Nr. 211
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
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Ein arrSgeblirbarer Gast.
9t Berttrr, 7. Sept.
obgefHegenen Großherzogin-Witwe Anastasia und ihrer Tochter Cecrlre anwesend. Nach etwa einstündigem Aufenthalt in den Gemächern der beiden Fürstinnen erschien der .Kronprinz gegen ^0 Uhr abends vor dem Hotel nnd bestieg mit ihnen das Auto- modll. Die beiden flirstlichen Damen nahmen die Sitze im Fond des vievsitzigen Automobils ein, der Kronprinz nahm auf einem ?er beiden Rücksitze Platz. Die Fahrt sollte zum Stettiner Bahnhof gehen, von dem die beiden fürstlichen Damen die Heim- fahrt nach Heiligendamm antreten wollten. Da die ylbfahrt des ZugeS erst nach etwa einer Stunde erfolgte, bat sich der Kronprinz von den Fürstinnen die Erlaubnis aus, sie durch die Stadt zu fahren. Großherzogin-Witwe Anastasia, die bekanntlich eine gwße Freundin des Sports, insbesondere des Automobilsports ist — sie ist unter anderem Protektorin des Deutschen Antomobil- klubs — sagte zu, und der Kronprinz zeigte darauf in etwa dreiviertelstündiger Fahrt den beiden Herzoginnen die schönsten Teile der inneren Stadt. .Die Herzlichkeit und Lebhaftigkeit des Verkehrs zwischen dem Kronprinzen imb der Herzogin Cecilie fiel den Augenzeugen damals besonders auf. Dann fuhr der Kronprinz mit den Damen zum Bahnhof. Auch die Verabschiedung trug ein sehr herzliches Gepräge.
Mögen sich kleine vorbereitende Vorgänge so abgespielt haben,, wie oben geschildert ist, oder anders, vorgekommen sind sie sicher; und d-as Volk würde sicherlich Freude darüber empfinden, wenn neben den Gründen der Stcmts- weisheit auch herzliche Zuneigung die zarten Fäden der beide Fürstenkinder nun so eng umschließenden Bande mitgesponnen hätte.
Der Vater der Braut, der 1897 verstorbene Großherzog Friedrich Franz III. war, ehe schreckliche Krankheit ihn packte, eine, imposante Figur, hoch, schlank und von vornehmster Distinktion; dabei lag über dem Gesicht unendlich viel Freundlichkeit und Herzensgute. Mer ihn in Doberan mit seinen Bauern scherzend gesehen hat, nrußte ihn lieb gewinnen. Großherzogin Anastasia, welche am 28. Juli ihr 44. Lebensjahr vollendete, ist heute noch eine bildhübsche Frau.
Der Kronprinz, welcher die 2. Kompagnie des ersten Garde-Reginrents -pi Fuß befehligt, dürste nach den Ma-> növern zum M a; o r aufrücken.
Der „Standard" schreibt zu der Verlobung: England werde ein freundliches Jnteresie an der öffentlichen Bekanntgabe des deutschen Kaisers von der Verlobung seines Sohnes nehmen. Die Bevölkerung der kleinen deutschen Staaten beobachteten vielleicht nicht mit so persönlicher Teilnahme die Geschicke des Hauses der Hohenzollern wie die Bewohner der alten Provinzen Brandenburg und Preußen, aber die Einheit des Reiches sei jetzt so befestigt, daß das regierende Haus jetzt überall mit der Loyalität erfreut werde, die einer nationalen Dynastie zustehe.
Am 7. September trafen der Großherzog und die Großherzogin aus Hamburg auf Jagdschloß Gelbensande ein. Am Bahnhof war der Kronprinz mit der Herzogin- Braut anwesend.
Auf den dem Kaiser vom Staatsministerium in Schwerin ausgesprochenen Glückwmrsch ist nachstehendes Antwort- telegrantm eingegangen:
Handelsverträge und Parlament.
Der Reichstag wird seine Verhandlungen out' 29. November wieder beginnen. Bekanntlich betonte Graf
Aer Kronprinz mrd seine Arant.
Mit der Heirat des Kronprinzen entstehen unzählige neue Verwandtschaftsverhältnisse. Vornehmlich werden die Beziehungen Preußens zum russisch-danisch-welfi- schen Zirkel intimer, wobei zu beachten ist, daß auch das Haus Bourbon-OrleanS in die dänische Verwandtschaft durch die Prinzessin Waldemar von Dänemark, Tochter des Herzogs von ChartreS, miteinbezogen ist. Auch mit den Niederlanden entstehen durch den Prinz-Gemahl Heinrich, einen Vatersbruder der mecklenburgischen Prinzessin, erneute verwandtschaftliche Bande. Das neue Blut, das dem Hohenzollern- stamm jetzt zugeführt wird, ist durchaus deutschen Ursprungs. Die Vatersmutter der Herzogin Cecilie war die erste Gemahlin Friedrich Franz II., Prinzessin Auguste von Reuß- Kostritz; ihre VaterSgroßmutter, Prinzessin Alexandrine von Preußen, ist die Schwester Kaiser Wilhelms I. gewesen. Die ältere Schwester dieses Kaisers jedoch, Charlotte, Gemahlin Nikolaus I., ist wieder die Muttersgroßmutter der Herzogin Cecilie, und die Königin Luise von Preußen, geb. Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz, somit die gemeinsame Ahnfrau (Vaters- und Mutters-Nrgroßmutter) des Brautpaares. Der, unbeschadet der Geburt des Cäsarewitsch, dem russischen Thron immer noch sehr nahestehende Großfürst Wladimir von Rußland ist ein Oheim, seine Gemahlin, die Großfürstin Marie, eine Vatersschwester der Prinzessin-Braut. Sie ist mit Rücksicht auf den damaligen Stand der Thronfolge, vor drei Jahren am Weihnachtsfeste, heimlich zur orthodoxen Kirche übergetreten.
Ueber die Braut des Kronprinzen lassen sich die „Münch. N. Ncichr." von einem „alten eingesessenen mecklenburgischen Hofmann" allerlei rührende Züge erzählen. Der Hofmann sagt unter anderem: Prinzessin Cecilie hat viel Humor und Gemüt. Eine seltene Anhänglichkeit bringt sie ihren alten Dienerinnen entgegen, ihr ist es ein wahrhaftes Herzensbedürfnis, dieselben durch kleine Arrftnerksamkeiten zu erfreuen. Als Kind war sie eine sogenannte „wilde Hummel". Wenn bei Großherzogs Kindergesellschaft war, dann überlegten sich die Mütter der eingeladenen Kinder sehr, ob letztere auch das beste Kleid anziehen sollten; denn meistens kamen sie in einem Zustande zurück, der nur darauf schließen ließ, daß die Kinder furchtbar „getollt" haben mußten. Aber es war doch zu nett bei Großherzogs gewesen, die blonde Prin- jzessin Cecilie, die vorzüglich Kopffchießen konnte, sei die An- sführerin von allen Streichen gewesen. Die Prinzessin, die nicht m Mecklenburg, sondern m Cannes und in Dresden erzogen worden ist, werde vom mecklenburgischen Volke ge- iradezu verehrt. »Wir Mecklenburger", so behauptet der ^hochstehende" Gewährsmann des Münchener Blattes, „übertreiben nicht, wenn wir betonen, daß die Prinzessin ein wahres Juwel ist, ein Fürstenkind von seltenen Anlagen, von großer HerzenSgüte, der auch gar häufig der Schalk aus den Augen sieht."
Herzogin Cecilie ist eine hohe, stattliche Erscheinung, das Mrßerordentlich freundliche Gesicht von blondem Haar urn- rrahmt.
Nachträglich den Propheten spielen, ist zwar keine sehr lhoch bewertete, dafür aber eine um so sichere Tätigkeit. Sre wird zurzeit von einer ganzen Reihe von Zeitungen aus- geübt, denen von „zuverlässiger Seite" allerhand Wahrnehmungen über den Kronprinzen mitgeteilt werden, die vor längerer oder kürzerer Zeit gemacht wurde:! und ganz sichere Schlüsse auf die Entstehung zarter Beziehungen zwischen ihm und der Herzogin Cecilie gestatteten. Dieses varmlose Vergnügen hat immerhin das Gute, daß unter Mutmaßungen und Erfindungen auch Geschichtchen bekannt > werden, die viel Wahrscheinlichkeit für sich haben und daher rtitteilenswert erscheinen. So wird dem ^Berl. Dgbl." ge- i s chrieben: i
Vor einigen Wochen hielt eines Abends vor dem hiesigen /Berliner) Hotel „Kaiserhof" das Automobil des Kronprinzen. Dieser selbst war im Hotel zum Besuche der dort
„Altona, 6. Sept. Dem Staatsministerium spreche ich für die freundlichen Glückwünsche zur Verlobung des Kronprinzen und der Herzogin Cecilie von Mecklenburg meinen wärmsten Dank ans. Ich habe mich über die allgemein freudige Teilnahme, welche das glückverheißende Ereignis auch in der Heimat der erlauchten Braut hervorgerufen hat, sehr gefreut. .Mögen alle an den Herzensbund des jungen Brautpaares geknüpften Hoffnungen und Segenswünsche durch Gottes Gnade reichlich in Er- ülluW gehen, igez.) Wilhelm."
Anläßlich der Verlobung sandte der Senat von Bremen ein Telegramm an den K a i s e r. Hierauf ist folgende A n t- wort eingegangen:
Dem Senat der freien Harrsastadt Bremen: Sehr erfreut durch die treuen Glückwünsche zur Verlobung des Kronprinzen pveche ich dem Senat meinen wärmsten Dank auS. (gez.) Wilhelm.
DieVilla Jugenheim in Potsdam wird, wie ein Berichterstatter wissen will, dem Kronprinzenpaar später als Wohnstätte dienen. In Berlin wird der Kronprinz keines d er königlich en Palais beziehen. Dagegen wird das Schloß Chcerlot-tenburg jetzt für ihn hergerichtet.
Unter den fürstlichen Manövergästen des Kaisers fehlt einer, dem die Einladung schon vor Monaten., zuteil-geworden ist, wenn anders der offiziöse Draht öantals zutreffend berichtete. Es ist König Alfons' von Sparn e n. Mit i hm hatte Kaiser Wllhelm gelegentlich seinckr Mittelmeerfahrt eine Begegnung, wobei die Ernennung des jugendlichen Königs zum Admiral der deutschen Flotte erfolgte. Die Politik wird von dieser Wngelegenhett' zwar nicht unmittelbar berührt, aber es ist doch bemerkenswert, daß von einem Grunde für das Mchterscheinen König Alfons' nichts verlautete. Es' liegt allerdings Nahe, ihn in Gesundheitsrücksichten zu suchen, weil die rauhte Lust des Nordens dem zarten Organismus des jungen Königs nicht zuträglich sein Mächte. Man wird deshalb auch der neuerlichen Meldung einstweilen Zweiffl entgegensetzen dürfen, König Alfons beabsichtige, irrt nächsten Jahre mit einem Geschwader nach. Kiel xu Lmrmen und den Beran- Mtnngen der Kieler Woche beizuwohnen. Das ist allzu erne Zukunstsmusik. Für jetzt steht fest, daß Kaiser Ml- helm der erste ausländische Souverän war, der König Alfons, wenn auch nicht tn Madrid selbst, besuchte, mti> in der ehrenvollsten Weise auszeichnete. Selbst von seinem nächsten Verwandten, dem -Kaiser' Franz Josef, kann sich I König Alfons dessen nicht rühmen Umsomehr müßte es überraschen, daß dieser der Eblladung zum deutschen Kaifer- manöver nicht Fotze leistete, tvenn man nicht, wie gesagt, der Gesundheitsrücksichten sich erinnerte. Gleichwohl vermißt man einen entsprechenden offiziösen Hinweis, da auch im Auslände das Fernbleiben König Alfons' bemerkt werden dürfte.
Pokriksche Tagesschau.
Die Krisengerüchte in Preußen.
Wie die „Staatsb. Ztg." aus guter Quelle erfahren haben will, bestätigt es sich, daß der Minister des Innern Freiherr v. H a nt m e r st e i n demnäcbst aus feinem Amte scheiden werde. Sein Entlasinngsgesuch liege dem Kaiser seit längerer Zeit vor und an seiner Annahme sei nicht zu zweifeln. Dagegen sei die Frage seines Nachfolgers noch nicht entschieden. In erster Linie komme allerdings der Oberpräsident von Hannover Dr. Wentzel in Frage. Er habe aber den Reichskanzler gebeten, von seiner Ernennung Ab st and zu nehmen. Gras Mlow wünsche indessen die Ernemrung Tr. Wentzels auAdrücklich» weil dieser mit dem Agrar-Konservativismus nicht affiliert sei.
In Hannover spricht Man davon, daß Minister Von Hammer st ein der Nachfolger Dr. Wentzels als Oberpräsident 'von Hannover werden soll.
Me „Nordd. Ällg. Ztg." nimmt würdevoll von 5en Erörterungen über das Gehen oder Bleiben des preußischen Ministers des Innern keine Notiz. Damit ist natürlich nicht gesagt, daß an den Krisengerüchten gar nichts wäre. Nur, ob filst Frhr. v. Hammerstein sich zum Abschieds rüstet, begegnet manchem Zweifel. Nachfolger werden auchj sonst genug genannt, u. a. auch der „ewig^ Ministerkandidat Frhr. v. Manteuffel, dessen Name schon vor Wochen in demselben Zusammenhang auftauchte.
Wir wiederholen: Veränderungen in der Regierung betreffen vermullich ein anderes Ministerium, als das des Frhrn. v. HanÄnerstein, der zu sicher steht, um durcht den Fall M i r b^'a ch umgerissen zu werden. Was sollto es auch helfen, wenn Frhr. v. Hammerstein das Feld räunrte? Die parlamentarische Diskussion über das System Mirbach wird stattfinden, wer immer Cbef des Mtnisteriums des Innern ist. Schließlich könnte der Ministerpr äs ident Graf Bülow um eine umfassende Auskunft bemüht werden.
Zweites Ä 154. Jahrgang Donnerstag 8. September 1804
erfdjehrt toglld) mit Ausnahme d-S Sonntags. © *
-- AM *111 ■tML 4k. A AA Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'sch« Di« „«ietzencr ZamilienblStter- werden dem « El W 17 HZ UM HD Er H f' Z WB O W* UnwersttStSdrucker-i. R. Lang-, Meßen.
.Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der UV M i UM S £ lÖ i I! < ’A M i Hf H _ . ------
JHflW tontoW erscheint monatlich einmal. ▼ 'V U W W' W U V" d AU W *&- fei WS SL Redaktion, Expedition mDructecei: Echulstr.7.
v Del. Rr. bl. Telegr^-Adr, > Anzeiger Bteßea.
Eduard Morikc.
Su seinem hundertjährigen Geburtstage (geb. 8. Sept. 1804). Von Eugen Jsolani.
(Nachdruck verboten.)
Ein Menschenalter hat seit Mörikes Tode beinahe vergehm müssen, ehe man zur vollen Erkenntnis dessen, was man an ihm besessen, kam, ehe seine Werke, die stets von einer kleinen, st'llen Gemeinde verehrungsvoll genossen und bewundert wurden, zmn Q/cmeingut der deutschen Natron wurden, .und erst jetzt n wir daran, den ganzen tiefen Bronnen, der aus seinen Werken Qiiilit, vollkommen ausznschöpfen. Nachdem der Name des Dichtet >?m größeren Publikum beinahe unbetoimt geworden war, hat man sich plötzlich in den letzten Jahren des Dichters erinnert, Biographien erschienen, kritische Zergliederungen und Würdiger n seiner Werke, und Mörikes Landsleute Rudolf Krauß und k'iiri Fischer machten sich daran, .eine vollständige Sammlung >-iner Briefe hcrauszugeben, ein monumentales Werk, das als ii'iuals-Hntdigung für den Dichter zu seinem Hundert- Ei -inen Geburtstag aufgefaßt werden darf, wie man es sich ihvuer n,cht denken kann, denn ein Denkmal ans Stein und Erz ■i<rt iniö nur eines Dichters äußere Erscheinung, nnd wenn es . ' ; • r , Geist ist, der sich den Körper baut", so enthüllten riei bi)1 'eiird Dichters Briefe so zarte Seiten seines inneren ' n [(fici! i)c<: wir erst durch sie ihn vollkommen besitzen.
(' ■ i ii,. f 'Htc großen Lebensschicksgle, die der schwäbische Dich- rift w lcher nm 8. September 1814 geboren ward, i , oüen LebeuMhöcksale, die sich anderen als
1 f ' in-rfbnr machen. Sein Leben schien eher einem sanften s n '|-f n eher es mußte sich anderen so zeigen. Seine i evr I Nisse waren immerhin groß genug. Das Glück des- ,, . rr seine Veranlagung begründet; eine weniger mtagte Natur, als es Mörike war, hätte wobl
■ । । acht $691' langen bi iig, die sich dann miffüfle, der Misere einer späten Ehe,
die tnirdb das gegenseitige Mißverstehen der Ehele^tte und der Unmögrlichkeit sich ineinander zu schicken, sich recht unglücklich gestaltete, .der Misere, welche das Warten auf eine Anstellung, die Keinen und lleinlichen Lasten eines Amtes mit sich brachten, der Misere langer Krarckheiten und materieller Sorgen.
Indessen, wenn es auch manchen, .die den Mchter näher beobachten zu können glaubten, erschien, als ob er „nicht zu vollem Lebensglück^^ imb daher auch nicht zu vollem „Ausdruck seiner Begabung gekommen wäre" — Berthold Auerbach ist dieser Meinung.— so wird man durch Mörikes Briefe eines Besseren belehrt., Man kann sich keinen glücklicheren Menschen vorl'tellen, als diesen trotz oielfad)er Misere so sorglosen Pfarrer, der beim Umherschleudern tn Garten und Feld ober in der behaglichen Ssille des vom wohlgeheiztcn Ofen durckMärmten Pfarrstübchens seine Lieder fang, die ihm Unsterblichkeit verliehen.
Mörike stamrnte aus Ludwigsburg, demselben Ort, wo auch Vischer und David Friedrich Strauß geboren sind, dem württem- bergischen Potsdam. Sein Vater war ein angesehener Arzt, und in glücklichsten Fmuilienverhaltnissen wuchs der Knabe auf, der der zweite Sohn unter sieben Geschwistern war. Auch nach des Vaters Tode, welcher starb, als der Knabe dreizehn Jahre (Olt war, ward feine Jugend sorglich behütet; ein Oheim, der Obertribunalpräsident Eberhard Friedrich Georgii, einer der, bekanntesten altwürttcmbergischen Clmrakterköpfe, nahm Eduard' zu sich nach Stuttgart, damit er das hauptstädtische Gymnasium besuchen könne.
Dann kam Mörike auf die ..evangelische Klosterschule des wikdschönen Uracher Tals, das er in einem herrlichen Gedichte gefeiert, und bezog dann, .um Theologie zu studieren, die Univevsi- tat Tübingen, wo er aber neben seinen theologischen Studien mit seinem Freund,' Strauß ftcb eifrig in die Philosophie vertiefte und mit Ludwig Bauer nicht minder eifrig der Poesie lebte und in Gemeinschaft mit diesem Freunde den Ijcirlichen Mythus von der Insel Orplid ersann, auo loelcl^ni er dann später ein Bruchstück in seinem Roman „Maler Nölten" veröffentlickst hat, feiner ersten poetischen Vervsfentlichnng, die im Jahre 1832 erschien,
noch während seiner Wartezeit als Pfarrvikar, die er an verschiedenen Orten Württembergs verlebte. Im Jahre 1834 erhielt er dann die Pfarrstelle zu Kleversulzbach bei Weinsberg, die er bis zum Jahre 184-3 befielete.
Dann aber zwang ihn Krankheit, sein Amt eine Zeit lang ;nrederzulegen. .Er hatte ohnedies den geistlichen Beruf nicht olme inneren Widerwillen ergriffen, er war zwar eine tiefreligiöfi Natur, aber er haßte jedes Formelwesen in der Religion, hatte wenig Uebrrzeugungskroft für Dogmen und die Tolermiz ging ihm über alles. Dazu war ihm die mit-seinem Amte verbundene Verwallungstätigkeit aus dem Herzensgründe zuwider.
So war es ihtn wohl innerlich recht angenehm, als er sein Amt niederlegen konnte. Er ließ sich itt Mergentheim nieder, um nur seinen literarischen Arbeiten zu leben. ' <?Iber auch frier blieb die Enttäuschung nicht aus. Er vermochte nicht, „tage- löhnermäßig zu Kauf zu bringen", was an Poesie 'in ihm steckte. Nnd so siedelte er wieder im Jahre 1851 nach Stuttgart über, mo er am Katharinenstist eine Lehrerstelle annvlw,' <bie er dann bis zum Jahre 1866 inne hatte. Dann trat er tn den Ruhestand.
Wenn mm auch gesagt tmirbe, daß Mörike verhältnismäßig nicht seinem vollen Werte nach anerkannt wurde, so ist das 'doch immerhin so zu verstehen, daß zu seinen Bewunderern Jfct5 ~bie Besten seiner Zeit gehörten
Smon sein erstes Werk, der erwähnte c,'omiTit , Maler Nölten' den der Dichter an den greifen Ludwig Tieck sandte, welcher ibm seine Anerkennung nicht versagte, fand als psväv- loisischeS Meiftei'stück von dämonisch nnlvimlich'm Evarakker B)' wundernng und ließ feinen Autor sämell auS der schwälßschen. Dichterfihule hervoi'treten. Von seinen spLeren Werken sind dann zu nennen die anmutigen MSiti^n „Das-Stuttgart-r >uyrl ' männlein", aus welchem noch die VON brr schönen
einzeln er säßen gefflymilcff mit Bildern, die M önkes kongenialer Freund und Bewunc Moni, von SäMninb lieferte und ferner das „Idyll vom Bi njee'' sonn'e die Novelle ,.Mrznrt auf der Reise nach Prag", die von den Prosa-Sckwpftrngen Mörikes die


