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4.8.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 181

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen

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154. Jahrgang Donnerstag 4 August 1904

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26. deutscher Kaus- und Krundvesthertag.

S. u. H. Breslau, 2. Aug.

Unter außerorderrtlich zahlreicher Beteiligung von Dele­gierten aus allen Teilen des Reiches trat heute in den Räumen des hiesigen Konzerthauses der Zentralverband der städtischen Haus- und Grundbesitzervereine Deutschlands zu seinem 26. Verbandstage zusammen.

Der Verband, der im Jahre 1879 durch seinen gegen­wärtigen Vorsitzenden, den Stadtrat Baumeister Hartwig in Dresden begründet wurde und der gegenwärtig 205 Vereine mit insgesamt 109 676 Mitgliedern umfaßt, hat auf die Tagesordnung seiner diesjährigen Versammlung eine Reihe wichtiger Fragen gestellt. So die Baugenossen- schaftsbewegung, das Verhältnis zwischen Hauswirt und Mieter, das Pfandbrieswesen, die Besteuerungsfrage und die Frage der Behandlung böswilliger Mieter.

Auf dem Verbandstage sind u. a. vertreten die 23 Haus- und Grundbesitzervereine Berlins und seiner Vor­orte, die Grundeigentümer-Vereine Hamburg-Altonas, 19 Leipziger Hausbesitzer-Vereine und ferner die Haus- und Grundbesitzer-Vereine in Königsberg i Pr., Hannover, Posen, Mannheim, Zwickau Wiesbaden, Magdeburg, Dres­den, München, Kiel, Frankfurt a. M., Eassel, Gera, Karls­ruhe, Elberfeld, Düsseldorf, Braunschweig, Augsburg, Chemnitz, Danzig, Köln und Essen.

Insgesamt sind über 200 Teilnehmer zu dem Ver­bandstage erschienen, dem heute die Sitzung der Kom­mission zur Ueberwachung des Wohnungs- und Bau- genossenschaftswesens, sowie die Sitzung des Zentral­verband-Vorstandes vopausging. Die Kommission zur Ueberwachung des Wohnungs- und Baugenossenschafts­wesens ist von dem Verbände angesichts der immer wei­teren Ausbreitung der verschiedenen Spar- und Bauvereine ins Leben gerufen worden, deren Wirksamkeit dem Haus­besitzerstande viel Sorgen bereitet.

Wie in der Versammlung berichtet wurde, haben Unter­suchungen von Unternehmungen dieser Art in Altona, Hannover, Leipzig und Magdeburg bewiesen, daß von diesen vom Staate, von den Landesversicherungsanstalten und den Stadtverwaltungen mehr oder minder unterstützten Unter­nehmungen mit Anwendung ütler möglichen Zugmittel die besten, solidesten und zahlungsfähigsten Elemente aus den Kreisen der Reflektanten auf kleine Wohnungen heraus­geholt werden und daß diese Unternehmungen keineswegs

den Aermsten der Armen beispringen oder auch nur bev springen wollten. Vor allem werde darüber geklagt, daß die Tätigkeit der Spar- und Bauvereine auch zu einer Zert fortgesetzt werde, wo kleine Wohnungen massenhaft m Dresden 3000 bis 3500 zu billigen Preisen leer­standen. Es werde damit eine Rücksichtslosigkeit gegenüber dem notleidenden Hausbesitzerstand bekundet, für welche nrcht nur jede Entschuldigung, sondern auch jede Erklär­ung durch hinreichende Gründe fehle. Tatsache sei, daß die bauliche Beschaffenheit der Wohnungen dank der seit 30 Jahren sehr regsamen Tätigkeit der Baupolizei ziemlich gut und berechtigten Ansprüchen genügend sei.

Die hier und da durch Ortsstatut eingeführte Wohn­ungs aufsicht begegne bei den Hausbesitzern keinem Wrdersvruch, da sie diese nur entlaste und zöige, an welchen Zuständen die Mieter schuld seien. Auch die Frage der Aftervermietung wurde in den Debatten gestreift, mdem man es begrüßt, daß die Wohnungsaufficht eine Beschränkung der Aftervermietung herbeigeführt habe. Daraus lerne der Mieter, daß die Wohnungsresorm zwei Seiten habe. Durch die Aftervermietung hätten sich viele Mieter, manche in nicht zu billigender, viele aber in ganz einwandfreier Weise, eine wesentliche Verminderung ihres Mietsauswandes verschafft. Eine Neigung der Mieter, für ihre Wohnung etwas mehr auszugeben, sei nicht vorhanden, obwohl die heutigen Löhne- usw. dies möglich machten.

Es wurd^ beschlossen, die Kommission auch weiterhin bestehen zu lassen und zwar mit dem Auftrage, ihre Tätig­keit auch auf die von Staats- und Gemeindebeamten ge­gründeten Beamten-Wohnungsbau-Spar- und Mieter vereine zu erstrecken, soweit diese aus Reichs- und staatlichen Mitteln billige Gelder für Bauzwecke hergeliehen bekommen.

Insbesondere soll die Kommission die Entwickelung der Baugenossenschaftstätigteit mit Aufmerksamkeit verfolgen und feststellen:

a) welchen Bevölkerungsschichten die Bewohner der Genossen- schaftshäuser zumeist angehören,

b) ob sich die dort zu zahlenden Mieten geringer stellen wie die Mieten für gleich große Räume in Privat- Häusern und hierüber womöglich nach dem Quadrat- meterpreije des lichten Wohnraumes Vergleiche zu machen, oder aber, wenn dies unangängig erscheint, die

Breiten und Tiefen der Privatwohnungen mit denen der Wohnungen in den Genossenschastshäusern, welche zumeist ziemlich karg bemessen sind, in Vergleich zu stellen,

e. ob die wirtschaftliche Entwickelung der GenossenschaftS- Häuser eine günstige ist, oder

ä. ob dieselben auch mit den Kalamitäten deS zeitweiligen Leerstehens, Unverträglichkeit der Mieter untereinander und dergleichen zu kämpfen haben (wie z. B. Genosseu- schaft Laim bei München),

e) ob die ganz mittellosen Mieter und die aus anderen Gründen als schlechte Mietzinszahler bekannten Elemente in den Genossenschaftshäusern die erwünschte billige Wohnung finden, oder ob sie auf die Elite des Mittel­standes, kleine Beamte, Werkmeister, qualifizierte Ar­beiter der feineren Gewerbe u. s. w. reflektieren,

f) wie die Mietverträge in den Baugenosienschastshäuseru wörtlich lauten und insbesondere, ob sie schärfere Be­stimmungen als der vom Zentralverband empfohlene Mietvertrag, oder als die Mietverträge der Hausbesitzer in der jeweiligen Stadt enthalten.

In der Sitzung des Zentralverbands-Vorstandes wurde von dem Vorsitzenden, Stadtrat Baumeister Hartwig-Dresden, der Jahresbericht des Zentralverbandes vorgelesen. Wir ent­nehmen, daß dem Verband im letzten Geschäftsjahre 12 Ver­eine mit 4374 Mitgliedern beitraten und daß die Einnahmen 21 798 Mk., die Ausgaben ca. 19 000 Mk. betrugen.

Die Verhandlungen werden morgen fortgesetzt.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 4. August 1904.

- Allgemeine Pfarrkonferenz der evan­gelischen Geistlichen der Provinz Oberhessen. Gestern tagte hier unter zahlreicher Beteiligung die Pastoral» konferenz der evangelischen Geistlichen und Theologen Oberhessens. Auf Vorschlag des Vorsitzenden, Superintendent Petersen, wurde ein Telegramm an den au§ Hesien scheidenden D. Köstlin abgesandt und darin den Gefühlen der Verehrung und des Dankes gegen den um die Kirche

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