Todes-Anzeige
Giessen (Nordanlage 29), den 5. Mai 1904.
Gießen, 7. Mai 1904.
•• Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben sich, wie die „Darmst. Ztg." schreibt, gestern abend und heute früh zur Jagd in den Jägersburger Wald begeben und übernachteten im Fürstenlager. Der hohe Landesherr erlegte 19 Rehböcke.
-Einen Protest des Groß h.Oberkonsl st ori ums veröffentlicht die Darmst.Ztg.: In Nr. 104 des Mainzer Journals" wird unter der Ueberschrist „Großherzoglich Hessisches Oberkonsistorium auf dem Kriegspfad gegen Jesuiten und Neichsregierung" aus Anlaß unseres Ausschreibens in Nr. 5 unseres .Verordnungsblattes", betreffend die Kundgebung des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses, sowohl der Inhalt von Ausschreiben und Kundgebung bekämpft, als auch gegen uns der Vorwurf der Störung des kon- essionellen Friedens und unwahrhastiger Gesinnung erhoben. In ersterer Hinsicht enthalten wir uns einer jeden Erwiderung; in eine Preßfehde können wir uns naturgemäß nicht einlassen. Dagegen halten wir uns mit Rücksicht auf die Schwere der Beschuldigung und auf die Bedeutung des „Mainzer Journals" für viele unserer katholischen Mitbürger genötigt, öffentlich entschiedenen Protest gegen den uns gemachten Vorwurf zu erheben. Die Versicherung: „Als Christen wollen wir aufrichtig den Frieden" gibt durchaus unsere Herzensmeinung wieder, und wir können nur bedauern, daß eine ganze Reihe von Vorgängen der letzten Jahre und Jahrzehnte, namentlich auch verschiedene gegen die Reformation gerichteten Kundgebungen der Kurie ein angriffsweises Vorgehen der Gegenseite gegen die evangelische Kirche, keineswegs aber eine dort allenthalben vorhandene friedfertige Gesinnung gegen diese erkennen lassen. Gerade im Interesse des konfessionellen Friedens bedauern wir die Aufhebung des § 2 des Jesuitengesetzes, die wir im Zusammenhänge mit der Gesamtlage als ein bedrohliches Zeichen der Zeit auffassen müssen. Wir haben ausdrücklich erklärt und wiederholen, daß die kräftige und mutige Vertretung der Sache unserer Kirche, wozu unser Ausschrciben die Evangelischen auffordert, „unter Achtung des bestehen den Recht s zu stand es und unter Schonung der berechtigten Gefühle Andersgläubiger geschehen soll und kann". Darmstadt, den 6. Mai 1904. Gcoßherzogliches Oberkonsistorium. D. Buchner.
Schlitz, 6. Mai. Der Kaiser erledigte heute vormittag Regierungsgeschäfte und machte dann mit dem Grafen Görtz einen längeren Waldspaziergang. Ter Kaiser verbrachte den Nachmittag im Kreise der gräflichen Familie beim Tennisspiel im Schloßpark Hallenburg.
Kleine Mitteilungen aus H e, s e n und den Nachbarstaaten. In Friedrichsdorf haben sich die Ehefrau und die 16jährige Tochter des Hutmachers Kruck ertränkt. DaS Motiv ist unbekannt.
vermischte*.
• Berlin, 6. Mai. Heute wurde in einem Hotel Unter den Linden der Amerikaner Wegener, der als Vertreter von Tr. Mac Langhlin Co. den Electro Vigo vertreibt, au: Ersuchen der Staatsanwaltschaft beim Landgericht I von der
«Heer und Ilotte.
Kiel, 6. Mai. Oberst Dürr tritt am 10. Mai einen ihm bewilligten 45tägigen Vorurlaub innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches an.
Trier, 6. Mat. Generalleutnant v. Trotha tritt eine Reise nach Südafrika von Hamburg aus am 20. Mai an._________________________
Aus § lai)i uni) KauS.
Arbeiterbewegung.
Aschaffenburg, 6. Mai. Die gestern im Gasthaus „zum Stift" abgehaltene Maurcrvcrsammlung war von über 250 Personen besucht. Da die bisherigen Verhandlungen mit den Meistern zu keinem Ergebnis geführt haben, wurde durch Stimmzettel einstimmig beschlossen, am Samstag, 14. d. M. die arbeit nieder zuleg en. Die seitherige Kommis,wn wurde, falls die Arbeitgeber Einigungsverhandlungen pflegen wollten, ermächtigt, diese im Interesse der in die Bewegung erngetretenen Maurer zu führen.
Kunst und Wissenschaft.
Franz von Lenbach f. Die Todesnachricht, die uns gestern der Telegraph brachte, kam als lange gefürchtete Botschaft. Seit einem Jahr hatte tückische Krankheit die ursprüngliche Kraft dieses Künstlers gebrochen, und seit einigen Tagen hingen die Augen seiner Freunde (darunter des bayrischen Prinzregenten, dem er persönlich nahe stand), seines Volkes und der Welt mit Trauer an dem Sterbelager. Lenbach stand uns noch so nab, daß schon einige biographische Notizen genügen, fein Bild nochmals aufleben zu lassen. Dieser Maler und Freund von Königen war aus der Aermlichkeit eines Bauernhofes gekommen, geboren am 13. Dezember 1836 in Schrobenhausen in Oberbayern. Er wurde PilotyS Schüler in München 1857. Im Jahre darauf ging er als Lehrer an die Kunstschule in Weimar. Tort trafen sich damals Böcklin, Lenbach und Begas. Es folgt die Zeit, da sich Lenbach für den Grafen Schack mit dem Kopieren klassischer Meisterwerke in Italien und Spanien beschäftigte, dann in München, Wien, im Orient malt und dauernd in. München bleibt, wo er später Präsident der Kunstgenossenschast wurde. Lenbach gilt als der erste Porträtist der deutschen Kunst, und hat fast alle berühmten Männer unserer Zeit, alle Fürsten und schönen Frauen gemalt. In der technisch-koloristischen Behandlung geht er auf die Klaffiker der Bildnistunst, die Venetianer, Rubens und Velasquez zurück, die er in der Tiefe der Charakteristik nicht selten erreicht; seine Porträts sind oft von einer monumentalen Größe der Auffassung, unendlich geistreich ■ auf die feelische Wirlu.ig des individuell blickenden Auges hin zugespitzt, während die Gestalt daneben ganz verschwindet. Aus der unendlichen Reihe feiner Schöpfungen seien hier nur die Bildnisse Bismarcks und Moltkes, des alten Kaisers, des Papstes Leo XIII., Gladstones und Döllingers genannt; die Frauen, die er malte, bekamen alle einen gemeinsamen Zug leidenschaftlichen Seelenlebens, dadurch aber oft einen ungewöhnlichen Reiz. Sehr bekannt ist in den letzten Jahren sein Bild der Tänzerin Saharet geworden, auch jene liebliche Darstellung seines Töchterchens Marion. Wie mancher Geniale, der sich durchgesetzt hat, Halle Lenbach in den letzten Jahren mancherlei Karnpse mit einer jüngeren Generation bestanden, eigentlich manchmal Kämpse lokaler Art, Vereinsgeschichten, die aber doch einen tieferen Grund hallen. Gerade die Künstler, die Lenbachs Größe tief empfanden und begeistert priesen, hatten das Entdeckungsauge für feine Schwäck>en Deubachs gewaltige Persönlichkeit hat auch auf jüngere Talente entscheidenden Einfluß ausgeübt. — Die Beisetzung Lenbachs findet in München am Sonntag nachmittag um 4 Uhr statt. Der Magistrat von München beschloß zu Ehren Lenbachs eine Straße Lenbachstraße zu nennen und stellte eine große Grabstätte zur Verfügung. Bürgermeister Brunner widmete dem Verewigten einen sehr warmen Nachruf und betonte, Lenbachs Tod sei für das öffentliche Leben und die Bürgerschaft Münchens em iuv ersetzlicher Verlust. Der Prinzregent richtete an Frau v. Lenbach ein in warmen Worten gehaltenes Handschreiben, in dem es u. a. heißt - „Die Nachricht von dem nach langem Krankenlager erfolgten Ableben Ihres Gatten berührte mich überaus schmerzlich. Ich schätzte stets die treue Anhänglichkeit des teuren Verblichenen und bewunderte seine künstlerischen, von idealem Geiste erfüllten Schöpfungen mit Freude." Außerdem ließ der Pnnzregent an der Bahre einen prachtvollen Blumenkranz meberlcgen.
— Budapest, 6. Mai. Die Trauer kundgebungen um das Hinscheiden Maurus I o l a i s mehren sich im ganzen Lande. Der Chef der Kabinettskanzlei erschien im Trauer hause und iwerbrachte der Witwe Jolais im Namen des Monarchen den Aus- druck des Beileids. Tisza sandte der Witwe ein Schreiben, worin er das Beileid der Regierung zur Kenntnis bringt. Die Lerche wird abends nach dem Nationalmuseum übergeführt und doll aufgebahrt. Die Leichenfeier erfolgt Montag nachmittag.
Sport.
— Qualitätsfahrt der Deutschen Motorradfahrer-Vereinigung im Taunus. Am Freitag begann in Oberursel das Plombieren und Untersuchen der zur Qualitätsfahrt gemeldeten Motorräder verschiedensten Fa brikates durch Ingenieur Julius Küster und M. R. Zechlin. Die meisten Fahrer sind beretts in Oberursel zum vorherigen Besahren der Strecke eingetroffen. Sonntag finden wahrend dee- ganzen Tages von den verschiedenen Komitees Sitzungen nt Ober ur el statt, das seit einigen Tagen vollständig im Zeichen des automobilistischen Verkehrs steht. Interessenten ist von Sonntag an in Oberursel Gelegenheit geboten, eine große Zahl Motor räder verschiedenster Konstruktion zu sehen. Das drei Tag^ dauernde Fahren beginnt Montag, den 9. Mai, 7 Uhr früh.
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5>er Krieg zwischen Japan und Ziußlaod.
Debet eine neue russische Schlappe
liegen heute folgende Meldungen vor:
Tokio, 6. Mai. Eine Depesche des japanischen Generals Kuroki berichtet: Eine 14 Mann starke japanische Patrouille kam am 3. Mai nach Ten g'schang Hong und wurde alsbald von einer russischen Patrouille angegriffen, die auf einem südlich von dem Torfe gelegenen Hügel aufgestellt war. Tie japanische Patrouille umging die Russen und griff sie ihrerseits an. Nach einem erbitterten Handgemenge wurde der Feind in der Richtung auf Föngwantschön zurückgeworfen. Tie Japaner verfolgten den Feind bis an den Strom zu einem drei Meilen südöstlich von Kaolimen gelegenen Punkte. Hier sahen sie russische Schildwachen, die auf den Hügeln zu beiden Setten des Stromes standen, und gaben die Verfolgung auf.
Eine weitere Depesche des Generals Kuroki über einen Z u- sammenstoß zwischen zwei russischen Ab t: e: i1; u n g en besagt: Nach Aussage von Eingeborenen hielt eine 2000 Mann starke russische Jnsanterieabteilnug, welckfe die Hügel bei Ten g- schunghong besetzt hatte, eine andere russische Abteilung Infanterie von 200 Mann, die auf dem Rückzüge vor den an- drängenden Japanern begriffen war, für eine japanische Truppe und eröffnete das Feuer auf dieselbe. Tie kleinere Abteilung erwiderte das Feuer. Dabei wurden 11 Mann getötet und 70 verwundet. Der russische Train geriet in völlige Unordnung und hat seine Ladungen im Stiche gelassen. Ein Offizier, der in der Schlacht Sonntag gefangen genommen war, sagte aus, daß nur 5 oder 6 Bataillone Infanterie und 2 Batterien einen geordneten Rückzug hätten ausführen können Die übrigen Truppen seien in äußer ft erVer- wirrung geflohen.
Tokio, 6. Mai. (Reuter.) General Kuroki meldet etnen blutigen Zusammenstoß während des russischen Rückzuges am Sonntag. Eine große Abteilung Russen hielt eine kleinere Abteilung Russen für Japaner und tötete 11 derselben, verwundet 70. „
Tokio, 6. Mai. Bei dem Zusammenftotz zwischen zwei russischen Abteilungen bei Ten g s chan g h on g sind nicht, tote zuerst gemeldet, 11 Russen, sondern 110 Russen getötet
Die Landung der Japaner nördlich von Port Arthur.
Tokio, 6. Mai. (Reuter.) Nach einer Depesche des Mrmirals Nosoy a von heute sind von der 7. japanischen Division das Torpedoboot 20 und die Transportschiffe „Hongkongmaru" und „Nipponmaru" gestern um 51/2 Uhr in den Gewässern von Liautung erschienen. Eine feindliche Partrouille wurde vom Schiff aus unter Feuer genommen. Danach erhielten die Marine- soldaten unter Kapitän Nomoto Befehl, zu landen. Da gerade Ebbe war und die Boote daher nicht zu gebrauchen waren, sprangen die Leute ins Wasser, das ihnen bis an die Brust reichte. Sie wateten 1000 Meter im Meere und faßten um 7 Uhr 20 Min. am Lande festen Fuß. Alsdann gingen die Matrosen sogleich vor und nahmen, ohne einen Schuß abzugeben, die Höhen ein. Oben pflanzten sie die japanische Fahne auf. Inzwischen entdeckten die Kanonenboote „Akagi", „Oschima" und Tsch0 k ai", denen die Aufgabe zugefallen war, die Aufmerksamkeit der Russen abzulenken, .an hundert Feinde. Die Schiffe feuerten aus.sie und töteten eine Anzahl. Als die erste Transportflotte erschien und die Fahnen auf der Anhöhe wehen sah, begann sie um 8 Uhr mit der A u s s ch i f f - ung von Truppen. Dieselben mußten durch Wasser gehen. Sie sind freudigen Mutes. Um die Landungen zu erleichtern, bauen die Japaner Anlegebrücken, wobei die Matrosen helfen. Eine Drahtmeldung des Admirals Kataota, des Oberbefehlshabers des dritten Geschwaders, gibt weitere Einzelheiten. Danach geleitete sein Geschwader die erste Abteilung der zweiten Armee nach Liautung. Die „Kagmaru" lief aus, wurde aber mit HMe des kleinen Kreuzers „Akitsuschima" wieder flott gemacht und legte um 5 Uhr abends an.
Niutschwang, 6. Mai. Einer Reutermeldung zu- solge beläuft sich die Zahl der in P i t s e w 0 g e 1 a n d e t e n Japaner aus 10 0 0 0. Nach vertrauenswürdigen Nachrichten aus P0rt Arthur ist die Stadt gut mit Vorräten versehen.
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Aus Peking meldet vom 6. Mai die „Ag. Havos": Tie Gesandten der sremden Mächte lassen es sich in einmütigem Einverstäirdnis angelegen sein, bei der chinesischen Regierung daraus hinzuwirken, daß sie strikte Neutralität während des russisch-japanischen Konfliktes be- obachtet.
IJuden-Revolte auSgebrochcn. Die Bauern versuchten Idie Telegraphen-Verbindung zu zerstören, wurden aber durch die Gendarmerie daran verhindert. Msittär wurde zur Wiederherstellung der Ruhe entsandt.
* St. Louis, 6. Mai. Heute erfolgte die Eröffnung des deutschen Hauses der Weltausstellung unter Teilnahme einer großen Anzahl geladener Gäste.
* Ein Duell sand, wie aus Breslau gemeldet wird, am Freitag hinter den Schießständen zu Breslau stall. Ein Re- erenbar und ein Kaufmann waren im Nachtcafe in Streit um eine Dame geraten. Ter Referendar erhielt beim zweiten Kugelwechfel einen Streifschuß am Oberarme.
Kriminalpolizei verhaftet.
» Lehrte, 6. Mai. Bei einer Schlägerei zwischen Zivilisten wurde der einschreitende Polizei-Sergeant Wittlake durch 17 Messerstiche schwer verw undet. Der Haupträdelsführer, ein Zementarbeiter, wurde von dem PolizeiSergeanten in der Notwehr erschossen. Der verwundete Sergeant liegt schwer darnieder, an seinem Aufkommen wird gezweifelt.
• London, 6. Mai. Gestern nachmittag stieß auf dem Waterloo-Bahnhof ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen, wobei ein Passagier getötet und 10 verletzt wurden.
• Brüssel, 6. Mai. In Aalst hatten Brunnenarbeiter in einer Zisterne die verstümmelte Leiche einer Frau gefunden. Die Untersuchung ergab, daß es sich um die Mutter eines jungen Mädchens handelte, welches im Verein nut ihrem Geliebten die Frau um gebracht hatte, weil letztere ihre Einwilligung zur Heirat verweigerte. Das Mädchen gestand vor dem Untersuchungsrichter die Tat ein.
• Lemberg, 6. Mai. Nach Blättermeldungen ist in der Gemeinde Zabie gelegentlich der Militär-Aushebung eine
^arlamcntarifches.
Berlin, 6. Mai. Die Budget-Kommission deS Reichstages setzte heute die Beratungen über die Anleihe für Togo fort, ohne zu einem Ergebnis zu kommen.
Berlin, 6. Mai. Im Abgeordnetenhaufe wurde heute die Kanalvorlage einer Kommission überwiesen. Der Nachtrags-Etat, der 3 Millionen Mk. für Unterstützung der Krankengeld-Zuschußkasse der Mitglieder deS Eisenbahn- beamten-VeremS berettfieUen will, wurde nach kurzer Diskussion an die Budget-Kommission verwiesen. Es wurden sodann noch verschiedene kleine Gesetzes-Vorlagen genehmigt und teils an die Kommission verwiesen.
im Alter von 20 Jahren, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten tiefbetrübt mitteilen.
Die trauernden Hinterbliebenen
Gestern mittag VL Uhr verschied sanft nach kurzem, schwerem Leiden in Mainz unser innigst geliebter Sohn, Bruder, Neffe, Schwager
und Onkel
Willi Hamel
Husar im Hnsaren-Regiment König Humbert von Italien (I. Kurhess.) No. 13
den 8. Mai, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes in Giessen aus statt.
Die Beerdigung findet Sonnta


