Ausgabe 
6.1.1904 Zweites Blatt
 
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des Kaiser!. Haupttelegraphenamtes Berlin ging folgendes Telegramm:

Glockentöne hoch vom Turm, Schneegestöber, Winterstnrm, Hnghesgerassel, Aiorsetakt: So wlrds ,9teue* angepackt!

Vermischte».

* Krefeld, 5. Jan. Laut Mitteilung der hiesigen Theater-Aktiengesellschaft an die Presse werden an mehreren Abenden dieser Woche im Theater in den großen Pausen dem Publikum die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen kenntlich gemacht und in ihrer Wirksamkeit gezeigt. Im vergangenen Herbste hatte die Polizeibehörde auf Er­weiterung dieser Schutzmaßnahmen gedrängt, und die Er­öffnung der Spielzeit mußte zu ihrer Durchführung damals verschoben werden.

* Rom, 5. Jan. DasGiornale d'Jtalia" verzeichnet die Meldungen derUnione Liberale" in Perugia und der Stampa" in Turin, daß der Fluß Clitumnus bei Spoleto vielleicht Uranium oder gar Radium enthalte, warnt aber, diese Hypothese zu ernst zu nehmen. Das Waffer des Fluffes hat die Eigenschaft, eingetauchtcs Glas violett zu färben, obschon es keine Algen hat, auch nicht manganhaltig ist. Einstweilen sind nähere Angaben abzuwarten.

"Bozen, 5. Jan. Der Tourist Alois Moerl- Brixen ist auf einer Rodelschlittentour auf den Rittner- Bergen umgekommen.

"Montreal, 5. Jan. Die anhaltende grimmige Kälte bis 35° Celsius verursacht in Montreal, Ottawa und in der Provinz bedeutende Brände. Es gab große Verluste an Eigentum und auch an Menschenleben.

" New-Port, 5. Jan. Das Wetter ist jetzt kälter, als es 1875 gewesen ist. Der Verkehr zu Lande und zu Waffer erleidet dadurch beträchtliche Störungen. Im Staate Maine beträgt die Kälte in verschiedenen Bezirken 4 3 Grad Fahrenheit unter Null.

"Die Zeugenvernehmung in Chicago zeigte, daß kurz vor dem Brandunglück schon einmal ein Bühnenbrand auSgebrochen war und daß schon damals der Asbe st Vorhang festsaß.

Die gegenseitigen Neujahrsglückwünsche der Telegraphenbeamten zahlreicher deutscher und aus­ländischer Telegraphenstationen sind, altem Brauch gemäß, auch in der letzten Neujahrsnacht wieder hinüber- und herüber­geblitzt. Auch das Münchener Haupttelegraphenamt trat in der jüngsten Neujahrsnacht mit zahlreichen anderen aus­wärtigen Aemtern in Verbindung und sandte nach Augsburg, Nürnberg, Würzburg, Ludwigshafen, Berlin, Leipzig, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, Salzburg, Wien, Mailand, Paris u. s. w. Glückwunschtelegramme. An die Beamten

yfjr zur Seite Herr Schramm als Gemahl Marcu mit seiner trefflichen Stimme und seinem unversiegbaren zündenden Humor. Herr Adler sah als schneidiger Offizier wie als rumänisches Bauernmadel brillant aus. Auch erfreute er wieder mit seinem klangvollen Organe, und sonderlich das forsch gesungene Auftrittslied sicherte ihm lebhaften Beifall. Tie Zügel in der Hand des Orchesterleiters Herrn Pittrich hätten zuweilen etwas straffer angezogen werden dürfen, im Allgemeinen gings jedoch recht flott.

Eleonore Düse und d'Annunzio. Das ,Giornale d'Jtalia" teilt einen Skandal aus der italieni­schen Theaterwelt mit, der auch im Auslande Interesse erregen wird. Eleonore Düse und Gabriele d'Annunzio trennen sich Gabriele d'Annunzio verweigerte seiner treuen Genossin, Freundin und Interpretin in der neuen TragödieDie Tochter des Jvrio" die Titelrolle. Dies ^hat Eleonore Düse dermaßen empört, daß sie d'Annunzio verließ und alle Stücke d'Annunzios von ihrem Re­pertoire gestrichen hat. Eine weitere Folge war, daß die Düse ihre kostbaren Kvnstgegenstände, die bisher das Heim des Künstlerpaares, dieVilla Capponcina" bei Florenz, geschmückt haben, zum Händler schaffen ließ und verkaufte. Man will wisien, daß der Dichter seiner alternben Egeria, der er doch so vieles verdankt, müde war. An ihre Stelle scheint als Freundin und Interpretin d'Annunzios die be­kannte junge Schauspielerin Irma Granrmatica zu treten, die sich dem Charakter von Eleonore Düse am meisten nähert und wie diese an der Spitze einer vortrefflichen Truppe steht. Wenn diese Nachrick)chen der italienischen Zeitung zutreffen, dann scheint d'Annunzio seine Leiden­schaften mit großer Geschicklichkeit seinen Bedürfnissen als dramatischer Dichter anzupasfen.

- Die Jahressitzung des Vorstandes des deutschen /Sprachvereins, die unter dem Vorsitz des Geh. Ober­baurats Sarrazin am 4. d. M. in Berlin stattfand, war aus ganz Deutschland stark besucht. Als neugewählte Mit­glieder nahmen teil: Oberlandesgerichtsrat Erker aus Ma­rienwerder, Professor Dr. Scheffler aus Braunschweig und Geheimrat Professor Dr. Wilmanns aus Bonn. Die Be­ratungen betrafen zumeist innere Angelegenheiten des Sprachvereins, der dauernd in kräftigem Wachsen begriffen ist und gegenwärtig über 250 Zweigvereine mit mehr als 25 000 Mitgliedern umfgßt.

Mark, filT Anteilscheine des Bauvereins 3000 Mark, für Aktien "der Landeshvpothekenbank 3000 Mark, im ganzen 85 000 Mark. Da aus der Anleihe in 1902 noch 40 000 und 35 000 Mark Kassenanleihe vorhanden sind, so hat der Stadtrat eine neue Anleihe von 10 000 Mark bei dem Mathildenstift beschlossen.

)( Laubach, 4. Jan. Die Rachbargemeinde Münster hat die Herstellung der Ortsbeleuchtung und einer Telephonleitung beschlossen. Pfarrer Koch hat der Gemeinde bazu 1500 Mark ge sti ft e t. Der Ort beabsich­tigt ferner die Anlage einer Wasserleitung. Die Vor­arbeiten, zu welchen das Kreisamt 500 Mark bewilligte, ollen im Frühjahr beginnen.

(r) Eifa, 4. Jan. Vor einigen Tagen hat eine hier bedienstete Magd heimlich geboren und das Kind im Bett st roh versteckt. Sie wurde unter dem Verdacht des Kindesrnordes ins Gefängnis gebracht.

lb^ Schw arz bei Alsfeld. 4. Jan. Im Laufe der vori- ;en Woche hat hier eine alleinstehende Frau ihrem Leben )urch Erhängen ein Ende gemacht. Längere schmerz­hafte Krankheit scheint die Bedauernswerte zu ihrer schreck­lichen Tat getrieben zu haben.

R. B Darmstadt, 5. Jan. Der Finanzaus- chuß der 2. Kammer ist heute vormittag zur Fortsetzung einer Beratungen über den Haushaltsetatfür 1904 »usammengetreten und hat eine längere Verhandlung mit )en Regierungsvertretern gepflogen. Der erste Teil, der Mrtschaftsetat, ist in der Hauptsache fertiggestellt, aber die völlige Erledigung des Gesamtetats wird immerhin noch etwa 3 Wochen in Anspruch nehmen. Die Kammer ist darnach vor Anfang Februar kaum in der Lage, mit der Plenarberatung des Etats zw. beginnen und wird auch diesmal wieder große Mühe haben, ihn noch so rechtzeitig ertigzustellen, daß die erste Kammer sich mit Muße darein vertiefen kann. Der Kommandeur des Warschauer Manen-Regiments Kaiser von Rußland", General Baum­garten, traf gestern abend hier ein und wurde heute vor­mittag vom Groß Herzog in Audienz empfangen. Einer der raffinierte st en Fahrradmarder wurde heute von der Straflammer für längere Zeit unschädlich gemacht, der Sattler Karl Lies aus Krefeld. Der kaum 23jährige Mensch betreibt den Fahrradd'iebstahl schon lange als Spezialität und war deswegen schon zu einer mehr­jährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, die er zurzeit in Preungesheim verbüßt. Im verflossenen Herbst, als er noch auf freiem Fuß war, trieb er sich unter der Maske eines Postbeamten in Darmstadt umher und führte in kurzer Zeit drei Rad dieb stähle mit größter Frechheit aus. Das Gericht diktierte ih-m wegen der neuen Diebstähle zwei Jahre und drei Monate Gefängnis zu.

Bingen, 5. Jan. Billige Gepäckträger gibt's nach derMittelrh. in Bingen! Kommt da eine Dame mit dem Trajektboot von Rüdesheim an. Sie trägt in der Hand ein kleines Täschchen. In der Rheinstraße tritt nun ein Junge von 8 bis 9 Jahren, der anständig gekleidet war, an sie heran:Freilein, darf ich das Päckche trage?"Danke schön!"Gewe se mersch nur, ich trag's Ihne bis Bingerbrück for eene Penning!" Billiger kann man doch nicht bedient werden!

(pr.) Ludwigshafen, 5. Jan. Eine wichtige Erfindung, die einesFernseh ers" hat Herr Fritz Lux hier zum Patent angemeldet. An der Erfindung eines Fernsebers ist schon lange gearbeitet worden und schon viele Konstruktionen sind entstanden, jedoch bis jetzt war es noch mit keiner einzigen möglich, das Fernsehen wirk­lich zu erreichen. Herr Fritz Lux will nun einen Apparat konstruiert haben, der Bilder von Schriftzeichen, Worte imb Personen von einer Stelle nach anderen beliebigen Wellen überträgt. Auf ähnliche Weise, wie es möglich ist ohne Drahtverbindung zu telephonieren, soll es auch möglich sein, mit dem Apparat des Herrn Lux ohne Draht­verbindung fernzusehen.

Grafen Arthur zu Erbach-Erbach, denk Provinzialdirektor Dr. Breidert, dem Ministerialrat Braun, dem Professor Dr. Brauns, Rektor der Landes-Universität Gießen, dem Geh. Negierungsrat Schönfeld ans Schotten, dem Landwirt und Landtagsäbgeordneten Korekl aus Leusel, dem Bürger­meister Arnold aus Alsfeld, dem Pfarrer Werner aus Nidda, dem Bürgermeister Stahl aus Friedberg, dem Schlossermeister Knipp aus Bad-Rauheim, dem Kreis- eimtmann Werner aus Lauterbach, dem Kommerzienrat und Landtagsabgeordneten Euler aus Bensheim, dem Kom­merzienrat Glückert, dem Bürgermeister und Landtags­abgeordneten Seelinger aus Lampertheim, dem Fabrikanten Heyn, dem Bierbrauereibesitzer Hildebrand aus Pfungstadt, den Bürgermeistern Krausmann aus Dieburg, Eidmann aus Groß-Umstadt und Arnold aus Groß-Gerau, demFabrikanten Wilhelm Opel aus Rüsselsheim, dem Bürgermeister Höhn und dem prakt. Arzt Dr. Vogel aus Heppenheim, dem Oberbürgermeister Brink aus Offenbach, den Bürgermeistern Büttner aus Mülheim a. M., Dr. Sutor aus Alzey und Werner aus Flonheim, dem Kommerzienrat Coblinz aus Bingen, dem Oberbürgermeister Dr. Gaßner aus Mainz, dem Fabrikanten Rudolf Tyckerhvff aus Amöneburg, dem Bürgermeister Schmidt und dem Reallehrer Minnich aus Oppenheim, dem Oberbürgermeister Köhler, aus Worms und dem Bürgermeister Mahler aus Herrnsheim.

* Hofrat Dr. Georg Frhr. v. Liebig, ein Sehn des berühmten Justus v. Liebig, Kgl. bayr. und Großh. hessischer Hofrat, Privatdozent an der Universität München 'und Badearzt in Reichenhall, ein wissenschaftlich hochge­bildeter und hervorragend tätiger Gelehrter und als Arzt eine Zierde seines Standes, ist am letzten Tage des alten 'Jahres in München gestorben. Er war geboren am 17. Februar 1827 in Gießen.

* Waghalsige Jungen. Gestern mittag gegen 3 Uhr hätte sich in der Lahn leicht ein großes Unglück zu­tragen können. Zwei waghalsige Knaben von ungefähr 10 Jahren wagten sich in der Nähe des sogenannten Launs- bachersteges auf die dünne Eisdecke der Lahn. Der eine von ihnen aber kam zu nahe an eine eisfreie Stelle, glitt aus und fiel in die Lahn. Durch die Hilferufe gelang es einem in der Nähe sich befindenden tatkräftigen Arbeiter, ihn von dem sicheren Tode des Ertrinkens zu retten.

** Ein allzu heißer Trunk hat schon manchem Erwachsenen große Unannehmlichkeiten bereitet; noch öfter ist das der Fall bei Kindern. Daß solcher heiße Trunk aber auch von schweren Folgen begleitet sein kann, beweist der Umstand, daß durch Trinken von kochender Milch sich das dreijährige Söhnchen eines Taglöhners in Frankfurt Mund, Zunge und Speiseröhre so schwer ver­brühte, daß es an Atemnot litt und ins städtische Kranken­haus gebrach werden mußte. Der Zustand des Kindes rst bedenklich

h. Dornholzhausen, 4. Jan. Die Gemeinden Dorn­holzhausen und Hochelheim wurden in diesen Tagen von einem tieflchmerzlichen Trauerfall betroffen, da ihr ge­liebter Seelsorger, Pfarrer Froelich, am Sylvefter- tage, erst im 'Alter von 47 Jahren, durch den Tod von ihnen genommen wurde. Am Begräbnistage, dem Sonn- tag nach Neujahr, versammelte sich gegen 2 Uhr eine große Menschenmenge vor dem Pfarrhause zu Hochelheim. Sämt­liche Bewohner von Hochelheim und Dornholzhausen, sowie viele aus den benachbarten Ortschaften waren erschienen, um dem in der ganzen Umgegend geliebten und geehrten Seelsorger die letzte Ehre -u erweisen. Unter dem Klange der Glocken bewegte sich oer Leichenzug nach der Kirche. Ter Sarg wurde von Mitgliedern des Presbyteriums beider Gemeinden tragen. Leider konnte die Kirche nur einen kleinen Teil der Leidtragenden aufnehmen. Bor dem Altar erfolgte die Einsegnung durch den Superintendenten Schö­ler von Wetzlar, der auch die Leichenpredigt hielt. Nach beendigtem Gottesdienst bewegte sich der Leichenzug aber­mals unter dem Klang der Glocken nach dem Friedhof, wo die irdische Hülle des Verstorbenen auf feierliche Weise der kühlen Erde übergeben wurde. Pfarrer Froelich war 1886 zum Nachfolger des nachmaligen Professors Schöler ernannt worden. 18 Jahre lang hat er sein Hirtenamt in beiden Gemeinden mit aufopfernder Liebe und Treue , ausgeübt.

(!) Friedberg, 5. Jan. Nach dem städtischen Haushaltungsp1 ane für 1902/03 wurden aus­gegeben : für die Erbauung von Straßen 21000 Mark, für Gelände an kauf 8000 Mark, für Errichtung von Baracken für ^das technische Institut 17 000 Mark, für das Gaswerk 33 000

Erster Wunsch, nun sause bin In die Reichshauptstadt Berlin, Künde es nach Ost und West Nord und Süd: In Treue kest! Dann soll Euch das Neue Jahr Bringen schöne Gaben dar, So flum Beispiel: Das Gebalt Soll erhöben sich, und bald Soll ein jeder werden Rat, Noch bevor das Alter nabt.

Doch die Hauptfach kommt erst noch: Amt Berlin: bipv, hurra, bochl Bleibt uns gut, so wie bisher, Weit'res wünschen wir nichts mehr."

Die Berliner begrüßten München mit folgendem Poöm: Will sich ein Jahr vollenden, Ein neues brechen an, Und will der Weg sich wenden Aus unfrei- Lebensbahn Dann naht mit leisem Rauschen Sich uns ein Genienpaar, Die heimlich Zwiesprach tauschen Von dem, was ist, was war. Erinn'rung möcht' uns halten Im süßen Traum zurück, Erwartung möcht' entfalten Zukünftiges Geschick.

Mög' uns das Glockenläuten, Tas uns erhebt das Herz, Ein frohes Jahr bedeuten, Wo Lust besiegt den Schmerz, Der Geist, der treu verbunden, Der Brüder große Schar, Mög' sich aufs neu bekunden Auch in dem neuen Jahr!"

Eingesandt.

Für Form und Inhalt alle*, u.iul tn.ser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.l v

In Nr. 293 dieses Blattes vom 14. v. Mts. war ein Artikel unterUnzufrieden" zu leien. Der Einsender desselben scheint mit den tatsächlichen Verhältnissen nicht allzusehr vertraut zu sein. Er schreibt von Gehaltsoerhältnissen der Staatsbeamten, von Sondergesuchen um Verbesserung der Gehälter und von Disziplin der M i l i t ä r a n w ä r t e r. Zunächst sei festgestellt, daß, wenn überhaupt, nur ganz selten Gesuche von Militär­anwärtern um Gehaltsverbesserungen re. der 2. Kammer Vor­gelegen haben dürsten, es wird sich wohl lediglich um Gesuche von Zivilanwärtern handeln. Betr. Anrechnung derVordienstzeit" darf man wohl annehmen, daß es sich hier nur um Militärdienst­zeit handeln kann, deren schwerem Dienst sich der Unteroffizier, um sich das Recht der Zivilversorgung zu erwerben, unterzogen bat und daß von einer etwaigenVordienstzeit" eines sonstigen An­wärters, dem derDienst in des Kaisers Rock" zu schwierig schien bezw. er nicht den Mut besaß, seine Kräfte dem Vaterlande zur Verfügimg zu stellen, wohl nicht die Rede sein kann.

Durch Gesetz ist zwar für die Militäranwärter gesorgt, indem bestimmte Stellen bcnfelbcit vorbehalten sind, aber werden denn diese Stellen auch tatsächlich mit Militäranwärtern besetzt? Nein! kaum 73. Ein Kommentar erscheint wohl hier überflüssig.

Daß nach abgelegter Probedienstleistung, wie behauptet wird, der Militäranwärter sofort zur Anstellung gelangt, ist mit wenigen Ausnahmefällen durchaus unzutreffend.

Weshalb stellt man wohl and) bei den Kommunalbehörden keine Militäramvärter ein, trotzdem nach dem Beschluß des Reichs­tages von 1899 gesetzmäßig angeordnet ist, daß bcftimmte Stellen für diese offen zu halten sind?

Es befinden sich unter den Unteroffizieren der Großh. Heff. (25.) Division fast 8/t solcher aus Preußen und es wird diesen an- heimgestellt, nach Ablegung ihrer langen treuen Dienstzeit wieder in ihremVaterlande" Unterkunft zu suchen.

Unter allerlei nichtigen Vorwänden versucht man den Militär- Anwärter schon von der Bewerb ung um Stellen bei vielen Behörden fernzuhalten, indem man schwere Prüfungen zur Be- bingung macht, ober ihm das Fortkommen so aussichtslos wie möglich darstellt, vermutlich um die Stelleii ausschließlich fürihre Leute" zu reservieren bezw. die Einstellung von Militär-Anwärtern nicht allgemein zur Einführung zu bringen.

Man wird unter diesen Umständen dem- Militäranwärter nicht verdenkeii können, wenn er biß und da sein gutes Recht durchzufechten sucht.

Daß aus Militäranwärtern dnrchcnls brauchbare und pflicht­treue Beamte sich beranbilben, sei hier hervorgehoben, baß u. A. ein Abgeorbneter im preußischen Landtage ausgeführt bat, daß ein tüchtiges Beamtenpersonal vorzugsweise unter den Militäranwärtern zu suchen ist, denn diese Leute wären diszipliniert, und die Er- füllung ihrer Pflicht ist ihnen sozusagen zur zweiten 9iatur ge­worden.

Der Verfasser des erwähnten Artikels spricht auch von Dis­ziplin, der sich ein Militäranwarter auch nach Ablegung des Waffenrocks befleißigen sollte; dies wird er zweifellos tun auch ohne die Lehre, die ihm von einerundisziplinierten" Seite zu teil wird.

Gießen, 4. Januar.

Der Vorstand des Eisvereins wird hierdurch höfl. ersucht, wenn irgend möglich, die Eisbahn auch in diesem Jahr, wie ver­gangenen Winter, in den Abendstunden von 79 Uhr zu öffnen. Es sind gewiß nicht wenig Mitglieder, denen der Besuch der Eisbahn außer Sonntags nur in den Abendstunden möglich ist feiner für viele.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Donnerstag den 7. Januar, abends 8 Uhr, im oberen Kon- firmandensaale, Kirchstraße 9: Bibelstunde. Psalm 91.

Pfarrer D. Schlosser.