Ausgabe 
8.7.1904 Erstes Blatt
 
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u mm ift rümpf djen mit bcm Zeichen K. 717 Derfehen. Viel­leicht trugen diese Zeile« zur (?mütteUtnQ des Besitzers bei.

§ Stockheim, 7. Juli. Die Dr. Sauersche chemische Fabrik, in unmittelbarer Nähe des Bcihnhofes, welche drei Präparate zur künstlichen (Ernährung von Säuglingen Her­stellen wird, gebt ihrer Vollendung entgegen. Die Milch wird von zwei Vochthbfen geliefert Für den Direktor wird eme Villa erbaut.

f. Kirt ors. 7. Juli. Bei der heutigen Gemeinde - ratSwahl wurden gewählt: WÄH. Metz II., ®g. L. Pauli II., K. Herbst II., Valentin Schaaf und Otto Hartmann.

d. Büdingen, 7. Juli. Die kürzliche Notiz über den 6 tr ett zweier Söhne eines hiesigen Arztes betraf die Söhne des Dr. Z., nicht des Dr. B.

Darmstadt, 7. Juli. Der Großherzog trifft am Freitag nachmittag 4 Uhr zum Besuch des Schütnnfcsleö in Bingen ein. Ce. Durch!. Prinz Ludwig von Battenberg wurde unter Belaffung in seiner Stellung in der englischen Admiralität zum Admiral ernannt.

R. B. Darmstadt, 7. Juii. Die Abgeordneten der zweiten Kammer veranstalten, wie alljährlich, auch dies­mal beim Gintiitt der Sommerferien einen gemeinschaft­lichen Ausflug nach einem schönen Fleckchen Erde imsereß peffenlandeS. Im vorigen Jahre war bekanntlich Cberbeffcn dafür auSerieben, diesmal geht daS Ziel nach Bingen a. Nh., demselben Bingen, dem man jüngst durch Kammerbeschluß bei Art. 3 der Wahlrechtsvorlage sein alteS Privileg auf einen Sitz in der zweiten Kammer abgesprochen bat. Die Anregung zu dem Ausflug ging vom Abg. Pennrich auS sollte derselbe wohl dabei die Absicht verfolgen, den Kammer­kollegen daß Törichte ihres DeschluffeS ad oeulos zu de­monstrieren ?

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Mainzer Sozialdemokraten haben über die Maifeier debattiert. .Genosse" Etadtv. Seel meinte, der Beschluß von 1899 sei als verfehlt an- zusehen, und man müffe ihn jetzt wieder aufheben. Die Versammlung nahm emen Anttag an, wonach die Delegierten auf der Parteikonferenz tm Sinne der AuSstibrungen SeelS Tütrfen sollen. In Basel wurde der m Offenbach ver­haftete Sch wider, Direktor der ErsparniSkaffe m Pruntrul tBerat welcher zum Nachteil der Kaffe Fr. 600 000 unter­schlug, an die Schweizer Behörden anSgeliefert.

Professor Meyer und Krau,

n.

Tas Urteil ist am Tonnrrstag nachmittag ^e^vrocüen worden. Ter Berliner Gerichtshof erfennte gegen Proteffor Meyer out emc Gefängnisstrafe von zwei Jahren, gegen seine Frau auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten. Bei beiden Sngvflagten wurden je brti Monate als durch die Unter* suckungshast r rhüstt erachtet. Professor Meyer und Frau wurden in Haft behalten. Ter Staatsanwalt hatte gegen die An­geklagten je vier Jahre Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenreöitr auf fünf Jahre beantragt

Gefängnisarzt Tr. Honmann sprach sich über den Gesund­heitszustand der Angeklagten aus. Sie ist zweifellos eine sehr nervöse, hysterische Person, sie hat auch hei unS Anfälle gehabt, die von dem Lazarettver^onol beobachtet worden sind. ES waren aber keine epileptischen oder echten hysterischen Anfälle, sondern sie knüpften gewöhnlich an Aufregungen an. Jeder Brief mit unangenehmer Nachricht regte sie auf, sodaß sie umsiel. UnS gegenüber liegt das Generalkommando. Als in dem bärtigen lTxrrten eines Abends Feuerwerk fhittfanb und dabei an Unter "knall erfolgte, ist die Angeklagte in großer Erregung von ihrem Lager aufgesprungen und hat das ganze Haus aUrnriert Ebenso war es. wenn ein Gewitter niederging. Zweifellos bat die An­geklagte in der Umersuchungsbast schwer gelitten. Sie hat xrm so mehr schwer gelitten, als sie zu ernster Arbeit nicht erzogen ift. Präs.: Es steht in Frage, ob sie bei den Handlungen, die ihr zur Last gelegt werden, als minderwertige Person zu betrachten ist? Sachverständiger: Nein!

Staatsanwaltsaffeffor Tr. Kay: Wenn man die Fülle des Materials unter die rechtliche Lupe nimmt, so kommt man zu Zwei großen Gruppen von Betrugssällen. Tie erste Gruppe bat das charakteristische Merkmal, daß die Angellagten bestimmte falsche Tatsachen vorgespiegclt haben; die zweite Gruppe bat das Gbarafterünhim, daß die Angellagten unterlassen haben, bestimmte Tatsachen mitzuteilen. In allen Fällen ist eine BermögenS- schädigung der Lieferanten eingetreten, und in allen diesen Fällen babra die Angellagten einen Permögensvorteil er­strebt. der rechtswidrig war Tie Angellagten haben unterlassen, den Siereranten zu sagen, daß sie gar nicht die Absicht hatten, ui bezahlen, oder nur unter ganz bestimmten Bedingungen ihre Schulden tilgen wollten. Der eine Lebenshaltung führt, wie die Angellagten, wer sich zwei Tierffboten zu einer teuren Wohnung hält, wer die ersten Restaurants besuchen, seine Frau mitsamt einer frommerfimgfer nach Heringsdorf und Marienbad schickt, kann mit Zenter festen Einnahme von 78000 Mk. nicht au5« kommen. Tie Einnahmen, die er von der Zukunft erwartete, rcaren absolut unsicher und pretär, und er konnte absolut nicht darauf rechnen. Wenn man gesehen bat, daß die Angeklagten innerhalb zwei I a hre Waren für 20000 Mark gekauft oder zu laufen versucht haben, so muß man sagen: man hat es hier mit Hochstaplern zu tun, die sich keinen Augenblick lagen formten, daß sie in die Lage kommen würden, bre Schulden zu bezahlen. Wenn man sich die Persönlichkeit veS Angellagten Mever ansieht, so muß das Mitleid größer fein als die Erregung und Empörung, denn es ist traurig, ' ein Mann, der sich durch Fleiß und große Begabung zu einer doch angesehenen sozialen Stellung gebracht hat, so tief sinken kann. Mit dem Augenblick, wo er aus der Redaktion derDass. 3tg." anstrat, erlosch fein Stern. Im Jahre 1901 bat bet ^0jährige Angeklagte das 20jährige Fräulein Frcha Brünn ge­heiratet. Es war eine unglückliche Stunde, die diesem Mann diese Frau zuführte. Sie hat sich mit ihren 20 Jahren wohl nicht angezogen gefühlt durch die großen Geistesgaben des Prof. Dr. Meyer oder durch d-ffen graue Haare, sondern durch den schön klingenden Titel ^nb dadurch, daß sie in ihm dengroßen ^erbiener" sah, der ihr die Mittel zu großem Lebensaufwand beeten konnte Frl. Frida Brünn hat sich bitter getäuscht. Der Angellagte konnte auf die Tauer die großen erforderlichen Mittel nicht mehr aus ehrliche Weise beschchsen, er wurde von seiner Katrin geschoben und gedrängt und griff dann zu unehrlichen Mitteln. Wenn ein Mann seiner Ehefrau, bte fern an der Citi ec sich selbst, ihrer Jugend, ihrer Lebenslust und ihrem feeren Portemonnaie überlassen ist, schreibt, daß sie tüchtigräubern7* soll weil man Geld braucht, so kann ein solcher Mann vielleicht nar dem Strafrichter von dem Borwurs der Kuppelei frei* omm^n, aber moralisch steht er doch als Kuppler da. Ur'r die Frau Meyer hat gewiß als gelehrige Schülerin die Rat- tfer 'hr-s Ehemannes befolgt Es wird wohl nicht das einzige 2f Markstück gewesen sein, welches sie auf einem Wcchltätig- frif jfpft hat verschwinden lassen' Fran Meyer hat letzthin noch '-llst ent**rr Besuch in GremSmühlen erwähnt Auch von diesem T-ntub ans dem alten Schloß hat der Ehemann Kenntnis gehabt und rrdxt gut gewußt, daß es sich dabei picht um eine b-'-nr Cte. Tie Frau war das treibenbe und V -o-nt : (fp mann ist durch sie immer mehr auf die

»ch' Cb.- f. nunen. er ist eine Art Bohemien geworden, er har sich h n- butgrlr tU als ein Marrn mit dem guten Herren, *rt ex war auch em betiübaub schwacher Mann, der den Ew-

siüstrrangen seiner Frau btinblingä folgte unb sich erniedrigt hat - wenigstens im motülifdKin Sinne zum Shipp(ct.

Tie Angeklagte hat über 50 Fälle, die Mvcifvlhaft lagen, gar nicht üiifgvnvntmen. Sie läßt auch einige Fälle über Lsi»rd geben, die nach der BotveiSaufnahme nirtxt erwiesen scheinen. ES bleiben aber bei ber Fran nock- 49, bei dem (P.bcmnime noch 48 Fälle übrig, in denen eine Verurteilung erfolgen muß. Unter den Zeugen tvarvn alle Arten von Okivcrbetreibenben vertreten: die Buchhalterin, die um ihr Honorar wn 30 Mark be­trogen ift die Hökerin, die um eine AnanaS geprellt wurde, bis hinauf zu bcm Juwelier Königsberger. Em einziger M i l d e r n n g s g r u n d ift nur Podxmbtm: die 2eid>tigteit, mit der bie fr aufIcnte und Gewerbetreibendes fr r c b i t gewähren. Solange bie Genunchetreibenden auf dem Standpunkt tn*# Schulmlaä)erS chhen, der hier sagte:wenn eS sich um einen Grafen, Baron oder Professor han- delt^ist eS etwaS anderes" so langt wird ihnen aller Schnitz der Bebiirdtn nickst helfen können. Ich legt besonderen Wert barauf, daß neben der Strafe auch auf Verlust der bürger­lichen Ehrtnreckstt erkannt werde. £amit würde der Angellagte den Prosessor-nnd Toktortitel verlieren und beiden für die Zukunft die fcanbbabc zu Hochstapeleien genommen tverben. Ich beantrage biernad) gegen beide "JbtgeUagtc je vier Jahre Gefängnis und Verlust 'der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre.

Von her Verteidigung sprichst zunäckch R.-A. Caro: Ter Angellagte bat al- einfndter lüdischer Volkslehrer mit außer- orbentliatem Fleiß und großer Mühe sich zu einer sonst geachteten und angefebenen Stellung empor gearbeitet. Ten größten Fehler seines SebenS beging er dadurch, daß er and bcm Staatsdienst auSschied. Auch in seiner neuen Tätigkeit hat eS der Angellagte verstanden, füb zu einer von Finanz- unb Börsenkreisen hoch- gearteten Persönlichkeit emporzuarbeiten. Ein weiterer, schwer- miegenber Fehler des Angekwgten besteht darin, daß er ein Optimist ist. wie man sie in dem Grabe selten findet. Er bat für seine Situation selbst nickst daS richtige Empfinden gehabt. Als er ein festes Ein sinn men von monatlich 600 Mark hatte, trug er sich mit der Hoffnung, er werde es bald auf 20 000 Mk. bringen. Ten geringsten HotinungSscknmmcr betrachtete er als Gewißheit. Er wußte, daß bet Terraingescdäften viel Geld verdient werden tonnte, unb als er derartige Geschäft« anfing, kam er sich sckwn als reicher Mann vor. Er bat sich stets mit der Hoff­nung getrage», daß er allen seinen Gläubigern würde geerbt werden können. Sein ganzes Leben, sein gaincr Werdegang zeige, daß er tm Innern seiner Seele von bcm besten Bestreben be­freit war. Hn den Briefen an ferne Frau f.hreibt er stets: Heute kann üb Tir nur 20 Mark schicken, er knüpft daran aber stets die Hoffnung, daß eS bemnadnt beffer werden wird. Ter An­gellagte ift nicht der Mann, der darauf auSging, Leute zu be­trügen, sondern er war sicher überzeugt, daß es ihm über kurz oder lang gelingen werbe, die Schulden, die er kontrahiert hat. n tilgen. Er war sckwn bei feiner ersten Frau in ber^ Lage, Gelder auf Gelder herauf(hafftn zu müssen, und al- der Sechzig- jährige nickst davor zurückschreckte, eine zwanzigjährige Frau zu heiraten, von der er wohl hoffte, daß sie als Sängerin ihm künftighin eine Stutze fein könnte, als er bann in eine Lebens­führung bi nein geriet, die sich für ibn eigentlich nicht pafae. als er in den Kreisen der Boheme ein etwas lockeres Leben führte unb sei' firnen Verhältnissen cmporgefHegmt El>eftau als Ladv patroneß paradieren kvnntt da mußten die finanziellen Schwierigkeiten natttrgemäß ins llnerrneßlicku' steigen. In keinem Falle ist ab* der angellagte Ehemann darauf oii3qeganarn, m betrügerischer Absicht sich Kredite zu verschaffen. In juristischer Beziehung führt der Verteidiger auS, daß eine ganze Reihe von Fällen in Wegfall kommen müsse, weil eS sich dabei um ein­fache Zivilansprüche her Lieferanten handle, daß ferner >er dolus eoentuali5 nickst Vlatz greifen könne, und

nm Freisprechung, eventuell um ein sehr mildes Sttafmaß.

ReckstSamvall Morris: Ter StaatSanwall hat biet für »wei bisher unbescholtene Leute, bie Betrügereien gemadrt haben sollen, wobei insgesamt etwa 9000 Mark in Frage stehen, die un­geheure Strafe von 4 Jahren Gefängnis tmb Ehrverlust be­antragt, während vor wenigen Tagen in demselben Jahre zwei Personen, die Schädigungen m Höhe von Millionen t>mm'ari« haben sollen, zu Sy* und 3 Jahren Gefängnis ohne Ehrverlust vcrurttilt worden Rnb. Tie Angellagten sind keine Hochstapler. Wenn alle Leute hier auf bte Anklagebank kommen sollten, bie über ihre Verhältnisse leben und Schulden machen, so mürben bie vorhandenen Strafkammern nicht auSreichen, um bie Leute alle abzuurteilen, fromme ber Gerichtshof ju einem Schuldigipruch in dem einen ober anderen Fall», so sei eine viel mildere Strafe geboten; beim schlimmstenfalls liege grober Leichtsinn und eine gewiffe Frivolltät vor. aber nicht ein straf­barer Wille, der mit so schwerer frerkerstrafe geahndet werden müsse.

In einem unter zahlreichen Tränen unb lautem Geschluc^e vorgebrachten Schlußworte versichert die Angellagte -br1 llnschuw und verwahrt sich namentlich gegen den vom StaatSanwall ausgesprochenen Albanien, daß sie unsittliche Wege gewandelt sei. Hätte sie dies tun wollen, bann wäre eS ihr sicher nicht schwer gefallen, alle Schulden mit einem Male zu bezähmen.

Tas Urteil lautete wie oben mitgeteilt.

Ter Mann bezwingt sich: aschfahl, doch noch lächelnd spricht er mit dem Pcrtettng<r und bittet ibn, auf alp Fälle den Haftentlassungsantrag für die Frau zu stellen. Tiefe aber ringt verzweifelt die Hände, ne wirst angsterfüllte Blicke in den Saal hinein, sie setzt sich mit wippenden frnien auf die Anklagebank nieder. Tarrn springt sie auf, strcickst immer wieder an dem Flatt gekämmten Scheitel und an den Schläfen entlang unb fährt sich trillernd, gleich einem Kinde über die Lippen Wieder um­schlingt sie den Nacken ihres Mannes, streichelt und liebkost ihn, unbekümmert um die Augen ber Zuschauer, schmiegt sich hiffe- suchend imb verloren, eng an seine Schulter. So sitzt sie an seiner Seile, während der Dorsitzende da- Urteil verkündet unb eine halbe Stunde lang die Straftaten der Angellagten zerfasert, ohne bemerkbare Gemütsbewegung. Erst als der Verteidiger den HaftentlaffungSantrag für sie stellt mit Rücksicht auf ihre geschwächte Gesundheit, f(breit sie weinend hinaus:Aber ich farm ja bei meiner Mutter wohnenTer Antrag wird vom Gerichtshof abgefeimt: das Schicksal deS ungleichen Paares hat sich erfüllt . . Die Sitzung ist geschloffen: dreimal fordert der Nunzius mit tönender Stimme zur Räumung des Saales auf. Allein die Menge steht wie angewurzelt. Sie schaut immer Weber nach den Meyers hinüber, die noch immer eng aneinander- geschmiegt dasitzen, zwei klägliche Eristenzen, die in der falschen Welt des Scheins bettelarm geworden sind und Ansehen unb Ehre verloren haben.

vermischte».

Berlin, 6. Juli. Der Kassie r c r ber Oranienplatz-Dar- lehnskafie Mester beging erhebliche Veruntreuungen, angeblich 70 000 Mark.

Kiel, 8. Juli. Das Linienschiff ^Schwaben^ er­litt durch einen Stoß auf Grunb bei Fehmarn erhebliche B e- schädigungen

* v o l a , 6. Juli. Aus der Brion-Znsel wurden Reste eines römischen Tempels aus dem 1. Jahrhundert bkoßgelegt.

* Brüssel, 7. Juli. Die Polizei verhaftete gestern einen früheren deutschen Offizier v. Bodenwald aus Witten­berg, welcher von den deutschea Behörden seit längerer Zeit gesucht wird. Der Betreffende ift seinerzeit wegen Geistesgestörtheit zur Disposition gestellt worden. Bei seiner Verhafttmg setzte er der Polizei heftigen Widerstand entgegen. Er war im Besitz eines Re­volvers und zweier Dolchmesser. Bei feinem Verhör vor der Po­lizei sprach er sein Bedauern auS, daß es ihm nicht gelungen sei, bte Waffen gegen bie Polizei in Anwendung zu bringen.

* Eharleroi, 7. Juli. In Soirignvms wurde ciu bedeu­tender Dynamit-Dieb st ahl entdeckt.

* S t. Gallen, 7. Juli. Wegen Unterschlagung Öf f e n 111 rf) e r (Velber in erheblichem Betrage ist Bezirks­schulrat Bücherl-Alt statten verhaftet worden.

Innsbruck. 7. Juli. Aus den Krimler Tauern ist der Unternehmer hochalpiner Bauten und Hütte», Troner, ber

hauptsächlich für bie deutschen Alvenvereine arbeitete, in eh, Schneestu r m geraten. Er wurde t o t aiifgehmben.

Herichtssaal.

(tw Gießen, 7. Juli, Tas Standgericht verhandelte gestern gegen den L a u d w e h r m a n n Wilhelm Lein au# Klein-Linden tvepen ©eleibigung des Bize-Feldwebels brr Sanit'itSlrnpve Schaaf, ivegen Angabe eines falschen Namens in bienftlirfxr Angelegenl)eit gegenüber einem Vorgesetzten in zwei Fällen, konkurrierend mit Achtnngsverletznng, tmo wegen Bedroh« ung eines Vorgesetzten. Ter Gerichtshof war gebildet durch Ma­jor v. Wunsch, Vorsitzender. Hauptmann Hoos und Oberleutnant Volleit alS Beisitzer. Tie Anklage vertrat Oberleutnant Stephan. Ter Tatbestand ber Anklage mar ber folgende. Am Tage der Ge stellung ber Landwehr batte man gestattet, daß die Mannsck>aft auf dem Hofe der Zeughauskaserne an Tisckren sich setzen durfte, um Selterwasser unb sonstige Grfrifdyungcn, aber kein Bier zu sich nehmen. T-ie früheren frameraben setzten sich möglichst zu- fanunen, darunter auch Sein und es hcrrfchte eitel Fröhlichkeit unter ihnen. Ter Angellagte war ganz besonders ausgelassen. Da ging von ungefähr der Vize-Fcldioebel Schaaf vorüber unb einer ber Leute lud ihn ein, boch auch einen Trank zu nehmen. Tiefer lehnte die Einladung ab, war jedoch keine 15 Meter von ber Stelle gegangen, da hörte er laut über den fraserneuhof den Ruf: fromm her, Pflasterkaften, und trink mit. Schaaf ging sofort zurück unb fragte, wer bas Wort Pflasterkaften ge­braucht habe, woraus Lein sich sofort meldete. Auf die Frage nach seinem Warnen erhob sich dieser von seinem Platz, lüftete mit einer leichten Verbeugung feinen Hut, erklärte, fein Name fei Knutsch, unb wiederholte denselben Namen, als der Feld­webel tim zum zwecken Mal frag. Schaaf erklärte, er werde den Vorfall melden, worauf Lein bemerkte, das solle er nur tun; den anderen Wehrleuten gegenüber bemerkte er,der meldet nrith bock) nicht und wenn er mich meldet, bann gibts was". Ter Angellagte erllärte vor Gericht, er habe mitPflasterkaften" den Vi-efeldwebel nicht gemeint, sondern den Wehrmann Beil. Er sei mit Schaaf bekannt und habe, als dieser ihn nach seinem Namen frag, geglaubt, dieser mache in der ganzen Sache Scherz, er habe dies umsomehr angenommen, als jener, als er frag, ibn angelächelt habe. Er bestreite auch, den Vorgesetzten be­droht zu haben, indem die Aeußerung,wenn er mich meldet, bann gibts waS", nur so gemeint gewesen sei, baß er, der Lein, btmn bestraft n>crbc. Vizefeldwebel Schaaf schildert den Boisall, wie ihn die Anllage vorführt, er ift der Meinung, daß Lein ihn hat verspotten ober hänseln wollen: er bestreitet ganz entschieden, den Angellagten zu kennen, seines Wissens sei er nie­mals mit ihm -usammengekommen. dessen Schwager allerdings sei ihm bekannt. Wenn er bei feiner Frage nach dem Namen des Lein anfänglich gelächelt haben sollte, so könne es höchstens ein VerlegenheitSläckreln gewesen fein, denn er habe glicht ge» ivufa, was er sagen solle über den Schimpf, den ihm der An­gellagte in Gegenwart der versammelten Mannschaft angetan habe Oberleutnant Stephan läßt bie Anllage wegen Bedrohung fallen, hält aber im übrigen ben Beweis voll unb ganz er* bratfrt unb beantragt eine Gesamtstrafe von 20 Tagen strengen Arrestes. Ter Gerickttshos erkannte auf diese Gesamtstrafe. Die Hohe der Sttase mürbe damit begründet, daß bet Angellagte gar keinen Grund hatte, sich als alter Soldat so zu betragen; eS liege auch nickst der allergeringste Milberungsgnmd zu Gunsten des Angellagten vor Ter Angeklagte ist wegen Gehorsamsver^ iveigrrang vorbestraft.

£nnfl nnb Wissenschaft.

DaS H eidelberger Schloß. Nach betNeuen Bad. LandeSztg." hat der Oberbürgermeister von Heidelberg, Dr. Wilk nS, an ben badischen Finanzminister eine Denkschrift ge­richtet, in ber er barfegt, daß die Beunruhigung in ben frrcifen ber Universität und Bürgerschaft über das Schicksal des Heidel­berger Tchloffes eS angezeigt erscheinen lasse, baß die Regierung die Frage, ob nickst die Erhaltung des Otto Heinriche baue« als Ruine ausführbar wäre, nicht als abgetan ansieht, sondern noch weitere Aenßerungen von Sackwerstänbtgen einbolt. Nach demselben Blatt hat ber Prorektor ber Universität Heibel- berg^ernt Versammlung der H e i beider g er Studenten auf Samstag ein berufen, in der gegen die Restaurierung D rötest erhoben werden soll. Ter Finan zmini stet er* klärte, einer nochmaligen Prüfung ber Frage bet Wieder­herstellung des Heidelberger Schlaffes uabertteten zu wollen.

Handel und Dcrkehr. Volkswittschast.

Deutscher Handelsvertrag mit Rußland. Bon dem Krieg hat sich die Börse bis jetzt gar manches versprochen, waS sicher hinterher nicht in Erfüllung gehen wird. Eins aber ist gewiß: bei den Handelsvertrags Verhandlungen mit Rußland bat sich die Stellung DentschkandS ganz wesentlich gekräftigt. Die Ge­rüchte mögen auf gutem Grunde sichen, bie besagen, daß den deutschen Unterhändlern wichtige prinzipielle Zugestandnifte seitens Rußlands gemacht worben sind, und daß damit die erforderlichen Grundlagen für den Güteraustausch mit Rußland gegeben sind. Sicher wird ferner geglaubt, daß Rußland seine Industriezölle auf der bisherigen Höhe belasten wird und auf dieser Basis dürfte es nicht fchwer werden, zu annehmbaren Handelsverträgen zu ge- langen.

Sport.

Kopenhagen. 7. Juli. In dem heutigen Rad-Rennen über eine dänische Meile wurde Ruett erster, Ellegaard zweiter. Im Handicap über 8500 Dieter blieb Ruett erster, Theile-Berlin zwetter. In bem Tandemrennen Hänfen unb Rielfen-Danemark' erste, Robe unb Kupferling zweite. Im Amateurrennen über/4 dänische Meile siegte Rode-Berlin vor Hansen-Dänemark.

Evangelische Gemeinde.

6. Sonntag nach Trinitatis, den 10. Juli. Aottesbitnfl.

3« der Ltadtttrchc.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer D. Schlaffer.

Zugleich Christenlehre für die Reukonfirmierten der MatthäuS- gemembe.

Vormittags 9 '/, Uhr: Repetent Lic. Fuchs.

Beichte und heiliges Abendmahl für Matthäus- und Markus- gemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfaraer jeder Gemeinde erbeten.

Vormittags lll/< Uhr: Kinderkirche für die MarkuSgemeinde.

Pfarrer Schwabe.

I« der FohanneSkirche.

vormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Zugleich Christenlehre für die Nenkonfirmierten auS ber JohanneSgemeinde.

Vormittags 9'/, Uhr: Profestor D. Stamm.

Vormittags 11 Uhr: Kindergottesbienst für die Lukasgemeinbe.

Pfarr-er Eule r.

Sonntag abend 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Konfirmandensaale der Iohanneskirche.

Nächstfolgenden Sonntag, den 17. Juli, Beichte unb heiliges Abendmahl für die Lukas- und die Iohannesgemeinde im Hauptgottesdienst. Anmeldungen vorher bei bem Pfarrer jeher Gemeinde erbeten.

katholische Gemeinde.

Samstag, den v. Juli 1 904.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Sonntag, den 10. Juli 1904.

<n .. , °a nach PUnastcn.

Vormittags oo» 6 Uhr an: ffle(cqenbeit jur beit. Beicht.

um 7 : Dre erste heil. Meste, vor und in derselbe«

elnsteilung der heil. Kommunion.

* UM 8 Uhr: Die z,veite heilige Meste.

m , *. Bum 4 ^Ibr: Hochamt mit Predigt.

Nach nut tags um 2 /, Uhr: Christenlehre; bar auf Andacht.