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7.12.1904 Erstes Blatt
 
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doch? Dgl. unseren heutigen Leitartikel im 3. BlattLustige Sieben". D. Red.)

Magdeburg, 7. Dez. Bei der gestrigen Reichs­tag sersatz wähl im Wahlkreis Jerichow I. und II. wurden gezählt: v. Brauchitsch (kons.) 3416, Vom Rath (natlib.) 2876, Dr. Wohlfahrt (Antisemit) 1605, MertenS (fr. Vp.) 4 3 9 9 und Voigt (Soz.) 5289. Voraussichtlich findet Stichwahl zwischen MertenS und Voigt statt. Bei der Haupüvahl im Jahre 1903 erhielten Fürst Herbert BiSmarck (kons.) 10 490, Voigt (Soz.) 8140, Mertens (fr. 23p:) 6480 und v. Strombeck (Ztr.) 48 Stimmen. Bei der Stichwahl wrrrdc Fürst Bismarck mit 14 665 Stimuren gc» wählt gegen Voigt, aus den 9742 Stiurmen entfielen.______

Kach SüdwcstasriKa.

Hamburg, 6. Dez. Der DampferPalatia" der Ham- -urg-Arnerikalinie mit 48 Offizieren, 539 Unteroffizieren und Mannschaften und 996 Pferden, ist beute nachmittag 3 Uhr nach Teutfck-Südwestafrika abgegangen. Der Kommandierende des 9. Armeekorps. Bock v. Polach, verabschiedete die Truppen in der üblichen Weise und brachte ein dreifaches Kaiserhoch aus. Der von der Wörmann-Linie gecharterte DampferRostock" geht morgen mit 14 000 Zentnern Hafer als Fourage für die in Deutsch-Südweftafrika befindlichen Pferde der Sckmtztruppen nach Swakopmund.

Kcer und Ilotte.

Kiel, 6. Dez. Tas Reichsmarincamt beabsichtigt, den Mann- schafisbeftand der Matrosen -Artillerie-Abteilung in Kiautsckau zum Frühjahr zu verdoppeln, also vier Kom­pagnien mit annähernd 700 Mann zu errichten, und diese Formation einem älteren Stabsoffizier zu unterstellen.

Ausland.

Paris, 6. Dez. Ter Herzog von Orleans scheint die jetzige politische Lage auszunutzen, um Propaganda für seine Kandidatur für den französischen Thron zu machen. Seine Anhänger haben damit begonnen, ein bedeutendes Pariser Blatt mit nationalistischer Färbung zu erwerben, welche die Politik des Präsidenten vertreten soll. Augenblicklich herrscht im Lager der Orleanisten größere Tätigkeit als je.

Senat. Das Haus nimmt wieder die Beratung öe§ eug lis ch -f ra nz ösischen Abkommens auf. Carrcau beantragt das Abkommen abzulehnen. Ebenso spricht sich Admiral de Cuverville gegen daS Abkommen aus. Deutsch­land und England würden auS den Anstrengungen Frank­reichs Nutzen ziehen.

Rom, 6. Dez. Eine All dien z, welche Prinz Albrecht von Preußen heute Nachmittag bei dem Papste hatte, währte eine viertel Stunde, wobei sich der Papst in herzlichster Weise mit dem Prinzen unterhielt. Vorher hatte der Prinz an dem Frühstück bei dem preußischen, Ge­sandten beim päpstlichen Stuhl teilgenommen, lvobei der Prinz zwischen dem Kardinalstaatssekretär Mery del Val und dem Fürstbischoff Kopp saß.

Senat. Ter Ministerpräsident erklärte, daß die Regierung, wenn sie bei dem Ausstande im Sep­tember Gewalt angewendet hätte, der Monarchie und der Ordnung einen sehr schlechten Dienst erwiesen haben würde. Die ländlichen Arbeitervereinigungen seien zu einem wirtschaftlichen Zwecke auf Grundlage des Vereinigungsrechtes, welches durch das Gesetz garantiert sei, gegründet worden. Alle Länder seien in einer Periode sozialer Umwandlung, weil die Arbeiterklassen den Wunsch hätten, besser zu leben, und da der dritte Stand Fortschritte machte, wollte da§ der vierte Stand auch und kein Gesetz darf die Bewegung aufhalten. Tie Monarchie sei die Grundlage der Einheit Italiens; die republikanische Form würde das Land spalten und zu neuer Knechtschaft führen. Die Monarchie müße verteidigt werden nicht dadurch, daß märt auf die Massen schieße, sondern dadurch, daß man sie unseren Einrichtungen geneigt mache, und dadurch, daß wir selbst den sozialen Fort­schritt fördern. (Lebhafter Beifall.)

Konstantinopel, 6. Dez. Am Dienstag wurden bei Bulaeani, 10 Km. nordöstlich von Uesküb, zwei Moham­medaner aus Veschtiea von einer bulgarischen Bande ge­tötet. An demselben Tage wurde ein Knabe christlicher Konfession ermordet, nach türkischen Angaben von der­selben Bande, nach Angabe von Christen durch Moham­medaner aus Rache. In Taolje Solnjne töteten Mohammedaner drei Christen. Angesichts der zunehmenden Mordtaten werden entsprechende Maßregeln für dringend not­wendig erachtet.

Der Minister Swiatpolk-Mirski hat die Resolution des Semstwokongresses dem Zaren übergeben, der das Schriftstück mit den Worten entgegennahm:Ich weiß, worum es sich handelt, doch erscheint mir die Kriegszeit nicht zu solchen Reformen geeignet. Sagen Sie den Semstwo- vertretern, daß jetzt nicht die rechte Zeit dazu sei!"

Newyorl, 6. Dez. DemNew Port Herald" zufolge hat der venezuelanische General Mantilla sich mit 500 Mann vereinigt. Er hat mit seiner Bande mehrere venezuelanische Beamte gefangen genommen und hin- richten lassen. Mantilla soll reichliche Vorräte an Munition und Waffen besitzen. Es heißt, er beabsichtige, auf eigene Rechnung einen Aufstand zu organisieren. Man vermutet, daß seitens des Generals Augustini ebenfalls eine Ausstandsbewegung vorbereitet wird. Es wird angenommen, daß die Unionsregierung diese Aufstands­bewegung dazu benutzen werde, um den Präsidenten Castro zu zwingen, seinen Verpflichtungen gegenüber den amerika­nischen und europäischen Gläubigern nachzukommen.

Aus Stadt und Laad.

Gießen, 7. Dezember 1904.

Wettbewerb zur Erlangung mustergilttger Baupläne für Arbeiterhäuser. Der unter dem Pro­tektorate des Großherzogs stehende hessische Zentralverein für Errichtung billiger Wohnungen in Darmstadt schreibt einen Wettbewerb unter den deutschen Architekten aus zur Erlangung mustergiltiger Baupläne für Arbeiterwohnhäuser.

.sfische Regierung hat dem Verein zu den Kosten einen Staat szuschuß von 3000 Mk. bewilligt. ES sind drei Preise von 1000, 600 und 400 Mk ausgesetzt. Als Preisrichter werden fungieren: Geheimrat Ministerialrat Braun-Darm­stadt, RegterungSrat Dr. Dietz-Darmstadt, LandeswohnungS­

inspektor Gretzschel-Darmstadt, Frhr. Heyl zu HerrnSheim- WormS, Geh. Oberbaurat Prof. Hofmann-Darmstadt, Prof. Metzendorf-BenSheim, Geh. KabinetSrat Römheld-Darmstadt, Güterverwalter Treffert-BenSheim und Architekt Carlo Zimmer- Darmstadt.

Der Landesverband Deutscher Militär­anwärter für das Großherzogtuut Hessen hat eine Vor­stellung, betreffend Regelung ihrer BesoldungSverhältniffe, der Zweiten Kamnter eingereicht. Dieser Verband umfaßt die Zweigvereine Darmstadt, Gießen, Mainz, Offenbach und WormS. Er bittet um die Belassung der Militär-Jnvaliden- Pension neben dem Zivileinkommen in allen Lebenslagen, um die Vermehrung derben Militäranwärtern vorbehalteneit Stellen und auch wirkliche Besetzung derselben in der vorgeschriebenen Reihenfolge; Vorbehalt auch der besseren Subalternbearnten- stellen für die Militäranwärter, und zwar mindestens zur Hälfte, und Herausgabe einer Prüfungsordnung, auS der die Anforderungen für die zu besetzenden Stellen zu ersehen sind; Anstellung sämtlicher Militäranwärter mit sofortiger Pensions­berechtigung unter Anrechnung der gesamten Militärdienstzeit; Einberufilng der Militäranwärter in etatsmäßige Stellen, Regelung der Besoldungsverhältnisse, etatmäßige Anstellung nach erfolgreich zurückg"legter Probedienstleistung.

Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Am heutigen zweiten Ziehungstage der 1. Klaffe siel die Prämie von 75 000 Mk. auf Nr. 85844 (nach Dessau), ein Gewinn von 25 000 Mk. auf Nr. 31123 (nach Darmstadt), ein Ge­winn von 5000 Mk. auf Nr. 45255, Gewinne von je 1000 Mk. auf Nr. 49996 90725 91894 (Ohne Gewähr.)

* Vortrag. Wie im Inseratenteil angezeigt ist, findet morgen abend im Cafö Leib ein hochinteressanter Vortrag: DaS Leben Jesu und die Geschichtsforschung" von Prof. Dr. Krüger hier statt, worauf auch noch an dieser Stelle aufmerksam gemacht sei.

* * Das diesmalige Schwurgericht, dessen Anfang für den verflossenen Montag vorgesehen war, ist mangels genügender spruchreifer Fälle ausgefallen.

"Für die Weihuachtseinkäufe. Der Deutsch­nationale HandlungSgehilfen-Verband bittet uns, unsere Leser und vor allem unsere geehrten Leserinnen darauf hinzuweisen, daß es eine außerordentliche Erleichterung für die GeschästS- inhaber und ihre Angestellten bedeutet, loeiin die Einkäufe nach Möglichkeit nicht in den späten Abendstunden und in den letzten Tagen vor Weihnachten besorgt werden. Wenn man bedenkt, wie sich die Angestelleen der meisten Laden­geschäfte die letzten 14 Tage vor dem Feste bis in die sinkende Nacht hinein plagen müssen, wie durch die unvermeidliche geistige und körperliche Abspannung nach solcher lieber* arbeitung daß Weihnachtsfest für sie nur bedingungsweise daS schönste Fest genannt werden darf, wird man die herz­liche Bitte deS Deutschnationalen Verbandes verständlich finden. Also nicht am späten Abend und nicht im letzten Augenblick einkaufen!

** T le Zahl der Ehescheidungen im Groß- herzegtum nimmt von Jahr zu Jahr immer mehr zu. Im abgelanfenen Kalenderjahr wurden 145 Ehen geschieden, davon 65 in Starkenburg, 59 in Rh ein Hessen und 21 in Oberhessen.

Lich, 6. Dez. Postsekretär Schiermann erhielt das Ritterkreuz zweiter Klasse deS Ordens Philipps deS Großmütigen nebst einem Anerkennungsschreiben für die tadellose Funktionierung deS Betriebs bei der Verlobung Sr. Kgl. Hoheit deS Großherzogs. S. K. Hoheit fügte der Aus­zeichnung noch ein Geschenk von 100 Mk. für die Unter­beamten bei.

§ Laub ach, 4. Dez. Heute abend 8 Vs Uhr führte im Saale des Gasthauses zurTraube" der Gesangverein Harmonie" das LustspielIm weißen Rössel" auf. Man beabsichtigt, das Stück im Sommer nächsten Jahres für die Allgemeinheit, und zwar im neu errichteten Saale des HotelsSolmser Hof" nochmals zur Ausführung zu bringen.

Mainz, 6. Dez. Der heute nachmittag 4 Uhr 43 Min. von hier abgegangene Schnellzug WieSbadenMainz WormsLudwigshafen blieb infolge schadhafter Maschine im Tunnel stecken. Eine Reservemaschine mußte den Schnellzug wieder zum Hauptbahnhof zurückziehen, wo­raus dieser dann mit einer neuen Maschine bespannt, die Weiterfahrt antreten konnte. Der Zug erlitt durch den Unfall 8/< Stunde Verspätung.

vermischtes.

* Ueber die Bierproduktion in Hessen. Iw Jahre 1903 wurden im Großherzogtum Hessen 1629 219 Hektoliter Bier gebraut gegen 1567 134 im vorigen Jahre. Tie Produktion hat sich mithin um 62 085 Hektoliter gegen das vorige Jahr vermehrt, trotzdem die Zahl ber Brauereien sich von 125 auf 123 vermindert hat. Tas meiste Bier wurde im Bezirk Mainz gebraut, nämlich 666658 Hekt., dann kommt Darmstadt mit 324 821 Hekt., Worms mit 248 583 Hekt., Gießen mit 234 466 Hekt., Offenbach mit 133 972 Hekt. und schließlich Bingen mit nur 20 790 Hektoliter. Die Einnahme an Brausteuer belief' sich in demselben Zeitraum aus 1 396 869,20 Mk.

* Eine gefährliche Dame. Ein Londoner Blatt meldet aus Konstantinopel, daß die Aerztin des kaiserlichen Harems Frau Dr. Olga Sibold ver­haftet wurde. Frau Dr. Sibold, eine russische Untertanin, wird beschuldigt, Verkehr zwischen den Damen des Harems und Herren der Außenwelt vermittelt zu haben. Außerdem soll sie die selbst geschriebene Lebens­geschichte des verstorbenen Sultans Murad besitzen. Dieses Manuskript soll höchst kompromittierende Enthüllungen deS türkischen Hoslebens enthalten, sodaß es den türkischen Macht­habern notwendig erscheint, Frau Dr. Sibold unschädlich zu machen.

* Paris, 6. Dez. Der nationalistische Journalist Andre Gauch er traf gestern auf den Boulevards den Präfekten des Departements Vienne, Joliet, der in die Denunziationsgeschichten verwickelt ist. Er fragte ihn: Sind Sie der Präfekt Joliet?" Hub als ber andere be­jahte, ohrfeigte er ihn. Der Präfekt hieb auf Gaucher mit seinem Regenschirm ein, erhielt aber einen starken Faustschlag ins Gesicht- Gaucher iourbe, verhaftet, aber wieber sreigelassen.

* Kleine Tageschronik. Ein Personenzug auf der Strecke Budapest-Fiume stieß mit einem Ärbcitszuge auf der Station Kelenfoeld zusammen, wobei ersterer entgleiste.

Acht Personen wurden verletzt.. Eure Aktiengesellschaft bcaS' sichtigt die Errichtung großer Spielsäle in Luxemburg, iric sie in Monte-Carlo bestehen. In Berlin wurde der aus Rußland stammende Student der Landwirtschaft Sergius To - roweroff in seinem Zimmer tot aufgefunden. Ein Arzt konnte nur den Tod, nicht aber die Todesursache feststellen. An dem neunjährigen Töchterchen des Sckmldieners Wilhelm vam S ch l e t t st a d t e r Gymnaliurn wurde ein L u st m o r d verübt. Ter Täter ist nicht bekannt. Wie dieZeit" meldet, sind die in der Landespflege-und Irren an st alt Mauer-Oehling in Oesterreich interniert gewesenen Graf Leopold Wolkenst''in und Pasgualo Freiherr von Paisieio entflohen. Von ihnen fehlt jede Spur. Eine öffentliche Dirne in Barcelona zeigte melwere Anarchisten als Urheber des V o m b e n a t t e n t a t e s in der Fernandostraße an. Daraus verhaftete die Polizei die Gebrüder Benaiges. In Berlin trnirbe die Leiche des L a n d g e r i ch t s r a t S Paul Hoffmann aus dem Land-« Wehrkanal unterhalb der Lützowbrücle gelandet. Bei der Na­tionalkommission der W elt a us ste l l u n g in St. Louis wur­den mehrere Proteste gegen Korruptionen bei den P r eis- Verleihungen hinterlegt. E-'ne Untersuchung ist eingeleitet. In Singen (bad. Oberl.) wurden die Arbeiter'Gnädig, Keller und Bensinger von einem in den Bahnhof einfahrenden Zuge erfaßt und getötet. In Sasbach (am Kaiserstnhll stürzte sich ein unbekanntes Liebespaar in den Rhein und fand bett gesuchten Tod.

Sprech saal.

(Für den Inhalt der unter dicier Rubrik stehenden Arttkel übernimmt die Redaktion dem Rublikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Theater und Saalbau.

Zur -lbwehr und Richtigstellung.

In dem in Nr. 286 die'er Zeitung enthaltenen Eingesandt des Herrn Krüger befinden sich mehrere so eklatante Unrichtig­keiten, daß ich, sehr gegen meinen Willen, nochmals das Wort nehmen muß. . ,

1) Wenn der Herr Einsender sagt, die Partei, welche das Theater für notwendiger hält, als den Saalbau, sei klein, so befindet er sich in einem großen Irrtum. Aus den Umfragen, die behufs Bereitstellung non Mitteln _ bis jetzt gehalten sind, ergibt sich vielmehr das strikte Gegenteil: 11 ob er aH findet man viel Svmvathie für den Theaterbau, während sich für den Saal­bau kaum jemand erwärmt hat. Ich gebe zu, daß in einzelnen Kreisen auch für den Saalbau Svmpathien vorhanden sind, aber darauf allein kommt es ja nicht an, sondern viel mehr darauf, ob diese Svmpathien auch ben realen Boden der Schenkungen be­treten. Tavon verlautet ftdoch nichts Zuverlässiges.

2) Dagegen liegen bekannte Erklärungen von mehreren Seiten vor, wohl für ein Theater, ttiemals aber für einen Saalbau ine Schenkung zu machen. Ich bin bereit, auf Befragen die Namen dieser Herren zu nennen.

3) Diejenigen Komiteemitglieder, die sich der großen Muhe unterziehen, Spenden zn sammeln führen vorgedrucktc Erklär­ungen bei sich, in denen es heißt:. . . . daß der geschenkte Betrag verwandt werden soll zur Erbauung und inneren Aus­stattung eines Theater- und Saalbaues, oder auch, falls sich die Stadt Gießen zur Errichtung beider Bauten nicht entschließen sollte, zur Erbauung eines. . . ."

Tie Zeichnungen erfolgen also in erster Linie fi"ir Theater und Saalbau, und es steht in des Spenders Belieben, ob er ev. seinen Beitrag nur für ein Theater oder nur für kiuen <^aal- bau bestimmen will: er kann nach Gefallen das Wort Theater oder das Wort Saalbau den vorgedruckten Worten binjufügen. Tie für die Annahme von Zeichnungen vom Komitee bevollmäch­tigten Herren gehen also, übereinstimmend mit dem Komttee- beschluß, durchaus lopal vor, indem sie in erster Lime für das ganze Projekt eintreten, selbstverständlich aber auch mc- maud hindern, nur einem Teilprojckt seine Spende zuzuwenden. Rach jesuitischen G-rundsätzen, nric der Herr Einsender an- nimmt, wird aber nicht verfahren; dieser Vorwurf fällt viel­mehr auf die Gegenseite zurück. ,

4) Wenn der Herr Einsender als selbst musikalisch Gebildeter sagt,es ist natürlich an sich nicht unmöglich, die größeren Kon­zerte im künftigen Theater statrsinden zu lassen", so ist dwses Geständnis von allen denen freudig begrüßt worden, btc von Anfang an diese Meinung vertreten haben. Ob diese Konzerte in einem großen Saale besser als im Theater untergebracht wären, kann rulng dahingestellt bleiben, denn angegebene Tatsache ist ja. daß selbst sehr viel größere Städte, als Gießen ihre Konzerte mit Vorliebe im Theater halten, selbst wenn ihnen ein größerer Saal zur Verfügung steht. .

5) Notwendig wäre aber nach des Herrn Einsenders Ansicht ein großer Saal für viele öffentliche und private Zwecke, für Kommerse z. B. und Volksversammlungen usw. Tas gebe ich vollkommen zu, aber ich sage mir weiter: Wenn Gießen durch die Opserwilligkeit seiner Bürger jetzt ein Theater mit 800 Sitz­plätzen erhält, so kann es vorläufig ganj, zufrieden, sein, auch wenn damit nicht alle Wünsche Ersüllung finden. Einige Jahre später mag man sich dann dem Proje-lt eines Saalbaues wieder zuwenden falls Nicht daun die Frage längst durch einen r t =

oatunternebmer gelüst ist, der natürlich so lange Frage nicht näher treten kann, als das Projekt des h o 1 s ch c ii Saalbaues in der Luft schwebt. In Göttingen z. B. sand nach Erbauung des Stadttheaters die Saalfrage ihre prompte Lösung durch eine große Brauerei.

6) Ta in dem Eingejandt auch die Erörterung^.der Renta> bilitätsftage eines Saal- und Theaterbaues in Aussicht gestellt wird, so möchte ich nicht verschweigen, daß mir die^Rentabuitat eines Theaters, wie namentlich 'die eines Saalbaueo nur dann gesichert erscheint, wenn der größte Teil der Baugelder der Stadt geschenkt iuirb. Tie Erfüllung dieser Bedingung ist mir beim Saalbcni sehr unwahrscheinlich, beim ^Heater sehr wahrlcheinlich wie die bisherigen spenden erkennen lassen.

Zum Schluß folgende Bemerkungen zum Tülferschen V a u pl an.

Eine ganz verschwindende Minderheit nur wird wünschen, daß das ganze Projekt in der von Herrn Tülfer skizzierten Art zur Ausführung gelangt, denn die Skizze hat kaum lemandem gefallen, und ich glaube, Herr Tüfter selbst wird den Wunsch hegen, daß er sie so in der ihm vom Komitee mehr oder weniger ailfgedrungenenWeise nicht auszuführen braucht. Wel­chen'Zweck hatte es auch, zwei ficfi gegenwärtig drückende und beeinträchtigende Gebäude von etwa gleicher Massigkeit anein­ander zu kleben, da doch beiden in derjenigen Form, die das ganze Projekt schließlich angenommen hat, nichts weiter gemein­sam ist, als die Vorhalle? Ta nimmt man doch lieber eine reinliche Scheidung vor die auch aus Gründen der Feuer- sicherheit erwünscht ist setzt dann aber das Theater, den monu­mentalen Teil des Ganzen, mit der Fassade an die Südanlage, den Saalbau aber an die Johannisstraße. Tann ist es aber auch unnötig, sofort beides zu bauen. Man baue zuerst das Not­wendigste, das Theater, und in einigen Jahren das weniger Dringende, den Saalbau. Fromme.

Knivkrstläls-Arachrichlen.

T.a s preußische Kultusministerium erfährt eine satirische Beleuchtung in einer kleinen Geschichte vom inter­nationalen Gelehrtenkongreß in St. Louis. Auf diesem Kongreß bemerkte ein deutscher Gelehrter auf die beharrliche AnredeHerr Professor" endlich, daß er nicht Professor sei.Was denn?" fragte erstaunt der Amerikaner.Ich bm Privatdozent".Aber, das waren Sie ja schon vor 15 Jalwen, als wir bei Ihnen hörten! Wie soll man sich so etwas erklären?"Das", erwiderte der deutsche Gelelwte mit gutem Humor,erklärt sich sehr einfach In meinem Vaterlande sind glücklicherweise Leute wie ich keine Seltenheit, und es gehen von ihnen dreizehn aufs Dutzend." Mir scheint", sagte der Amerikaner,in Ihrem Vaterlandc macht man aus den Leuten, von denen dreizehn aufs Dutzend gehen, ll n t e rr i ch t s m i n i st e r". Ein Augenblick peinlicher Stille an der Tafelrunde, dann stößt ein ungenierter Amerikaner seinen Nachbar an und fragt:Herr