Ausdruck geben, daß auf die von geachteten Herren aller Stände unterzeichnete Einladung eine doch immerhin zahlreiche Zuhörerschaft sich eiugefunden habe. Er erzählte u. o., wie er vor einigen Tagen in den Abendstunden einen Betrunkenen mit seinem kleinen Kinde auf der Straße gesehen habe, wie oas Kind sichtlich geängstigt den wankenden Vater begleitete. Don welch bedeutsamem Einfluß solche Vorfälle auf die KinLesseele wirke, könne man sich ja denken Herr Gonser war auch in seinem 2. Vortrag sehr erfolgreich Vom Standpunkte der Hygiene, der Volkswirtschaft, der Moral, wußte er viel Interessantes und Bedeutsames mit- zuteilen. Die persönlichen Erfahrungen, die er als Gefängnis-Direktor gemacht habe, redeten die deutlichste Sprache, und Herr Gonser meinte, wenn solche Einblicke allgemeiner bekannt seien, würde man die Bestrebungen des Vereins in vielen Kreisen weit höher einschätzen. Sehr interessant und anregend waren die Ausführungen von Professor Dr. Sommer, der danach das Wort ergriff und vom pathologischen Standpunkte die Trunksucht besprach«. Jeder Mensch hat, um den äußeren körperlichen Einwirkungen zu begegnen imb sie austzugleichen, natürliche, innere, zentrale Hemmvorrichtungen, die wahrscheinlich im Gehirir ihren Hauptsitz haben und die nun der Alkohol durch Entzündung der Nerven aufhebt. Prof. Dr. Sommer teilte die der Trunksucht ergebenen im allgemeinen in 3 Gattungen ein: Epileptiker, Schwachsinnige und G.'wohnheitssäufer. Seiner Ansicht nach müsse man am wirksamsten mit der Reform unseres geselligen Lebens beginn, n das in unserem heutigen Zustande eben das Trinken von jedermann geradezu verlange. Man müsse die Bewegungsspiele mehr pflegen, denn sie spendeten bessere und gesündere Lebensfteude, als das Hocken beim Alkohole. Der Trinhzwang müsse aushören. Daß der Verein gegen Mißbrauch des Alkohols keine langweilige Lebensweise von seinen Mitgliedern fordere, hätten Sie Vorredner schon gesagt, und die Munterkeit, die der Alkohol hervorbringe, sei am besten durch natürlichst Muskelbewegung zu ersetzen, was man ja auch bei Kindern beobachten könne. Im Verlauf einer überaus anregenden Diskussion würde übrigens auch darauf hingewiesen, daß Kin- bern unter 14 Fahren unter allen Umständen kein Alkohol verabreicht werden darf. Erst nach 11 Uhr ging man auseinander. Der Bezirksverein wurde gegründet; ca. 60 Personen haben bereits ihren Beitritt erklärt. Auch in den übrigen hessischen Städten hat die Bewegung einen überaus hoffnungsvollen Fortgang genommen.
** Ein »Harmloser" schickte uns folgendes Histörchen: »Als müßiger Spaziergänger hatte ich dieser Tage den inter- esianten Anblick, daß ein zu spät kommender Fahrgast der Bi e berta lbahn den Zug, obgleich derselbe bereits 250 Meter Vorsprung hatte, in riesigen Sätzen einholte und noch mitfahren konnte. Derselbe Herr hat sich hier schon als einer der ersten Kunstläufer auf dem Eis produziert und scheint auch ohne Schlittschuhe eine bedeutende körperliche Gewandtheit zu besitzen." Daß dieses Artikelchen nicht so »harmlos" gemeint ist als es sich giebt, merkt ein Sextaner. Aber er weiß auch sehr wohl, daß D-ßüge mit Eilgeschwindigkeit auf der Biebertalbahn nicht verkehren können.
• • Ein Jahresbericht der hiesigen Gewerbe- oank liegt heute unserer Auflage bei, auf den wir unsere Leser aufmerksam machen möchten.
• * Ein kleiner Brand brach am Donnerstag abend in einem Stallgebäude des Restaurants »Zum Löwen" aus, der in wenig Minuten von der Feuerwehr gelöscht wurde.
Frankfurt a. M., 6. Febr. Am Montag findet hier eine Versammlung sämtlicher Bürgermeister der Landgemeinden des Großherzogtums Hessen statt. In der Versammlung soll u. a. eine anderweitige Regulierung der Bureauentschädigungen und Ven- ssionSberechtigungen besprochen werden.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Zwischen den Stationen Mühlheim und Klein-Steinheim wurde der 3jährige Knabe eines -Schlossers aus Dietesheim überfahren und sofort getötet.
Vermischtes.
• Hannover, 5. Febr. In der vergangenen Nacht wurden die Pferde des Wagens des Generalleutnants Grafen von Moltke scheu und gingen durch. An einer Straßenecke suchten sich die Jnsasien des Gefährtes durch Herausspringen zu retten. Dabei stürzte die Gemahlin des Grafen auf das Pflaster und zog sich mehrere leichtere Verletzungen im Gesicht zu. Ein herbeigerufener Arzt vernähte die Wunden.
• Hamburg, 5. Febr. Der 26jährige Assistenzarzt des allgemeinen Krankenhauses, Dr. Athing aus Varel, starb als Opfer seines Berufes an Blutvergiftung, die er sich bei einer Operation zugezogen hatte.
"Dessau, 5. Febr. Zwischen dem hiesigen Hof- opernsänger Karl Kienlechner, der, wie mitgeteilt, wegen vorsätzlicher Körperverletzung, wörtlicher und tätlicher Beleidigung zu drei Monaten Gefäng - nis verurteilt wurde, und dem von ihm mißhandelten Hofkapellmeister Franz Mikorey ist eine vollständige, aufrichtige Aussö hnung zustande gekommen. Beide Künstler waren einst die besten Freunde gewesen, und diese Freundschaft wurde trotz aller peinlichen Zwischenfälle erneuert. Nach Kienlechners Verurteilung erbot sich Mikorey sofort, gemeinsam mit dem wiedergefundenen Freunde für diesen ein Gnadengesuch bei dem Herzoge von Anhalt einzureichen.
• Ka11owitz, 5. Febr. Der Kassenbote Robert Mitzou wurde gestern abend beim Einkasiieren von Geld in Sosuo- wice überfallen, schwer verletzt, und feiner Geldtasche mit -860 0 Mk. Geld beraubt Vom Täter fehlt bis jetzt jede Spur.
• Haag, 5. Febr. Die Regierung erhielt ein amtliches Telegramm aus Batavia, welches den Ausbruch deS Vulkans Merapi bestätigt. Die ganze Umgegend deS Berges wurde von den Feuermasien verschüttet. Nach den bisherigen Feststellungen sind 12 Personen verbrannt Der Schaden ist enorm.
• Brüssel, 5. Febr. Der in Ostende verhaftete russische Student Vasof, welcher unter einem Wagen der Schlafwagen-Gesellschaft aufgefunden wurde, wird sich morgen in Brüste! vor dem Gericht zu verantworten haben. Wie es heißt, ist beim Gericht ein Brief eingelaufen, welcher besagt, daß Vasof tatsächlich auf Grund einer Wette das Wagnis durchführen wollte, von Paris unter einem Wagen der Schlafwagen-Gesellschaft unbehelligt bis nach
Rußland zu kommen. Dasof soll dies auch bestätigt und seinen richtigen Namen angegeben haben. Er soll Diono- gorSki heißen und in Rußland Lehrer der Literatur gewesen sein. — Die Polizei verhaftete gestern zwei Individuen, welche beschuldigt sind, falsche Hundertfranks-Scheine in Umlauf gesetzt zu haben. Sie erklärten, selbst betrogen worden zu sein. Die Untersuchung in dieser Angelegenheit dauert fort.
* Rom, 5. Febr. Mit einem Modell des neuen (e nfbaren Luftschiffes machte der Erfinder, Hauptmann Frassinetti, völlig gelungene Versuche in Ravenna.
* Wien, 5. Febr. Unterschlagungen im Verein zur Pflege kranker Studierender sind entdeckt worden. Es handelt sich um das vorhanden gewesene Bargeld. Der Verein verfügt auch jetzt noch über mehr als 630 000 Kronen in Wertpapieren, Depots und Realitäten, so daß Bestand und Zweck des Vereins in keiner Weise erschüttert sind.
" Prag, 5. Febr. Erzherzog Ferdinand Karl, von dessen Beziehungen zu Fräulein Czuber jüngst viel die Rede war, trat gestern einen sechsmonatigen Urlaub zu einer längeren Reise an.
" Schon wieder eine Vergiftungsaffäre. Berliner Blättern zufolge erkrankten in Schladen am Harz 6 Perso nen nach Einnahme der Mahlzeit unter Ver- gistungserscheinungen. Zwei starben nach kurzer Zeit.
Kunst und Wistcnschust.
München, 5. Febr. Franz von L e n b a ch ist an Unterleibsentzmtdung schwer erkrankt. Wenngleich das Leiden langwierig sein kann, besteht geringe Hoffnung auf Erhaltung seines Lebens.
hc. Ausgrabungen auf Ithaka im Jahre 1904. Der erste Sekretär des Kaiserl. deutschen archäologischen Instituts zu Athen, Herr Professor Dörpfeld hat bekanntlich seit vier Jahren auf Wunsch und Kosten des Holländers Goekoop allsommerlich Ausgrabungen auf dcr Insel Lenkas veranstaltet. Geleitet wurden Dörpfeld und Goekoop dabei von dem Gedanken, den Palast der aus dem Epos bekannten Gestalt des Königs Odysseus zu entdeckcn. Dörpfeld hatte die Ueberzeugung gewonnen, daß Odysseus Heimatinsel Ithaka nicht das heutige Ithaka, sondern die benachbarte Halbinsel Leukas sei. Die Ausgrabungen, welche bei den großen Schwierigkeiten des Geländes nicht innerhalb kurzer Zeit Ku einem befriedigenden Abschluß gebracht werden konnten, haben bis jetzt zu der Entdeckung von sehr verwischten Spuren einer vorgeschichtlichen Ansiedlung in der Ebene von Nidri geführt; Gebäude, welche aus dem so hoch entwickelten mykenischen Zeitalter des Odysseus stammen könnten, sind dagegen bis jetzt nicht zu tage gefördert worden. Dörpfeld hat seine Studien auch auf die umliegenden Inseln, die in der Sage das Reich des Odysseus bilden, ausgedehnt und die Ergebnisse seiner Ueberlegunaen in einem eingehenden Aufsatz in der Festschrift für den ftanzösischen Archäologen Perrot (Melanges Perrot) veröffentlicht. Auch von .französischer Seite ist neuerdings die Aufmerksamkeit der gelehrten Welt auf die jonischen Inseln gelenkt worden: Victor Berard hat im 2. Band seines großen Werkes ,Les RhenicieuS l'Odyssee" die homerische Geographie der Inseln Ithaka, Zakynthos, Same und Aulichion von seinem Standpunkte aus eingehend erörtert. Nun erfahren wir, daß Herr Goekoop, um nichts zu der Lösung der aufgeworfenen Fragen, welche in der archäologischen Welt bereits zu Streitfragen zu werden drohten, zu unterlassen, sich entschlossen hat, auch auf der heutigen Insel Ithaka Ausgrabungen zu veranstalten. Zu diesem Zwecke hat er der niederländischen Abteilung der ftanzösischen archäologischen Schule zu Athen eine bedeutende Summe zur Verfügung gestellt. Die Expedition, welche bereits im April dieses Jahres nach Ithaka aufbrechen soll, wird von dem holländischen Archäologen Dr. W. Vollgraff, Privatdozent an bet Universität Utrecht, geleitet werden, und auch Herr Goekoop wird sich ihr persönlich anschließen. Dr. W. Vollgraff beabsichtigt, die verschiedenen Stellen des kleinen, felsigen Eilandes, die zu einer Niederlassung geeignet gewesen sein könnten, zunächst zu untersuchen, damit festgestellt werde, zu welchen Zeiten mrd in wellchem Maße sie besiedelt gewesen sind. Es handelt sich dabei in erster Linie um die Umgebung des Hafens Polis im Norden der Insel, sodann auch um die Land- eng e in der Mitte und schließlich um die Gegend, in der die heutige Hauptstadt Kathy liegt. Sollten diese Versuchs- grabungen zu wichtigen archäologischen Entdeckungen führen, so würden an der betreffenden Stelle selbstverständlich eingebende Ausgrabungen vorgenommen werden. Nach Abschluß oer Ausgrabung auf Ithaka beabsichtigt Dr. Vollgraff im Juli seine Ausgrabungen in Argos wieder aufzunehmen.
Gerichtslaal.
Gießen, 6. Febr. Die Strafkammer verhandelte gestern einen deswegen interessanten Fall, weil er damit endete, daß der Vorsitzende der Kammer, Landgerichts- direktor Bücking, dem Angeklagten erklärte, die Kammer müsse es ablehnen, auf dessen Geständnis hin ein verurteilendes Erkenntnis auszusprechen. Angeklagt war wegen Betrugs im wiederholten Rückfall der Maurergeselle F. W. von Oberrau, Kreis Büdingen. Er ist 29 Jahre alt und schon mehrere Male vorbestraft. Er verbüßt zurzeit in Darmstadt eine ihm wegen zweier Betrügereien zuerkannte achtmonatige Gefängnisstrafe und wirst dem Gericht in Anstaltskleidung vorgeführt. Vom Vorsitzenden aufgefordert, zu Erzählen, wie er zu der Tat, um die es sich handelt, gekommen sei, gibt der Angeklagte das Folgende an: Er habe in Offenbach gelebt und momentan keine Arbeit gehabt, da sei er nach seiner Heimat Oberrau gegangen, dort in Wirtschaften eingekehrt und habe in der ersten eine Zeche von 17 Psenntg, in der anderen eine solche von 45 Pfennig gemacht. In der einen Restauration habe er erklärt, er habe kein Geld und werde später bezahlen, die andere habe er ohne diese Erklärung verlosten. Die Wirtsleute hätten ihn als Oberrauer Kind in beiden Fällen ganz genau gekannt und er habe vor der Zeit öfter in den Wirr- schaften eine Zeche gemacht, die er schuldig geblieben sei. Es sei seine Absicht getoefen, die Schuld in beiden Fällen später zu bezahlen, wenn er erst wieder Geld verdienen würde, wie dies auch ftüher von ihm stets geschehen sei. Es habe ihm ferngelegen, Zechprellereien zu bege en. Der Vorsitzende der Strafkammer stellt auS den Alten fest, daß der Angeklagte in der Voruntersuchung ein Geständnis feiner Schuld abgelegt habe; er gestand darin zu, daß es, ehe er in beiden Fällen oie Wirtschaften betreten hat, feine
Absicht gewesen sei, die Wirte zu betrügen; er hat bann weiter gebeten, davon abzusehen, Zeugen in der Sache zum Verhandlungstermin zu laden, welchem Antrag auch ent- sprachen wurde. Auf die Frage, warum er, wenn die Sache so läge, wie er vor Gericht behaupte, das Geständnis feiner Schuld gemacht und auf die Zeugen verzichtet habe, erklärt W., er habe die Ansicht, die Zeugen seien gegen ihn aufgehetzt, denn sonst hätten sie die Anzeige gegen ihn nicht machen können, und da habe er denn gemeint, es nütze ihm alles doch nichts und er würde doch verurteilt. Ter Vorsitzende erteilte darauf dem Staatsanwalt das Wort ntit° dem Anheimgeben, die Vertagung der Sache zum Zwecke der Ladung von Zeugen zur erneuten Hauptverhandlung zu laden. Da trat der Angeklagte vor den Richtertisch und erklärte, er wolle zugestehen, daß er mit der betrügerischen Absicht, die Wirte um die Zeche zu prellen, in beiden Fällen die Wirtschaften betreten habe; er wolle gern dafür die Strafe hinnehmen. Ter Gerichtshof beschloß Vertagung der Sache und Ladung der Zeugen zum neuen Verhandlungstermin. Ter Vorsitzende erklärte dabei, daß der Gerichtshof es ablehne, den Angeklagten nach Lage des Falles auf sein sogenanntes Geständnis hin allein zu verurteilen.
Tarmstadt, 5. Febr. Vor der Strafkammer spielte sich gestern eine seltsame Geschichte ab. Der Lehrer Friedrich Fries von New-Bamberg hatte 8 Jahre in Froschhausen Schule gehalten, war aber seiner Streiche wegen auf Betreiben oes Schulvorstandes versetzt worden. Zuletzt kam derselbe nach Trösel im Odenwald, wo er sich ebenfalls nicht halten konnte. Er ließ sich Getränke in die Schule holen, betrank sich daselöist auch, manch- ma l ließ er die Kinder allein und kneipte mit zwei Männern in seiner Wohnung rc. Der Schulvorstand trat auch hier zusammen und suchte um einen Lehrerwechsel nach. Nun herrschte im April v. I. in Trösel das Dors- gespräch, daß die Tochter des Gemeinderats Weber sich eines Verbrechens schuldig gemacht habe. Tas paßte dem auf Rache sinnenden Schulmann, denn Weber war einer von denen, die den gegen ihn gerichteten Beschluß gefaßt hatten. Er zeigte daher die Sache der Staatsanwaltschaft an und setzte den Namen Peter Weber unter fein Elaborat. Dies tat er, um auch diesem, der ein Bruder des andern Weber ist, eins zu versetzen, weil er gegen ihn ohne Rücksicht vorgegangen sei. Die eingeleitete Untersuchung lieferte keinen Beweis, daß eine strafbare Handlung begangen wurde. Daher wurde das Verfahren eingestellt und der leichtfertige Briefschreiber, der alsbald ermittelt wurde, wegen Urkundenfälschung vor Gericht gestellt. Er gibt die Tat im wesentlichen zu und wurde zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Er hatte dringend gebeten, von einer Freiheitsstrafe abzusehen, weil sonst seine Wiederverwend- ung in Frage stehe; diesem Wunsche konnte aber n'cht entsprochen werden. (D. Tgbl.)
G l o g a u, 5. Febr. Die Strafkammer verurteilte den Kaufmann Josef Auerbach wegen Einkommensteuer- hinterziehung von 3690 Mk. in den letzten fünf Jahren, die früheren Hinterziehungen waren verjährt, zu 3 6 900 M k. Geld st rase vvent. sechs Wochen Haft.
Dresden, 5. Febr. Tas Kriegsgericht verurteilte den Gefreiten Freytag vom Husarenregiment in Grimma, der sein Dienstpferä), das ihn im Stall geschlagen hatte, aus Wut geprügelt hatte, wegen Tierquälerei zu 10 Monaten Gefängnis.
München, 4. Febr. In dem Beleidigunqsprozeß Conri e d - New-Pork gegen den Schriftsteller Conrad und Redakteur Dannegger wurden beide Angeklagte zu je 200 Mk. Geldstrafe bezw. im Unvermögensfalle zu 20 Tagen Gefängnis verurteilt.
Rom, 4. Febr. Vor dem als Staatsgerichtshof zusammengetretenen Senat begann heute der Prozeß gegen den Senator und Professor der Chirurgie, Antonio D aut orea, der beschuldigt ist, bei der Operation eines geroiffeu Paolo Januarino in der Klinik in Neapel einen Charpiebausch in der geöffneten Seitenhöhle gelassen und dadurch den Tod des Operierten veranlaßt zu haben. Nach Vernehmung des Angeklagten und einiger Zeugen wurde die Verhandlung auf morgen vertagt,
Umverlitäts-Nachrichikn.
Erlangen, 3. Febr. Eine Denkschrift des Universitäts- Senats spricht' sich für die Angliederung der künftigen zweiten bayerischen technischen Hochschule an die Erlanger Universität aus und gegen die Angliederung an die Würzburger Hochschule und die etwaige Neuerrichtung in Nürnberg.
Daudet und Verkehr. Volkswirtschaft.
Berliner Börse vom 5. Februar 1904.
(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 2l/4 Prozent.
Anfangs- u. Schlußkurse.
bank a, (5k (Alte Stuttgarter)".
210.25
224.50
142.90
191.60
203.00
Oest. Kredit. .
Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß .
224.50 143.00 192.70 Harpener Bergbau . . 203.25
Tendenz: Schwach.
— Die größten deutschen Hypothekenbanken. In der Reihenfolge der größten deutschen Hypothekenbanken läßt sich an der Hand der jetzt nach und nach zur Veröffentlichung kommenden Airsweise per Ende 1903 eine Verschiebung seststellen. Nach der Größe des Pfandbrieiumlauses steht nach wie vor die Bayrische Hypotheken -und Wechselbank, da sie in Bayern auch die Geschäfte besorgt, die in Preußen den Landschaften zufallen, den andern weit voran, ihr Pfandbneftlmlauf beträgt nach dem Ausweise per 31. Dezember 1903 rund 871 Mill. Mk., als zweUe folgt die Preußische Z e n t r al- B o d e n kr e d i t - Ak ti enge s e l l s ch a f t, deren Umlauf etwa 600 Mill. Mk. betragen durste. Den bisher behaupteten dritten Platz hat nun die S ü d d e u t s Ä e Bodenkreditbank nach ihrem letzten Ausweis, allerdings mit sehr knapper Differenz, an die H y p o t h e k e n b a n k r n Hamburg eingebüßt, die Süddeutsche hatte am dl. Dezember einen Pfandbriesumlauf von 393 864 100 Mk., die PJ o o - thekenbank inHamburg einen solchen von 393971 600 JJlr.; der Umlauf dürste nach dem recht guten Psandbrieiabsatz, den der Januar brachte, jetzt 400 Mill. Mk. wohl schon überschritten haben.
— Neue preußische ÄousolS. Die preußische Finanzver- walvura hat soeben einen Posten von etwa 70 Mill. Mk. 3 /, - prozennge Konsols freihändig an ein kleines Konsortium begeben, das, wie die ,5. 3/ mitteilt, beabsichtigt, sie ebemalls unter der .Hand weiter zu verkaufen. Dies kommt, wie das zitterte Blatt bemerkt, überraschend, nachdem die wiederholten Angaben, wonach Preußen, wie im Vorjahr, so auch in diesem Jahre ohne neue Anleihe auskommen werde, unwidersprochen geblieben waren, und auch der günstige Abschluß der Staatsrechmmg nicht auf Aulerhe- gedanken hindeutet.
LebcusverficheruugS- & Ersparnis - Bank iu Stuttgart. (Alte Stuttgarter, gegr. 18 54.) Die von der 48. Generalversammlung der Lebensversicherungs- und Ersparnis-Bank in Stuttgart beschlossene neue Satzung trat am 1. Februar in Krau Die neue Firma der Bank lautet .Stuttgarter Lebeusversichernugs-
Märkte.
Gießen, 5.Febr. Marktbericht. Aus heutigem Wochenmarkl kosteten: Buller pr. Pfd. 0,90—LOO ilÄt, Huhnererer 1 St. 7—8 Pfg.


