Ausgabe 
5.5.1904 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger, Amtr- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen

Are yeutrge Yummer umfaßt 10 Seiten.

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Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UniversitätZdruckerei. R. Lange, Dießen.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.7.

Tel. Nr. 61. Teiegr^Adr.: Anzeiger Dießen.

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Aus Stadt und Kaud.

Gießen, 5. Mai 1904.

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Massige Zigarren- 5 in Mexico-, öden- und Su- ikaten ganz her- leistet, sucht mit rten Kaufleuten i»

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Zur slahnkanatisation.

Der Lahnkanalverein hat soeben einen Antrag ans Aufnahme der Lahnkanalisation in die wasserwirtschaftliche Vorlage an das preuß. Abgeordnetenhaus gerichtet. Darin heißt es u. a.:

Nachdem jetzt so große Summen für die Verbesserung anderer Flüsse und die Herstellung neuer Kanäle ausge­geben werden sollen, halten wir es für an der Zeit, daß endlich unsere Bitte um Verbesserung der schon seit bei­nahe 40 Jahren nur im alten Zustande erhaltenen Vor­richtungen an der Lahn erfüllt wird. Unsere Forderung ist um so berechtigter, als es sich bei der Lahn um verhältnis­mäßig ganz unbedeutende Beträge handelt im Vergleich zu den in der wasserwirtschaftlichen Vorlage der Staats­regierung für Neuanlagen enthaltenen großen Summen, Mm al auch das Lahngebiet ein älteres Anrecht auf Berück- stchtigung hat, als die in der genannten Vorlage in Be­dacht kommenden Gegenden.

Unsere Landwirtschaft und unsere gewerb­lichen Unternehmungen haben mit einer schwe­ren Konkurrenz gleichartiger Betriebe in überseeischen Ländern zu kämpfen, welche ihre Produkte auf dem billigen Wasserwege des Rheins bis in unsere Nähe in das Land bringen können.

Wenn nun auch noch im Jnlande so viele neue Wasser­straßen erbaut und so viel für die Verbesserung der Schiff­fahrt geschehen soll, während an dem vernachlässigten Zu st and der Lahn nichts geändert wird, so mu ein starker Rückgang unserer Produktion un unseres Erwerbes und damit eine starke Ver­mehrung der Unzufriedenheit in unserer fleißi­gen und ordnungsliebenden Bevölkerung die notwendige Folge sein. Die kleine Schiffahrt, welche sich trotz aller gebrachten Opfer nur mühsam und kärglich bisher erhalten konnte, müßte völlig erliegen und könnte später nur mit vieler Mühe und großen Kosten wieder ins Leben ge­rufen werden.

Die preußische Staatsregierung hat zwar anfangs der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts einen Entwurf nebst Kostenanschlag für eine weitere Entwickelung der Lahnschiffahrt von der Mündung aufwärts bis Wetzlar auf­gestellt, und von dem Landtage für diesen Zweck 6.75 Mill. Mark erbeten,- indessen wurde diese Summe damals nicht bewilligt.

Die Staatsregierung ließ darauf diesen Plan fallen, sodaß wir noch bis heute auf die vor fast 40 Jahren schon geplante Vervollkommnung unserer Schiffahrt vergeblich warten. Die Interessenten sahen sich dann genötigt, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und beauftragten eine namhafte Firma für Ingenieurbauten, einen Entwurf und Kostenanschlag für den Schisfahrtsbetrieb auf der Lahn auf ihre Kosten aufzustellen.

Diesen Entwurf haben wir der Königlichen Staats- regierung vorgelegt, welche ihn auch eingehend geprüft hat. Indessen wurde er nicht günstig beurteilt und für die Verhältnisse der Lahnschiffahrt als zu groß befunden, da er einen Kostenaufwand von 33 bis 35 Millionen Mark erfordert haben würde. Infolge dieser Untersuchung sind auch wir von der Verwendung eines so großen Baukapitals zurückgekommen und haben uns zu einem Entwürfe mit kleineren Baukosten entschlossen, was wir dem Herrn Minister der öffentlichen Arbeiten in der Eingabe vom 23. Februar 1904 mitieilten.

Wir haben uns mit einem auf diesem Gebiete erfahrenen und mit den Verhältnissen der Lahnschiffahrt wohl ver­trauten Sachverständigen in Verbindung gesetzt und nach dessen Rate den oben erwähnten alten Plan der König­lichen Staatsregierung aus dem Anfänge der siebziger Jahre wieder aufgenommen.

Wir erstreben daher jetzt weiter nichts' als' eine zeit­gemäße Erweiterung und Ä:gänzung des vor fast dreißig Jahren aufgestellten Entwurfes für die Verbesserung der Lahnschiffahrt unter Berücksichtigung der in­zwischen gestiegenen Preise und den AusbauderSchiff- fahrtsanlagen über Wetzlar hinaus bis zu der preußisch-hessischen Grenze bei Gießen, da­mit auch diese Stadt und die hessischen Ufer» gemeinden an der Schiffahrt teilnehmen können. Es wird dabei vorausgesetzt, daß, wie es die hessischen Interessenten annehmen, der Großherzoglich hessische Staat zu den Kosten der oberen preußischen Strecke auch entsprechende Beiträge leisten wird.

Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte beantragen wir, daß seitens des preußischen Staates ein Betrag bis zu höchstens 15 Millionen Mark für Ergänzung und Erweiterung der Schiffahrts-Anlagen an der Lahn nachträglich in die wasserwirts chaftliche Vorlage eingestellt und damit spätestens binnen b Jahren die Strecke von der Lahnmündung bis zur preußisch-hessischen Grenze ausge­baut werde.

Arbeiterschutz in Ziegeleien. Die Vor­schriften zum Schutze weiblicher und jugendlicher Arbeiter in Ziegeleien haben durch die am 1. Jänuar 1904 in Kraft getretene Bekanntmachung des Bundesrats vom 15. No­vember 1903 eine weitere Ausdehnung erfahren. Nach der gleichartigen früheren Bekanntmachung vom 18. Oft. 1898 durften in den sog. Kampagneziegeleien, in denen das Formen der Ziegelsteine auf die Zeit von Mitte März bis Mitte November beschränkt ist, junge Leute zwischen 14 und 16 Jahren täglich 11 Stunden beschäftigt werden. In Ziegeleien, welche ohne ständige Anlage ober mit nur einem Ofen betrieben werden, durfte die Dauer der täg­lichen Arbeitszeit von Arbeiterinnen und jungen Leuten sogar 12 Stunden betragen, Wenn diese Arbeitszeit durch drei Pausen mit einer Gesamtbauer von mindestens zwei Stunden unterbrochen wurde. Auch konnte die Beschäftig­ung, abweichend von bett allgemeinen Vorschriften der Gewerbeordnung, in die Zeit von 4i/2 Uhr morgens bis 9 Uhr abends fallen. Di^e Ausnahmen von den §§ 135 bis 137 der Gewerbeordnung sind nun aufgehoben durch die, neue Verordnung, welche eine 11 und 12 stündige Be­schäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen, unter 16 Jahren alten Arbeitern im Ziegeleibetriebe künftig nir­gends mehr gestattet. Unverändert bvibehalten ist in der neuen Verordnung das Verbot der Beschäftigung von Ar­beiterinnen und jugendlichen Arbeitern mit gewissen Ar­beiten im Betrieb der Ziegeleien und Schamottefabriken (bm Rohmaterialgewinnung und Transporten, in der Regel bei der Hcmdformerei, bei Arbeiten in den Oefen und zum Befeuern der Oefen, sowie bei dem Transport der geform­ten Steine). Die neuen Bestimmungen, welche vom 1. Jan. o. I. ab 10 Jahre Geltung behalten, sehen auch eine Aen- derung des in allen Ziegeleien und Schamottefabriken ge­setzlich vorgeschriebenen Aushanges vor. Eine nicht un­beträchtliche Einschränkung des Umfanges der Kinderarbeit in Ziegeleien hat das ebenfalls am 1. Jänuar 1904 in Kraft getretene Kinderschutzgesetz zur Folge. Nach den §§ 4 und 22 dieses Gesetzes dürfen sowohl ftemde wie eigene Kinder unter 13 Jahren, oder solche über 13 Jahren, die noch $um Besuch der Volksschule verpflichtet sind, in bloß vor­übergehend ober in geringem Umfang betriebenen Ziege­leien nicht beschäftigt werben. Damit ist das Verbot der Beschäftigung von Kindern in Ziegeleien, das sich vor dem 1. Januar b. Js. nur auf bie größeren, ben Fabriken gleichgestellten Ziegeleien erstreckte, erfreulicherweise nun­mehr auf alle Ziegeleibetriebe ausgedehnt. Von den jetzt erstmalig geltenden Vorschriften dürfte eine große Zahl von Ziegeleibetrieben berührt werden. Es wird sich daher empfehlen, wenn die Unternehmer und die Betriebsleiter dieser Ziegeleien bei Beginn der neuen Kampagne berti nun veränderten Verpflichtungen volle Aufmerksamkeit zu- wenden.

fälliger Weise fehlt einstweilen unter den Vormerkungen: der Name des Führers der konservativen Kanal-Opposition: Graf Kanitz.

(In dieser Liste fehlt leider auch Herr Cahensly, Kommerzienrat in Limburg, der wohl die Gelegenheit er­greifen könnte, um mit aller Rührigkeit und Jnteusivität für die Kanalisierung der Lahn aufzutreten. D. Red. d. Gieß. Anz.)

Einen eigenartigenVorschlag zur Güte" macht die Kreuzztg." der preuß. Regierung, um dieleidige Kanal- angelegenheit" durch einen Kan a l ko m pr o mi ß zu einem definitiven Ende zu führen.Vielleicht einigt man sich hinsichtlich des westlichen Kanals auf den End­punkt an der Weser." Also es soll wieder ein Stück abgeschnitten werden, das Opfern des Mittellandkanals ge­nügt nicht. Lluf dies fast durch Naivität ausgezeichnete Ver­ständigungsanerbieten wird Graf Bülow unmöglich einr gehen können.

Ter Regierung suchte Dr. Wiemer den Rücken zu stärken mit der Mahnung: Etwas weniger Vertrauen und Opti­mismus, etwas mehr Entschiedenheit! phtr noch zwei Redner kamen heute zum Wort. Der nationalliberale Abg. v. Eynern und der Pole v. Grabski. Herr v. Eynern aßte auf Grund eines umfangreichen Materials alles zu­sammen, was zu gunsten der An läge von Wasserstraßen pricht; er erntete kräftigen Beifall bei seiner Fraktion und ben Freisinnigen.

Minister v. Bub de verwahrte sich gegen ben Vorwurf v. Eynerns, baß die militärische Bebeulung der Kanäle nicht gründlich betont worden sei.

Von derUnversöhnlichkit" der Polen war von vorn­herein nichts anderes als eine ablehnende Haltung zu er­warten. Die Sitzung schloß, ohne daß Graf Bülow im Hause sich hatte blicken lassen. Wenn Graf Bülow erst alle Redner hören will, die auf der Liste stehen, bann hat er allerdings noch viel Zeit zur Verfügung. Die Liste ent­hält nämlich noch über vierzig Namen, u .a. die National- liberalen Dr. Friedberg, Dr. Lotichins, die Freikonserva­tiven Graf Moltke, v. Kardorff, Frhr. v. Zedlitz, Dr. Arends Gamp, den Bündler Dr. Hahn, vom Zentrum Dasbach, die Konservativen v. Staudy und v. Bodelschwingh. Anf-

Sterbekasse des Kriegerbundes, Ber- icherungsverein auf Gegenseitigkeit in Berlin. Der Ge­schäftsbericht der Kasse für das Jahr 1903 ergibt wieder ein starkes Wachstum dieser Wohlfahrtseinrichtung des Deutschen Kriegerbundes. Man sieht daraus, daß die Ver­einigung der Kräfte zu einem Ganzen auch in der Sterbe­kassenversicherung der Kriegervereine Bedeutendes leistet. Die Kasse steht unter der Aufsicht des Kaiserlichen Auffichts- amts für Privatversicherung. Die Geschäftsergebnisse sind in jeder Beziehung befriedigend. Es betrugen am Ende des wahres 1903: der Versicherungsbestand 15 094 636,50 Mark, die Prämien- und Sicherhätsreserve 2 237 569,50 Mark, die Gutschrift auf Dividendenkonto pro 1903 48960,81 TnSo - Jahre gezahlten Versicherungssummen

1683/o,67 Ml. Versicherungen können nach 6 verschiedenen Tarifen auf den Todes- und Erlebensfall in Höhe von 1002000 Mark abgeschlossen werden. Ten Mitgliedern der KOiegervereine ist durch die mit niedrigen Beiträgen ar­beitende Kasse zur Fürsorge für ihre Familien schöne (ge­legen!) eit geboten. Für den hiesigen Geschästsbezirk ver­mittelt Aufnahme an träge der Generalbevollmächtigte C. Mayer, Postsekretär i. P. in Gießen.

Von den Erfolgen der Direktion Stein- 9 oetter in Weilburg lesen wir imWeild. Tagebl." vom 2. d. M.:

Auch die geftriac letzte Theatervorstellung war wieder sehr tark besucht. Es ist bisher noch keiner Direktion gelungen, sich die Anerkennung des hiesigen Publikums in so hohem Maße zu er­ringen. Am besten zeigte sich dies an dem reichen Applaus, den Kranz- und Blumenspenden seitens des Publikums. Mehrere Damen Weilburg? sandten Herrn F. A. Steingoetter eine reizende Stickerei zum Andenken. Andere Damen ließen einen Erdglobus von 20 Zentimeter Durchmesser überreichen, dem solgende Zeilen bei- lagen:In den Annalen Weilburgs wird die Epoche Ihrer Theaterabende als unvergängliches Ereignis verzeichnet werden Mit großer Dankbarkeit wird man sich Ihrer erinnern, der Sie id) angelegen sein ließen, einen Kranz so hervorragender Kräfte zu Bereinigen, wie er hier in Weilburg bisher noch' nicht gastierte. Damit Sie, verehrter Herr Direktor Steingoetter, nun auch im nächsten Jahre Weilburg nicht vergessen und sich wieder bet un»

Mo ist Kraf Aülow?

Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 4. Mai:

Wird Graf Bülow heute Fontmen? Wirb er sprechen? So fragten sich bie Tribünengäste des preußischen Ab- geordneten Hauses, während sie eilig ihre .Garde­robe ab gaben. Man ermutigte sich gegenseitig mit einem kategorischen Selbstverständlich! Aber bie Besorgnis, ein Wort des Ministerpräsidenten zu verlieren, war unnötig. Am Regierungstisch fehlte dasteure Haupt". Finanz-Mi­nister Frhr. v. Rheinbaben erhob sich um liy4 Uhr M einer Rede, bie ungefähr um halb 1 Uhr ihr Ende er­reichte. Sehr sachliche und unterrichtende Ausführungen über bie Rentabilität ber geplanten Wasserstraßen, über ben Einfluß der Aufwendungen auf bie Staatsfinan- zen, über das Verhältnis von Känal- unb Eisenbahn- Aula gekokten, alles bies gespickt mit Zahlen, aber eben wegen btefer sachlichen Behandlung, unb trotz aller treff­lichen rednerischen Eigenschaften bes Frhrn. v. Rheinbäben, keinGenuß" für die Tribünen. Die Gesichter wurden länger unb länger. Mancher stille Ausbruch erfolgte, auch unten im Saale. Der Minister schöpfte aus der Haltung der Mehrheitsparteien die Hoffnung, daß eine Verständig­ung gelingen werde. Er bejahe bie Frage, ob die Auf­wendungen mit ben finanziellen Interessen Preußens ver­einbar finb, mit einem lauten Ja. Gesetzt, der Rhein- Hannover-Kanal würde nicht gebaut, so würden in kürzester Zeit Eisenbahnbaukosten erforderlich werden, die diejenigen für den Kanal bei weitem übersteigen! Die Entscheidung über Me großen Vorlagen werde in der Haupt­sache durch Optimismus ober Pessimismus beeinflußt: er, der Minister, bekenne sich freubig zum Optimismus, zum Glauben an die Zukunft unseres Vaterlandes.

Die Linke begleitete mehrere Stellen der Rede mit leb­haftem Beifall; Rechte unb Zentrum verharrten in acht­ungsvollem, aber kühlen Schweigen. Bon ben beiden frei­sinnigen Wortführern, zu gunsten ber Kanalvorlage, ben Abgg. Dr. Wiemer (fts. Volksp) unb Brömel (fts. Bg ) hatte ber Erstere mehr das Ohr des Hauses. Brömel's Rede­weise ist etwas zu langsam, gemessen und kcvthederhast. Er warnte davor, daß man einst vom preuß. Abgeord- netenhouse sage: Der große Moment fand ein kleines Ge- chlecht. Mit Tadel wurde das Zentrum bedacht, weil es ich dem Bau des eigentlichen Mittellandkanals, der Strecke Hannover-Magdeburg, für alle Zeiten widersetzen will. Dr. Wiemer Kat die vernehmliche Frage:Wo ist denn Graf Bülow?!" Bei der Wichtigkeit ber Vorlage habe er an­wesend sein müssen. Der jetzige Entwurf sei ein Dorso, ein Stückwerk, nicht geeignet, bie alten Freunde zu er­halten, ober die alten Gegner zu bekehren. Seine Partei halte fest am Mittellandkanal.

geforberten mäßigen Betrag gegenwärtig längst erreicht hat.

Es ist fobann aber auch hervorzuheben, daß für das auszuwendende Kapital ganz gewiß sehr bald eine mäßige Verzinsung herauskommen und die Schiffahrt die Betriebskosten aufbringen wird, da es sich hier nicht um die Einführung einer ganz neuen Schiffahrt, wie K- B. beim Dortmund-Ems-Kanal handelt, sondern um die Förderung einer von Alters her bestehenden Schiffahrt.

Zu beiden Seiten ber Lahn liegen blühende Ortschaften mit Bergbau, landwirtschaftlichen Betrieben und reich entwickeltem Gewerbe, alle Gemeinden sind von Alters her daran gewöhnt, zu Schiff die Produkte der Gegend zu verfrachten und die zu ihren Betrieben not­wendigen schweren Stoffe zu Schiff zu beziehen.

Es werden hier Eisenerze, Roheisen, Basalte, Kalksteine, Zement, Quarzite, künstliche Dünger, landwirtschaftliche Produkte aller Art, Bau- und Brennholz, Koks, Stein- und Braunkohlen, allerhand Bausteine und andere Produkte in so großen Mtzngen in dem Gebirgstale zu beiden Seiten der Lahn, sowie in ben nächstliegenden Seitentälern ge­wonnen bezw. bezogen, daß sich eine Frachtmenge von mindestens 1,5 Millionen Donnen für den Anfang auf ber Lahn erwarten läßt. Nach einigen Betriebsjahren und besserer Entwicklung der Schiffahrt werden dann die Zinsen des aufgetoenbeten Baukapitals mit Sicherheit in den Schiffahrtsabgaben ihre volle Deckung finden.

Wir richten nunmehr an das Hohe Haus ber Abgeord­neten bie Bitte, bie wasserwirtschaftliche Vorlage nur ge­nehmigen zu wollen, wenn sie in der folgenden Weise ergänzt wirb:

Für bie Lahnschiffahrt von ber Mündung bis zur preußisch-hessischen Grenze bei Gießen wird ein Betrag bis zu höchstens 15 Millionen Mark aufgewendet und die Schiffahrtsanlagen nach einem von dem Herrn Minister ber öffentl. Arbeiten zu genehmigenden Plane für Schiffe von 1,6 bis 2,0 Meter Tiefgang binnen 5 Jähren nach Verabschiedung dieses Gesetzes ausgebaut."

Einen Plan dazu, welcher von einem namhaften unb erfahrenen Sachverständigen aus gearbeitet wird, werden wir ber König!. Staatsregierung vorlegen.

Die bisherigen Ausarbeitungen genügen indessen, um biesem Sachverständigen die Schätzung der Kosten in ben angegebenen Grenzen zu ermöglichen.

Die Tragweite dieser Ausbauten für die Staatssincmzen ist auch nach unserer Kenntnis ber Produktions- unb Ver- iehrs-Verhältnisse des Lahntales im Nassauischen unb der Wetzlarer Gegend von keiner erheblichen Bedeutung. Denn einmal ist die Summe von 15 Millionen Mark für eine 137 Kilometer lauge Schiffahrtsstraße im Verhältnis zu freu Forderungen für die Wasserstraßen in der wasserwirt­schaftlichen Vorlage eine sehr geringe und andererseits« Werbt zu berücksichtigen, daß die von ber Wnigl. Staats- legierung Ende der siebziger Jähre selbst zur Veraus- nißbung in Aussicht genommene Summe von 6,75 Millionen '-'Hart nebst den inzwischen erspürten Zinsen, ben von uns

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Nr 105 Zweites Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 5. Mai 1904

Erscheint täglich mit Ausnahme de» Sonntag». O

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hessische Landwirt" erscheiru monatlich einmal. V V' V' 8 V V- B v _ H W' W 'd" v