Ausgabe 
7.5.1904 Erstes Blatt
 
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haben, verhältnismäßig nicht groß sei, ba von je 100 Beim Reichsgericht von 1899 Bis 1903 in der Revisionsinstanz ergangenen Urteilen 78.7 auf Verwerfung der Revision lauten. Nach den für 1899 Bis 1903 angestellten Ermitt­lungen würde sdie Zahl der Revisionen durch die Erhöh­ung der Revisionssumme sich um etwa 23 Prozent er­mäßigen.

Die Stadt Berlin Bewilligte 5000 Mk. für ein Ehrengeschenk für den KreuzerBerlin".

Die Aufstellung und .verausgabe einer Reichs- statistik der Schlachtungen und Beanstandung von Vieh auf Grund der Fleischbeschau verlangt eine Eingabe des Deutschen Fleischerverbandes an, das Reichs­amt des Innern. Da auch von landwirtschaftlicher Seite eine solche Statistik gewünscht wird und die Regierung Bereits vor zwei Jahren die Berechtigung der Forderung anerkannte, dürfte diese bewilligt werden.

DasMarineverordnungsblatt" meldet: Mit kaiser­licher Genehmigung scheiden die KriegsschiffeKönig Wilhelm",Kaiser",Deutschland",Merkur", ,Alexan­drine",Meteor" undZicten" aus der Liste der großen und kleinen Kreuzer aus und treten zu den Hafen- schiffen,Zielen" zu den Spezialschiffen.

Metz, 6. Mai. Tie heute hier versammelten Lothringi­schen und Luxemburgischen Eisen- und Stahlwerke haben sich unter Vorbehaltung der Zustimmung ihrer Aufsichts­räte bereit erklärt, die Zinsgarantie für den preußischen Teil des Moselkanals bis zu einer Summe von rund 1200 000 Mk. auf die Dauer von zehn Jahren zu über­nehmen für den Fall, daß die kgl. preuß. Staatsregierung bis zum 1. Juni 1906 dem preußischen Landtag eine Vorlage für die Kanalisierung der Mosel von Metz bis Coblenz und der Saar von Brebach bis Konz für Schiffe von 600 Tonnen Gehalt vorlegt uird der Preußische Landtag diese Vorlage zur unmittelbaren Ausf chrr'.ng annimmt. Damit ist ein­schließlich der Garantie der Werke des Saarbezirks von 530 000 Mk. für die Saar und den preußischen Teil der Mosel die volle Garantie gewährleistet.

Ausland.

Haag, 6.. Mai. Königin W i l h e l m i n a leidet an einer Entzündung des äußeren Gehörganges, die mit Erhöhung der Temperatur verbunden ist.

Paris, 6. Mai. Der Minister des Aeußern Telcassä beauf­tragte den französischen Botschafter bei dem Heiligen Stuhl Nisard, dem Staatssekretär Merrp del Val zu notifizieren, daß Frankreich den päpstlichen Protest gegen die Reise des Präsidenten Loubet nach Rom als nich­tig und nicht erfolgt ansieht..

Rom, 6. Mai. DerTribuna" zufolge suchte der Mullah dei der italienischen Regierung um Frieden nach und erklärte, sich unterwerfen und die Oberhoheit Italiens an­erkennen zu wollen Er erbat die Vermittlung Italiens zwischen sich und England. Es bleibe nur noch die Frage des Waffenhandels zu lösen, der hauptsächlich über Dschibuti geht.

Wien, 6. Mai. Der Kaiser erhob die Fürstin Hohen­berg, Gemahlin des Thronfolgers Erzherzogs Franz Ferdinand, zur Herzogin mit dem PrädikatHoheit.

Warschau, 6. Mai. Am 2. Mai, dem Jahrestage der polnischen Konstitution, wurden 200 P ersonen verhaftet. Ein Student wurde durch einen Kosaken getötet.

Buenos Aires, 6. Mai. In seiner Botschaft an den Kongreß sagt der Präsident, im letzten Jahre seien 4 320 021 Hektare mit Weizen und 1487 779 mit Flachs bestellt gewesen. Die Ernte war reichlich und von hervorragender Güte. Die Weizenernte betrage 3 726 000 Tonnen, die Flachsernte 883 000 Tonnen. Der Handelsumfang wachse stetig. Der Wert der Ausfuhr im Jahre 1898 betrug 133 829 458 Pesos Gold, im Jahre 1903 hingegen 220 994 526 Pesos, das bedeute einen Zuwachs von 65 Proz. Die Zunahme entfalle hauptsäcküi i auf Ackerbauerzeugnisse. Im ersten Vierteljahr 1904 hat sich der Ueberschuß der Ausfuhr über die Einfuhr auf 30 Mill. Pesos Gold belaufen. Der Präsident besprach den außerordent­lichen Fortschritt der landwirtschaftlichen Pro­duktion und schloß mit der Bemerkung, er dürfe sagen, die eingetretene Umwandlung der Verhältnisse des Landes sei vor­nehmlich der Arbeit der Landbevölkerung zu danken, und deren Unterstützung durch fremdes Kapital, wodurch die Ent­wicklung der Verkehrsmittel erleichtert worden sei.

Aus Stadt und Kund.

Gießen, den 7. Mai 1904.

* * Taschenfahrplan. Unsere Postabonnenten machen wir darauf aufmerksam, daß wir das Taschenfahrplanheftchen unserer heutigen Ausgabe beigefügt haben.

* Eisenbahnprojekt GießenFriedberg. Auf Antrag der beteiligten Gemeinden fand infolge einer Ein­ladung des Großh. Kreisamts Gießen im RegierungSgebäude unter dem Vorsitz von Provinzialdirektor Dr. Breidert eine Vorbesprechung der zu projektierenden Bahn GießenFried­berg statt. Kreisamtmann Dr. Kranzbühler eröffnete als Referent die Versammlung. Darauf erhielt Bürgermeister Stahl als Vorsitzender des Komitees der Gemeinden des Kreises Friedberg das Wort, und es fand der Wunsch der Gemeinden Ausdruck, daß die Bahn GießenFriedberg durchgeführt werde. Vom Oberbürgermeister der Stadt Gießen, Mecum, wurde in den Wunsch der Gemeinden eingewilligt. Er versprach, die Kostenbewilligung nach der Seelenzahl in Verbindung mit den beteiligten Gemeinden beider Kreise bei der demnächstigen Stadtoerordneten-Sitzung zu unterstützen. Nach den eingelaufenen Beschlüßen von den Gemeinde­vorständen ist Bürgermeister Stahl damit betraut worden, mit der bekannten Firma Lenz u. Co. in Verbindung zu treten.

Zur Landtagswahl in Bad Nauheim. Außer dem Rechtsanwalt Windecker (natl.) wird Oeko- nomierat Schlenke, Präsident des Landwirtschaftlichen Verems für die Provinz Oberhessen und Direktor der Land­wirtschaftlichen Hauptgenoffenschaft in Friedberg, als Land­tagskandidat in Bad Nauheim aufgestellt.

* * Ehrung des Handwerks. Zu dem anläßlich der Einweihung der neuen Kaiserbrücke zu Mainz als Schluß der Feierlichkeit stattgehabten ossiziellen Diner war auch der Präsident der Handwerkskammer, Herr Falk von der Königl. Preußischen Eisenbahn-Direktion geladen worden.

Motor-Schiffahrt nach Dutenhofen. Der Besitzer des Motorbootes veröffentlicht in der heutigen Nummer im Inseratenteil den Fahrplan seines Unternehmens.

+ Watzenborn, 7. Mai. Die GesangvereineGer­mania" undSängerkranz", die zum sozialdemo­kratischen Kreisfest in Steinberg Einladungen erhalten hatten, haben die Beteiligung abgelehnt. Der Gesangverein Germania" brachte die Einladung überhaupt nicht zur Abstimmung. DerSängerkranz" lehnte ab mit 26 gegen 13 Stimmen.

- r. Londorf, 6. Mai. In dem nahegelegenen Frei­

herrlich v. Nordeck zur Nabenau'schen SteinbruchKahlen­berg", welcher z. Zt. im Besitze der FirmaHessische Stein­brüche", G. m. H. in Londorf, ist, ereignete sich heute vor­mittag ein Unglücksfall, indem eine Erb- oder Felsen­schichte, währenddessen die Arbeiter mit ihren Arbeiten im Steinbruch beschäftigt waren, z usa m m en rutsch te und unglücklicherweise den Werkführer und vier Arbeiter traf. Der Werkführer und drei von diesen Arbeitern wurden leicht, der vierte Arbeiter schwer verletzt.

Schlitz, 6. Mai. Nach einer Pause von vier Jahren ist Se. Maj. der Kaiser wieder in das romantisch gelegene Schlitz zum Besuche Sr. Erl. des Grafen von Görtz ge­kommen. Der Tod hat seit 1900 leider klaffende Lücken in die Gräfliche Familie gerissen; die Gemahlin und die Mutter des Grafen sanken ins Grab. Die Freundschaft des Kaisers mit dem Grafen Emil von Görtz dürfte nahezu 30 Jahre zählen. Den ersten Anlaß dazu gab der jetzt noch in Biele­feld lebende Geh. Negierungsrat Hiutzpeter, der ehemalige Erzieher des Grafen und der nachmalige Gouverneur der Prinzen Wilhelm und Heinrich von Preußen, während beide das Gymnasium zu Kaffel besuchten. Schon von da aus be­suchten die Prinzen in Begleitung Hintzpeters die Gräfliche Familie in Schlitz und einmal legten alle drei den Weg von Hersfeld bis Schlitz (28 Kilometer) zu Fuß zurück. Der da­malige Prinz Wilhelm kommt als Kaiser jetzt zum sechsten male nach Schlitz; die früheren Besuche fanden in den Jahren 1891, 1892, 1894, 1896 und 1900 statt. Die Anwesenheit Sr. Maj. des Kaisers bedeutet für die Bewohner des Schlitzerländchens immer ein Ereignis, besonders wenn der Besuch einmal längere Zeit ausgesetzt hat, wie es heuer der Fall ist. Aus dem ganzenLändle" strömt alles, was laufen kann, nach dem Städtchen, um immer wieder den Kaiser, des Patronatsherrn Gast, zu sehen.

§ Oppershofen, 6. Mai. Der von Lorsch hierher versetzte Pfarrer Löw wurde unter großer Beteiligung unserer Einwohnerschaft in sein neues Amt eingeführt. Dekan Dr. Wald hielt am Vormittag in der schön ge­schmückten Kirche eine erhebende Festpredigt; am Nachmittag vereinigte ein gemeinsames Essen im Pfarrhause den neuen Seelsorger mit dem hiesigen Kirchenvorstand und einer Anzahl auswärtiger Geistlicher.

8 Echzell, 6. Mai. Seit Beginn dieser Woche ist der Schweinehändler Louis Diefenbach von hier, der bei den Landwirten der Wetterau überall bekannt war, spur­los verschwunden.

t. Oberlais, 6. Mai. Als Rechner der hiesigen Sparkasse wurde Heinrich König von hier an Stelle des nach Burkhardshausen übergesiedelten Lehrers Konrad Ludwig gewählt.

1. Wingershaus en, 6. Mai. Die hiesige neu er­baute Kirche soll am 8. und 9. Mai mit einer größeren Feier eingeweiht werden.

m. Ulfa, 6. Mai. Der seitherige Bürgermeister Karl Döll wurde an Stelle des früheren Rechners Heinrich Döll, der sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hat, zum hiesigen Gemeinde-Einnehmer ernannt und verpflichtet.

Mainz, 6. Mai. Am 3. Mai war das Kremato­rium auf dem Mainzer Friedhof ein Jahr im Betrieb; während dieser Zeit fanden 145 Einäscherungen statt. Da man für das erste Betriebsjahr nur auf 6070 Einäsche­rungen gerechnet hatte, so beweist dies von neuem, daß die Feuerbestattung in immer weiteren Kreisen Anhänger findet. Im Mainzer Krematorium mürben nn ersten Quartal dieses Jahres 43 Feuerbestattungen üoraenommen. Von den ein­geäscherten Leichen waren au§ Alsheim 1, Aschaffenburg 1, Barmen 1, Bingen 1, Koblenz 2, Köln 4, Düsseldorf 1, Essen 1, Frankfurt a. M. 3, Höchst 1, Hagen 1, Kissingen 1, Mainz 6, Remagen 1, Wiesbaden 18; hiervon waren 34 Männer, 8 Frauen und 1 Kind. Der Religion nach waren 35 evangelisch, 4 katholisch, 3 israelitisch und 1 altkatholisch. Dem Alter nach waren unter 1 Jahr 1, 2030 1, 3040 2, 4050 6, 5060 8, 6070 9, 7080 13, 8090 2, 90100 Jahre 1.

Worms, 3. Mai. Ter Voranschlag der Stadt Worms für das Rechnungsjahr 1904 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 6 253174,61 Mk. ab. Zur RubrikArmen­pflege ist u. a. bemerkt, daß der städtische Zuschuß zur Armenkasse sich in den letzten 10 Jahren um 130,4 Proz. erhöht hat, während die städtische Bevölkerung nur um 60,7 Proz. gestiegen ist. An Barunterstützungen leistet Worms 75 000 Mk., steht also fast auf gleicher Höhe mit Mainz, welches 76 500 Mk. Barunterstützung leistet.

Alzey, 4. Mai. Der zwischen der Ortskranken­kasse und den seitherigen Aerzten der Kasse aus- gebrochene Streit ist zu Gunsten der Aerzte ausgefallen. Heute hat das Großh. Kreisamt die seitherigen Kassenärzte auf 5 Jahre wieder angestellt; sie erhalten nahezu das doppelte Honorar als früher. Heute abend fand imPfälzer Hof" eine von über 500 Personen aus allen Kreisen besuchte Volks­versammlung statt, in der das Verhalten der Aerzte in ganz entschiedener Weise verurteilt wurde. Zum Schluffe wurde eine Resolution angenommen, in der gegen den abgeschlossenen Vertrag energisch protestiert wurde. Der Vorstand soll gegen den Vertrag bei der höheren Behörde Rekurs erheben.

Frankfurt a. M., 7. Mai. Der 20jährige Post- gehilfe Ludwig Hölzer aus Schwanheim ist seit dem 1. Mai mit Postanweisungsgeldern von 700 Mk. flüchtig gegangen. Die Fluchtrichtung ist unbekannt.

() Marburg, 6.Mai. Die Zahl der Studierenden in diesem Semester Betragt ohne die Hörer und Nachzügler 1404 gegen 1154 im letzten Winter. Diese Frequenz ist bis jetzt noch niemals erreicht worden.

() Frankenberg, 6. Mai. Gestern nachmittag um 2 Uhr 20 Min. landete bei Forsthaus Rosenthal mitten im Burgwalde ein Luftballon mit vier Insassen. Um 8 Uhr 40 Min. waren die letzteren von Barmen abgefahren.

Kassel, 6. Mai. Der Kurhessische Provinzverband des Deutschen Flotten-Vereins hat unter dem Vor­sitz des Generalleutnants v. LieBermann einstimmig folgen­den Beschluß gefaßt:

Die Mitgliederversammlung des Kurhessischen Provinzial- Verbandes spricht ihre Ucberzeugung dahin aus, daß der Aus­bau der deutschen Flotte nach dem Gesetz von 1900 der Größe, Machtstellung und den überseeifck-en Handelsinteressen des Deutschen Reiches, zumal in Vergleichung mit den Flotten anderer Mächte nichr entspricht, vielmehr die Schaffung einet stärkeren Flotte in weit rascherem Tempo verlangt werden muß.

Die Mitgliederversammlung ist gewillt, in eine kräftige bieserhalb einzutreten."

Kleine Mitteilungen aus Hessen u

Agitation

nd den

Nachbar st aalen. Aus Hohensolms wird gemeldet, daß entgegen einer früheren Mitteilung, die Hochzeit der Prin­

zessin Karoline n

ch t verschoben worden

ist. Vermißt wird

in Mainz ein 13 Jahre alter Schüler, der sich heimlich aus der elterlichen Wohnung entfernt hat; ferner wird seit einigen Tagen ein Lehrling vermißt.

vermischte*.

* Berlin, 6. Mai. Ter namentlich in Artistenkreisen be­kannte Herausgeber desVergnügungsanzeigers" O 11 o m a r Förster ist aus Berlin geflüchtet. Ter Fluchtige soll sich mancherlei Unregelmäßigkeiten zn schulden baben kommen lassen. Wie verlautet, soll er sich ins Ausland begeben haben.

* Die BerlinerVolk s z e itung" geht am 1. Juli in den Verlag von Rudolf M o s s e über. Der seitherige Chefredakteur Vollrath sowie die übrigen politischen Redakteure werden auch unter dem neuen Verlage ihre Kräfte diesem Blatte widmen .

* Dresden, 6. Mai. Ter Steinbruchbesitzer Hickmann aus Königstein ist wegen W e ch s c l f ä l s ch u n g e n im Betrage von 2 5 0 0 0 0 M k. flüchtig geworden. Tie Verlustträger sind deutsche und östreichische Banken.

* Schedeningen, 6. Mai. Eine große Feuers­brunst zerstörte mehrere ausgedehnte, für den hiesigen Herings, fischereibetrieb gehörige Baulichkeiten. Dadurch erleidet die He­ringsfischerei beträchtlichen Schaden.

* Queenstown, 6. Mai. Das Schulschiff .,North Amp­ton", mit Schiffsjungen _an Bord, kam heute außerhalb des Häsens auf weichem Schlick fest. Ein Negierungsschlepper ist nach dcr Strandungsstelle gegangen und wird heute nach versuchen, das Schiff abzuschleppen. Sollte dieser Versuch nicht gelingen, so müssen die Kanonen von Bord geholt werden.

* Lissabon, 6. Mai. Ein Soldat erschoß aus Rache für erhaltene Strafe einen Leutnant, sowie einen Ka­pitän.

* Prag, 6. Mai. Heute nacht hat sich in einem hiesigen Hotel der Schiffsleutnant der italienischen Kriegsmarine Enrico D o l c i n i erschossen. Er sollte am Montag die Tochter eines dortigen Feldmarschall-Leutnants heiraten.

* Graz, 6. Mai. Hier fand heute mittag zwischen dem bauernbündlerischen Landtagsabg. Baron Rokitansky und dem Chefredakteur des deutschnattonalen Grazer Tagblatts Hermann K i e n z e l ein S ä b e l d u el l statt, bei dem Kienzel am rechten Vorderarm schwer verletzt wurde. Tie Ursache des Duells war ein abfälliger Artikel im Grazer Tagblatt über eine klerikale Rede Rokitanskys.

* Konstantinopel, 6. Mai. Für Herkünfte aus Pott Said, wo innerhalb fünf Tagen drei Pestfälle festgestellt worden sind, wurde eine 48stündige Beobachtung angeordnet. Tie nach Indien über Mohammerah an der persischen Grenze Reffen­den werden in Vassora einer 48stündigen Quarantäne unter­worfen.

Oerichlsfaal.

sd. Darmstadt, 5. Mai. Nach zweitägiger Verhandlung, die im Interesse der militärischen Disziplin unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, wurde heute vor dem Kriegsgericht gegen eine Anzahl früherer und jetziger Unter­offiziere des hiesigen Artillerieregiments Nr. 61 wegen fort­gesetzter Mißhandlung, vorsätzlicher Beleidigung und vor­schriftswidriger Behandlung Untergebener das Urteil gefällt. Straf­taten liegen teilweise schon 12 Jahre zurück. Das Urteil lautete gegen den früheren 1. Vizewachtmeister R. Schaf, jetzt Diener am Predigerseminar Friedberg, 6 Wochen gel. Arrest: 2. Ober­fahnenschmied Klaus 6 Wochen gel. Arrest; 3. früheren Sergeant Laubach 6 Wochen gel. Arrest: 4. Sergant Klapp 6 Wochen Mittel­arrest: 5. Unteroffizier Gust. Merczuweit 7 Monate Gefängnis und Degradation: 6. früheren Unteroffizier Hugo Mattner fünf Monate Gefängnis und Degradation: 7. Unteroffizier Jak. Frey 4 Monate Gefängnis. Gegen Merczuweit, Mattner und Frey wurde mit Rücksicht aus die Höhe der Strafe sofortige Verhaftung angeordnet. Die Urteilsbegründung fand ebenfalls unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit statt.

Greifswald, 6. Mai. Eine Frau Kluß wurde wegen tödlicher Mißhandlung eines Pflegekindes zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt.

ßisenbahn-Anlung.

Eine bemerkenswerte Lösung der Schnell­bahnfrage schlägt in einem Fachblatte Oberingenieur A Hecker vor. Er ist der Ansicht, daß wir nach dem heutigen Stand« der Frage auf die Einführung des elektrischen Schnell­bahnbetriebes wahrscheinlich noch lange warten müssen und empfiehlt daher die bisher in der Hauptsache maß­gebenden Gesichtspunkte auf den Schwebebahnbetrieb zu lenken. Dieses System hat den großen Vorzug, daß es, sofern man die Trace mit der bestehenden der Dampfbahnen zusammen- fallen läßt, keinen Grund und Boden beansprucht. Ich wiederhole, sofern man die Trace mit der bestehenden der Dampfbahnen zu­sammenfallen läßt." Auf dieses Verfahren, d. h. auf die Ver­einigung der Linien beider Systeme, des vorhandenen und des neuen, ist der besondere Nachdruck zu legen. Während also die vorhandenen Gleise dem Lokal- und hauptsächlich dem Güter­verkehr verbleiben, wird gewissermaßen eine Etage höher der Schnellsernverkehr sich abwickeln. Die vorhandenen Empfangs' gebäude können auf solche Weise dem neuen Verkehrsmittel ohne Weiteres nutzbar gemacht werden und die Gesamtdisposition und -Organisation bleibt int Wesentlichen ungeändert. Die Umgehung von Tunnels oder Unterführungen und die Abänderung Dor Brücken spielen bei der Behandlung dieser Frage jedenfalls eine weit geringere Rolle als die Anlegung des andernfalls zu fordernden dritten Gleises für den Güterverkehr. Nebenbei be­merkt würde die Anwendung des Schwebebahnsystems auch zuw Teil die mit den Straßenübergängen gegenwärtig verbundene Kalamität beseitigen können. Ehe nun allerdings der Staat fidb ernstlich mit der Prüfung einer Frage von so einschneidender Be­deutung befassen kann, müßte die Technik den Nachweis absoluter Zuverlässigkeit des Systems erbringen, und hierzu ist unzweifch haft die Studiengesellschaft für Schnellbahnen hernfen, weil fit ihre bisherigen Erfahrungen großen Teils bei den Versuchen mit Schwebebahnwagen verwerten und so zu deren Erfolg bet» tragen kann. Die Wichtigkeit deS Schnellbahnbetriebes ist u. 5- so groß, daß es wirklich ein dringendes Erfordernis ist, derartige Vorschläge selbst dann zu prüfen, wenn man sich von ihnen keiner vollen (Srfolg verspricht. Eine so eminente Errungenschaft der Jngenieurwissenschast, wie die elektrische Schnellbahn kann urv möglich einfach in den Sand fliegen und Deutschland wird sich hoffentlich wie die erste elektrische. Straßenbahn auch die erste elektrisch betriebene Vollbahn nach dem Schnellbahnsystem erbauen Daudet und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 6. Mai 1904.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) ' | Privat-Tiskont 3 Prozent.

Anfangs- u. Schlußknrse.

Oest. Kredit .... 201.40 202.00

Deutsche Bank . . . 218.00 219.62

Darmstädter Bank . . 137.60 137.87

Bochumer Guß . . . 192.50 192.40

Harpener Bergbau . . 197.10 197.12

Tendenz: Fest.

Märkte. m ,

Gießen, 7. Mai. Marktbericht. Auf heutigem Wockemmntt kosteten: Butter pr. Pfd. 1.001.10 Mk., Hühnereier 1 St. 5-6 B'.i 2 Stck. 00-00 Psg., Gänfeeier 0000 Pfg-, Enteneier 70 Pfg., Sinle vr.Stck. 68 Pf., Käsematte 2 Stck. 5-6 Pfg. Erbsen pr. Liter 21 Wj Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr.Paar0,80-1,00 Alk., Hühner pr.Li. 1,301,40 AU., Hähne pr. Stück 0,801,70 SD1L, Enten pr. ©tut