Ausgabe 
5.10.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. TA4

Zweites Blatt

Erscheint SÄgllch mit Ausnahme des Sonntags.

DieSiebener 5amilienv!3tter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^Hessische rcmdwirf erscheint monatlich einmal.

154. Jahrgang Mittwoch 5. Oktober 1904

jBKW Rotatt-msdruck und Verlag der Brühl'schen

pH Ai A Unt-ersitLCdruck-ret, R. Lange. Meße«.

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General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Areis Eichen.

WSW

zweite Lesung der GesetzenttmrrfeS betreffend Freihaltung res ÜeberschslvemlmungStzebieteS bet Wasserläufe.

^arlamevtarisches.

Wslitische Tagesschau.

Zur Psychologie deS Gefangene«.

im ----- .- ---------- 1 --------.

Gießener StaAtyealer.

Der Talisman".

Dramatisches Märchen von Ludwig Fulda.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 5. Oktober 1904.

* Ordensauszeichnung. Se. Hoh. der Herzog van Anhalt haben dem Postdirektor Jäger m Bad Nauheim das Ritterkreuz 1. Klasse des Herzog!. Anhaltstchen- Hausordens Albrechts des Bären verliehen.

- Personatveränderungen der O der.Post- direktion Darmstadt. Versetzt sind: Die Ober-Post- praktikanten Staedler von Bad Nauheim nach Dortmund, Bient von Hamburg nach Bad Nauheim, Schilly von Bad Nauheim nach Berlin, der Postverwalter Gu ihrer von Ehringshausen nach Wieseck und der Postassistent Lapp von Mainz nach Ehringshausen unter Ernennung zum Post- vermalter. Bestanden hat die Postsekretärprüsung der Ober-Postasststent Drescher in Gießen. Verliehen wurde der Charakter als Postsekretär dem Postverwalter Weiß in Altenstadt. Freiwillig auSgeschieden sind die Postagenten Dorfeld in Wieseck und Querengasser in Offstein.

** Stadttheater. Wie wir hören, hat sich nach dem schönen Erfolge der Eröffnungsvorstellung noch eine weitere, lebhafte Nachfrage nach Abonnements eingestellt. Sehr zu

Berlin, 4. Oft Die Kanal-KoMmission des Abgeordnetenhauses wird mit1 19. OA. önsanunen- treten Auf der Tagesordnung steht zunächst die Woi> Legung des Berichtes über den Gesetzentwurf betreffend

Weicht Wirkm^ hattt die Hast auf Ihre geistigen und seeli- auf tab religiöse Leben, auf dre beruf- lül-en Fähigkeiten, auf gesellschaftliche Neigungen, Märsche An­schauungen, auf Arbeitsamkeit, Sparfamkeitstrreb, Familienstnn, Liebesleben, auf Logik, schriftlichen Stil (Jnturtwn?), aus von ^bnen zugegebene verbrecherische Anlagen, auch solche, dre vrel- leicht mit dem vorliegenden Straffall nicht rn Berbrndung g 1 it°IFug1 hatte dre Hast in körperlicher Hinsicht: auf

die Verdonungsorgane (Anstaltslost?), aus bas ^hvernrögen, auf die Atmungsorgane (Tuveriulose), aus Blutzm anmrensehmrg (Anämie), auf das Geschlechtsleben? Wre ertrugen «re Gnt- wöbnuna von geistigen Getränken, von Kaffee usw. und Taoat?

^Wre wirkte nach Ihrer Ansicht die Cinzelh^, wre dre Gem^w schaftshaft, beide miteirurrcher veralrchen, auf Sie? Welchen Em- L-.a bet Anftaltsgeistlübe, die Anstaltsbeamten, der Lehrer, d^ aut Sie welchendie Behandlung durch das niedere Personal? Wclck>e Förderung oder diachterle bra^e Äuen dre Anital warb eit? Mft welchen Büchern und ^-chrrften beichästrgten hVn qhVWhmben? Was können Sie nntterlen über R^ie ^-luchttoaiig, Langemeile, über Kunstfertigkeiten, bi- sich ta L ShGu bei Ihnen entwickelten? Ueb» ,d-- und llmgLhung des Schweigegebots (Klopftelegvaphre) ? Ueoer zichlinar^trafen? , . . ki.wrv.ua ninss^nscbaftlicben und

Keer und Motte.

^n Lindau ist der bekannte Militär- und Romanschrift- üeller Hauptnrann a. D. T a n e r a, in München der frühere Hauptmann und Mslitärfckriftsteller Hugo Arnold, der auch eine Zeit lang Redakteur derAllg. Ztg. war, gestorben.

handene Kleid und rühmen den schönen Schstrttt, die leucht

Ur^^der König? Er sieht es nichjt! doll er cm «ifteft. Betrug Omars glauben? Dann wären alle Großen seines Hofes Dummköpfe oder. Bösewichter und er selbst der größte Tropf, denn er hat sie berufen und stets geglaubt, sein Königsauge finde die rechten Leute. Und dumm darf er, der, seiner maßgeblichen Meinung nach, für sein llln^es Volk zu denken hat, doch nicht sein. Nein, Omar kann Lern Mtrüger sein, das Meid muh vorhanden seim und wenn Ec, d-.er Uebermenschlichte, es nicht steht, so tft Er eben 'chlecht. Lieber schlecht als dumm! Und schlecht doch nur aus Größe, schlecht nur aus der Machtfülle des Herrschers. ÄM« »l»Ml ,.b fM*. strahlt, schließt mit dem artgedeuteten Selbstgespräch des Königs. Der zweite Akt bringt scypn dre tiefere J^oeiit- ung %er Dichtung. Zu größerer Wirkung aber erhebt sich der dritte 'M. Auch dasiVolk soll das ^auberklero sehen, auf daß sich entscheide, wer schlecht oder dumm. Am Schlüsse dieses Aktes erscheint der Konrg. m werßem Ne- alias vor dem versammelten «Volke, und lväHrend seine Höflinge und die Bürger, die sich in zwier. Parteren scheiden, und von denen die eine behauptet es fei rot, wahrend die andere es blau nennt 1 eine Kartellpartei hat sich bereits! für grün entschieden heuchlerisch das Zauberkleid Meisen, das der König trage, versichert ein Proletamermadch<.n, Rita, des Korbflechters Habakuk Tochter, freimütig, raß der Könia aar Itichts anhabe. 'Als der erzürnte Selbst- herrscher Nita darüber scharf zur Nede stellt und befiehlt, man solle das Kleid sehen, spricht diese ruhig.

Du brauchst Dich drob nicht zu erbosen. Du bleibst ein König auch m Unterhosen^

Der König will sie nun zum Tode führen lassen, da springt Omar vor und ruft dem König zu, es sei wirllich kein Kleid da. Nur Knechtssmn, UeberhebunA und falsche Scham hätten die mystischien Maschen des Kleides gewoben.

Aus dem edelsten Erze deö uMlten Erbes Bon Erde und Rost das reine Notgold cm leuchtender Schönheit lauter zu scheMen, Mit dem Zeichen der Zeit es zu prägen, ;

Tas ist Dienst des Dichters, des GedankeNwardemes

ÄS

Haupt leuchten zu sehen Vvrgab. Da nun ftrn rauester Feldherr nicht Lust hatte zur Luge fein3iuu-

andere Menschen, alles zerschnetterre, auch die.aufrich ttgsten Freunde, wenn sie zum «ddMMch den Mut hattest und er beschloß, den Kvmg und seist Land W «ten.

W erzüMe dem Könige, « besche einenDales- man" m:d könne ein Kleid weben, da- ^beschaffen s , ß 'StiSker.

-ÄS'»«*.* lÄfti« rempel Ä, da be-

Eben sie unter ihren Drummern lfer alten ^7 V Schah, ihre Sagen und Lieder. Doch emsige Forscherdurch sMrsten das Labyrchth der frühen

SckÄen und ihnen nüch drangen mit der packel des Dichter sckEens die Poeten. Da strömte dch Erdenlich>tes be­lebender Strahl aufs neue in die Schatzkammer unser Ahnen und auch das alte Diärchssn kam wieder zum Wc (S Der Däne 'Andersen verleibte es seinem wnnder- hllldeu Ätärchenbnchje ein und Ludwig Fiuda hat cs daipn für uns Dcutschfipreiswert geprägt mit- dein Zeichen der

Es sind hier genug Anspielungens vorhanden auf unsere Zeit um dem Stücke als Ganzes einen besonderen ReiH M Verleihen, lind doch besteht das ^yetne in dem Werke hauptsächslich darin, daß niemand dem Dichter ein« Den- denz unterschieben kann. Er begnügt sich damit, die Ueber- treibung des monarchischen Gefühls zu dem Gefühl de-A Volkes in Gegensatz zu bringen. Er zeigt, wie bei äußerster Selbstüberhebung des Herrschers Thron und Reich in Ge­fahr kommen, aber er erspart seinem Helden einen tragisch^ Untergang. Nach schweren Demütigungen wird er wieder Mit seinem Volke, versöhnt und zwar durch ein Mädch,en, das er einst durch, seine Anträge beleidigt hqt und das' ihn trotzdem liebt und rettet. Der Mut zur Wührheich vas ist der wahre Dalisjinan.

Der Dichter hat die Handlrmg seines Mürchendramas mit niedlichen humoristischen Zügen geschmückt. Neben der wagischen Figur des Königs, der eine gewisse Aehnlichs- keit mit Ludwig XIV. von Frankreich, Ludwig II. von Bayern und anderen stolznackigen Selbstherrschern hat, steht der prächtige alte .Habakuk im Vordergrurrde, eüi Mann, der in seiner armseligen Hütte dem Sommerpalast des Königs gegenüber wohnt. Er ist ein geborenerNörgler", schinlpft über beit schlechten Verdienst und ist nicht einmal durch den Frohsmn seines Töchterchens mit der Welt zu versöhnen. Da erhält er Plötzlich durch die Gnade des Königs die Grafschaft des verbannten Diomed, der sich als Freund der diotleidenden grollend in irgend einen Sachsenwald zurückzieht, und nun stöhnt der neue Graf Habakuk erst recht über die Beschaulichkeit des tzofdienstes und die schrecklich vielen Trüsfelpasteten.

'An das Drama Fuldas knüpfte sich seinerzeit eine interessante Anekdote. Vor 10 oder 12 Jahren wurde dem deutschen Kaiser für den Schillerpreis, der in einer nam- haften Geldsumme besteht, der Dichter desTalisman" in Vorschlag gebracht. Der Kaiser, so hieß es, habe sich das Stück vorlesen lassen und sehr darüber gelacht, aber er habe den Dichjter, der 1862 geboren wurde, für zu jung erachtet, um der Ehre des Preises würdig zu sein. Diese Anekdote hat wohl den Wert aller Anekdoten, sie war offenbar eine Mythe. War der Kaiser doch selbst noch nicht 30 Jahre alt, als er eirrs der schwierigsten Aemter der Welt übernahni!

R. B. Dar mstadt, 4. Okt.

IM Lause des heutigen Tages hielten der zweite und ' der vierte Ausschuß des Hauses der Abgeordneten längere Sitzungen ab. Der zweite (Gesetzgebungs-) schuß brachte unter Vorsitz des 'Abg. Reh in gemeinschaft­licher Sitzung Mit den Regierungsvertwiern Ministzerial- tst Braun und Oberregierungsrat Hölzinger zu­nächst eine .allgemeine Verständigung über deü Gesetz- errtwurs', betr. die staatliche Schlachtv ieh versich er- ung, zu stände. Es wurde vereinbart, daß in der staat- lichM Viehversicherung alles Rindvieh, sowohl ge­werblicher wie Hausschlachtung, mit ausgenommen werden soll. Ausgenommen davon sollen nur Not­schlachtungen bei erkranktem Vieh sein, wäh­rend Notschlach^tungen infolge von Unglücksfüllen nrit in die Versicherung fallen. Auch in den weiteren' Punkten wurde zwischen Ausschuß und Regierung nach leb­haftem Meinungsaustausch im wesentlich>en eine Ver­ständigung erzielt, sodaß nunmehr begründete Ans­icht zu der Annahme vorhanden ist, daß der Gesetzentwurf auch im Plenunr der Kammer eine Mehrheit finden wird. IM Laufe der weiteren Beratung nahm der Ausschuß noch den Gesetzentrourf, betr. die Aufbewahrung letzt­williger Verfügungen an. Die morgige Sitzung wird srch mit der Regierungsvorlage betr. die Forstver- waltung, zu beschäftigen haben.

Der vierte (Petitions-) Ausschuß tagte unter Vor­sitz des Abg. Weidner. Es wurden hier in erster Linre die Berichte mehrerer Referenten über die früher gefaßten | Beschlüsse genehmigt, so über den Antrag des Frhrn. S> e I; Aix Herrnsheim in der Ershen Kammer, betr. die Korbslech^ terei in Hamm, und über den Antrag Stöpler, betr. die Wiedererstattung des von der Gemeinde Frrschborn auf- gewendcten Beitrages bezüglich der Errichtung einer Halte­stelle dort. Zu längerer Besprechung ftchrten die beiden Anträge der Abgg. Reh und Hauck auf Umwandlung der Realschulen in Alsfeld und Groß-Umstadt m Ober-Realschulen. Die Regierung hat such berden Anträgen gegenüber ablehnend verhalten. Zur heutigen Sitzung war Abg. Reh als Arltragstjeller selber erschienen und legte ein sehr reiches neues Material in der Sache vor, aus welchem sich ergibt, daß der Staat im Falle der M- nahme seines Antrages in finanzwller Hmsrcht noch euren Vorteil haben würde; der Ausschuß beschloß, das neue Material zunächst der Regierung mitzuterlen und dann noch einmal dieselbe zur Verhandlung darüber ernzuladen. Bezüglich eines Gesuchs von 268 TannLNKapsenbrechern der Gemeinde Griesheim um freie fett in den Domanialwaldungejn, dem sich die Regrerung gegenüber ablehnend verhält, wurde W^Adelung mrt der näheren Informierung über diese Frage beauftragt.

Tr fnr Fritz Auer in München, Tachauerstraße 9, schreibt in der'Psychiatr.-Neurolog. Wochenschrift":

Aufseben erreaende Buch von HansLeußAusdem Zuchtbause", entMt zweifellos wertvolles Material für i>eit Kriimnalisten, wenn auch manches Naiv-Em.'^lse und aejsehene abgestrichelc werden mutz. _ßy.r Gewinnung Wissenschaft^ sicher Iiesultate auf diesem Gebiete ist leider noch sehr wema ^tofs porbanden. T-ostojewsky'sAus einem toten Hause behandelt speziell russische Verhältnisse. Was sonü , in Betracht konlmen könnte, ist wohl nur belletristisw, doch wäre Bezerämung ein­schlägiger, vielleicht brauchbarer Arbeiten sehr erwünscht. Es leien nun alle Freunde der StraftMsteform dringend gebeten, solche Leute, welche die Wirkung der Untersuchu ngsyast sowohl wie der Strafhast am eigenen Lerbe, vor allem an der eigene:: Seele beobachtet haben und auch nur ermger- matzen über die Gabe der Darstellung verfugen, zu veranlagen, dm Einfluß dieser beiden Arten von Gefangen­schaft auf ihr inneres geistiges und moralisches Leben zu schildern und diesen Bericht yn^re Adresse zu senden. Es wird jedem Erbender auf ^lwenwort die Diskretion zugesichert, die er rn lernem Interesse gewahrt wissen will; man möge deshalb eine diesbezüglra-e «lngabe mac^n mtb nicht anonym einsenden, letzteres schon um ^swülen^mcht, weil eventuell zur Klärung und Erläuterung der Berichte naf^re Llnfragen notwerrdig werden. Es handelt sich darum, Verträge zu liefern zur Beantwortung der Fragen, einmal, ob dre ünter- suchungshaft in ihrer heutiger!, ausgedehnten

fertigt ist gegenüber den Opferrr an seetrjcher Kraft, dre der Ber haftete (und seine Angchörrgen) daher zu vrrngen ^aben, sodann, wie der heutige Vollzug der Frerhertslcrafeauf den Charakter, auf die beruflichen und geiell,äMttra-en Dahrgkerten pes Ve^ urteillen einwirkt. Tie folgenden Fragen wollen mcht erschöpfend

ÄS

Grschästsmoral.

Zu dem Thema GesMfrsmoral ^bringt < das .^ank^ter s(-reie Wort" in seinem ersten Oktob^yefte zwer bemerkens­werte Beitvage: weitere Mitteilungen über die Unsitte bet SÄmiestgelder an Angestellte, forme ernen Aufsatz Won nher den immer weitere T-rmensronen annehmenden G^?en?eschüfts. Mft Recht erblickt der Ber- Wfct triefem j-M auch ron großen mck größten Werken ge- Kten Verfahren, &e ErteÄnng von ^Aufträgen «bhnngrg «n nirrrfiipn hnit bet Gegenabnahme von i^abrrkaten, einen Rückfall ÜI tot Tauschhandel, to für unsere Volkswirtschaft schlimme Folgen zertrgen mutz, schlechte Lreser una Mr den Besteller und allgemerne Verlangsamung ^ tech­nischen Fortschritts, wenn der Käufer weniger nach Qualität der Ware als nach der Höhe des Gegenauftrags sich plchtet>Q icküeud'runa d"t so gezwungen übernommenen Fa^ckate, Locker­werden de? ältesten Gesästiftsverbindungen, dadurch die Hrnem- trcmuna von Unsicherl)eit und Nervorfttat m das ganze sMstöleben^sm EinHandelsstvafgesetzbuch", das wohl nach dem Vorgang des Gesetzes gegen den unguteren Wettbewerb den Begriff der kaufmännischen ^^EodftMeren soll darauf aehe die Entwickelung, wenn nicht die führenden Manner 0er Industrie die Initiative zu einer Aenderung der

Ein wenig erfreuliches Bild, das hier von ernem Industriellen seinen Berussgenossen vorgehalten wird'.

äeltgnlba geftaltete das uralte Märchfin so aus, daß ferne Dichwug sich vielfach M packenden drankattschen Mo- nrculen erl ebt. Er vertiefte es zu einer Tragödie von dem Mächtigen, der einsam auf stolzer Höhe nicht niehr unter- frfiXu kann zwisch|en Schineiqelei und ehrlicher Treue, !eV lu den Wahn seiner GottähnlickM-it sich immer mehr verrennt, biö plötzlich ein Ereignis ihmsseines Nichts bniciiibof)11'iiocGefühl'ccft. , <

6 Kon allen den Großen des Hofes mitt nieMaich als dumm oder schlecht gelten. Alle sehen das nicht vor-

diesem Zensurstücllein schlug ein witziger Kopf damals als Ersatz für die gestrick-cnen Unterhosen folgende Lesarten vor:

Wieflamt, o Herr, Dnü das so sehr zerschmettern,

. Tu bleibst ein Änig selbst in Fergenblatterii.

Wie kann, Herr, Tick das sehrbeleidgen, Tn bleibst ein König stlbit int Badeklerdchen.

Tu bleibst ein König, warum Tich erregen, Mein bekleidet mit dem blanken Tcgen.

»Sprich nicht int Zorn zu Deinem Kneii.t.verdamm se

Du bleibst ein König auch tut Uutcrtvammft."

*) Ich erinnere mich hier eines smnosen Zenstirstilckchens, das cm. mi ibip vnitauirühruna des'Talisman int x eutietjen Vollst tat in ffi en nSte uL eine »roße Heiterkeit ettegte. T« Zensur schien osfeub« dieser Passus, der. bei den Aussuhr- unaen in Tcutschland stets unbeanstandet gesprochen wurde zu krWnd für da» Detormn eines Despoten und duUnterlpseu" mürben unbarmherzig gestrichen. 'Sei der ersten Aufführung erschien das heikle Kleidungsstück in höchst gemilderter tform, und die Darstellerin der Rita feste: .

Wie tonn, o Herr, Dich das so sehr erbosen?

Tu bleibst ein König auch m Unterklechcrn. .

Der uugewoiMliche Reimerbosen - Untttllechern rief im Publilum, in dem sich dreies Zeiisurgeschickstchen rach vei- beeiltet hatte, die größte Heiterkeit hervor, und um Men. uu- sreüvilligen Humor nicht «bermalS wirken zu lasten^ «NN. die lienlnr bei der nächheu Ausführung zu dem radtl'a steu '.Alltel und strich die Stelle gai'i und gar. Der König durfte sich m Lien also gar nicht erbosen, weder in Kleidern noch in Hosen. Zu