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Erstes Blatt.
154. Jahrgang
Donnerstag T. Oktober 1904
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Nr. Ä35
täglich anher Sonntag-.
Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Eiesener FamUien- hlälter otermal in der Woche beigelegt.
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ictzenerAnzeiger
General-Anzeiger
Amts- md Anzeigebla« für den Kreis Metzen
Ire heutige Kummer umfaßt 8 Seite«.
Deutsches Reich.
Berlin, 5. Okt. Gins Stiftung Don 38 000 Mk. nat der Kaiser, wie wir -meldeten, dieser Tage für die Witwen und Waisen der Nominier Heide, die Hinterbliebenen der unteren Forstbeamten und Forst- arberter gemacht. Anlas; zu dieser gab die Erlegung eines Kapitalhirsches durch den Kaiser im Jagdrevier Bludßen. So viele Enden nämlich dieser Hirsch zählte — die rechte Stange trägt 15, die linke 13, zusammen 28. Enden, — auf so viel Tausend Mark normierte der Kaiser das Kapital, dessen jährliche Zinsen zu dem angegebenen Zweck «Verwendung finden sollen. Außerdem erhielten der Hege'nreister Lehmann und der Forstanfseher Schmidt vom Kaiser je 500 Mk. Der erlegte Hirsch hatte ein Gewicht von 374 Pfund und ein Geweih von 1,32 Metern Ausladung und 27 Zentimeter Rosen stärke.
— Der konservative Reichstagsabg. Dröscher, dessen Wahl für den Wahlkreis Schwerin-Wismar die Wahlprüf- ungskormnission für ungültig erklärt hatte, hat sein Mandat niedergelegt.
— Vom Bunde der Landwirte und den Konservativen wurde der Hauptmann von Brauchitsch als Kandidat für die Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Jerichow ausgestellt.
— Die deutschen Sittlichkeitsvereine haben in Köln getagt und unter anderem! Resolutionen gegen die Agitation der Homosexuellen und gegen den Kölner Karneval angenommen.
— Vier sozialdemokratische Stadtverordnete in dem Menburger Städtchen Eisenberg haben die Mittel zu einem Abschluß für das dortige Bismarckdenkmal mitbewilligt; sie haben sogar eigene Vorschläge über die zu wählende Einfriedigung unterbreitet.
Königsberg i. Pr., 5. Okt. Das Kaiserpaar traf mit Prinzessin Viktoria Luise heute abend aus Ro- minten ein. Während die Kaiserin mit der Prinzessin im Sonderzug die Reise fortsetzte, begab sich der Kaiser nach der Kaserne des Grenadierregiments Nr. 3 und nahm nach Besichtigung desselben im Regimentskasino an der Offizierstafel teil. Um 10 Uhr 30 Minuten reiste der Kaiser nach Danzig aß'.
Karlsruhe, 3. Okt. Gestern fand hier die erste Konferenz der Tabakarbeiter Süddeutschlands statt, die aus Baden, Hesseni, Bayern und Württemberg besucht, war. Nach dem Bericht des „Volksft." ergab die Berichterstattung aus den einzelnen Orten ein trauriges Bild der Lage der Tabakarbeiter Süddeutsch- tands. Unter den 50 000 Tabakarbeitern, die in den vertretenen Orten in Betracht kämen, seien etwa 26 000 Arbeiterinnen, die Organisation sei rückständig, die Arbeitgeber seien bemüht, die Fabrikation in die entferntesten Gegenden zu verlegen, um möglichst hillige Arbeitskräfte zu gewinnen. Nach langen Debatten, in denen auch der Wunsch ausgesprochen wurde, den Sitz des Versandes der deutschen Tabakarbeiter nach Süddeutschland, zu verlegen, wurde folgende Resolution angenominen:
„Die Konferenz der Tabakarbeiter und Arbeiterinnen Süddeutschlands fordert seitens der Organe der hierzu berufenen Behörde die -strikte Durchführung der bundes- rätlichen Bestimmungen in der Tabakindustrie. Des weiteren nimmt die Konferenz bezüglich der Heimarbeit die von dem Heimarbeiterschutzkongreß gestellte und angenommene Resolution zur Kenntnis und fordert wie der Heimarbeiterschutzkongreß ein vollständiges Verbot der Haus- und Heimarbeit in der Tabakindustrie."
Keer und Klotte.
— Aus dem Militär-Wochenblatt. Die Lts. Hrhr. v. Dörnberg vom Drag.-Regt. Nr. 23, Niedesel, Frhr. zu Eisenbach (Hermann) vom Drag.-Negt. Nr. 24, Frhr. Hiller v. Gaertringen vom Feldart.-Regt. Nr. 25, zum Militär-Reitinstitut kommandiert.
Kirche und Kchule.
— Ein weiteres katholisches Lehrer-Seminar /oll der „Trierer Landesztg." zufolge sür die Nheinprovrnz errichtet werden. , _ , .
__ Der erste weibliche Pastor tn England, /ine Deutsche. Ein Londoner Korrespondent schreibt: Den englischen Frauen ist ein neuer Erwerbszweig eröffnet worden. In der Wissenschaft, der Medizin und vielen anderen Zweigen im öffentlichen Leben hat sich das „schöne" Geschlecht in den letzten Jahrzehnten wiederholt ausgezeichnet, aber m England wenigstens war ihm der Zutritt zu den Gerichtshöfen und den Ilirchen verboten. Die letztere Schranke ist dieser Tage von einem Fräulein Gertrude v. Petzold durchbrochen worden. Sie ist der erste weibliche Pastor in England und wirkt in dieser Eigenschaft seit einigen Tagen an der Free Ehristian Church in der Stadt Leicester. Frl. v. Petzold hielt vor einigen Monaten, in der Kirche zwei Gottesdienste ab und wurde daraushin einstimmig für die Besetzung des vakanten Postens vorgeschlagen. Sie ist 28 Jahre alt und besitzt ein reiches musikalisches Organ. Den Doktorhut erwarb sie sich bereits im Jahre 1899 (also im Alter von 23 Jahren). Sie studierte an den Universitäten von Berlin, St. Andrews (Schottland), Cdinburg und Manchester. Frl. v. Petzold predigt in ihren akademischen Geivändern und ihre Gottes- diensle sollen aus die Versammelten einen großen Eindruck ausüben. Die Dame ist in Thorn geboren und entstammt einer preußischen OssizierSsamilie»
Ausland.
London, 5. Okt. Man hofft, daß noch in diesem Jahre die Grenzarbeiten der englisch-deutschen Kommission am Kilimandscharo sertiggestellt werden. Tie Grenzkommkssion hatte viel mit Wassernot zu kämpfen. Unlängst wurde ein Doot der Kommiffion durch ein Flußpferd zertrümmert. Tie Insassen vermochten sich nur mit Mühe vor den dort zahlreich vorkommenden Krokodilen zu retten.
Paris, 5. Okt. Ter „Petit Parisien" will aus Petersburg erfahren haben, der Z a r werde demnächst mit Kaiser Wilhelm^ eine Begegnung auf dem Schlosse S p a l a bei Warschau haben.
— Bei der gestrigen Vernehmung der Admirale und Stabsoffiziere durch den Kammeruntersuchungsausschuß in Toulon führten Toumer und Lockroh das große Wort. Tie Admirale Ravel und Vienaim6, die Pelletan ihrer Aemter enthob, weil sie der Presse ungünstige Berichte über die Verfassung des Schlachtschiffes ,-Sully" zugehen ließen, stellten den Zustand der Flotte, sowohl des Materials wie der Mannschaft, in schwarzen Farben dar. Lockroys ehemaliger Kabinettsvorsteher Tarrie behauptete, zur Zeit Faschoda^ unter Lockroys Ministerschaft, sei in der Flotte alles aufs Beste bestellt gewesen, während jetzt Unordnung und Zerrüttung herrsche.
Wien, 5. Okt. Seitens der deutschen Negierung wurde vor einiger Zeit ein formeller Protest gegen das Futter-Ausfuhrverbot Oesterreich-Ungarns erhoben. In mündlicher Besprechung wurde dabei vorgebracht, daß auch Deutschland im Jahre 1893 trotz des Vertrages ein ähnliches Verbot erlassen hat. Diese» Verbot betraf indessen nicht alle Futter-Gattungen, deren Ausfuhr von Oesterreich-Ungarn untersagt wurde. Zur Zeit sind Verhandlungen im Gange über Frei- gebung jener Futtersorteu seitens Oesterreich-Ungarns, deren freien Handel auch Deutschland respektiert hatte.
Lemberg, 5. Okt. Wie^polnischen Blättern aus Warschau gemeldet wird, sind in der Stadt R u d n i a im Gouvernement Mohilew beim Turchmarsch von Reservisten judenfeindliche Exzesse ausgebrochen, an denen sich auch die Landbevölkerung der Nachbardörfer beteiligte. Während der Ausschreitungen war kein einziger Polizist zu ermitteln. Tie Juden wurden mit Stöcken geschlagen, die Fenster ihrer Häuser zertrümmert. ($rft als der Pöbel in das Innere der Judenhäuser einzudringen versuchte, bewaffneten sich die Juden und drängten die Exzedenten zurück.
New York, 5. Okt. Der internationale Friedenskongreß wählte Tr. Richter, Bertha von Suttner und Richard Feldbaus zu Vizepräsidenten. Abends fanden zwei stark besuchte Massenversammlungen statt, in einer derselben sprach Witte. Ter Friedenskongreß beschloß Adressen an den Zar und an den Mikado zu senden, um eine Beendigung des Krieges herbeizuführen. Auck sollen Vorstellungen bei anderen Mächten gemacht werden.
Der Krieg zrviscken Japan und Außland.
Port Arthnr.
Ein Telegramm General Stössels Dorn' 23. Sept, an denKaiser Meldet: Vier Tage währte der Sturrm der Japaner. Er wurde von unseren heldenhaften Truppen zurückgeschlagen, wobei der Gegner ungeheuere Verluste erlitt. Vom 19. Sept, bis 5 Uhr ftnih des 23. Sept, beschoß der Feind uns heftig und unternahm Sturmangriffe gegen die nördliche und luest- liche Front der Festung und gegen die vorgeschobenen Feldbefestigungen. Alle Angriffe des Feindes wurden nacheinander abgeschlagen. In seine Hände sielen zwei Feldredouten beim IDempel und der Wasserleitung, die von Brisanzbomben vollständig unbrauchbar gemacht worden waren. Die Wasserleitung selbst haben die Japaner zerstört. Der letzte Sturm auf den Hohen Berg wurde heute früh um fünf Uhr zurückgeschlagen. Dort hatte der Feind schon Blin- dagen besetzt und Maschinengewehre hinausgeschafft und beschoß uns. General Kondratenko schickte einen Leutnant mit Sappeuren und Freiwilligen unter dem Befehl eines Obersten ab, die mit Pyroxylin gefüllte Bomben in die Blindagen warfen und sie in die Luft warfen. Die Japaner flohen in panischem Schrecken, verfolgt von Freiwilligen des 5. Regiments uuter einem Hauptmann. Die Verluste der Japaner betragen über 10 000 Mann. Die Truppen kämpften heldenhaft. Besonders zeichnete sich das 5. Regiment aus. L8ie General Stössel unter dem 30. Sept, weiter meldet, ist nach den blutigen Sturmangriffen vom 19. bis 23. Sept, eine verhältnismäßige Stille eingetreten. Jetzt rückt der Feind langsam vor. DaZ Bombardement der Forts der inneren Festung dauertfort. Ausfälle werden oft unternommen. Die Stimwung dec Truvpen ist heldenmütig. Täglich kehren aus den Hospitälern Verwundete zur Front zurück.
„Daily Telegraph" wird aus Tschiftr berichtet: Die russischen Verluste in den Kämpfen um den Hohen Hügel werden auf 2000Dote und Verwundete angegeben. Nach Berichten von Chinesen versuchten die Japaner, vor deut Fort Jtachan unter heftigem Feuer der Russen schweres Geschütz aufzustellen.
London, 5. Okt. Aus Tokio wird vom Mittwoch Mitternacht gemeldet, c8 verlaute dort, daß die russische Flotte in Port Arthur den Versuch gemacht habe, durchzubrechen. Eine Seeschlacht sei im Gange.
Aus EHarb in meldet vom 5. Okt. die Nuss. Tel.-Ag. Nach hier eingetroffenen Nachrichten sind alle Angriffe der Japaner auf Port Arthur vom 19. bis 26. September durch die Verteidiger der Fesiung a b g e schla g e n worden. Die Russen räumttm nur einige Vorpositionen, die in Trümmerhaufen ver- ivandelt waren. Auch konnten die Japaner dieselben nicht beseiten, weil sie da von den anderen Stellungen aus scharf beschossen werden können. Nach Angabe von Augenzeugen, die noch während der Angriffe im August in Port Arthur waren, iuiitbe der K ampf beiderseits mit u n g e w ö h n l i ch e r Erbitterung geführt. Bei dem Sturni auf die Pagoden-Redoute sei fast die ganze neunte japanische Division vernichtet worden: die Leichen hätten haufenweise gelegen: Verwundete, die nickst selbst die Front verlassen konnten, seien um- gekoiumen. Tie heldenmütige Verteidigung Port Arthurs ruft
Bewurrderung hervor. D'.e Seele der Verteidigung ist General Stöffel, ihm würdig zur Seite stehen die Generale Kandratenke und Fock. T>er frühere Stadthauptmann von Talny, Sacharow, leistet im Geniewesen hervorragende Tienste. Ter Geist der Garnison ist vorzüglich und hierin liegt die unüberwindliche Kraft der F e st u n g. Als die 4. Ti Vision unter General Fock nach der Räumnng des Wolfshügels, den er über zwei Monate gegen die japanischen Tivisionen heldenmütig verteidigt hatte, in das Gebiet der Festung zurückkehrte, ließ General Stöffel dieselbe unter feindlichem Feuer im Parademarsch vorbeirücken. Port Arthur ist mit Lebensmitteln ausgezeichnet versorgt. Tie Verteidiger sind überzeugt, daß die Festung noch eine lange Belagerung au shalten werde. Alle Nachrichten über eine schwierige Lage stammen aus japanischen Quellen urrd sind meist erfunden. Tie Verluste der Japaner vom 19. bis 26. September betragen etwa 20 000 Mann.
Petersburg, 5. Okt. Ter „Nowoje Wremja" zufolge stammen alle über Port Arthur kursierenden Alarmgerückste von dem aus Port Arthur geffüchteten und später irrsinnig gewordenen früheren Polizeimeister Zentius. Weiter bestätigt die „Nowoje Wremja" einen glücklichen Handstreich der Russen gegen den von den Japanern besetzt gewesenen goldenen Hügel, wobei die Japaner ein Geschütz und zweiMa- schinengewehre einbüßten.
Eine Port Arthur-Wette.
Aus'P a r i s wird geschrieben: Vor einigen Monaten gingen in einem Londoner Klub ein Engländer H. Tavies und der russ. Pelzhändler Grünwaldt, der auch in Paris ein großes Geschäft hat, eine Wette über den Widerstand von Port Arthur ein. Nach dem Engländer soffte die Festung vor dem 1. Oktober fallen, nach dem Russen allen Anstrengungen der Japaner zum Trotz erst später. Grünwaldt hat die' Wette gewonnen und ernt 2. Oft. von dem Englättder den Preis'derselben in Gestalt eines Schecks von 500 Pfund Sterling erhalten.
Aus der Mandschurei.
Kuropatkin hot, so heißt es, den festen Entschluß 'geäußert, die jetzige günstige Jahreszeit militärisch auszunü'tzen. Alles deutet auf die kommende „R ev anche für Liaujan^ hin. Offiziere und Soldaten hoffen, daß die Periode der Rückmärsche jetzt vorbei, und die Zeit gekommen sei, wo fie dem Feinde zu Leibe gehen können.
Ter russ. Telegraphenagentur wird von ihrem Korrespondenten aus Cbarbin gemeldet: Tie javanische Vorhut ergriff am 2. Oktober auf der ganzen Linie des Hanho bis zur Straße von Mukden nach Poensihu die O f f e n s i v e, wurde ccher zurückgedrängt. Vom 3. Oktober liegen Meldungen über kriegerische Operationen nicht vor. — Nach hier vorliegenden Meldimgen scheint Geircral Kuroki die linke Flanke der Russen umgehen zu wollen. Außerdem scheint die lapanifche Armee den Vormarsch gegen das Zentrum zu unternehmen. In letzter Zeit soll die Ausschiffung japanischer Truppen stattgefunden haben. Japanische Transportschiffe' bringen Verpflegungsmittel zur Mündung des Jalu, von wo sie auf Dschunken nach Schachedsi geschafft und weiter durch Kulis nach Foengwangtscheng beförchert werden. An dem Bau einer Bahn von Fo engwan gtsHeng nach Schachedsi für den Betrieb mit Pferden wird eifrig gearbeitet. Es verlautet, die Japaner schlügen mehrere Blöcken über den Liaufluß bei Siaobeiche und besserten die den Fluß entlang nordwärts führenden Wege aus. Tas Auftauchen zahlreicher Banden von Chunchufen in der Umgegend von Sinmintin läßt den Anmarsch der Japaner erwarten. Ter Verkehr zwischen Mukden und Sinmintin ist nicht gefahrlos.
T^em Reuterschen Bureau wird aus Tokio gemeldet: Es sek offenbar, daß die Gegend in dem unregelmäßigen Treieck, dessen Spitze Tieling und dessen Basis die Linie zwischen Mukden und Fushan sei, bald der Schauplatz ausgedehnter kriegerischeip Operationen sein werde. Tie Russen benutzten Tieling augenscheinlich als Hauptbasis: eine Reihe von Befestigtmgen schütze Tieling von Südosten her. Auf dem Höhenrücken errichteten dem Vernehmen nach die Russen starke Verschanzungen. Auch bei Jlu, 19 Meilen nördlich von MuDen, legten sie Befestigungen an. Ebenso nördlich von Tieling. Ter Fluß, an welchem Tieling liegt, sei unpassierbar. Fushan sei von den Russen mit einer starken Streitmacht besetzt. Tie Ver- teilrmg der russischen Streitkräfte bestärke die Ansicht, daß General Kuropatkin nur beabsichtige, den Marschall Oyama beim Ueb erschreiten des H uucho aufzu- halten und ein S ch l a ch t f e l d zu schaffen, das jetzt schleunig befestigt werde.
T er in Moskau eingetroffene russische GeneralWelitsch- ko, unter dessen Leitung die Befestigungen der russischen Stellungen auf dem Kriegsschauplätze in Ostasien ausgeführt wurden, erklärte, Tank den Befestigungen tyabe Kuropatkin in Liaujang wenig zahlreiche Truppen laffen und mit dem Gros seiner Truppen Kuroki angreifeu können. Ter ausgezeichnete Mckzug auf dRukden hatte keinerlei Einftuß auf die strategische Position der ruffischen Armee. An eine Umgehungsbewegung der Japaner auf Tieling will Welitschko nickt glauben. Tie lange Untätigkeit der I a p a n e r sei auf den ungeheuren, auf 30 000 Mann zu schätzenden Verlust bei Liaujang zurückzufuhren. Tie Russen hätten bei Liaujang 3000 Tote und 13 000 Verwundete gehabt. Tie Formation neuer japanisckier Truppenteile erachtet der General für unmöglich. Tie Japaner müßten sich darauf beschränken, die erlittenen Verluste zu ersetzen.
Die chinesischen Kaisergraber.
Petersburg, 5. Oft. Ein Telegramm General Ku rotz atkins.an den Kaiser meldet: Auf die Klage der chinesischen Regierung hin, das; unsere Truppen in den heiligen Hainen der Kaisergräber in Fulin Bäume gefällt hätten, besuchte ick am 22. September den Hain und die Gräber. Tie Klage jft gegenstandslos. Nicht ein Baum innerhalb der Parkumfnsdig- ung, mnerhalb der sich alle Gebäude und Gräber beffndcn, wurde von unseren Truppen gefällt. An der Pforte stehen Wachtposten, die keine Unternrilitärs hineinllffsen. Tie chinesischen Beamten, die jetzt die Gräber bewachen, erklärten,. sie hätten keinen Grund, über die Truppen zu klagen. Zur nck^;cn Beleuchtung der Klage der chinesischen Regierung will ick melden, daß ick beim Besuch der Kaisergräber in Foulin bemerkte, dop sie u n o r d e n t l i ck g e b a l t e n werden. Tie Umfassungsmauer- ist an vielen Stellen eingestücht. Innerhalb derselben sah ick chinesische Pferde und Maulesel weiden, die durch die Löcher der Mauer in den heiligen Hain eingedrungen sind. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, ist der Aufseher des heiligen Hains, der Mand'scku Fouuam, der schon sein lange den Posten bekleidet, verchcrftet worden, da er Holz aus dem heiligen Hain an Einwohner Mukdens verkauft hat.


