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8.3.1904 Zweites Blatt
 
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Kv. 57 Zweites Blart.

154. Jahrgang

Erscheint tSglsch mit Ausnahme des Sonntags.

DieGirhener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hessische Landwirt' erscheint monatlich einmal.

Gießener Anzeiger

Dienstag 8. März 1904

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulftr.7.

Tel. Nr. 51. Telegr»-Adr.: Anzeiger Gießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

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5ie kcutige Kummer umfaßt 10 Seiten.

Aer Kurp-nscherproz-K zu Tilsit.

Tie vom Angcttagten angeblich unglücklich gemachte Zeugin beschert fid) über das taktlose und rohe Be­nehmen des Publikums, das die Zeugin nach dem Ver­lassen des Gerichtssaares umringte uno mit Schmähungen verfolgte. Wie die Zeugin angibt, habe man sie ve,ll)impit, mit Schinee geworfen und durch die ganze Stadt verfolgt. Rechtsanwalt Bold bemerkt, daß die Zeugin nicht ganz schuldlos an diesem Vorgänge sei, da sie dem Publrk"M

KMcher KandeLsLttMMettag.

(Originalartikel desGieß. Anz.")

(Schluß.)

d. Mainz, 6. März.

Nachdem auch die übrigen Artikel eurer entsprechenoen

Uenüerung unterzogen worden waren, berichtete Rech-

Aas MM und Land.

Gießen, den 8. März 1904.

** Tages-Ordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung, Donnerstag, den 10. März 1904, nachmittags 3 Uhr. 1. Baugesuch des Wilhelm Amend für die Bahnhofstraße Nr. 66. 2. Bau­gesuch des Wilhelm Löber jr. für die Malltorstraße. 3. Bau- ge|ud)i des Wilhelm Seipp III. für den Großen Sterrrweg. 4. Vaugesuch von Fritz Egly für den Brandplatz, 5. Bau­gesuch des Joh. Otto Schneider für die Ebelstraße. 6. Fest­setzung von Fluchtlinien für Teufelslustgärtchen. 7. Flucht- linienplan für die große Mühlgasse. 8. Erwerb bezw. Enteignung von Geläiwc zur Keplerstraße. 9. Austausch von Gelände zwischen Stadt und Hernrrch Carls am Neuenweg. 10. Jelbbercinigung in dar Gemarkung; hier: Erwerb von Grundstücken durch die Gisenbahnver- waltung. 11. Gesuch des geschastsführenden Ausschusses für den nationalen Gesangwettstreit um Ueberlassung eines Platzes. 12. Unterhaltung der Gebäude der Stadtmädchen- schule; hier: Beschaffung von Ersatzteilen für die Oefen. 13. Straßenreinigung; hier: Vergebung der Besenlieferung. 14. Vergebung von Fuhrleistungen. 15. Sielbau; hier' a) Lieferung von Steinzeug für 1904/05. b) Lieferung von Zement für 1904/05. 16. Genehmigung von Rechnungen 17. Vorlage der Rechnung und des Berwaltungsberichts für 1902/03. 18. Voranschlag der Armenkasse für 1904

nungsrat Walther- Mainz über die im Artikel 34 des Entwurfs festgelegte Zeit zur Aufstellung des Gemeinde­voranschlags. Es sei unmöglich, das Budget schon mit dem 1. Februar fertigzustellen, es müsse als Termin der 31. März festgelegt werden.

Ministerialrat Becker meinte, die verspätete Ausgabe der Gemeindesteuerzettel bildete eine ständige Klage, ds- halb sei der Termin auf 1. Februar festgesetzt worden. Ter Staat werde mit seinem Voranschlag ja auch fertig und dies könnte auch bei den Gemeinden der Fall sein.

Rach längerer Tebatte wurde beschlossen, den Dermin aus 31. März festzusetzen.

Ter Artikel 35 Abs. 3, in dem es heißt, daß von der Gemeindesteuer vom Einkommen die Ein kommen der Ein­kommensklassen bis 900 Mk. ausschließlich, von unten an­fangend alle oder teilweise befreit seien oder unter Zu­grundelegung eines geringeren als des normalen Steuer­satzes zu den Genreindeumlagen herangezogen werden sollen, veranlaßte eine längere Tebatte. Mainz beantragte statt 900 Mk. 600 Mk. einzusetzen; dieser Antrag wurde abge­lehnt und es bei den 900 Mk. belassen.

Tie Absätze 4 und 5 des Artikels 35 iourden auf Antrag Mainz gestrichen.

Tie Handelskammer Darmstadt beantragte bei Ver­äußerung von Grundstücken, eine Wertruwachs- steuer für die Gemeinden zu erheben, ausgeschlossen von dieser Besteuerung seien die durch Erbschaft erworbenen.

Nach eingehender Tebatte, an der sich die Herren Schma hl, Ministerialrat Best, Geheimrat Michel, Trier- Tarmstadt, Ministerialrat Becker, Schloß­macher, Langenbach und Stahl-Friedberg betei­ligten, wurde der Antrag angenommen. Es wurde aus Frankfurt verwiesen, dessen Stadtverordnetensitzung kürzlich ebenfalls eine Wertzuwachssteuer angenommen habe.

lieber dieGemeinsamen Bestimmungen" referierte Herr May-Bingen. Ein Antrag der dortigen Handelskammer für die Steuerreklamationen eine Berusungs- kommission aus Vertretern der Kreisausschüsse und der Gemeindevertreter zu schaffen, wurde bei der Aussichts­losigkeit des Antrages schließlich, zurückgezogen.

Geheimrat M i ch e l hält es für ungerecht, im Artikel 22 das Vermögen der Aktiengesellschaften und die Aktien­inhaber zur Besteuerung heranzuziehen, das sei eine Toppelbesteuerung.

Herr Kölsch- Worms steht auf dem gleichen Stand­punkt. Ter Artikel 22 wurde unter der Bedingung ge­nehmigt, daß bei Artikel 17 eine diesbezügliche Aus­nahmebestimmung getroffen wird, die von Minisierialrat Tr. Becker zugesagt wurde.

Tas Referat überEin ko m m en steu er" hatte Herr Froelieh-Tarmstadt übernommen. Tie Handelskammer Tarmstadt hat zu den Artikeln keine Anträge zu stellen.

Ein Antrag des Herrn Stahl-Friedberg, daß der Staatsfiskus für den Bergbau und sonstigen gewerblichen Unternehmungen, sowie für die Tomänen und Forsten zur Gemeindebesteuerung herangezogen werde, fand Annahme, nachdem sich die Herren Wolf- Bingen, Baruch- Worms und' die Handelskammer Mainz dafür ausgesprochen hatten.

Damit war die Beratung des Gesetzentwurfes erledigt.

Ministerialrat Tr. Becker sprach seinen Dank namens der Regierungsoertreter aus, eine reiche Quelle von Er­fahrungen hätten sie bei den objektiven Verhandlungen empfangen. Er wolle nur hoffen, daß auch die anderen Korporationen, die sich» noch zu dem Entwurf zu äußern hätten, in gleicher Objektivität verhandeln würden. Eine Verbesserung der Gemeindesteuer werde daun sicher erzielt werden.

Auf den Vorschlag des Vorsitzenden erhoben sich die Versammelten zum Zeichen des Tankes für die Regier­ungsvertreter von chren Plätzen.

In Bezug auf die geplanten Schifsahrtsabgaben aus dem Rhein, schlossen sich sämtliche Handelskammern dem Proteste der Handelskammer Mainz an.

Zur Revision der Vereinszotlgesetzgebung wurde ein Ausschuß gewählt, der die nötige Borherveratung zu betätigen hat.

In einer Nummer des ,/Offenbacher Abendblattes" wurde kürzlich ein Teil des amtlichen Warenverzeichnisses zum Zolltarif veröffenckicht- Da den Handelskammern vorn Reichsschatzamt der Entwurf durch Vermittlung der hessi­schen Regierung zugestellt wurde, wies Herr Schloß- macher-Offenbach darauf hin, daß von der Handels­kammer Offenbach mit dem Entwurf tein Vertrauensbruch verübt worden sei. Tem sozialdemokratischen Organ müsse von Berlin ums das Verzeichnis zugegangen sei; das ge­schehe ja öfters, daß derartige Aktenstücke den sozialdemo­kratischen Redaktionen zuflögen.

Ministerialrat Braun ift der gleichen Ansicht, er habe an einem Vertrauensbruch der Offenbacher Handelskammer nicht im entserntesten gedacht, der Redner erwähnte noch, daß bei der Düsseldorfer Ausstellung nur preußische Me- darllen verliehen worden seien; das habe die hessische Re­gierung veranlaßt, hessische Medaillen für die Aussteller anfettigen zu lassen, dre künstlerisch gut ausgefallen seien.

Kommerzienrat Stroh-Offenbach sprach dem Vor­sitzenden für die vorzügliche Hanohabung des Präsidiums namens der Versammlung besten Tank aus, zum Zeichen der Anerkennung erhoben sich die Versammelten von ihren Plätzen.

Ten Schluß bildete ein gemeinschaftliches Mahl un Kasino-Hos zum Gutenberg.

zugerufen habe:Ihr solltet froh sein, daß ich Euch von einem so gewissenlosen Schur ken befreit habe!"

Staatsanwalt Tolki erklärt: Gegenüber derartigen Roheiten werde nichts anderes übrig bleiben, als die Polizei zu requirieren, um zu verhindern, daß unanständiges Ge- baren sich wiederhole.

Beachtenswert sind die vorn Sachverständigen Dr. Bil- s i n g e r - Kassel über die Heilwirkung des Magnetis­mus gemachten Aeußerungen. Er führt aus: Ich möchte einiges Persönliche vorausschicken. Seit mehr als 30 Jahren huldige ich der naturgemäßen Lebensweise und ich bemerke, daß ich im Lause dieser Zeit fast immer vegetarisch gelebt habe, und zwar zu einer Zeit, als diese Lebensweise in Deutschland noch ganz unbekannt war. Durch diese Lebensweise bin ich nach und nach KU einer ganz anderen Anschauung gekommen und so habe ich auch den Magnetis­mus kennen gelernt, ohne jemals als Spezialist darin aus­gebildet zu fein. Dennoch muß ich sagen, daß der Magne­tismus unbedingt heilkräftig ift in den Fallen, für die er paßt. Der seelischss Einfluß, den eine Person auf die andere auszuüben im stände ist, ist zuweilen sehr groß. Ich führe das Beispiel der Liebenden an. Es ift be­kannt, daß ein Liebender auf die geliebte Person außer­ordentlich seelisch einwirken kann. Sch»on wenn er die Stimme hort, wird der andere Teil elektrisiert und erst ein Händedruck übt einen so großen psychischen Einfluß aus, daß dadurch die ganze Lebenskraft günstig beein­flußt wird, also auch bei Krankheiten. Ferner, wenn jemanb sich unglücklich fühlt und er bekommt den Hände­druck einer ihm sympathische Person, so ift dies oft von hohem psychologischen Einfluß. Ter Magnetismus ist also nichts anderes als der seelische Eindruck des einen auf den andern. Daß nun einer mehr dieses Magnetismus hat als der andere besitzen kann, ist klar. Jeder Arzt wirkt auch vermittels dieses Magnetismus auf den Patienten, sei es durch seine Persönlichkeit ober durch andere Umstände. Je höher in sittlicher Beziehung ein Mensch steht, um einen jo größeren Einfluß wird er auf den andern aueuben. Die Frage ist nun, ob der Magne­tismus auch» auf Epilepsie günjng einwirkt. Die Epilepsie ist noch heute das Crux der Aerzte. Auch durch allgemeine Beobachtungen ist diese Krankheit für mich eine Vergiftung durch Gas stosse aus dem Darm, die von dorther bas Gehirn unb das ganze Nervensystem vergiften. 'Weil es aber so ist, so ist es auch erklärlich, daß bei der Behandlung der Epi­lepsie die Milch und Früchte eine ganz hervorragende Rolle spielen und daß deshalb der Angetiagte durch dahingehende Verordnungen allein schon einen günstigen Einfluß aus- geübt hat. Staatsanwalt Tolki: Aber gerade in diesem oalle hat der Angeklagte keine Misch- oder Fruchtdiät vor­geschrieben.

Weiter äußerte sich der S a ch v e r ft ä n b i g e : Ein Arzt, der diät lebt und aus einem hohen sittlichen Standpunkt steht, hat einen größeren Einfluß auf den Patienten als ein anderer, der diese Anschauungen nicht teilt. Vors.: Das wäre also eine Art Suggestion? Sachv.: Doch nicht, sondern eben das Fluidum, das von der Persönlich­keit ausgeht. Professor Jäger in Stuttgart nennt es bte Luftstof je. Ter eine düstet nach Alkohol, der andere nach Tabak, der dritte nach Fleisch und der vierte duftet s ü ß. (Heiterkeit bei den übrigen Sachverständigen.) Sachverständiger Dr. Moll: Herr Kollege Bilfinger, was Sie dargelegt haben, ist zweifellos etwas ganz anderes, als was der Angeklagte unter tierischem Magnetismus ver­steht. Der Angeklagte tut so, als ob das eine mysteriöse, bisher nicht ergründete unheimliche Kraft sei, während das, was Sie als Magnetismus bezeichnen, etwas ganz Bekanntes und Alltägliches ist. Pros. Dr. Puppe: Glaubt der Herr Köllcge Bilsinger, baß ein persönlicher Einfluß aus den epileptischen Zustand des hier in Frage kommenden Patienten möglich ist? Sachv. Dr. Bil­singer : Es fragt sich ob der Angeklagte bas Trauma des Patienten erkannt hat. Vors.: Unb wie denken Sie über dasH e i l s e h e n ?" Der Angeklagte will, ohne daß der Patient vorher irgend etwas über seinen Zustand sagt, vermöge des ihm innewohnenden Magnetismus, die Leiden des Kranken mitfühlen? Sachv.: Daß der eine Mensch sensitiver ist als der andere, ist bekannt. Jener ist bann eher im stände, etwas zu fühlen, bezw. mitzuempfinben als der andere. Aus Mitteilungen, die mir Aerzte unb Nichtärzte, bie den Magnetismus anwenden, gemacht haben, ist mir bekannt, baß sie, wenn sie in die nächste Nähe kranker Stellen des Körpers kommen, selber krankhafte Empfind- ungen an den korrespondierenden Stellen ihres Körpers haben wollen. Da ich aber selbst nicht sensitiv bin, so kann ich zu dieser Sache aus eigener Erfahrung nichts sagen. ,

Zum Tode Watdersees.

Der Kaiser hat die Absicht, sich zur Teilnahme an öer Trauerfeier für den Grafen Waldersee nacy Han­nover zu begeben, wegen einer starken Er­kältung auf geben müssen. Ter Kaiser wird durch den Kronprinzen vertreten fein, falls der Kron­prinz, der ebenfalls stark erkältet ist, bis dahin wiederhergestellt ift; wenn nicht, würde Prinz Eitel Friedrich die Vertretung des Kaisers übernehmen.

TasArmeeverorbnungsblatt" verösfentlicht einen Ar­meebefehl des Kaisers, in dem es heißt:

Gottes Fügung hat mir, dem Heere u; d dem Bater- lanbe durch den Tod des Grafen Walderiee einen schweren Verlust auferlegt. Mit aufrichtigem Sa;merz beklage ich das Hinscheiden bes in so vielen, besonbers wichtigen Stellungen rühmlichst bewährten Mannes. Gr war mir ein persönlich nahe st ehe nder Freunb. Ich ver­liere in ihm einen verehrten Lehrer, bem ich meine Ausbildung aus bem Gebiete ber Strategie unb Taktik verdanke.

Ein weiterer Armeebefehl ordnet eine achttägige Arm ee tr a uer an. Tas Königs-Ulanenreaiment zu Han­nover und das 9. Artillerieregiment zu Itzehoe legen zehn­tägige Trauer an. Auf kaiserlichen Befehl erscheinen zu der Trauerfeier die kommandierenden Generale des 7., 8., 9. und 11. Armeekorvs, der Chef des Generalstabes ber Armee, von bem 9. Armeekorps ein General, je ein Regi- meuts-Kommandeur ber Infanterie, Kavallerie unb Ar­tillerie, sowie eine Abordnung des 9. Feldartillerieregi­ments .

Eines der ersten Beileidstelegramme, welche die Gräfin Kaldersee erhielt, war das des Königs von England. Am Mittwoch mittag findet vor dein Sterbehause eine IiGuerparabe statt. Zu derselben sind folgende Truppen kommandiert, zwei Bataillone des 73. unb ein Bataillon des <4. Regiments, vier Schwadronen der Königsulanen be­ritten und drei bespannte Batterien des Artillerieregiments v. Scharrrhorst. Tie übrige Garnison bildet Spalier auf dem Wege vorn Sterbehaufe nach dem Bahnhof. Tie Leiche des Feldmarfchalls wurde heute mit ber Paradeuniform dec Königsulanen befleibet unb im großen Säte des Grd- gcschosjes des Sterbehauses ausgestellt.

PrinzHeinrichvonPreußen wird sicht zur Teil- Mhine an der Trauerfeier nach Hannover begeben.

Der Staatssekretär des Reichsmarineamts v. Tirpitz fonbde an die Gräfin Waldersee folgendes Telegramm: foncr Exzellenz spreche ich namens der Marine ausrich- tigs.e Teilnahme an bem schweren Verluste aus. Ich ge­ben! e der großen Verdienste, die sich ber Tahingeschiebene in feinem langen erfolgreichen Leben erworben hat. Auch m der Marine wird ihm ein ehrendes Andenken dauernd Qifiityert sein, der es vergönnt war, in verantwortungs- örllrr Zeit unter des Tahingeschiedenen Führung.im fernen Osten für das deutsche Interesse einzutreten.

Ter Prinzregent von Bayern richtete an den tivijer und an die Angehörigen des Verstorbenen Beileids­telegramme. Bei der Trauerfeier am Mittwoch in Han­nover wird ber Prinzregent burch seinen Generalabjutan- teil, General der Kavallerie v. Könitz vertreten werden unb durch ihn einen Kranz niederlegen lassen. Als Ver­treter ber bayerischen Armee bestimmte der Prinzregenl jen bayerischen Mrlrtärbevollmächtrgten in Berlin, General­major von Enders.

TemSchwäb. Merkur zufolge hat der König von Äürttemberg zum Gedächtnisse des Grafen Wawersee leitimmt, daß die Offiziere und Beamten des württem- lecgijchen Armeekorps auf acht Tage Trauer anlegen.

In Vertretung der östreichisch'-ungarischen Armee nimmt 2er Chef des Generalstabes Jeldzeugmeister v. Beck an lern Leichenbegängnis teil.

Graf Wawersee hat wiederholt zu seiner Umgebung geäußert, daß er feit dem Chinafeldzug nicht lieber s o recht gesunb geworden fei, unb zwar txnigec infolge ber Strapazen, als ber häufigen feeli- iiben Erregungen, bxe fein überaus schwieriges Amt Kit sich brachte. Tie chm zugeschriebene Rolle besk o m- n: iid en Mannes" in der Politik nahm ber Marschall -Mal in den letzten Jahren von der heiteren Seite; et scherzte zuweilen darüber und war jedenfalls völlig rei von dem Bestreben, sich irgendwie und an irgend einer Stelle in Empfehlung zu bringen. Es verlautet, daß ßkaj Waldersee Aufzeichnungen aus seinmLeben hinterlassen hat.

Graf Wawersee war übrigens mit der Karserrn verwandt. Ter Vater der Kaiserin hatte zum Vetter bm Prinzen Friedrich zu Schleswig-Holftein-Sonderburg- Qiiguitenburg, der in erster Ehe die Gräfin Henriette von Dmestjold-^amsoe, eine nahe Verwandte der Großmutter treuer Kaiserin, zur Frau hatte. Tiefe Ehe wurde durch den Tod der Frau, 1858, gelöst. Prinz Friedrich unternahm ntbfcere Reisen und lernte auf triefen das Fräulein Mama Elher Lee, Tochter des Rentiers Tavid Lee zu Newyork, Auen. Um fie heiraten zu können, legte er den Namen eir.es Prinzen von Schleswig-Holstein nieder und wurde |U Kaiser von Oesterreich 1864 zum Fürsten von Noer er- rennt. Er heiratete nun fträulein Lee 1864 und starb 3t »5 mährend einer größeren Reise in Beirut in Syrien. 5T Witwe verheiratete sich in ihrem 36. Jahre zum Mitenmal mit dem 42 jährigen Grafen Waldersee, da- sfals Oberst unb Ches des Generalstabes des 10. Armee- lo.v '. 1874 fand die Hochzeit auf Schloß Lautenback) in Württemberg statt. Ter Graf hatte feine Gemahlin zu Siesbabeii, wv fie sich im Sommer 1873 zur Erholung Gjhiielt, kennen gele