Ausgabe 
8.2.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

ftafen denn nicht chr Geld, um Produktib-Associaftonen zu gründen? Warum wird das Geld für unnütze Streiks ausgegeben? (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Gründen Sie doch einmal ein paar Textilfabriken. (Erneutes Lachen bei den Sozialdemokraten.) Der Abg. Dr. David bat gemeint, mein Sekretär habe sich in der Zu- sarnmenstellung der Millerandschen Citate getäuscht. Ich glaube, daß die Abgeordneten der linken Seite dieses Hauses über größere Hilfskräfte verfügen, als ich. Ich bin auf meine eigene Tätigkeit angewiesen. Ich kann versichern, daß ich die Reden und das Vor­wort Millerands auf das genaueste studiert und mir selbst die Aus­züge gemacht habe. (Zuruf des Abg. Bebel: Donnerwetter!) Auf die Gefahr, daß mir noch ein Donnerwetter zugerufen wird, kann ich weiter feststellen, daß die neuliche Behauptung des Abg. Wurm über den sozialdemokratischen Gcmeinderat in Lyon un­richtig ist. Ich habe einen Sachverständigen hingeschickt (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Das können Sie sich auch leisten!) Ja, ich bin nicht in der Lage, überall selbst anwesend zu sein. Es ist von diesem festgestellt worden, daß dort ein sozialdemokratischer Bürger­meister ist und eine sozialdemokratische Mehrheit, die das Oktroi abschaffte und an dessen Stelle eine Mictsstcucr und eine Reparatur­steuer für Häuser setzte, die zu den ungeheuerlichsten steuerlichen Ein­richtungen gehören, die es jemals gegeben hat. und das war eine sozialdemokratische Maßnahme. Der Gemeinderat, der so etwas eingeführt hat, war sozialdemokratisch. Was die Steuerfrage in Hessen betrifft, so wurden durch die Reform der Großindustrie erheb­liche Mehrbelastungen auferlegt. Trotzdem beantragten die Herren Ulrich und David einen neuen Steuertarif, der zu den sonderbarsten Konsequenzen geführt hatte. Es wären darnach nämlich Einkommen von 1 500 000 Mark mit nicht weniger als 158 Prozent Steuer belegt. (Große Heiterkeit.) Als die Herren Ulrich und David ein­sahen, was ihnen passiert war ihr Vorschlag hatte natürlich in Hessen große Heiterkeit erregt, da legten sie eine neue Skala vor, die etwas vorsichtiger war, die aber immer noch eine Progression bis zu 89 Prozent zur Folge hat.

Da der Abg. Auer auf einem sozialdemokratischen ZarHtag einmal erklärt hat, daß schon eine Einkommensteuer von 20 Proz. die Expropriierung darstelle, und daß eine weitere Progression für die Ziele der Sozialdemokratie nicht nötig sei, so bin ich eigentlich erstaunt darüber, daß Herr Ulrich sich nicht auf L0 Proz. beschränkt hat. Der Vorredner hat das Wuchergesetz in die De­batte gezogen. Ich habe festgestellt, daß die Sozialdemokraten zwar für den § 1, aber gegen alle anderen Varagravhen und gegen das ganze Gesetz gestimmt haben. Unrichtig ist auch der Vorwurf, den mir der Abg. Wurm bezüglich meiner neulichen Aeußerungen über den Antrag Mbrecht u. Gen., betr. die Aroeits- lantmem gemacht hat. Ich habe micki nochmals informiert und Ija&c aus dem Kommissionsbericht festgestellt, daß es sich so ver­hält, wie ich gesagt habe. Ich muß in Zukunft erwarten, oaß Herr Wurm vorsichtiger ist in der Kritik von Mitteilungen einzelner Ab­geordneter, die ihr Material gewissenhaft geprüft haben. Der An­trag Albrecht ist in der Kommistion abgelehnt worden, man lstelt es nicht einmal für nötig, darüber zu diskutieren. ^ocb ein Wort Über den Finanazminister Ernst in Zürich. Ich habe ihn neulich mit Herrn v. Miguel verglichen und öarcniF hbmewiesen, daß Weser sozialdemokratische Minister bei seinen Bestrebungen im .ich ge­lassen wird von der Bevölkerung und daß seine Vorschläge d'irch- fallen. Das wird auch durch einen Bericht derFrankfurter Zeitung" bestätigt. Ich möchte einmal Herrn David fragen, ob er, toenn er Finanzminister in Hessen würde, was ich nicht borf? (Heiterkeit.) etwa geneigt Ware, einen ähnlichen Vorschlag zu machen, wie ihn der Minister Ernst gemacht hat, der eine M.n,.s- fteuer vorschlug, die jeden Mann nach zurückgelegtem 20. , - os- jahr trifft. Selbst der, der in Zürich nur vorüberaehend esckäftigt ist, muß 6 Franken Steuer nach diesem Vorschläge zahlen. Allo der sozialdemokratische Minister schlägt eine bedenkliche ssovfsteucr vor, welche jeden Arbeiter belastet. Hatte ich da nicht ein Reckst, ihm Herrn v. Miguel gegenüberzustellen, der mit großer Energie und mit sozialpolitischem Verständnis seine große Steuerreform durchgesührt hat, während es sich bei dem sozialdemokratischen Minister um eine stümperhafte Tätiafeit bandelte!

Mit einer solchen Rede, wie sie Dr. David hier gehalten hat, Hürde er bei uns am Rhein gar keinen Eindruck machen. (Lachen bei den Soz.) Ich konnte meine Rede ruhigen Gewissens in der Wormser Zeitung" veröffentlichen und fühle mich nicht genötigt, davon etwas zurückzunehmen.

In der Rede des Staatssekretärs Über die Arbeitskammern

sehen wir eine hochbedeutende Kundgebung; wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Regierung diejenige Sozialpolitik einschlagen wird, die wir für richtiger halten. Ich habe einen Sachverstän­digen nach Holland geschickt, um mich zu informieren, welche Ent­wicklung die dortigen Arbeitskammem genommen haben. Der Abg. Frhr. v. Richthofen meinte, die SarbeitSfammern seien eine sozialdemokratische Waffe, er brachte sie mit dem großen Eisen­bahnerstreik in Verbindung. Aber in Wirklichkeit haben sie damit nichts zu tun gehabt. Ich hoffe, daß die Sozialpolitik, die wir treiben, der Arbeiterklasse zum Segen gereichen wird. (Beifall.)

Abg. Korfanty (Pole) beginnt unter großer Unruhe des Hauses gegen den Staatssekretär zu polemisieren und wirft ihm vor, nur Phrasen vorgebracht zu haben.

Vicepräsident Graf Stolberg erklärt diesen Ausdruck für un­zulässig.

Abg. Korfanty (fortfahrend): Es wird immer von der groß­polnischen Gefahr gesprochen, aber das ist ein Phantom. Wir loollen nur unsere Muttersprache und unferc nationalen Eigentümlichkeiten behalten und uns, toenu wir auch getrennt leben, wie ein Volk fühlen. Wenn Sie das eine Gefahr nennen, gut, diese Gefahr be­steht, und wir werden alles tun, um Polen zu bleiben. Wenn Sie mal nach Oberschlesien kommen und die Leute dort mitPreußen" anreden wollten, dann könnte Ihnen leicht ein Unglück passieren. Erst die Angriffe gegen uns haben uns zusammengeschmiedet und ich kann Ihnen sagen: Nach fünf Jahren bin ich nicht allein. (Un­ruhe im Zentrums Die preußische Regierung will mit ihrem Vorgehen die oberschlesischen Polen gelviß zum Aufstand treiben, aber wir werden nicht ablassen, den großpolnischen Gedanken, so wie ich ihn verstehe, aufrecht zu erhalten.

Staatssekretär Graf Posadowsky: Der Vorredner hat meine ganz ruhigen Auslassungen Phrasen genannt. Was wurde aber wohl dieses hohe Haus sagen, wenn ich eine Rede von einem Reichs- tagsmitglicde als Phrasen bezeichnen wollte. Darauf lege ich den größten Wert: BundeSrat und Reichstag sind zwei ganz gleich berechtigte Faktoren, und deshalb darf sich auch kein Mitglied des Bundesrats eine solche Behandlung gefallen lassen, die der Reichs­tag selbst sich nicht gefallen lassen würde, und mit Recht. In dem Verkehr zwischen zwei gesetzgeberischen Faktoren muß ein Ton der Würde herrschen im Interesse des Ansehens des Reiches. Wenn dieses Ansehen sinkt, sinkt auch das Ansehen des Parlamentaris­mus. Und da können Sie Reden halten, soviel sie wollen, Bundes­rat und Reichstag haben ein Interesse daran, einen solchen Ton nicht zu dulden. (Zustimmung.)

Es ist mir gar nicht eingefallen, die Bewohner Oberschlesiens als Wasserpolacken zu bezeichnen. Ich selbst habe den Ausdruck überhaupt nicht gebraucht, ich habe nur erklärt, aus welchen Grün­den dieser Ausdruck entstanden ist. Wenn der Reichskanzler diesen Ausdruck gebraucht hat, so hat es ihm vollkommen fern gelegen.' einen beleidigenden Begriff damit zu verbinden. Er hat lediglich einen Ausdruck gewählt, der, wie Herr Korfanlh selbst weiß, in Lberschlesicn gang und gäbe ist, kein Mensch wird sich dort da­durch beleidigt fühlen. Nun sagt Herr Korfanty, die preußische Ne­gierung wolle in Oberschlesien gewiß einen bewaffneten Aufstand herbeiführen. Solche Aeußerungen können doch nur einen komi­schen Eindruck machen. Wer Schlesien kennt, weiß, daß die groß- polnische Agitation sich nur auf einen kleinen Kreis erstreckt, weiß, daß solche Tinge nur in das Reich der Phantasie gehören. Man mag sich, Incnn man solche Tinge vorträgt, sehr groß Vorkommen und mag glauben, daß man dadurch die Straft der Agitation hebt. Herr Korfanty hat ja selbst erklärt, daß seine Landsleute alle Kräfte zusammen nehmen würden, und daß sie bei der nächsten Wahl noch mehr Vertreter hierher schicken würden Tas ist cs ja eben, es gibt nun mal in der Geschichte abgelaufcne Prozesse und in der Geschichte Schlesiens ist der Polonismns unzweifelhaft ein abgelaufener Prozeß. Schlesien ist seit 600 Jahren von Polen getrennt, und keine Negierung kann es dulden, daß Lberschlesien, das zwischen Posen und Galizien ein­gekeilt liegt, der Schauplatz einer polnischen Agitation im Sinne Korsanths wird. Und ein Staat, der das dulden würde, würde seine innere Kraft verlieren, die ihm das Recht zur geschichtlichen Existenz gibt. Herr Korfanty kann sich darauf verlassen, er hat auch seiner Sache keinen Dienst erwiesen, wenn er hier solche bedenkliche Reden hält. Auf einzelne Beschwerden aus Oberschlesien kann ich jetzt nicht eingehen, der Reichstag ist nicht der Ort dazu, denn diese Fälle ge­hören alle ins preußische Abgeordnetenhaus. (Beifall.)

Abg. Stücklen (Soz.) beklagt sich über die Handhabung des Vereinsrechts in den thüringischen Staaten unter Anführung

mehrerer Fälle, an denen er selbst beteiligt gewesen sei. Eine Ver­sammlung sei verboten worden auf Grund des Sozialistengesetzes, das bekanntlich gar nicht mehr existiert, eine andere, weil in der Nähe drei Wirtshäuser gewesen seien, und eine dritte, weil in der Nähe eine dichte Hecke war, hinter der sich Minderjährige hätten verstecken können. Hiev' könne nur ein Reichsvereinsgesetz helfen.

Sachsen-Altenburgischer Minister v. Borries erwidert, die 'in* zelnen Fälle gehörten in das Gebiet des altenburgischen Landesrechts. Solche Fälle gehörten also in den altenburgischen Landtag und nicht in den Reichstag. Im übrigen müsse er entschieden bestreiten, daß in Altenburg das Vereinsgesetz einseitig gegen die Sozialdemo­kraten angewender würde, es würde in gleicher Weise gegen alle Bevölkerungsklassen angewandt. Den Sozialdemokraten mürben sogar auf manchen Gebieten viele Rechte zugestanden, in der Wahl­bewegung könnten sie ungestört ihre Versammlungen abhalten.

Sächsischer Bevollmächtigter Tr. Fischer bedauert, daß er auf die Einzelfälle aus Sachsen nicht eingehen könne, da er vorher nicht informiert sei.

Nach einander zum Wort aufgerufen werden jetzt die sozial­demokratischen Abgeordneten Sindcrmann, Horn-Sachsen, Sachse und Stadthagen, die aber sämtlich nicht anwesend sind, was große Heiterkeit im Hause hervorruft.

Mg. Stolle (Soz.), der hierauf das Wort erhält, verzichtet zunächst auf seine Rede und beantragt dann Vertagung. Für He Vertagung stimmen aber nur die Sozialdemokraten, sodaß die De­batte fortgesetzt werden muß.

Präsident Graf B a l l e st r e m gibt hieraus das Wort wieder dem Abg. Stolle. Derselbe ist offensichtlich in großer Verlegen­heit, da sein Material in feiner Schublade sich befindet, die er zunächst nicht ausbekommen kann.

Unter tätiger Mithilfe mehrerer feiner Fraktionskollegen und unter großer Heiterkeit des Hanfes wird endlich die bewußte Schub­lade mit vereinten Kräften geöffnet, woraus der Abg. Stolle ein sehr umfängliches, ans Zeitungen, Druckschriften, Schriftstücken usw. bestehendes Material entnimmt und zur Tribüne geht. Einige seiner Fraktionskollegen tragen ihm noch einige Alten stücke nach. (Große Heiterkeit.) Um 5| Uhr beginnt sodann der

Abg. Stolle (Soz.) eine Rede über den Crimmitschauer Streik. Redner erklärt jetzt eine Generalabrechnung halten zu wollen und sucht in längeren Darlegungen nachzuweisen, daß nicht die Sozial­demokraten, sondern die Fabrikanten die Schuld an dem Streik trügen, daß die Fabrikanten den schnödesten Terrorismus geübt hätten. (Lebh. Zustimmung bei den Soz.) In Sachsen gebe es kein Recht mehr für Arbeiter! In Sachsen herrsche die nackteste Klassenjustiz usw. Von dem (Selbe, das die Crimmitschauer Fabrikanten ihren Arbeitern abgenommen haben, haben sie sich Villen gebaut. Der Berg, auf dem diese stehen, heißt im Volksmunde der Schweißberg. Wenn ein Christus wiederkäme und sehe, wie die Crimmitschauer Geistlichen handelten, würde er wieder sagen: Ihr Otterngezücht! (Beifall bei den Soz.)

Sächsischer Geheimrat Dr. Fischer erwidert, das Wort Gene­ralabrechnung habe bei ihm beinahe Befürchtungen erweckt, aber schließlich sei doch der Knabe Karl ihm gar nicht so fürchterlich ge­wesen. (Heiterkeit.) Er habe über Lohnzahlungen in Crimmitschau nichts gesagt und auch nicht die Ausführungen des Abg. Lehmann über, die Lohnzahlungen zu den seinen gemacht. Er habe ferner die Frage, wer Schuld an dem Streik fei, offen gelassen und niemals den Arbeitern das Recht, zu ftreiken, bestritten. Die Maßnahmn der Behörden seien nötig gewesen im Interesse der öffentlichen Sicherheit. Daß von den Streikenden Ausschreitungen gegen Ar­beitswillige begangen seien, ließe sich nicht leugnen, wenn sich da­her die Sozialdemokraten über Den Terrorismus der Fabrikanten beklagten, so erwidere er ihnen nur: Kehren Sie vor Ihrer eigenen Tür!

Nach einer Erwiderung bc5 Abg. Stolle schließt die allgemeine Diskussion über den Titel Gehalt des Staatssekretärs.

Nach persönlichen Bemerkungen der Abgg. Dr. David, Wurm (Soz.), Korfanty (Pole), Bebel (Soz.) wird der TitelGehalt des Staatssekretärs" bewilligt.

Sodann vertagt das Haus die weitere Beratung über den Etai des Rcick'samts des Innern auf Montag 1 Uhr.

Schluß 7% Uhr.

&HII9 immmmBaBaaarTw^.i1»! .ar

Krieg in Mafien!

Wir erhielten am Sonntag vormittag folgendes Tele­gramm, das wir heute in aller Frühe durch Aushang be­kannt gaben:

Petersburg, 7. Febr, 10.20 vorm. Eine vomNegieruugs. boten" veröffentlichte Zirkulardcpeschc an die russischen Vertreter im Auslände besagt: Der japanische Gesandte übergab ein. Note, welche die russische Regrernng vom der Entscheidung Japans in Kenntnis setzt, daß alle weiteren BerHandlungen einzustellen seien. Der russische Gesandte und das ganze Gesandtschaftspersonal seien aus Petersburg ab- znb eruf en. Jufolgcdeffen befahl der Kaiser von Rußland, daß der russische Gesandte Tokio mit dem Gesandtschafts- Personal unverzüglich verlasse. Die ganze Handlungs­weise der Tokioer Regierung legt Japan die ganze Ver­antwortung für die Folgen zu.

Der russisch-japanische blutige Schwerttanz nimmt also seinen Anfang. Sie wollen Den Krieg, die kleinen japanischen Kerle, mit dem großen Rußland, und zerren ihn herbei. Kampf zwischen David und Goliath, so nennen sie cs selbst in ihren Zeitungen.

Rußland hat zwar durch vollste Nachgiebig- 'keit ui Korea auss erustlichste seine Friedensliebe be­kundet, aber Japan ist empört darüber, daß sich Rußland aus der mit unendlichen Opfern und nach unumstößlichen Plänen besetzten Mandschurei nicht znrür'z.cht. Ruß­land ist hier gegenüber Japan in derselben Lage wie Deutsche land gegenüber Frankreich im Jahre 1870. Wie damals Deutschland die spanische Thronsotgesrage, so betrachtet Rußland heute die Mandschurei-rage als Angelegenheit der beiden Beteilegten, Rußlands und Chinas, in deren Abmach­ungen sich Japan als dritte unbeteiligte Macht eigentlich in keiner Weise einzumischen hat. Hier konnte Rußland nicht zurück, wenn es nicht alles Schwererrungene preis­geben wollte.

In Tokio war ja längst alles auf Krieg gestimmt, Handel und Wandel stocken seit langem, und in Anbetracht der diplo­matischen Verzögerungstatlik, die es Rußland ermöglicht hatten, durch Vervollständigung seiner lückenhaften Rüst­ungen sich schleunigst dem kampfbereiten Japan ebenbürtig zu machen, wurde die japanische Erbitterung gesteigert. Angesichts dieser Sachlage war der Optimismus unbegreif- kich, den die Berliner Regierung in dieser Frage bis gestern zur Schau getragen hat.

Der russische Gesandte in Tokio, Baron Rosen, hat die russische Antwortnote der japanischen Regierung am, Sams­tag überreicht. Die Note wurde am 4. Februar Admiral Alexejew telegraphisch mit geteilt, der sie Baron Rosen über­mittelte. Die japanische Antwort daraus ist also umgehend und unzweideutig erfolgt. Nun gibt es für keinen der beiden Telle ein Zurück mehr.

Em Telegramm aus Port Arthur vom 6. Februar von

der Nuss. Telegr.-Agentur besagte: Gerüchte über Ver­stärkung der russischen Truppen in der Mand­schurei veranlassen die hiesigen Chinesen, sich offen gegen ein Bündnis Cumas mit Japan au:zuspre- en und dem Wunsche nach völliger Neutralität Chinas Aus­druck zu geben.

DieNationalztg." meinte noch sehr vertrauensselig am Samstag, daß, selbst wenn die Verhandlungen abge­brochen werden sollten, Japannach der Auffassung unter­richteter Kreise" keineswegs den Angriff gegen Rußland unternehmen würde, vielmehr könnte es dann Punkte an &er Süd- oder Westlüste oder an beiden Küsten sowie im Innern Süd-Koreas besetzen. Ein solches Vorgehen würde von Rußland nicht als Casus belli angesehen werden.

Aus Petersburg kommt nun folgende Meldung vom 6. Februar: Die Panik, welche die in Wladiwostok leben­den Japaner ersaßt hat, hüll an. Die japanischen Kaufleute liquidieren ihre Geschäfte mit enormen Verlusten, wobei sie sich völlig ruinie­ren. So verlaufen sie Wiener Stühle zu 20 Psg. das Stück, 50 Apfelsinen sür 10 Psg., 10 Flaschen Wein für 2 Mk. Der Ru in i|t ein vollkommener. Sollte der Krieg aus- brechen, so wäre das Moskauer Korps sowie das 10. Armeekorps in Charkow zuerst mobilisiert. Beide sind schon jetzt vollkommenmarschbereit. Die A n t- wort Rußlands soll sehr nachgiebig lauten und besonders für die Er Haltung und Besestigung des japani­schen Einflusses in Korea gewisse Garantien bieten.

Kom «Herero-Ausstande traf Sonntagvormittag auf der Redaktion folgendes Origi­nal-Telegramm ein:

Berlin, 7. Febr. Swakopmund amtlich: Die Kompagnie Franke drang nach heftigem Kampfe in Omaruru ein. Der Feind hatte große Ver­luste. Die Deutschen haben 6 Tote und 11 Ver­wundete, 7 werden vermißt. Der Feind schließt Omaruru ein. Morgen marschieren baä Habickftskorps und das Ersatzkorps ab. Oberleutnant Winkler ist von Karibib nach Omaruru unterwegs. Die Bahn bis Wind­huk ist wieder befahrbar.

Eine frühere 'Nachricht über die Lage in Omaruru veröffentlicht dieKolon. Zeitschrift": Die Omarurnkom- pagnie rückte von Okahandja über Karibib, wo 200 Mann über zwei Wochen lagen, auf Omaruru und nahm dies mll Sturm. Der Widerstand war sehr heftig. Auf deut­scher Seite blieben 4 Tote und 7 Vermißte, 13 wurden verwundet. Die Kompagnie ist jetzt vom Feinde in Om aruru eingeschlossen und erbat Hilfe durch die 400 Mann mll Geschützen der Crsatzkompaguie der Schutz­truppe,^die von Swakopmund am 4. Februar abging und am 5. Februar in Windhuk ein traf, um nach Gobabis zu

gehen. Sie wurde sofort zum Ersätze Ornarurus beordert. Die in Ontja stehende Kompagnie hatte ein Gefecht bei (Sfamanct - ---- ''

Aus Stadl und Kund.

** Personalien. Der Lokomotivführer in der Hess. Preuß. Eisenbahngemeinschaft Georg Metzger zu Darmstadt wurde auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt.

"Geschworene. Zu den am 7. März beginnenden Sitzungen des Schwurgerichts pro 1. Quartal wurden nach­stehende Geschworenen ausgelost: 1. Kaufmann Ludwig Hanner in Büdingen. 2. Müller Peter Dietz in Friedberg. 3. Pachter August Draudt in Büdesheim. 4. Landwirt Nikolaus Theodor Ferdinand Ewald in Ockstadt. 5. Kauf­mann Georg Rockemer in Schotten. 6. Bürgermeister Paul Heitzenröder in Nieder-Moos. 7. Spengler Karl August Faber in Gießen. 8. Musikalienhändler Wilhelm Rudolph in Gießen. 9. Privatier Karl HinkelH. in Vilbel. 10. Metzgermeister Werner Koch V. in Alsfeld. 11. Land­wirt Konrad Lein in Burg-Gemünden. 12. Landwirt Konrad Jochem III. in Laubach. 13. Landwirt Joh. Christ. Ull- inann in Nieder-Erleubach. 14. Landwirt Gustav Ickes in Bellmuth. 15. Kaufmann Karl Röhr in Gießen. 16. Beigeordneter Krd. Chr. Wolf in Wohnbach. 17. Brauerei - besitzer Konrad Heinrich Christian Jhring in Lich. 18. Land­wirt Wilhelm Euler in Maar. 19. Gastwirt Gustav Land­mann in Hirzenhain. 20. Tapetenhändler Ernst Blödner in Gießen. 21. Buchhändler Karl Koch in Gießen. 22. Zimmermeister Wilhelm Henkel in Lauterbach. 23. Revier­förster Emil Marx in Schlitz. 24. Landwirt Georg Heil III. in Hartershausen. 25. Oberamtmann Otto Flemming in Büdingen. 26. Oekonom Hugo Schudt in Dorheim. 27. Rentner Heinrich Ubrich in Friedberg. 28. Bürgermeister Joh. Hoffmann in Burkardsfelden. 29. Landwirt Heinrich Ruppert IIL in Ermenrod. 30. Landwirt I. König in Heegheim.

"Theaterverein. Die Aufführung des neuen Dramas von Max HalbeDer Strom", das überall eine so günstige Aufnahme sindet und als das Beste bezeichnet wird, das Halbe seit derJugend" geschrieben hat, findet (als 7. Vor­stellung) mit Herrn Diegelmann als Gast voraussichtlich am Freitag den 19. d. Alls, statt. Es wird besonders darauf aufinerksam gemacht, das wegen Schwierigkecken m der Be- etzung die Aufführung deSStrom" nur bei Zuziehung eines Aastes möglich ist und daS deshalb nur diese einzige Auf- 'ühmng stattfinden kann. Die 8. Vorstellung, mit Herrn Loehr - Darmstadt als Rechtsanwalt Gerhardt in Bloem's ES werde Recht" ist Ende dieses Monats.