Äarltrube, 6 IuN. Ti Zwei tc Kammer JkinmSe (rftrrn brm vVjc^ntftPiiri intb bem 6tirat#t>ertYxrg bett lhc XufhVmwi uvifibrn Vaden uttb Hessen bc- Waben Eoudominats über die 1451 Einwohner züd teste Otemrinbe <kü rnda cd einftnmmg M „in der be- fhmrntvn 6-rtvartmui das; die Ne^ftenma birrcb Einstellung nxtfrinxhrnber 2X:tftl in die künfttgen Staatsbudgets bufü: sorgen wird, daß der <$kmeüibf der Neberaung in Mc neuen Z^rhülmisse erleichtert unb inSlussmtdt're der ?HifhMnb, der durch die daselbst ueu'vusctnN'sendeu ^meinbreinrichtungeu entsteht in wei rieben dem Maße crnf die Sta^rtSkasse mib übernoirunm wird."
Wü neben, 6. Juli. Dor etwa mer Monaten erschien eine VroscKüre Allgemeines Wahlrecht uirb bäuerische Wlahl- reform" von Pfarrer A. Schowalter-Gettenbach, der darin il a. febrieb: „Fällt die Varlage sckwn h: brr Stimmer der RcickSrätc, so nmß die hberak Fraktion, wenn sie nicht beim nürfy’tm Wahlkampf mit Nieren Händen vor die Wühler treten will, sofort die Glnmb- und Durchsübr- ungslx'ftimmun^^en einer reinen Verhalt reis wähl ent- irerftn unb noch dem derzeitigen 9anbhig vorlegen," Damals schimpfte man auf diesen Vorschlag und heute — gilt seine AnSfühnmg als geniale Tat *'
Leer und Klotte.
München, 6 Juli. Der Präsidertt des bäurische,: DcteranLn. und Kriegerbuudes, Eienerr,lleutmrnt D. von Waagen nnirhe im Eisenbahnzuge von einem Schlaganfall betroffen. Im Laufe des heutigen Tages trat eine leichte Besserung ein.
Ausland.
London, 6. Juli. Mil Ablauf des Waffenstillstandes, ber gestern mittag >n (Fitbe ging, haben die Feilchseligkeiten yrnffhen dm englischen Ttmvpen und den Tibetanern alsbald wieder begonnen. Dorf und Kloster Bechan wurde von den Engländern in Brand geschossen. Der Stäupt cm griff gegen die 3teTlnng der Tibetaner bei Gt>- angstse soll deute durch drei im ganzen 1200 Warm starke Kolonnen erfobnm ss^eneral Mardonald glaubt nicht ohne schroeren Kampf rn den Besitz der Position gelangen zu können.
— Nach dem „Tafln Erpreß" soll die chinesische Ka iserin die Michi ausgedruckt haben, sich zurückzn- ziehen und dem Kaiser freie Hand zu lassen. Mau erklärt diesen (ntticbhm damit, daß Unruhen in der Luft liegen, für die die Kaiserin nicht die Verantwortung über nehmen will.
Lissabon, 6. Juli. Burnan verhandelt mit der portugiesischen Neqieruno wegen des TabakmonvpolS und Konvertierung der Ttibe.krp'ligativnen
Jackson (Staat Michigan , 6. Juli Heute wurde hier der 50. Jahrestag der Eaündung der republikaTnschm Parte: festlich begongm. 5000 Personen wohnten der Feier bei. Hauptredner Staatssekretär Han führte au 5, Amerika unterhalte nichtverpflichtende, jedoch freundschaftliche Beziehu ngen mit der ganzen Welt. ES habe wederPerbündetenochFeinde. Tie Politik Mc. Kinlevs unb Roosevelts sei hauptsächlich auf die Bohrung der ammfanifdxm Interessen im Stillen C^can ge richtet, an dessen weiten Okitaben die Belt so viele Arbeit m leisten haben werde Beide (Genannten hätten an bäumtb die gewaltige B.Deutung dieses Arbeitsfeldes im Auge gehabt, welches sich für die Tätigkeit öffne. Tie BerhanDlungen wegen des Elanton-Bulver Vertrages, die sie einleiteten und den Bau bc5 JsthmuSkanalS bildeten einen Teil des allgemeinen Plan., der be.^veckte, im fernen Orient ein Feld für Unternehmungen zu öffnen.
Aus Stadt uiiii £miö.
Gießen, den 7. Juli 1904.
— Prof. Haller. Der ordenttick e Professor für mittlere vnd neuere Geschichte und historische Hilfswissenschaften an der Universität Marburg, Dr. pbil. Johannes Haller, der als Nachfolger des verstorbenen Prozessors Dr. Konstantin Höhlbaum in gleicher Eigenschaft an die Universttät Gießen berufen worden ist, ist in Estland (Rußland) geboren, studierte in Dorpat, Berlin :md Heidelberg, bestand in Dorpat 1888 die Kandidaten- und 1889 die Oberlehrerprüftrng :md promovierte 1891 in Heidelberg mit einer Dissertation: „Die deutsche Publizistik in den Jahren 1668—74, ein Beitrag zur Geschichte der Raubzüge Ludwig XIV.* Don 1892 biß 1897 war er Mitglied deS Kgl. preußischen historischen In- ststutS in Rom als Mitarbeiter am Repertorium Gerrna- nieum, habilitierte sich 1897 in Basel auf Grund seiner Arbeiten über daS Konzil von Basel, Studien tmb Dokumente zur Geschichte des Konzils m Basel, für mittlere und neuere Geschichte, kehrte 1901 an daß Kgl. preußische historische Jnststut in Rom als Assistent gurücf. 1902 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor in Marburg an Stelle von Brandi, der nach Göttingen übersiedelte. Dort wurde er im Marz 1904 Ordinarius. Außer mehreren Abhandlungen, u. a. in der ,Historischen Zeitschrift* (TanteS Beatrice), in der ,Russischen Revue* und in den „CueUen unb Forschungen des preußischen historischen Instituts in Rom* (Aufsätze zur Geschichte und Diplomatik der Päpste) schrieb Haller: .Papsttum und Kirchenreform. Vier Kapitel zur Geschichte deS ausgehenden Mittelalters*. Haller war Mitherausgeber der Register zur deutschen Geschichte aus dem Datitanischen Archiv I.
•* Personalien. S. K. H. der Großherzoq haben oem Oktroierheber t P. Heinrich Groß zu Darmstadt das Silberne Streut des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren dem Mitgliede der sieiwilligen Feuerwehr zu Lich, Maler Hisgen, verliehen. — Der GerichtSasiessor Franz B o h n in Nieder-Olm wurde zum Notar mit dem Amtssitze in Wörrstadt ernannt, der Amtsgerichtsdiener am Amtsgericht Gießen, Friedrich Nikolai, zum Kanzleidiener am Landgericht der Provinz Cb erbeff en. — Ernannt wurden rrnier der Hauptsteueramtskontrolleur bei dem Hauptsteueramt Mainz, Heinrich Hellwig, zum HauptsteueramtS- rer bauten bei dem Haupt steuer amt Bmgen, der Fmanzaspirant Hermarm Lo oS auS Lampertheim zum Asiistenten bei der Bejn-fstafle Mainz I, der Salinenbauanfseher bei der Bade- direttion -lab Nauhe:m, Georg Schäfer zu Friedberg, zum
- Verzeichnis der Fernsprechstellen. Infolge her m letzr^ Zen starten Dergrößenmg unseres städtischen 7,:mspeechnetz«s hat tue Firma Ernst Balser em neues Der-
zeichn iS der Femsproch-Teilnehmer früher als sonst in handlicher Form zum Preis von 60 Pfg. soeben herauSgegeben.
^Haftentlassung, ßu ber kür-lickM Notiz aus Niederflorstadt, die Äerlutstung eines Dr. M'. betreff tmb, teilt man un^ mit, daß auf die Beschwerde des ^Ttiaftctr« hin her Haftbefehl fufirrt am Tage nach der VerhafOtrn^ mtsgehoden und der Beschuldigte ohne Miutiou auf freie:: Fuß gesetzt wcwden ist, weil tveber formale noch auch sachliche Ol-rüicbe die Beidaftnng rechtfertigten.
X Atzbach, 5. Juli. Die schon seit Jahre:: hier geplante Anlage einer Haltestelle für Personenverkehr geht etzt erst ihrer Verwwklichung entgegen. Sie sollte zwar chon am 1. Juli er. eröffnet werden, und wir finden bereits auf allen Fahrplänen die Züge oermerft, welche hier verkehren sollen, allein eS wirb schwer halten, daß der Marte- raum bis zum 1. August fertig gestellt sein wird. Die Er- öffntntg deS Personenverkehrs wird von der gesamten Einwohnerschaft auf daS lebhafteste begrüßt, da bei ungünstiger Witterung die zwar nahen Haltestellen von Dorlar und Dutenhofen saft nicht zu erreichen waren. Auch war seither unser großes Dorf noch bie einzige Gemeinde an der Teil- trecke Lollar—Wetzlar gelegen, welcher trotz erneuter Vor- tellung die Vorteile einer Personenhaltestelle versagt blieben.
(!) AlSseld, 6. Juli.. Auf der geftngen Protestversammlung gegen die Beseitigung unseres Land- tagSMandates wurde folgende Resolution, die in den nächsten Tagen innerhalb der Einwohnerschaft AlSfeldS zur Unterzeichnung zirkulieren wirb, angenommen:
Die heute versammelten LcmdtoqSwähler und (Einwohner der Stadt Alsieid legen gegen den Best! ' m der Zweiten Kammer vom 1. Juli 1904, nach rvelchem bie Smdt AlSseld kunstighm einen eigenen Abgeordneten nicht mehr wählen soll, hiermit entschieden Verwohrrmg cm. ES handelt sich um em nahezu ein Jadrhtmden bestehendes Recht, gewährleistet durch die hessische Veriassung vom 17. Dezember 1820; um ein Privileg, dessen Beseitigung eine schwere Schädigung unserer Jnieresien und derjenigen der ganten Provinz bedeuten mürbe. Tie Abgeordneten unserer Etadk haben durch ihre Tätigten stets bewiesen, daß sie nicht nur Vertreter der Stadt 2llSseld, sondern auch der qaiuen Provinz und deS gesamten Hessen- lanbcfl sind. W:r verstell baher nicht, daß ländliche und dazu noch oberhessische Abgeordnete für Beseitigung bet Privilegs unserer Stadt emtreten und verkennen formten bie Vielsachen gemeinsamen ländlichen Interessen, welche bie Kreisstadt AlSseld mit dem Lande verhindern Wir haben das leste 'Vertrauen je der Gros rung und zu der hoben Ersten Kammer der Stände, daß sie diesem Beschlüsse ihre Zustimmung, bezw. ihren Beitritt versagen werden. Wir verfehlen aber nicht, heute einmütig ohne Unterschied der politischer! Meinung zu erklären, daß wir die Beseitigung dcS WaHl- rechtSpnvilegnnnS der Stadt AlSseld al- eine Entrechtung bezeichnen müssen, gegen welche wir im Interesse unserer Stadt und deS getarnten Landes energisch protestieren.
Diese Resolutton wird der Regientng und der Ersten und Zwerten Kammer überreicht werden.
§ AuS dem Vogelsberg, 6. Juli. Eine wahre Plage für Pferde und Fahrvieh bilden in diesem Sommer die Bremsen und Fliegen. Wohl treten diese Plagegeister in federn Sommer auf, selten aber m solcher Menge, wie gegenwärtig. DaS Fahrvieh ist oft ganz blutig gestochen, unb ohne daß jemand beständig daS Vieh zu schützen sucht, hält eS dieses, besonder- m der Nähe deS Walde-, 'aum au«. Nicht selten kommen demzufolge Durchgänge vor. Man wendet vielfach da- sogen. ,Franzosenöl* al- Schutzmittel an, mbem man baß Vieh damit einreibt. In der Tat meidet daS Ungeziefer derartige- Vieh.
-e-. Langen, 6. Juli. Heute feierte die Provinzial- hanS Haltungsschule hier unter sehr starker Beteiligung früherer Schülerinnen unb deren Eltern ihr 25|5hrige6 Stiftungsfest. Es begann mit einem FestaktuS im RathauS- saale, bei welchem Geh. RegierungSrat H<laS m der Festrede besonder« hervorhob, daß bie Vorsteherin ber Anstalt, Frl. MelSheimer, zugleich ihr silberne« Jubiläum al« Leiterin feiere. Cie höbe mit Fleiß und Umsicht die Anstalt geleitet. Von ihren fast 500 Schülerinnen wurden ihr ein kostbarer Bnllantring, em Geldgeschenk (der Rest der Sammlung), Blumenarrangements, Tafelaufsätze ufro. verehrt. Dieser Feier ichtoß sich ein Festeren un ,Adler* an, und darnach zogen die Festteilnehmer unter dem Klange der hiesigen Kapelle nach der prächtig geschmückten HauShaltungSschule, wo ein schönes Gartenfest mit Tanz die in allen Teilen gut gelungene Feier beschloß.
Mainz, 6. Juli. Der hessische Viehhändlerverein beschloß, bis zum 1. August in Verbindung mit der Metzger- mnung, ober auch allein, eine Viehversicherung zu gründen, um damit den Folgen der mit vollem Recht strengen Fleischbeschau zu begegnen. Hätten die Viehhändler schon früher eine Versicherung geschaffen, könnten sie ruhigen Blutes zusehen, wenn Vieh au5 hygienischen Gründen zurückgewiesen wird. Em solcher Fall war nämlich hier die Veranlaffung gewesen, daß bie Viehhänbler brohten, ben Mainzer Markt auSziisperren.
Mainz, 6. Juli. Ein ausgezeichneter Fang ist ber Polizei in Biebrich gelungen. Von ber Staatsanwaltschaft wurde seit einiger Zeit ein Bureaugehilfe gesucht, ber einem Rechtsanwalt in Swinemünbe 1500 Mk. unterschlagen hatte. Gestern gelang es ber Biebricher Polizei, ben Gesuchten, obwohl er nicht gemelbet war, zu ermitteln unb festzunehmen. Er hatte Anstellung bei ber Straßenbahn erhalten unb sollte bemnächst im Vureaubienst Verwendung finben. <M. Tgbl.)
Mainz, 6. Juli. Gestern abend hielt der demokratische Verein eine Versammlung unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Kommerzienrat M. M. Mayer ab. Stadtverordneter Dr. Horch hielt einen Vortrag über „Klaffenjustiz*. Die AuSsühnmgen deS Redners richteten sich in ber Hauptsache gegen baS heutige Bestreben, das allgemeine Recht zu zersplittern' durch die Schaffung von Sondergerichten, als Gewerbegerichte, Kaufmannsgerichte usw. Der Redner brückte sein Bedauern barüber aus, baß gerabe diejenigen Gerichte, mit welchen bas Volk zumeist m Berührung komme, wie Amtsgerichte x., mit zu jungen Richtern besetzt seien. Auch bie Verschleppung ber Prozesse zog Redner m ben Bereich seiner Betrachtungen unb fanb bie allgemeine Ursache biejer Verschleppungen in dem Mangel an Richtern, verursacht durch bad Sparsystem ber Regierungen. In machen ber Kaufmannsgerichte war ber Alterspräsident beS Kaufmännischen Vereins, Mittnacht, mit ben Ausführungen deS Berichterstatters nicht einoerftanben. Stadtverorbneter M. M. Rlayer verbreitete sich danach über die heffische Wa h lgesetzre sorm unb entwickelte ein klares Bilb von bem Verlauf und dem Stand der heutigen Verhandliingeu. Er sprach die Hoffnung aus, daß trotz des Herrn von Heyl auch die Erste Kammer
den Entschließungen ber Zwesten Kammer zustimmen würde, umsomehr als es ein ganz besonderer Wunsch befl Großherzogs sei, seinem Volte daS allgemeine birekti Wahlrecht zu sichen:. <Frks. Ztg.)
Homburg v. d. H., 6. Juli. Hauptmann a. D. v. Wobiczka ist heute nachmittag plötzlich gestorben. Er würbe m dem nachmittags 6 Uhr von Frankfurt abgehenden Personenzuge von einem Schlaganfall getroffen unb kam hier alö Leiche an. — Oberhof- und HauSmarschall Graf Eulenburg ist hier eingetroffen unb hat zum Kur- gebrauch auf vier Wochen im königlichen Schlöffe Wohnung genommen.
Kleine Mitteilungen aus Hessen unb den Nachbarstaaten. Der erste Abgeordnetentag deS „Krieger- bundeS für Kurheffen*, der in Spangen berg tagte, hat auf Anregung deS Ehrenvorsitzenden, Generalleutnants z. D. Harnickell, beschloffen, zur Erinnerung an die Zeit in 1870/71 ein Denkmal Kaiser Wilhelms I. in ber Provinz Hessen-Nassem zu errichten. — Zum Nachfolger deS Direktors vom Goethe-Gymnasium in Frankfurt a. M., Geh. Ne- gienmgSrat Neinharbt, ist der Oberlehrer Dr. Ewald Bruhn- FlenSburg auSersehen. — An einen: Neubau in Offenbach iel ein kurzer Gerüstbalken, sogenannter Hebel, von einem der oberen Stockwerke herab und traf einen Handlanger so heftig inS Genick, daß er tofort tot war. Der Verunglückte, ein geborener Bayer, ist verheiratet unb soll sechs Kinber hinterlaffen. — Auf Anorbnung ber Staatsanwaltschaft WieSbaben würbe in Dotzenheim bie Leiche eines neunjährigen Mädchens seziert, dessen Tod angeblich auf eine in derSchule erhaltene körperliche Züchtigung verursacht sein sollte. Wie bie Sektion ergab, war das seit längerer Zeit leidende Mädchen an Gehirnhautentzündung unb Lungenlähmung gestorben. Da bas Kinb in ber Schule aber überhaupt nicht gezüchtigt worben war, hat bie vorgesetzte Behörde für ben beschnlbigten LehrerStraf- antrag gegen bie Erfinder und Verbreiter des Gerüchts gestellt.
Professor Mcyer und Arau.
L
Am Montag begann vor der ersten Straftammer beim Land- geriete II. in Berlin ber Prozeß gegen ben früheren Privat- dozenten Pros. Meyer und dessen Frau. Tie Anklage beicteilbigt Mever in 30 Fällen, feine Frau in 27 Fallen unb beide gemeinschaftlich in 20 Fällen deS vollendeten und bie Frau in fünf Fällen de« versuchten Betrug-.
Ter 1842 geborene Angeklagte gibt folgendes an: Er ist seit 1874 in Berlin, war .HilsSarlxüter bei der llniversitätsbiblio- thek. bann Tozent an der Hoclqchule in Charlottenburg, gleich* zeitig dozierte er an ber kaiserlichen Post- und Telegraphen- fdmle. Tie Dozeittenftelle hat er 1884 nufgegebei:. Seit 1885 war er Redakteur des Börsen- und Handelstests ber Nationalztg. Tiefe Stellung hat er 1890 mifgegeben und ging bann als Han- beUrebnftcur zur Boffischen Ztg. über, bezog dort ein festes Monatsgehalt von 540 Mark und daneben noch für besondere schriftliche Arbeiten, die er lieferte, 4—5000 Mark. 1896 ist er aus dieser Tätigkeit ausgeschieden. Tann hat er zwei Zeitschriften gegründet und b:s zu feiner Verhaftung geleitet, gleichzeitig war er eine jeitlang sjst-daktenr der Finanz- unb Handelszeitung.
Tem Angeklagten unrb vorgeworsen, daß er die Mittel ;u seinem luxuriöse:: Leben in ben letzten Jahren größtenteils! durch Betrug aufgebracht habe. AIS er 1902 ben Offenbar- ungseid leistete, gab er sein jährliches Einkommen auf 12 000 Mark an. Tie reichen Einnahmen, die der Augellagte erzielte, reichten jedoch nie. Wie er angiebt sollen seine finanziellen Kalamitäten daraus zurückzuführen fein, daß ihn die Krankdeit feiner ersten Frau und bie Unterstützung an Venvandte viel Geld kostete. Für seinen Haushalt will er täglich nur 5 Mk. verausgabt haben.
Tie zweite Frau Prosef^or Mcver war Barietee- künstlerin. lieber ihre Bemühungen, bie Finanzen des Ehepaars auszubessern, erzählt der Angeklagte: Meine Frau wollte eine Tournee durch einige Varietees machen und als Sängerin Geld verdienen. .Ich begleitete sie nach Hamburg, wo sie mit einer MonatSgage von 600 Mark engagiert wurde. Leider mußte die Tournee wegen schwerer Halsentzündung der Frau aufgegeben werden und meine Frau kam nach Berlin zurück. — Präs.: Sie sollen wiederholt in Restaurants Ihre Zeche schuldig geblieben fein. — Angell.: Ick habe sehr viel Brom nehmen müssen, unb mein Gedächtnis ist sehr schwach geworben. Meine Frau hatte aus Vorsicht oftmals mein Portemonnaie an sich genommen und in dem Restaurant merkte ich dann, daß ich es nicht bei mir hatte. Ich habe aber den Restaurateuren immer vor bem Kontrahieren einer Zeche Mitteilung davon gemacht. — Präs.: Sie haben ja auch nicht bezahlt, obwohl die Leute »viederholt in Ihrer Wohnung vorgesprochen und Zahlung verlangt haben. Sie behaupten, daß Sie im J:mi 1903 Ihren Vertreter, Rechtsanwalt Earo, angegangen sind, ein Slrrangemeirt mit Ihren Gläubigern anzubahnen? — Angell.: Tas habe ich getan. — Präs.: Ein Teil Ihrer Gläubiger behauptet, daß Sie Ihnen zur Deckung ZeitungsabonnementSauittungen überwiesen, diese Gelder dann aber schleunigst selbst eingezogen haben. — Angell.: DaS ist nicht wahr!
Hieran schließt die Vernehmung der Ehefrau Frida, tvelche 24 Jahre alt ist. Sie bestreitet mit aller Entschiedenheit jede Schuld. Sie habe niemand etwas vorgespiegelt, sie habe gewußt, daß ihr Mann ein sehr großer Verdiener sei und keine Ahnung von seiner bedrängt en Lage gehabt.
StaatSanw. Assessor Tr. Katz: Es hat gegen Meyer auch ein Verfahren wegen Kuppelei geschwebt, welches eingestellt worden ist. Tabei sind Briefe beschlagnahmt, die den Beweis bringen, daß beide Angeklagte ganz genau gewußt haben, wie ihre Vermögenslage war. Ter Angeklagte über)chüttet darin seine Frau mit den süßesten Schmeichel' und Kosenamen und es geht aus ihnen hervor, daß der Angellagte fort und fort seiner Frau nur lleine Summen znfandte, mit dem Bemerken, daß alle feine Bemühungen, weitere Gelder aufzutteiben, vergeblich waren. In einem Briefe heißt es: „Kannst Tu nicht Frau Tr. £>. anpmnpcn?" In andern wird die Freude darüber aus- gedrückt, daß sie sich von einem Herrn B. so oft aussühren und zum Tiner und Souper einlaben läßt und die Frage erwogen, ob sie sich demselben enthüllen und ihre Lage schildern solle. Es heißt bann, „sie müsse dem Herrn gegenüber tüchtig schauspielern und eine Szene erfinden". Dann schreibt er wieder: Tie Huldigungen, die man Dir entgegenbringt, machen mir Spaß, auch daß die Weiber vor Neid platzen!" Tarn: wieder: ,,Welche Lieder hast Tu gefangen? Auch die anrüchigen? Na, das schabet nichts!" „Räubere tüchtig, aber ohne Gegenleistung. Vielleicht pumpt Dir einer ein paar blaue Lappen, doch wenn Tu sie nicht ohne Verpflichtung bekommen kannst, dann nicht, denn es wäre mein Tod. wenn Dich nur einer mit den Fingerspitzen berührte". —- Ein anderer Brief spricht von einem Wohltätigkeite>fest, bei dein sie „geräubert" habe, und von einem demnächst folgeren WohltäligkeitSsest. „Räubere auch diesmal, aber lasse T-ich nicht erwischen!" — Ter Staatsanwalt erklärt hierzu, daß die Angellagte, die auf dem Feste Rosen verkaufte, von einem Kavalier für eine Rose 20 Mark erhalten habe, diese 20 Mark aber habe verschwinden lassen. — Tie Angellagte aber bestreitet dies. Beide Angeklagte behaupten, daß der Ausdnick „räubern" nur darauf sich beziehe, daß sie recht tüchtig für die WohltätigkeitSkafse arbeite:: s->tle. — Ter Staatsanwalt belegt feine Behauptung b»«*» ben


