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5.1.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 3 Erstes Blatt. 154. Jahrgang Dienstag 5. Januar 1904

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Ten nachstehend Erlaß Seiner Königlichen Hoheit des Großh:zogs bringe ich hiermit zur öffent­lichen Kenntnis.

Darmstadt, derz. Januar 1904.

Rote, Staatsminister.

Tiefbewegt habe h am Neujahrstage von Vertretern jller Stände und alleTcite des Landes die Spende cnt- geqengenommen, durch welche Mein geliebtes Volk Mir in dieser Zeit der Trauer n Zeichen herzlicher Anhänglichkeit gegeben hat. Die Miranvertraute Gabe, zu der Meine Landeskinder in so übers großer Zahl beigesteuert haben, ist Mir um so teuerer, al nicht nur der Beitrag des Reichen, sondern auch das Scherst«. des Armen darin enthalten ist.

Allen den freundlichl Spendern sage Ich von ganzem Herzen Dank. Die Freue welche ihre Gabe Mir in dieser ernsten Zeit gebracht hat, >ll unvergessen bleiben.

Die Mittel der Landspendc werde Ich zu wohltätigen oder gemeinnützigen Zweck verwenden.

Ich ersuche Sie, diese.Erlaß zu veröffentlichen.

Darmstadt, den 2. anuar 1904.

ERNS2LNDWFG.

An den Staatsminister Rhe.

Politische Tagesschau.

Zum Befind des Kaisers.

Man schreibt uns aus wlin, 4. Januar:

Von einer geplanten ^ittelmeer-Reise des Kaisers weiß ein römisch Matt auszuverlässiger Quelle" zu berichten. Ter .siser werde in der zweiten Januar-Hälfte Messina berühn. Nach unseren Erkundig­ungen beruht auch diese Mitte,ng auf Vermutungen. Eine Reise nach dem Süden isbisher nickt beschlossen, sie ist, was noch wichtiger ersehen von ärztlicher Seite dem Kaiser nicht einmal vorgeschlien worden, sicherlich ein Beweis, das; das Befinden d Kaisers einen Klima­wechsel nicht erforderli macht. Bei dem Besuch des Kaisers im Atelier des Bdhauers Johannes Götz war die frischeste Stimung zu bemerken. In der heutigen Konferenz über d Feuersicherheit in den Kgl. Theatern, mit bt sehr zweckmäßigen Er­gebnis der vorläufigen Schließu, des Königlichen Opern­hauses bis zur Vornahme der digendsten baulichen Aen- derungen, soll der Kaiser läner e Zeit das Wort genommen haben, ohne daßirgendwelche An­strengung oder Trübung es Organs wahrge­nommen werden konnte. Tie Eminge im Königl. Schloß in Berlin und im Neuen Palaisind überhaupt ganz so zahlreich, wie vor der Operation.

Nach einem aus Rom eingeglgenen Telegramm will derGiern. d'Jtalia" aus zuver'siger Quelle erfahren haben, Kaiser Wilhelm werde aufeiner Mittelmeer­fahrt in der zweiten Hälft Des Januar Mes­sina berühren. Tamit werde eiiMsuch Siziliens ver­bunden sein.

Von anderer Seite erfahren ir über den Besuch des Kaisers beim Bildhau' Götz folgendes:

Ter Kaiser besuchte am Samstz nachmittag mit der Kaiserin das Atelier des Bildhaue Johannes Götz und besichtigte in erster Reihe die vom iltusminister bestellte Figur des Alexander Seveis für die Saal­burg. Tie im großen Donmodellollendete, etwa zwei Meter große Stattie zeigt die jugendh, schlanke Gestalt des Cäsaren, der, 26 Jahre alt, gemein'jt mit seiner Mutter bei Mainz ermordet wurde. Tie Für wird in Bronze gegossen und patiniert; die Ornarnte und figürlichen Tarstellungen auf dem reich g eschmiten Panzer werden vergoldet. Tie zweite Kaiserstatue, e des Hadrian, ist erst aufgebaut. Beide Figuren solleiim Jüni d. I. im Innern der Saalburg aufgestellt werd.. Tas zweite Werk, das der Kaiser betrachtete, war die fc die Saalburg b e st i m m t e M o m m s e n - B ü st e, dch die der Monarch die Verdienste des großen Gelehrten m die Erforschung des Limes ehren will. Götz hat fei eigentliche Büste geschaffen, sondern eine Art Gedenksteiider an altrömische Grabsteine erinnert und in die Wand einlassen werden soll; der Stein von etwa zwei Meter Höh und einen Meter Breite enthält eine Rische, aus der ziclich frei der Cha- ralterkopf Mommsens wie ein ganz h-es Relief heraus- gearbeitet wird. Darunter befindet sich ne große römische Widmungsinschrift, die der Altertums pscher Prof. Otto Hirschfeld verfaßt hat. Ms Materi ist griechischer Marmor besttmmt. Ter Gedenkstein für ommsen soll noch im bevorstehenden Sommer in der soc Waffenhalle der Saalburg ausgestellt werden: er wird meiner Schmalseite in etwa zwei Meter Höhe in die Wandnngelassen, links und rechts davon werden auf dem Lime gefundene Waffen angebracht.

Von Verstimmungen zwischen Berlin v Karlsruhe» ist, wie dieBad. Landesztg." erfährt, jes die Rede, irach? dem der Kaiser bei der Tr auerfeie für die Tante seiner Gemahlin, der Fürstin Leopv'ine Hohen­lohe, geb. Prinzessin von Baden, sich icht durch ein Mitglied dzes königlichen Hanse hat vertteten lassen, sondern einen in der Nähe, in wnkfurt a. M. wohnenden Generaladjutanten, v. Lindeqist, mit seiner Vertretung beauftragt hat. Daß dies in ttaßburg i. E., Karlsruhe und Stuttgart Aufsehen erregen uhte, lag nahe genug und man braucht sich daher keinesws zu wundern, daß allerlei Gerüchte auftauchen und geglait werden. Es heißt jetzt auch, der F ü r st - S t a t t h a l t e rri entschlossen,

Izurückzutreten. In einer Straßburger Korrespondenz des obengenannten Blattes, die von der Trauerfeier be­richtete, war die Vermuttrng ausgesprochen, Etiketten­fragen seien an der Nichtbeteiligung eines preußischen Prinzen schuld gewesen und dabei war vornehmlich an den Kronprinzen gedacht worden, dem als kaiserliche Hoheit der Dorttitt gebührt hätte. Eine solche Etikettensrage kann jedoch unmöglich maßgebend gewesen sein, denn das hieße doch jede Begegnung des deut­schen Kronprinzen mit deutschen Bundes- fürsten zueinerprinzipi ellfatalenSacheh-in- sichtlich der Etikette stigmatisieren. Im übrigen pflegt der bewährte Takt der beteiligten Fürstlichkeiten in solchen Fällen stets den richttgen Ausweg zu finden. Mr erinnern nur an die Reichstagseröfsnung rin Dreikaiserjahr 1888, wo der König Albert von Sachsen dem Prinz-Regenten Luitpold von Bayern cedo maiori den Bortritt über­ließ, um die bayerische Empfindlichkeit zu schonen. Ebenso wäre wohl die Frage des Vorttitts in Straßburg zu regeln gewesen, bei der zu den Satzungen der Etikette auch noch die Gebote des Respekts vor einem grauen Haupte ge­kommen wären. Mso mit der Ettkette ist es nichts. Die Gründe sind anderswo zu suchen. Es mögen familiäre Differenzen vorgelegen haben darauf deutet auch das Fernbleiben des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen, dessen Gemahlin, Schwester der Kaiserin, ebenfalls eine Richte des Fürsten-Statthalters ist.

Ein letzter Versuch.

E. Berlin, 4. Januar.

Gegen die Herabsetzung der Börsen st euer hat der Bund der Landwirte die Reichstagsabgeordneten durch eine besondere Zuschrift scharf zu machen gesucht. Das Organ des Bundes, dieDeutsche Tageszeitung", stellt heute abend als das mindeste, was man verlangen kann, die For­derung der Hinausschiebung der Angelegenheit. Man warte ruhig noch ein Jahr und sehe, wie sich inzwischen die Börsen­steuer entwickelt.DieTagesztg." droht der Regierung mit schweren parlamentarischen Kämpfen". Ein so schweres Geschütz würde nicht aufgefahren werden, wenn man nicht wüßte, daß die Herabsetzung der Börsensteuer innerhalb der Regierung beschloßene Sache ist. Graf Bülow will auch in diesem Falle sehen,wie der Hase läuft". Lehnt der Reichs­tag die Ermäßigung der Umsatzsteuer ab, dann bleibt es einfach zunächst beim Alten. Für ein Kampfspiel ist diese nüchtern und sachlich zu erwägende Frage nicht angetan.

DemBerl. Tagebl." zufolge soll die Börsengesetz-Vor­tage gegen Ende des Monats veröffentlicht werden.

Aufgaben de8 preußischen Landtags.

R. Berlin, 4. Januar.

Die Oberpräsidenten von Westfalen und Hannover sind in Berlin eingetroffen. Der Besuch dürfte mit der Kanal- oorlage im Zusammenhang stehen, die dem neuen preuß. Landtag sehr bald nach seiner Eröffnung zugehen wird. Der Entwurf ist im wesentlichen fertiggestellt.

Deutschland und England.

Unset I.-Korrespondent schreibt uns aus London:

Nichts ist charakteristischer für das Gefühl der Be- klemmun g über die Kühle der offiziellen Beziehungen Deutschlands zu England, als die Lebhaftigkeit, mit der man hier über die im neuen Jahr erwartete Reise König Eduards an den deutschen Kaiserhof diskutiert. Der Besuch König Viktor Emanuels in London hat ttefgeheuden Eindruck nicht hinterlassen; ohne besondere Bewegung ist seitens der Bevölkerung auch die Zusage ausgenommen worden, die Kaiser Franz Josef über seinen Besuch der Themsestadt für das Frühjahr gab. Tie dadurch bekundeten fteundlichen Gesinnungen der Dem Deutschen Reiche verbündeten Mächte gegenüber England können eben das reservierte Verhalten der Berliner maß­gebenden Stetten nicht vergessen machen. DerDaily Chro- niele" erzielte deshalb durchschlagende Wirkung, als er dieser Tage meldete, daß das englische Königspaar, bei Gelegen­heit seiner Reise nach Kopenhagen zum Geburtstabe des Königs von Dänemark, in der ersten Woche des April dem Berliner Hofe einen Besuch ab statten werde. Man sieht in dieser Meldung zunächst eine Entkräftung des ziemlich wurzelfest gewordenen Gerüchts, daß zwischen Kaiser Ml- helm und König Eduard eineUnstimmigkeit" persönlicher Natur obwalte, die die Souveräne, entgegen der Gepflogen­heit früherer Jahre, seit geraumer Zeit einander fernge­halten haben. Dann aber auch ein Anzeichen, daß in der ausgesprochen russenfreundlichen Politik des GrafenBülow eine Schwenkungzu Gunsten En g- lands sich vottziehen werde. Hier glaubt man natürlich was man wünscht, denn im Grunde ist das englische Volk genügend polittsch geschult, um zu wissen, daß die Polittk eines Landes dnrck ganz andere Faktoren bestimmt wird, und daß insbesondere Desuchsreisen König Eduards auf die hohe Politik feinen maß­gebenden Einfluß ausüben können, weil von ihm mehr als von jedem anderen Monarchen das Wort gilt:Ter König herrscht, aber er regiert nicht". Aks zwischen den Kabinetten in Loudon und Berlin ein freundlicheres Ver­hältnis bestand, ließ derfreie" Engländer keine Gelegen­heit vorübergehen, auf Deutschland zu schmähen. Run, da Berlin ungleich größere Sympathien für Petersburg bekundet, erscheint ihm Deutschland doch von einigem Wert.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. Jan. Ter Kaiser und der König trott Dachsen haben aus Anlag des Jahreswechsels Tele­gramme ausgetauscht. Ter Kaiser telegraphierte am Syl­vester abend :Viktoria und ich senden Dir zur Jahreswende unsere wärmsten Segenswünsche. Gott der Herr wolle Dich, Tein Hans unh Tein Land auch im neuen Jahre in feine gnädige Obhut nehmen. Zugleich bitte ich ben Ausdruck meiner aufrichtigen Verehrung und Freundschaft freunb* lieh entgegenzunehmen." König Georg sandte folgende Antwort:Herzlichst danke ich Dir für Deine so liebens-- würdigen Glückwünsche und erneuere meine schon brieflich Dir gesendeten Wünsche. Gott segne und behüte Dich, bie; Kaiserin und alle die Seinen!"

Ter Großherzog. von Weimar hat bekannte lich unlängst eine Reihe moderner Künstler an die Kunstschule in Weimar' herangezogen, u. a. Hans Olde, van de Velde, Schulze-Raumburg, Ludwig v. Hofmann. Jnfolgedesfen haben sich die verschiedenen deutschen Gruppen der Sezession in einer Vertreterkonferenz in Weimav dahin geeinigt, daß sie in einer großen gemeinsamen und regelmäßig wiederkehrenden Ausstellung der modernen! deutschen Kunst die Anerkennung verschaffen, die ihr in gewissen Kreisen noch immer versagt geblieben ist. SBie hierzu derWelt am Montag" geschrieben wird, hat un­mittelbar nach dem Mannttoerben der Weimarer Be­schlüsse der Kaiser den Kultusminister Studt nach Weimar geschickt, um vor dem Gr o ßherzo g dahin vor­stellig zu werden, daß er von seinem Plane abstehew möge, aber der Gro ßh erzog habe sich dem Minister gegenüber in sehr kräftigen Wort en gegen jede Gin Mischung inseinen Best rebungennachd rück-» lichst verwahrt.

Ter Abg. Seyboth, der ben Reichstagswahlkreis 4. Kassel (Gschwege-Schmalkalden) seit den letzten Wahlen b er trat, hat im Verfolge seiner Verurteilung sein Mandat durch ein Schreiben an den Reichstag nieder­gelegt. Er rechnete sich zur Freisinnigen Volks-1 Partei. Eine weitere Ersatzwahl wird somit nötigt

Ter erbitterte Kamps zwischen dem ZenlrumSab'g/ Tr. Heim und dem bauembündlerischen Landtaosabg. Dr. Gäch in Bayern dauert fort. Tr. Heim veröffentlicht neuer­dings auf Gächs Antwort eine Erwiderung, in der er wiederholt betont, daß über die Behauptung Gächs, Heint habe Profit und Rabatt als Verwalttmgsmitglied von Ge­nossenschaften eingesteckt, nur im Gerichtssaal Klarheit ge=» schaffen werden könne. Heim werde den Abg. Gäch noch zwingen, öffentlich Farbe zu bekennen. Er werde ihn nicht ruhen lassen, bis er zu neun von Heim hervor gehobenen Punkten noch Stellung nimmt.Wenn er das tut, wie im der Abgeordnetenkammer, werde ich ihn ich wiederhol^ das öffentlich als Ehrabschneider und verleum-i deriscken Schurken brandmarken."

Eine zweite Assistentin ist im Gewerbeauf-, sichtsdienst für Württemberg angestettt worden. Preußen beschäftigt jetzt vier weibliche Beamte. Bayem- hat zwei Assistentinnen, Hessen ebenfatts, Baden, Weimar, Sachsen-Altenburg, Coburg, Neuß j. L., Hamburg und Bremen je eine, sodaß zurzeit im Deutschen Reich bereits 17 Frauen im Gewerbeaufstchtsdienst tätig sind, abgesehen von den vier weiblichen Verttauenspersonen in Sachsen^ die aber nicht nritzuzählen sind, da sie feine Revisionen vornehmen dürfen.

S&ie der deutsche-russische Verein in Berlin mittetft sind gewisse Sonderbestimmungen im russischen Zolltarif, für welche als Endtermin der 18. Dezember a. St. 1903 vorgesehen war, in letzter Stunde vorläufig bis zu einer enogiftigen Regelung eines neuen .Handels­vertrages, prolongiert worden. Es handelt sich hier­bei um diejenigen Bestimmungen, welche eine große An-- zahl landwirtschaftliche Maschinen und Geräte und deren Ersatzteile zollftei zulassen. Ferner erfährt dasBerl. Tgbl.", daß die deutsch-russischen Han­dels ve rtragsverhandlungen vertagt wurden^ während über die Zölle auf Vieh und Getreide eine Verständigungsaktion auf diplomatischem Wege ein, geleitet worden ist.

Dresden, 5. Jan. Von nationalsozialer Seite wird eine Versammlung geplant, die sich eventuell mit dem Er­suchen an das Reichs amt des Innern wenden wird, seinen Einfluß in Krimmitschau geltend zu machen. DaS Referat dürfte Geheimrat Tr. Böhmert übernehmen. Die Fabrikanten, die der Unterstützung des Zenttalver- bandes deutscher Industrieller sicher sind, haben sich jeden- fatts entschlossen, nicht nachzugeben.

DasDr. I." ist zu der Erklärung ermächttgt, daß die Rachrichiten, der K r o n p r i n z v o n S a ch s e n habe mtt seiner geschiedenen Gemahlin zum Weihnachtsfeste Glückwunschschreiben gewechselt, sowie der König habe von der Gräsin Montignoso ein Glückwunschschreiben erhalten, durch das er sehr angenehm berührt worden sei, erfunden sind. Die durch den EhescheidungsProzeß ge­schaffene Lage ist durchaus unverändert und Die Wiederaufnahme direkter Beziehungen zwischen dem Kron­prinzen und seiner Gemahlin dadurch völlig ausgeschlossen. Dagegen hat der König angeordnet, daß der Gräsin Montignoso vom 1. Januar 1904 ab vierteljährlich amt­liche Berichte über das Befinden und die Ent­wicklung der kronpri nglichen Kirlder durch Ber- mittlung ihres Rechtsbeistandes zugestellt werden.

Seer und Klotte.

Ein neuer General st abschef? Generatteuö nant und Generaladjutant Hellmuth v. Moktke, Komman­deur der 1. Garbedivision, der zur Tienstleisttmg beim;