154. Jahrgang
Erstes Blatr.
Freitag 7. Oktober 1904
ietzenerAmeiger
w General-Anzeiger w
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
MWB
Gchvlpratze T. ttbrefle für Depeschen: Nnzetger Gtcßeu. Fernsprechanschluß Nr. bl.
yeLugspretsr monatlich 7b Pf., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- tu Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch oiePost Mk. 2.—viertel« jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bie TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZellenpreiS: lokal 12Pf^
auswärts 20 Psg.
Verantwortlich für den pofit und allgem. Teil: P. Wittko: für .Stadt und Land* und .Gertchtssaal*: August Goetz; für den An« zeigenteil: HanS Beck.
Nr. Ä36
Wrlch-iut rSgltch außer Sonntag«.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Kamillen» dlütter viermal in der Woche beigelegt.
NotationSdruck u. Verlag der BrÜ h l'schen Unioers.-Buch-u. Stein« druckerei. R. Lang«.
Ale heutige Mmmer umfaßt 10 Keiteu-
KeKannlmachMg.
In Großen-Buseck ist unter einer Schafherde die Räude ausgebrochen. Weide- und Gemarkungssperre ist verhängt.
Gießen, den 6. Oktober 1904.
Großherzogliches Kreis amt Gießen.
______________________ Dr. Breidert.________________________ Gießen, den 6. Oktober 1904.
Betr.: Die Jahresberichte der Großh. Gewerbeinspektoren für 1904.
Das GrMmzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 19. September l. J§. (Kreisblatt Nr. 125) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung mit Frist von drei Tagen erinnert.
______________I. V.: Dr. Wagner.________________
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlages von Fünf vom Hundert, pro Monat September 1904 für den LieferungSverband Gießen pro 100 Kg. betragen:
Hafer Mk. 16.55, Heu Mk. 7.35, Stroh Mk. 5.25.
Gießen, den 6. Oktober 1904.
Großherzoglich.'^ Kreisamt Gießen- ________________Dr. Breidert.________________
Bekanntmachung.
Betr.: Gesuch der Eisenwerke Lollar um Genehmigung zur Erbauung einer Eisengießerei-Halle.
Die Eisenwerke Lollar beabsichtigen, auf dem Werke in der Gemarkung Lollar eine Eisengießereihalle zu errichten.
Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vorn Erscheinen dieser Bekanntmachung in der Darmstädter Zeitung, bezw. im Kreisblatt für den Kreis Gießen an gerechnet, auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Lollar zur Einsicht der Jntereffenten offen. Etwaige Einwendungen sind binnen dieser Frist bei Meidung des Ausschlusses bei Großherzogl. Bürgermeisterei Lollar vorzubringen.
Gießen, den 4. Oktober 1904.
Großberzoglicbes Kreis amt Gießen.
_______________I. V.: Dr. Wagner._______________
Bekanntmachung.
Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Goethe st raße, zwischen Südanlage und Wieseckbrücke, von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt.
Gießen, den 6. Oktober 1904.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Roth.
Mlrtische Tagesschau.
Zum Lippeschen Erbfolgestreit.
Tie „Nat.-Ztg." schreibt anscheinend offiziös: Als eine irrtümliche Auffassung des von dem Kaiser an den Grafen Lippe-Biefteft eld gerichteten Telegramms darf es bezeichnet werden, daß der Hinweis, der Kaiser könne im Hinblick auf die ungeklärte Rechtslage eine Regentschaftsübernahme nicht' anerkennen, einen Eingriff in die bestehenden Gesetze des Fürstentums darstellen soll. Vielmehr darf als gewiß gelten, daß die tatsächliche Uebernahme der Regentschaft durch den Grafen Leopold zur Lippe-Biesterfeld, insofern die Fortdauer der Negierung bis zur Entscheidung durch den Bundesrat und weiter durch einen Schiedsspruch gesichert werden soll, in llebereinstimmung mit dem Lippeschen Landesgesetze keine Anfechtung erfahren wird. Ter Kaiser wollte durch seine Verwahrung begründen, weshalb er das Militär nicht vereidigen läßt. Was den Protest, der Lippe-Schaumburgischen Linie betrifft, in dem ev. die Einsetzung eines Reichsverwcsers in dem Fürstentum Lippe verlangt wird, so würde eine solche Einsetzung allerdings mit den Lippeschen Landcsgesetzen nicht im Einklang stehen. Kein maßgebender Faktor in Preußen denkt jedoch an ein Eingehen auf diesen Vorschlag im Protest der Lippe-Schaum- bnrgischen Linie. — Tie Regentschaftsfrage kann und wird nur auf dem gesetzlichen Wege entschieden werden.
In der B u n d e s r a t s s i tz u n g am Tvnnerstag wurde, nachdem der Vorsitzende des Hinscheidens des Regenten des Fürstentums Lippe ,gedacht hatte, der Antrag des fürstlich Schaum- burg-Lippes ivn Ministerium!- betreffend die Thronfolge im Fürstentum Lippe sowie eine den gleichen Gegenstand betreffende Eingabe des Grafen Erich zur Lippe-Biesterfeld-Weißenfels den zuständigen Ausschüssen überwiesen.
Jur Bundesrat sind die deutschen Bundesstaaten mit zusammen 58 Stimmen vertreten. Davon hat Preußen 17, Bayern 6, Württemberg 4, Sachsen 4, Baden 3, Hessen 3, Mecklenburg- Schwerin 2, Braunschweig 2. Alle übrigen Staaten, auch die drei deutschen Republiken Hamburg, Bremen, Lübeck, haben je eine Stimme. Wenn der Antrag der, Lippeschen Negierung auf Einsetzung eiiws unabhängigen Gerichtes znr nochmaligen Entscheidung der Tl ^'nfv'gersrage dem Bundesrat vorlieat, so haben allein die vier größeren Staaten Preußen, Bayern, Württemberg und Sachsen ein? Mehrheit der Stimmen, mit der sie den Antrag zu Falle bringen können. Es ist indessen iMt anzunehmen, daß auch nur einer der Bundesstaaten außer Preußen den Antrag Lippeö ablehnt. Tann bliebe, falls Preußen die Ablcbnung
befürwortet, der größte deutsche Bundesstaat mit seinen 17 Stimmen in der Minderheit. Tie Frage, welchen moralischen Eindruck eine derartige Niederlage Preußens machen müßte und ob es zweckmäßig gewesen, die Eventualität eines solchen Mißerfolges hcraufzubcschwörcn, mag den Reichskanzler Grafen Bülow beschäftigen oder bedrücken, der für die Vertretung Preußens im Bundesrate verantwortlich ist.
Man meldet heute aus Lage in Lippe, die Sitzung des Landtagsausschusses wurde gestern erst spät abends abgebrochen. Es wurde absolute Geheimhaltung der Ausschußberatungen beschlossen.
Unter dem Titel „Erlebtes aus Detmold" veröffentlicht der bekannte Rechtslchrer Professor Tr. Kahl, ein persönlicher Freund des verstorbenen Grafregenten von Lippe, dessen Sachte er von Anfang an vertreten hat, Betrachtungen über die Person des Grafregenten und die Rechtslage, in der er auch, so schwer es ihm wird, denn er nennt sich kaisertreu bis in die Knochen und auf den letzten Blutstropfen, Stellung nimmt gegen das Telegramm , in welchem der Kaiser die Tlwonfolgeföbigkeit der Söhne des Regenten nicht anerkennt. Er schreibt: „Es gibt eine zwei- K Art der Opposition, eine Opposition der Untreue und eine ffition der Treue. Tie meinige ist und will nur sein die der Treue. Wo ich überzeugt fein muß, daß die Rechtsauffassung meines allerhöchsten irdischen Herrn nicht die richtige ist, muß ich reden, wenn ich Beruf dazu habe. Beruf dazu habe ich als Lehrer des öffentlichen Rechts, als solcher kann ich nicht vertreten oder geschehen lassen, was mir als öffentliches Unrecht erscheinen will. Tiefen Standpunlt haben die beiden Reichskanzler Bismarck und Hohenlohe, welche sachlich überzeugte Anhänger des Biesterfelder Rechts gewesen sind, vollauf gebilligt. Was ich selbst in der Sache fördern kann, schätze ich ungemein gering ein, aber ich rechne auf die vornehmsten Hilfskräste, ich vertraue unerschütterlich auf den Gerechtigkeitssinn meines Kaisers, au die Einsicht des Bundesrats und des Reichstags. Ich rechne au die. patriotische öffentliche Meinung und die aktive Mitwirkung meiner wissenschaftlichen Kollegen. Ein gerechtes Richten können Gegner und Freunde nicht versagen. Um diese Bitte handelt es sich jetzt ganz allein. Alles andere ist spätere Sorge."
Als Bundesratsbevollmächtigter, den der neue, mit Heiterkeit vom Lippeschen Landtage „begrüßte", Prätendent Graf Erich zur Lippe-Weißenfeld ernannt hat, wird Tr. Vollmar von Wurmb in Zoppot bezeichnet, dessen Persönlichkeit in Detmold gänzlich unbekannt ist. (Tr. v. Wurmb, früher Stadtrat in Gera, ist seit einigen Jahren Bürgermeister des westpreußischen Badestädtchens Zoppot. D. Red. d. „Gieß. Anz."-
Ein Blutbad in Portngiesisch.Westafrika.
.In der .Deputiertenkammer zu Lissabon teilte Marineminister Gorjao mit, daß eine von der unter dem Befehl des früheren Gouverneurs von Mofsamedcs und Huila, bc.3 Kapitäns Codo Ägniar, stehenden Expedition gegen die Kuan- Hamas abgezweigte Abteilung beim Uebergang über den Hunene- lluß vom Feinde überrag und heftig angegriffen worden sei. Die aus 499 Mann bestehende Abteilung habe einen Verlust von 254 Toten und 50 Verwundeten gehabt. Unter den Toten befinden sich 15 Offiziere. Die Hauptkolonne sei auch ins Feuer gekommen, habe aber keine nennenswerte Verluste gehabt.
Tie Agence Havas berichtet aus Lissabon weiter:
Tie 499 Mann starke portugiesische Abteilung, welche beim Uebergang über^den Kunenefluß vom Feinde überrascht wurde, bestand aus 255 Europäern und 244 Eingeborenen. Von den ersteren sind 109, von den letzteren 145 tot oder verwundet. Tie Abteilung bestand aus ^zwei Zügen Kavallerie, vier Zügen Eingeborener und drei Zügen europäischer Infanterie sowie einer Sektion Artillerie. Der Feind hatte während der Nacht einen Hipsterhalt gelegt. Tie Negierung beabsichtigt, eine Expedition von 5000 Mann zur Bekämpfung der Kuanhamas auszurüsten und die Besatzungen und die Sckiiffsstationen in Angola zu verstärken.
Der Kunenefluß bildet die Grenze Zwischen der portugiesischen Kolonie Angola und Deutsch-Südwestafrika, und es ist deshalb erklärlich, daß Deutschlands Interessen durch einen Aufstand in jener Gegend gleichfalls bedroht werden können. Trotzdem halten wir eine unv aus Portugal zugehende Privat- meldung, derzufolge die deutsche Negierung infolge der Erhebung der Kuanhamas abermals beträchtliche Truppenmassen nach Südafrika schicken wolle, für verfrüht.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. Okt. Der Kaiser ist heute nachmittag von Danzig nach Hubertus stock abgereist.
— Die „Nat.-Ztg." erklärt die Meldung eines venezianischen Blattes, daß der Kaiser im November in einem italienischen Hafen mit dem König von Italien Zusammentreffen werde, für phantastisch und das Gerücht, der Kaiser werde im Frühjahr eine neueMittel.- meerreise unternehmen, für eine Willkürliche Kombination.
— In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde auch der Vorlage betr. die Gestaltung der Ausprägung der Fünfzigpfennigstücke zugestimmt.
Heilbron n, 6. Okt. Heute fand hier eine Konferenz >er Vertreter der Neckaruferstaaten Baden, Hessen und Württemberg statt, um über die von württembergischer Seite vorgeschlagenen Vorarbeiten für einen Großschiff- ahrtsweg von Mannheim bis Heilbronn zu beraten. Es wurde beschlossen, eine ständige technische Kommission zu bilden, die aus höheren technischen Beamten >er drei Uferstaaten besteht. Der technische Entwurf für >ie württembergische Neckarstrecke soll von dem hydogra- chischen Bureau in Stuttgart, derjenige für die badische Strecke von der badischen Rheinbau-Jnspektion Mannheim
Kirche und Schule.
Berlin, 6. Okt. Die Stadtverordneten nahmen nach lebhafter Debatte einstimmig den Antrag an, welcher die Haltung des Magistrats gegenüber dem
kollegium in der Angelegenheit derGewährungstädti- ' ch e r S ch u l r ä u m e z u a n d e r e n a l s S ch u l z w e ck e n billigt und die Erwartung ausspricht, der Magistrat werd ' auch künftig die Rechte der Stadtgemeinde und der Selbstverwaltung g e g e n ü b e r u n b c r e ch t i g t e n Eingriffen wahren, au. Im Laufe der Debatte hielt
Oberbürgernreister Kirschner eine Rede, in welcher er die Berechtigung des von der Schulaufsichtsbehörde erhobenen Anspruchs (nach welchem jene Gewährung ihrer Genehmigung unterliege) bestritt und hinzufügte, der Magistrat werde in dieser ernsten Situation, so ernstz wie sie er, der Redn'er> an dieser Stelle noch nicht erlebt habe, fest und bestimmt die Rechte der Selbstverwaltung Zrahren.
Paris, 6. Okt. Zwischen dem Präfekten des Departe^ ments Seine et Oise und dem Gemeinderat von Eorbeille sind Streitigkeiten ausgebrochen. Der Präfekt hatte nämlich den Gemeinderat aufgefordert, als Ersatz für die geschlossenen kongreganistischen Schulen neue Schulen bauen zu lassen; der Gemeinderat lehnte es jedoch ab, die hierflir notwendigen Mittel zu bewilligen. Der Präfekt hat nunmehr dem Gemeinderat eine Frist von 14 Tagen bewilligt, innerhalb welcher dieser dem Befehl^ nachzukommen hat.'
Ausland.
Rom, 6. Okt. Doktor Baccari, welcher von tet, italienischen Regierung mit der Mission betraut wordew war, nach dem belgischen Kongo zu reisen, um festzustellen, in wie weit die klimatischen Verhältinsse die Gründung einer italienischen Kolonie ermöglichen, erklärte einrnv Journalisten, daß am 2. Juli ein Ver giftun g sv ersuch ge gen ihn unternommen worden sei.
Prag, 6. Okt. (Landtag.) Zu Beginn der Heutigert, Sitzung sprach der Statthalter die Hoffnung aus, daß die stellenweise unerträgliche Notlage die streitenden Deutschenund Tschechen einander näher bringen werde. Die Regierung glaube klar zu sehen, daß der Wunsch nach 'Frieden sich auf beiden Seiten rege, weil die Landbevölkerung dirngend Hilfe fordere und Industrie und Handel den nationalen Frieden als sichere Grundlage für ihre Tätigkeit erwarteten. Im Laufe der Sitzung setzten die Deutschen ihren Obstruktionsantrag durch. Nach Vornahme der Abstimmung wurde die Sitzung unterbrochen. Gegen Schluß der Verhandlung erklärten die Tschechen, die Regierung sei schuld an der gegenwartigeit Lage, da sie die sprachliche Gleichberechtigung nicht gewähre, die Schule zu Germanisierungszwecken mißbrauche und die wirtschaftliche Krisis zur Lahmlegung der tschechischen Opposition ausnütze. Die Tschechen seien stets bereit gewesen, zum Friedensschluß das Ihrige zu tun; die Rechte des tschechischen Polkes könnten sie aber nicht preisgeben und sie seien daher entschlossen, den Kampf gegen d as herrsch en de System fortzusetzen, wenn den Rechten und Bedürfnissen des Landes und hes tschechischen Volkes nicht entsprochen werde.
Zara, 6. Okt. Ein dalmatinisches Blatt erhob kürzllch gegen den Statthalter Bandel den Vorwurf, er äußerte sich, er halte nichts vom dalmatinischen Ehrenworte, während er tatsächlich gesagt hatte: „Im Dienste gebe es kein Ehrenwort". Im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit gab heute im dalmatinischen Landtage der Abg. Eingria die Erllärung ab, daß alle Abgeordneten überzeugt sind, der Statthalter habe durch sein Verhalten das Land schwer verletzt und sie würden dem Landtage solange fernbleiben, wie der Statthalter im Amt sei. Der Statthalter verließ hierauf unter Abzugrufen den Saab, während der Regierungsvertreter im kaiserlichen Auftrag den Landtag für geschlossen erklärte.
Belgrad, 6. Okt. Ueber die Reise des Königs wird aus Kraljevo gemeldet: Der König kam um 3 llhr hier an. Der König ging überall unter die Bauern und unterhielt sich mit ihnen. In Mucoviza begannen die Bauern auf die Obrenovitsch zu sch impfen. Der König verbat sich das und sagte: Die Obrenovitsch haben ihre großen Verdienste um Serbien, die ihnen niemand absprechen darf! In Guberevzi tanzte der König mist Bauern Kolo. Er versprach, mit der Regierung darauf hinarbeiten zu wollen, daß die Steuern reduziert werden^ In Kraljevo wurde der König von einem Kavallerieregiments das hier garnisoniert, feierlich empfangen. In letzter Zeit war das Gerücht verbreitet, in der hiesigen Garnison herrsche große Unzufriedenheit, und die Offiziere bereiteten Demonstrationen vor. Alle Befilrchtungen habew sich jedoch als grundlos erwiesen.
Saint Louis, 6. Okt. Die heutige Feier des deut- chen Tages liahm einen glänzenden Verlauf. Der deutsche Botschafter, Freiherr Speck von Sternburg, teilte folgendes Telegramm des Kaisers Wilhelm mit:1
Den wackeren Bürgern Amerikas, die gewollt haben, daß der Weltausstellung in Saint Louis die Feier eines deutschen Tages nicht fehlen soll, entbiete ich zu diesem Feste meinen kaiserlichen Gruß und Glückwunsch. Möge der Tag in ungetrübter Freude begangen werden als würdiges Zeugnis dessen, was in der erstaunlichen Entwickelung des großen transatlantischen Freistaates die deutsche Einwanderung bedeutet. Rominten, 6. Oktober. Will)elm.
Aer Krieg zwisltien Japan und Außland. Port Arthur.
Tokio, 5. Oki. Die Port Arthur blockierende japanische Flotte brachte eine Dschunke mit Lebensmitteln auf, welche in den Hafen einzufahren achte. Aus den Aussagen der Mannschaft geht hervor, daß eine auS 8 0 Dschunken bestehende Flotte existiert, welche gebildet ist, um von der Umgegend von Tsingtau auS die Blockade zu brechen. Trotz der Wachsamkeit der Blockade« chifse erreichen viele Dschunken die russischen Linien. Auf der unteren Halbinsel befindet sich eine Anzahl Landungsstellen. Die Dschunken fahren nachts ein. Die ruffischen Geschähe und die Minenfelder gewähren ihnen einen Vorteil vor den Blockadeschiffen. Die Japaner hegen den Verdacht, daß auch


