anzeige erhoben, da er biß jetzt vergeblich auf Zurückbringung der Anzüge gewartet

i)at Vielleicht tragen diese Zeilen zur Feststellung der Per- önlichkeit bei. Einen solchen Bediensteten, auf den die Be- chreibung paßt, gibt, wie zuverlässig versichert wird, in Gießen nicht.

** Gesellschaft für soziale Reform. Die zweibe Generalversammlung der Gesellschaft für soziale Reform findet vom 13. biß 16. Oktober zu Mainz im Casino ,Hof zum Gutenberg" statt. Auf der Tagesordnung stehen u. a. zwei Hauptthemas: 1) Konsumvereine, Referat von Dr.

Reinh. Riehn auß München, 2) Arbeitskammern, Re- erate von Magistratsrat M. v. Schulz in Berlin, und Dr. B. HarmS, Privatdozent in Tübingen. Sonntag den 16. Oktober ist eine Besichtigung der Höchster Farbwerke und ihrer Wohlsahrtseinrichtungen in Aussicht genommen. Am clbcn Tage abends beginnt dcr 1. Allgemeine deutsche Wohn- ungskoiigreß in Frankfurt a. M. Auch hier stehen wichtige Gegenstände auf der Tagesordnung. Die entscheidenden Fragen, welche Veränderungen die Wohnungsverhättnisse bei uns etwa seit dem Jahre 1870 erfahren haben und ob eine Wendung zmn Besseren sestzustellen ist oder nicht; ferner der bisherige Erfolg der Resormmaßregeln und der Einfluß der großen wirtfchaftllchen Flutwellen auf die Woh.iungSverhält- iiijje werden durch einen eingehenden Generatdericht beleuchtet werden. Es folgt eine Erörterung über die Ausgaben von Reich, Staat und anderen öffentlich-rechtlichen Körperfchaften in der Wohnungsfrage, wobei msbefondere auch der preußische Wohnungsgefetzentivurf und die Frage einer Reichs-Wohnungs­gesetzgebung zur Behandlung kommen werden. Die wichtige Ausgabe einer gründlichen Umwandlung in der Beschaffung der für die Bautätigkeit nötigen Gelder, insbesondere der zweiten und späteren Hypotheken, wird das Thema des zweiten Verhandlungstages bilden. Zum Schluß findet eine große öffentliche Versammlung über das ThemaWohnungsfrage und VotkSwohf statt, gegliedert in die Unterabteilungen »Wohnungsfrage und Volkskrankheiten" undWohnungsfrage und Familie".

ic. Gelnhausen, 7. Okt. Das HotelHessische^ Hof" hier, vor Jahren weit und breit bekannt und berühmt wegen feiner vortrefflichen Verpflegung, die dem Reifenden zu teil wurde, ging im Zwangsversteigerungsoerfahren in die Hände des Agenten Abraham Jacob von Gießen für oen Preis von 51 000 Rik. über.

Kleine M i 11«. 11 u n g e i« aus Hessen und den Nachbarstaaten. In sämtlichen Landschulen des Kreises Wetzlar wurden'die fast abgelaufenen vierwöchigen Herbst­ferien nachträglich auf fünf Wochen ausgedehnt. In Nieder-Dorfelden machte der 58 jährige Landwirt Vetter feinem Leben durch Erhängen ein Ende. Zu dem gemeldeten schwere n Unfälle in dem Bafaltstembruche bei Ober-Seemen ist zu bemerken, daß der Getötete nicht dcr Sohn des Gastwirts Schmidt, sondern der Bruder des Wirtes Kneip ist. Ein anderer Arbeiter, welcher in der Nähe beschäftigt ivar, erlitt ebenfalls schwere Verletzungen. Die Vermutung, Professor Luthmer in Frankfurt sei bei der Bearbeitung der Gießener Vahnhofpläne beteiligt ge­wesen, ist nach einer Mitteilung des Herrn Architekten Ludwig Hofmann in Herborn an unö, irrig. In Frankfurt starb Justizrat Dr. Holdheim. Der Verstorbene war in jungen Jahren Kreiörichter in OrtelSburg in Ostpreußen. Anfangs der 70 er Jahre kam er nach Frankfurt und ließ sich als Rechtsanwalt nieder. In Frankfurt erwarb sich Dr. Holdheim bald eine bedeutende Praris als Verteidiger m Strafsachen; später ging er zur Zivilpraxis über. Nament­lich auf den Gebieten des Handels- und Aktienrechts befaß er viele Kenntnisse. Er ist der Begründer der Monatsschrift fürAktienrecht und Bankwesen". Am kommunalen Leben nahm Dr. Holdheim frühzeitig regen Anteil. Viele Jahre gehörte er als Niitglied dem Kommunal- und dem Provinzial- iZanbtag an. In ihm verliert die Frankfurter Anwaltschaft eines ihrer angesehensten Mitglieder. In Burkhards­felden wurde die älteste Frau beß Dorfes zu Grabe ge­tragen; es war bie Frau des Försters Weiß, welche im 90. Lebensjahre ftanb. Auf der Kirmeß im Dorfe Kölsch­haufen (bei Herborn) hat bet Arbeiter Lange feinen eigenen Bruber erstochen. Man vermutet, daß Eifersucht mit im Spiele war.Die Stabtverorbnetenwahlen in Darmjtadt sollen dem Vernehmen nach am 22. 9kovember stattfinden.

Kandel und ZZerKeyr. AolKswirlscha^t.

3proz. Schatzauweifungen und T^is ko n t e r h- ung. Bei Bctaimtiverbeii bc» letzten Rcichsbankausweyes wurde versichert, daß trotz der Anspannung des Geldmarktes und trotz­dem die Bant so l)vch in der 9lotcnftcuer ist, an eine Erhöhung des TiskontS uick-t zu denken sei. Und nun ivtrb mitgetinU, baß die Rückflüsse nach Quartalswechsel durchaus nicht so rasch und in dem Umfange slattgesunden ßaben, den man erwartete und daher mit der Ac'öglichkeit einer Tiskonerhohung doch gcrecloret wer­den müsse. TicS sei um so eher mög'lich, da die Unsprüä)e des Rcick>cs an ine Bank fortgc|et>t red>t ftarf sind und -z auch auffiel, bajj das Reich nicht nur für die belaunlen 81 Mültoncn Mark, fonbent gleich für 100 Millionen Mark NeichSlchatz-An­weisungen die Zulassung bewirkte ES felW hierfür unbedingt an einer Erklärung. War man doch vorbereitet, daß den neu­lich begebenen 81 Millionen Mark mit der Zeit weitere Posten folgen könnten, so läßt doch die sofortige Ankündigung Von noch 19 Mill. Mark, ivie dieF. Z." bemerkt, der Vermutung weiten Spielraum. Vor allen Dingen kann man sich kein VUd davon maclxn, wozu ihr Erlös bestimmt sein mag oder, ob damit lediglich die Grenze für die gegenwanige Emisjionsära bezeichnet iverden soll.

Märkte.

Gicßcn, 8. Okt. Marktbericht. Airs heutigem Wocbenmackt kosteten: Biitter pr. Pld. 0.851.15 Mk., Hühnereier 1 Ci. 78 Big. 2 Stck. 1500 Vjg.. Gänjeeier 00OO Psg., Enteneier 70 Psg., 5iäfe pr. Etck. 68 Ps., Käsematte 2Stck. 56 Psg. Erbsen pr.Liter 21 Psg., Zinsenpr. Liter 32 Psg., Taubenpr.Paar0,80-0,90Alk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,601,20 Alk., Ente,: pr. Stück 1,802,20 Alk., Gänse vr. Pid.5860 Psg., Ochsenfleisch pr. Psund 0080 Psg., Kuh- und Niiidfleisch pr. Psund 6268 Psg., Schweine­fleisch pr. Psuiid 6072 Psg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psund 76 Psg., Kalbfleisch pr. Psd. 6876 Psg., Hannnelsleisch pr. Psmtd 5074 Psg. Kartosseln pr. 100 Kgr. 6,007,00 Alk., Weißkraut per Stück 1015 Psg., per Zentner 0.000.00 Alk., Zwiebeln pr. Ze»»tner 8,0010,00 Alt., Alilch per Liter 18 Psg., Aepsel per Zentner 4 ins 7 Alk., in Körben 00-00 Psg. Nüsse 100 St. 15-30 Psg. Zwetschen per Zentner 2.40-3.00 Alk. Birnen per Zentner 6 bi§ Alk. Marttzeil 8-2 Uhr.

Warnusag vor Fälschung

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