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6.2.1904 Zweites Blatt
 
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/ende Löwin. "

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NESTLE5 Kinder. III- T-LZi mehl

vor dem Standesamtbeamten bei Eingehung der Ehe erklär und dies im Standesamts-Register auch wahren lassen, daß er der Vater des unehelich geborenen Kindes seiner zukünf­tigen Ehefrau sei, sodaß er demzufolge den Buben^als den {einigen anerkenne. Tas Interessante an dem Fall aber dürste die Tatsache sein, daß nach dem bestehenden Recht eine Annullierung eine der beiden Vaterschaften, welche beide in aller Rechtsform bestehen, unmöglich ist, da Einreden gegen die urkundlichen Beweise im vorliegenden Fall nicht zulässig sind. So wird der Bub' wohl sein Leben lang sich mit zwei Vätern durchs Leben schlagen müssen.

* Eine Ja gdgeschichte, welche den Vorzug hat, wahr zu sein, ist dieser Tage in unserer Nachbarschaft mehreren passionierten Nimroden passiert. Man Halle nahe

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der Grenze des Jagdnachbars eine Falle gestellt, um darin den Meister Dach? zu sangen. Nicht wenig war man am andern Morgen aufgeregt, als man dort, wo man die Beute im Eisen erhoffte, schon von weitem wahrnahm, daß zwar ein Fang geglückt, statt des Dachses aber ein anderes merk­würdiges Tier in die Falle gegangen war. Behutsam schlichen die beiden Jäger näher, man sah sich lautlos erst vorsichtig um und löste dann aus der Falle einen schweren, rebhuhn- arbigen Haushahn, der ohne weiteres schnell im Rucksack verschwand. Tie Jäger pürschten darauf eiligst in den Wald, da wo er am dichtesten war, wo die sonderbare Beute in der Erde vergraben wurde. Unbegreiflich war es den beiden Jägern, wie dieser Hausbahn in die TachS-Falle geraten konnte, unbegreiflich, da etwa stark 1/i Kilometer von jener Stelle, wo das Tier sich gefangen hatte, keine Hofhaltung mit Hühnern sich befindet, geschweige denn überhaupt eine menschliche Wohnung vorhanden ist. Unser Gewährsmann, ein lustiges Bäuerlein aus der Gegend, wo diese Jagd- Episode passiert ist, löste uns gegenüber das Rätsel, wie der Hahn an die einsame Stelle auf da? Jagdgebiet gelangt war. Ihm war zu Hause der Hahn verendet, er hatte die Jäger bei dem Fallenstellen beobachtet und hatte für das tote Tier keine andere Verwendung gewußt als sich damit den Scherz zu machen, über den er beim Erzählen noch Tränen lachte. Unser Mann bedauerte nur, daß er die Gesichter nicht hätte abphotographieren können, wie er sich autzdrückt.

Laubach, 5. Febr. Der hiesige Stadtvorstand richtete an die zweite Kammer der Landstände das Gesuch, daß der ür den Kreis Schotten bestehende Unterbezirk des Kreis­vermessungsamtes seinen Sitz in Laubach und nicht wie seither in Schotten habe.

b. tzellinden, 5. Febr. Hier hat sich eine Ent- wässerungsgenossenschaft gebildet, welche die Drai- nierung derAllendörfer Au" beabsichtigt. Die Leitung hat Wiesenvorsteher F. Schäfer. Auch die Nachbargemeinde Allen- dorf hat voriges Jahr die Wiesen links des Klecbachs ent- wäffert.

Darmstadt, 5. Febr. Die Rückkunft Sr. Kgl. Hohen des Groß Herzogs aus England wird nach derDarmst. Ztg." voraussichtlich am nächsten Montag mittag erfolgen.

Worms, 5. Febr. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Mainz wurde auf dem hiesigen Friedhof die Leiche eines Kindes ausgegraben und darauf eine Näherin wegen Kindes­mord verhaftet.

Hanau, 5. Febr. Durch Kabinetsordre vom 4. d. M. wurde dem Kommandeur des hier garnisonierenden Infanterie- regiments Nr. 166, Oberst von Tempsky, die Führung der 12. Jnfa nteriebri gade zu Brandenburg übertragen. In einem hiesigen Hotel erschoß sich der 24 Jahre alte Kaufmann Friedrich Elsässer von hier. Der junge Mann war in letzter Zeit ohne Stelle und dürste hierin das Motiv zum Selbstmord zu suchen sein.

Marburg, 5. Febr. Die Frankfurter Vereinigung von Hausbesitzern und Mietern hat an die hiesige Stadt- verordneten-Versammlung ein Schreiben gerichtet, in dem des Längeren ausgeführt wird, daß es eine Ungerechtig­keit sei, nur die Gewerbetreibenden zur Gewerbesteuer heranzuziehen. Als recht und billig wird verlangt, auch die sogen, gelehrten Berufe der Zahlung dieser Steuer zu unter­ziehen. Ebenso sei es richtig, wenn man die Feuerversicher­ungs-Gesellschaften mehr zu den Kosten des Feuerlöschwesens in Anspruch nehme. Am Schluffe des Schreibens wird um Unterstützung einer Petition an die Regierung, welche die ge­dachten Ziele befürwortet, gebeten. In der heutigen Sitzung waren die meisten Redner der Ansicht, daß die Forderungen berechtigt seien. Man beschloß deshalb, die Angelegenheit einer Kommission zu überweisen. Ein Gesuch des Vereins für Feuerbestattung um Unterstützung einer Petition zur Einführung der fakultativen Feuerbestattung in Preußen wurde der Gesundheitskommission überwiesen. Damit die dem­nächst hier eintreffende Regierungskommission zur Besichtigung des für das staatliche Heilserums-Institut vorgesehenen Baugeländes guten Weg findet, beschloß man auf Antrag des Geh. Rats Erzellenz v. Behring die sofortige Herstellung eines solchen. Tie Giltigkeit der letzten Stadtverordneten- wahlen in der 3 Abteilung wird demnächst den Bezirks­ausschuß beschäftigen, da der wegen seines Konflikts mit dem Oberbürgermeister vielgenannte Spediteur Heppe den ersteren auch der Wahlbeeinfluffung, begangen durch eine Zeitungs- noti$, bezichtigt hat. Für die Stadt wird der Stadtoerord- netenvorsteher Justizrat Dörffler den Rechtsstreit vertreten.

kleine Mitteln ' :i v s Hessen und den Nachbarstaaten. In Mainz starb an einem Schlagan­fall der auf Besuch wellende altkatholische Pfarrer W. B a u e r, der früher katholischer Priester und Sekretär des Bischofs Rettet er war. 1887 trat er zum Alt-KatholizismuS über und war Pfarrer der altkatho lisch en Gemeinden in Kon­stanz und Düffeldorf.

D Frauen seid gewarnt!

BDie ächten Herknie* - Spiralfeder - Cor*et* tragen alle entsprechenden Stempel oder Etiqnctte Alle anderen weise man, weil minderwertig, zurück. 67

** Ein Bub', b er zwei Väter hat, dürste nicht Tage geboren werden. Das Landgericht Gießen (Zivil­kammer) hatte dieser Tage Gelegenheit, in einem Alimen­tationsprozeß den seltenen Fall aktenmäßig festzustellen. Danach hatte der Vormund des unehelich geborenen Kindes den als dessen Erzeuger von der Mutter Bezeichneten vor das Vormundschaftsgericht geladen, vor welchem der Geladene urkundlich die Vaterschaft glatt anerkannte und sich zur Zah­lung von Alimenten verpflichtete. Einige Zeit später heiratete die Mutter des Kindes einen anderen Mann, und dieser ha

Warnung!

Die meist«m Nachahmungen von Dr. HommolR HacmHtog^n werden, um das D. K. P No. 81,391 zu umgeben, mit Zuhilfenahme von A»ther bereitet, ein Zusatz, der insbesondere für Kinder und Nervösedirekt schädlich ist. Um sicher zn sein, das aet her freie Original-Präparat zu erhalten, verlange man stets ausdi ucklicn Dr. Hommel'8 Haematogen und achte auf dig Schutzmarke ,Sän-

Aus Stadt und Kaud.

Gießen, den 6. Februar 1904.

** Das Promenadenkonzert fällt morgen, Sonn- aus.

beden und dieFranckensteinische Klausel mit den Matrikularbeiträgen außer Wirkung kom­men.

Die Schuldentilgung, welche infolge des Gesetzes vom Jahre 1896 über den Erwerb der hessischen Ludwigsbahn jährlich vrozunehmen ist, soll durch Rückziehung von 4prozentigen Schuldbriefen der Staats­rentenschuld erfolgen. Dadurch wird es möglich, diese rund 4 Millionen Mark betragende Schuld in etwa 6 Jahren verschwinden zu lassen und die seither jährlich im Voranschlag stehende Summe von 252 000 und 3800 Mk. für Verzinsung und Tilgung in Zu­kunft zu ersparen.

Neben dem Bestreben, den Jehlbetrag im Wirtschasts- budget zu decken, ist es eine weitere Ausgabe der Zukunft, das Vermögensbudget von verschi dmen Posten zu befreien, die naturgemäß in den wirtschastlichen Teil gehören.

Lavdes-Universstat.

Die Einnahmen betragen 353 000 Mk. 18 700 Mk. mehr wie im Vorjahre, die Ausgaben 1189 450 Mk., das sind 24 050 Mk. mehr wie im Vorjahre.

Zu den Einnahmen hat der Ausschuß nichts zu be­merken.

Bei den Ausgaben ist das Bedürfnis im Voranschlag einzeln erläutert. Am gewichtigsten kommt in Betracht die Anstellung eines außerordentlichen Pro- fessorsfür Geschichte. Ta seither auf der Universi­tät in Gießen alte Geschichte überhaupt nicht g e - le sen wi"-de, so glaubte sich der Ausschuß dem Bedürfnis nicht verschließen zu müssen. Desgleichen wurde die Anstellung eines außerordentlichen Pro­fessors der Forstwissenschaft bewilligt. Tie beiden bisherigen Professoren der Forstwisi'enscha't lasen seither regelmäßig 3536 bezw. 31 Stunden: die Vor­lesungen verteilten sich auf die verschiedensten Gebiete, sie hatten demnach ein größeres Vorlesungsaebiet zu bewäl­tigen als ihre Spezialkollegen an den sämtlichen forstlichen Hochschulen deutscher Zungen. Eine besonders schlimme Folge des Mangels an forstlichen Lehrkräften machte sich dadur chfteltend, daß die große Zahl der Lehr­fächer auf zwei Jahreskurse verteilt werden mußte, wodurch es den Studierenden sehr erschwert und vielfach unmögliche gemacht wurde, die einzelnen Vorlesungen noch Bedarf und in der zweckmäßigen Reihenfolge zu hören. Sw lange diese Einrichtung bestehe, müsse Gießen hinter den anderen Hoch­schulen, die sämtlich innerhalb Jahresnüst alle Lehrfächer wiederholen, erheblich zurückbleiben. Eine erhebliche For­derung findet sich noch für die Errichtung einer Zentral- w a sch anstatt, für die 17 402 Mk. angefordert sind. Dieser Posten birgt aber wesentliche Ersparnisse. in sich die durch das Besorgen der Wäsche in eigener Regie erzielt werden. So wurden an Wäsche im verflossenen Etatsjahr ausgegeben bei der Medizin.- und Frauenklinik 1533 Mk., 1752 Mk. und 4982 Mk., bei der Chirurgischen und Ophthal- mologischen Klinik 876 Mk.; bei der Chirurgischen Klinik 2263 Mk. uni) 9636 Mk., bei der Sphthalmologischen Klinik 1095 Mk. und 4745 Mk., bei der Psychiatrischen Klinik 3796 und 5110 Mk. Der Ausschuß nahm daher keinen Anstand, die Forderung zu bewilligen.

Der Ausschuß beantragt: a) 353 000 Mk. in Einnahme und b) 1189450 Mk. in Ausgabe zu bewilligen.

Polizeikafseu.

Im einzelnen erfordert die Polizeikasse Starkenburg 60 960 Mk. 4400 Mk. weniger als im Vorjahr; die Polizei­kasse Oberhessen 30020 Mk. 1600 Mk. weniger wie im Vorjahr: dagegen erfordert die P-llizeikasse Rheinhessen abermals einen Mehrbedarf von 1550 Mk.

Der Ausschuß Vjat an' diesem Kapitel keine Beanstand­ung zu machen und beantragt: den Betrag von 131330 Mk. in Ausgabe zu bewilligen.

Saline und Badeanstalt Bad-Nauheim.

können. Beiden Anforderungen soll dadurch entsprochen werden, daß der nach Norden an den Knrsaal anstoßende Holzbau mit dem unzweckmäßigen Musiktempel beseitigt und hierfür eine größere Anlage ge­schaffen wird. Ein Proberaum für die K'urmusik ist hier ebenfalls in Aussicht genommen, da der sogenannte alte Spielsaal b"i der nunmehr in Arbeit begriffenen Er­öffnung des Visioria-Melitarings abgerissen werden muß. Für alle diese Blauten sind die Entwürfe in Arbeit.

Tie Abgabe einer noch größeren Zahl von Bädern ist mit den vorhandenen Zellen nicht mehr aus- ührbär. Schon in den letzten Jahren mußten Kurgäste vier bis fünf Stunden auf ein Bad warten, was zu zweifellos sehr berechtigten Klagen Anlaß gab. Denn nun auch von der nächsten Kurzeit ab durch einen anders ge­regelten Verkauf der Badekarten die gröbsten Mißstände ür ein Jahr gemildert werden können, so müssen doch alsbald etwa 60 neue Zellen über die sttzt vorhandene Zahl hinaus beschafft werden. Hierzu kommt, daß die Bade- Häuser Nr. 1, Nr. 2 und ganz besonders Nr. 3 sich in so chlechtem baulichen Zustand befinden, daß es sich nicht mehr ohnt, höhere Betrage für Wiederherstellungsarbeiten auf­zuwenden; ein Ersatz für die Dadehäuser Nr. 1, Nr. 2 und Nu 3 ist daher in Aussicht zu nehmen. Bei dieser großen Umgestaltung, zu der die Entwürfe ebenfalls in Arbeit ind, soll versucht werden, eine größere Einheitlichkeit in )em Dadebctrieb durch ein Zusammenfassen der Dadehäuser in eine gemeinsame Anlage zu erreichen, woraus sowohl eine größere Beauemlichkeit für die Kurgäste, als auch ein zweckmäßigerer, leichter übersehbarer und daher vorteil­hafterer Betrieb erhofft wird. Tie Tienstwobnungen ür den Verstand der Badedirektion und für den Kurdirektor befinden sich gegenwärtig im Badehaus Nr. 3; durch Ab­bruch dieses Badehauses wird die Errichtung besonderer Tirektionsgebäude erforderlich, worin dann auch die Tiensträume und die Kassen vereinigt werden sollen.

Ta die Heizungsanlagen in den Badehäusern damit auch eine Umgestaltung erfahren müssen, wird erwogen, die sämtlichen Kessel mit den Schornsteinen, deren Rauchbelästigung im Park vielfach sehr unangenehm em- ;funden wird, im Interesse eines einheitlicheren, billigeren Betriebes und der Beseitigung des Rußes aus dem Park zu entfernen und mit dem neuen Salinenbetrieb zu ver­einigen. Auch hierfür kann dann die Braunkohle der Grube Ludwigshoffnung benützt werden. Tiefe einheitliche Ma- chinenanlage auf dem neuen Salinengelände soll dann also die Saline, die Fernheizung und außerdem auch das Elektrizitätswerk umfassen, das gegenwärtig ebenfalls im Park liegt und wegen des Mangels einer Reserve ohnehin erweitert werden müßte.

Ferner wird beabsichtigt, in Verbindung mit dieser ge­meinsamen Maschinenanlage auch eine Tampfwäscherei zu erbauen. Schon jetzt werden jährlich nahezu 35 000 Mk. für die Wäsche an die Unternehmer bezahlt, wobei die Ab­nützung größer ist, als gerechtfertigt erscheint. Turch eine lautliche Wäscherei dürsten sich die Ausgaben für das Waschen ermäßigen und eine bessere Behandlung der Wäsche und somit geringere Ausgaben für Ersatz erzielen lassen.

Außer diesen sehr umfangreichen Ausgaben, die in den nächsten Jahren gelöst werden müssen, falls Bad-Nauheim nicht gegenüber anderen, rastlos vorwärts strebenden Bädern zurückbleiben soll, erscheint es erwägenswert, für die weitere Zukunft die Anlage von Moorbädern in Aussicht zu nehmen: hierdurch würde nicht nur einem leb­haften Wunsch der Nauheimer Aerzte entsprochen, sondern es käme ein weiteres Kurmittel, hauptsächlich für Rheu­matismus und Gicht, zu den hierfür schon außerordentlich wirksamen warmen Soolbädern hinzu und die Zukunft Bad- Nauheims würde auf breitere Grundlage gestellt.

Tem gesteigerten Besuch entsprechend stei­gende Einnahme, die sich in dem laufenden Jabre allerdings mitveranlaßt durch eine mäßige Erhöhung der Kurtaxe und der Bäderpreise auf etwa 200 000 Mk. gegen­über dem Vorjahr belaufen.

Tiefe Beträge erscheinen aber dringend notwendig für die Entwicklung des Bades, wenn der seither befolgte Grund­satz auftecht erhalten werden soll, alle Neubauten aus Mitteln des Bades selbst zu errichten und somit nicht nur keine Belastung der Staatskasse eintreten zu lassen, sondern ihr auch in Zukunft aus den Einnahmen noch 100 000 Mk. jährlich zuzuführen.

Unter dem Eindruck dieses Programms und unter der Voraussetzuna, daß die vorgesehene Abführung von 100 000 Mark zur Staatstasse beibehalten wird, läßt der Ausschuß im allgemeinen feine Bedenken fallen. Er erwartet aber, daß dieser Erneuerungsfonds stets im Hauptvoranschlag mit aufgeführt und alljährlich zur Beschlußfassung den Ständen voraelegt wird.

Mit Rücksicht auf die Ausführungen des Ausschusses zu Kapitel 121, worauf hier Bezug genommen, wird bean­tragt: 1. 35000 Mk. von der unter Titel 8 vorgesehenen Abtteferuna an das Vermögen zu streichen und dem Er­neuerungsfonds zuzuführen; 2. die in Einnahme vorge­sehenen 910000 Mk. und die Ausgabe von 810 000 Mk. zu bewilligen.

Tie Regierung hat, wie wir bereits kurz erwähnten, ein großes Programm für die Zukun ft des Bades entworfen, das im allgemeinen vorbehaltlich einer Entschließung im einzelnen im Ausschuß als weit­sichtig unb deshalb empfehlenswert angesehen wurde. Tieses Programm sagt:Tie fortschreitende Entwicklung von Bad-Nauheim zeigt sicb: 1. in einer Zunahme in der Anzahl der jährlich anwesenden Kurgäste, 2. in einer steigenden Zahl an abgegebenen Bädern, 3. in wachsenden Einnahmen. Mit den vorhandenen Einrichtungen ist es nicht mehr möglich, den Anforderungen der wachsenden Zahl von Kurgästen für die nächsten Jahre gerecht zu werden, noch aber die größere Zahl von Bädern zu geben; es ist daher erforderlich, falls nicht berechtigte Klagen unbefriedigt bleiben sollen, neue Anlagen zu beschaffen, um zu verhindern, daß der Besuch von Bad-Nauheim sich nach anderen Bädern hinzieht. Wegen der jährlich größeren Zahl von Kurgästen muß Sorge dafür getragen werden, daß neue, für die Kurgäste angenehm liegende Bauplätze erschlossen werden. Hierzu eignet sich wesentlich das Salinengelände, da der Johannisberg zu steil liegt und die Gelände nach Gießen zu nicht beliebt sind. Zudem ist am Zurtritt zu dem S-alinengebäude der Postneubau nahezu fertig und soll am 1. April 1904 er­öffnet werden, ©in Bauplatz in der Nachbarschaft des Post- neubaus ist zu 40 Mk. für den Quadratmeter verkauft worden; weitere Verhandlungen haben stattgefunden, ohne seither zum Abschluß zu kommen. Vorbehaltlich einer genauen Ermittelung nach Genehmigung des Bebauungs­planes kann angenommen werden, daß nach Abzug des Straßengeländes rund 70 000 Quadratmeter verkauft wer­den können. Ein Turcbschnittspreis von 30 Mk. erscheint mit Rücksicht auf gezahlte Preise in Nauheim nicht zu hoch gegriffen, sodaß aus dem Salinengelände im Lause der Jahre 2100 000 Mk. zu erlösen sein werden.

Zur Erschließung dieses Geländes ist die Saline zu verlegen; als Bauplatz ist das im staatlichen Besitz besind- liche Gebiet östlich der Dahn und südlich von Goldstein neben der alten Ziegelei in Aussicht genommen. Tie Ent­würfe sind in Arbeit. Für die Heizung der Pfannen sollen Braunkohlen aus der Grube Ludwigshoffnung Verwendung ftnden.

Ter Zugang von der Parkstraße nach dem Salinen­gebäude wird gegenwärtig in unschöner Weise abaeschnitten durch die alte ei ferne Trinkhalle am Kurbrunnen; ihre Beseitigung erscheint daher erforderlich. Für sie muß im Anschluß an die im Bau befindliche protestantische Kirche ein schöner Ersatz geschaffen werden, wobei einer­seits der sehr beliebte Parkteil am Kurbrunnen erweitert und verschönert wird und außerdem der Bedarf an neuen Kaufläden in den Kvlonaden befriedigt toerben kann.

Tie steigende Zahl bei Kurgäste erfordert außerdem eine Erweiterung der Terr ässe und die Schaff­ung eines Saales, in dem an kühlen Tagen, wesentlich im Mai und September, die Konzerte abgeyalten werden