Erstes Blatt.
154. Jahrgang
Montag 7. November 1904
GietzenerAineiger
General-Anzeiger E
Amts- Md Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
Gchulstrahe 7.
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vez«g»h>retSr monatlich 75 Pf., viertel jahrtief) ML. 2.20; durch Aohole- il Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch di» Poft Mt.L.-«-siebtel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal I2Pf«, auswärts 20 Pfg.
Verantwortlich für den votit. und augenu Teil: P. Witiko: für »Stadt und 2anb* und »Gerichtsaal*: August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck.
Nr. 2&2
vrschrtut tSgrtch außer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Familien» Rätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univerf.-Buch-u.Stem- druckerei. St Lang«,
Die yeulige Mummer umfaßt 10 Seiten.
Bekauntmachnnß.
Das Proviant-Amt setzt den freihändigen Ankauf von Roggen, Hafer, Wiesenheu und Roggenstroh diesjähriger Ernte zu den gangbaren Tagespreisen fort.
Es werden selbst die kleinsten Mengen, Roggen jedoch nur in Waaaonladungen zu 10 oder 15 Tonnen angenommen.
Die Einlieferung der Naturalien kann ohne vorherige Anmeldung an jeden: Wochentage von 8—12 Uhr vormittags *nd von 2—4 Uhr nachmittags erfolgen.
Hanau, den 5. November 1904.
Königliches Proviantamt.
Völkische Tagesschau.
Der gebackpfeiste Kriegsminister.
In französischen ministeriellen Kreisen herrscht, wie aus Paris gemeldet wird, groß'-e Besorgnis über den Zustand des Kriegsministers Andrö. Die Heftigkeit der Schläge läßt eine Gehirnerschütterung befürchten.
Lieber den Vorfall selbst wird noch gemeldet, Andre wurde durch den Angriff vollständig überrascht, er war sofort bewußtlos und wurde vom Kabinettschef Eombes aufgesangen, der herbeigeeilt war, um den Minister zu schützen. Die Rechte, welche Syveton schützen wollte, gab Anlaß zu der allgemeinen Prügelei.
Nach dem Angriff Syvetons auf Andre stürmte der Sozialist Meslier, ein Athlet, von seinem Sitz auf der äußersten Linken gegen das Halbrund' vor der Tribüne find warf die Mitglieder der Rechten? die ihm in den Weg kamen, nieder; Syveton entwich. Die Gallerte wurde erst geräumt, als der Spektakel beendet war. Ein herzkrankes Mitgli ed des Zentrums war unter die Bank gesunken.
Tie Stimmung der Bevölkerung war ursprünglich eher antiministeriell, jetzt aber charaktirisiert das Wort Dions die neugeschaffene Lage: Syveton hat nach Andre geschlagen und die Opposition getroffen.
Im Börsenviertel von Paris ließ S yv e t o n eine in den schärfsten Ausdrücken gegen die Regierung und Kammer gehaltene Rechtfertigung seines Vorgehens anschlagen. Einer der Gesinnungsgenossen Syvestons kündigt einen Antrag aus Auflösung der Kammer an. — Ter Justizminister Valle empfing den Generalprokurator Bulot, um über das Gerichtsverfahren gegen Syveton zu beraten.
Sämtliche republikanische Blätter Frankreichs' verdammen das Vorgehen Syvetons. Der „M atin" schreibt: Es ist eine Eigenart des Nationalismus, alles das, was er angreift, zu beschmutzen und sich auf Gewalt'stützend, entehrt er die Rolle, welche er zu spielen da ist. Jin „Figaro" schreibt Direktor Ealmette: Die Haltung Syvetons wird von seinen Gegnern sowohl wie von seinen Freunden scharf kritisiert. Es erheischt eines größeren Mutes seitens eines jungen Mgeordneten. einen 67jährigen Greis zu überfallen. „Lanterne" schreibt: Die Mehrheit verdankt Eombes der Heftigkeit der Nationalisten. Für Syveton wird die Angelegenheit verschiedene Nachspiele haben. Er wird aus der Kammer für 38 Sitzungen ausgewiesen. Es wird ein Protokoll aufgesetzt werden. Der Wortlaut desselben wird auf Syvetons Kosten angeschlagen werden. Außerdem wird Syveton gerichtlich'verfolgt werden. Mitglieder des Bureaus der Kammer hatten sich 'im Kabinett Brissons versammelt, um das Protokoll zu verfassen, das dem Gouverneur zugesteltt wurde. Dieses ist der erste Anlaß der gerichtlichen Verfolgung Syvetons. Er kann wegen tätlichen Angriffs eines Ministers während dessen Ausübung seines Amtes zu zwei bis fünf Jahren Gefängnis verurteilt werden. Auf Grund desselben Vergehens wurde Baron Christian zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt, weil er den Präsidenten bei dem Nennen zu Autieul tätlich angegriffen hatte. r „
Das Blatt „Aktion" meldet. ein weiterer Zwsichensall habe sich am Freitag in einem Saale des Kamruergebäudes ereignet. Der Leutnant Letang begrüßte den Leutnant Altmeyer, indem er ihm die Hand reichte. Alt- meyer nahm jedoch den Gruß nicht an, es kam zu Auseinandersetzungen, Letang gab ihm eine schallende Ohrfeige. Altmeyer hat ihm seine Ze-ugen gesandt.
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Der deutsch-amerikanische Schiedsvertrag.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt:
Mit besonderer Befriedigung wird in Deutschland die Kunde ausgenommen werden, daß auf Anregung des prasi- dentcn Roosevelt Unterhandlungen wegen des AoscytuZe-> eines Schiedsgerichtsvertrages zwischen den Vereinigt en Staaten imb Deutschland eingeleitet seien. dem wie man sich bei iins mit den in großartig aussteigenoer Entwicklung begrifsenen liordamerikanischen Veryaunissen sachlich uii'b eingehend besaßt, wird die Ueberzeugnng gefestigt, daß das Deutsche Reich unld! Hie große Republik jenseits 5 m Ozeans ihrem Wesen nach' dazu bestimmt sind, sich gegenseitig mit neuen Gedanken zu fruchte n und einander zu ergänzen, und daß sie )iaj in der ersreulichen Lage befinden, girgends in oer Welt mit g e g e n sä tz ti ch e n p o l i t i s ch e ii In t e r e s s e n rechnen zu müssen. Wenn es hier und da in der Vergangen- yeit aus wirtschaftlichem Gebiete zu Auseinandersetzungen -wischen Deutschland und der Union gekommen ist, so hat hi<* wirkliche Haltung in den letzten Jahren gezeigt, daß b e i d e N a l i o n e n i m s r i e d l i ch e n W e t t b e wer b sehr wohl neben einander besteheil und ihrer Wege ziehen können, ohne daß eine der anderen Licht und Luft, deren ftc
Mr weiteren Entfaltung ihrer Kräfte und zur fortschreitenden Hebung der Wahlfahrt bedürfen, zu benehmen genötigt wären. Die hocherfreulichen Erfolge der deutschen Ausstellung in St. Louis'sind ein beredter Beweis für die ehrende Würdigung, die den deutschen Leistungen aus dem Felde der gewerblichen Arbeit, des künstlerischen Schaffens und der kulturellen Bestrebungen in den Vereinigten Staaten zuteil wird. Nicht minder weiß man in Deutschland die gewaltigen Fortschritte der Amerikaner in allen Richtungen ernster Tätigkeit hoch einzuschützen. Mit der bis in die ersten Tage der Union zurückreichenden politischen Ueberlieserung, lohne mit den auch in neuerer Zeit niemals verleugneten Absichten beider Regierungen wird es in bestem Einklänge stehen, wenn nunmehr durch den Abschluß des Schiedsgerichtsabkommens auch für die Zukunft eine feierliche Bürgschast dafür geschaffen wird, daß etwaige Differenzen im Geiste-der Billigkeit und Perfol) tichkeit gesch licht e t werden.
Der Krieg zwischen Aapan utii> Ausland.
Port Arthur.
Tokio, 6. 9?ob. (Amtlich.) Ter Kommandeur vor Port- Arthur meldet, daß die r e ch t e K o l o n n e und ein Teil der mittleren Kolonne am 30. Okt. abends den oberen Teil und die Konter-Eskarpe der Forts Sun g schusch an , Erlung schau und Tunkikwanschan-Nord besetzten und einige der Flankenwerke und Laufgräben dieser Forts zerstörten. Ter andere Teil der mittleren Kolonne hat trotz des heftigen Feuers des Feindes um 2 Uhr nachmittags das zwischen den Forts Panlungschan und Tunkikwanschan gelegene Fort P. angegriffen und genommen. Tie Russen machten tviederholte Gegenangriffe auf dieses Fort. Wir mußten es um IOV2 Uhr abends aufgeben, General Jchinohe eroberte es aber um 11 Uhr nachts zurück. In dem Fort wurden drei Feldgeschütze und zwei Maschinenkanonen erbeutet, drei Fischtorpedos und vieles andere Kriegsgerät; 40 Russen wurden tot aufgefunden. Tie linke Kolonne nahm an demselben Tage das nordöstlich von Tunkikwanschan gelegene Fort Koburgama. Am 31. Oktober griffen wir Iden Hafen und die Schiffswerft mit großkalibrigen und Schisfsgeschützen an, wobei das russische Kanonenboot ,.G i l j a k" mehreremale getroffen und z w e i T a m p f e r z u m Sinken gebracht wurden. Am 1. November wurden in dem westlichen Teile des Hafens zwei Dampfer von je ungefähr 3500 Tonnen, am 2. Nov. e in Dampfer von ungefähr 3000 Tonnen zum Sinken gebracht. Zweimal wurde eine heftige Explosion, wahrscheinlich eines Pulver Magazin es, am Nordende der Stadt gehört. Am 3.,November mittags eröffneten wir ein heftiges Feuer aus Schiffsgeschützen auf die Schiffswerft und andere Teile im Osten des Hafens, wo auch kurz nach 12 Uhr mittags Feuer ausbrach, das bis zum andern Morgen 4 Uhr wütete. An demselben Tage wurde das Fort 4 aus großkalibrigen Geschützen beschossen und erheblich beschädigt.
Petersburg, 5. Nov. Tas Gerücht, daß General S t ö s - s e l am Bein verwundet worden ist, ist unbegründet.
Tschifu, 5. Nov. Hier eingelaufene Nachrichten besagen, daß General Stössel bis in den letzten Tagen ohne Kenntnis der wirklichen Lage auf dem Kriegsschauplatz war. Er soll „auf die Meldung hin, daß die Schlacht bei Liaujang für die Russen verloren, ausgerufen haben: „Aber das ist ja ganz unmöglich."
Aus der Mandschurei.
Petersburg, 6. Nov. Tie Rufs. Tel.-Ag. meldet aus Mulden vom 5. Nov.: 30000'Chinesen, die sich.vor den Zwangsmaßregeln der Japaner geflüchtet haben, sind hier eingetroffen. Tie Ortschaften einschließlich der japanischen Operationszone sind vollständig verwüstet. Tie Zahl der Deserteure nimmt zu; dieselben klagen, daß sie Kälte und Hunger ausgesetzt seien.
Belgrad, 5. Nov. König Peter erhielt aus Mukden einen Brief von seinem Bruder, dem Prinzen Arsen, der bei den Kosaken unter General Mischtschenko steht. Er schildert die letzten Kämpfe am S ch a h0 als furchtbares Gemetzel. Ter Briefschreiber ist bisher unversehrt geblieben und erwartet seine baldige Ernennung zum Regimentskommandeur.
Petersburg, 6. Nov, General Kurovatkin meldet dem Kaiser unter dem 4. November: Am 2. Nov. wurde der russische K r i c g s k 0 m m i s s a r der Pronvinz Heilundsian, der Oberstleutnant int Gencralstabe B 0 gnan 0 w, als er auf Befehl des Statthalters sich auf Erkundung mit nur zwei Dolmetschern und einer Ordonnanz befand, zwei 'Werst von der Station der ostchinesischcn Bahn Tuinzinschan von einer C h u n ch u s e n b a n d c gefangen genommen. Ter eine Dolmetscher wurde getötet. Gestern fanden ausgeschickte Kavallerieabteilungen die L ei ch en Boguanows, eines Dolmetschers und der Ordonnanz und nahmen zwei Chunchusen gefangen. Tie Leichen wurden nach Charbin gebracht. Zur weiteren Untersuch- ung des Falles sind Maßregeln sowohl von unserer Seite als auch von Seiten des Tsian-Tsiun von Zizikar getroffen. — Ferner meldet Kuropatkin unter dem gestrigen Datum: In der Nacht zum 5. Nov. griffen die Japaner die Stellungen eines Regiments auf unserm rechten Flügel an, wurden aber zurückgeschlagen und liehen 30 Tote zurück. Auf unserer Seite sind 10 Offiziere und 5 Mann tot, 3 Mann wurden verwundet. Am 4. Nov. bemerkten gegen abend Freiwilligenabteilungen im Torfe Tschuanlintse, zwei Werst östlich 'von Kudiase, eine größere Anzahl von Japanern, die Bäume fällten und sie zu ihren Stellungen schafften. Eine Mörscrbatterie eröffnete um 11 Uhr nachts ein Salvenfcuer gegen das Torf Tschuanlintse. Die Japaner zogen sich zurück. Tie Freiwilligen besetzten das Dorf und gingen nach Süden zum sogenannten Berge mit den zwei Höckerm vor, der eine Werst südlich von Tschuanlintse liegt imb vom Feinde stark besetzt war. Bon den Freiwilligen beunruhigt räumten die Japaner die tiefer gelegenen Schanzen und zogen ihre Feldwachen weiter nach Süden zurück. Am 5. Nov. find keine Meldungen über Kämpfe eingelaufen.
Die neuen russischen Kommandeure.
Petersburg, 6. Nov. Ter „Rusli Invalid" meldet, daß zum Befehlshaber der ersten Mandschureiarmee General Li- newitsch, zum Befehlshaber der dritten Mandschurciarmee General Kaulbars ernannt wurde.
Russische Reservistennnruhen.
Petersburg 6. Nov. lieber die im Witebskischeu, Smo- lenskischeii und M icwschen Gouvernement aus Anlaß der Einberufung von Reservisten slatigebabten Ausschreitungen wird gemeldet, daß dieselben am heftigsten in Kanew gewesen seien. Dort wurden Magazine geplündert. In Smolensk sand ein Auflauf vor der Wohnung des militärischen Befehlshabers statt. In Polozk dauerten die Unruhe^ drei Tage. Ausschreitungeic
gegen die Juden wurden rechtzeitig verhindert. In Rositen tour* den Branntweinnicderlagen geplündert. Auf den Stationen Kreuzburg und Sirotino wurden Büffets zertrümmert. Im Kiew- scheu Gouvernement wurde ein Gutsbesitzer überfallen und seiner Geld lasse beraubt. In Bichow, Gouvernement Mohilew, wurden Häuser geplündert und zerstört. In mehr als 100 Kreisen von 119, in denen Mobilisierungen stattfanden, ist es ganz ruhig geblieben. Mit der Untersuchung der Vorfälle ist der Gehilfe des Ministers des Innern, Generalmajor Rydsewski, beauftragt.
Tie baltische Flotte.
Petersburg, 6. Nov. Rufs. Tel.-Ag. Die russische Negierung nahm den englischen Vorschlag bezüglich der Zusammensetzung der zur Untersuchung des Vorfalles in der Nordsee zu bildenden Kommission an. Nach der Ernennung des französischen und des amerikanischen Vertreters tritt die Kommission in Paris zusammen. Ter Vertreter Rußlands, Admiral Kasnakvff, gab der Kommission die Feststellung des Tatbestandes auf.
Konstantinopel, 6. Nov. Ter zweite Tragoman der hiesigen nrssischen Botschaft Mandel stamm, bekannt durch mehrere völkerrechtliche Mhandlungen, ist nach Petersburg abgereist. Er vertritt Rußland auf dem Haager Schiedsgericht in Sachen des Hüller Zwischenfalles.
Der Dufftand in DeuÜch-SüdWestasrika.
General v. Trotha
meldet aus Windhuk vom 5. November: 50 Mann der dritten Ersatzkompagnie nach Bethanien unterwegs'. Ter Rest der 3. Ersatzkompagnie und eine Eiseubahnbaukompägnie fahren am 7. November von Sw-ako'pmund nach der Lüderitzbucht zur Verstärkung der Etappenstraße und der Bahntra.ee. ’
Tie Hererokapit'ane.
Von kolonialer Seite wird geschrieben: Ter voN Ge* fang en en gemeldete Ueber tritt der Herero-Kapitäne in das britische Betschuau alcrud hat sich bisher nicht bestätigt. Erst wenn eine zuverlässige Meldung darüber ein getroffen ist, können von hier aus Verhandlungen mit England darüber eingeleitet werden, was'mit den"Leuten geschehen soll. Ob die Bedingung gestellt werden kann, daß die Häuptlinge ausgeliefert werden sollen, ist deshalb nicht unbedingt bejahend zu beantworten, weil in verschiedenen anderen Fällen ähnlicher Art 'andere Methoden der Unschädlichmachung entflohener Aufrührer artgetoenbet worden find. Eine Verständigung wird sich eintretendenfalls wohl bald finden.
Offiziere für Sudwestafrika.
Tas „ÄUl.-Wochenbl." veröffentlicht die Namen der Offiziere, die aus dem Heere ausgeschieden sind, um' in dem' n eit errichteten 4. Bat. des 2. Feld r e gimen ts' der Schutztruppe angestellt zu werden. Das' Kommando des' Bataillons erhält der Major v. Kamptz, bisher Bataillonskommandeur im Infanterie-Regiment Bremen; außer ihm erhält das' Bataillon an Offizieren drei Hauptleute und' Kompagnie-Chefs, 5 Oberleutnants, 11 Leutnants und 2 Sanitätsoffiziere. Zwei von den Leutnants waren bisher im bayerischen, ein Oberleutnant int württembergischen Heeresdienst, die übrigen Offiziere standen in preußischen Regimentern. Major Ottwig v. Kamptz, der Führer des' neuen Bataillons, ist ein bewährter Llsrikaner, der von 1895 bis 1901 Kommandeur der Schutz truppe für Kamerum war. *
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Deutsches Reich.
Berlin, 6. Nov. Zu dem gestrigen Diner beim Reichskanzler Grafen Bütow, an dem der Kaiser teilnahm, waren geladen Prof. Dr. Harnack, Prof. Renvers, Ministerialdirektor Dr. Althoff, Oberhofprediger v. Dryander, Admiral Hollmann, Chef der Reichskanzlei v. Loebell, Herr James Simon, General a la suite Graf Moltke und Flügeladjutant Kapitän Schmidt v. Schwind. Der Kaiser nahm gestern an einer Jagd auf Fasanen und Kaninchen bei Vorwerk Gallin und Entenfang teil.
— Der „Köln. Volksztg." zufolge wurde zwischen der Netiwieder Organisation der Raiffeisen-Genossenschaften und dem NeichLverb ande der deutschen Genossenschafter ein Einigungsprogramm vereinbart.
— Nach der „Frkf. Ztg." soll das Defizit de8 Reichsetats für 1905 größer sein als je zuvor. Es sei der schlechteste Etatsabschluß seit sieben Jahren, so daß wieder zu einer Zuschußanleihe gegriffen werden muß.
Leipzig, 6. Nov. Heute sand hier eine außerordent* liche Versammlung der Vertrauensmänner des Verbandes der Aerzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen statt. Das Vorgehen deS Vorstandes den Krankenkassen gegenüber wurde gutgeheißen unb fefU gestellt, daß bis auf verschwindend wenige Ausnahmen das Vorgehen der Aerzte von Erfolg begleitet gewesen sei. Man erwähnte, daß die größte Anzahl Krankenkaffen sich nicht nur zu wesentlichen Honorarerhöhtlttgen, sondern auch zur Einführung der freien Arztwahl bereit erklärt hat, ohne es erst zu beide Teile schädigenden Kämpfen kommen 31t lassem Folgende Resolution kam ztlr einstimmigen Annahme:
„Die versammelten Vertrauensmänner des Verbandes der Aerzte Deutschlands zur Wayrrmg ihrer wirtschaftlichen Jntereffen erklären den Erlaß des preußischei: Kultusministers vom 2. Jmn d. Js. über die Beteiligung der Kreisärzte an den Vertrags- und Vertrauenskommissionen für ungerechtfertigt und durch die Tatsachen nicht begründet, zumal dieser Erlaß im Widerspruch zudem des bayrischen Nliuisteriums vom 22. Juli 1904 steht. Das Ausscheiden der Medizinalbeamten in Preußen aus dem Verbando'.nnd öen mit demselben in Beziehungen stehenden Kommissionen bedinge eine Entfremdung zwischen beamteten und praktischen Aerztcn, welche ickcht nur den ganzen ärztlichen Stand zu schädigen, sonderll aucl) ein gemeinsames Arbeiten im Interesse der öffentlichen Geslmdheitspflege zu vereiteln geeignet erscheint/


