Ausgabe 
5.11.1904 Erstes Blatt
 
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Samstag L. November 1904

134. Jahrgang

Erstes Blatt

Pie Heutige Hlummer umfaßt 16 Seiten.

y an dlun gen mit Deutschland sind b een d eL Der Vertrag kann als abgeschlossen betrachtet werden. Die Unterzeichnung wird in den nächsten Taigen stattfinden. Der Inhalt des Uebereinkommens wird erst bekannt ge­geben, wenn auch die Verhandlungen Deutschlands' mit Oesterreich beendet sind. Ms Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Vertrages wird der 1. November 1906 bestimmt. Seine Tauer wird auf 12 Jahre bemessen werden.

Wien, 5,. Nov. In der heutigen Nachtsitzung des niederösterreichischen Landtages', in der das Budget beraten wurde, kam es wieder zu wüsten Lärm- szen en. Ter CchristlichsoMle Schneider rief, die letzten Demonstrationen seien von böhmischen Lausbuben in­szeniert worden. Ter Sozialdemokrat Seitz erwiderte mit einer Anspielung auf Schneiders Alkoholvorliebe. Solange! es Alkohol gebe, werde es auch Schneider geben. Schneiden stürzte mit erhobener Faust auf Seitz. Der Schlag sauste auf den nebenstehenden Antisemiten Gruber nieder. Seitz griff nach dem Revolver, den er wegen antisemitischer Drohungen in der Tasche tragt. Die Streitenden wurden getrennt. Es gab ungeheure Tumulte. Die Galerie, die gegen Schneider demonstrierte, wurde geräumt, schließlich wurden um Mitternacht Seitz und Schneider ausgeschlossen.

Mehener Anzeiger

General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Wort Arthur.

London, 4. Nov. Reuter-Bureau meldet aus Schang­hai: Der Angriff auf Port Arthur dauert mit un ge­schwächter Kraft fort. Die Verteidigung wird weiter hartnäckig und entschlossen geführt. Der nördliche Teil von Kikwanschan ist genommlen und wird trotz des heftigen Feuers' der Russen gehalten. Ein im Innern der Wert ei di gun g slinie gelegenes Fort wurde am 2. November durch Explosion eines Pulvermagazins zerstört. Die Ber- luste der Belagerer sind dem Vernehmen nach überaus groß. Es wird geglaubt, die russische Flotte vor Port Arthur werde noch einen Vierfach machen, zu entkommen.

Schanghai, 4. Nov. (Reuter.) Hier verlautet, die Japaner nahmen sämtliche Hauptpositio­nen im Nordosten der Festung Port Arthur ein. Dem britischen DampferViktoria" gelang es, die Blockade von Port Arthur mit voller, aus Rind fleisch bestehender Ladung zu brechen.

L o n d ö n, 4. Nov. Reuters Bureau meldet aus Tschifu: Hier eingetroffene Chinesen, welche Dalnh gestern ver­ließen, berichten, Scharen von! iw der letzten Schlacht ver­wundeten Japanern passieren Dalnh. Frische Truppen seien auf dem Marsch zur Front. In Dalnh wird die Zahl der in den letzten drei Monaten gefallenen und ver­wundet en Japaner allgemein auf 40000 angegeben. Andauernd erhält sich 'das Gerücht, d- die Japaner Erlungschan und gewisse Außenwerke von Kikwan­schan nahmen, doch werden von gut unterrichteten Ja­panern diese Gerüchte für verfrüht gehalten.

Paris, 4. Nov. Der Sohn des Generals Stössel erhielt hier eine von Ende Oktober datierte Nachricht seines Vaters, wonach Port Arthur sich noch lange halten könne, wofern nicht unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten.

London, 4. Nov. Während Tokioer Tepeschen den Fall Port Arthurs nahe bevorstehend bezeichnen und melden, daß das letzte Fort auf der Ostseite der Stadt sich in den Händen der Japaner befinde und fünf russische Schiffe auf der Rhede mm Sinken gebracht worden seien und ein Teil des Süd­westens der Stadt brenne, drahtet der Tschifner Korrespondent des ,Daily Telegraph", daß der japanische Sturman­griff zurückgeschlagen worden sei. Tie Japaner nahmen viele Laufgräben vor den Forts ein, vermochten aber nicht, sich der Forts selber zu bemächtigen. TieVerlustederJapaner seien größer als je. Tie Japaner in Tschifu räumen em, daß sie schlechte Nachrichten empfangen haben. Ter Kampf müsse fortgesetzt werden. Es werden Verstärkungen nach Talny ge­bracht. Tas Bombardement sei'so heftig, daß die Straßen Dalnys so zittern, als ob ein Erdbeben stattfinde. Durchschnittlich kommen täglich 300 V'wwundete in den Hospitälern an.

London, 4. Nov. Tas höchst unzuverlässige BlattControl News" berichtet: General Stössel telegraphierte dem Zaren, daß er einen letzten Versuch gemacht habe, die ä n ß e rot F e st - ungswerke zu verteidigen und daß er beabsichtige, sich mit 10 000 Mann auf Liaotischan zurückzuziehen. Alle K r i e g s- schiffe, mit Ausnahme desPobjeda", seien gesunken, der Sewastopol" undPereswjet" ragten zwei Fuß aus dem Wasser hervor. Mehrere Kriegsschiffe seien in Spitäler umgewandelt. TerRetwisan" sei bei einer Feuersbrunst zerstört worden, wobei mehrere Matrosen umkamen. ~

Tschifu, 4. Nov. Wie verlautet, ließen die Japaner mittels Dampspumpen große Mengen Seewasser in die Schanzen vor Port Arthur. Bei einem Ausfall am Oktober gerieten 20 0 Russen in Gefangenschaft.

*

fflitrj vor Schluß der Redaktion geht uns noch folgende

Depesche zu.:

London, 5. Nov. Ein Berichterstatter des Reuterschen Bureaus telegraphiert mit Genehmigung der Senfur aus Bort Arthur einen ausführlichen Bericht über die Belagerung, über deren verschiedene Stadien bisher nur äußerst verwirrte Ideen aus den Schilderungen chinesischer oder mehr oder weniger zu­verlässiger Flüchtlinge gebildet werden konnten. Erst letzt ge­winnt man ein Bild der Größe der den Japanern gestellten Aufgabe. Ter Bericht schildert, wie Tag für Tag, Woche für Woche die Japaner die russischen Stellungen und Forts zu er­stürmen versuchten, wie sie immer wieder zurftckgeschla- gen wurden und immer wieder zum Angriff vrnaingen, bis die Anstrengungen von einigen, oftmals nur geringen Erfolgen, im Vergleich zu den Opfern, gekrönt waren. Eine der schlimmsten Wochen war die vom 19. bis 24. August, in der die V e r «= lüfte der Japaner 14 000 Mann betrugen. Die ruffc1 scheu Scheinwerfer und Sternraketen trugen dazu in großem Matze bei, die schwer gewonnenen Laufgräben unhaltbar zu warnttL Auf der ganzen Linie kämpften die Russen in tiefster Dunkelheit, während die Japaner das äußerst blendende Licht der Schein­werfer und Sternlichter direkt im Gesicht hatten. Bei. Tages­anbruch am 23. August eröffneten die Japaner ein sthc tiges Feuer: über 400 Geschütze wüteten gegen die russischen Befestigungen: die Russen antworteten mit einem so furchtbaren Schrapnellseuer, daß es die Angreifer dezimierte und Mang, sich in der Nacht auf den 24. August in das Tal unterhalb der genommenen Forts zurückzuziehen. Tas ganze Resultat des tägigen Angriffs war die Besitznahme des Forts Banjusau, dav den Japanern das Fußfassen aus dem Bergrücken ermöglichte. Tie Japaner unterschätzten augenscheinlich Stössels Geschick und den entschlossenen Geist der Besatzung. Niedergeschlagen durch den zurückgeschlagenen Angriff und die schweren Verluste, entschlossen sich die Japaner zum Angriff mit Sappen und Parallelen. Bis zum 8. September versuchten die Russen täglich das Baujusanforts wiederzuerobern. Tie Japaner nahmen ihre Zuflucht zu Knegs- listen. Sie benutzten unbesetzte Laufgräben und Kasematten, die sie Nacht für Nacht wiederherstellten, wenn sie am Tage zerstört wurden. Tie Japaner erbauten ferner ein System von parallelen Belagerungsarbeiten vom 25. August bis zum 18. September fort­gesetzt. Tie Russen machten Ausfälle und griffen die arbeitenden Arbeiten fast jeb« Nacht an, während sie sie am Tage beschossen. Als sich die japanischen Laufgräben den Verhauen am Fuße des Hügels näderten, auf dem die Forts stehen, wurden die Anö- fälle häufiger und entschlossener. Pardon wurde weder gewünscht noch gegeben. Tie heftigste Kampfeswut entbrannte, selbst Kranken- träger wurden getötet. Der Grund zu diesem Vorgehen lag tu her Angabe der Russen, daß die Forts beschossen wurden, wäbrcnd

Aus Stadt und Land.

Gießen, 5. November 1904.

* Ein Schreiben des Großherzogs über bett Wormser Synodaltag. Bei dem Vorsitzenden deZ Wormser SynodaltagS ist nachstehendes Schreiben Sr. König­lichen Hoheit des Großherzogs eingetroffen:

Die an Mich gerichtete Kundgebung des Wormser Synodal- tags hat Mich herzlich gefreut, weshalb ich diesen Weg wähl», um Ihnen Meinen Dank auszusprechen, welchen Sie den Teilnehmern freundlichst zur Kenntnis bringen wollen. Es hat Mir eine be­sondere Genugtuung gewährt, daß der Synodaltag, im 400 jährigen Erinnerungsjahr an Meinen Ahn Philipp den Großmütigen, in Meiner treuen Lutherstadt Worms, den Beschluß gefaßt hat, boä Genüge mit dazu beitragen zu wollen, um den engeren Zusammen­schluß der evangelischen Landeskirchen in Deutschland herbeizuführen.

Ernst Ludwig.*

Zu den Stadtverordnetenwahlen.

Als Nachfolger des Geh. Rats Dr. Gaffky für die Stadt­verordnetenversammlung und insbesondere als Ersatz in der Baukommission ist von verschiedenen Seiten Medizinatrat Dr. Haberkorn genannt und empfohlen worden. Bezüglich dieses Vorschlages, den man nur begrüßen kann, bestanden Zweifel nur insofern, als man vielfach nicht wußte, ob ein Kreisarzt überhaupt wählbar fei. Aus verschiedene Anfragen haben wir uns bei zuständiger Stelle erkundigt und erfahren, daß Bedenken gegen die Wahl eines Kreisarztes als Stadtverordneter nicht bestehen.

Gestern abend fand in der Restauration von Hermann Otto eine von über 70 Personen besuchte Versammlung des Wahlbezirks Seltersberg und Riegelpsad statt. Bauunter­nehmer Winn lehnte, nachdem er einstimmig vorgeschlagen worden war, die Kandidatur ab. Nach sachlich geführter De­batte wurden folgende Kandidaten aufgestellt: Eichenauer, Gabriel, Dr. Gutfleisch, Medizinalrat Dr. Hab er körn, Haubach, Gg. Hebstreit, Fr. Helm, Heichelheim, W. Hornberger, Gg. Simon, Kirch, LooS, Krumm, Petri, Wallenfels, Prof. Dr. Wimmenauer. ES wurde auch beschlossen, einen Süd-West-Verein zu gründen, welcher demnächst ins Leben treten wird.

Die von der ersten Bürgerversammlung im GasthauS zum Löwen eingesetzte Wahl-Kommission hat irr mehreren engeren Kommissionssitzungen und gemeinsamen Be­ratungen mit den verschiedensten wirtschaftlichen und Standes- vereinigungen, von denen bereits kurz berichtet wurde, eine Kandidatenliste für die Stadtverordnetenwahl nunmehr festgestellt. Man ist übereingekommen, so schreibt unS daS Komitee, die ausscheidenden zehn Herren in dankbarerAnerkennung ihrer verdienstlichen Tätigkeit im Stadtamte sämtlich wieder zu empfehlen. Von den außer ihnen in Aussicht genommenen Herren lehnte der als Vertreter der Universität zuerst nomi­nierte Geh. Medizinalrat Professor Dr. Bostroem auf Be­fragen aus Berufsgründen leider ab und statt seiner wurde der ebenfalls der weiteren Universität angehörige und als Gießener Kind mit den Verhältnissen ber Stadt wohl vertraute Bibliothekar Dr. Ebel m die Liste ausgenommen. Auch auf die anderen Berufskreise wurde Rücksicht genommen und als Vertreter des Handwerks Schlossermekster Martin Dörr, als Nachfolger deS verstorbenen Stadtverordneten Hanau Max Friedberger, für die Groß­industrie August Gabriel, aus den Kreisen der national gesinnten Arbeiterschaft Lackierer Ritzert aufgestellt. Die an dem Ausfälle der Wahlen gleichfalls intereffierte Landwirt­schaft findet nach der Meinung der Versammlung in Oekonom- Simon ihren geeigneten Vertreter.

Wir erhalten noch die Mitteilung, daß der nationallibe­rale Verein seine General-Versammlung zur Aufstellung der Kandidaten Qin kommenden Dienstag am & b. MS. abends

Uhr im oberen Saal ded Casö Edel abhalten wwd.

** S. K. Hoheit der Grotzherzog reiste gestem nachmittag nach Mainz zur Teilnahme an der Emwechung des Offizierkasinos des Infanterie-Lelb-Rcglments Nr. 117. Im Gefolge befanden sich Generaldajutant Generalmasor von Wachter und Flügcladjutant Hauptnmnn Frhr. Schäffer von Bernstein. Die Rückkehr nach Wolfsgarten erfolgte gestern abend. Heute, Samstag, werden Ihre Königl. Hoheiten

Nr. Ä61

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Ausland.

Paris', 4 .Nov. (Kammer.) Tus Haus imb die Tribünen sind stark besetzt. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die FnterpcUalionen über die Angeberei tm Heere, Guyot de Virieneue (nationalistischer ReMblr- kauer) erklärt: Die Tatsachen, die er am Freitag tn der Kammer zur Sprache gebracht hat, seien als richtig erkannt worden. Der Kriegsminister habe gegen die Schuldigen keine Maßregeln ergriffen und nrüsse dafilr veranlwortsich gemacht werden. Redner fügt hinzu, es sei ertoiefen, daß der Kriegsminister am Freitag nicht die Wahrheit gesag. habe. Nach langer, höchst stürmischer Debatte verlangt der Radikale Martin die Priorität für die Dagesordnuüg der Mehrheits'parteien, die auf die Negierung rechnet für bte Verteidigung der republikanischen Grundsätze in der Urmee. Ter radikale Dissident Vazeille verlangt einfache Tages­ordnung, womit die Debatte am' vorigen Freitag abge­schlossen wurde. Me einfache Tagesordnung wird abgelehnt, doch beträgt die Regierungsmehrheit nur zwei Stimmens Die Priorität für die von der Regierung akzeptierte Tagesordnung Martin wird mit 28fi gegen -.76 Stimmen angenommen. Man will zur Wstimmung über den ersten Satz der Tages'ordnuW Martin schreiten, als der Nationalist Losies das Wort erbittet, um über den beson­deren Fall eines Offiziers Mskunft zu verlängern Der Krie qsminister antwortet. Wie er von der Tribüne yerabsteigt, Mrzt der Nationalist Syveton auf ihn zu und schlägt ihn zweimal ins Gesicht. Das ganze Hans Mrzt nach der Mtte, wv sich ein wirrer Kamps entspinnt. Der Präsident Brisson bedeckt sich, die Sitzmrg wird siispendiert und die Tribünen werden geleert. Der Wiederbeginn der Sitzung schlägt Brisson die Zensur gegen Syveton mit Ausschluß für 30 Sitzungen vor. Mr Vorschlag findet Annahme. Da S. nicht freiwMg geht, führt,ihm die Palastwache hinans. General An dr s-hat eine ziem­lich sta rke und blntende Hautgusstschun g an der Schläfe davongetragen, wahrscheinlich weil er unter ber Wucht des Schlages mit dem Kopf auf daS Pult gestoßen wurde. Syveton sieht einem1 Strafverfahren entgegen.

Der ehemalige bonapurtistische Deputierte Paul de Gassagiiac, Verleger derMtoriiS", ist ge storben. In Cassag'.iac hat die französische Republik emcn ihrer leibenschastlichsten Gegner verloren und die bonapartisdsche Publizistik einen ihrer fähigsten Kopse. Paul Cassagnac hat ein Alter von beinahe 67 Jahren-erreicht

Zürich, 4 ,Nov, Die Handel svertrag^Sver-

ein Parlamentarier unter weißer Flügge die Botschaft des Kaisers vom 16. August überbrachte. Tie Erbitterung gegeneinander wuchs noch. Keine Flagge wurde später mehr erkannt. Pioniere, die die Trähte der Verhaue abschneiden sollten, hatten schwere Ver­luste; dies gab Anlaß zur Erfindung mannigfacher Listen. In einigen Fällen gingen die Pioniere vor und fielen wie tot dicht bei den Verhauen nieder und blieben regungslos liegen, bis die Aufmerksamkeit der Russen nachließ. Tunn schoben sie sich auf dem Rücken liegend unter den Trähten dzirch und durÄ- fchnitten diese mit langen Scheren. Wenn miß­

lang, wurden Pulversäcke an Bambusstangen unter die Verhaue geiührt und entzündet, sodaß so die Verhaue zerstört wurden. D y n a m i t b o m b e n wurden von den Russen gegen die stür­menden Japaner angewandt, von den Japanern gegen die russischen Laufgräben und Außenwerke. Wenn die Verwendung von Handbomben unmöglich war, gebrauchten die Javaner iniprovisierte B o m b e n m ö r f e r, die Bomben 50 bis 100 Pards weit schleuderten. Tie schwersten Geschütze, die die Japaner anfangs zur Stelle hatten, waren 4,7-zöllige Schiffsgeschütze. Aber gegen Ende August kamen sechszollige Geschütze hinzu. Am 14. September trafen einzöllige Haubitzen ein. Sehr bemerkens­wert ist, daß trotz der ständigen mörderischen Zurückweisung stets zahllose Freiwillige zu den verwegensten Unternehmungen, ja zu dem sicheren Tode bereit waren. Am Abend des 19. September begannen die Japaner den Angriff aus den 203-Meter-Hügel und auf die Namaokayaniakmqel. Aber trotz mehrerer Stürme an den folgenden Tagen, die 2000 Mann kosteten, konnten die Japaner das voraeschobene Fort auf dem 203 Meter- Hügel, eine außerordentlich starke Stellung mit Drahtgeflecht und Schanzgräben, mcht einnebmen. Ter letzte Teil des Berichts be­schäftigt sich mit den Beschießungen der Forts durch die Japaner und den Llusfällen der Russen bis zum 27. Oktober.

Deutsches Reich.

Stuttgart, 4. Nov. Tie vom Könige zur Wiedereröffnung des Landtages verlesene Thronrede weift darauf hin, daß eine der wichtigsten Aufgaben des nächsten Landtages die Ver­fassungsreform sein werde, nach welcher die Mitglreder der beiden Kammern ausschließlich aus dem gleichen, direk­ten und geheimen Wahlrecht hervorgehen sollen, zugleich soll die Kammer der Standesherren eine zeitgemäße Neuerung erfahren. Tie Thrornede stellt sodann außer dem Gemernde- Reformgesetz und der Hoftheatervorlage, Gesetzentwürfe zum Um­bau der Bahnhöfe in Stuttgart und Comrstadt, über den Bau einer linksufrigen Neckarbahn, ferner einen Gesetzentwurf zur Besserung der Gehälter der Volksschullehrer und in Verbindung bannt einen Entwurf zur Abänderung des Volksschulgesetzes, in Aussicht. Auch soll ein Gesetzentwurf über die Vahnemheiten vorgelegt werden. Tie übrigen Vorlagen sind von minderem Belang. _ ,

München, 4. Nov. Mit großer Spannung sieht man hier den kommenden Wahlen entgegen. In ganz Bahern regt es sich und bedrohliche Anzeichen deuten auf Sturm. Handelt es sich doch in der Hauptsache darum, das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zu erlangen. Tie Regierung wird wohl von ihrer Absicht der Mänderung der Wahlkreise mmt ab- fffihi-n. Mit ihren Vermittelungsvorfchlägen ist sie in der letzten Session gescheitert, und so wird sie die Sache diesmal walw- scheinlich schlauer anfanssen. Sie beharrt fest auf ryrem Stand­punkt, daß die Abänderung der W a hl kreis einteil- ung lediglich Sache der Staatsregierung sei und daß der Landtag nichts hineinzureden habe Sie wird daher die ganze Wahlkreiseinteilung aus dem ^lesetzentwurse herauslassen und falls der Entwurf angenommen ist, die Wahl- n:eiseinteilung nach eigenem Ermesien vornehmen. Jedenfalls wrnd der Kamps sehr heiß werden und man sieht mit großem Interesse der Entwickelung der Tinge entgegen.