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zweites BMtt
154. Jahrgang
Fveuag 4. movemder row
Gießener Anzeiger
Erscheint tS-Nch mit Ausnahme des Sonntags.
Rotationsdruck und Verlag der Brüh loschen Univerfttätsdruckeret. ÖL Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr.T, Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.: Anzeiger Gießen,
Die „Slotzener LamMenblötter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.
Ier Aufstand in Aeutfch-SüdwestafriKa.
Major Lengerke
meldet aus Warmbad über Kapstadt vom 20. Oktober: Keetmanshoop mit 130 Mann undl 2 Geschützen ist ausreichend verproviant und wird sich monatelang halten können, wenn auch die Wegnahme der dort reichlich vorhandenen Tiere zu befürchten ist. Moren g a befindet sich mit mehreren Hundert gut bewaffneten und berittenen Hottentotten in und bei Karas berg. Tie Verbindung mit Keetmanshoop ist dadurch unterbrochen.
Die Hererokapitäne.
An die Meldung General Trothas, daß die Hererokapitäne nach Br itisch-Betschuanaland entkommen sind, werden sich nunmehr diplomatische V e r h a n d- >l ungen mit England knüpfen müssen, welche die Aus- lieferung oder Unschädlichmachung der Flüchtlinge zumi Gegenstände haben. So lange weder das eine noch das andere erreicht ist, darf eine Wiederherstellung gesicherter! Verhältnisse im Schutzgebiet nicht erhofft werden. "Ta die Kapitäne anscheinend nur ihr nacktes Leben gerettet haben, werden sie die Verbindung mit ihren im Schutzgebiet zurückgebliebenen Leuten schon deshalb aufrecht erhalten müssen, um letztere zu ununterbrochenen Bie hdlebst äh len zu veranlassen und sich dadurch die nötigen Sub- sistenzmitte-l zu verschaffen. Tas geraubte Vieh wird den Kapitänen zugetrieben werden und an den englischen Händlern willige Abnehmer finden. Marr kann sogar mit Sicherheit annehmen, daß die Händler dieses lukrative Geschäft in jeder Weise ermutigen und fördern werden. Dadurch bleibt aber das Leben und Eigentum unserer Ansiedler dauernd gefährdet. Man sollte eigentlich nicht glauben, daß England die Auslieferung der Kapitäne verweigern könnte. Es handelt sich um gemeine Verbrecher, die ein grausames Blutbad angestiftet haben, dem Hunderte von wehrlosen und unschuldigen Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Es ist für gesittete RechtÄ- begriffe undenkbar, daß ein Kulturstaar einer solchen Möv- derbande ein Asylrecht zugestehen sollte. Aber daraus folgt freilich noch nicht, daß die Engländer sich um diese Rechts- begriffe viel kümmern. Wir machen uns darauf gefaßt, daß sie sich aus den Standpunkt stellen, die Hereros seien als kriegführende Partei zu betrachten. Aber in diesem Falle wäre England als neutraler ©taot doch verpflichtet, die Kapitäne samt ihrer Gefolgschaft nach stattgefundener Ueberschreitung der englischen Grenze zu entwaffnen und! während der Dauer des Krieges zu internieren. Da England eine von seinem Gebiete ausgehende Beunruhigung der deutschen Nachbarkolonie nicht dulden darf, so wäre es, — falls diese Mörderbande des englischen Asylrechts für würdig erachtet werden sollte — den Umständen nach das richtigste, wenn England den flüchtigen Kapitänen eine seiner augerafrikanischen Besitzungen als' Asyl anweisen würde. Hier hat unsere Regierung einmal Gelegenheit, sich für ihre wohlwollende Neutralität im Burenkriege von England einen Gegendienst auszuwirken.
Hendrik Witboi.
Einen Lobgesang au, Hendrick Witboi hat dar ihm jetzt als Feind gegenüberstehende O.berst Leutwein im Februar 1898 in der militärischen Gesellschaft zu Berlin in einem Vortrag cmgestilmnt. Leuhwein rühmte Witboi als einen ach tun gs werten und anständigen Gegner, dessen Freundschast zu gewinnen, lohnend erscheine. Auf eine Frage nach Witboi hat Leutwein dem Kaiser geantwortet : „Er ist jetzt Ew. Majestät getreue st le rUnterta n." In schwierigen Lagen habe Witboi stets treu zu den Deutschen gehalten. Ein großes Verdienst an dieser Vertragstreue Witbois falle dem Distriktschef von Gibeon Oberleutnant v. Burgsdorff zu, der es ausgezeichnet verstanden, habe, sich das Vertrauen Witbois zu erwerben. Jetzt ist Burgsdorfs diesem Vertrauen zum Opfer gefallen. Leutwein schloß damals seinen Vortrag mit den Worten: „Daher meine Herren, ist einen Krieg zu beginnen, statt ihn an uns herantreten zu lassen^ in Afrika ein besonderes Wagnis. Tenn nur die offenbare Gerechtigkeit unserer Sache vermag uns zu sichern, was wir zur Ueber- windung der geschilderten Schwierigkeiten in der dortigen Kriegführung in erster Linie bedürfen, nämlich die Mitwirkung der Eingeborenen selbst. Daher sei uns gerade dort jede Frivolität fern! Halten wir den Ginge-
Per Aing.
Kriminal-Roman von O. E l st e r.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Ter Amtsgerichtsrat hatte eine Belohnung auf das Auffinden der Entflohenen ausgesetzt. Tann kehrte er traurig und niedergeschlagen mit Ferdinant) nach dem Gasthaus zurück.
„Wenn sie doch nur mehr Vertrauen zu mir gehabt hätteJ murmelte er. „Toch nein", fetzte er dann rasch hinzu, „ich muß mich selbst anklagen. Ich habe kein reckstes Vertrauen mehr zu ihr, nachdem Sie, Herr Groller, bei mir gewesen waren. Wenn ich geblieben wäre, wenn ich sie erwartet hätte, mit ihr gesproä)en hätte, sie würde mir altes gesagt haben, und ich hätte ihr raten und helfen tonnen. Aber in einem Augenblicke des Mißtrauens habe ich sie verlassen, und sie dadurch der Verzweiflung Preisgegeben. Sie sah, daß ich an ihr zweifelte und das hat sie zu dem unseligen Schritt bewogen. Ich trüge die SckMld — ich allein!"
So klagte sich der brave Mann selbst an und war auch nicht durch die Zusprache Ferdinands zu beruhigen.
„Turch Mißtrauen", fuhr er fort, den Trost Ferdinands mrückwciftnd, „geschieht, das meiste Unheil auf der Welt. Mißtrauen und mangelnde-Offenheit sind die Grundübel — sie leiten gleich hämischen Teufeln bte Menschen auf fuuax Wege und wenn (vir in Sumpf und Moder, Sünde und Verbrechen stecken, dann lassen sie uns höhnisch lachend im Stich Oh ich Tor, ich großer Tor !"
Er setzte sich an eines der Fenster in der Gaststube nieder, stützte ben Kopf in die Hand um) schaute traurig vor sich hin.
Ter Wirt überreiche tfeioiiiaiib einige heute morgen einge- noffem Briefe. Meck-anisch öffnete Ferdinand sie und überflog ihren gleichgilligen Inhalt. Nur ein Brief erregte seine Aufmerksamkeit. Tcrselbe lautete:
borenen gegenüber in der einen Hand das scharsgeschliffene Schwert, in der anderen dagegen das Zuckerbrot. . . Nicht dem Sieger gebührt dort der Lorbeer, sondern dem! Wiederhersdeller des Friedens."
Es ist interessant diese Reminiszenz auszusrischen.
Zuverlässigen Privatnachrichten aus Südasrim zufolge ist der W i t b o i a u f st a n d erst ausgebrochen, nachdem man deutscherseits mit der Entwaffnung der Witbois begonnen hatte. •— Die deutschen Verluste an Offizieren, Beamten und Mannschaften betragen feit Beginn des Aufstandes 671 Tote.
Der Typhus.
Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Am Typhus gestorben: Reiter Wenzel, Reiter Lange, Reiter Winterstein, Reiter Przyborowski; Reiter Nivergall an Darm- zerreißung durch Huffchlag verstorben.
Hilfeleistung für Südweftafrika.
Die Sammlmtgen der Deutschen Kolonialgeseltschast für die Hilfeleistung in Südwestafrika haben 272 000 Mark überstiegen.
Votitische Tagesschau.
Grünewald- Mißvergv n gen.
-V Berlin, 2. November.
Seitdem der Kaiser den Entschluß gefaßt hat, den bei Berlin gelegenen Grünewald zum Volks park umzugestalten, wird der Grünewald mit Argusaugen beobachtet. Jedes Projekt, das Irgendwer auf geduldiges Papier drucken läßt, — sei es nun, daß es sich um die Anlage einer Riesen- Arena von hundettausend Personen Fassungskraft handelt, oder um die Errichtung von Theater- und Vergnügungsstätten oder um die Schaffung weltstädtischer Restaurants — erfährt alsbald die eifersüchtigste Mißbilligung. In seiner »Unberührtheit", in seinem »charakteristischen Ernst", »voll Stille und Heimlichkeit" soll der Grünewald erhalten bleiben. Verlautet nun gar, daß ein kleiner Teil des Grünewalds der Bebauung erschlossen, d. h. zur Anlage von Ein- und Zweifamilienhäusern, bestimmt werden soll, dann erhebt sich em Schrei der Entrüstung. Flugs ergeht ein Aufruf zur Sammlung von Unterschriften gegen die angebliche Waldverwüstung, wird über Vorschubleistung von Bodenspekulationen geklagt und natürlich auch eine Volksversammlung zu flammendem Protest einberufen. Kürzlich hätte eine solche Versammlung beinahe stattgesunden. Als nämlich der Ein- berufer, eine große Rede im Gewände, sein Publikum musterte, da zählte er ganze acht Personen und verzichtete weislich darauf, diesem kleinen, aber erlesenen Kreise seine Meinung zum Besten zu geben.
Wir erfahren von wohlunterrichteter ©eite, daß die Be- fürchtungen, als solle der Reichs Hauptstadt die »Lunge" genommen werden, die der Grünewald darstellt, durchaus der Begründung entbehren. Tie in Vorbereitung befindlichen Pläne, von denen der Kaiser wiederholt Kenntnis genommen hat, wahren im wesentlichen den Eharatter des Waldes. Daß die Wege vermehrt und verbessert werden, daß durch Rasenanlagen und Anpflanzungen das etwas düstere und monotone Bild des fast nur aus Kiefern bestehenden Forstes freundlich aufgehellt wird, dagegen läßt sich nichts einwenden. Und wenn man den Grünewald zu einem Volkspark mn- gestalten will, dann inuß man schon dafür sorgen, daß der Geschmack des Volkes, der nun einmal nicht nur auf Natur- genuß, sondern auch auf Erholungen mehr materieller und derberer Art gerichtet ist, (eine Befriedigung findet. Die Besucher Berlins, die zur Sommerszeit oft enttäuscht sind, daß eine Stadt von dieser Größe und Bedeutung dem Fremden wenig mehr zu bieten hat, als den Ausstellungspark, werden das bunte Leben und Treiben, das dann der Grünewald verspricht, gewiß mit Vergnügen beobachten. Bei der riesigen Ausdehnung dieses Waldes finden die Freunde ländlicher Stille und Einsamkeit Gelegenheit genug, sich zurückzuziehen.
*
Die letzten Tage vor der Wahl.
In den Vereinigten Staaten von Amerika sind alle Parteien geschäftig, die letzten Tage vor der
„Geehrter Herr Groller !
Hierdurch ersuche ich Sie höflichst, sobald wie möglich nach Berlin zu kommen und bei mir vorzusprechen, da ich Ihnen eine wichtige Mitteilung zu machen habe, welck-e ich dem Papier nicht anvertrauen mag, da ich nicht weiß, ob mein Brief Sie er- reiä-t. Tie Mitteilung betrifft den Tod Ihres Bruders.
Ihr ergebenster
Berner,
Justizrat und Königlicher Notar."
,Lesen Sie das, Herr Amtsgerichtsrat", sagte Ferdinand, jenem ben Brief gebend. .
„Ach, eine geschäftliche Angelegenheit."
„Ich glaube kaum. Ich vermute fast, daß der Juftizrat über den rätselhaften Tod meines Bruders neue Entdeckungen gemacht hat. Ges<Miftlick)e Angelegenheiten erledigt sonst fein Bureauvorsteher. Mit ihnen befaßt sich der Juftizrat nicht."
„Tas ist wahr. Der Juftizrat hat nur für sckMierige und pikante Fälle Jntereffe!"
„Was roten Sie mir also r
„Fahren Sie nach Berlin."
„Gut. Ich werde Den Juftizrat aussuchen. Aber dazu ist es morgen auch noch früh genug Ich weroe heute ben Erfolg ber Ermittelungen nach dem Verbleib Bertha Wullbrairdts abuxarten."
T-er Tag verging. Gegen abend liefen die Meldungen der verfck-iedenen Gendarmeriestationen ein. Acan hatte die BerWvun- bene nicht gefunden. Am Tage vorl)er hatte mau sie wohl auf der Landstraße bemerkt, aber uick-t weiter aus sie geachtet. Sic mußte tiefer in das Land hineingegangea sein, oder von irgend einer Station die Eisenbahn benutzt haben. Man hatte vorläufig ihre Spur verloren und mußte abwarten, ob nicht die entfernten Gendarnierie-Posteu günstigere Meldungen einsck>ickteri.
Ter Amtögerichtsrat war ttosttos.
„Ich glaube", sagte Ferdinand, „datz aus allen diesen Meldungen wenigstens die'Sicl>erhe.t hervorgeht, da ßsie keinen Selbstmord verübt und verüben iviU. Wozu brauchte sie sich sonst so weit zu entfernen?"
Entscheidungsschlacht am nächsten Dienstag noch voll auszunützen. Mpublikaner wie Demokraten behaupten, daß der Sieg am 8. November ihnen sicher sei. Die Wahl- wett en nehmen einen großen Umfang an. In Wall Street wurden große Wetten gemacht zugunsten von Roofe- Veit im Verhältnis von 4, 5 und manchmal 6 zu 1. Das Gesetz erklärt Wahlwetten für strafbar, wenn die Wettenden; selbst an der Wahl beteiligt sind, aber darum kümmert; sich niemand. Ter Expräsident Grover Eleveland hat üt Newyork vor vielen Tausenden eine große Rede für die Wahl Parkers gehalten; er nannte Roosevelts äußere Politik eilte Förderung der „internationalen Im-, moralität". W. I. Bryan, der heftigste Gegner Parkers vor der Konvention in St. Louis', bereist den Staat In-- diana, um Stimmung für Parker zu machen.
Richter Parker hielt in Newyork eine Rede vor einer großen deutschen Versammlung, in welcher eqj besonderes Gewicht auf die Notwendigkeit der Bekämpf-- uug des Militarismus legte, den die Anwesendew im alten Daterlande empfindlich gespürt hätten und unten denen auch der Vorsitzende dieser Versammlung Karl Schurz gelitten habe. Parkers energische KampagTie flößte den Temokraten neuen Mut ein, sodaß die hervorrazendeur demokratischen Blätter den Staat Newyork ünd damit ben; Präsidenten zu gewinnen glauben
500 der bekanntesten Deutschen in Newyork erliegen einen Ausruf, indem sie pie Wahl RooseveltÄ unter Bezugnahme auf die bekannte Bismarckrede vont Mai 1879 befürworten.
In Groß-Newyork werden die Demokraten beschuldigt, 10 000 falsche Registrierungen von Wählern vorgenommen zu haben. Daß viele Betrügereien Vorkommen, ist bekannt; zum Beispiel sollen Eingewanderte, die noch nicht volle fünf Jahre im Lande waren, massenhaft ihre Bürgerpapiere erhallen haben gegen das Versprechen, für die Demokraten zu stimmen.
Als ein kurioses Beispiel, wie für jeden amerikanischem Bürger gesorgt wird, damit er sein Stimmrecht ausübem kann, streng Heu Wahlvorschristen gemäße wird in her Newyorker „Sun", berichtet,' daß in einem wett entlegenem Distrikt von Newyork' (Stadt) nur ein einziger Wohler wohnt, der Wächter eines großen Holzhofes. Die Wohnhäuser wurden'm der UmMgend abgerissen, wett ein' Park dort angelegt werden sott, aber die Wahlbehörde trag dieselben Vorkehrungen wie für einen bevölkerten DistriL. Vier Wahlbeamte und ein Polizist wachen über die eine Wahlstimme, welche die Stadt 260 Dollar kostet, aber die! Kosten kommen nicht m Betracht; auf solche Zeugnisse ihres Bürgerrechts sind die Mmerttauer stolz.
Neben den großen sind auch die Heinen Parteien m eifriger Tätigkeit Populisten und Prohibitionisten rechnen; auf eine starke Zunahme ihrer Stinwren, und die Sozialisten setzen unermüdlich ihre Agttatton fort und erwarten? natürlich auch mit Zuversicht ein gutes Resultat.
Ueb« den spanische« KarnDer-Skandal
liegen jetzt nähere vlachrichten vor, die beweisen, daß die Auftritte in der mehrtägigen Dauersitzung alles bisher Da^ gewesene — wenigstens soweit Spanien in Bettacht kommt — übersteigen. Aus Madrid wird u. a. der »Köln. Ztg." gemeldet:
Unmittelbar schuld war der unglückliche Vizepräsident Marques Figueroa, ber, um der Regierung gefällig zu sein, ben Rednern ber Opposition ben klaren Bestimmungen der Geschäftsordnung zum Trotz, einfach das Wort abschnttt. Irr dem furchtbaren Tumult, ber dann die beleidigende Aeußerung eines ministeriellen Abgeordneten hervorrief und dem die Minister anfangs mit herausforderndem Lächeln Zusätzen, spielten sich Auftritte ab, bte jeder Beschreibung spotten. Als ber 80jährige Rtarques de la Vega de Armijo mit; jugendlicher Entrüstung auf die Ministerbank zulief, rief ihm Maura, der für ferne Weste fürchten mochte, zu: »Auf Ihren Platz, Marques!" worauf dieser erwiderte: »Und Sie nach Haufe, Alamarracho!" (lächerlicher einfältiger Kerl) — eine Aeußerung, die ihm eine große zustimmende Kundgebung ein* brachte. Am Präsidententisch war das Handgemenge am dichtesten. Plötzlich fiel das Kruzifix, worauf die Ab*^ georbneten ben Elb zu leisten haben, um unb zerbrach, ben
„Sie tonnen Recht haben. Aber weshalb nahm sie das Gift mtt
„Hat sie es wirklich mügenonimcn? Ist bas umviberleglich bewiesen, Herr Amtsgeriä-tsrot'?" fragte Ferdinand lächelnd.
„Ah, Sie wollen mich mit meinen eigenen Waffen schlagen!, Doch ftt gebe Ihnen reckst — es ist noch nichts bewiesen, und- wir wollen das Verttouen nicht verlieren. Fahren Sie noch Berlin und geben Sie mir Nockwickst, was der Justizrat Ihnen mitzutellen hat. Ich oleibe hier, um mich des armen verlaufenen Äwes anzuuehmeu."
„Sie gestatten mir wohl, daß auch ich für das Kind meines Bruders sorgen darf?"
„Nein, nein, das bleibt meine Sache!"
Der alte Herr schüttelte Ferbinand lebhaft die Hand und teäte dann fort nach dem Heinen Hause, das so lange ein Hort be£< Friedens UNO des füllen Glücks für ihn gewesen war.
(Fortsetzung folgt.)
— Am großen Stern in Berlin. Wir lesen in der „Berl. Ztg." des Herrn v. Gerlach: .... Zuerst ist da ein Brunnen mit einem Hirsch unb bem heiligen Hubertus im absoluten Operettenstil, U echt ritz hat in ber Hubertusfigur Eberlein an falscher Pose übertroffen. Ter Hirsch hat ein Schafsgesicht unb eS scheint, als ob die wundervollen Hiffche, die ^ao Rokoko modellierte, dem Bildhauer nie zu Gesicht kamen. Taß irgend wie ein bißchen Wasser läuft, — ein paar Tröpfchen — bo vechtigt nebenbei noch nicht, diese unorganische Verbindung von Stein und Bronze Brunnen zu nennen. Von beu übrigen Gruppen ist Hoverlamps Fuchsjaab doch wenigstens als Komposition, als Ausbau mit dem Begriff Plastik noch vereinbar, wenn es auch int ganzen wie ein Aussomitt aus einem cngüfdien Farben lupft r noch M orwnb wirkt und für den Jäger selbst eine sehr unglücklich' Unkfridjt bietet TaS ütrdcre - mit AuSnohme von Fciderhofss Bänien, an denen nicht viel zu DCTbcrbeu war — ist jeriseitS von Gute und Böse. Schipers Germane ist aus bem Berliner Opernhaus (siehe Siegfriebaufführung, ber Ur aber


