Ausgabe 
5.10.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. LS4 Erstes Matt. 154. Jahrgang

Mittwoch 5. Oktober 1804

SHslstreatze

Vdrefse für Depesche«: Anzeiger Gtctzes.

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erfleht! iSsNch außer GomUagS» Dem Vtetzener Anzeiger rverden tm Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gleßener Kamilien- Blätter viermal in der Woche deigelegt.

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3. Witiko: für und Lcmd^ und tSfaal^: August für den An­

zeigenteil: HanS Beck.

politische Tagesschau.

Zur Lippefcheu RegeutschastSsrage.

Mehrere Blätter melden heute:

Dem soeben ibt Detmold znsamTnentreterrd en Landtag geht eine iVorioge KU. darlegend, daß nach dem; Tode des Grafen Ernst tzu Lippe-Biester selb eine so ernste Lage geschaffen sei, daß es die StaatSregiernng für eine u^ abwendliche Wicht hielt, den Land tag einzubetoufenl Der Ernst der Lage werde dadurch gesteigert, daß nach; amtlicher Mitteilung die Regierung von Schaum- burg-Lippe gegen die llebernahme der Regentschaft durch den Grafen Leopold, dem, ältetet Sohne des jetzt ver>° storbenen GrLfregentetr, bei dem Mmhespate Protest er­hob und daß der Kaiser erklärte, diese Regent­schaft nicht anerkennen &n köninen.

Das von deut Kaiser an den Graf-Regentett gesandte Äntworttelegrawm lautet:

Rominten, 26. Sept. Ich spreche Ihnen mein Beileid zum Ableben Ihres Herrn Baters aus'. Da die Rechtslage th kelner Weise geklärt jst, kann ich eine RegentjschaftsÜbernahme Ihrer­seits nicht anerkennen und lasse auch daS' Mili­tär nicht vereidigen.

Nach längerer Begründung wird mrsg-eführh, daß der Grasregent in iWextpaueu aus ein gutes Recht sich bereit erklärt, nochmals Heim Urteil etneS unparteiischen Gerichtshofes stch Za unterstellen; deshalb wird daS Detmolder StaatStninisterinm beim Bundes­räte beantragen, daß imder BeiWgesetzgebung ein unparteiischer ordeuütcher Gerichtshof, sei es" daS Reichsgerichjt, sei es das preußische Katchnergericht, sei es der oberste bayerische Gerichtshof oder ein anderes höchstes Gericht bestellt werde, durch welches die von der schäurry- buranippischen Staatsregierung erhobenen Ansprüche wie solche in dem ProteM vom 12. Rov. 1897 und in dem Anträge vom 20/Jan. 1898 dargelegt würde, zur richten lichen, alle Beteiligten bindeinden Entschei­dung zu bringen. Das Detmolder Staatsminisherium er­sucht den Landtag, durch einen Beschpiß diesem Drtrage beizrrtreten. Dieser iBorlage ist eine roeitere Vorlage bet- gefügt, nach der das RegentschaftsMsetz vom 24. April 1895 eine Ergänzung erhält, durch welche im Falle des to'» lebens des Mrstxn Mexander die Regentschaft von dem Grafen Leopold bis zurend-gilti^gen Ent- s ch e i d u n g über die erneuten Thronstreitigkeiten fo r t - geführt wird. Der Text ist der Begründung beigegeben.

So weit die Blättermeldungen auS Detmold. Die dortige Regierung hält an der absoluten Souveränität des Staates fest , . w

Ausfallen muß der Don des Kaisertelegramms. An den kühlen, knappen Ausdruck des Beileides wird über* acurgslos die empfindlichste Meldung geknüpft.

Ziveisellos sachlich korrekt ist es, daß bis zur Erledig­ung des Verfahrens die Shimpw Lippes im Bundesrat ruht und die' Truppen nicht auf den Grafregenten ver- Edigt werden. In der Verfassung ist die Form nicht vor­gesehen, die der Bundesrat für die EntschMung m, solchen; Streitsachen zu wählen hat. Nun leuchtet ein, daß eine solche RecWfrage, in der ein riesiges Material von histo­rischen Beweisurnmden und Watsrechtlichen Grübchen zu untersuchen ist, weder vom Durrdesrat beztv. von der Ge­samtheit der deutschen Fürsten und Freien Städte geprüft, noch von einer PoKörperschaft per majora ent­schieden werden kann. Deshalb ist fc Detmolder Antrag, daß auch, diesmal ein besonderes Gericht beKllt werde, durchaus der rechte.

Welcher Weg auch MM 'Slustrage dieses lerdrgen Zwrstes gewählt lverdeu tstöge, zwei Wünsche werden daber sicher­lich in den weitestzn KreisesN gehegt: Einmal, daß wayrenp^ des Prozesses selbst die Leidenschaften der Parteiung schweigen: es handelt sich um eine Rechtsfrage, der der Gründe und nicht >Ab- mhd Zuneigung entschjerden nrässen. Und zweitens ist drürtzenp zu hoffte daß diesmal die Erbfolge definitiv und für alle Zeiten ent­schieden und feMstellt werde. Wenn die deutM Natron sich nun doch einmal Mit diesem Ueb'erbleibsel aus den verklungenen Tagen öder Zersplitterung und b er gilbtet Legitimität-öprinzipieu beschäftigen soll, sb kann man nur wünschen, daß die Geschichte endlich eurmal ist Frieden eingesargt wird. '

Dr. Oerie! resigniert.

Der Chefredakteur derDisch Tagesztg." Dr. Oertel, erklärt sichnicht in der Lage,", die ihm von den Konservativen angebotene Re i chs t a g s ka n d i d a t u r rm Wahlkreise Jerichow anzunehncen. Mit anderen Worten: Dr. Oertel verspürt feine Neigung, nochmals durchzusallen. Zu diesem Schicksal würden ihm die alt- märtischen Liberalen ohne Zweifel ebenfv verhelfen, wie bei w 4 Hauptwahlen zum Reichstag die Liberalen des sächsischen Kreises Freiberg, der engeren Heimat dieses! überzeugten Interpreten agrarischer Anschauungen. Es wirb Herrn Oertel nicht leicht geworden sein, die Reichs- tagslandidatur abzulehnen. Mit Selbstgefühl hat derLeit- arülel-Lyriker "derDisch TagesM." fünf Jahre hint-> durch im Reichtstage die festliche weiße Weste zur Schau getragen, überlegenen Tones erteilte er der Regierung ^)e- lehrö.ngen und besonders gern lancierte er un die Adresse d's t Wasen Bulo v sorglich zugespitzte Bosheiten. Zweifellos ist in der drei en Brust Dr. Oertels die Mandatssucht jetzt besonders rege, wo die Handelsvertragskam- pagne im Pa.'la>nent bevorschht. Fast, scheint es, als hätten die preu^ijchM Konservatipep Herrn Oertel, bei dech

Ale yeutige Wummer umfaßt 12 Seite«.

dis agrarische Seele ungleich stärker entwickelt ist als die gouvernementale. foMsvgen zum Besten. Ein bombensicheres Mandat toben in Osteldien, wo schon Ersatzwahlen zum Reichstag stattfanden, trägt man ihm nicht an. Man zieht hier vor, eine in weitesten Kreisen unhekaunte ,SLokalgröße^' erprobten JunkertumZ iM Parlament Zu jenbejt, die sich dort in unverbrüchliches Schweigen hüllt. Kommt aber anderwärts eine Kandidatur DU Oertels, in Frage, so muß er notzedrungen resignieren, da er durchzusallen reine Lust hat. Die preußischen Konservativen sind also nichjt ganz schuldlos, wenn die Mandatstraub en für Herrn Oertel zu hoch hängen, und er sich nach wie vor gezwungen sieht, in^oerDtsch Tagesztg." die Reden vom Stapel zu lassen, die er so gern im Reichstag halten würde, zumal als« Mandatsnachfolger deK Mrsten 'Bisimjarch

Graf Pvsadowsky.

' ' i 1 R. Berlin, 4. Oktober.

Dem! Namen des meiWeschäf.tigten Regierungsmit­gliedes, des Staatssekretärs Grafen Posadowsky, ist man in den öfsenMch^n Erörterungen der letzten Zeit selten begegnet. Das hat seinen Grund. Tier Staatssekretär be­reitet sich in der Stille auf die kommende Parlaments­session vor, die selbst an seine außerordentliche Arbeitskraft und sein ungewöhnlichjes Wissen vergleichsweise hohe Aw spruche stellen wird. Graf PosadowsH ist dem Vernehmen nach mit dem Studiumder HandelsvertragA- materie beschäftigt, da wie beim Zolltarif, so auch bei der Beratung der Handelsverträge die Vertretung der Re­gierung ihm in erster Linie zufallen wird. Graf Bülow berief bekanntlich als er mit Herrn von Witte, der wirt­schaftspolitischen Mrrtorität Rußlands, in Norderney über &en Handelsvertrag konferierte, den Grafen Pvsadowsky als deutsche Autorrtat auf diesem Gebiete in das 9tordsee- bad, und es ist Wohl nicht zuletzt das Verdienst des Staats­sekretärs, daß der kritische Mmnent in den Verhandlungen überwunden wurde. Eine Einberufung des Wirtschiaftlich;en Ausschusses zur Vorberatung der Handelsverträge ist, tote es heißt. Nicht beabsichtigt.

Schurz gegen Roosevelt.

KNrl Schurz tritt für den amerikanischen Präsident­schaftskandidaten Parker ein und seine offene Opposition gegen Roosevelt ve-rschlechtert nach oer Auffassmrg in Ber­liner politischen Kreisen Roosevelts Eharrcen ganz erheblich Schurz, der Befteier des Dichters Gottfried Kinkel, nimmt immer noch die unbestritten erste Stelle im Deutschtum der Ver. Staaten ein. Es ist ein nahezu autoritativer Einfluß, den Schjurz als Politiker, als hinreißender Redner ausübt. In diesem Manne toohnt eine Energie, eine Kraft der Ueberzeugung, wie sie nur höchst selten anzutreffen sind. Selbst der politische Gegner nennji Schurz nrit größter Achtung. Daß Schsurz getoisse'rmaßen im letzten Arlgenb'lick gegen Roosevelt sich erhoben hat, ist geeignet, die Wuchst des Vorstoßes zu verstärken. Viele Deutschs-Amerikaner, die vielleicht' noch zweifelhaft waren, ob sie Parker Roosevelt vorziehen sollten, dürsten nun endgiltig für den ersteren gewonnen sefn. Es wird Herrn llioosevelt unter diesen Umstmtden wenig nützen, daß er bis in die letzten Tage hinein die Empfänge deutscher Welt aus stellnn gsb e f uch^e r, il a. des Oberbürgermeisters von Posen, sowie namhafter deutscher Gelehider, sich besonders hat angelegen sein lassen. Schurz hat Rechit, die Regierung Roosevelts als eineGe­fahr für die Republik" zu bezeichnen, weil die Einmischpngs- lust der Amerikaner unter einer neuen Präsidentschaft Roosevelts, bet dessen ünpulsivenl Temperament und starkem Ehrgeiz- noch wachisen uub unfehlbar folgenschwere Korc- flikte mit anderer! Großmächten heraufbeschwören wird. Roosevelts R e g i e ru n g ist aber mindestens im selben Grabe eine Gefahr für das Deutschtum. Mrd Roosevelt gewählt, so wird pfan nur &u bald erkennen, daß seine schönen Rederc über den Segen deutscher Kultur und wie viel die Amerikcuter von den Deutschen, lernen können, auf den Stimmenfang berechnet gewesen sind. In DeutschLarrd wird wohl niemand unglücklich feilt, wenn Ntoosevelt durchfallen sollte. Mit Roosevelt zu handels­politischen .Abmachungen zu kommen, wie sie bett deutschen Interessen angemessen sind, dürfte sehr schwierig, toeim nicht säst unmöglich sein. Parker hat beu Ruf größerer Mäßigung und Einsicht.

» Aus Newyork kommt heute die Meldung, daß fast sämtliche Mächte den Vorschlag einer neuen Frie­denskonferenz ablehnten, toeg sie den Zeitpunkt für inopportun halten. Die Demokraten erklären, zweifellos mit Recht, den Vorschlag als ein W a h l m a n b v e r Roosevelts.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Okt. Der Kais er trifft am Donnerstag 81/2 Uhr vormittags in Marienburg ein und tritt um 10 Uhr die Writerreise nach Danzig an zur Eröffnungs­feier der dortigen Technischen Hochschule.

Der Fall Schippet hat sich in Wohlgefallen auf­gelöst. Nachdem der sozialdemokratischie Parteitag zum Fall Schlppel" die bekannten Resolutionert beschlossen hatte, nahnr die sozialdenrokratische Parteileitung des 16. schlesi­schen ReichDtagswählkreises Stellung zur neu geschaffenen Lage. In der Parteiversantmlung legte sie folgende Reso­lution bor:

Die Parteiversammlung des 16. schlesischen Reichs- tagsivahlkreises erklärt sich mit der Haltung ihrer Dele­gierten auf dem Parteitage in Bremen einverstanden. Zu den gegen Genossen Schippel auf dem Parteitage angeilommerren R.solulioneu critciri die Parteiversamm- hing, daß keine Veranlassung vorliegt, Konsequenzen daraus zu ziehen, lvelchje das Reichs Hag v Mandat Schippels berühren."

Nach lebhafter Debatte wurde diese Resolution gegen sechs stimmen angenommen. Schjippel bleibt also Reichs tag^ab geordneter.

Herr L e b i u s, Herausgeber derSachisenshiMme^h hat, wie wir mitteilten, die sehr merkwürdige Entdeckung gemacht, daß die meisten Redakteure der Berliner Blätter mit Ausnahme der Eheftedakteure Sozialdemokraten seien. Es fehlt ihm nur eine Kleinigkeit bei dieser Entdecntn'g, der Beweis der Wahrheit. Von sich selbst verkündet der Herr: Er (Lebins) sei als notorisch,er Sozialdemokrat ein gesuchter Mitarbeiter bürgerlicher Blätter, so derDresd. N. N.", derFranks. 3tg" und derVerl. Morgenp." ge­wesen. Dazu bemerkt dieFrkf. Ztg.">: Der Herr scheint einigermaßen an Größenwahn zu leiden. Ein Herr Lebius hat ab und zu Tagesneuigkeiten an dieFrkf. Ztg." be^ richtet, die mft einem Parteistandpunkt absolut nichsts zu tun hatten; er hat nftt Nachrichjten gehandelt, tote andere Geschäftsleute mit Hüten oder Schjuhep.

Wegen M ajestäts b e leid igung jst gegen den Redakteur der sozialdemokratischienMagdeburger Volks- shimme" ein Verfahren eingeleitet worden, angeblich wegen Der bloßen Mitteilung, daß der Kaiser den Hosen­bandorden des verstorbenen Herzogs von Cambridge an g ekauft habe.

Die Gutach>ten der Einzelregiernngen über den vor­läufigen Entwurf wegen der Staffelung der Br au steuer und des Verbotes der Surr 0 gute sind jetzt größten­teils eingelaufen und unterliegen der Nachprüfung.

Oldenburg, 4. Okt. Tie hiesige Staatsanwckttschast stellte gegen di-eNation a l z t g." in Berlin wegen des Vorwurfes der Parteilichkesit Strafantrag. Der Vorwurf wird gefunden in einem Artikel in der An­gelegenheit des ,Miidenzhoten".

Nord hausen, 4. Okt. Unter Führung Nordhausens, des Hauptsihes der Branntweinindustrie, steht ein Z u s a m m e n- schluß der Branntwein-Interessenten zu einem Verbände bevor, um den bedrohlichen Maßnahmen der Spirituszentrale ein Gegengewicht zu bieten.

Leipzig, 4. Okt. Die ,Leipz. Volksztg." bezeichnet in einem Leitartikel den von Bernstein in seinem Montags­blatt gebrachten Artikel als einen unwürdigen Streich, wie er noch nie von einem angeblich sozialdemokratischen Blatte verübt worden sei. Die Redaktion versucht festzu­stellen, daß die erste telegraphische Meldung von der Debatte des Parteitages über den Südekumartikel am 23. September in ihre Hände gelangt sei. Als nur noch ein geringer Teil des betreffenden Blattes zu drucken war, sei sofort die Depesche in den restlichen Teil der Auflage noch eingefügt und mit folgendem Zusatz versehen worden: r(S8 ist uns wenig ver­ständlich, wie der Parteitag überhaupt dazu kommen kann, sich mit einer derartigen, zunächst rein privaten Angelegenheit zu befaßen. Südekum mag, wenn er sich beschwert fühlt, auf dem Instanzenwege gegen uns vorgehen, da wollen wir ihm Rede und Antwort stehen. Durch eine übereilte Be­handlung der Sache, die zunächst noch gar nicht vor sein Forum gehört, würde der Parteitag uns um die voraus­gehenden Instanzen berauben, wie das Südekum selbst im Falle Schippel ausgeführt bat/ Das sei auch heute noch die Ansicht der Redaktion und die Notiz sei niemals aus dem Blatte herausgeschnitten worden. Jäckh habe an Mehring depeschiert, daß er die Notiz gegen Südekum unter dem Aus­druck des Bedauerns zurücknehmen wolle und Mehring habe die Erklärung an den Parteitag verfaßt, die erst am 24. Sep­tember zur Kenntnisnahme der in Leipzig Beteiligten gelangt und unverändert nach Bremen gesandt worden sei. Es sei also ganz unmöglich, daß der Wortlaut bereits am 23. Sep­tember hätte veröffentlicht werden können.

Kirche und Schule.

General-Versammlung des Evang. Bundes.

Dresden, 4. Okt. Soll der Evangelische Bund Politik treiben? Diese Frage ist heute von dem Referenten Senior Dr. Baerwinkel dahin beantwortet: Der Bund müsse unpolitisch bleiben. Tie Hauptaufgabe sei der Kampf gegen den Ultramontanismus. Tie politische Stellungnahine bleibe dem Gewissen der einzelnen überlassen. Graf Wintzingerode und der Gesamtvorstand vertreten denselben >Ltandpunlt. Tie Mehrheit der Generalversamnilung schloß sich dieser Auffassung an, aber matt betonte, daß dem Bunde mehr Nachdruck und Entschiedenheit in seinem Älustreten nützlich wäre. Mit Genugtuung wurde der von Professor Tr. Witte erstattete Jahresbericht entgegengenom­men. Ter Buttd zählt 236 853 Mitglieder; int letzten Berichts­jahre hat er um 66 353 Mitglieder zngenvmmen. Tie Jesuiten- gefahr hat dem Bunde zahtreicye Atitglieder gebracht. Ter Bericht von Hessen-Nassau Nagt, daß die Simultanschatle zu, konfessio­neller Gleichgiltigkeit erzieht. Tie nächste Generalversamutlung findet in Hatttburg statt.

Dl er Deutscye 'Protestantentag.

Berlin, 4. Okt. Ter Deutsche Protestantentag trat hier heute vormittag 511 seiner 22. Tagung zusammen^ Tas Emt- stelmngssahr des Vereins, n>elcher Freiheit der christlrchen Lehre uno Selbständigkeit der Gemeinde austrebt, ist 1863. Bwetg- üereilte bestehen jetzt in Alsfeld, Berlin (Berliner Untons­verein), Bremen, Darmstadt, Dresden, Elberfeld-Barmen, Gotha, Hamburg, Hannover Heidelberg, Hild^lieiin, Zkarlsrnhe, taflet lautern, Mannheim, Ohrdruf, Osnabrück, Pforzhetm, ^vtesbaden und Worms. Tie Leitung liegt in ben Hilden deS ständigen Ausschusses. Letzteren bilden jetzt: «rnunardtreklar Tr. Andreae, Hesbiuihändler Erusius, Pfarrer Malier und Heß, sämtlich tu Kaiserslautern '"eia 11 Stepp-Obermoscl-el und -leian Trost tu Winnweiler Heu mnmittag fanden AnSschußsitzungen itntt, am Meiid hielt ü'i uu . r. Ätehlhoru Leipzig beim Gottesdienst die Feslpredigt.