Ausgabe 
7.10.1904 Erstes Blatt
 
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Munition eingeschmuggelt wird: bisher wurde aber in den durchsuchten Dschunken, deren Zahl mehrere Hundert beträgt, keine Munition gefunden.

London, 6. CFL WieDaily Telegraph auS Tschifii vom 5. Oktober meldet, wird dort ein Bnichstück eines Zettels in chinesischer Schrift mit der Unterschrift General Stössels gezeigt, welcher besagt, daß am 25. September vor Port Arthur Ruhe geherrscht batte. Die Japaner hätten noch­mals Waffenstillstand zur Beerdigung der Toten verlangt; das Verlangen sei jedoch ab gelehnt worden. Nach anderen Berichten batten die Japaner am 24. und 25. September wiederum versucht, den Hohen Hügel zu stürmen, seien aber zurückgeschlagen worden. Auch ein Ausfall der Russen sei mit großen Verlusten zurückgeschlagen worden.

London, 6. Okt. Aus Tschifu nrirb weiter berichtet; Z a I) V tofe Leichen liegen im Tote. Ter Verwesungsgerun> ist durchdringend. Unter den I a pan ern hcriwt die B eri ° Beri-Krankheit und in der Besatzung von p o r t n r t y u r der Tttpbus. , .. nl .

Varis, 6. Okt. Bon drei Offizieren die o^cnerckl «-'tösiel mrs Bort Arthur an den Zarenabsandte,,st nur einer als Ueberbrinaer nichtiger ongeblich nicht binro Erestmisie iibcrMtcr No dichten in Beterhof emgctrosfen Mc anderen beiden sollen den Japanern m die Hande gefallen sein.

Au? der Mandschurei.

Petersburg, 6. Okt. Der Korrespondent der Birschewiia W^domosti" telegraphierte seinem Blatte unter dem gestrigen Datum: Nach den vorbereitenden Verteidig- ungsarbeiten zu urteilen, kann man wohl annehmen. daß General Kuropatkin nicht die dlbsicht hat, Muk - d en au fzu geben. Wir die ganze Armee sind Grdhütten gebaut worden, die beguem und warm sind. Täglich treffen in Mulden japanische Reiter ein, die General Misch- tfchenko gefangen genommen hat. Ihr Aussehen ist erbarmungswert: sie sind ausgehungert und starr vor Kälte. Wichtige Geschehnisse haben sich nicht ereignet. _

Petersburg, 6. Cft General Ssacharow meldet dem Generalstabe vom 5. Oktober: 21m 4. Oktober ver­drängte eine feindliche Abteilung in der Stärke von etwa vier Kompagnien und einer Eskadron unsere Feldwache bei Hunlinvu nach Westen. In der Nähe der Eisenbahn erhielt die Feldwache Verstärkungen und eine von unseren Kavallerieabteilungen rückte von Westen vor und fiel dem Feinde in den Rücken. Der Feind zog sich unter Verlusten zurück. Eine von unseren RcckognoSzier- ungsabteilungen näherte sich unter dem 4. Oktober den Steinkohlengruben von Jentai von Norden her bis auf vier oder fünf Werst. Bier japanische Eskadrons und drei Kompagnien gingen vor der Vorhut unserer Abteilung eilig zurück. Unsere Kavallerieabteilungen zogen gegen 6 Uhr abends, nachdem sie die Stellung des Gegners eingehend besichtigt hatten, pach ihren Standorten zurück. Unserer­seits ist ein Kosak gefallen sowie ein Offizier und zwei Kosaken verwundet. Der Feind hat einige Verluste erlitten: zwei Japaner wurden gefangen genommen.

Mukden, 6. Okt. (Havas.) Statthalter Alexejew ist hier ein getroffen, um mit General Kuropatkin eine Besprechung zu haben. Die Japaner organisieren in der Mongolei, in den Gegenden westlich von Mukden, die an der Grenze liegen, zahlreiche Tschunscbusen- b an den, die von den Japanern befehligt werden, um zu versuchen, die Eisenbahn zu zerstören, und zu verhindern, daß die Russen die Mongolei verproviantieren.

Kleine Meldungen.

Tokio, 6. Okt. ^Reuter. 3 Grai Okumo hielt beute hier eine Rede, in welcher er erklärte: Tie Nation müsie sich auf ernen langen Krieg norbcreiten, dessen Tauer man unmöglich vorausse^m könne, der sich aber wenigstens zwei Jahre hinziehen und eine Ausgabe von 2 M illiarden V cn ver­ursachen werde. Japan werde fm nächsten Jahre 500 Mil­lionen Yen auf dem Anleibewege, austringev müssen. Redner ermahnte die Nation, mit ihren Hilssauellen auszubalten und sprach sein unerschütterliches Vertrauen zu den schließlichen Erfolgen Japans aus. Die Gouverneure der Bräfekturen hatten heute eine Besprechung mit dem Ministerium. Tie Aus- gaben her Prafekturverwaltungen sind seit dem Beginn des Krieges um 20 Millionen Ben geringer geworden. Weitere Ersparungen werden durchgefuhrt.

Husschußsthung des sandwiNsch.igsich.'N Vereins für die Provinz Hberüeffen.

Gießen, 6. Okt.

Die Sitzung des Ausschusses des landw. Vereins für hie Provin; Oberhessen fand, wie an gekündigt, heute nach­mittag 3 Uhr im Hotel zum Prinzen Karl hier statt. Eine Anzahl der Mitglieder war entschuldigt. 46 Mitglieder de? Ausschusses waren anwesend. Seitens der Negierung nahm Oberregieru.ngsrat Tr. Hölzinger an den Verhandlungen teil. Der Hess. Landwirtschaftsrat war nicht wie gewöhnlich durch seinen Generalsekretär vertreten, da dieser mit der Ausstellung in Düsseldorf beschäftigt war. Das Groß­herzogtum Hessen ist auf der Obstausstellung dort mit einer Grundfläche von 500 Quadratmetern vertreten, die mit den ausgesuchtesten und edelsten Obstsorten des Landes besetzt ist.

Der Präsident, Oekonomierat Sch lenke eröffnete die Versammlung gegen 3y4 Uhr., begrüßte die Versammlung und den Vertreter der Regierung und widmete dem ver­storbenen Mitglieds des Ausschusses, Sr. Erlaucht dem Grafen Otto zu Sotms-Laubach, einen warmen Nachruf. Danach wurden ca. 30 neue Mitglieder ausgenommen.

Der 2. Punkt der Tagesordnung: Die DoranSfiditlicI)^ Wirkung der Lahnkanalisation auf die Landwirt- schäft der Provinz Oberhessen und der angrenzenden Gebiete entfesselte -hne lebhafte Aussi :ache. " r r rsitzende, Oeko­nomierat Sch lenke, legte die Entstehungsgeschichte und den Entwicklungsgang des Vereins für die Lahnkanalisation dar und verglich die Wirkung der Kanalisation der Fulda mit der in Aussicht stehenden Kanalisation der Lahn. Für die Landwirtschaft Obcrhessens und der angrenzenden Ge­biete würde der projektierte Kanal wenig Gutes bringen, er würde den Import von ausländischem Mehl und Ge­treide fördern, und das heimische Produkt würde schwerer verläusiich werden. Wie der Fuldakanal lediglich fremd­ländische Waren von der Weser nach Kassel bringe, so würde der Lahnlanal fremdländisches Mehl und fremdes Getreide vom Rhein die Lahn herauf bringen und den Absatz von Getreide an die zahlreichen Gvoßmühten im Gebiet der unteren Lahn von Oberhessen aus beseitigen oder weseni» lich erschweren. Der Vorsitzende empfiehlt, dem Projekt der Kanalisation der Lahn nicht etwa hindernd in den Weg zu treten, aber jcdmsalts darauf hinzuwirkcu, daß die Benutzung d r kanalisierten Lahn für den Frachtverkehr so gestaltet werde, um eine angemessene Verzinsung des ge­

samten Anlagekapitals ünd der Jpstandhaltuntz der Fahr­rinne und ihrer Anlagen zu gewährleisten.

Hkgen die Ausführungen des Präsidenten Wandte sich zunächst Provinzialdirektor Dr. Breid er t Mit dem Vorredner ist er in d.em Punkte einig, daß Schiffahrts­abgaben auf der kanalisierten Lahn erhoben werden müß­ten, bestreitet aber einen ungünstigen Einfluß durch die Kimstw-asserstraßa auf die Mißverhältnisse von landwirt- chaftlichen Produkten.

Die Ausführungen des Provinzialdirektors Dr. Brei- dert rufen neue Kämpfer in den Streit, die sich meist gegen leite Ausführungen richten. Nach langer Debatte schreitet man zur Mstimnrung über eine vom Vorsitzenden vorgelegte Erklärung Ausschusses:

1. Die Landwirte der Provinz haben von der Lohn­kanalisation keine Förderung, sondern eher eine Schädig­ung ihrer Interessen zu erwarten.

2. Trotzdem wollen sie sich dem Projekt, das anderen Erwerbszweigen (Ment, nicht hindernd in den Weg Tellen.

3. Sie erwarten aber, daß der Güterverkehr auf der kanalisierten Lahn n i ch t ab g ab en frei gestaltet wird, cdaß sich die. von der Hess. Regierung für die Kanalisation, für die Hafenanlagen und die Unterhaltung der Fahrrinne und ihrer Anlagen hergegebenen Kapitalien angemessen verzinsen.

4. Bei der Kanalisation ist Rücksicht zu nehmen auf die ttmlichste Ent- und Bewässerimg der anliegenden land­wirtschaftlichen OKnmdstücke. Im Interesse eines nicht über­reichen Wasserstau des in der Fahrrinne im Winker und eines ausreichenden im Hochsommer wird die Anlage von Talsperren in den Öncllgebieken der Lahn und ein­zelner Nebenflüsse der Labn dringend empfohlen. Die Vor­teile solcher Einlagen würden dem projektierten Lahnkanal und der Landwirtschaft im Flußgebiete der Lahn dien­lich sein.

Punkt 1 dieser Erklärung wird gegen sechs Stimmen, Punkt 2 gegen zwei Stimmen, Punkt 3 und 4 werden einstimmig angenommen.

An dieser Debatte beteiligten sich der Vorsitzende, die .Herren Provinzialdirektor Dr. Breidert, Oekonomierat Hoff­mann, Prof. Dr. GiseviuS, Oekonomierat Leikhiger, Abg. Brauer, Gg. Dickster, Oekonomierat Schede. Mehrere der Herren kamen wiederholt zum Wort, und die Debatte würde den ganzen Nachmittag in Anspruch genommen haben, wenn man nicht eingelehen hätte, daß ein Einverständnis doch nicht erzielt werden konnte.

Die Mendlampe beleuchtete schon die Versammlung, als endlich zum dritten Gegenstand der Tagesordnung: Errichtung eines Zen tra lzu ch tv Lehm ar kte s, hier Feststellung der Anforderungen an die t>etr. Marktgemeinde, zur Verhandlung kam.

Es besteht die Msicht, alljährlich einen Zentralzucht­viehmarkt in der Provinz abzuhalten. Die Zahl der Herd­buchtiere der Vogelsberger und Sinvmenkbalerrasse hat der­art zugenommen, daß den Züchtern dieser edlen Tiere Gelegenheit geboten werden muß, jdaS überflüssige Zucht- material auf einen Markt zu bringen, der von Züchtern ans Oberhessen und den benachbarten preußischen Provinzen besucht wird und diesen Gelegenheit bietet, erstklassiges Zuchkmaterial zu erwerben. Vorbildlich für dieS Unter- nebnen ist der Zentralzuchtviehmarkt in Oberbaden, in Radolfzell. Dort kommen alljährlich über 1000 Stück edler Bullen und weibliches Zuchtmatcrial zum Verkauf. Aus Baden und wohl aus fast assen deutschen Bundesstaaten, aus Oesterreich-Ungarn, Italien, selbst auS Amerika kommen Käufer dabin, um Zuchtmaterial zu erwerben. In diesem Jahre wurden für 240 000 Mark Zuchttiere verkauft, die meist im Besitze von Bauern aus d'm Schwarzwald, aus dem Seekreise, aus betii Amte Meßkirch ?c. waren. Der badische Staat hat für diesen Zuchtviehmarkt eine Hosse gebaut, die ca. 900 Stück Vieh faßt und mit ihren Neben­anlagen 70 000 Mark gekostet hot. So großartig soll hier nicht angefangen werden. Als Markt st ädte kommen Gießen, Butzbach und Hungen i(n Frage. Von diesen Städten müßte gefordert werden die Einrichttmg eines besonderen M arktPlatzes mit einer Markt­halle, die mindestens 400 Stück Rindvieh auf- n ehm en kann. Der Platz müßte ca. 4 Morgen groß sein. Aus dem freien Platze sind für 2300 Stück feste Anbindevorrichtungen hcrzustetten. Es ist für Tränkwasser zu sorgen und außerdein für geeignete Musterungsplätze. Die Stadt sorgt für Stretimaterial, für Aufsichtspersonal, Wachen und Polizcimannschast. Das Präsidütm bleibt be- aufttagt, mit den in Frage kommenden Stadtvertretungen in Verhandlung zu treten. In einer weiteren Sitzung soss die Platzfrage entschieden werden, je nach dem Entgegen­kommen der Stadtvertretungen. -Auch in dieser Frage entstehen lebhafte Auseinandersetzungen, an der sich zehn Herren, einzelne mehrere Male, beteiligen.

Es wird Schluß der Sitzung beantragt wegen der vor­gerückten Zeit, aber zwei weitere Gegenständ? der Tages­ordnung müssen zur Erledigung kommen, und auf Bitten des Vorsitzenden wird der Antrag zurückgezogen und die Verhandlungen gehen weiter.

Um die Fortsetzung der Herausgabe des Gießener Wetterdienstes auch für den Winter zu unterstützen, werd.'n vom Ausschuß weitere 150 Mk. bewilligt, uud nach langer Debatte auf Antrag des A u f s i ch t s r a t c s der landwirtschaftlichen Winterschule Alsfeld auf Verwissigung von Mitteln zur Drainierruig d?s Ver­suchsfeldes die 'angeforderten 660 Mark bewilligt.- Dann erst, es ist 71/4 Uhr geworden, ist der Vorsitzende in der Lage, die Sitzung schließen zu können.

Vier Gegenständ der Tagesordnung mußten unerledig:: bleiben. Die Wintersaison unserer landw. Vereiustätigkeit hat begonnen. Sorgloser als in der guten Jahreszeit, in der Zeit der Sorge uud der nur durch eine kurze Nacht unterbrochenen Arbeit, kann der Landwirt die Vereinsver­sammlungen besuchen und lann Anregungen empfangen, die ihm in s.etnem Gewerbe von Nutzen sind und ihn zum Nachdenken anregen über das, was ihm dienlich ist.

Alib £tndt und Land

Gießen, den 7. Oktober 1904.

** Personalien. S. K. d r stlroßherzog haben den Kanzleiwärter bei der Ober-Nechnungstammer Brun­ner zu Darmstadt zum Kanzleidieuer uud Hausbeschlicßer bei dem Staatsministeriimi ernannt. S. K. H. der Groß- Herzog haben dem Oberwachtmeister Lommel im (^roßh.. Gei.darmeriekorps die Krone zum Silbernen Kreuz mit Schwertern des Verdienstordens Pl)ilipps des Großmütigen verliehen.

L. U. Promotionen. Im Monat September 1904 wurden an der Landesuniversität promoviert: ßiun T)r. jur.: ! Friedrich Ioutz, GerichtSakzessist aus Mainz, ßiun Dr. nied.: I Hugo Naü, approbierter Arzt ai;3 Frankfurt a. M., Walter

Siebeck, approbierter Arzt aus Gießen, Sigmund Wertheim, approbierter 2lrzt aus Gießen, Karl Scriba, approbierter Arzt aus Alten-Buscck, Georg Köhler, approbierter Arzt aug Worms, Wilhelm Brillertp, approbierter Arzt aus Fulda. Zum Dr. med. vH.: Felix CoenderS, approbierter Tierarzt aus Warbepen. ßiim Dr. phiL: Heinrich Maffing, Lehramts- akzeffist aus Griesheim, Friedrich Schrod, Cand. hist. auS Offenbach.

** Der Rektor der Ludwigs-Universität ist in geschäftlichen Angelegenheiten Mittwochs und SanlstagS von 121 Uhr im Rektoratszimmer zu sprechen.

** Besichtigungsreise. Bekanntlich hatten Mit­glieder der Stadtverwaltung und der städtischen Schlachthos- Deputation eint Montag eine Reise znr Besichtigung von Schlachthöfen und be5 Theaters in Dortmund unternommen. Gestern abend kehrten die Herren nach Gießen zurück. Es hatten an der Reise teilgenommen: Oberbgm. Mecum, Schlachthosdirektor Dr. Liebe und die Mitglieder der Schtachthausdeputation E. A. Sack und Schlörb (die drei letztgenannten haben nur an den Schlachthofbesichtigungen eilgenommen), ferner Architekt Gerbet, Beig. Heyligenstaedt, die Stadtv. Hauboch, Schaffstaedt und Kirch, sowie Prof. Dr. Fromme (die beiden letztgenannten Herren beteiligten sich an der Theaterbesichtigung). Das Ergebnis der Reise wird in einer der nächsten Stadtverordnetensitzungen zur Sprache gebracht werden. Bei der Besichtigung des Dortmunder Theaters wurde die Wahrnehmung gemacht, daß die innere Einrichtiing im allgemeinen recht zufriedenstellend sei.

* Der Taschcnsahrplan für das Winterhalb, jahr, in unserer Druckerei für unsere Abonnenten hergestellt, liegt der heutigen Landauflage unseres Blattes bei.

* Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der hciite fortgesetzten Ziehung der 6. Klaffe wurden folgende Gewinne gezogen: 10 000 Mk. auf Nr. 38986 (nach Mainz), 5000 Mk. auf Nr. 23539 46808 85463, Gewinne von 2000 Mk. aus Nr. 4030 5273 11684 20261 44334 62155 70787 77537 80591 89670 94561 96097 .99240. (Ohne Gewähr.)

* Erhöhung der Branntwein- und Spiritus- preise. Infolge der hohen Kartoffclpreise hat der Spiritus­ring den Preis für Spiritus und Branntwein wiederum erhöht und damit dem Brennereigcwerbe eine erhebliche Mehr- cinnahme geschaffen, welche indirekt auch der gesamten, Kar­toffeln produzierenden Landwittschast zum Teil zu gute kommt. Die Erhöhung der Spirituspreise pro Liter um 10 Psg., d. h. von 25 Psg. auf 35 Pfg., macht sich selbstverständlich in den Kreisen der Konsumenten unangenehm fühlbar. Die Wirte aber empfinden c6 schwer, daß sämtliche spirituosen Getränke einen Preisausschlag erfahren haben, vielleicht sogar weiter noch erfahren werden.

Weihnachtspakete für Angehö rige der Ostasiatischen Bes.'atzungSbrigade können noch bis zum Feste in Ostafien eintreffen, wenn sie spätestens am 18. Oktober im Besitze her Speditionsfirma Rohde u. Co. in Hamburg sind. Für jeden Empfänger darf nur ein Paket im Höchstgewichte von 10 Kilogramm aufgegeben werden. Die Pakete sind mit genauer Bezeichnung des Absenders und des Empfängers sowie beß Truppenteils und Garnisonortes des letzteren zu versehen; sie müffen frei gemacht sein, baß Be­stellgeld für Hamburg ist vom Absender gleich mit zu ent­richten. Die Versendung von Hamburg auS erfolgt kostenfrei.

Die beiden Mädchen, die vor einigen Tagen in der Wohnung eines hiesigen Arztes, von außströmcndem Gas betäubt, bewußtlos aufgesunden und in die Klinik gebracht worden waren, sind nunmehr gesund und ohne daß der Vor­fall schlimme Folgen gehabt hat, auS der Klinik entlaßen worden.

* Kinematograph. Auf Oswaldsga rten ist seit heute93 r ä M er § Original-Edison-Ekektro- BioScop" (verbesserter Kinematograph!) ein getroffen. Schon morgen abend 8 Uhr wird mit den Vorstellungen begonnen. Die uns vorliegenden Zeitungen auS anderen Städten, wo Herr Brühler seither Vorstellungen gegeben hat, loben das Unternehmen alle; überall wird die Klarheit und Deutlichkeit der Bilder, sowie auch die Reichhaltigkeit des Gebotenen hervorgehobcn. Etliche Blätter behaupten sogar, daß BrählerS Vorführungen alles bis jetzt auf diesem Gebiete Dagewesene weit übertreffen. Die Gießener Schaulustigen werden diese Schensivücdigkeit sicher kennen lernen wollen.

Respekt vor dem Rock deS Großherzogs." In einer hessischen Garnison war, so schreibt uns ein Leser, ein Mann zu einer 14 tägigen Uebung' eingezogen worden, welcher ans Versehen vom Kammer-Unteroffizier einen Rock erhalten hatte, an dessen Kragen sich der Gefreitenknopf be­fand. Der Mann trug diese Auszeichnung auch mit Stolz; er war ein strammer Soldat, so daß der Hauptmann feine Freude an ihm und die Absicht hatte, den Oberheffen am vorletzten $ac<e seiner Dienstzeit zum Unteroffizier zu befördern. Der Vorgesetzte war aber nicht wenig erstaunt, im Nationale der zu Befördernden zu finden, daß der Gefreite eigentlich gar kein Gefreiter war. Er erkundigte sich bei dem Reservisten, wo er den Gefreitenknopf her habe, und erfuhr, was es da­mit für eine Bewandtnis habe.Warum haben Sie den Kopf nicht abgetrennt?" fragte er. Schlagfettig erwiderte her Oberhesse:Aus Respekt vor dem Großherzog seinem Rock", denn der hätte doch dabei leicht beschädigt werden können. Trotz dieser nicht üblen Ausrede mußte der Gefreiten­knopf sofort herunter, und mit der Beförderung zum Unter­offizier wars nichts.

**Auch ein Eisenbahnunfall. Ein Mitarbeiter und Passagier schreibt uns: Der reiche Obstsegen dieses Jahres bringt auch manche Belästigungen für Jung und Alt. Nicht cilieht die Kinder übernehmen sich durch den Obstaenuß und das führt dann zu Explosionen in irgend welcher Nichtting. sondern auch Eisenbahnen. So hat unser jüngstes allerlieblichstes Eiseubühncheu. unverständig ime es noch ist. sich am 5. d. M. tatsächlich an Obst übernommen. Es glaubte, als cs von Griedel gen Butzbach abdampfen wollte, einige Wagen Aepfel könnten ihm nicht schaden, es nahm sie auf. Bei einer geringen Steigung, auf btt Strecke ging ihm aber bei dem Uebennaß von ausgeuommenem Obst der Atem aus. Es mußte ganz ge- schwii d' nach Griedel zurück, um das Obst wieder von sich zu gelten. Erleichtert erreichte es Butzbach mit einer Ver­spätung, welche die Reistudeu in der Richtung Frankfurt .den Anschluß verpassen ließ. Man beachte: t'lllzuvicl ist 1 ungesund!