Ausgabe 
6.6.1904 Erstes Blatt
 
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** Abonnements - Konzerte der Regiments­kapelle. Nächsten Donnerstag beginnen die so beliebt ge­wordenen Sommer-Abonnemcnts-Konzerte unserer Regiments- ntuftf. Wir machen von dieser Stelle aus besonders darauf aufmerksam.

Vortrag über Kanalisation. Wir machen auch an dieser Stelle auf den Mittwoch, 8. l. Mts., abends 8 Uhr, im Cafö Leib stattfindenden Vortrag d's Oberbaurats Schmick von Darmstadt über die Kanalisation und die Hausanschlüsse aufmerksam, welcher namentlich für die Haus­besitzer besonderes Jnteresie haben dürfte.

Neue Zigarrenfabrik. Nachdem die Firma Georg Philipp Gail soeben erst ihre neue Fabrik in Bieber bezogen, hat sie, wie uns aus Frankenbach mitgeteilt wird, dort eine weitere Fabrikniederlasiung begründet. Die im Ort reichlich vorhandenen Zigarrenarbeiter freuen sich, daß ihnen damit Gelegenheit geboten wird, ihre Arbeitskraft am Orte zu verwerten, während bisher viele außerhalb in Fabriken ihren Unterhalt suchen mußten.

"Telephon-Verbindung. Die Fernsprechverbindung unserer Stadt mit den früheren hessischen Dörfern des Hinter­landes Bieber, Fellingshausen, Crumbach, Frankenbach, hat jetzt greifbare Gestalt angenommen. In der vergangenen Woche fand in der Wirtschaft Waldschmidt in Frankenbach eine Versammlung statt, welche von den Vertretern der in- tereffierten Ortschaften sowie einzelnen Interessenten gut be- sucht war. Herr August Gabriel-Gießen, welcher die -vorbereitenden Schritte in der Angelegenheit unternommen hatte, teilte mit, daß die kaiserliche Postbehörde sich bereit erklärt hat, die Fernsprechverbindung herzustellen, wenn von den Beteiligten 40 pCt. der Anlagekosten, im ganzen 1500 Mark ä fond perdu gezahlt würden. Zur Deckung des Be­trages seien bereits von Brauereien und Industriellen aus Gießen 750 Mk. gezeichnet, auch stunde in dieser Weise noch ein Betrag von etwa 150 Mk. zu erwarten, so daß von den in Frage kommenden 4 Gemeinden ein Betrag von 600 Mk. aufzubringen sein würde. Der Vertreter der Gemeinde Frankenbach erklärte, daß man diese Verbindung mit Gießen dankbarst begrüßen würde. Ueber ihre Vorteile sei man sich in den 4 Nachbarorten gewiß klar. Die Gemeinde Frankenbach habe früher bereits wegen einer Fernsprech­verbindung sich an die Post gewandt und habe damals wegen der hohen Kosten die Angelegenheit fallen lassen müsien. Er könne hier nur erklären, daß Frankenbach bereit sei, die Sache zu unterstützen; über die Höhe des Betrages habe natürlich die Gemeindevertretung zu beschließen, weshalb er bindende Angaben darüber nicht machen könne. Die Interessenten von Crumbach äußerten sich im selben Sinne und bemerkten, daß die Kreis-Viehkasse in Biedenkopf ein recht erhebliches Interesse davon habe, eine Fernsprechverbindung in die Gegend zu bekommen, ebenso die Mainzer Brauerei, welche in der Gegend eine Bierniederlage unterhalte, und daß es ratsam sei, diese ebenfalls zur Deckung der Summe von Mk. 1500 mit heranzuziehen. Bürgermeister Wagner- Fellingshausen ist von dem hohen wirtschaftlichen Wert einer Verbindung, wie sie geplant ist, überzeugt, ganz ab­gesehen von den Diensten, die sie leistet im Falle der Not und Gefahr. Fellingshausen sei durch den Kirchenbau augen­blicklich mit Abgaben sehr überlastet, werde sich natürlich von einem Beitrag nicht ausschließen. Er bittet die günstiger gestellten Schwesterorte dagegen, etwas mehr zu den ge­forderten restierenden Mk. 600 zu bezahlen, damit die An­gelegenheit zum gemeinsamen Vorteil zustande komme. Bürger­meister Bechthold-Rodheim bemerkt, daß seine Gemeinde als solche nur ein Interesse für Bieber an der Sache nehme, und selbstverständlich werde, wie er glaube, der Gemeinderat einen entsprechenden Betrag dafür bewilligen. Forstmeister Baumann-Struppach bemerkte, daß feine Behörde ja gern die einzelnen Forsthäuser, es sind deren drei, an die Fernsprechverbindung mit Gießen angeschlossen sehen würde, aber das dienstliche Interesse sei doch nicht so groß, daß man die daraus erwachsenen hohen Ausgaben machen könne; wohl bedeute es schon eine Verbesserung des Verkehrs, wenn die geplante Verbindung zustande komme, und sei daher bereit, bei der oberen Forstbehörde in Wiesbaden um die Gewährung eines Zuschusses zu den nötigen 1500 Mk. einzukommen. Aus der Mitte der Versammlung wurde darauf hingewiesen, daß der wirtschaftliche Mittelpunkt der vier Orte, welchen man die Wohltat der Telephonverbindung mit Gießen schaffen wolle, die Stadt Gießen sei; diese Beziehungen zu pflegen, sei unter allen Umständen Sache der den Handel und die ^Industrie vertretenden Behörde, der Gießener Handelskammer. :Es unterliege keinem Zweifel, daß von der geplanten Ver­besserung auch der Handel, die Industrie und auch das Ge­werbe von Gießen einen Vorteil habe. Darum fei es nicht unbillig, die Handelskammer Gießen um einen Beitrag zur Deckung von Mk. 1500 zu bitten. Die Versammlung beauf­tragte Herrn Aug. Gabriel, an die Mainzer Brauerei, an die Kreis-Viehkasse und an die Handelskammer Gießen wegen eines Beitrages sich zu wenden. Die erschienenen Gemeinde­vertreter erklärten sich bereit, innerhalb 14 Tagen, bis zu welcher Zeit in der Angelegenheit Gemeinderatsbeschlüffe herbeigeführt seien, Kenntnis über die Höhe des von jeder Gemeinde beschlossenen Zuschusses zu geben, damit sofort der Antrag an die Postbehörde wegen des Telephons gestellt und das Nötige veranlaßt werden kann.

* Garde-Ve rein. Wie aus dem Inseratenteil er­sichtlich ist, steht uns wiederum ein größeres Fest in Aus­sicht. Der Garde-Verein feiert anläßlich der ihm von Sr. Majestät verliehenen Auszeichnung, eine Fahne mit Garde­adler und Stern führen zu dürfen, ein Fahnenweihe-Fest in größerem Nahmen. Wie uns mitgeteilt wird, haben bis jetzt schon nahezu 30 Vereine zugesagt, sich an dem Fest zu beteiligen, und es sind noch mehrere Zusagen zu er­warten. Ter Festzug wird auf Oswaldsgarten aufgesteUt und passiert folgende Straßen: Neustadt, Bahnhofstraße, Westanlage, Seltersweg, Kreuzplatz, Mäusburg, Markt­platz, Schulstratze, Neuenbäue, Gatrenstraße, Bergrstaße. An !dcm am Samstagabend stattfindenden Kommers werden ^mehrere Gesangvereine je einige Lieder zum Vortrag bringen. Die Spitzen der Behörden unb hochstehende Per­sönlichkeiten sind als Ehrengäste eingeladen, auch wird sich das Offizierkorps in großer Zahl beteiligen. Am Sonntag findet um 6 Uhr Weckruf und um 11 Uhr Frühkonzert, letzteres im Garten des Hotel Buschmann, nächst dem Bahn­hof statt. Um 2 Uhr nachmitatgs stellt sich der Festzug aus.

Nach seinem Eintreffen auf k<n Festplatz, dem großen schattigen Garten des neuen Saalbaues findet nach der Weihe der Fahne, bei welcher das Ehrenmitglied des Ver­eins, Oberleutnant der Garde-Landwehr, Prof. Tr. Bier­mann, die Weiherede halten wird, großes Konzert, aus­geführt von der gesammten hiesigen R?gimentskapclle, statt. Auch wird der Bauersche Gesangverein einige Lieder fingen. Den Glanzpunkt des Festes wird das große Tongemälde bilden, wobei die Spielleute-Abteilung und eine Erbteilung Infanterie mitwirkt. Es werden dabei alle möglichen Ein­drücke gewonnen, wie bei einer wirklichen Schlackt und zwar durch entsprechende Tongemälde, Signale. Trommelwirbel, Kanonen- uni) Gewehrfeuer bei bengalischer Beleuchtung nsw. Dabei ist für Belustigungen aller Art, Tanz u. a. gesorgt. Arn Montag findet dann noch Frühschoppen und nachmittags ein Ausflug nach Gleiberg statt. Die Bewohner Gießens werden es wohl an dem nötigen Fahnenschmuck, hauptsächlich in den Straßen, die der Festzug passiert, nicht fehlen lassen

§ Klein-Linden, 4. Juni. Unter großer Beteiligung der Gemeinde und der Eisenbahnbediensteten der Station Gießen fand gestern die Beerdigung des Maschinenarbeiters Naumann statt. Ingenieur Klose legte namens des Eisen­bahnvereins einen Kranz nieder und schilderte den Ver­storbenen als treuen, fleißigen Arbeiter. Im Namen der Bahn-Arbeiter legte Schlaffer Schuhmann und namens des GesangvereinsEintracht" Präsident Erb einen Kranz nieder.

(!) Lich, 4. Juni. Auf dem Marsche nach der Senne bei Paderborn bezog gestern eine Eskadron des Hanauer Ulanenregiments (6. thüring.) in unserer Stadt Quartier. Die anderen Eskadrons waren in der Umgegend unter­gebracht. Der Stab mit der Standarte lag im Fürstlichen Schlosse. Leider erfolgte der Ein- und Ausmarsch wegen der tiefen Trauer der Fürstl. Familie ohne Musik. Die Vor­arbeiten zu dem vom 25.27. Juni hier stattsindenden Feuerwehrfest, verbunden mit dem 19. Oberhessischen Feuerwehrtag, sind in vollem Gange. Zum Festplatz hat man die Wiesen hinter der Post in der Bahnhofstraße ge­wählt. Das Fest ist in großem Maßstab geplant. Als Fest­musik ist die Kapelle des Infanterie-Regiments Kaiser Wil­helm gewonnen. Die hiesige Gemeindejagd wurde Sr. Durchl. dem Fürsten zu Solms-Hohensolms-Lich auf weitere sechs Jahre für die jährliche Summe von 2000 Mk. weiterverpachtet.

)( Grünberg, 5. Juni. Das der Frau Witwe Kropp gehörige, an der Londorferstraße gelegene Haus ging durch Kauf an den Kaufmann Kappes aus Bensheim über. Der Kaufpreis beträgt 25 000 Mk.

w. SQ i b b a, 3. Juni. Der Sohn bes Bürstenbinbers E., 10 Jahre alt, spielte mit anberert Kinbern auf ber Straße, als ein 16jähriger Maurerlehrling einen Besen unter bie Kinber warf. Der Knabe stürzte hin unb verletzte sich entroeber burch ben Wurf mit bem Besen ober durch Aufschlagen auf einen Stein an dem linken Auge so schwer, baß bas Auge ganz zuschwoll, ber Junge ohnmächtig würbe unb hernach die ganze Nacht sich erbrach. Welche Folgen ber traurige Wurf hat, ist zur Zeit noch nicht zu sagen; jebenfalls ist bas Auge schwer gefährbet.

sd. Darmstabt, 5. Juni. Die Mittelrheinische Be­zirksverwaltung bes Deutschen Technikerver- banbes hielt heute im Kaisersaale hier ihren 16. Bezirkstag ab, bem eine Sitzung bes Gesamtvorstanbes voranging. Der Jahresbericht ergibt u. a., baß bie Mitglieberzahl auf über 2000 gestiegen ist. Der Kaffebericht ergibt einen Ueberschuß von Mk. 231.50. Als Ort für ben nächsten Bezirkstag ist Gießen vorgeschlagen. Es wirb in berDebatte barauf hin­gewiesen, baß ber festgebenbe Verein vor allem bestrebt sein solle, bie Verhanblungen so einfach wie möglich zu gestalten und nicht viel Kosten aufzuwenben, bamit nicht, wie es heute bei vielen größeren Versammlungen Mobe sei, bei ben vielen Vergnügen bie ernste Arbeit in den Hintergrunb tritt. Dr. Aug. Vetterlein, Privatbozent an ber Technischen Hochschule, hielt einen sehr interessanten Vor­trag überHeimatkunst". Dann fanb ein gemeinsames Mittag­essen unb Ausflug nach ber Ludwigshöhe statt, währenb die ganze Veranstaltung burch ein hübsches Konzert mit Abend- unterhaltung unb Tanz ihren Abschluß erhielt. Der seit kurzem im Restaurant Kaisersaal beschäftigte Kellner Karl Kaiser brannte gestern abend heimlich nach Frankfurt durch. Er hatte die Marken und einkassierten Gelder im Wert von ca. 60 Mk. mitgenommen. Eine alsbald nachgesandte Depesche hatte die Wirkung, daß der Durchbrenner nach seiner Ankunft in Frankfurt festgenommen wurde.

ke. Rüsselsheim, 5. Juni. Einen furchtbaren Tod fanden am Freitag drei Kinder in.Haßloch. Die Kinder, zwei Mädchen im Alter von 5 unb 2 Jahren und ein Knabe von 5 Jahren, spielten, während ihre Mutter, die Ehefrau des Adam Dorn, mit dem Jüngsten in ber Stube beschäftigt war, in einem Holzschuppen. Wahrscheinlich haben sie dabei Feuerzeug gefunden und das in dem Schuppen lagernde Stroh angezündet. Die sofort in die Höhe schlagenden Flammen haben ihnen bann ben Rückweg abgeschnitten. Sie lagen erstickt und verbrannt in der Ecke des Schuppens tot aufeinander.

d. Marburg, 5. Juni. Vom herrlichsten Wetter be­günstigt beging gestern und heute berLieberkranz" bie Feier seines 25jährigen .Stiftungsfestes. Gestern abenb fanb in ben Sälen bes Museums ein gut besuchter solenner Kommers statt, in besten Verlauf u. a. ber hiesige Lieberverein" einen Pokal, ber GesangvereinHeiterkeit"- Gießen eine Fahnenschleife überreichen ließ. Heute nachmittag schloß sich an ben enblos langen Festzug ein großes Konzert im Museumsgarten, bei bem von auswärtigen Vereinen ber Bau er'sche Gesangverein",Heiterkeit" und Harmonie" aus Gießen und derLiedeckranz" aus Gladenbach mitwirkten. Der Bauer'sche Gesangverein ließ einen silbernen Lorbeerkranz überreichen. Von den Frauen und Jungfrauen des feftgebenben Vereins würbe eine prächtige Fahnenschleife unb neue Schärpen gestiftet, währenb bie Kriegerkameradschaft einen Fahnennagel überreichen ließ. Das Ehrenmitglied des Vereins, Kammervirtuose Kümmel aus Darmstadt, ber bei dem Konzert mitwirkte, wurde durch einen mächtigen Lorbeerkranz ausgezeichnet. Vier Mitglieder, die bem Verein seit seiner Grünbung angehört haben, wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Vermischte».

Solingen, 4. Juni. Ein Verbrechen, das schon Pfingsten verübt worden ist, wurde heute entdeckt. In ber Remscheider Talsperre wurde die Leiche eines 26jährigen Mannes aufgefunden. Die Hirnschale war zertrümmert, in den Taschen fanb man Steine. Um ben Körper war ein Riemen geschlungen, an bem sich ein Strick befand, an bem anscheinend» mehrere größere Steine befestigt gewesen waren, sodaß die Leiche längere Zeit unter Wasser blieb. Aus Vor­gefundenen Papieren geht heror, daß ber Ermordete ein Bäcker Gold berg aus Solingen ist; derselbe war zuletzt in Bonn beschäftigt und zu Pfingsten zum Besuche seiner Braut von dort nach Remscheidt gefahren. Alsdann war er plötzlich verschwunden und dürfte, wie sich jetzt herausstellt, ermordet worden sein.

* Braunschweig, 4. Juni. Auf dem Vorwerk Hagen- Hof bei Königslutter wurde bie 11jährige Tochter einer Witwe mit burchschnittenem Halse ermorbet aufgefunben. Das Kinb war allein zu Hause geblieben, währenb bie Mutter auf dein Felde beschäftigt war. Der Staatsanwalt hat sich sofort nach bem Tatorte begeben. Man hat Grunb zu ber Annahme, baß an bem Kinde vor ber Tat ein Sittlichkeits­verbrechen verübt worben ist.

* Hamburg, 5. Juni. Eine Liebestragödie Hai gestern in einem hiesigen Hotel ihren Abschluß gefunden. Dort vergiftete sich das 24jährige Fräulein Ricke aus Rostock mit Cyankali. Die Verstorbene hatte ein intimes Verhältnis mit einem hiesigen Arzt unterhalten.

* W i e n, 6. Juni. Gestern abend wurde auf der Straße am Fleifchrnarkt in der Nähe des Hotels zur Post ein junges Mädchen von der 26jährigen Elisabeth Straßerev dur ch einen Stich in die Brust mit einem Küchenmesser er­mordet. Die Mörderin scheint geistesgestört zu fein und ihr Opfer gar nicht gekannt zu haben.

* Krakau, 4. Juni. Die Frau des Prof. Bogucki ist von ihrem Dienstmädchen aus Rache, weil es gezwungen war, einen Tag länger int Dienst zu bleiben, mit einer Axt derart verletzt worden, daß sie verstarb.

"Saloniki, 5. Juni. Als am 4. Juni abends bet Konventionszug nach Saloniki zurückkam, erfolgte eine starke Explosion, burch welche ber Dienstwaggon vollstänbig zertrümmert wurde. Ein Bahnbeamter würbe getötet unb zwei verwnnbet. Man glaubt, baß ein Attentat vorliege»

* Newyor k, 5. Juni. Die Brann tweinbrenne- rei von Corning, eine der größten der Welt, wurde heute durch eine Explosion zerstört. Die Trümmer fingen Feuer und 10 Personen verbrannten.

* Ueber bie Begnabigung eines Duellanten wirb berFrkf. Ztg." aus Leipzig gemeldet: Rechtsanwalt Dr. Breit aus Leipzig wurde im Dezember 1901 zu drei­einhalb Jahren Festung verurteilt, weil er am 16. August 1901 den zwanzigjährigen Studenten Ottinger aus Stuttgart erschossen hatte. Im Frühjahr 1902 trat Dr. Brest seine Strafe an. Nachdem er etwa die Hälfte seiner Strafe verbüßt, ist er jetzt begnadigt unb ber Rest ihm er» lassen worben.________________________________________________

Kerichtssaal.

Paris, 5. Juni. Die Geschworenen in Chambery sprachen bas Verbrecherpaar Basfot und Giriat, genannt die Nubierin, der Beihilfe und Anstiftung zur Ermordung der Demimondaine Fougöre in Arr lex Bains für schuldig. Bassot wurde zu zehn Jahren, die Giriat zu fünfzehn Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Beide hatten sich im Prozeß die Schuld zugeschoben. Ladermann, das ausführende Werkzeug Baffots, hat durch Selbstmord geendet.

Köln, 4. Juni. Die Strafkammer bestrafte den Haupt­lehrer Breuer wegen in Ensen an seinen Zöglingen vor» genommenen unzüchtiger Handlungen zu 18 Monaten Zucht­haus und fünfiährigem Ehrverlust. Der Staatsanwalt halte gegen den verheirateten Lehrer rwei Kabre Zuchthaus beantragt..

Aröetteröerveguug.

Paris, 5. Juni In Lorient wurde gestern der Versuch gemacht, die Kirche eines Vorortes in Brand zu stecken. Eine Kompagnie Infanterie und eine Abteilung Artillerie biwa­kierten vor dem Gerichtsgebäude, jeden Augenblick bereit, einzu­greifen. In Armentieres hat der Ausstand abgenommen, die Hälfte der Streikenden ist zur Arbest zurückgekehrt. Man hofft, daß der Ausstand morgen beendet ist. Der Präfekt des Nord- departements hat gestern eine Abordnung der Streikenden em­pfangen und ihre Beschwerden angehört. Die Ausständigen in Lyon beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen, nachdem der Bürgermeister einer Deputation der Arbeiter keine Aussicht auf Erfolgs gemacht hatte.

Zandel und Wrkehr. Volkswirtschaft.

Kohlenkontor und Händler. Seit der Begründung des Kohlenkontors wächst auch in Händlerkrcisen die Neigung, sich zu besonderen Berkaufsvereinigungen zusammenzuschließen. Es meint dazu die ,,K. Z": Grundsätzlich ist dieses Bestreben so wenig zu verwerfen, wie der Zusammenschluß der Zechen, aber es kann immerhin wie jede Syndikatsbildung, wenn es nicht in den richtigen Bahnen gehalten wird, zu Unzulräglichkesten führen. Insbesondere kann, für die Verbraucher unter Umständen sich der Zwang ergeben, auch solche Kohlensorten abnehmen zu müssen, die bisher nicht abzusetzen waren.

Markte.

)( Grüuberg, 4. Juni. Auf bem heutigen Wochenmarkt- würben verkauft: 3 Zentner Korn, per Ztr. 7.00 Mk.; 9,5 Zentner Hafer, per Ztr. 7.00 Mk.; 136 Ztr. Kartoffeln, per Ztr. 2.252.30 Mark. Butter kostet 0.90 Mk. ver Pfund, Eier das Stuck 5 Pfg.'

ko. Frankfurt a. M., 6. Juni. (Orig.-Telear. desGießen. Anz.") Amtliche Notierungen oer heutigen Fruchtmarktpreise: Weizen Mk. 17.2500.00, Kurhessischer Mk. 17.25-00.00, La Plata Mk. 17.7518.50, Kansas Mk. 17.7518.50, Roggen (hiesiger) Mark 13.5000.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 15.0015.50, Franken- selderMk.15,75-00,00,Hafer Mk.12.2514.00,Mais Mk. 11.5012.00, Weizenmehl 0 Mk. 26.0026.50, 2. Qualität Mk. 24.00 bis Mk. 24.50, 3. Qualität Mk. 22.0022.50, Roggenmehl 0 Mk. 22.0022.50,1. Qualität Mk. 19.50-20.00, Weizenkleie Mk. 9.00 bis Mk. 9.25, Noggenkleie Mk. 9.5010.00, Maiskeime Mk. 10.50 bis Mk. 10.75, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.00000.0. Alles per 100 Kg. ab hier.

fc. Frankfurt a. M., 6. Juni. (Telegr. Orig.-Bericht des Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarkt­preise. Zum Verkaufe standen: 553 Ochsen, 232 aus Oest­reich, 50 Bullen. 7 aus Oestreich, 561 Kühe, Fersen, Stiere unb Rinder, 0 aus Oestreich, 191 Kälber, 101 Schafe und Hämmel, 1444 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen--, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen I. Qualität 7072 Mk., 2. Qual. 6265 Mk., 3. Qual. 5860Mk.; Bullen l.Qual. 63 bis 65 Mk., 2. Qual. 6062 Mk.: Kühe 1. Qual. 6971 Mk., 2.Qual. 64-66 Mk., 3. Qual. 6062 Mk, 4. Qual. 4749 Mk., 5. Qual. 0000Mk. Kälber: l.Qual. 8588Pfg., Lebendgewicht 5053Pf., 2. Qual. 7883 Pfg., Lebendgewicht 4750 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 6065 Pfg., Schafe: 1. Qual. 68-70 2. Qual. 6062 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg.; Schweme 1. Qual. 5400 Pfg., Sebenbgero. 42 Pfg., 2. Qual. 5253 Pfg., Lebendgewicht