Nr. ZZ3
Zweites
154. Jahrgang
Redaktion, Expedition «.Druckerei: Schulftr.?. Tel. Nr. bl. Telegr^Adr. r Anzeiger Gieße«.
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm Universitätsdruckerei. R. Lange, Gieße».
Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener FamMenblatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
_ , „ „ Dienstag 4. Oktober 1904
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Kentralnotierungsstelle und Getreidemarkt.
In der „Deutschen Agrarkovresp/' werden die Unterschiede Mischen der Zentrain otierunigsstelle der Preußin schen Landwirtschaftskammern und dem Getreidemarkt, (& ml V. H., irrte folgt feftgelegt:
Dlie Zentral notierungs st ekle ermittelt die Preise von gestern, um sie heute ohne jede Kritik der eingelaufenen PreisL'erichte — M veröffentlichten und zwar; m drei. Abteilungen, von denen sich' die erK auf die Gröhe der Preisdifferenz, die zweite auf den privat ermittelten Preis für Getreide einer bestimmten Gewichts- qnalität, due dritte aus die Preise der wichtigsten >Mus- tandsmärkte beziHt, die jn einer sonst in; der Praxis' nicht üblichen Meise alle <auf die Pretsbasis von 'Berlin unp- gerechnet werden. Sie verbreitet in Wochenberichten jene Marktltachrichten, die an der Berliner Börse bekannt geworden sind. Die ganze Tätigkeit der Zentralnotierungsshelle charakterisiert sich mithin als die eines Chronisten, der gewissenhaft berichtet, was gejch,ehen ist
Der Getreide markt repr äs entiert' hinge gen die britisch-wissenschjaftliche Geschichtschreibung in engster Verbindung mit praktisch-politischer Tätigkeit. Während die Zentralnotierungsstelle nur nach dem Me vvn gestern; frugt, fragt der Getreidemarkt außerdem noch nach dem Warum. Und iv-enn sich bei der deshalb notwendigen Kritik der Marktereignisse von gestern Gründe zur Beanstandung ergeben, so sieht der Getreidemarkt außerdem eine Aufgabe darin, die Frage zu beantworten: „Wie könnte es besser gemacht werden? Für den Getreidemarkt ist dabei die naturgeinäße Basis aller Kritik das V'er^- hältnis von Angebot und Nachfrage und Vorrat und Bedarf zu der jeweiligen Preisbewegung. Im Verlaufe seiner siebenjährigen Tätigkeit hat auf solche Meise das Unternehmen „Getreidemarkt" folgende drei schweren Mängel unserer heutigen Getreidepreisbildung aufgedeckt und zu deren Beseitigung folgendes Programm in Aktion gesetzt:
a. Schwindelhafte Nachrichten der Getreideterminspekulanten im Markte. Dazu hat sich der Getreidemarkt einen selbständigen, von den Terminbörsen unabhängigen, nationalen wie internationalen Nachrichtendienst organisiert und weiter durch umfassende Sammlung der Materialien und Ereignisse des Marktes der Vergangenheit das Unternehmen so ausgerüstet, daß es möglichst jeder Nachs- richtensalschung im Markte tunlichst sofort entgegentretenl konnte,' wie das recht oft geschahen ist,
b. Bedenkliche 'Abhängigkeit der europäischen Märkte und ihrer Marktrrckinung von den rrordamerikanischen Terminbörsen und ihren Nachrichten Etwa an 9 Managen unter 10 schöpft die Berliner Terminbörse ihre für die Preisberveguug entscheidende Anregung aus den Markt- telegrammLN von Chicago und Newpork. Dieser Zustand ist schon deshalb ein ungeheuerlicher, weil Europa Drei* bis viermal mehr Weiten und vierzig- bis fünfzigmal mehr Roggen erntet als Nordamerika. Das Unternehmen „Ge- treidemartt" hat deshalb wesentliche zur Gründung der Internationalen landwirtschaftlichen Vereinigung für Stand und Bildung der Getreidepreise" beigetragen, welche die Vereinheitlichung unserer europüisch;en Getreidestatistik vorbereiten will, und er ist außerdem in der Lage, wöchentlich die Getreidebeweaung' auf den wichtigsten Plätzen der süddeutschen Staaten, die «Äetrejdevorräte in den Schstreizer Lagechäusern und die Zufuhren nach Italien zu veröffent- lichen. Daß die gleichen Bestrebungen bei den preußischen Ministern seit fahren keinerlei Entgegenkommen finden, ist nicht die Schuld des „Getreidemarkt".
c. Mangel jeglicher Marktmeinung auf Seite der Produzenten wie der Masse dar Konsumenten (Müller und Bäcker). Die Masse der Landwirte, der Müller, Bäcker und selbst der Händlex besitzt heute keine selbständige Marktmeinung und wird deshalb so leicht die Beute der leiten- derr Spekulanten an den großen Terminbörsen. Deshalb war der Getreidemarkt bemüht, e,in „Lehrbuch über die Preisbildung für Getreide"" zu veröffentlichten.
Mitische Tagesschau.
Ein neues landwirtschaftliches Programm der Berliner Regierung?
Bon einer, wie es sagt, ausgezeichnet unterrichteten politischen Persönlichkeit, die wohl zweifellos in Berlin zu suchen ist, bringt das nationaüiberale „Leipz, Tagebl." über
Der King.
Kriminal-Roman Vvn O. Elster.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Die furchtbaren Worte Bertha Wüllbrandt's bohrten sich aleiü^ glühenden Pfeilen in ihr Herz: „T>er da, der I)ier un Stabe ' liegt, ist um deinetwillen gestorben . . . weck er dich llCbt&äiten5tM* ntts-dlichm Worte den Sinn, daß, der Bruder den Bruder erschlagen, weil beide sie liebten?"" .
Äe erinnerte sich wohl, wie Franz Groller wahrend. semes Icdte^ BeE w WenÜessen sich weit mehr unt chr beschalstgt X” 7Z früher Er brachte ihr eine kostbare Brosche als iÄnE mit, viel zu kostbar für sie, die Tochter des Landpfarrers. , . . .,u n bcn Morgen, um mit ihr zu plaudern ooer rhr ber . «.leiten im Garten zu helfen; er erzählte von hCh«nfimdtcn Reijm im Osten und Westen, daß sie, welche kaum L. («ccrticit ihrer Jugcndhcimat überschritten, eutcrcssicrt zu-
iini eiaidL 1“riefte er sich und spielte mit dem kaum
K&taÄ SU mrd munteren Mäd-
s° glaubte sie, fichlt- er für sie ; Freund, s.haft nnd^brüdeÄche Zuneigung, weil er wußte, daß Ferdmaud, 1,1,1 gSdÄ mtHMetlic&e SBertraulicWt hatte auch sie ii;!“ K 7L°"uuttr diesem harmlosen Verkehr Sünde ' Hb । । iviH und verbrechen verborgen # gewesen Jein ? Unter bcu 11 dir gistige Schlange? Unter dem freundlichen Lächeln
das Programm des neu ernannten Unterstaatssekretärs im preußischen Ministerium für Landwirtschaft, v. Conrad beachtenswerte Mitteilungen, die um so bedeutungsvoller erscheinen, als sie von einer Seite ausgehen, die mit der politischen Richtung des Blattes nicht durchweg harmoniert. Es heißt da u. a.:
Es dürfte nicht allein die Rücksicht auf rbie Ostmarkenpolitik sein, die den Reichskanzler bestimmt hat, sich von seinem verdienstvollen Mitarbeiter zu trennen. Herr v. Conrad dürste dazu ausersehen sein, der Träger eines landwirtschaftlichen Programms zu werden, das dem Reichskanzler sehr am Herzen liegt, und dessen Verwirklichung schon seit geraumer Zeit zu den immer wieder aufs neue erwogenen Gedanken gehört. Herr v. Conrad dürste der Mann sein, dieses Programm, das sich freilich unzureichender Knappheit in das Schlagwort Intensivierung der Landwirtschaft zusammenfassen läßt, mit Sachkenntnis auszuarbeiten und mit Festigkeit zu vertreten. Jnsoferu mag man ..... in der Versetzung des Herrn v. Conrad einen „Erfolg der Agrar-Konservativen" erblicken. ^Indessen handelt es sich ja nicht um eine Liebesgaben- gesetzgebung (1), sondern um eine Unterstützung der Landwirtschaft, die im wesentlichen erzieherischer Natur, durch An- re g u n g, B e l e h r u n g und umfassende Pädagogik wirken will und sich daher die Sympathien aller Parteien gewinnen wird. Freilich mit Ausnahme jener Unbelehrbaren, die nicht rasch genug die völlige Industrialisierung Deutschlands herbei- sühren können.
Wenn der Verfasser der obigen Auslassung wirklich den politischen Gewässern an ihrem Ursprung auf den Grund zu sehen in der Lage ist, so wird die Zuschrift ganz besonders im agrarischen Lager Aufsehen erregen. Herr v. Conrad ist ausersehen zur „Erhaltung und Stärkung" der de u schen Landwirtschaft. Einige Wendungen des Briefes drangen zu der Frage: etwa im Gegensatz zum Bunde der Landwirte oder ohne ihn? Man erinnert auch an den Hinweis des preußischen Landwirlschaftsministeriums aus die A uskun ft s stelle der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, der kürzlich ziemliches Aussehen erregte. Dieser Hinweis sprach bekanntlich davon, daß dem praktischen Landwirte zum Teil eine gründliche fachmännische Vorbildung fehlt. Immerhin ist es etwas eigenartig, das „neue Programm" mit Unterstaatssekretär v. Conrad als dessen Träger zu veröffentlichen, während Herr v. Podbielski noch im Amte vt Herr v. Podbielski hat bekanntlich seiner Zeit das Tischtuch zwischen sich und dem Bunde der Landwirte zerschnitten; es ist aber längst wieder geflickt.
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Der Reichskanzler und das Reichsgericht.
Ein Glücklvunschschreiben des Reichskanzlers Grafen Bülow anläßlich des 25 jährigen Bestehens des Reichsgerichts ist an dessen Präsidenten Gutbrod gerichtet und hat folgenden Wortlaut:
Am 1. Oktober sind fünfundzwanzig Jahre verflossen seit dem Tage, an welchem da» Reichsgericht als oberster Gerichtshof für das geeinte Deutschland seine Tätigkeit begann. Mit freudiger Hoffnung richiteten sich die Blicke des deutschen Volkes nach Leipdiü, wo aus allen Teilen des Reick-s bewährte Juristen zusammentraten, um als Hüter des im Jieiche geltenden Rechtes ihres Amtes zu walten. Ich freue mich heute sagen zu können, daß das Reichsgericht die damals gehegten Erwartungen erfüllt hat. Es hat sich das Ansehen zu verschaffen und zu erhalten gewußt, dessen der oberste Gerichtshof zu der ihm anvertrauten Wahrung der Reckstseinheit bedarf. Wod) in den jüngsten Jahren ist mit der Schass-ung des einheitlichen bürgerlick)en Rechtes dem Reichsgericht eine neue und große Aufgabe erlvachscn. Un- geackstet schwerer Arbeitslast haben sich die Mitglieder des Gerichtshofes mit voller Hingebung dieser Aufgabe unterzogen. Ich darf es mit Genugtuung aussprechen, daß zum erheblichen Teile der allerwärts anerkannten Rechtsprechung der obersten Instanz zu danken ist, wenn der Uebergang in das neue Recht sich ohne Schwierigkeiten vollzogen hat. Dem bohen Gerichtshöfe kann ich zu seinem gegenwärtigen Lebensabschnitte nichts Höheres wünschen ,als daß er in dem Geiste, der seine Mitglieder beseelt hat, als Hort des Rechtes zum Segen des deutschen Volkes und zur Festigung seiner nationalen Einheit fprllvirken möge. Euere Exzellenz ersuche ich ergebenst, meine warmen Wünsche für das weitere Gedeihen des Reichsgerichts an dessen bevorstehendem Ehrentage gefälligst zum Ausdruck zu bringen. Der Reick)skanzler..
gez. Graf Bülow.
Auf das Schreiben erwiderte der R e i ch s g e r i ch t s p r ä s i- d e n t telegraphisch folgendes:
„Ten heute anläßlich des 25 jährigen Bestehens des Reichsgerichts zu einem festlichen Mahle versanimelten Mitgliedern dieses Gerichtshofes, der Reichsamvaltschaft und der
die Arglist, der Verrat? Unter den scherzenden Worten sündhaftes Verlangen und tödlicher Haß?
O mein Gott, wohin loar mit einem Male die sonnige Schönheit des Spätsommertages entschwunden? Düstere Schatten schienen die Sonne, die Welt zu umhüllen, wie lang schleppende Trauevgewänder, und aus den Gräbern schienen Webel aufzusteigen, die sich zu gespenstischen Gestalten zusammcnballten und hohngrinsend die dürren Arme nad> ihr ausstreckten.
Glauben, Treue und Liebe schienen aus der Wclt verschwunden zu sein, und Verrat, Neid, Eifersucht und Haß erhoben ihre furcyibaren Mcdusenhaupter.
Nach der Gewohnheit ihrer frommen Kinderzeit nahm das unglückliche Mädchen ihre Zuflucht zum Gebet. Getröstet und gestärkt erhob sie sich nach einer Weile; aber auch einen festen Entschluß hatte sie gefaßt. Ter Glaube an den Geliebten war in ihr auss Neue erstarkt,« die Zloeisel an seiner Schuldlosigkeit waren geschwundene, die Sonne leuchtete wieder hell und strahlend über Gottes schöner Erde und im stillen Frieden einer seligen Ruhe lagen die GrMer der Toten da. Aber ein Geheimnis tvaltete über dem plötzlichen Tode Franz Groller's! Nicht allein das Geheimnis der Tat, das Geheimnis, wer der Aeörder gewesen, sondern vor allem das Geheimnis der Beweggrünoe dieser furchtbaren Tat. Vergeblich halte sick) das Gericht bemüht, dieses Ge- heimnis aufzudecken. Tas Leben des C-rmordeteir war Wohl voll von Menteuern aller Art gelvesen, war ec dock) ein unruhiger Kops, den es in die weile Well hinausgetrieben, aber alle Spuren, welche man verfolgte, verliefen im Sande oder füllten zu einer harmlosen Aufklärung. Jetzt aber hatten die Worte Bertha Wüllbraudts ein grelles Schlaglrcht ans dreses Geheunnrs geworfen Auch der Untersuchungsrichter hatte nach der Richtung hin, welctM das Schlaglicht bezeichnete, geforscht, aber nichts entdecken können. Mit einem Riale zeigte fiel) letzt dre Lpur' Erschreckend deutlich, sodaß Käthe förmhd) davor zurückbebte/ obgleich sie fest entschlossen war, die ^pur zu verfolgen.
Berllm Wüllbrandt kannte dm3 Geheunlus dufer Tat. Ihre leidenschaftlichen Worte bewiesen, daß Liebe, Eifersucht und Haß
Rechtsanwaltschaft habe ich von Euerer Exzellenz uns so hoch ehrendem Erlaß Kenntnis gegeben. Im Auftrage der Versammlung bitte ich Eure Exzellenz, den Ausdruck unseres wäru;sten Tankes entgegennehmen zu wollen. Wir werden alle intfere Kräfte einsetzen, um der hohen Aufgabe, Wahrer des ReMs im Reiche zu sein, immer mehr gerecht zu werden.""
Aus Stadt und Sand.
Gießen, 4. Oktober.
** Personalien. Außer den gestern schon genannten sind nachstehende Lehramtsakzessisten zu Lebramtsassessoren ernannt worden: Ludwig Bernhard zu Mainz, Ludwig Horst zu Alzey, Christoph Kobelt zu Mainz, Heinrich Massing zu Alzey, Dr. Hermann Molz zu Gernsheim, Ludwig Schäfer zu Worms, Julius Schulze zu Worms. — Der Kanzleidiener und Hausbeschließer bei dem Staatsministerium Hermann Scharf wurde zum Kanzleidiener bei dem Ministerium des Innern ernannt. — Am 30. September wurde der Steueraufseher Hohl zu Seligenstadt zum Pfandmeister für den Beitreibungsbezirk Babenhausen ernannt.
** Zehn Gebote für die Theaterbesucher. Ter berühmte ftanzösische Theaterkritiker Francisque Sarcey hat für den perfekten Theaterbesucher folgende zehn Gebote entworfen: 1. Tu sollst nie zu spät ins Theater kommen, selbst wenn du ein König oder eine Königin bist. 2. Du sollst deinen Nächsten nicht mit riesengroßen Hüten oder mit extravaganten Gesten belästigen, selbst wenn du eine sogenannte feine Dume bistz. 3. Wienn du hinaus- oder hineingehst, sollst du den anderen Personen nicht den Rücken zuwenden, damit du niD plötzlich einer Dame in den Schpß fällst 4. Du sollst die 5dühneräugen deines Nächsten nicket zertreten. 5. Du sollst die Vorstellung nicht durch deine Bemerkungen stören unter den: Vorwande, daß du ein Kunstkritiker bist 6. Du sollst nicht mit Ostentation übertrieben lachjen unb weinen. 7. Wenn du nicht ohne Bonbons oder kandierte FruMe leben kannst sollst du sie essen, ohM den Appetit deines Nächsten anzureizen, selbst wenn du die schönsten Zähne zu zeigen hast. 8. Wenn du nicht genug Gedächtnis hust um ohne ein Progranlm auskommen zu können, sollst du es geräuschlos entfalten. 9. Bei musikalischen Muffuhrjungen sollst Du nicht mit dem Mpf oder mit dem Fuß den Takr schlagen, zumal dadurch die Schultern deineA Nächsten oder der Rücken der vor dir sitzenden Personj gefährdet werden könnte. 10. Du sollst nicht aus Gefälligkeit Beifall klatschien und niemals zischen. Das Zischenf im Theater ist ein Zeichen von grobem Egoismus.
** Ein verhängnisvoller Irrtum. In dem Städtchen L. in Süddeutschland trug sich wie uns ein Mitarbeiter aus gar nicht weiter Ferne berichtet, vor kurzem folgende drollige Geschichte zu. In diesem Städtchen trieb ein Einbrecher schpn längere Zeit sein Wesen, ohne daß man ihn erwischte. Nun wurde um diese Zeit der Postbeamte N. nach L. versetzt. Am Tage seiner Ankunft war der Chef, der eine Dienstwohnung im Postgebäude inne ha.tte, verreist. N. mußte am selben Tage gleich Nachtdienst tun. Beim Abendessen in einer Restauration wurde ihm von den Stammgästen der Rat erteill, ja seine Wertsachen und Geld in guter Verwahrung zu halten, wegest des bewußten Einbrech,ers. Dieser wurde ihm als ein großer, kräftiger Mann mit einem mächtigen schcharzenj Bart geschildert. Gegen Mitternacht, als die beiden Unterbeamten an den Bahnhof gefahren waren, wo sie ungefähr 2i/2 Stunde verweilten, legte sichl N.^ na.ch,demj er das Gas heruntergeschraubt hatte, auf das un Dienstzimmer stehende Ruhebett und verfiel in eine Art H<llLf-> schlummer. Du fühlte er plötzlich in seinem halbwuchen Zustande, duß eine große Gestalt neben ihm stand. Er fuhr auf und sah sich einem großen Manne in Hemdsärmeln und müchfigern schjwarzen Barte gegenüber. Das konnte niemaand anderes als der gefürchtete Einbrecher sein. Ein Sprung nach dem Fenster, die dort stehende Eisenstunge in' die Hund nehmen und auf den Verbrecher losstürzen war eins. Dieser wollte flüchten, wurde aber von N. gefaßt und k. H. in den — Llbort geeckt urrd eim- geschlossen. Nun Wartete N. sehnsüchtig auf die beiden Unterbeanrten. Der Gefangene machte von Zeit zu Zeit den' schrecklichsten Radau durch Schlageri und Tromnreln gegen die Türe. Als nun die linterbeamten vom Bahnhof zurückkamen, erzählte N. ihnen triumphierend von seirremFang.
dem Mörder die töblidve Waffe in die Hand gedrückt Hattert ** nun handelte es sich darum, denjenigen zu finden, in dessen Seele die Handlungsweise des Erschlagenen jene Leidenschaften erwecken mußte. Er mußte der Mörder sein!
9toch einmal erbebte Käthe vor dem Gedanken, den die Worte Bertha Wullbrandts in ihr erweckt hatte! Wenn die furchtbare Anklägerin bennod) recht hätte! Wenn die Spur auf Ferdinand hinwiese, . . . aber mit einem Male schüttelte sie diesen Gedanken ab und es leudUete hell in ihrer Seele auf.
War es nidjt Bertha Wullbrandts Aussage vor Gericht gerade gerveseil, welck-e Ferdinaud in entscheidender Weise entlastet hatte? Hatte das Gericht nid-t gerade auf Berthas Aussage hin Ferdinand freigesprod>en?
Tie Äürllage, wetdw Bertha soeben erhoben hatte, m«ßte mithin einem andern gelten. Wer war dieser Andere — diese geheimnisvolle Person, die nicht zu entdecken war?
Bertha Wullbrandt kannte fie!
Käthe sprang auf. Ihre Wangen glühten. Ihre Angen blitzten. Ihren: Vater wollte sie alles sagen, damit dieser das Geridü verständigte — Bertha Wullbrandt mußte zu einem Gestarrdnis gezwungen werden!
In diesem Augenblicke ertönte in der Ferne der langgezogene Ton einer Darnpfpfeife und das takturäßige Stampfen und Keuck-en der Lokomotive klarrg herüber.
(Fortsetzung folgt.)
— Heber d i e E r ö f f n u n g' d e s neuen Hof-Theaters in Braunschweig meldet man: D<rs vom Baurat Secling-Charlotterdnlrg nut einem >tosteu Aufwand von zwei Millrone n M a r t nm gebaute Hoftheater wurde feierlich ein- geweiht. Ter Jnteudcmt Baran v. Wangenheim dankte dem Archi- letten sowie allen, bv ib.n während des zweijährigen Baues treu tb eint glänzende Wiedergabe. Brauiißl^aeig besitzt in seinem Host Heater jetzt eine Schenewürdigkeit erstell Ranges.


