Ausgabe 
7.11.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 262

Zweites Blatt.

MontagNovember 1904

Giehemr Anzeiger

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigebiatt für den Ureis Sietzen

Redaktion, Expedition u.Druckerei: Echulstr.?.

Tel. Nr. 6L Telegr^Adr. r Anzeiger Gießen^

Rotationsdruck und Verlag der BrÜhl'schen UntversitätZdruckerei. N. Lange, Gieße«.

154. Jahrgang

Erscheint «glich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener ZamMenblatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hessische Landwirt"' erscheint monatlich einmal.

würden. Mag der Antrag für einen Teil der oberhessischen Gemeinden nicht wegzulcugnende Vorteile bieten, für viele a ubcre stellt er eine schwere und ungerechte Mehrbelastung der Steuerzahler dar. Aus diesen materiellen Gründen ist offenbar der Antrag von keinem der drei freisinnigen Abgeordneten Oberbessens mit unterzeichnet worden, und auch für die ablehnende Haltung der Negierung und des Finanzausschusses waren in erster Linie Erwägungen finanzieller Natur maßgebend. Es sind aber auch der rein ideellen Gesichts­punkte mancherlei vorhanden, die eine Uebernahme aller Lehrer­besoldungen aus den Staat nicht als zweckmäßig und im Interesse der Volkserziehung erwünscht erscheinen lassen. Darüber in einem weiteren Artikel näheres!

MlMsche Wochenschau.

Der Gang der .Handelsvertrags-Verhand­lungen mit dem verbündeten und befreundeten Oester­reich- U n g a r n hat in der letzten Woche eine überraschende Wendung genommen. Nachdem noch vor kurzem Gras Bülow mit dem österreichischen Botschafter in Berlin, v. SzöghenYi-Marich eine Unterredung über diesen Gegen­stand gehabt hatte, wurde anfangs voriger Woche die poli­tische Welt durch die Meldung in Erstaunen gesetzt, daß der Staatssekretär des Innern, Graf v. Posadowsky, sich nach Wien begeben habe, um dort an den entscheidenden Beratungen über den neuen Handelsvertrag teilzunehmen. der deutschen offiziösen Presse war dann zu lesen, das; nunmehr die begründetste Hoffnung Vorlage, daß durch die Konferenzen des Staatssekretärs mit den Ministern Eis­und Transleithaniens vollste Einigkeit über den Abschluß des neuen Handelsvertrages erzielt werden würde. Man muß abwarten, ob sich diese so zuversichtlich'ausgesprochene Hoffnung bewahrheiten wird . Schon aus der Tatsache, daß der vielbeschäftigte Graf Posadowsky sich persönlich nach Wien begeben hat, läßt sich schließen, daß die Schwierig­keiten, die sich bisher einem cndgiltigen Abschluß entgegeu- gestellt haben, recht erheblich gewesen sein müssen.- zwischen hat in Wien bereits am Samstag die Beratung der Fachreferenten begonnen, und es heißt, cs sei nicht ausgeschlossen, daß sich diese Konferenzen über den ganzen November erstrecken werben. Das ist wahrlich kein besonders günstiges Zeichen. Die gemeinsamen deutsch-österreich- ungar'ischen Ministerkonserenzen werden am 8. November in Budapest fortgesetzt, wohin sich die Grafen Posadowsky, Goluchowski, Szögyenyi und die österreichischen Minister heute, Montag, begeben werden.

Die Handelsvertrags-Verhandlungen mit der Schweiz sind beendet, sodaß die Unterzeichnung des Vertrages in dieser Woche in Vern erfolgen wird. Der Vertrag wirb vorläufig geheim gehalten. Im übrigen wird offiziös erklärt, die neuen Handelsverträge dürften nach dem neuesten Stande der Verhandlungen bis zum Zu­sammentritt des Reichstages in solcher Zahl abge­schlossen sein, daß ihrer Vorlegung nichts mehr im Wege steht.

Aus den letzten, mittlerweile aus unserer Unglücks - kolonie im siidw>estlich cn Afrika eingetroffenen Nachrichten geht unzweideutig hervor, daß der Widerstand der Hereros erlahmt und ihre Offensivkraft gebrochen ist. Trotzdem wird es noch geraume Zeit dauern, ehe wieder geordnete Zustände in dem verwüsteter: Lande Platz haben werden. Die inzwischen bereits zum Teil betätigte Llbsicht, eine vollständige Entwaffnung des gesamten Volkes herbei- zufüyren, hat den neuen, unseligen Witboi-Aufstand verursacht, dessen Ausgang natürlich noch nicht im ge­ringsten abzusehen ist. Im Hererolandc aber gilt es nun, was überaus schwierig ist. die Reste dieses stark dezimierten Volkes', das durch- die Vernichtung ihres einzigen Wert­objektes, ihrer früher «zahlreichen Viehherden, an den Bettel­stab gebracht und durch Hunger und Entbehrungen aller Art auch körperlich heruntergekommen ist, zu ernähren und zu unterhalten. Die nächste zu ergreifende Maßregel ist, für einen n e u e n V i e h b e st a n d zu sorgen und für dessen Erhaltung und Vermehrung bedacht zu sein. Eine Auf­gabe, die nicht nur an die Fähigkeit und Tüchtigkeit der Verwaltung, sondern «auch an den Geldbeutel des deutschen Steuerzahlers bedeutende Anfor­derungen stellen dürfte. Bisher hat der Reichstag aus Anlaß des Ausstandes der Hereros zwei Nachtragsetats für bas Jahr 1904 bewilligt. Ein dritter für dasselbe Jahr wird ihm bei seinem Zusammentritt zugehen und 8 6 Mil-

Jch weis; es nicht ich glaubte, ich hoffte es. Aber Ferdi­nand Groller verließ kurz nach Ihnen Wcndessen und ist iridyt wieder zurückgelehrt."

Er wird zurückkehren glauben Sie mir. Nur noch eine; kurze Zeit und er kehrt zurück."

Ja wenn Sie das unselige Geheimnis der Mordtat auf­klären !"

Wenn ich es könnte, ich würde cs schon längst getan haben."

Sie kennen den Mörder nicht?"

Ach kennte ich ihn", rief Bertha leidenschaftlich aus, 7,ich würde ihn vor seine Richter schleppen mit diesen meinen Händen!"

Sie streckte die hageren Hände krallenartig aus, daß Käthe erschreckt zurückfuhr.

Und doch sagten Sie damals, als wir uns zuletzt sahen', das; Franz Groller um meinetwillen hatte sterben müssen Sie müssen also um seinen Mörder wissen."

Ich kenne ihn nicht, jonst wäre aNes gut", sagte Vertha traurig.

Wissen Sie, daß man Sie selbst für die Mörderin hält?"

Ich weis; es und kann nichts dagegen tun. "

Ich begreife Sie nicht! Weshalb verbergen Sic ftd) beim? Was treibt sie jetzt nach drei Jahren hierher zurück? Was wollen Sie hier an diesem Grabe?"

Da sah Bertha das Mädchen mit einem Blick von solch unsagbarer.Traurigkeit an, daß Käthe erschreckt zurückbebte.

Was ich hier will?" entgegnete sie.O nicht viel nur sterben."

(Fortsetzung folgt.)

Kriminal-Roman von O. Elster.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) r ..

Das Geschrei der Kinder veranlaßte Käthe, von ihrer M. xt aufzusehen. Sie erblickte die Gestalt der fremden Frau und iah ihr in glcichgiltiger Neugier nach. 1TMyi,r. .^rram

Doch plötzlich schrak sie zusammen. Erne Unruhe «erram sie, und sie eilte zur Gartenpforte, von der aus sw bi besser übersehen konnte. ~ tPss

Die hohe dunkle Gestalt der fremden Frau erschien ihr ve kannt. Sie hatte diese schon gesehen. . r .

Jetzt lenkte die Fremde von der großen Straße ab und fl . den Fußweg ein, der zu der Kirche führte. Emen,' $ <

stand sie an der Kirchhofs-Pforte still, dann öffnete sie trat in den Friedhof, wie ein Schatten zwischen den weiterschwebend. _

Ein leichter Schrei entrang sich den Lippen Käthes. entschlossen öffnete sie die Gartentür und eilte nach dem o ) in dem die Fremde verschwunden war ~ hpT

In fieberhafter Erregung durchschritt fte die Rechen. vn «rüber Schocken, Freude, Sosfnung und Angst durMutetm in stürmischen Wogen ihre Seele. Jetzt endlich sollte ftrt) das Geheimnis ihr osfenbaren! Jetzt endlich sollte ihre Seele Von dem jahrelangen Druck befreit werden! , 1T h

Da da war das Grab des armen Franz Groller! Und da da stand an dem schwarzen Marmorkreuze, wie damals an jenem Unalückstage, die dlinkle Franengestalt, die Arme um das Kreuz geschlungen, das Haupt auf den Stein niedergebengt.

Der dunkle Mantel mar ihr halb von der Schulter gefallen, Wauderstab i nd das lleine Bündel lagen neben ihr auf der f A jhe hattte sich nicht getäuscht: eS \...... randk,

welche dort rin Grabe des Ermordeten stand !

krönen verlangen. Doch ist das' natürlich nicht etwa eine, abschließende Forderung, sondern es werden für dieses Finanzjahr, das erst mit dem nächsten ersten April abo läuft, noch weitere Nachtragsetats notwendig werden.

Vom Auslande haben in erster Linie die geradezu un«= glaublichen Vorgänge in der französischen Deputier­tenkammer, über die wir in unserer Sams'tag-Nummerf berichteten, aller Augen auf sich gezogen. Es hat sich, herausgestcllt, daß nicht etwa der Kriegsminister oder der Präsident der Republik, also die Faktoren, die das Ansehen und die Macht der Republik verkörpern, auf die Gesinnung, der Offiziere entscheidenden Einfluß ausüben, sondern dast über dreißig Jahre hindurch 'ganz andere Machte, univ zwar solche, die keineswegs das Wohl des Staates allen übrigen Wünschen voranstellen, in einer Weise im Heere tätig gewesen sind, die unmöglich im Interesse der französi­schen Nation liegen kann. Andererseits hat die Jesuiten- wirtschaft den Widerstand der republikanisch gesinnten! Freimaurerlogen hervorgerufen und zu einer energischen! Gegenaktion geführt. sodaß in den letzten Jahren das fran­zösische Heer tatsächlich der Spielball politischer Machen­schaften war, wobei das Interesse des Staates und' Jbic militärische Tüchtigkeit der Armee notwendig leiden mußte. Unter diesen Umständen muß es noch 'als ein Wunder bezeichnet werden, wenn es' diesmal dem Kriegsmini st er Andre und seinen ministeriellen Kollegen gelang, den gegen sie geführten Sturmanlauf abzuschlagen, und eine der Regierung genehme Tagesordnung mit schwacher Mehr­heit durchzudrücken. Schwerlich aber wird' nach der Kammersitzung vom letzten Freitag General Andre das' Kriegsportefeuille noch lange in Händen haben'. Er ist von dem Abg. S y v e 10 n in den geheiligten Räumen des' Parla­ments dermaßen gebackpfeift worden, daß ihn jetzt der Arzt zwingt, das Zimmer zu hüten. Ein leichtes Fieber stellte sich ein. Sein Zustand ist nicht gerade bedenklich, doch fühlt sich der Minister sehr müde. IN Paris' zirku­liert jetzt das Gerücht, daß der Sohn des Kriegsmi­nisters, Leutnant Andre "aus Vincennes, den Abg. Sy be­ton zum Duell fordern und ev-ent. züchtigen wolle/ Es' ist jedoch möglich), daß es sich uw eine von den Natio­nalisten erfundene Geschichte handelt. Das' tollste aber an der ganzen Affäre ist, daß Herr Syveton, der durch die' Wache des Kammerpalastes auf die Straße geleitet wer­den mußte, weil er freiwillig sich dem' ^Beschlüsse seiner entrüsteten Kollegen, nach einem hinterlistigen Bubenstreich das hohe Haus zu verlassen, nicht fügte, nun den traurigem Trotz besitzt, durch einen Aufruf an seine Wähler zu er­klären, daß er den Angriff auf den Krieasminister mit voller Ueberlegung verübte, um Andre zu brandmarken.

Auf die wilden Wogen des russisch-englischen' Nordsee-Kon flickt e(s sind inzwischen so reichliche Mengen Oeles gütlicher Auseinandersetzung gegossen wor­den, daß heute kein Grund vorbanden ist, über den Ausgangs der Verhandlungen besorgt zu sein. Zwar wurden die Rüst­ungen Englands zur See mit der sich bei solchen Gelegen­heiten stets einstellenden üblichen fieberhaften Tätigkeit fort­gesetzt, während sich die Diplomaten schon über die haupt- süchlichsten Streitpunkte einig waren. Die Forderuügen Englands: Entschädigung der bei der Doggerbank Ver­letzten und Bestrafung der Schuldigen sind russischers.eits' in der Form zugestanden, es handelt sich jetzt nur noch darum, daß das im Haag zusanrmentretende internationale Schiedsgericht in aller Ruhe die Untersuchung führt Xind seinen Spruch abgibt. Die Baltische^ Flotte hat inzwischen die spanischen Gewässer ver­lassen und ihre Fahrt fortgesetzt. Sie ist am Samstag nach dem Atlantischen Ozean von Tanger aus abgegangen. Iw Vigo sind nur vier russische Marineoffiziere zurückge-^ blieben, nm sich erforderlichenfalls über die tragikomische- Fäscherschlacht in der Nordsee vernehmen zu lassen. Jeden-' falls entspricht das Ergebnis keineswegs dem herausfordern­den Ton, den die englische Presse ursprünglich anLeschlagen- hatte. Einzelnen Londoner Blättern dämmerte denn auch, allmählich die Erkenntnis, daß das großbritannische Reich,' trotz alles Säbelrasselns und aller kühnen Ministerreden, wie die Balfours in Southampton, nicht gerade mit Ehren aus dieser Affäre hervorgegangen ist. Einige Londoner Zeitungexr geben unumwunden zu, daß das Presttge Eng­lands in diesem Tournier bedenklich gelitten hat. Die

Ale Movinz Köcrhesse^ und die Zkslksschullasten.

In unserer allgemeinen Besprechung über die finanziellen Wirkungen des Antrags Schönberger in betreff der Uebernahme der Volksschullasten auf den Staat ist bereits darauf hingewicsen worden, daß der Antrag eine enorme Mehrbelastung der größeren Städfe des Landes im allgemeinen bedeuten würde, da die letzteren bei der Durchführung des Antrags gleich­mäßig durch erhöhte Steuerleistungeu zur Deckung dieser Volks­schullasten herangezogep werden würden. Ter Antrag Schön­berger der sich übrigens nicht einmal klar darüber ausdrückt, ob er nur die persönlichen oder alle Volksschullasten vom Staat übernommen wissen will, denn er verlangt die Vorlage eines Gesetzes,das die Uebernahme der V v l k s s ch u l l a ft e n auf den Staat anordnet auf der Grundlage, daß sämtliche persön­liche Volksschullaften durch progressiv abgeftufte Zuschläge" k. aufgebracht werden ist nun zwar vom Finanzausschuß 'nicht acceptiert worden; dieser hat vielmehr, wie bekannt, mit vier gegen zwei Stimmen beschlossen, der Kammer zu empfehlen, daß sie den Antragvorerst für erledigt" erklären wolle. Mer da die Antragsteller mit großer Zähigkeit an ihrem Verlangen festhalten und auch schon dem früheren Antrag Ulrich mit 19 gegen 16 Stimmen zur Annahme verholsen hatten, so werden sie ohne Frage . auch bei der in Kürze bevorstehenden Kammerberatung darüber wieder alles ausbieten, um ein ihren Intentionen entsprechendes Votum der Kammennehrheit zu erzielen. Es erscheint uns des­halb nützlich und notwendig zugleich, die finanzielle Ein­wirkung des Antrags auf die ober hessisch en Ge­meinden näher zu beleuchteir.

Aus der auf Wunsch der Kammer von der Regierung^ an­gefertigten Zusammenstellung silber die Volksschullaften im Groß- Herzogtum ist zu ersehen, daß sich der Vettag der gesamten Volksschullaften der Gemeinden zuzüglich der für die höheren Schulen zu leistenden Zuschüsse im Etatsjahr 1901/02 auf 5 711 506 Mark stellte, wovon auf Starkenluirg 2 800 007 Mk., auf Rhein­hessen 1 772 227 Mk. und auf Oberhessen 1 139 272 Mk. ent­fallen. Auf den Kreis Gießen kommen davon 378 904 Mk. (Ge­meinde Gießen 131 878 Markp Kreis Alsfeld 120448 Mark, Kreis Büdingen 144 981 Mk., Kreis Friedberg 307 495 Mark, Kreis Lauterbach 99 936 Mk. und Kreis Schotten 87 508 Mark. Nimmt man nun an, wie es auch der Finanzausschuß getan hat, daß der Antrag Schönberger nur die Uebernahme der persönlichen Volksschullaften auf den Staat begehrt, so ist feftzuftellen, daß dieselben wohlgemerkt für 1901/02 für das ganze Großherzogtum bereits 4 397 799 Mk. betrugen, woran Starkenburg mit 2125105 Mk., die Nheinprovinz mit 1410191 Mk. und Oberhessen mit 862 503 Mk. beteiligtest. Von dieser letzteren Summe entfallen auf den Kreis Gießen 279 896 Mk.,'Kreis Msfeld 93 718 Mk., Kreis Büdingen 112 908 Mark, Kreis Friedberg 234 507 Mk., Kreis Lauterbach 76 013 Mar? und Kreis Schotten 65 461 Mk. Tie größeren Städte haben davon zu tragen: Gießen 1 14 20 2 M k., Friedberg 25 665 Mk., Butzbach'10 793 Mk., Alsfeld 12 717 Mk., Lauter­bach 11294 W; Büdingen 8463 Mk. und Schotten 4217, Mk. Für höhere Schulen allein hatte Gießen (Realgymnasium und Realschule) nach dem Voranschlag für 1902/03 38 993 Mk., Friedberg (Gymnasium und Realschule) 10 000 Mk., Alsfeld (Real­schule) 6000 Mk., Butzbach (Realschule) 7500 Mk., Laubach (Gym­nasium) 4500 Mk. und Büdingen (Gymnasium) 960 Mk. Zuschuß zu leisten.

Von größtem Interesse ist nun die Frage, wie sich nach Uebcr- uahme der persönlichen Volksschullaften auf den Staat die neuen Lasten in den einzelnen Kreisen und Gemeinden verteilen würden. Während der Kreis Gießen im allgemeinen nur eine Mehr- b elastuu g von 14811 Mk. erführe, hätte die Ge m e in de Gießen nicht weniger als 68 635 M k. mehr zu tragen, wo­gegen die einzelnen Landgemeinden eine mehr oder mmoer starke Entlastung erhielten. Tie Gemeinden im Kreye Alsfeld dagegen um 8872 Mk. mehr belastet werden. Noch stärker wäre die Umwälzung im Kreise Büdingen, wo die Landgemeinden um 18 922 Mk. entlastet, die Stadt Büdingen aber mit 10 711 Mk. mehr belastet würde. Der Kreis Friedberg würde eine Mehr­belastung von 15 017 Mar? erfahren, die Gemeinde Friedberg allein eine solche von 19918 Mk. Mehrbelaftet würde auch Butz­bach werden mit 3946 Mk., während Heldenbergen eine Ent­lastung um 1871 Mk. erführe. Für den Kreis Lauterbach wurde eine Gesamtentlastung von 23 160 Mk., für die Gemeinde Laiiter- bach aber eine Mehrbelastung von 2859 Mk., für Herbitein ente Entlastung von 3241 Mk. eintreten. Im Kreise ^ochotteii endlich betrüge die. Gesaürtentlastung 17 163 Mk., die Mehrbelastung für die Gemünde Schotten 2970 Mk., die Entlastung für Freien-Seen 1543 Mk.

Aus vorstehend aufgeführten Zahlen geht wohl zur Genüge hervor, welch außerordentliche Umwälzungeii auf steuerlichem Ge­biete der Antrag Schönberger zur Folge haben wurde. Eharal- teristisch ist dabei die Tatsache, daß gerade die Steuerzayler derjenigen Gemeinden, die schon bisher für die 6euere ihrer Jugend die größten Opfer gebracht haben, wie Greß en , Friedberg, Butzbach, Alsfeld, bei der Ausführung Schönberger zu neuen großen Abgabe uve r a 111 ni; l w? r och

Einen Augenblick rang Käthe nach Fassung. Tas Blut pulsierte ihr stürmisch durch die Adern und stieg ihr glühend heiß in die Stirn. Aber sie zwang ihre Erregung nieder und trat mit festem Entschluß und in ruhiger Haltung auf die Gebeugte zu.

Sind Sie es wirklich, Bertha Wullbrandt?" fragte sie mit bebender Stimme. , , . _ . ,

Ohne Ueberraschung zu zeigen, ohne Hast oder Schrecken, richtete sich die Frau am Grabe empor und blickte Käthe mit ruhigen, traurigen Angen an. .

Ja, es war Bertha Wüllbrandt! Aber wie hatte sie sich verändert? Nickt mehr ein trotziges, wildes Antlitz, ein finster drohendes Auge starrte Käthen entgegen, sondern ein totenblasses, todeStrauriges, kummervolles Gesickt und ein gramverschleiertes Auae! Und die Gestalt zeigte nicht niehr die stolze, trotzige Haltung, sondern schien sich nur noch mit Mühe aufrecht zu er- I)aItCein armes, elendes, bis zum Tode erschöpftes Weib, so stand Bertha Wüllbrandt vor ihr.

Bertha Wüllbrandt ja, ich bin es", entgegnete sie Mit erlöschender Stimme.Und Sie, Käthe Vollmar, kommen auch noch hierher zu seinem Grabe? Aber weshalb pflegen Sie cs nicht mehr2 Es sieht wüst und ungepflegt aus damals brachen Sie blühende Blumen aber,. Sie haben ihn wohl schon lange um eines andern willen vergesseri."

Vertha" unterbrach sie Käthe.Noch immer dieser un­selige Irrtum! Ick danke Gott, daß er Sie zurückgeführt hat, damit ich mich mm dem Verdachte reinigen kann, daß ick Ihnen die Liebe diese? Mannes, der da int Grabe ruht, geraubt. So wahr ein Gott im Himmel lebt, ich habe diesen Manu nie geliebt es sei denn als Schwester und weil er der Bruder Ferdinand Grollers war." ,

Ju den Augen Berthas leuchtete es auf. Sie nickte einige Male mit dem Kopfe.

Also das war es?" sagte sie daun,©ic heoten mcht um, sondern Ferdinand Groller und dieser? Siebte er *<sie nicht wieder?"

Wie G erhärt H a u p t m a n n einem Mitarbeiter der Nuova Antologia mitteittc, arbeitet er gegenwärtig an einem R0 m an. Dieser wird sick ,.Der V e n e z i an cr" betiteln. Als Kern der Hatiolung soll eine Sage dienen, die die böhmiscken Glasbläser mit denen von Murano bei Venedig in Beziehungen, bringt.