Ausgabe 
5.7.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 155

Zweites Blatt.

154. Jahrgang

Erich eint tügttch mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Samilienblätter** werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -Hessische Landwirt' erscheint monatlich einmal

Gießener Anzeiger

Dienstag 5. Juli 1904

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Univerfttätsdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.L.

Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger Dießen.

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

Are Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten-

Worte zurückgenommen und Korfanty ihm darauf gesagt:Das charakterisiert Sie glänzend!"

gäbe Deutschlands in

und

mit auf den Wieg ie jungen Leute aus

Für Deutschland, das zur Versorgung seines VolksüberschusjeS, sowie zur Befestigung und Erweiterung seiner wirtschaftlichen Welt- stellung gezwungen ist, nicht nur Waren in die weite Welt hinauszuschicken, sondern auch Menschen aus­zuführen, liegt das Bedürsnis vor, diejenigen seiner Söhne, die als eigentliche K'olonialpioniere in erst

Entsprechend der Bestimmung der Anstalt für junge Reichsdeutsche und Söhne Deutschier im Auslunde wird bei den Zöglingen auf die Festigung des nationalen Bewußt­seins jiüb die WirLunu des Verständnisses für die 2luf- "7 oer weiten Welt besonders Gewicht gelegt rverden. Iw Zusammenhang damit muß die An- tetrung für sittliche Selbstzucht angesichts der Ge­fahren, die im AuslarH der Alkoholismus usw. mit sich bringen, ein besonderes Anliegen der Anstultsleitung sein.

Der Ausruf schließt mit der Bitte um Zeichnung von Geldspenden.i Auskunft erteilt Direktor Hermann Thomä, Stuttgart, Archivstraße 18.

Volitische Tagesschau.

Frhu. v. Mirbachs Rücktritt.

Der Oberhofmeister der Kaiserin, Frhr. v. Mirbach, will die Enthebung von seinem Amt erbitten; die fortge­setzten Angriffe haben auf seinen Gesundheitszustand un­günstig einge-wirkt. Gestern brachte dasKl. Journ.", das auch unter dem neuen Herausgeber dem Hause Mirbach treu geblieben scheint, die bereits gestern unter unseren Telegrammen erwähnte, längst erwartete und daher nicht überraschende Nachricht, die heute von derNordd. Allg. Ztg." nicht dementiert wird.

Die Erörterung über Kirchenbaufonds im Llnschluß an den Pommernbankprozeß habe den Frhrn. v. Mirbach pein­lich berührt. Wer in der Oeffentlichkeit steht, muß des Tadels wie des Lobes gleich gewärtig sein. Frhr. v. Mir­bach hätte sich die Aufregung ersparen tonnen, wenn er rechtzeitig feinen ja sehr erheblichen Einfluß darauf ver­wandte, den unliebsamen Enthüllungen des Pommernbank­prozesses durch Rückzahlung der von ihm quittierten Sum­men vorzubeugen. Würde Frhr. v. Mirbach etlichen ver­trauens werten und für fromme Werte begeisterten Per­sonen gesagt haben:Wir müssen dies Aergernis aus der Welt schaffen, aus vielerlei Gründe so waren die paarmal hunderttausend Ndark sicherlich rasche gesammelt. Statt dessen ließ Frhr. v. Mirbach die Sache an sich herum kommen unb erklärte auch noch als Zeuge, zur Rücb erstattung der Summe, aufKonto L.", sei immer noch Zeit und Gelegenheit. Nun sieht aber das Urteil bei den von den Pommennbankdirektoren aufKonto K." hinge- gebcuren Summen eine Untreue nicht als erwiesen an. Dar­nach wären die Pfandbriefbesitzer und Aktionäre nicht, we- nigsteus nicht unriöchtmäßigerweise geschädigt durch die Frei­gebigkeit der Herren Schultz und Romeick. Folglich ist kein zwingender Grund vorhanden, die Lirchenbauspenden zurückzuerslatten.

Wir bleiben dabei: die Rückerstattung ist eine sittliche Notwendigkeit. Und aus diesem Grunde wäre Frhrn. von Mirbachs schneller Rücktritt vom Amt zu bedauern. Denn das leuchtet wohl ein, daß dem Oberhofmeister a. D. nicht die Mittel und Wege %ur Verfügung stünden, vermögende Kreise der Kirchenbaubewegung für oie Rückzahlung zu interessieren. Selbst der konservativenKreuzztg." sind aus ihrem Leserkreise Worte des Unbehagens zugegangen, daß dieKveuzztg." sich dieses hohen Hosbeamten in freund­licher Weise angenommen hat; und dieKreuzztg." sieht sich zu der Verrvahrung veranlaßt, daß sie die Sammlungs- nrethode des Frhrn. v. Mirbach in ihren sämtlichen Er- scheinungsfor'mau billige. Nun also, wenn Fehler gemacht worden sind und dazu gehört insbesondere die Annahme der Pommerrrbank-^chenkung dann müssen diese Fehler korrigiert werden. Jeder Tag der Verzögerung führt der Diskussion neuen Stoff zu. Der Einwand verfängt nicht, daß die Auflehnung im Fall Mirbach nur ein Vorwand sei, um den politisch unbequemen Hofbeamten zu stürzen oder um die Kirchen bewegung zu diskreditieren. Politisch unbequem ist der Oberhofmeister keiner Partei, auch nicht der sozialdemokratischen, in dem Grade, daß darum sein sofortiger Rücktritt willkommen wäre. Und gegen Kirchcn- bauten wird nichts einzuwenden fein, sofern die Mittel dazu nicht auf Kosten Unbeteiligter aufgebracht werden, oder von Personen herrühren, die durch chre Beisteuer lediglich Titel und Auszeichnungen zu ergattern suchen. Gerade die kirchlich gesinnten Kreise werdMn mit Recht an frommen Werken mit so weltlichem Hintergrund Anstoß nehmen.

Deutsche Anfiedlerschule in Hohenheim bei Stuttgart.

In der schwäbischen Residenzstadt ist ein Ausschuß zur Errichtung einer Ansiedlerschule in Hohenheim (bekannt­lich Sitz einer landwirtschaftlichen Hochschule) zusammen- ge treten. Das Ehrenpräsidium hat Fürst Karl von Urach, den Vorsitz der Präsident der Handelskammer in Stuttgart, Geh. Kommerzienrat Widenmann übernommen. Der uns soeben oopgelegte Aufruf ist unterzeichnet von einer Anzahl von Männern, die teilweise auf eine langjährige Praxis in überseeischen Ländern zurückblicken, teils sich im Jn- lande um die Förderungen unserer volkswirtschaftlichen Interessen verdient gemacht haben. Wir geben im solaen- den die wesentlichsten Ausführungen des Ausrufs wieder:

Zu der Ermordung deutscher Aufiedler in Reu-Guinea von denen die hübschen Reiseschilderungen aus der Südsee, die wir unlängst veröffentlichen konnten, sprachen, wird derKöln. Ztg." aus toibnet) vom 13 Mai geschrieben:

Ter Norddeutsche LloyddampftrPrinz Sigismund", der gestern hier von Singapore über die Inseln des deutscl^en Archipels ankam, bringt Einzelheiten über die dort vor kurzem vorgekorn- mene Niederinetzelu.ua von Ansiedlern. Als der Dampfer in Neu- Guinea anlegte, wurden acht Eingeborene, die dem französischen Eiland Deslaes angehörten und wegen der Mordtaten des vorigen Jahres verhaftet .worden waren, an Bord gebracht, um sich in Herbertshöhe zu verantworten. Die Nachricht von einem Gemetzel erreichte Sidney Anfang Januar dieses Jahres, und das deutsche KriegsschiffEondor" bestrafte die Eingeborenen dafür. Es scheint, daß einige Eingeborenendörfer von de m(Sonbor" zerstörr wurden, um die Eingeborenen vor weiteren Ausschreitungen zu warnen. Kapitän Lenz vomSigis­mund "berichtet, datz jetzt alles auf den betretenden Inseln ruhig i)t uni) weitere Unruhen unwahrscheinlich sind. Der letzte Ausbruch verlief kurz wie folgt: Eine Anzahl Eingeborener, bis zu den Zähnen bewaffnet, überfiel plötzlich denDampferM e la", der Herrn Peter Hausen, dem Direktor der Petershafener Station der Neu-Guinea-Kompagnie, gehörte. Ter Dampfer lag zurzeit an einer Landungsbrücke der Station. Ter JngenieurderM e t ar", Do e ll, wurde int Maschinen­raum ermordet und einige Leute von der Eingeborenen- bemannung erschlagen. Hierauf griffen die Eingeborenen Herrn Reinhardt, den Agenten der Gesellschaft, an, der sich Ufer befand, und ermordeten ihn. Hansen wurde von freundlich gesinnten Eingeborenen beschützt und konnte sich durch hie Flucht retten. Hierauf besetzten die Eingebore­nen den Dampfer und versuchten chn zu steuern. Wie zu erwarten war, kam das Unglück schnell, und man fand den Tnmpfer später gekentert zum Teil ün Wasser an einer Fluh« Mündung. Man nimmt an, daß die Eingeborenen den Dampfer bald zu Grunde richteten und daßjeden- falls viele von ihnen dabei ums Leben kamen. Sobald der Bericht des Blutbades die Behörden in Herberts- Höhe erreichte, wurde eine Untersuchung eingeleitet und, wie vor­hin erwähnt, wurden acht Rädelsführer verhaftet. Weitere Einzel­heiten über die Morde im Anfang dieses Jahres auf Durour, einer Insel der Hermits-Gruppe, gibt Herr Wahlen, .ein be­kannter dortiger Kaffee- und Kokosnußpflanzer, der gestern eben­falls mck IblemSigismund" ankam. Auf Durour wurde sein Verwalter Reimers ermordet. Wie es scheint, be­arbeitete Reimers die Pflanzung mit freundlich gesinnten Ein­geborenen iujammen, _ und man erwartete keine Gefahr. Am 24. Februar jedoch besetzte eine Truppe feindlicher Eingeborenen, etwa 500 Krieger stark, die Station. Reimers befand sich zurzeit auf der Veranda seines Hauses, und er sah sofort, daß es au sein Leben abgesehen war. Einige der Angreifer stürzten aut ihn los und warfen ihn mit dem Rücken auf die Veranda. So hielten sie ihn fest, während ein Speer in seinen Mund und durch seinen Körper gestoßen wurde. Der llnglüd- liche starb unter furchtbaren Qualen, feine Hilfe war nahe. Nach dieser feigen Tat banden die Mörder Steine an die Leiche und warfen sie in das Dieer. Reimers Arbeiter waren geflohen, sobald sie gesehen hatten, daß der Feind stärker war als sie. Sie verbargen sich in den Waldungen. Der ^eindlicheStamm verließ die Insel in Kanoes in der Hoffnung, sich auf einer Nachbarinsel in Sicherheit zu bringen. Ein Sturm über­raschte sie auf dem Meere, und man glaubt, daß die meisten dabei um l amen. Eine große Anzahl leerer Kanoes wurde an der Durour-Jnsel angetrieben. Der Gouver­neur wird eine Strafexp.edition von Herbcrtöhöhe aus int nächsten Monat begleiten, um alle Eingeborenen, die sich än diesen feigen Morden beteiligten, zu bestrafen.

dem Hohenheimer Schloß ins Auge gejagt. Die Zöglinge werden unter Leitung einer mit der überseeischen Pionier- ackbeit gründlich vertrauten Persönlichkeit eine Wirtschaft führen, die den überseeischen Farmerverhältnissen ähnelt, wie auch sonst der ganze landwirtschaftliche Betrieb mög­lichst direkt «uf die überseeische Praxis vorbereiten soll. Auch die wissMschaftlichen Fächer bleiben stets in engster Fühlung mit der Praxis; in verschiedenen Disziplinen, wie Tierarzneikunde, Forstwirtschaft, Hy­giene, Pflanzenphysiologie können die Zög­linge nur eine gedrängte Uebersicht des Wissenswerten erhalten, wie auch in den verschiedenen Handwerken bei der Kürze der Zeit nur das Notwendigste zum prak­tischen Gebrauch erlernt werden kann.

Im Zuscunmenhang damit wird sich die Anstaltöleitung bemühen, für eine giceignete Unterlauft der Zöglinge nach ihrem Abgang, bei Farmern, Kolonisten, Viehzüchtern, Pflanzern usw. zu sorgen, um bei diesen unter günstigen Bcdingullgen ihre Ausbildung vollenden bezw. iosort zu (ctbftäi blaer beruflicher Tätigkeit übergehen zu rönnen.

Als Sitz bec Anstalt ist derExotisch^' (harten" unweit

Kariamcntarisches.

Berlin, 4. Juli. Die preuß. Landtagsabge- ordlieten nahmen in ihrer heutigen Sitzung die aller­höchste Verordnung wegen Vertagung beider Häuser des Landtages entgegen. Dieselbe wurde vom Minister des Jnrreru, Frhr. v. Hammerstein, verlesen. ^Nächste Sitzung am 25. Oktober 1 Uhr. Petitionen. Das Herrenhaus nimmt Mitte ^November seine Sitzungeli wieher auf.

DieF-yeie Deutsche Presse" gibt folgende Mitteilung derSchief. Volksztg." wieder:Was für Hunde zischen dort?" soll der natioualliberale Abg. Jür­gensen im preuß. Landtage gerufen haben, ab? die lolnischen Mgeordrieten iu der Ansiedlungsgesetzdebatte nach der Rede deö Abg. Sieg ihr Migsallen durch Zischen zu erkennen gaben. Die polnischen Abag. N'orfanth und Dr. Chlapowski Hütten so berichtet daS Berliner pol­nische Blatt diese Worte gehört, uub ersterer sei mit ßdxülter Faust auf bat 2lbg. Jürgensen zugeschritten mit der Frage, auf wen sich dessen Worte bezogen hätten. Der Interpellierte habe nicht bestritten, daß er diese Worte geäußert habe, das Zischen habe ja aber so habe er hiltzugejetzt voll irgendwelchen Geschöpfen Ijerftammen können, btorfault) habe darauf erwidert:Ich und meine Fraktionslolleaen Haban gezischt, binnen Sie diese Be­leidigung zurück oder nicht?" r'lbg. Jürgenserr habe die

16. Aeulscher Kongreß für Knaöenhandarbeit zu Worms.

(Original-Artikel desGieß. AnK.")

(.) Worms, 4. Juli.

Während der deutsche Verein für erziehliche Knaben- handarbeit in früheren Jahren alle zwei Jahre einen Kongreß abhielt, war dies in letzter Zeit seit fünf Jahren nicht mehr geschehen. Es lag dies daran, daß nach langen theoretischen Erwägungen nun einmal der Versuch unter» nommen werden sollte, die Ideen des Vereins zur prak­tischen Ausführung zu bringen. Schulinspektor Scherer- Worms führte mit Genehmigung der hessischen Schul­abteilung des Ministeriums den Handarbeitsunterricht in die Volksschulen zu Worms obligatorisch ein. Nachdem diese Durchführung erreicht war, lud Die Stadt Worms« die Mitglieder des Deutschen Vereins ein, in ihren Mauern zu erscheinen und die geschaffene Organisation zu prüfen. So kam es, daß der Kongreß vom 1. bis 3. Juli wieder einmal nach langer Pause in Hessen tagte.

Aus allen Teilen Deutschlands, sowie auch vom Aus­lande (Schweden, Holland und der Schweiz) folgten mehrere Hundert Interessenten dem Rufe: Aerzte, Lehrer, Schul­leiter und Vertreter städtischer und staatlicher Behörven.

Eingeleitet wurden die Veranstaltungen am Frettag abend durch ein geselliges Zusammensein bei Könzert int Garten des städtischen Festhauses. Der Samstag war der Hauptversammlung des Deutschen Vereins für erziehliche Knadenhandarbeit gewidmet, die um 8 Uhr morgens in der Turnhalle der neuen wundervollen Westendschule mit einer Begrüßungsansprache des Vorsitzenden, Abg. von Schenkendorf-Görlitz, eröffnet wurde. Ter Direktor des Seminars für Kn oben Hand ar beit in Leipzig, Dr. Pabst, wies daraus in einem kurzen Vortrage auf Grund psycho­logischer und volkswirtschaftlicher Erwägungen auf die Not­wendigkeit einer Reform unseres heutigen Schu^etriebs im Sinne der Schererschen Methode hin. Daran schloß sich die Vorführung arbeitender Klassen der Ä^lksschule und einiger Hilssklassen für schwachbesahigte Kinder beioer- lei Geschlechts an. In 21 Klassen konnten die Erschienenen am Unterricht teilnehmen und sich ein Bild machen von dem Betriebe des neuen Unterrichts gegenständes. Unterstützt wurde das praktische Arbeiten durch eine reichhallige Aus­stellung von ©d)ülerarbeiten, die außer von der Stadt Worms selbst noch beschickt war von der Handfertigkeits­schule, sowie der Hilfsschule Mannheim, der Handfertigkeits­schule Stuttgart-Gaisberg und dem Knabenhort Ludwigs­hafen.

zu epschließende, vielfach unter fremden Herrschaslszeichen stehende Neuländer au^-iehen, eine diesem Zweck b> e s om - oerö an gepaßte Vorbildung zu geben. Dies gilt vor allem für D

Den gebildeten Kreisen, die an Handarbeit uub Selbsthilfe nicht gewöhnt sind. Denen, die an unseren öffentlichen Schulen eine wesentlich theoretische Vorbildung ge­nossen haben, will die in Hohenheim zu errichtende Anstalt Gelegenheit geben, in ein- bis zweijährigem Lehrgang sich diejenige vorwiegend praktische Ausbildung au verschaffen, die sie besahigen wird, in Neuländern )id) als land­wirtschaftliche Pioniere rasch einzuleben und zu- aleich ihr Deutschtum lvürdig zu vertreten. Dem Ucbergang in die Ueberseelausbahn soll die Eigenschaft des Abenteuerlichen (genommen werden, die ihm zurzeit im großen Ganzen noch anhaftet.

Den Nachmittag füllten Vorträge aus, und zwar be* ; schäftigten sich diese mit dem Hand fertig kettsunterricht in Schülerwerkstätten, im Knaben hort und endlich in der l Hilfsschule. Nach Beendigung der Tagesarbeit folgten die Kongreßteilne^mer der liebenswürdigen Einladung der Stadt Worms zu ihren festlichen Veranstaltungen im Fest­hause. Begrüßung und Bewirtung namens der Stadtver­waltung gaben den Gästen Veranlassung, von der rheini­schen Gastfreundschaft die denkbar günsttgste Meinung mitzurrehmen. Verschönt wurde das Fest durch die Dar- bietungen eines eigens zu diesem Zwecke gegründeten Lehrerchors. Auch bei der in den zur Verfügung stehenden wenigen freien Stunden ftattfinbenben Besichtigung der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten boten Herren aus allen Kreisen der Stadt alles auf, um den Fremden den Aufenthalt genußreich zu gestalten.

Am 3. Juli sand int Saale des Kasinos ein öffentlicher zkongreß statt. Begrüßungsansprachen wurden namens des Vereins für Knabenhandarbeit, der Großherzoglichen Ab­teilung für Schulangelegenheiten, der Stadt Worms, der zlreisschulkommission, sowie der innerhalb des Deutschen Vereins bestehender Provinzialverbände gehallen. Von ganz besondevern Interesse Waren die längeren Ausführ­ungen des Regierungsvertreters, Oberschulrat Dr. Scheuermann, der den wohlwollenden Standpunkt, den das hessische Schulministerium der ganzen Bewegung gegen­über einnimmt, barlegte. Darauf nahm das Wort Kreis- Schulinspektor Scherer, um in einständiger freier Rede zur Begründung des von ihm eingeführten neuen Unter* vichtsgegenstandes zu schreiten. Daß ihm dies in über­zeugender Weise gelungen war, zeigte der starke Wider­hall, den seine Ausführungen in der Versammlung hervor­riesen.

Zum Schluß vereinigte noch einmal ein Festmahl die Erschcenenen im Fcstyause, worauf die Fahrt nach der Nachbarstadt Oppenheim angetreten wurde, um der von der dortigen Stadtverwaltung an den Kongreß ergangenen Einladung Folge zu leisten.

Dort angetommen, bewegte sich unter Vorantritt einer Musikkapelle eine stattliche Zahl von Gasten durch die reich geflaggten und geschmückten Straßen der Stadt zum hoch* gelegenen, im Fejtgewande prangenden Marktplätze, wo der Bürgermeister den EhrenMmk reichte. Darauf erfolgte unter sachkundiger Führung eine Besichtigung der altehr­würdigen Katharinenkirche, der Großh. &in- und Obp- bauschnlc, sowie der 9tuinc Landskrone. Während des in der Wirtschaftshalle der Lcmdskroiie stattfindenden Kom­merses schlug für die Weiterwohnenden die MchiedSstunde. Hochbesriedigt von dem am Rheine Gesehenen und Gehörten verließen die Gekommenen die gastliche Stätte, um in weiteren Versuchen gangbare Wege zur N'ntzdarnlachung des Werkunterrichts zürn Wohle der heranryachsenden Jugend ^schaffen.

sUiü Ataüt uni) Jiuiö.

Gießen, den 5. Juli 1904.

** Die Prei-aufgaben der Landesuniversität ür das Jahr 1904/05. Für das Jahr 190405 haben die Fakultäten nachfolgende Aufgaben gtfkllt: I. Die theo­logische Fakultät: ^Nictzsche's Angriff auf die Rioral des Christentums soll dargcstelU und beurteilt werden.* LL Die