Ausgabe 
4.10.1904 Zweites Blatt
 
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?hin sollte der Einbrecher herauSgchagert löit Air Pol-et qebre.clu icerben. x'Ver beschreibt aber bei3 öitrfc^en der b eiben Unterbeaairten der vermeintliche Eiabrschwer lum: der Chef, der Herr- Postd ire kto r ! Tal'lrpux.

** Ern WohnungSparlalnent. Der für den 16. dis 19. Oktober d. IS. nach Frankfurt a. M. einberufene 1. Allgemeine deutsche Wohnungskongreß verspricht ein richtiges Wohnungsparlament zu werden. Nach den bereits jetzt vorliegenden Anmeldungen werden wohl so ziemlich alle Richtungen, die eS in der Wohnungsreform gibt, reichlich vertreten sein: Metervereinler und Hausbesitzer, Baugenoffen- schastSleute, Bodenreformer, Sozialpolitiker aller Richtungen, Vertreter der großen Vereine und Verbände, die sich mit der Wohnuugsreform beschäftigen, wie z. B. deS Rheinischen Vereins zur Förderung des Arbeiterwohnungswesens und deS Vereins ReichS-WohnungSgesetz (Deutscher Verein für Woh­nungsreform) ; weiter werden anwesend sein Vertreter von Arbeiterorganisationen, Krankenkassen, der Deutschen Garten­stadt-Gesellschaft, Handelskammern usw. Dazu treten natür­lich eine bedeutende Anzahl von Staats-, und namentlich Kommunalbeamten, wenngleich wohl insbesondere von den ersleren ein Teil mehr zur Information erscheinen wird. Besonders die Landes-Versicherungsanstalten entsenden zahl­reiche Abgeordnete. Auch daS Reichsamt des Innern und eine Anzahl Ministerien haben Vertreter an gesagt.

Butzbach, 3. Okt. In der gestrigen Versannnlung der Ortskrankenkasse für Butzbach und Umgegend wurde der Eintrag, der die freie Aerztewahl für den hiesigen Kassen­bezirk verlangt, einstimmig abgelehnt.

? H erche n h arn, 3. Okt. Die hiesige Lehr er­stelle, welche am L Oktober vakant wurde, erhielt der Schulde-rwalrer Herurick Schaaf au5 Hörgenau (Kreis Lauterbach) zur Verwaltung. Der Genannte wirkte schpn einmal vom fl. Februar 1902 bis 1. Oktober v. I. an der hiesigen Lehrersrclle und genügte darauf seiner Militär- MM

§ Vom oberen Vogelsberg, 3. Okt. Am ver­flossenen Samstag kam eine vielköpfige Truppe von Zigeunern nach dem Dörfchen K. Die Männer kamen am Abend in eine'Wirtschaft und konzertierten. Der Besuch des Konzertes war recht gut; auch die hochlöbl. OrtS- poüzer war unter der Zuhörerschaft. Im Dunkel der Nacht kamen aber Zigeuuerweiber und -Kinder, durchsuchten die Gehöfte, stablen Wasche und plünderten die Gärten. S&m dem Nachtwächter verjagt, zeigten sich einige aodi widerspenstig.

Offenbach, 3. Okt. Unter lebhafter Anteilnahme der Bevöllerung i|t gestern unser neuer Schlachthof feierlich eröffnet worden. Dem Feste wurde eine erhöhte Weche dadurch gegeben, daß gleichzeitig die hiesige Fleischerinnung die Feier ihres 26 jährigen Bestehens damit verbinden konnte. Die Straßen unserer Stadt, durch die der Festzug ging, hatten reichen Fahnen- und Guirlandenschmuck angelegt. Nach­dem von 10 Uhr ab die Gäste von auswärts empfangen worden waren, begann um 11 Uhr die akademische Feier m

der Gartenhalle, zu der sich die Deputationen aus allen Fleischerinnungen der näheren und weiteren Umgebung ein- gefunden hatten. Nachmittags bewegte sich ein großer Fest- zug nach dem neuen Schlachthof, der am Eingang mit Psianzenarrangements geschmückt war. Hier hielten der Ober­bürgermeister und zahlreiche andere Persönlichkeiten Ansprachen.

Marburg, 3. Okt. Heute nach Mitternacht befanden sich ein hiesiger Einwohner mit Frau und Kind und einem bei ihnen wohnenden Studenten auf dem Rückwege von Schröck hierher. Im Wald oberhalb des Hansenhauses wurden sie plötzlich von mehreren Per­sonen, die sich da auf der Straße herunrtrieben, an ge­fallen und mit Messern verletzt. Während der Fa­milienvater nur einen Stich unterhalb der Schalter erhielt, wurde der Student erheblich verwundet. Der Erstge­nannte eilte mit seinen Leuten nach der Stadt, während der Student sich verlor und im Walde verirrte. Die Blut­spuren waren heute morgen von der Straße aus eine Strecke weit durch den Wald zu erkennen. Der Student hatte sich bis in die Nähe der Abdeckerei geschleppt, wo er heute morgen vom Wasenmeister, besinnungslos auf der Wiese liegend, gefunden wurde. Er wurde sofort in die Klinik geschafft. Ter überfallene Ehemann gab einen Schuß auf die Angreifer ab, wodurch möglicherweise einer von ihnen verletzt wurde. Das könnte unter Umständen zur Entdeckung der Täter führen. (H. L. Z.)

Homburg v .d. H., 3. Oft Die hiesige Firma; Gebrüder Hausmann, Lederfabrik, beging am L-ams'- tag die Feier ihres fünfzigjährigen Bestehens, Aus diesem »Anlässe wurde jden etwa 200 Angestellten doppelte Löhnung ausgezahlt. Das Bureaupersonal sowie die Arbeiter überreichten dem derzeitigen Chef sinnige Ge­schenke. Die J-abrii selbst besucht seit 1840. Biele Arf- deiter der Fabrik konnten bereits ih-r 25- bezw. 50j8hriges! Arbeiterjubiläum feiern.

Krankfurier Kunst.

Im Kunstsalon Hermes zu Frankfurt a. M. ist eine große Sonderausstellung von mehr als 50 Gemälden, darunter 18 verkäufliche Franz v. Lenbachs. Ein Jugend- bilbniS des großen Porträtisten fesselt am meisten durch die geistvolle Auffassung seiner selbst und trägt mehr zu seiner Charakterisierung bei als ein Dutzend umfänglicher Lebens­beschreibungen.

Außerdem enthält die Oktober-Ausstellung dort Werke von Feuerbach, Segantini, W. Trübner, HanS Thoma, ein paar ziemlich süßliche Porträts von F. A. v. Kaulbach, einige prächtige kleine Stücke von Zumbusch, einen großen, aber zweifellos aus seiner spätesten Zeit stammenden, temperament­losen, trotzdem szenisch wüsten ,Krieg' von Böcklin, ein paar recht schlechte Stucks, dagegen wieder eine Reihe wundervoller, ganz modern geschauter Charakterköpfe vom alten Ed. v. Gebhardt, nichts Sonderliches von Lieber­mann, ein paar Skizzen von A. v. Menzel rc.

Im K u n ft o e r e i n an der Junghofstraße, der von Gießen aus viel zu wenig besucht wird, sieht man eine Reihe von

sehr verschiedenwertigen Porträts von Theodor Alt. Einige sind altmodisch, glatt, geleckt, langweilig, ohne jede eindring­lichere Charakteristik, andere, namentlich ein mit großer Kunst verkürzter weiblicher Körper, von überraschender Schönheit, von wärmster Fleischlichkeit, von blühendem Reiz. Auch ein paar, wohl 10 Jahre später als die anderen geschaffenen Porträts zeigen einen große, reife psychologische Vertiefung. Unter den Original-Lithographien, die ausgestellt sind, finden sich ganz entzückende und verblüffend billige Blätter unserer ersten Landschafter wie Leistikow, Kampf, Searbina, Bracht, Feldmann, Kall morgen, sehr schöne und geistreiche Skizzen von Menzel rc. Eine Schülerin Trübners, Frl. Bandell, hat ein paar Köpfe ausgestellt von ungleichem Wert, aber alle sind sehr scharf geschaut und von sprechendem Ausdruck. Auch sonst noch findet sich dort recht viel Sehens­wertes, namentlich unter den plastischen Werken. Ein Besuch ist also außerordentlich lohnend._________________________W.

vermisstes.

* Hannover, 3. Okt. Nach einer demHann. Cour." aps Dorum zugegangenen Meldung sind zwei wegen Ver­dachts der Spionage Mitte September verhafteten Franzosen gestern aus der Hast entlassen worbest.

Elbing, 3. Okt Frau Kommerzienrat Löser in Berlin stiftete für Wohlfahrtseinrichtungen in der Zist. garrensabrik von Löser u. Wolff 100000 M k.

Berlin, 3. Okt. Ein rätselhafter Fund von Blutspuren in Schöneberg beschäftigt die dortige Kri­minal-Polizei. Tie Menge des aufgefundenen Blutes war so groß, daß es sehr wohl von einem ermordeten Menschen, der sich verblutet hat, herrühren könne. Ob jedoch ein Verbrechen vorliegt, ift nach den bisherigen fast erfolglos gebliebenen Aufklärungs^Dersuchen der Polizei fraglich

Märkte.

Gießen, 4. Okt. Marktbericht. Aus heutigem Wocbenrnarkt kosteten: Butter pr. Psd. 1.001.15 Mk., Hühnereier 1 St 78 Psg. 2 Stck. 1500 Pfg^ Gänseeier 0000 Psg., Enteneier 70 Psg., Käse pr. Stck. 68 Ps., Käsematte 2 Stck. 56Pfa. Erbsen pr.Liter 21Pfg., Linsen pr. Liter 32 Psg., Tauben pr.PaarO,80 0,90 Alk., Hühner pr.St. 1,001,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,601,20 Ack., Enten pr. Stuck 1,802,20 Alk., Gänse pr. Psd. 0070 Psg., Ochsenfleisch pr. Pfund 0080 Psg., Hub- und Rindfleisch pr. Psund 6268 Psg., Schweine­fleisch pr. Psund 6072 Pfg^ Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psund 76 Psg., Kalbfleisch pr. Pfd. 6876 Psg., Hammelfleisch pr. Pfund 5074 Psg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6P07,50 Mk^ Weißkraut per Stuck 1020 Psg., per Zentner 0.000.00 Mk, Zwiebeln pr. Zerrtner 8,0010,00 2)1 L, Milch per Liter 18 Psg., Äepfel per Zentner 4 bis 8 Mk., in Körben 0000 Psg. Rufst 100 St. 30-00 Psg. Zwetschen per Zentner 2.503.50 Mk. Birnen per Zentner 6 bis Mk. Marktzeit 82 Ul>r.

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