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6.1.1904 Zweites Blatt
 
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154» Jahrgang

Zweites Blatt

Erschein. täglich mit Ausnahme deS Sonntag-,

General-Anzeiger, Amts- und AnzeigeblaLL für den Kreis Gießen

Rotationsdruck und Verlag der VrühlNckk«» UnlversuätSdruckerei (Pteisch Lrb«j, Such«»

S)bLietzener Zamiltenblatter" werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.

Mittwoch «.Januar 1904 verantwortlich tüt den aflotmrtne» Ub P. Wttlko- tüt den ÄngelgenttUi & BedL

Are heutige Mmrner umfaßt 10 Seiten»

Aas moderne Japan.

Jetzt, wo alle Augen auf das asiatische Jnselreich Japan gerichtet sind, werden einige statistische Mitteilungen über das interessante Land unseren Lesern iniUtommcn sein. Vor einem Vierteljahrhundert noch, so lesen wir imFinanzherold"', ivacen uns die Japaner ein sagenhaftes Volk, von dem wir hauptsächlich seine hohe Zivilisation bezeugende Kunst kannten. Politisch spielten sie keine Rolle; erst seit dem chinesischen Krieg und seitdem sie mutig beni russischen Koloß in seinem Vordringen in Asien ein Paroli zu bieten versuchten, sind sie der westlichen Kulturquantite apprGciable geworden. Man braucht noch nicht jede Hoffnung aufzugeben, daß ein Zusammenstoß mit Rußland abgcwendct werden kann, wenn sich aber der Krieg nicht vermeiden läßt, so werden es die Russen mit einer sehr rcspektabelen Macht zu tun haben.

Wie sich die Verhältnisse in Japan seit Anfang der siebziger Jahre verändert haben, mögen folgende Daten be­weisen, die wir der Office de Statistique univei seile dAnvers entnehmen. In 1872 betrug die _ Bevölkerung Japans 38 Mill, in 1899 war sic bereits auf 44 V2 Mill, gestiegen, jetzt sollen bereits die letzten Zählungen 46l/2 Mill, ergeben haben, sie wäre demnach in 30 Jahren um unge­fähr 40% gestiegen. Auch der auswärtige Handel hat einen außerordentlichen Aufschwung zu verzeichnen. In 1872 be­trug der Export höchstens 18 Mill. Yen, (der Yen zu unge­fähr zwei Mark heutigen effektiven Wertes), in 1886 stieg er bereits auf 49 Mill. Yen und 1892 sehen wir den­selben 253 Mill. Yens erreichen. In 30 Jahren demnach eine Erhöhung von 1400%. Der Import hat ungefähr dieselbe Bewegung zu verzeichnen. Von 28 Mill. Yen in 1872 ist er auf 267 Mill, im Jahre 1902 angclangt. Aber auch die industrielle Tätigkeit dieses merkwürdigen Volkes hat Riesenschritte gemacht, überall wird der Mineralreichtum methodisch ausgebeutet und industrielle Werke nach europäi­schem Modell sind überall entstanden. In zehn Jahren von 18911901 ist die Kohlenproduktion von 3 Millionen auf nahezu 9 Mill. Tonnen gestiegen, die des Eisens hat sich vervierfacht und die-des Gold und der Manganerze verdrei- facht. Auch in der Fabrikation sehen wir ähnliche Fort­schritte; in erster Linie in der Textilindustrie, die einen solchen Aufschwung genommen hat, daß sie droht die englischen Waren nicht allein vom japanischen Markt, sondern auch von allen anderen Ländern des äußersten Osten zu verdrängen. In zehn Jahren ist der Wert der Baumwollwaren, die im Lande fabriziert wurden, von 5% Mill. List, auf 15 400 000 Lstr. gestiegen, der der Fayence und Porzellanindustrie von 36 000 auf 495 000 Lstr., der Streichhölzer von 257 000 auf 926 000 Lstr. Solche Resultate sind natürlich nicht durch die Privatinitiative erlangt worden, sondern auch hier haben die Japaner das Beispiel der westlichen Völker nachgeahmt und das System der Personen- und Kapitalienassoziation übernommen. Im Jahre 1899 existierten 2844 Handels­gesellschaften mit einem Totalkapital von 245% Mill. Yen, in 1900 giebt es 8588 solcher Gesellschaften mit einem autorisierten Kapital von 1 128 822 000 Yen; von diesen hatten nur 1793 Gesellschaften ein höheres Kapital als 100 000 Yen. Wie man sieht verfügen die japanischen Gesell­schaften über ein geringes Kapital, was ihre große Zahl er­klärt. Interessant ist auch die Entwickelung der Eisenbahnen. Es war anzunehmen, daß dieser wichtige Faktor der Ent­wickelung der Industrie und des Handels von einem Volk,

das so gierig jeden Fortschritt aufnimmt, wie die Japaner, nicht vernachlässigt würde. Die erste Eisenbahnlinie wurde 1872 zwischen Tokio und Yokohama gebaut, auf einer Distanz von 18 Meilen; dazu wurde die erste öffentliche An­leihe ausgenommen, die in London enuttirt wurde und 9 Prozent Zinsen trug. Zehn Jahre später besaß der Staat ein Retz, das bereits 114 Meilen aufwies, ein Jahr später, in 1883, wurde auch die Privatinitiative jum Bau von Eisenbahnen zugelassen und deren Erfolg war so groß, das; bald das Privatnetz das des Staates weit überragte. Im Jahre 1900/1901 waren im ganzen Reiche 949 Meilen Staatsbahnen, gegen 2906 Meilen, welche von Gesellschaften betrieben wurden, was einem Netz von 3855 Meilen oder 5200 Km. gleichkommt. Die gewöhnlichen Einnahmen des Staates, welche im Budget 1871/72 mit 24% Millionen Yen ausgewiesen waren, sind im Budget 1903,04 mit 232% Mill, vorgesehen. Das gesamte Einkommen des ordentlichen und außerordentlichen Budgets ist in derselben Zeit von 50% Mill. Yen auf 253 /2 Millionen Yens gestiegen. Trotz des großen und schnellen Aufschwunges seiner Einnahmen und der be­deutenden Kriegsentschädigung, die es von China empfing, hat Japan neue Schulden machen müssen, von denen ein Teil wohl durch die wirtschaftliche Ausstattung des Landes und die Ausführung großer öffentlicher Arbeiten gerechtfertigt ist. Aber auch die außerordentliche Tätigkeit auf dem Ge­biete der Bewaffnung hat große Summen verschlungen und bis zu einem gewissen Grade die Fortschritte, welche In­dustrie und Handel genommen haben, für den Staatsschatz neutralisiert. Die öffentliche Schuld, die in 1895 zirka 300 Millionen Yen betrug, war in 1902 bereits auf 545 Millionen gediegen, wovon 173 Millionen für öffentliche Arbeiten und Eisenbahnen und 116% Millionen für Kriegs­zwecke ausgenommen worden sind.

Es wäre schade, wenn ein Krieg jetzt diesen wunder­vollen Aufschwung des japanischen Volkes, dessen Fortschritte in allen Zweigen der menschlichen Tätigkeit niw mit den­jenigen der Nordamerikaner verglichen werden können, ein- dämmen würde. Hoffentlich werden die Japaner nicht ge­zwungen, das Schwert zu ziehen und ihre junge wirtschaft­liche Macht aufs Spiel zu setzen.___________________

Nolitische Tagesschau.

Fall Goerke.

Ein gewisser Otto Enerke hat in der sozialdemo- kratisch en Partei einen Skandal herausbeschworen. Tiefer Goerke gehört zu jenen Elementen in der Partei, die man als sozialdemokratische Unteroffiziere bezeichnen könnte. Diese Leute nehmen keine weithin sichtbare Fuhrer- stellung ein, aber für die Arbeit im Kremen, für die Orga­nisation und Agitation in-den einzelnen Wahlkreisen, ftnd sie von entscheidender Bedeutung. Ta sie rege und von Intelligenz sind, gelingt es ihnen gewöhnlich bald, sich vermöge ihrer Stellung unter den Parteigenossen aus dem Arbeiterstande herauszuheben und in allerlei Aemter zu gelangen oder auch, gefiü^t auf die Kundjchaft der Partei- genmien, irgend ein Geschäft zu unternehmen.

Zu die,em Untevoftczcerkorps der Charlottenburger Sozialdemokratie gehört der Buchdrucker erbe;itz er Otto Goerke. Gelegentlich einer seiner geschäftlichen Unter­nehmungen ist er offenbar mit seinen Helfershelfern unter den Parteigenossen in Konflikt geraten. Er hat fiel) infolge­dessen veranlaßt gesehen,in eigener Sache" eine Bro­schüre drucken zu lassen, in der die heftigsten Vor­würfe gegen dieGes chäf ts sozialist en" gerichtet werden, in der von denhaarsträubendsten Ge­

schichten" in der Charlottenburger Kran renkasse die Rede ist und in der von dertollen Korruption' int Charlottenburger Wahlverein erzählt wird. Die Broschüre ist nicht für die Oeffentlichkeit, sondern nur für einen internen Kreis gewisser Parteigenossen bestimmt. Ter Germania" jedoch ist ein Exemplar in die Hände geraten, woraus sie Auszüge gebracht hat.

Mr sind über die von dem Genossen Goerke enthüllten sozialdemokratischen Korrupllons Erscheinungen keineswegs criiaunt. Innerhalb einer solchen Bewegung kommen eben von unten heraus- von Hause aus ganz anständige und ehrbare Leute zu Stellungen und Einfluß, ohne daß sie ihrer neuen und erhöhten Position gewachsen wären. Daraus ergeben sich dann ebenhaarsträubende Geschichi- ten" undtolle Korruptionen".

Zu den Korruptionserscheinungen der Sozialdemokratie aber gehört unseres Erachtens keineswegs nur das, was! derGenosse" Goerke enthüllt, sondern ganz beionders auch dieserGenosse" Goerke selber. Tie zur Reit noch nicht für die Oeffentlichkeit bestimmte Broschüre Gaertes ist nichts anderes, als eine Art literarisches Revolver^ attentat. Ter Mann sagt eben seinen Parteigenossen: Entweder Ihr fügt euch meinem Willen, oder icrj schreße los, d. h. die Broschüre, deren Satz noch steht, fliegt in zehntausend Exemplaren durchs Land." So versteht der Genosse" und Buchdruckereibe,cher Goerke zugleich seinen Willen durchzusetzen und sein Geschäft wahr.unehrnen. Da nun aber offenbar der Mann allzuviel weiß, wird er sicherlich seinen Willen durchsetzen. DerVorwärts" be­handelt den Fäll Goerke in einer Weise und in einer! Sprache, daß man fast von Höflichkeitsbezeugungen reden lann, die dem Attentäter durch das sozialdemokratische; Zentralorgan erwiesen werden.

Keer und Sftotte.

Münch en, 5. Jan. Tie Korrespondenz Hoffmann schreibt: Bei verschiedenen Aeußerungen in der Presse über die in Preußen jüngst erfolgten Aenderunngen der Offiziers-Uniformen wurde auch angeregt, die Neuerungen bezüglich der Rüllensalte am Offczierspaletot und des Tragens der Achselstücke auf dem Paletot möchten in Bayern nid)! mitgemoc-,t werden. Tab ei wurde auf den Wortlaut des Abschnittes 3 und 5, Ws. 3 des Bündnis- Vertrags vom 23. ydovember 1870 hingewiesen: Bezüglich der Bewaffnung und der Ausrüstung sowie der Grad-» abzeichen behält fick) die königl. bayrische Regierung bie, Herstellung der vollen Uebereinjtimmung mit dem Bundes­heer e vor. Tiefer Vorbehalt hat hinsichtlich der Grad- abzeichen feine Erledigung durch die Uniformbeftimmungen vom Jahre 1873 gesunden, deren Ziffer 5 mit folgendem Satze beginnt: An Stelle der bisherigen Rang-und Grad­abzeichen treten die Rang- und Gradaozeichen analog mit jenen des Bundesheeres, jedoch mit den bayrischen Landes- faiben und Hoheitsabzeichen. Es ist wohl selbstverständlich daß die nicht nur auf das betreffende Bundesdontingent beschränkte, sondern für das ganze Reichsheer in Geltung stehende Vorgesetzteneigenschaft der Offiziere usw. auch eine übereinstimmende Trageweise der Rangzeichen im Retchs- heere erfordert. Tie Rückenfalte im Lchfizierspaletot ist für die bayrische Armee überhaupt nichts Neues. Sie. ist in den erwähnten Uniformbestimmungen vorn Jahre 1873 (Figur III, Zeichnungsbeilage 19) schon enthalten. Tieje Bestimmung ist heute nock) in Geltung.

Aus Siaö! uii) KauS.

Gießen, den 6. Januar 1908.

** Die Deputation zur Ueberreichung der Geburtstags spende für d en Gr o ßh er zo g bestand nach denN. H. Vbl." aus folgenden Herren: Sr. Erl. dem

Feuilleton.

Die97ordd. Allg. Ztg." schreibt: Der Kaiser stellte bekanntlich gelegentlich des Frankfurter Gesang- wett st reite s die Veranstaltung einer Sammlung deutscher Volkslieder in Aussicht. Rackst) em die vor- Dcreiienben Schritte geschehen, ist zur Turchführung der Aufgabe neuerdings von allerhöchster Stelle eine geeignete Organisation geschaffen worden. Sie besteht aus einer Arbeitskomlnisscon und einer größeren beratenden Kom- . Mission. Neben deutschen und niederländischen Volksliedern sollen steyerische, tiroler und sonstige österreichische wie deutsch-schweizerische Volkslieder in der Sammlung Aus­nahme linden. Beide Kommissionen stehen unter dem Vor­sitze des Wirk. Geh. Rates Frhrn. v. Lilleneron zu Schl.s wig. In der Arbeitskommission sind außer Frhrn. von - Lilieneron Musikdirektor Hummel-Berlin, Professor der Musikgeschichte Friedländer-Berlin, Oberlehrer Pwflssor Bolte-Berlin und der Direktor der Berliner Singakademie Professor Schumann. Der beratenden Kommission gehören zufolge Allerhöchster Ernennung außer dem Vorsitzenoen an: ft'up-Umä,.er Be.e.-K. ss l, Hchm s kd r kt.r C..r s ^r un- fajiueig, Professor Fleisch-Franksurr a. M., Professor Törst- ler-Stultgart, Komponist Hegar in Flunter n-Zür ich, der Chormeister des MännergesangvereinsSchubertbund", Kirche-Wien, der Komponist Koschat^Wien, Musikdirektor Krakamp-Bonn, der Chormeister des Wiener Münner- gesangvereins Kremser, Universitäts-Pro fester Kretschmar- Leipzig, Professor Krug-Hamburg, Generalmajor Graf Moltke, Professor Ochs-Berlin, der Generaldirektor der kgl. Hofmusit in München Fuhr. v. Perfall, der Geh. Oberregier­ungsrat Friedrich Schmidt-Berlin, Professor Felix Schmidt- Berlin, Professor Scholz-Frankfurt a. M'., Generalmusik­direktor Schuchs-Tresden, Prosestor Schwarz^Köln, Profestor Sitt-Leipzig, Gymnasialdirektor Thourer-Friedenau und Professor Volbach?-Mainz. Der Zusammentritt beider Kom­missionen steht unmittelbar bevor.

DieZeitschrift für bildende Kunst" (Leipzig, E. A. Seemann) trat mit Oktober in ihren 39. Jahrgang. Es ist gewiß eine Seltenheit, daß sich eine

Fachschrift so lange hält und auf ihrer Höhe bleibt. Der Zeitschrift für bildende Kunst" aber darf man nachisagen, daß sie mit höheren: Alter immer weiter fortgeschritten ist, daß sie an Vielseitigkeit unübertroffen dasteyt und dag sie mit gleicher Liebe und Gerechtigkeit sowohl der Kunst alter Zeiten, wie den jüngsten Entwickelungen unserer eigenen Zeit gegenüber steht. Ursprünglich wesentlich ein Organ für wissenschaftliche Forschung, hat sie den auf diesem Gebiete errungenen Ruf festzuhalten gelvußt, gleich­zeitig aber auch so viel Geschmeidigkeit besessen, mit der lebendigen Entwicklung in immer innigere Fühlung zu kommen. Durchblättern wir die letzten Hefte, )o swßen wir (um die modernen Artikel hervorzuheben), auf. einen Aufsatz über Manet anläßlich, seines zwanzigsten Todes­tages; auf eine überaus liebevolle, mit künstlerischer Frische getriebene Würdigung Zorns von Walter Leistikow; auf eine ausführliche Arbeit über neuere Strömungen in der dänischen Malerei. Auch Entdeaungen bisher noch un­bekannter oder doch wenig bekannter Künstler werden ge­macht. So schildert uns K. E. Schmidt, unterstützt von überredendem Abbildungsmaterial, den in Paris lebenden ganz nach neufranzösisck-er Art tätigen englischen Litho­graphen und Maler Bclleroche, einen Künstler von un­zweifelhaft starkem Naturell. Und ein junger deutscher Radierer, Heinrich Reifferscheid, wird mit kaum minderer 22<irme geschildert und in mehreren Leistungen vorgeführt, wie der c<uerfannte Meister dieser Kunst Karl Köppmg. Die Kunstbeilagen, die neben vielen Textabbildungen diese Aufsatze begleiten, stehen auf besonderer Höhe, sind zum Teil "farbige Wiedergaben, zum Teil lithographische und radierte Originalarbeiten. Verbunden mit den zwölf Monatsheften sind dreiunddreißig NummernKunst­chronik", sowie vierzig Nummern einer neugegründeten, höchst dankenswerten Rubrik, die mit aufmerksamen Späher- augeu die lausenden Erscheinungen desKunstmarktes" beobachtet und ankündigt. Alles dies zusammen lostet halb- chhrlichl nur 16 Mk. Dr- Tr-

Radium-Industrie. Aus dem Berichte des amerikanischen Generalkonsuls R Gnenther in Frankfurt a. M. entnehmen wir folgendes: Trotz der Schwierig­

keiten in ihrer Herstellung (man braucht viele Tonnen. Erz, um ein Gramm zu produzieren) hat sich eine Radium- Industrie bereits in Deutschland und Frankreich entwickelt, und obgleich ein Gramm mit ungefähr 2000 Doll, bezahlt wird, so sollen doch die Fabriken Aufträge über mehrere hundert Gramm besitzen. Tie Nachfrage für Heilzwecke über­steigt den Vorrat. Das Radium besitzt alle die wichtigen Eigenschaften der Röntgenstrahlen, sowie die unschätzbare Eigenschaft, zn jeder Zeit für den Gebrauch bereit fein und seine Strahlen ohne Anwendung eines Apparates zu liefern. Es ist bewiesen worden, daß eine kleine Glas­tube, nicht größer als ein Gänsekiel, welche etwas mehr als ein tausendstel Gramm enthielt,^ für die Behandlung von Krebsgeschwüren ebenso erfolgreich war, ivie ein kost­spieliger und komplizierter elektrischer Apparat, unb sogar noch die besten Erfolge der Rönigenstrahlen übertraf. Dre Leichtigkeit, mit welcher Radimn örtlich gehandhabt wer­den kann, so z. D. in dec Nase oder Kehle, ist ein unschätz­barer Vorzug. Die Tatsache, daß Radium einen besonderen Einfluß auf lichtausströmende Körper ausübt, hat die Hoff­nung erweckt, daß es eventuell eine wichtige Rolle in der Industrie der Leuchtkraft spielen könnte. Eine winzige Quantität Radium genügt, um von einer Schicht Zink­schwefelkies ein helles Licht zu erhalten, und drescs Ächt erzeugt keine Hitze, sodaß ein rlrastverlust ausgeschlosien ist. Leider haben die Radiumstrahlen dre gefährlrche Eigen­schaft, die Haut zu gefährden, da sie starke Brandwunden! Hervorrufen.

Aus Frankfurt a. M. wird geschrieben: Im Opernhaus gab's am Sylvesterabend eine Premiere. Allerdings brachte uns der Zufall' Millöckers burleske OperetteApajune" um beinahe ein Bierteljahrbun. bert zu spät, aber wir sind wirklich wahrend biejeS Zeit­raums durch die leichtgeschürzte Muse nicht derart ver­wöhnt worden, daß man an diesem Spielchen mit feinen vielen musikalischen Schlagern nicht nock> Vergnügen haben könnte. Im übrigen paßte es ganz gut zur Sylvester­stimmung und wurde ausgezeichnet wiedergegeben. Frl. Kohenleitner hat uns selten so gut gefallen, wie in der Rolle der Nalalitza, die sie sehr hübsch fang und spielte