Nr. 287
Dienstag 6. Dezember 1904
Zweites Blatt
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen
Der Kaiser banfte, indem er aus
Kultivierung der Mark
die
Fürstenhauses um
haltischen
154. Jahrgang
Erscheint ISgNch mit Ausnahme des Sonntags.
Die ^Siebener Kamlliendlatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «yelstsch» Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Rotanonsdruck und Verlag der Brühl Ich« Univerfttätsdruckerei. R. Lange, Gieße«.
RedakNon,Expedition ».Druckerei: Schulst*. A»
Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. i Anzeiger Greß«,
Kaiser tras heute Mittag hier ein. Vor dem Nathause hieß Oberbürgernieister Dr. Ebeling den Kaiser willkommen, die Verdienste des An-
Tcntjchcs Reich.
Berlin, 5. Dez. Man meldet aus Dessau: Der
Brandenburg und um die preußische Armee Bezug nahm, ^sowie indem er erwähnte, daß er vor genau 15 Jahren Dessau
gesamte lebende Inventar, Pferde, Ochsen und Esel. Dafür werden 265 000 Mark gefordert zur Bewältigung aller der damü zusammenhängenden Arbeiten muß das Personal der Finanz- und der Bauverwaltung sehr verstärkt werden; für das erstere sind allein 37 250 Mark erforderlich. Besondere Aufmerksamkeit wird den Wege- und Wasservorlagen im Schutzgebiete gewidmet werden, dadurch entsteht eine Ausgabe von 215 000 Mk. Durch den Aufstand sind vier Bohrmaschinen zerstört worden, diese müssen nebst acht Tiamantkronen neu beschafft werden; ebenso vier bespannte Wasserkarren. Tie Preise für Zugochsen sind aber bedeutend gestiegen, lieben den Kosten für Bohrkolonnen ist die Anlage von kleinen Staudämmen vorgesehen, mit einer Summe von 85 000 Mark. Ta manche Gebiete durch ihren geologischen Aufbau sich für Bohrungen wenig eignen, so wllen diese in den nächsten Jahren sich hauptsäMich auf den Norden und Süden des Schutzgebiets besä-ranken. Im mittleren Gebiete sollen Staudämme errichtet werden.
Neuer Truppentransport.
Hamburg, 5. Dez. Ein neuer -ci. ppentransPort in Stärke von 48 Offizieren und höheren Militürbeamten, 501 Unteroffizieren und Mannschaften und 996 Pferden geht heute nachmittag mit dem Dampfer „Palaria" nach dem Kriegsschauplatz ab: Transportführer ist Hauptmann Graf Zech. Ter letzte diesjährige Transport folgt am 17. Dez. mit dem Lloyddampfer „Wittekind', außer Truppen und Pferden auch die zweite Feldtetegrapherr- sowie Z-unkentelegraphen-Abteilungen umfassend.
Volttische Tagesschau.
Der Poker-Prozeß geht weiter.
Der okdenburqiscöe Minister Ruhstrat wird nicht so bald tntt seinen Prozessen zur Ruhe kommen. Tie Rechtsanwälte Tr. Sprenger-Bremen und Dr. Herz-Altona, die Verteidiger des wegen Beleidigung des Ministers am letzten Freitag^zu einem Jahr Gefängnis verurteilten Residenzboten-Redakteurs S ch w eL - n e r t, haben lvieder Vollmacht vom Angeklagten erhalten. Sie find von ihm mit der Einreichung der Revision beauftragt worden. Tie Revision wird sich auf eine ganze Reihe von Punkten rechtlicher wie prozessualer Art stützen.
Rechtsanwalt Tr. Herz-Altona hat außerdem die Verteidig- üng des wegen Meineidsverdachts in Haft genommenen Kellners Meyer übernommen. Wie man in Oldenburger eingeweihten Kreisen erzählt, wird möglicherweise gegen den Kellner Meyer nicht Anklage wegen Meineids, sondern wegen fahrlässigen Falsch eids erhoben werden, sodaß er dann vor eine Oldenburger Strafkammer, statt vor die Geschworenen, zur Aburteilung käme.
Heber den gegen sämtliche Mitglieder des Oldenburger Landend Oberlandesgerichts gerichteten Ablehnungsantrag der Verteidigung in Sachen des in Untersuchungshaft besindlichien Verlegers des Residenzboten Biermann wird, da der Antrag rechtzeitig schriftlich eiiigercidjit worden ist, das Reichsgericht eine Entscheidung herbeizuführen haben.
Ter eine der beiden Verteidiger Schweynerts, Tr. Herz, sendet verschiedenen Blättern eine Erklärung, in der es heißt:
„In den wiederholten Besprechungen, die ich mit Herrn Tr. Sprenger über die Führung der Verteidigung gehabt habe, habe ich die Wahrnehmung gemacht, daß Herr Tr. Sprenger die Artikel des „Residenzboten", insbesondere die inkriminierten, wegen der seiner Ansicht nach die zulässigen Grenzen überschreitenden Form und des ihm nicht zusagendere radikalen Inhalts stets abfällig beurteilt habe. Er fprach auch wiederholt von der Erwägung, deswegen von der Vertretung der Angeklagten Abstand zu nehmen. Als ich 'chn über feine rein juristische Ansicht befragte, gab er der Ansicht Ausdruck, daß auch gegen,die Angeklagten sehr stark gesündigt sei und daß erhebliche objektive R e ch t s wi dr i g k e it e n a u g e n sche i n- lich infolge der hohen Stellung der Verletzten und sonstiger lokaler Einflüsse vorgekommen seien. Ties veranlasse ihn als Juristen, der Sache fein Interesse nicht abzuwenden.
Herr Tr. Sprenger erklärte demgegenüber: ... Er hoffe, durch die von ihm hervorgehobene scharfe Scheidung bie, störenden Einflüsse des Oldenburger Milieu zu beseitigen und eine rein juristische Behandlung des Straffalles zu ermöglichen.
Tie Ereignisse haben gezeigt, daß die örtlichen Einflüsse übermächtig waren und eine objektive Beurteilung des Falles nicht zuließew Tas erst im vorbereitenden Verfahren abgegebene Zugeständnis des M i- nifters, er habe noch in den letzten Jahren Poker — ein Welt bekanntes englisch-amerikanisches Hasardspiel — gespielt, während doch gerade den Angeklagten vor- gQvorfen wurde, sie hätten zu Unrecht behauptet, der.Minister habe entgegen seinem Eide und entgegen seiner feierlichen Be- funbung im Landtag noch in den jüngsten Jahren hasardiert, fand von amtswegen keine Berücksichtigung. Tie Tatsache selbst wurde als harmloser, kaum erwähnenswerter Vorfall behandelt. Dagegen stützt man sich darauf, daß ein anderes, in früheren Prozessen erwähntes Glücksspiel („lustige Sieben") nicht gespielt sei, und verhaftete auf Gerichtsstelle den nicht vorbestraften, völlig unbeteiligten Kellner Meyer, der letzteres doch bekundete, sich möglicherweffe irrte und trotz offen drohender Verhaftung und trotz Vorhalt der abweichenden Aussage dritter Personen bet der Beteuerung der Wahrheit seiner Aussage blieb, wiewohl er darauf hingewiesen wurde, daß er sie noch ungestärkt widerrufen könne. Dadurch wurde, wenn auch unbeabsichtigt, auch seitens des Gerichts der falsche Anschein erweckt, als ob das gesamte Belastungsmaterial auf den Angaben unzuverlässiger Personen beruhe. .
Tie Handhabung der schungspolizer, die Einrichtung des Verhandlungsplans, die ungewöhnliche Behandlung der Verteidigung illustrieren und ergänzen das Bild. , . ..
Tie Verteidigung verzichtete daran!, em Amt zu bekleiden, dessen gesetzliche Funktionen tatsächlich obiektiv rechtswidrig au ßer Kraft gesetzt waren."
ebenfalls schon besucht habe. Der Kaiser wünschte schließlich der Stadt Dessau ein weiteres Blühen. Im Herzoglichen Residenzschloß würbe bet Kaiser burch bie Herzogin begrüßt. Um 1 Uhr fanb Frühstückstafel im Schlosse statt. — Abends 10 Uhr traf der Kaiser in Wernigerode ein.
— Das Ab georbnetenhaus hat heute eine Reihe von Petitionen erledigt. U. a. würbe eine Petition gegen Einführung einer Stasselsteuer ber Regierung zur Berücksichtigung überwiesen.
— Dle „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Russische Kommissare trafen hier zur Verhanblung über zwei Eisenbahnanschluß-Verträge zwischen bem Reiche und Rußland ein. Die Verhandlungen betreffen die Schaffung neuer deutsch-russischen Eisenbahnverbindungen zwischen Skal- mierzyue—Kalisch (Warschau - Kalifcher Eisenbahn), sowie zwischen der preußischen Staatsbahnstrecke Lublinitz—Herbp bei Herby und der Herby-Czenstochauer Eisenbahn. Ein günstiges Ergebnis steht in Aussicht. Wir bewillkommnen es als einen neuen Zuwachs von Verbindungsmitteln für den wirtschaftlichen Verkehr beider Reiche.
— Eine außerordentliche deutsche Gesandtschaft begiebt sich Mitte Dezember nach Abessinien, um in der Hauptstadt Addie-Abasa mit dem Regus Menelik Handelsverträge abzuschließen und ihm Geschenke des Kaisers zu überbringen. Die Gesandtschaft wird eine Anzahl außerlesener Mannschaften des Regiments Garde du Corps teils zum Schutz, teils zur Repräsentation am Hofe des Regus begleiten. In der Gesandtschaft befinden sich u. a. Legations- fefretär Graf Viktor v. Eulenburg, ein Oberstabsarzt, Vize- konsiil Schueler von der handelspolitischen Abteilung des auswärtigen Amtes, Kommerzienrat Bosch als Handels-Sachverständiger, Professor Dr. Rosen aus Breslau als naturwissenschaftlicher Sachverständiger.
— In der Hauptversammlung de§ deutschen Sparkassenverbandes wurde seitens des Vorstandes folgende Erklärung abgegeben:
„Bezüglich der Scherlfrage habe die letzte Hauptversammlung den Vorstand beauftragt, die Frage des Scherlschen Prämlen- Sparjystems den Unterverbänden zu unterbreiten und nachdem diese sich geäußert, die Angelegenheit erneut auf die Tagesordnung zil bringen. Diese Beratungen hätten in sämtlichen preußischeii Unterverbänden bereits stattgesunden, und es könne schon heute als zweifellos feststehend betrachtet werden, daß die Mehrzahl der Sparkassen gegen die Ausführung des Scherlschen Prämien- jparsystems in der heutigen Form sind. Da aber eine Anzahl Unterverbände erst in den letzten Wochen ihre Beschlüsse gefaßt, die außerprenßischen bisher noch iiicht dazii Stellung genommen hätten, da außerdem der Minister des Jmiern im Landtage erklärt habe, daß die preußische Staatsregierung nicht daran benfe( jetzt die Angelegenheit weiter zu verfolgen, so glaube der Vorstand, daß die e n d g i l t i g e Erledigung d e r S ch e r l f r a g e für den Verband keine Eile habe und daß die Erledigung bis zum nächsten Verbandstage verschoben werden könne."
Schwerin, 5. Dez. Im Wahlkreise Schwerin-Wismar wurden bei der Reichstagsstichwahl am 3. d. Mts., wie nun- mebr ermittelt ist, 24 528 gütige Stimmen abgegeben. Büsing (natlib.) erhielt 13 315, Antrick (Soz.) 11213 Stimmen. Ersterer ist mithin gewählt.
Dresden, 5. Dez. Die Zweite Kammer nahm die Zivilliste mit 3 550 000 M. einstimmig an.. Von nationalliberaler Seite wurden angesichts des 840 000 Mk. betragenden Zuschusses der Zivilliste für das Hoftheater der Wunsch ausgesprochen, die Theaterleitung möge mehr kaufmännische Gesichtspunkte als früher berücksichtigen und namentlich durch Herabsetzung der Platzpreise den Besuch und die Einnahmen heben und damit den Betrag der Zivllliste verringern. Finanzminister Rüger betonte, der schlechte Besuch der Hoftheater sei weniger aus die Theaterleitung, als auf den schlechten Geschmack des Publikums zurückzuführen. Weiter sei zu berücksichtigen, daß der m oder ne Niens ch zu sehr von der Politik in Anspruch genommen werbe und heute im allgemeinen der Abschluß eines Handelsvertrags ober auch eine Stadtverordnetenwahl weit mehr interessieren als die beste Klassiker- a n s s ü h r u n g.
Zer Aufstand in I-utfch-Süvw-stafrika.
Gefallen bei Warmbad
em 28. November: Leutnant Alfred Schmi dt, geb. 1874 zu Meppen, früher Jnsanterre-Regiment Nr ,8; Leutnant ffiunlb Zeiten V Heydebreck, geb. 1879 zu Guben, früher 2 Gerde-R g s S,; Unteroffizier Äerber, geb.1877 zu Büttstedt GefÄter Wilkey Reiter Mvicr; -Gcfteiter Huebner! Reiter Marckwardt; Reiter Backbaus; Reiter Ostkamp; Reiter Riefe — N er wund e t im Gefecht bei Warmbad am 28. Nov.: Unter« offiziös Michael Wannenmacher, geb. 1880 zu SckMhansen; Reiter iieinx' Reiter Ofiendorf; Reiter Äulle; Reiter ^eter Lang.
B er mi ß t- Unteroffizier Ernst Bammel, geb 1880 zu Darnebeck.
Sn fMf kenn der Angriff auf Warmbad, bell ber £>ottentotten» wbrI Dtolenga mü ZOV^ewehren am Abend des 28. November unternahm und der, wie wir gestern meldeten, von der Be- fatzung unter Hauptmann v. Kopvb grnckh -urückgeMagen “■.,.
MÄ »WS ft» *”«««>•» »SB:
' Die Ursache des Herero-Ausstandes.
c*n ker dem Reichstag zugegangenen Denkschrift werden be-
'nach Lage dL Ting- L 'ausgebrochen sein, wenn es nie einen weißen Händler im Hereroland gegeben hatte, -^rotz- dern^"gibt^ie Denkschrift zu, daß U e b e r g r t f f e derHandler Z^Ä3Äu*«ürsi ri-'iSML
Kt (Slpfnlir austauchten, warum wurde auch da utc jnüer]tu tiia uu nicht ober nur vorübergehend erschüttert? Es )inb kolvntalsreund. Hebe Blätter, die solche Fragen au werfen.
Welche unsäglichen Verwüstungen
Knr ofiifftanb der Herero ungerichtet hat, das geht am deutucy- stcn hr o aus den Forderungen zum,^er-u^ d« zer- r l 7 * r,, ßi <> ß n u b c; dafür werden uuu wcari
VAMSUsS berg, t üllL; 'Ul (^bubte die Gebäude auf säst
Leipzig, 5. Dez. Die hiesige Handelskammer erklärte in einer Resolution bie beschleunigte Ausgestaltung der deutschen Flotte als eine dringende Notwendigkeit für bie Ausdehnung und Sicherheit der internationalen Handelsbeziehungen.
Ausland.
Paris, 5. Dez. Echo de Chine meldet, daß in der chinesischen Ortschaft Ktnteytschena ein Aufruhr ausgebrochen ift, welcher sich gegen die katholischen Atissionare richtet. Missionen, welche dorthin abgegangen sind, um den Aufstand zu unterdrücken, wurden angegriffen und mehrere Dttssionare schwer verletzt. Einer ist den Verletzungen bereits erlegen. Ebenso setzten die Ausständigen dem Militär Widerstand entgegen. Die Aufrührer steckten die Missionsgebäude tn Brand. In zwei Ülachbar-Ortschaften, wo von Notablen Schulen errichtet waren, ist ber Aufstand ebenfalls ausgebrochen. Die Schulen mürben niebergebrannt.
Wien, 5. Dez. Angesichts der neuen Phase der handelspolitischen Verhandlungsn tritt den Blättern zufolge wahrscheinlich noch im Laufe ber Woche eine Zoll- und Hanbelskonferenz zusammen, um bie Frage zu erörtern, mit welchen Staaten zunächst eventuell Verhandlungen neu zu beginnen wären. Cs kämen erftlinig die Schweiz und Belgien in Betracht.
— Wie die „Polit. Korr/ erfährt, hat anläßlich de- Todes des Botschafters Kap nist zwischen den Kaisern von Oesterreich und Rußland ein Depeschenaustausch itattgerunben, in welchem bie Herzlichkeit der Beziehungen ueuerbmgs bekundet wird.
Salonik, 5. Dez. AuS Rache wegen der Ermordung griechischer Kaufleute bei Sorowitsch durch bulgarische Komitadschis überfiel eine griechische Bande das Dorf Aylos bei Monastir und tötete 28 Bulgaren, die verdächtig waren, den Angriff auf die Kaufleute gemacht zu haben. ___________
Allgemeine Wäylerv.rsammlnng in Hießen.
Gießen, 6. Dez,
Der Aufforderung des freisinnigen und natio- nallibet alen Vereins an die Wähler aller Parteiew zur Teilnahme an einer allgemeinen Berjamurlung kui Erörterung des Gesetzes bett, das W ah lr<e ch t zu m Landtag hatte eine große Anzahl Wähler Folge geleistet. Gegen 9 Uhr abends eröffnete namens der Vorstande beider genannten Vereine Justizrat Metz die Versammlung im 9teuen Saalbau, indem er daraus hinwies, daß der freisinnige und der nationalliberale Verein sich einig gewesen seien, daß eine Beratung ins einer größeren Wählerversammlung über das so wichtige Wahlgesetz sehr wünschenswert sei. Er erteilte daraus dem Referenten, Landtagsabg. Justizrat Dr. Gut fleis ch das Wort.
Dieser warf einen Rückblick auf dte parlamentarischen Bemühungen zur Einführung des. direkten Wahlrechts und gab Kenntnis von seiner Haltung dazu bei den Erörterungen in den Aus- schüs en und im Plenum. Die Einführung der direkten Wahl, so füllte Dr. Gutfleisch aus, ist nur eine Konsequenz der konstitutionellen Verfassurtg, drei wir haben. Er sei mit den anderen Anhängern des direkten Wahlrechts der Meinung gewesen, es sei ein Unrecht gegen das Volk, wenn man den Wählern nicht den Einfluß auf die Gesetzgebung geben würde, wie er beim direkten Wahlrecht besteht. Das noch heute giltige Recht sei, daß ber Wahlmann nach freier Ueberzeugung wählt. Das Volk wählt die Wahlmänner mit der beftinunten Aussicht, daß btefe für ein bestimmtes Programm und für bestimmte Männer eintreten. Die Sozialdemottaten erreichen dabei ihr Ziel am besten. Bei ihnen ist es gänzlich ausgeschlossen, daß schließlich ein anderer als ein Sozialdemokrat gewählt totrt)1 Ganz anders bei den bürgerlichen Parteien. Hrer feien; die Fälle zahlreich, in denen die Dinge sich spater ganz anders abspielen, als der Urwähler sich gedacht hat. Vrelfach ist es vorgekommen, daß die Wahlmänner umsielen und der Wille der Wähler nicht zum Rechte kam. In den letzten 10 Jahren hat sich auch gezeigt, daß die Meinung der Volksvertreter mehr und mehr sich zur Einführung des direkten Wahlrechts drängt. 1896 wurde in der zweiten Kammer mit 23 gegen 2 0 Stimmen beschlossen, das direkte Wahlrecht einzuführen, 189 9 ebenfalls mit 3 2 gegen 8 Stimmen. Und als 1901 zum ersten Male über die gegenwärtige Vorlage abgestimmt wurde, stimmten 40 Abgeordnete gegen 5 für die Einführung des direkten Wahlrechts. Alle Einwendungen und Befürchtungen, die man äußert, indem man prophezeit, die Demagogie würde das politische Leben vergiften, feien hinfällig. Exzesse, Ereiferungen, wenn sie etwas mehr auftreten} sollten, tragen ihre Remedur, ihre Heilung in sich selbst. Tas Volk wird sich selbst erziehen, und die Teilnahmlosig- keit am politischen Leben muß abgelöst werden.
Die Feststelluiig des Prinzips der Wahlrechtsvorlago von 1901 war begleitet von einem starken Entgegen- ko m m e n der Negierung. Die direkte, geheime Wahl sollte alle die Vorzüge haben, wie das Michstagswahlrecht. Um die Wahlbewegung einheitlich und durchgreifend zu gestalten, sollte die Wahl im ganzen Lande an einem Tag stattjinden. Es wurde der Sonntag vorgeschlagen^ und Dr. Gutfleisch war mit Tr. Dav i d der einzige Ab geordnete, der ui der Kommission dafür ftunmtc. Aber man äußerte Von anderer Seite Bedenken, daß die Oeist- lichkeit etwa'sich zu viel in daS Wahlgeschaft emnnschen könnte, und so kam man wieder davon ab. aa. OutfUisch war mit Dr. David und Re in H ai t (natl- einig, daß, wenn man die direkte Wahl wirklich bekomme, inan in, ksinAcincitcn nlcht allzuviel mafeln (olle. Dr. ühittUifd) MpixM sodann aucd beit Vorschlag betr. bie tiim uljtuug der Lahlpslicht, jur die er nicht zu habe,.
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»tn, Neuenweg, l des Röntgt um6 zu Leipzig, etiler der Rapelle icgiUlr.116.
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ter. mcl Lieferung lege nut beliebig, f ab 6,50 bas 07310 rnifersaJ" el, Zellers weg 61.
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"deute Wuhchaft oder eine ßiimle, brauche, alövaid ich'.. Kaution laxvn _ Fn. nut Meren r^Lna. erbeten uni. >,'12 an «udols dtn.___-
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