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7.12.1904 Erstes Blatt
 
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MittwochDezember INO^l

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Anzeiger Gieße».

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154. Jahrgang

Sange, vfbtiton

Univers. Buch-u. Stein­drucke ret. BL

Nr. 288

titelet tLgttch aufeer SormtagL.

®fm Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Kamllien- Hättet viermal in der Woche beigelegt.

Rotationsdruck il Ver­lag der Brüh l'ichen

GietzenerAmeiger

General-Anzeiger y

Amts- und Anzeigeblütt für den Kreis Gießen

Be-ngApret-r monatlich 76 P1^ otertet* jäbrlich Mk. 3.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch di» Poft Mk. S.werte!- jährt, ausscht. Bestellg. Annahme von Anzeige« für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZeilenvreiS: lokal 12Pf^ suLwärtS 80 Pfg. verantwortlich tütz den potu. und allgenr. teil- P. Wittko: für ,Stadt und ßmür und EGerichtöjaalE; August Goetz, iür den An­zeigenteil: Sans Beck.

Die Heutige Mmrner umfaßt 14 Seiten.

UM?sche Tagesschau.

Eine Reich8vermögensstener?

Nach derKöln. Volksztg." wird in Bnndesratskreisen ün eine Erhöhung der Bier- und Tabak st euer nicht mehr gedacht, und statt dessen eine die großen Vermögen heranziehende Reichs-Vermögenssteuer in Vorschlag gebracht.

Hierzu ist zu bemerken: Von einer Erhöhung der Tabaksteuer war überhaupt keine Rede. Dagegen koinmt die Brausteuervorlage mit aller Sicherheit. Der Plan ist keineswegs fallen gelassen. Was die Reichs­vermögenssteuer betrifft, so hat nach unseren Informationen jede direkte Reichssteuer, von welcher Seite auch der Vor­schlag ausgehen würde, nicht die mindeste Aussicht. Die Bundesregierungen nehmen den grundsätzlichen Standpunkt ein, daß die direkte Besteuerung den Bun des - staaten verbleiben muß, und daß diesem Prinzip gegen­über keine Ausnahme gemacht werden kann. Ob gleichwohl solche direkten Reichssteuern empfehlenswert sind, das steht auf einem andern Blatt.

*

Die Handelsverträge.

R. Berlin, 6. Dezember.

Die Veröffentlichung der Handelsverträge gilt als nabe bevorstehend. Am Samstag dürften im Reichstag zunächst nur die einleitenden Reden des Grafen Bülow und Posa- dowsky zu den Verträgen gehalten werden, am Montag die Debatten beginnen. Uebrigens verlautete heute in parlamen­tarischen Kreisen, die Wiederaufnahme der Verhand­lungen mit Oe st erreich-Ungarn und zwar in Berlin, sei nahezu mit Sicherheit zu erwarten.

Der Kriea.

Die Belagerung Port Arthurs.

London, 6. Dez. (Reuter.) Tie Russen in Port Arthur machten nächtliche Angriffe auf den 203 Meterhügel, wurden aber mitschwerenVerlusten zu r ück g e s ch l a g en. Die Russen dürften bisher bei dem «Versuch, den Hügel 'wieder zu erobern, 3000 Mann geopfert haben.

Tokio, 6. Dez. (Reuter.) Einem amtlichen Berichte des Hauptquartiers der Belagerungsarmee vor Port Arthur zufolge scheinen die Japaner die Eroberrunlg des 20 3 Meter Hügels ausnutzen zu wollen, indem sie dort Schiffsgeschütze auf st el len, deren Feuer es den russischen Schiffen unmöglich machen wird, sich länger unter dem Schutze des Forts Paiyuschan zu halten. Unter dem 3. Dez. wird aus dem Hauptquartier gemeldet: Unsere Schiffsgeschütze beschießen die feindlichen Schiffe. DiePobieda" wurde sechsmal getroffen, ein Schiff von der Klasse desRetwisan" wurde achtmal getroffen und 16 weitere Schüsse trafen andere Schiffe. Weiter wird gemeldet, daß am 5. Dez. die Be­schießung fortgesetzt wurde, wobei diePobjeda" siebenmal, Poltawa" undRetwisan" elfmal getroffen wurden. Nach­mittags sielen japanische Geschosse in ein feindliches Ma­gazin, wodurch eine heftige Explosion hervorgerufen wurde. Es entstand ein Brand, welcher mehrere Stunden währte. An demselben Tage schossen wir aus großen Ka­nonen aus die feindlichen Schiffe oer Poltawa-Klasse, welche zweimal eine Stunde lang heftig brannten. Die Beweg­ungen gegen das Fort Sungschuschan und das östlich davon gelegene Fort wurden während der Nacht sowie am folgen­den Tage fortgesetzt. Am 4. Dez. wurden bei Erlungschan zwei 36 Millimeter-GescbÜtze weggenommen.

Gießener StMMaler

Die Stützen der Gesellschaft.

Schauspiel in 4 Aufzügen von Henrick Ibsen.

Gießen, 7. Dez.

Kaum ein anderes Werk, nicht nur der modernen drama- tischen Literatur, sondern auch des ganzen- modernen Lite­ratentums überhaupt, enthält eine so erbarmungslose, ver­nichtende Kritik der Moral unserer heutigen Gesellschaft als dieses Stück des nordischen Meisters. Der politische Radikalismus, die seit Jahrzehnten mit unmäßigen An­strengungen gegen moderne Zustände der staatlichen Ord­nung sich mühende Sozialdemokratie, hat nie so schwer­wiegende überzeugende Belastungen unserer Gesell­schaftsmoral aufzudecken vermocht, als dieses Schau­spiel Ibsens. Die unheimliche Ruhe der Forschung leuchtet hier so hell aus die von der Gesellschaft gewiesenen Wege der Wahrheit und des Rechts, daß uns nicht mehr der Autori­tütenglaube einer göttlichen Ordnung zu begleiten scheint, sondern die gewaltige Konsequenz im Fühlen und Denken einer ganzen Epoche, die Ibsen nicht in Worte, sondern in Kunst zu kleiden vermochte, eine Kunst, die freilich die ganze dustere Stimmung der Tendenz an sich trägt, wie die Werke all der anderen Moralisten, etwa Tolstois, und nicht das befreiende und erlösende Jubilieren der reinen Höhen­kunst, deren Aesthetik im warmen Gefühl und Empfinden ihre Werte sucht. .

Tie Lösung der Konflikte, in die wir durch den scharfen Aerzteblick des Dichters versetzt worden sind, vollzieht sich nuf' die Henrik Ibsen eigene Art, wie mit Gewalt. Wie Nora die unerfahrene Gattin und Mutter, plötzlich als aereifte Frau ihr Puppenheim verlassen muß, so wirft der Konsul Bernick unvermittelt, mit einem Schlage, semen

Tokio, 6. Dez. Die vor Port Arthur angestellten Beobachtungen lassen erkennen, daß die Garnison an Mannschaftsmangel leidet. Die Belagerungsar­beiten um das Fort Snngschunschan und um die östlichen Forts machen rapide Fortschritte. Man glaubt, daß ein allgemeiner Sturm, dessen Datum geheim gehalten wird, bevorstehe, und daß dieser Sturm erfolgreich sein werde. [

Aus der Mandschurei.

Petersburg, 6. Dez. DenBirschewhja Wjedomosft" wird aus Tschansiatun vom 4. Dez. gemeldet: Tie Chinesen berichten., General Oku sei plötzlich ernstlickerkrankt, aber das Gerücht, er sei gestorben. hat sich nicht bestätigt: der Zu­stand soll aber gefährlich sein. Gestern wurde ein Chinese fcst- genommen, der 500 Fuß Zündschnur trug, wie sie zur Ent­zündung von Minen verwandt wird. Dasselbe Blatt meldet aus Mukdcn vom 6. Dez.: Als Chinesen verkleidete Chunchusen- banden unter dem Befehl von Tulissan haben unsere Vorposten­linie gekreuzt, und sich 150 Kilometer von Tieling vereinigt, wo sie einen günstigen Augenblick abwarten, um die Eisenbahn zu zerstören und die Brücken zu sprengen. Es sind Maßregeln zum Schutze getroffen worden.

London, 7. Dez. Reuterbureau meldet aus General Oku's Hauptquartier: Tie Häuser der in der eigentlichen Gefechtslinie liegenden Dörfer werden ausgebessert und neue Häuser errichtet, sowie viele Brunnen gebohrt. Alles deutet darauf hin, daß die Japaner in der gegenwärtigen Stellung zu über­wintern beabsichtigen. Tie Kälte hat keinen Einfluß auf die Japaner, die nur wenig Kranke haben. ,

Petersburg, 6. Dez. In einem Telegramm des Gene­rals Sfachnrow an den Generalstab heißt es, daß g r o ß e K ä l t e herrsche, daß die Truppen aber bei der warmen Kleidung und den geheizten Erdhütten nicht darunter leiden. Bisher sei niemand erfroren, und der Geiit der Truppen sei ausgezeichnet.

Russische Schiffsank'aufe.

Die russische Regierung kaufte für 60 Millionen Rubel Kriegsschiffe in Argentinien und Chile.

London, 6. Dez. Es verlautet, daß der Honorable James Borke Roche und Sinnett Vorladungen vor das Bow-Street-Gericht erhielten, um wegen des Verkaufs der ,,Karoline" an Rußland unter Klage gestellt zu werden. Das Gerücht, daß Haftbefehle wider sie erlassen wurden, wird für unrichtig erklärt. Auch Darrow, Inhaber der gleichnamigen Reederfirma, wurde vorgeladen. Die Ladungsfristen laufen am nächten Montag ab.

Japanische Miliz.

London, 7. Dez.Daily Telegraph meldet aus Shanghai von gestern: In Tokio wurde am gleichen Tage eine kaiserliche Verfügung erlassen, die die rrganisation einer Miliz und Frei­willigentruppe anordnet. Frühere Offiziere und Mannschaften werden zum Eintritte aufgefordert.

Englische Kohleneinfuhr.

London, 6. Dez. Vor einigen Tagen erhielt der Mi­nister des Aeußeren einen Brief, in dem seine Aufmerksamkeit auf die Ausfuhr von Tausenden Tonnen Kohlen filr die russi­schen und japanischen Koblenftationen gelenkt wird, besonders zu der Zeit, als England infolge des Zwischenfalles in der Nordsee am Vorabende eines Krieges mit Rußland stand. In dem Brief wird weiter darauf hingewiesen, daß es nicht richtig sei, diese Ausfuhr weiter .zu gestatten. Ter Minister antwortete hierauf, daß er unverzüglich diese wichtigen Fragen untersuchen lassen werde.

Friedensbemühungen.

Paris, 6. Dez. Tie permanente Delegation der französi­schen Friedens-Gesellschaft unter dem Vorsitz des Friedens-Apostels Passi beschloß, eine Petition ins Werk zu setzen, durch welch«? sowohl die russische wie japanische Negierung angesichts des mörderischen Kampfes im Osten ersucht werden sollen, einen Waffenstillstand abzuschliefien, dem die Unterzeichnung des Frie­densvertrages mit ehrenhaften Bedingungen für beide Teile folgen solle. Das internationale Bureau in Bern wird ersucht, diese Petition sämtlichen Ländern vorzulegen und auf ihre Annahme hinzuwirken.

Teutsches Reich.

Berlin, 6. Dez. Ter Kaiser begab sich mit dem Fürsten Stolberg heute zur Suche auf Sauen in das Wolssholz. Nach einem Frühstück fand die zweite Suche auf Damwild und Sauen am Fenstermacherberg statt. Gegen

ganzen, vom Dichter mit Unmoral so hart beschwerten eigenen Menschen krachend zu Boden, womit Ibsen den Regeln reiner Menschlichkeit und dem Triumph wahrer Sittlichkeit in der Kunst Genüge geleistet zu haben glaubt.

. Tos tiefste und überzeugendste Wort zu der Moral derStützen der Gesellschaft" läßt Ibsen den einfachen Schisssbauer Auler aussprechen, wenn er dem Konsul erklärt, daß ihm die heutige Welt für die gepredigte große Sitt­lichkeit noch nicht reif genug erschiene. Wie die Kultur die Maschinen einführt, bevor für die Arbeiter gesorgt ist, die dadurch ihr Brot verlieren, stützt man sich auf die Moralgesetze, während es zugelassen wird, daß angeblich zum Wohl des Ganzen das Glück Einzelner zerstört wird. Hier wird auch der Notschrei der Dina Dorff wieder ver­nehmlich, die sich nach dem Lande sehnt, wo die Menschen weniger sittlich und honett als in der Heimat seien. Nicht die Verleugnung der Menschen untereinander, sondern der Geist der Wahrheit und der Geist der Freiheit das sind die Stützen der Gesellschaft.

Tie gestrige Ausführung war im allgemeinen erfolg­reich, wenn auch, wie das bei der großen Personenzahl, die das Stück enthält, erklärlich erscheint, in Einzelheiten Fehler gemacht wurden. Herr Linzen schuf einen sehr sorgfältig studierten Konsul Bernick, und wenn er auch in den Augenblicken der erschütternden Nachricht von der Gefahr und Rettung seines Opfers und seines unschuldigen Sohnes Olaf den schauspielerisch-ästhetischen Anforderungen auf Kosten allzu großer Natürlichkeit etwas mehr hätte Rechnung tragen dürfen, so war doch sein Spiel vom rich­tigen Verständnis der Jbsenschen Gedanken durchdrungen. Von den meisten übrigen Mitwirkenden können wir er­freulicherweise dasselbe sagen. Frau Fischer, die in ihrer Kleidung für die Frau eines so reichen Mannes viel zu

3 Uhr kehrten der Kaiser und der Fürst zum Schlosse zurück

Die Kaiserin war bei der Pflege der an In­fluenza erkrankten Prinzessin Viktoria Luise selbst der Influenza erkrankt und mußte zeitweise das Bett hüten«. Sie befindet sich aber ebenso wie die Prinzessin auf demj Wege der Besserung.

Die beiden Staatsver träge zwischen denk Reiche und Rußland, betreffend die Herstellung einer Eisenbahnverbindung zwischen der Warschau-Ka- lischer Bahn und der preußischen Staatsbahn bei Skal- mierzyce, sowie zwischen der H>erby-Czenstochauer Bahn und der preußischen Staatsbahn bei Herby sind heute von den« beiderseitigen Bevollmächtigten unterzeichnet worden«.

Ter preußische Städte tag nahm nach leb­hafter Debatte über das Recht der Städte in ihren Schulen die von den Referenten Stadtrat Rieve-Bres- lau und Bürgermeister Lichtenberg-Dortmund vorgeschla- aenen Leitsätze mit allen gegen eine Stimme an. Die Leitsätze betonen unter anderem, die städtischen Volksschulen seien zwar staatliche Veranstaltungen, aber städtische An­stalten. Die Rechte der Städte an ihren Schulen entsprächen nicht ihren Leistungen dafür. Der Erlaß des Unter* richtsministers vom 17. November 1903 über­sch reitedie Grenzen des staatlichen Aufsichts­rats und sei geeignet, die Opferwilligkeit der Städte für das Schulwesen zu schädigen. Für die Entscheidung gen der Schulaufsichtsbehörde solle eine Rechts- kontrolle angestrebt werden.

Nach der ^Magdeb. Ztg." fand vorgestern eine Ver­steigerung von Aktien der Aktiengesellschaft Natronalzeituna statt. >Es wurde erzielt für 43 Aktien ä 1000 Mark Nominalbetrag zusammen 55 Mark, für 60 Vorzugs aktien ä 1000 Mark zu­sammen 15 Mark. Wie verlautet, sind in Fraktionskreifen« Verhandlungen im Gange, um dieNationalztg." als nano- nalliberales Parteiorgan zu erhalten.

Die von Franz Mehring geleitete sozialdemokratische Leipz. Volksztg." spricht dem soeben entschlafenen! Neuen Mon tagsbla tt" des sozialdemokratischen; Reichstagsabg. Eduard Bernstein den Charakter als Partei^ blatt ab. DieLeipz. Volksztg." erklärt wegwerfend, daß Bernstein damit eine Spekulation für private Erwerbszwecke verfolgt habe. Es dürfe nicht wieder vorkommen, daß, wenn es einem einzelnen Parteigenossen beliebe, für private Erwerbszwecke ein Blatt herauszugeben, dies Blatt sich in der Weise desNeuen Montagsblattes" als Parteiblatt auffpiele. Dazu bemerkt die ,^r. dtsch. Pr.":

DieLeipz^ Volksztg." vergißt hinzuzufügen, daß dem Abg. Bernstein, nachdem ihm dieNeue Zeit", der Vorwärts" und andere sozialdemokratische Organe ihre Spalten für die regelmäßige Mitarbeit verschlossen hatten, >g'ar nichts übrig blieb, als selbst ein Blatt zu gründen, wenn er nicht noch im Mter von 54 Jahren einen neuen Beruf ergreifen wollte. Ein von einem So­zialdemokraten herausgegebenes Blatt, dem der Charakter als Parteiblatt abgespromen wird, ist aber von vornherein dem stillen Boykott der Parteigenossen preis gegeben."

Ter Aufsichtsrat des sozialdemokratischen! Konsumvereins ,Morwärts" in Dresden hatte; der Generalversammlung eine Vorlage über die Errichtung einer Pensionskasse für die An gestellten unter­breitet. Tie Mehrbelastung, die den Verein dadurch ge­troffen haben würde, war auf jährlich- 1700 Mk. veran­schlagt. Obwohl die Mitglieder des Vereins eine Rückver­gütung in der Höhe von 8 Proz. erhielten, wurde, nach derDtsch. Tagesztg.", der Antrag doch abgelehnt und das Ergebnis der Abstimmung mit Händeklatschen und Bravorufen ausgenommen.

Oldenburg, 6. Dez. Nach den hier erscheinenden Nachr. f. Stadt und Land" hat Minister Ruhstrat geäußert, er wolle als Minister gehen, da er keine Lust habe, sich zu Tode peinigen zu lassen. (Also

einfach erschien, faßte ihre Aufgabe mit Recht so diskret als möglich an, und Frl. del Nora hat in der unge­wohnten Rolle des Knaben Olaf, dem sie ein zu großes Plus kindlicher Bewegungen mitgab, wenigstens nichts ver­dorben. Frl. Dülf er brachte für die sympathische Erschein­ung der Schwester des Konsuls die natürliche Schlichtheit und Wärme mit, und ihr Bruder Johann Tonnesen sand in Herrn Sandorff einen verständnisvollen Darsteller. Auch Frl. Gartner wußte der natürlichen, die steifen; Formen der Gesellschaft verachtenden Atnerikanerin Frische und Lebenswahrheit mitzuteilen, während Herr Andreas im Tempo der Sprache etwas vorsichtiger und weniger Bonvivant sein mußte, als er das von Ibsen mit feiner Absicht eingesetzte Zerrbild des hohlen und langweiliges seinen einfacheren Mitmenschen jede Wahrheit und Auf­richtigkeit versagenden Müßiggängers darstellte. Herrj Lüttjohann hätte seinen Hilfsprediger Rohrland ge­setzter und kräftiger durchführen können, denn der Pre­diger repräsentiert als Vorsitzender deS Vereins für die Unterstützung moralisch Verkomniencr eine Weltanschauung die in ihrem Gegensatz zur Entwickelung der Handlung viel zur Wirksamkeit des Stückes beizutragen hat. Diel schwierigste weibliche Rolle, die der Dina Dorfs, hatte Frl. Treuer, die neu in das Ensemble unseres Stadttheater§> eingetreten ist, übernommen, leider nicht mit Erfolg. Sie schuf mehr äußerliche Auffälligkeit als innerliche Wärme eines Charakters und hätte u. E. Anlaß, mehr auf die Pflege ihres Sswachorgans Bedacht zu nehmen. Die übrigen; Darsteller und Darstellerinnen waren im allgemeinen in ihren Leistungen zufriedenstellend, sodaß das gutbcsuchtc; Haus der Gesamtaufsülnmng ihren Beifall und ihre Aw» erkennung spenden konnte. Al.