leit) Respekt fror dem französischen Offizierkorps hat nicht nur Herr Bebel, auch unsere Offiziere haben Vor den französischen ollen Respekt In Bezug aus die Flotte nehmen Wir einen anderen Standpunkt ein ivi? der Vorredner Deutschland mutz Weltpolitik treiben, und dazu bedarf cö einer starken Flotte. Wir wollen Wellpolitik in der ruhigen, frornclnnen und versöhnlichen Art treiben, wie sie der Reict'<'kanzlcr und gestern Iiargeführt hat. Unsere Finanzlage ist nicht so traurig. Warten lvir doch erst mal ab. waei unS der neue Zolltarif für Einnahmen bringt! (Lachen bei den Soz., Beifall rechts.)
Abg. Liebermann fr. Sonnenberg (Antis.): Tie Rede des Schabsekretärs mutz unS allen -u denken geben, wir danken ihm, datz er mit dem Sfrstem der Verschleierung gebrochen hat. Wir müssen aus der Anleihewirtschaft heraus. Wie die Finanzen saniert Werben sollen, ist in erster Linie Saä'e der Regierung. Eine Inserateusicuer halte ick für einen unglücklichen Ausweg, dadurch würde nur die gute Presse geschädigt. Empfehlenswerter wäre eine Aifichenstcuer. k'techt ernst sollte man an die Einführung einer Wehrsteuer gehen: die Iudcnschaft würde sich freuen, ipcmt man sich für Geld front Militärdienst befreien konnte. Tu' russischen Juden zeigen ihre .^ri.'götüchtigkcit sa dadurch, das; sie massenhaft über die Grenze fliehen (Lackens, die Juden fühlen sich doch als Nation, sic stammen aus der Pandorabüchse. (Heiterkcir bei den Antisemiten. Lachen links.) Den Versuch einer ReichLcinkommensteucr kann ich nur empfehlen, obwohl ich die Schwierigkeiten nicht verkenne. Redner geht sodann ausführlich auf die Organisation der Armee ein und ent wickelt iucblsondere die Bedeutung der Kavallerie, bte auch heute noch nicht bl es; für den AufkläruuaSdieu.st. sondern auch für die Verfolgung des Feindes und auch in der Schlacht selbst sehr grotz sei. Tic Kafrallerieattacken im Manöver sind nicht zu entbehren; sic müssen geübt werden, damit die Leute im Ernstfälle nicht in einander hineinreiten. Herr Bebel Null den Hauptleuten _ die Bferde »reichen. Ja, sollen sich die Hauptleute, wenn sic auf den Schießplatz müssen und mit ihrer Zeit auskommen wollen, da sic ihre an verschiedenen Orten beschäftigten Soldaten kontrollieren müssen, etwa immer eine Drösche nehmen? (Heiterkeit.) Herr Bebel wcitz doch rech: schlecht Bescheid in militärischen Dingen. Ich möchte wirklich ein Zeichner für Witzblätter oder ein ZirkuS- direktor sein. (Heiterkeit) um August auf dem Steckenpferd (stürmische Heiterkeit) einmal eine Kavallericattacke reiten zu lassen. (Anhaltende Heiterkeit.) Ein Freund der zweijährigen Dienstzeit bin ich nicht, ober man muß sie eben behalten, da sic sich nicht mehr zurückziehen läßt. Diejenigen, auf deren Trängen sie cin- geführt ist, haben dann aber aueb die heiligste Verpflichtung, mit allen Mitteln dafür zu sorgen, datz sie dem Heere nicht zum Schaden gereicht. Mit dem Miliisnstem dcS Herrn Bebel, mit seinen alle 14 Tage stattfindenden Schützenfesten, können wir nichts anmngen; mit einem derartig au-5-gebildeten Heere würden wir dem von Herrn Bebet so sehr gepriesenen fran-oiis.l'en Heere schwerlich enrgegentreten können. Unseren Truppen' in Afrika
zolle ich vollste Anerkennung. Kritik an den Fehlern, Die dort begangen sind, will ich jetzt nicht üben, eS ist eine gute Sitte im Vaterlande, das wenigstens so lange nicht zu tun, als deutsches Blut noch vergossen wird. Sehr bedauerlich ist cs, datz durch Blitzgriffe im Innern viel Unzufriedenheit erregt wird. Wozu verbietet man meinen Freunden in Hessen ein Volksfest? Dem Zentrum würde man daS nicht bieten. Durch solche Mißgriffe werden nur Sozialdemokraten gezüchtet. ES^ ist aber nicht die Aufgabe unserer Landräte und Minister, Sozialdemokraten zu machen. (Große Heiterkeit.) Bedauerlicherweise hat der Reichskanzler sich wieder gegen dic Diäten«ausgesprochen.
Er meinte, man dürfe cS dem Bundeörat nicht übel nehpien, wenn er einen Antrag dcS Reichstages auch einmal ablchnt. Der Reichstag hat ja auch oft genug Regierungsvorlagen abgelehnt. Da^. ist doch ein merkwürdiger Standpunkt, auf den sich der Reichskanzler da stellt. Ta könnten wir ja versucht sein, ihm einmal sein Gehalt zu streichen, nach dem Grundsätze: „Haust du meinen Rothschild, lau ich deinen Rothschild!" (Große Heiterkeit.) In der Lippe Angelegenheit billige ich daS Vorgehen deS ReichShanzlerS nach jeder Richtung. Ich möchte aber auch volle Anerkennung dem jungen Regenten zollen, der sich durchaus tadellos benommen Ixit. Ich teile daS Bedauern des Herrn v. Kardorff, datz der Reichskanzler sich gerade den ungeeignetsten englischen Journalisten ausgesucht hat. um ihn zu empfangen. Gewiß hat er c5 nicht gewußt, datz Herr Bashford einmal so dreist war. einem deutschen Postbeamten mit seinen Papieren auf die Finger zu klopfen. Würde er da3 in einem anderen Lande getan haben, so würde er dort für die Dauer unmöglich sein. Aber bei uns wird er vom ReichS- kanzler empfangen. Ter Reichskanzler hätte doch über diese Sache orientiert sein müssen. Nun wünscht Herr Scherl, der, wie öS scheint, mit seiner Liebe dem Reichskanzler ganz besonders nahe steht, in seinem Blatte, (Heiterleit) wir möchten doch mit England recht bald in ein möglichst herzliches Verhältnis kommen. Nun, das wird wohl nicht gelin. en. Tie englische Politik verbietet uns d^iö fortgesetzt. Wir können den Engländern den Burenkrieg nicht vergessen. Wic ist c5 denn jetzt in der ehemaligen Republik der Buren?
Ter Bur liegt tot im kalten Feld, Ter Englishman beherrscht die Weit, Ter Kuli strömt in Massen rein. Der Jude steckt den Vorteil ein.
(Stürmische Heiterkeit.)
Zu besonderer Liebe gegen England kann man unö nicht zwingen. Ist eS doch bezeichnend- daß' die Engländer in Südwestafrika deutsche Krieger entwaffnen und dadurch die Herero direkt als kriegfübrendc Macht anerkennen. Die sollen wir Liebe für die Engländer empfinden, die unsere HccreSetnricbtungen, die Waffen- f.iten unseres Heere? und Tinge, dic jedem Deutschen heilig sind, beschimpft haben? Den Angriffen dcS Abg. Bebel gegen Die Ilm« ocrsitälSbehörden mutz ich entgegentreten. Darum sollen unsere Universitätsbehörden nicht die Papiere der russischen Studenten
prüfen, angesichts der vielen nihilistischen Bestrebungen unter ihnen? Wenn die Maurer auf dem Bau einen neuen Kollegen bekommen, fragen sie ihn doch ebenfalls: Hast Du auch reine Wäsche? (Heiterkeit.)
TaZ Rasscubewutztsein müßte sich noch stärker bei unS entwickeln. Die weiße und gelbe Rasse stehen sich schroff gegenüber (Lachen bei den Soz.); vom Osten droht die gelbe Gefahr (Erneutes Lachen bei den Soz.); Rußland ist dort jetzt Vorkämpfer für die Erhaltung der europäischen Kultur. (Schallendes Gelächter links.) Sie kennen alle das Bild mit der Unterschrift: „Völker Europas, wahret Eure heiligsten Güter!" Dic Russen hatten jetzt gegenüber den Japanern die heiligsten Güter Europas zu schützen. (Gklrtdjtcr bei den Soz. Zuruf: Den Wuttkil) Der gelbe Feind würde, wenn er siegte, ganz gewiß nicht in Korea Halt machen Er würde unß Kiautsckou wegnehmen. Das haben japanische Offiziere in Uebermut und Trunkenheit, offen ausgesprochen. (Zuruf bei den Soz.: Tie schießen wenigstens nicht auf Fischerboote!)
Bedauerlich ist c6, daß lvir noch immer kein Gesetz zur Fern- haltung der Ausländer haben. Kein Wunder, daß unter solchen Ilmsländen große Unzufriedenheit herrscht, zumal Da auch unsere wirtschaftlichen Verhältnisse die Unzufriedenheit vermehren. Hoffentlich werden die Handelsverträge nicht wieder so ausfallen iric die Eaprivischen. Für den Mittelstand mutz endlich etwas geschehen. Wie grotz auch die Unzufriedenheit in weiten Kreisen ist. sie darf niemals zur Verzweiflung am Vaterlande führen. Ten Vorteil davon lucrhcn mir dic Sozialdemokraten haben. Nach Ansicht des Abg. Bebel freilich ist alles so verrottet, datz das Gccthcsckc Wort zutrifft: WaS besteht, ist wert, daß cs zu Grunde geht. (Ruf: Sehr richtig!) Herr Bebel stimmt mir bei, er vergißt nur, daß Goethe dies Wort dem Teufel in den Mund legt. Ihre Partei natürlich ist der Jungbrunnen. Nein, genau die, Fehler, die in der bürgerlichen Gesellschaft vorhanden sind, zeigen sich auch in der sozialdemokratischen, und das wird im Zukunftsstaat noch schlimmer sein. Alle unangenehmen Typen der bürgerlichen Gesellschaft finden sich auch bei Ihnen (zu den Soz.). Sehen Sie sich nur um: da sitzt der gewisseulosse Rone (Heiterkeit), da sitzt daS Modegigerl (erneute Heiterkeit), da haben Sie auch den Ausbeuter, den Protz (anhaltende Heiterkeit), da finden Sie den Trottel (schallende Heiterkeit). Ja. meine Herren, da schauen Sie sich nur um (große Heiterkeit) — außerhalb des HauseS (stürmische Heiterkeit). Und lvenn Sic dann zu der Erkenntnis der Wahrheit gekommen sind, daß überall gesündigt wird, nicht nur bei den bürgerlichen Parteien, sondern auch in der Sozialdemokratie, und wenn Sie,es dann noch wagen, sich so turmhoch über dic bürgerlichen Parteien zu erheben, daun trifft auf Sic das Wort des Heilands zu, daS er an die Pharisäer richtet: Ihr Otterngezücht. (Stürmische Heiterkeit).
Hierauf vertagt das Haus die lv eitere Beratung dcS Etats auf Mittwoch 1 Uhr.
Schluß Uhr.
cSnflige Sicöen.
W. Gießen, 7. Dezember 1904.
Die in der nordwestdeutjchen Tiefebene unweit Bremen gelegene Großh. Residenzstadt Oldenburg hat nur etwa die Größe von Gießen. Jndcß zeichnet sie sich vor unserer Srabt wesentlich aus durch einen großen Reichtum an schönen öffentlichen und privaten Gärten, ihre jchmueke niederdeutsche Landhausarchitektur und die gegen unsere Verhältnisse geradezu märchenhafte Wohlfeilheit fast alles deffen, was man zur Lebensführung nötig hat. Doch sie ist nicht nur für alle Nichtoldenburger, die durch ein Mißgeschick dorthin verschlagen werden und als »Ausländer" von den Eingeborenen voller höchsten Mißtrauens gemieden werden wie Pestilenz, Lepra und andere unangenehme Unpäßlichkeiten, sondern selbst für viele Ureinwohner von Stadt ober Land Oldenburg ein Nest von ödester Langeweile. Wohl keine deutsche Stadt von der Größe Oldenburgs hat eine so große Anzahl schöner und elegant ausgestatteter Restaurants und vornehmer Cafes wie diese Residenz eines deutschen Großherzogs, und alle diese Lokale gedeihen auf das allerbeste, denn der Wirtshausbesuch ist fix ziemlich das Einzige, was die Bewohner Oldenburgs ort „Genüssen" kennen. Ter Wirtshausbesuch und —das Spiel. In Oldenburg spielt eigentlich jeder, der „ein bischen was ist". Tas hat uns ja jetzt wieder der Ruhstrat-Prozcß gezeigt. Der Herr Justiz- und Kultusminister Ruhstrat spielte, die Oberregierungsräte und Regierungsräte spielen, die Offiziere spielen, die Juristen spielen — alle aber in streng nach Ständen und Rängen getrennten Lokalen, die viel zu geheiligt sind, als daß andere Sterbliche als Standes- genoffen sie zu betreten würdig wären. Und der frühere Oldenburger Oberlehrer Tr. Ries, der durch seine anonymen Anschuldigungen bekanntlich die Veranlassung zu dem ganzen Ruhslrat-Skandal gegeben hat, spielte auch. Neben den reinen Hasardiers, die „meine Tante, deine Tante", „Tempel", und „lustige Sieben" forcieren, gibt es solche, die „mir" pokern, also nach reichsgerichtlicher Entscheidung an der Grenze von gut und böse stehen und nicht strafbar sind, und schließlich noch solidere, die lediglich Skat spielen! Wie hoch diese Poker- nnb Skatspieler, zu benen auch Minister Ruhstrat gehörte, feitbem er aus Rücksicht auf sein Amt unb seine Würbe bem eigentlichen strafbaren Hasarbspiel entsagt hatte, pointiert haben, wirb allerbings nicht gesagt. Nach ben Aussagen ber Zeugen müssen aber auch bei biefen Spielen ganz hübsche Sümmchen umgesetzt worben (ein.
Einen klasisichen Ausspruch, der ein prächtiges Exemp- lum dazu bietet, wie man in Olbenburgor Boamtenkreisen über bas Hasarbieren heute wie ein ft denkt, tat Staatsanwalt Tr. 3immen. Er vertrat im jüngsten Prozeß gegen den stellvertretenden Redakteur des „Residenzboten" Schiveynert, der dem Minister Ruhstrat vorwarf, er habe im Prozeß gegen Biermann einen Meineid geleistet, die Anklage. Als der im Verlauf der Verhandlung unter der Beschuldigung des Meineids verhaftete Kellner Mayer ailssagte, and) StaatL-
ilt Dr. Fimmen Hove selbst im Oldenburger Zivil kasrno „Luüige Sieben" gespielt, da rief der Staatsanwalt auS: „ .'l ch Gott, das war in meiner Referendar zeit!" Also, io folgert man notwendigerweise allenthalben außerhalb des Landes Oldenburg, für einen Referendar (Accessist) hat cs nichts BedenklicheL an sich, durch Hasardspiel gegen die
. erst wenn man LtaatSanwal ita.'tsanwalt ober Minister wirb, muß man aus Rücksichten der Klugheit das „Jeuen" aufgeben, weil cö sich doch nicht schicke silost gegen da^ Strafgesetzbuch zu verstoßen, bas man ci z. h gegenüber als schreckliche Waffe hanbhabt. Es macht
der i .nun G rnpel nut Küimnelblättchen-Spielen 100 Ober 200 t einem Spieltlub anzugehören,
in dem ein Spieler, der zur Zahluug von 300 Mk. Spielschulden gedrängt wird, die Worte ausstoßt: „Ja lieber Freund, wenn das Dein letztes Wort ist, findest Du mich morgen im Himtefluß!"
Es war entschieden eine Eiterbeule, die der Oldenburger „Resideuzbote", ein Blatt, das Von einem wegen kläglich unbedeutender Dinge von bem dünkelhaften Verleger des offiziösen „Oldenb. Gen.-Anz." entlassenen und in seiner Existenz und Zukunft von diesem schwer geschädigten Redakteur, dem unglücklichen Biermann, in höchster materieller Not gegründet worden ist, aufgestochen hat, als er die Ruhstrat-Cnthüllungen in Szene setzte. Allerdings wurden von diesem Blatte und seinen Hintermännern schließlich auch Behauptungen aufgestellt uud Schlutzfolgerungen gezogen, für die sie, als es zum Treffen kam, die Beweise schuldig blieben, zumeist freilich nur aus bem Grunde, weil die Gcwährsmäiiner sich, sobald Gefahr drohte, mutlos zurückzogen. Oldenburgs Verklicktheit, um ein neues Wort zu bilden, schreit wahrlich zum Himmel. So ereilte auch Schweynert, den Nachfolger Biermanns in der Redaktion des Oldenburger „Residenzboten", dasselbe Schicksal wie seinen Vorgänger. Auch er mutz wegen Ruhstrat-Be- Icibigung ein Jahr Gefängnis ab sitzen. Biermann selbst knb oer Redakteur des in Baut erscheinenden sozialdemokra- tkichen „Nordd. Vvlksblattes" Metzer werden später gleich- salls wegen Beleidigung des Ministers Ruhstrat noch zur Veraiitwortuug gezogen werden. Tte Nuhstratgeschichte hat also noch nicht zum letzten Male die Oefseuclichkeit oe- schäjtigt, zumal eine Neoisionsverhaudtung in diesem Prozesse auch noch in Aussicht steht und der Kellner Meyer des Meineids bezichtigt worden ist.
Tabei bleibt Minister Ruhstrat, ber nach Aussage des Zeugen Latnrnus früher der tollste Spieler im Oldenburger Zivilkasino war, nach wie vor ruhig in seinem Amte als Justiz- und Kultusminister. Es scheint sich an ihm das Wort zu bewahrheiten, das; der Herr an einem gebesserten Sünder ein größeres Wohlgefallen hat, als an zehn Gerechten. Allerdings ist es auch fraglich, ob es — wie die Verhältnisse in Oldenburg nun einmal liegen — so einfach ist, für den Justiz- und Kultusniinister einen geeigneten Ersatzmann zu finden, der nicht selbst zur „lustigen Sieben"-Gesellschast gehört oder irgend einmal gehört hat. Tiese unangenehme Situation erklärt wohl auch die Nervo^ jität des Gerichtshofes gegenüber den Verteidigern des Angeklagten Schweynen, bic fch ließt ich die Verteidigung niederlegten, weil sie sich durch die Maßnahmen und Entscheidungen des Gerichtshoses in der Verteidigung behindert! fühlten. Von welcher Seite aus man also auch die Rnh- stratassäre betrachtet, zu einer Hebuna des Ansehens der Oldenburger Justiz trägt fie sicher nicht bei.
Glücklicherweise stehen aber die Oldciwurgcr Zustande ivohl ziemlich einzig in Deutsch land da, und es ist ein Unfug der demokratischen Presse, für die Oldenburger Vorgänge die gejaulten gesellschaftlichen Verhältnisie im.' Reiche verantwortlich zn machen. Ein anderes aber ist es, wenn man den lteinfladtischen £ Ibenburger Amüsements der dortigen oberen Gesetlfchaftsschichten schuld gibt, der leider allenthalben vielfach üblichen ovcrf(äa)lid)en und unvernünftigen Jugend»ührung. Alkohol unb holde Weiblichkeit in den Jugendjahren und daneben ein bischen notgedrungenes Ochsen fürs Examen führen nur zu leicht schließlich oazu, daß diesen Herren im späteren Lebensalter als die einzige geistige aueguug außerhalb ihres Berufes das Spiel bleibt, wen» fie bem Alkohul unb ben Weibern nicht mehr so hulbigcn tönnen, wie in der lustigen Jugendzeit.
H'urlamenlalischc.r.
Berlin, 6. Dez. Die Bndgetkonnnission be§ Abgeordnetenhauses hat die Vorlage betreffend die Beteiligung des Staates an der Bergwerksgefellschaft Hibernia mit 14 gegen 2 Stimmen angenommen.
Stuttgart, 6. Dez. In ber Kammer der Abgeordneten beantwortete der Minister des Auswärtigen Frhr. von Soden die demokratische Anfrage über eine bevorstehende ErscnbahnbetrieSm ittelgemein schüft. Der Minister
erklärte, die Uebcrtragung der Eisenbahnen an daS Reich sei heute nicht mehr möglich; dazu sei der Zeitpunkt verpaßt. Auf der letzten Ministerkonferenz in Heidelberg sei aber beschlossen worden, den weiteren Verhandlungen einen von Württemberg ausgehenden Entwurf einer Eisenbahnbetriebs- niittelgcmcinschaft zu Grunde zu legen, der eine Wagenge- meinschast mit Gemeinschaft der Werkstätten vorsieht. Uebec die Personcntarifreform sei dabei keine Festsetzung erfolgt; jede Verwaltung habe da noch freie Hand. Daß von den Verhandlungen eine deutsche Verwaltung ausgeschlossen worden sei, davon sei keine Rede; auf der nächsten Konferenz im Januar 1905 werden im Gegenteil sämtliche Verwaltungen vertreten sein. Der Minister sprach dann noch die Hoffnung auS, daß das Unwesen der VerkehrSumleitungen mit der Be- triebSmittclgemeinschaft aufhoren werde.
Wien, 6. Dez. Dem Abgeordnetenhaus ging heute ein Gesetzentwur-f zu, der den Schutz der Auswanderer zum Zwecke hat. Nowak und Genossen interpellieren die Gesamtregierung über den Stand der Handelsvertrags-Verhandlungen mit dem Deutschen Reich e. Sie verweisen auf die zahlreichen öffentlichen Interessen, welche mit dieser Angelegenheit verbunden sind, und fragen an, ob die Zeitungsnachrichten auf Wahrheit beruhen, nach welchen die Handelsvertrags-Verhandlungen zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland gescheitert sind, unb ob die Regierung geneigt ist, der Oeffentlichkeit bekannt zu geben, worin hauptsächlich die Differenzen gelegen haben.
Keer und Alotte.
— Die Ansprache, die König Friedrich August von Sachsen kürzlich nach der Vereidigung der Rekruten an diese hielt, und die wir bereits auszugsweise mitgeteilt haben, hat wegen der Anrede der Soldaten mit „Sie" großes Aufsehen gemacht, doch wollte man anfangs nicht daran glauben, daß diese Anrede tatsächlich erfolgt sei. Der Bericht deL amtlichen Organs bringt aber nunmehr die Bestätigung der erste» Meldung.
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Henchlssaal.
Köln, 6. Tez. Tas Schwurgericht verurteilte heute ben Bankier Horn wegen Unterschlagung von Depots unter Zubilligung mildernder Umstände zu d r e i I a hr e n Gc f ä n gn is, wobei sechs Monate Untersuchungshaft in AnreäMung kommen
Zweibrücken, 6. Dez. Die Strafkammer verurteilte den G c mein de schrei ber Führ in Duhn, welcher 5000 Mk. A r m e » k a s s c » g e l d er unterschlagen hatte, zu L Mona t e n G e s ä n g u i s.
Die Marktpreise für Bich und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotpreise am 5. Dezember 1904.
Höchste Schlachlviehpreise in Frankfurt a. M.
Fleischpreise in Gießen
Ochsen
Kälber Schwcme
50 Kg. Schlachtgewicht 72—74 Mk.
7g Kg. Schlachtgew. 81—83Ps.
7, i»______*_ _ 58—59 „
V, Kg. 70-80 Pfg.
V, , 70—74 „
V, „ 60-72 „____
Getreideprcise in M a n n h e i m
Brotpreise in Gießen
Weizen 100 Kg. 19,00 Mk.
Roggen 100 „ 14,70 „
Weißbrot 2 Kg. 52 Pfg.
Schwarzvrot 2 Kg. 48 Pfg.
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