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Nr. 56
Mo»,tag, 7. März 1904
154. Jahrg.
Erscheint täglich mit Ausnahme des GonntagS.
Die „Giehener Zamilienblälter" werden dem „Anzeige otermo wöchenütch beigelegt Dc ^hesfist 'L Land» ttf * erschein! monatlich einmal
Giehener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scken UnwerlrlätSdruckeret 9L Lange, Gießen.
Redaktion,Expedition ».Druckerei: Schulstr.?.
Lei. Nr. ÖL Telegr.-Adr.: Anzeiger Dieben.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen.
An gewissen Stellen wird jede Kritik von Einrichtungen in unserer Armee mißfällig bemerkt. Wie ist es zu verstehen, daß Offizieren der Besuch des Schauspiels „Zapfenstreich" verboten ist? Der Verfasser desselben ist doch kein Sozialdemokrat! Der Kriegsminister hat gestern gesagt: ein Soldat, der königstreue Gesinnung hat, ist mir lieber, als ein Soldat, der gut schießt. (Große Unruhe rechts.) Tas ist ein Seitenstück zu dem bekannten Agrarierwort: „Die dümmsten Bauern sind uns die liebsten!" (Lärm rechts.) Mit solchen Worten züchtet man in der Armee nur die Streberei und Den Byzantinismus! (Unruhe rechts.) Nun, wenn es einmal zum Ernstfälle kommt, zum Kriege, dann wünsche ich dem Herrn Kriegs- Minister, daß er nicht nur über „gute Soldaten" verfügt, die schlecht schießen, sondern auch über schlechte sozialdemokratische Soldaten, die gut schießen. Oder hat der Kriegsminister etwa an einen anderen Fall gedacht, von dem einmal an anderer Stelle die Rede war, und von dem es hieß, daß die Soldaten auch auf Vater und Mutier schießen sollen? (Unruhe rechts.) Ich hoffe, daß der Kriegsminister seine Gedanken nicht immer auf solche Situationen lenkt. Ich muß ihm aber in aller Offenheit erklären, wenn man die Verfassung bricht, dann ist auch tm heutigen Militär-Strafgesetzbuche die Pflicht auf Ungehorsam vorgesehen. (Großer Lärm rechts.) Von unserer Seite werden solche Perspektiven nicht ausgemalt. Die werden von Ihnen (zum Kriegsminister) in schlaflosen Nächten ausgemalt, wenn Sie an die Revolution denken. (Große Heiterkeit.) Und bann noch eine andere Frage: Wenn der Kriegsminister die sozialdemokratischen Soldaten nicht mag, wenn sie so schlechte Soldaten sind, bann soll er sie doch nicht aufnehmen. Was sollen diese schlechten Soldaten in der Armee? (Zuruf rechts: „Gebessert werden!" Heiterkeit.)
Wie eifrig man nicht nur nach der politischen Tätigkeit, sondern auch nach der politischen Gesinnung der Soldaten forscht, beweisen ja zahlreiche in den letzten Wochen in der Presse veröffentlichten Dokumente. Ter Kriegsminister verwies gestern hinsichtlich der Vorfälle in Pirna auf das Wort des sterbenden Valentin an Gretchen. (Heiterkeit links.) Ich finde es nicht ritterlich von ihm, daß er die ganze Schuld auf die Frau schiebt und nichts gegen die Offiziere zu sagen weiß. Die Tyelle in der Armee werden nicht verschwinden, solange nicht die Duellanten und die Kartellträaer härter als jetzt bestraft werden. Leider fügen sich, wie der Fall Klette in Dresden beweist, selbst hohe Verwaltungsstellen den falschen Ehrbegriffen, die in Offizierkreisen maßgebend sind. So ganz leicht lassen sich die Anklagen des Grafen Baudissin nicht beseitigen, fein Buch ist fein gewöhnlicher Roman, sondern eine Sittenschilderung. Ter Minister hätte allen Anlaß, bei den Regt- j meutern, die in dem Buch angedeutet sind, eine sehr strenge Unter- j suchung darüber einzuleiten, ob die Schilderungen wahr sind. Wenn nicht, um so besser für chn. Das Offizierkorps bildet einen besonderen, von anderen abgeschlossenen Stand. Selbst militärische Kreise bezeichnen die Erziehung in der Lichterfelder Kadertenanstalt für falsch. Daß jedem Soldaten die höchsten Stellen offen stehen, ist nichts als eine offenbare konventionelle Lüge. (? r richtig! links.) Hat ein Unteroffizier jemals Aussicht, in eine r . 'tc Stelle zu gelangen? Die Unteroffiziere haben ein Bewußtsein von der Un-
stenS die Militärverwaltung nicht mitgemacht. DaS war für unS sehr wohltuend, und wir können wohl verlangen, daß auch in dem Kampf gegen die Polen die Militärverwaltung sich neutral verhält. Lasten Sie doch die Soldaten ruhig in polnischer Sprache beichten! So lange sie überhaupt noch beichten, mag es nun auf polnisch, französisch oder dänisch geschehen, können wir froh fein. Ter Abg. Bebel hat gestern eine überaus scharfe Kritik an den militärischen Zuständen geübt. Wenn ich ihm auch nicht beistimmen kann, so ist doch manches in unserer Armee tatsächlich verbesserungsbedürftig. Mrt den fortwährenden Uniformänderungen sind nur wenig Offiziere zufrieden, den meisten von ihnen werden dadurch hohe Opfer auferlegt. Mit allen Mitteln muß der Luxus im Heere bekämpft werden. Was die Verpflegungssätze für Unteroffiziere betrifft, so möchte ich den Minister fragen, ob er noch höhere Sätze für erforderlich hält, als wir beschloßen haben. Redner geht sodann auf die Militäranwärterfrage ein. Von allen Stellen, die neu geschaffen werden, wird immer gleich eine große Zahl den Militäranwärtern Vorbehalten; obwohl diese oft garnicht die nötige Vorbildung haben. Die Militäranwärter müssen daher von den Gemeinden besonders ausgebildet werden, und hierfür müsten die Gemeinden die Kosten tragen, anstatt daß sie dafür bezahlt werden. Zum mindesten könnte man doch wohl verlangen, daß die Regierung die Kosten der informatorischen Beschäftigung der Militäranwärter trägt. Zum Schluß möchte ich noch fragen, wie sich die Militärverwaltung den Forderungen der Handwerker gegenüber verhält. Reservisten und Landwehrleute, die eigene brauchbare Stiefel mitbringen, bekommen eine Prämie von 3 Mk., sie können sich aber auch für 8 Mk. ein Paar Stiefel von der Kammer laufen. Es ist doch klar, daß damit kaum das Rohmaterial bezahlt ist und daß die Handwerker schwer geschädigt werden. Auf eine weitere Anfrage des Redners bestreitet
Oenerarieutnant von Armin, daß die Verfügung wegen der Theologiestudierenden eine Verschärfung bedeute; im Gegenteil, sie sei eine Erleichterung und schaffe einheitliche Verhältnisse.
Abg. Dr. Gradnauer (Soz.) bringt die Affaire des Prinzen von Arenberg zur Sprache. Tas Kriegsgericht habe zweifellos einen richtigen Spruch gefällt. Aber wir müssen betonen: Arenberg war nicht verrückter, als 90 Prozent derjenigen Mörder, die auf dem Schafott oder im Zuchthaus enden. Und ferner, was die Hauptsache ist: Wie war es möglich, daß ein geborener Verbrecher, ein Wahnsinniger viele Jahre lang Offizier sein konnte? Es scheint fast, als ob man in unserer Armee nicht die genügende Unterscheidungskraft hat, um idiotisch Veranlagte von den Uebrigen zu trennen. (Unruhe rechts.) Die Auffassung des Kriegsministers von der Qualität des Offizierkorps scheint doch eine irrige zu sein. Herr von Einem hat gestern wieder sehr schöne Zitate gebraucht. Man sagt ja, daß er auch einem Zitat feine Stellung verdanke. (Heiterkeit.) Gestern zttierte er: „Ans Vaterland, ans teure, schließ dich anr Nun, darin werden wohl alle Parteien übereinstimmen. Aber dieses Zitat stammt aus „Tell", dem Drama des Freiheits- dranges, in dem es auch heißt: „Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht I" Und das vertteten wir; daher verlangen wir, daß das unveräußerliche Reckt auf Notwehr gegen Mißhandlungen auch dem Soldaten zustehe. Dies reichsgesetzlich gewährleistete Recht ist zwar auch für den Soldaten nicht aufgehoben; es tritt für ihn bloß nicht in Kraft. (Heiterkeit.) DaS eine freilich ist wahr: Ausgerichtet haben auch wir nichts mit allen unseren Beschwerden. Aber das liegt doch nicht an uns! Tas hegt daran, daß die Soldatenmißhandlungen immer noch viel zu milde bestraft werden. Nicht die Tätigkeit der Sozialdemokratte nimmt den Soldaten die Freude am Dienst, Ihre (zum Kriegsminister) schlechten Einrichtungen in der Armee sind es, die das bewirken. Redner kritisiert sodann das geltende Militcttsttafgesetzbuch in höchst abfälliger Weise. Von irgend welchem humanen Geist — von dem der Kriegsminister von Einem gestern gesprochen — sei in ihm gar keine Rede. Der jetzige Reichstag, — Den er (Gradnauer) wahrhaftig nicht überschätze — würde solche Bestimmungen heute nicht beschließen. Man denke nur an die Ausschließung der Trunksucht als Entschuldigungsgrund l
gerechttgkeit, die ihnen widerfährt, sie klagen über zu schweren Dienst und zu schlechte Löhnung. Ein Unteroffizier, der 12 Jahre gedient hat und einem jungen Leutnant von 18 Jahren gehorchen muß, obwohl dieser weit weniger versteht als er, der empfindet ba5 Unrecht, das man ihm an tut.
Sächsischer Kriegsminister Krug von Nidda befreitet, daß in dem vom Vorredner erwähnten Fall Klette eine Eingabe bet Reserveoffiziere an das Ministerium erfolgt fei.
Abg Dr. Beumer (natl.): Wir National-Liberale haben nicht das Bedürfnis, jede Sache hier 2 bis 3 Mal vorzuttagen; und zwar deshalb, weil wir nicht den Ehrgeiz haben, draußen, im Lande in die Klasse der Wiederkäuer eingereiht zu werden. (Heiterkeit.) Jeder Stand hat seine Eigenheiten; deshalb fällt man noch nicht über den ganzen Stand her. lieber das Offizierkorps aber glaubt man herfallen zu dürfen, weil hier und da ein Leutnant sich etwas hat zu Schulden kommen lassen. Ter Baudissinsche Roman ist nur eine Spekulation auf die Sensationslust, lieber solche Angriffe ist unfer Offizierkorps erhaben. Tie Sozialdemokraten behaupten, keine Propaganda im Heere machen zu wollen. Trotzdem sind für Den Dresdner Parteitag dahingehende Anträge gestellt worben, die — wenn sie auch nicht zur Verhand- lung kamen — durch ihre bloße Veröffentlichung ihren propagandistischen Zweck schon erfüllt haben. Und hier haben die Herren Bebel und Dr. Gradnauer laut und deutlich genug das Recht auf Notwehr proklamiert. Sie erreichen damit schon ihren Zweck, baS wirb verstauben, mögen bie Herren es auch nachher noch so sehr ableugnen, daß sic Propagandazwecke treiben wollen. Gott sei
Tank werden aber solche Tendenzen an der durchaus gesunden monarchischen Gesinnung des überwiegenden Teils unser-s HeereS zersplittern. Herr Dr. Gradnauer hat hier auch lebhafte Klage geführt über den Ton, der angeblich in der Armee herrscht; soll es auf ein Schimpfwort nicht ankommen ufto. Ja, ich habe mich doch sehr darüber gewundert, daß Herr Gradnauer so em» vfindlich in Bezug auf ein Sckimpfwott ist. Er mag doch daran denken, wie seine eigenen Parteigenossen in Dresden (Große Unruhe bei den Soz.) sich gegenseitig benannt haben, dieselben Herren, die jetzt friedlich hier EH einanoer sitzen. (Heiterkeit.) Ta habtti sich die Genosien Beschuldigungen an den Kopf geworfen, wie sie in anderen Parteien Wohl schwerlich je gehört werden. (Redner blättert in dem Protokoll des Dresdener Parteitages und lieft bann hier und da einige Stellen vor.) Da heißt es bei einer Rede: „Zwischenrufe: Nicht wahr, Lüge, Lüge! Richard Fischer springt hervor und ruft: Sie sollten Den Mut haben, zu sagen, wa§ Sie getan haben. Aber dazu sind Sie zu feige! (Große Heiterkeit rechts. Unruhe links.) In der Rede des Abg. Auer beißt es: „Zum Teufel noch einmal, was ist denn dem guten August in den Leib gefahren?" (Stürmische Heiterkeit.) und bann weiter: „Dafür, daß ihm eine Laus über die Leber gelaufen ist, können wir doch nichts." (Erneute Heiterkeit.) Herr Göhre ruft während der Rede des Abg. Auer mit Bezug auf den Abg. Bebel: „Der verleumdet uns alle." Ja, der Vorwurf der Verleumdung, das ist doch schlimmer als ein bloßes Schimpfwort. Herr Abg. Fischer sagt Dort in einer Rede: „Besttitten ist dies zuletzt nur von Stadthagen, was bekanntlich keine Bestteitung ist." (Anhaltende Heiterkeit rechts.) Und schließlich sagt Herr Auer: „Kinder, laßt genug sein des grausamen Spiels, das hält ja kein Viech aus."
Die Konttoversen, die zwischen den Herren Bebel und Bernstein vor dem Parteitage geführt sind, gehören auch nicht gerade in oas Kapitel der Höflichkeiten, und während der Rede des Herrn Bernstein ruft Herr Ledebour: „Verdächfigen Sie uns nicht!" Worauf Herr Bernstein ihm sagt: „Mit Ihnen, Genosse Ledebour, spreche ich sehr wenig", und Ledebour repliziert: „Und ich mit Ihnen garnicht." (Stürmische Heiterkeit.) Tiefe Proben mögen zeigen, welchen höflichen Tones die Herren Sozialdemokraten sich befleißigen, wenn sie unter sich sind, dieselben Herren, die so empfindend gegen jedes Schimpfwort in der Kaserne sind.
Eine Sache mochte ich hier noch berühren: die lange De» lassung ein und desselben Regiments in einer kleinen Garnison. Ter Kriegsminister hat selber gegen dieses Verfahren Bedenken. Wenn er Mittel und Wege findet, diesen Uebelstand zu befeitigen, wird er sich den Tank des ganzen Landes verdienen. Redner begründet hierauf die von ihm eingebrachte Resolutton, die für die Urlauber mindestens einmal im Jahre freie Eisenbahnfahrt verlangt. Diese Resolution war ursprünglich als Initiativ-Anttag gedacht. Derselbe hat den Freisinnigen aber so gut gefallen, daß sie den Anttag als Resolution einbrachten. Diesem Beispiel mußten wir folgen. Seltsamer Weise bekämpfen die Grenzboten unsere Resolution und schreiben, sie sei der beste Weg zur Parlcnnents- armee, anstatt des Königsurlaubs sollte der Reichstagsurlaub erteilt werden usw. Ter Schreiber dieser Zeilen ist ein Konfusionarius, denn wir verlangen gar nicht, Urlaub erteilen zu können, sondern in unserer Resolution steht ausdrücklich, daß die freie Fahrt „im Falle des Urlaubs" gewährt werden solle.
Abg. Noqnlla von Bieberstein (kons.) erklärt die ZustiTnrnung seiner Freunde zur Resolutton. DaS HeimatSgefühl, auch der Aermsten, müsse gekräftigt, geftärtt werden.
Abg. Eickhoff (frf. 23p.) befürwortet die freisinnige Resolution, die gleichfalls freie Eisenbahittahrt für die Urlauber verlangt, mit tunlichster Benutzung der Schnellzüge. Des meutern gibt er der Meinung Ausdruck, daß unsere Armee nach wie vor sehr schlagfertig fei und sich nicht im mindesten auf dem Wege nach Jena befinde. Er legt aber auch Verwahrung ein gegen die Geschichtsauffassung, die derKriegsminister gestern überJena zum besten gegeben.
Es ist richtig, daß unsere Armee geschlagen wurde, weil sie nicht auf der Höhe der technischen Ausbildung stand. Aber daZ war nicht die alleinige Ursache. Ter Geist ist es, der allein den Erfolg verbürgt. Nicht ein „kosmopolitisch angehauchtes Bürgertum" hat den Zusammenbruch verschuldet. Redner zittert hierauf einige Dichterworte, die gerade die nationale Gesinnung deS Bürgertums ins rechte Licht setzen, und fragt an, ob es wahr ist, daß in einigen Regimentern Einjahrig-Freiwillige jüdischen Glaubens nicht ausgenommen werden. Ter einzelne Fall, der seiner Zeit durch die Zeitungen ging, ist mittlerweile erledigt, der Fall ist aber von svmpwmcttischer Bedeutung. Sind solche Vorkommnisse eines Kul- wrvolkeS würdig? Wir leben doch in einem Rechtsstaat! (Widerspruch bei Den Soz.) Redner erinnert an Den „unvergeßlichen Erlaß" Kaiser FricDrichS III. vom 12. März 1898, Der Den Grundsatz religiöser Duldung proklamiert. Redner tadelt hierauf mit Schärfe Den Antisemitismus in Der Armee. (Zuruf von Den Soz.: „C ege-Schmalkalden!" Heiterkeit.) Er verlangt gleiche Be- ha- ig Der Juden in Der Armee mit Den übrigen Soldaten und ei innert an die militärische Tüchtigkeit Der JuDen im Befreiungskrieg, im Kriege 1870—1871 usw.
Hieraus vertagt Daß Haus Die weitere Beratung auf Montag 1 Uhr.
Schluß 6% Uhr.
Parlamentarische Perhanvlnngen.
Nachdruck ohne Vereinbarung nicht g^ßvttkt.
Deutlcher Reichstag.
50. Sitzung vorn 5. M är K.
1 Uhr. Tas Haus ist schwach besetzt.
Arn Bundesratstisch: vonEinernu. a.
Die zweite Beratung des Militar-EtatS wird beim Titel „Gehalt des Kriegsministers" fortgesetzt.
Abg. Werner (Antisi): Daß Buch des Grafen Baudissin mutzte verletzend wirken. Der Zwischenruf „Lump!" auf der letzten Sette war Daher ganz gerechtfertigt. Es wäre auch gut, wenn die inaktiven Offiziere etwas sparsamer mit der Tinte umgingen. Notwendig ist es, daß die Mißhandlungen endlich aufhören, hier würde eine Aufbesserung der Unteroffiziere sehr segensreich wirken. Es müßte auch für mehr kleine Garnisonen gesorgt werden. Vor allem aber kommt es darauf an, Den guten Geist unserer Armee hoch zu halten. Der sie zu Den großen Siegen geführt hat.
Abg. Graf Miclczhnski (Pole) führt Beschwerde über die Behandlung Der polnischen Soldaten. Man führe jetzt Den Hakatts- mus auch in Die Armee ein. Und Die Politik solle Der Armee Doch fern bleiben! Soll Dieses Prinzip den Polen gegenüber eine Ausnahme machen? Des weitern sei eß auch entschieden zu verurteilen, daß polnische Kaufleute von Den Offizieren boykottiert würben. Einem polnischen Gutsbesitzer sei Der Bezug von Dung cms Der Kaserne verboten worDen, nur, weil er ein Pole sei; überall steckten die Hakatisten ihre Nase hinein. (Heiterkeit.) Ten Offizieren werde der Verkehr in polnischen Familien untersagt, Den Soldaten werde es verboten, in polnischer Sprache an ihre Angehörigen zu schreiben, ja sogar, sie Dürften zu polnischen Geistlichen nicht in Die Beichte gehen. Ihm (Redner) liege nichts ferner, als eine Polendebatte zu inszenieren. Er müsse aber diese Äuge zur Sprache bringen. Im Interesse Der Armee selber. Bei preußischen Ministern so etwas vorzubringen, habe gar keinen Zweck. Hier aber spreche er als Offizier zu einem Offizier und er glaube, daß er bei einem Offizier fein Recht finden werde.
Kriegsminister von Einem, gen. v. Rothmaler: Der Herr Vorredner hat gesagt, daß er eine Polendebatte nicht inszenieren wollte. Ich glaube aber, er hat im Verlaufe seiner Ausführungen von dieser Absicht einen kleinen Abstecher gemacht. (Heiterkeit.) Er hat an mein Portepee appelliert, indem er sagte: „Dir als Offizier traue ich zu, daß ich bei Dir mein Recht finde, beim preußischen Minister findet man das nicht." Im Namen meiner Kollegen muß ich das zurückweisen. Jeder gerechten Forderung steht jeder preußische Minister jederzeit Rede und Antwort und läßt Remedur ein» treten. (Abg. Singer ruft mit tiefster Baßstimme: „Hammerstein I" Große Heiterkeit.) Ich gebe Dem VorreDner Darin recht, daß die ganze Armee alles tun müsse, um die Truppenteile von Der Politik fern zu halten.. Aber wie soll man Das machen, in einem Lande wie Posen, wo Die Gegensätze unter Den Deutschen und Polen aufetnanDer platzen. Ich glaube, wenn man einen Deutschen aus jener Gegend horte, er würde ungefähr dieselben Klagen über Die Polen Vorbringen, wie Der Herr VorreDner sie über Die Deutschen vorgebracht hat. DaS steht fest, daß eine gewaltige Agitation von polnischer ©eite hn Gange ist. Daß Deutschtum zurückzudrängen, und daß diese leider auch vorwärts kommt. Dagegen müßen wtt mis Gründen Der StaatSraison unS wehren. Posen ist eine preußische Provinz. Wir wollen keinem polnischen Angehörigen seine Sprache und Religion rauben. Wtt verlangen nur, daß er ein treuer, preußischer Untertan ist.
Ter Vorredner hat ferner gemeint, dem Soldaten werde Der Verkehr in polnischen Wirtschaften, bei polnischen Händlern, in polnischen Familien untersagt. So allgemein ist das zweifellos unrichtig. Vom Generalkommando DeS 5. Armeekorps ist mir ein BeriM zugegangen, Der uns ausdrücklich sagt, ein allgemeines Verbot nach dieser Richtung hin ist nicht erlaßen. Der Kommandeur eines posenschen Städtchens har angeordnet, daß Den Soldaten der Besuch einer polnischen Wirtschaft, wo vorwiegend Polen verkehren, untersagt sei. Das Generalkommando hat in dieser Tatsache einen ausreichenden Grund zu jenem Verbot nicht gefunden und dies dem Chef der Garnison mitgeteilt. Nur wenn tn jenem Lokale eine ausgesprochen deutschfeindliche Agitation betrieben würde, wäre das Verbot gerechfferttgt. Ich glaube, das ist auch der richttge Standpunkt.
Ein Verbot, in polnischer Sprache an die Angehörigen zu schreiben, halte ich für unmöglich. DaS wurde einfach eine Brutalität fein. Dasselbe ist der Fall mit der Beichte. Es ist ausdrücklich verboten, Nachforschungen darüber anzustellen, in welcher Sprache gebeichtet worden sei. Ich glaube nicht, daß derartige Fälle vor- gekommcn sind, die die Behauptungen des Vorredners belegen. Sollte dies dennoch zutreffen, so würde Der Vorredner mich verbinden, wenn er mir Den Truppenteil und Den Namen nennen wollte. Er tarnt versichert sein, daß schleunige RemeDur einttitt. Ich werde überhaupt jedem dankbar fein, gleichviel welcher Partei er angehört, wenn er mit dazu beiträgt, die Armee auS Diesen poli- ttschen Stteittgketten herauszulaffen.
Abg. Schrader (fretf. Vgg.): Zu den Beschlüßen Der Budget- kommission Petr, die Erhöhung Der Gebälter Der Oberstleutnants unD die Vermehrung Der Unteroffiziersstellen werben meine Freunde erst dann Stellung nehmen, wenn sie die Gründe der Budgetkommission gehört haben. Der Ansicht, datz Die Armee von Grund aus reformiert werden muß, find meine Freunde nicht, wenn sie auch manche Verbesierungen für nötig halten. Die Anschauungen, die Der Kriegsminister gestern über Jena borgetragen hat, waren ganz eigenartige und neue. Wir wurDen geschlagen, weil die Armee schlecht geführt wurde, nicht aber Irttl Das Bürgertum kosmopolitisch gesinnt war und nicht auf Dem © andpunkte stand, Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Erst als DaS Bürgertum wieder erstarkte, war es möglich, Preußen von Der Fremdherrschaft zu befreien. Tie großen Siege wurden erst erfochten, als unsere Armee eine Volks- Armee geworden war. Wenn sich aber DaS Streben geltend macht, einen besonderen Offiziersstand zu bilden, wenn Die AbsonDerung eine immer größere wird, so wttD DaS dem Vaterlande nicht zum Heile gereichen. Hier ist die Stelle, an Der wir anzusetzen haben; unser Heer mutz ein Volksheer bleiben. Die AbsonDerung Der Offiziere von Der übrigen Volksklasse mutz vermieden werden. Die Mißhandlungen würden am besten dadurch aus Der Welt geschafft werden, daß den Unteroffizieren die Verpflichtung auferlegt wird, Mißhandlungen seitens ihrer Kameraden anzuzeigen.''- Wundern muß ick mich darüber, daß Den Soldaten Der Besuch von Lokalen verboten wird, in denen deutsch-fteisinnige Bestrebungen zu Tage treten.
Kriegsminister von Einom: Ter Vorredner mutz sich verhört haben. Nicht Lokale mit Deutsch-freisinnigen Tendenzen, sondern deutsch -feindliche Lokale sind dem Soldaten verboten. (Heiterkeit.)
Abg. Groober (Zentt.) beginnt zunächst über ba§ Vorgehen Der Militärverwaltung gegen Die Polen zu sprechen. (Zuruf: WaS verstehen Sie denn als Süddeutscher Davon?) TaS ist Doch stark, mir, bevor ich noch ein Wort gesprochen habe, so etwas zuzurufen. Ten Kulturkampf, Der gegen uns s. Z. geführt wurde hat wenig-


