Ausgabe 
4.8.1904 Erstes Blatt
 
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Umty vfnntrtlt batte. auS, er mitte Mc ^tnfd^auutt* «PK de- Vorredners hoch, urüfse aber, wie er 1 fber5eit getan bube, von bem Standpunkte be- Offi zie r S n u< au f einem anderen Boben flehen Der fi*ric^nitiüHer legt sobann die Angelegenheit bett, bie Anfrage bet Abg. Heim in ber M geordneten- ftinrmcr ausführlich dar, wobei er bie Behauptung auf­recht erhielt, bas; ein Erlaß nicht ergangen fei, beT -uin Duell zrvi nge. Nach weiterer Debatte, in welcher ^ruf v. Prevsina abfällig sich darüber anS- -spricht, baß Abgeordnete sich an bie Offiziere heran- drängten, uni sie zur Pflichtverletzung zu veranlassen, würbe schließlich der Militäretat genehmigt._______________

Frankreich nnb der Vatikan.

Nachdem ber Papst am 3. b. M. in langer Audienz Lorenzelli empfangen hatte, sand im StaatSsekre- tariat ein Karbinalrat statt. Die Sitzung wurde heute forttzesetzt. Das Urteil dürfte ober kaum vor November erfolgen Bischof Lenordez befindet sich zu geisi- Heben Exerzitien bei den Drappisten: er bat die Absicht geäußert, noch vor der Urteilsverkünbigung abzudanken. Die dem Bischof von Laval gestellte Frist, nach Rom zu kommen, läuft am SamStag ab.

Der Bischof von Laval ist entschlossen, sein Bis­tum, wohin ct gestern zurückgekehrt ist, weiter zu behalttn. Dieser Entschluß ist auf den Rat des Generaldirektors des DultuSministeriUmS zurüchzuführeii, welcher dem Bischof empfahl, zurückzukehren und auf Grund deS Konkordats seinen Posten beizubehalten. Aus Rom wird gemeldet, der Prozeß gegen den Bischof von Laval Jet bereits vom heiligen Tribunal eingeleitet worden. Wie ver­lautet, würbe die jbiric. um ein ChiSma zu vermeiden, Ttnr im äußersten Notfall über ben Bischof von Laval den Kirchenbann verhangen

Das BlattLcr E r o ix" in Paris bringt einen längeren Artikel des Katholikenführers de Mun, in bem bie katholischen Senatoren, ^geordneten, Generalräte. Ver- einsvorstünde usw. aufgefordert werden, dem Papste Huldigungskundgebungen zu übermitteln De Thnt selbst habe, wie er mitteilt, beute dem Kardinal Staats­sekretär Merrv del Bal im Namen der katholischen Be­völkerung Frankreichs, welche er vertrete, ein Telegramm gesandt, worin gegen den Abbruch ber diplomatischen Be­gehungen Frankreichs zum Vatikan protestiert und der Staatssekretär gebeten wird, dem Papste bic Versicherung ber unwandelbaren Treue ber französischen Ka­tholiken auszufprechen.

Deutsches Keich.

Bergen, S. Auq. Tie ,Hohonzallern* mit dem Kaiser an Bord ist in Begleitung des Kreuzers .Hamburgs und deS Torpedobootes r£(cipner' heute abend 10 Uhr 30 Mm. hier eingetroffen.

Berlin, 3. Aug. Die Ankunft deS Kaisers auf Schloß WilhelmShöhe wird neueren Bestimmungen zu­folge erst am 13. oder 14. d. MtS. zu erwarten fein, nach­dem der Monarch sich kurze Zeit in Ewinemünde aufgehalten hat. Ter Besuch des KasserpaareS in Hameln und Fischbeck wird erst gegen Mitte d. M. stattfinden.

Dem »StaatSanzeiger* zufolge ging den Regierungs­präsidenten eine gemeinsame Verfügung deS Finanz- mmisterS und des Minister- deS Innern nebst einer Denk­schrift betreffend die Gemeindebesteuerung derDrund- befitzer nach dem DeranlagungSmaßstabe deS gemeinen Wertes zu. Die Regierungspräsidenten werden aufqeforbert, bis zum 1. Juli 1905 zu berichten, welchen Fortschritt die Einführung der Grundwertsteuer in den Gemeinden ihres Bezirkes gemacht hat. Der .StaatScmzoiqer* ver­öffentlicht das Gesetz vom 24. Juli 1904 zur Abänderung deS Gesetzes betreffend daS Staatsschuldbuch vom 20. Juli 1883.

Der Minister deS Innern macht bekannt, daß sich sämtliche Bundesregierungen damit einverstanden erklärt haben, daß die teirffamFeit ber zur Heberwachunq deS inter­nationalen Mädchenhandels bei dem Berliner Polizei- prästdium eingerichteten Zentralvolizeistelle auf das Reich ausgedehnt wird, und daß die Kosten nach Verhältnis der Matrikular - Beiträge der einzelnen Bundesstaaten verteilt werden.

Kiel, 3. Aug. Das Kieler Konsistorium entsetzte im Disziplinarverfahren den bereits suspendierten positiven Pastor Iacobfon-Scherebeck, der 1898 als anti­semitischer Reichstagskandidat aufgestellt war, seines Pfarr- amteS.

Stettin, 3.Aug. Der 84jährige Graf von Arnim- De nf en, Mitglied deS Herrenhauses, ist in der letzten Nacht in Schwedt an der Oder infolge eines UnglücköfalleS ge­storben. Im Schlafzimmer deS Grafen, ber schon seit längerer Zeit bettlägerig ist, explobierte eine Benzinlampe (in ber Nacht zum Dienstag), wobei ber Graf an Gesicht unb Brust schwere Brandwunden erlitt, denen er heute nacht erlegen ist.

Air Hereros.

Generalleutnant v. Trotha meldet auS Brinbi- Lngoahererv: Tie zweite Kompagnie des Feldregi- tourt> am 2 August um 8 Uhr vormittags von 150 Hereros bei Okateitei angegriffen Der Angriff wurde abgeschlagen. 30 Hereros sind tot Diesseits sind schwer verwundet ein Unteroffizier leicht verwundet zwei Mann: außerdem sind zwei Wit^ bois tot und einer verwundet. Ein neuer Truppen­transport in Stärke von 13 Offizieren unb 355 Mann sowie 550 Pferden geht am Samstag auf dem Dampfer deS Norddeuffchen LloydWittekind" nach dem Kriegs­schauplätze ab.

Ausland.

Haag, 3. Au§ Bei den Wahlen zur ersten Kam­mer wurden gewählt 29 Antiliberale nnb 18 Liberale Tie Wahl von drei Mitgliedern wurde vertagt. Bor der Auslösung fatfe sich die Kammer aus 27 Liberalen und 23 Antiliberalen zusammen.

Petersburg, 3 Aug Ter künftige Minister be« Innern soll hd'glick adn'nißrative Lbliegenhiten baden, eine ^rt 'M!Irr ft Rußland und Finnland sein. Man nennt Hrr >rfen Bosten den vom Großfürsten Sergius empfohlenen TJ?r>drfen-r miverncur Christi. Reben ihm unb ganz unab­hängig mfrrbe ein Polizeimini st er funktionieren, der ohne »eÄZ$ent<rttonitzflidMen, demnach ohne persönlichen Konflikt mit

der Crffcnt1i(bTcit, die Polizeimrisder im Reicks' zu leiten und deren Aktion »n überwachen hätte.

Konstantinopel, 2. Aug. Die Zivilagenten be­suchten n*ähnmb ihrer viertägigen Reisetour in den Gebieten von Ne-na unb Cdiriba alle durch die voriälmge Beweg­ung beintgefud)ten Ortschaften. Bon Oclnida auS wurden die Stellvertreter ber Zivilagenten Nappa Port und Petroiew nach der (Mirgj<Ianbf(baft Allessio zur Unterfud)un g des weiteren Notstandes und der Leitung einer Hilfsaktion entsendet. .Die Beliörden zeigten sich gegen die Zivilagenten wätuend ihrer Reise sehr entgegenkommend.

Rio do Janeiro, 3. Ang. In Hinblick darauf, daß die Kammer in erster Lesung .die Gesetzvorlage angenommen hat, nach toctdhfT die Zolltarife in probibitiver Weise er­höbt werden, ohne daß die Budgrtkommission die Vorlage be­raten bat, drückten die Vertreter Deuts^lm^S, Englands, Cefler- reick>Nngarns, Belgiens, der Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreid:S und Italiens der Negierung gegenüber einstimmig den Wunsch auS, daß sie ihren Einstuß bei dem Kongreß aus- üben möchte, nm die alten Tarife beizubehalten. Tic neuen Tarife erhöben den Zoll aus etwa zwanzig französische Artikel, darunter Parfümerien, Medizinaln>cine, Papier, Wäsd>e und GlaS- nxrren.

Niutschwang, 3. Ang. Ter Kriegskorrespondent deS Matin" erzälstt in einem auS Nintschwang Datierten Briefe, daß in Sbanhaikwan wo sich noch bie lebten inter­nationalen OkkupationSbetachementS befinden, .die i a p a n i s ch c n Soldaten jetzt eine sehr herausfordernde Haltung entnähmen und kürzlich mit deutschen Soldaten Streit gehabt unb einem deutschen Feldwebel durch einen Säbel­hieb einen Arm abgehauen hätten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, ben 4. August 1904.

** Personalien. DaS Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Fenerlvehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Heubach Johannes Buch- h e iine r, Kirrl X5ru ber, Peter Hering IT., Heinrich Hild, Michael (Sunt), Heinrich Lutz, Gkorg Magfatn, Johannes Magsam III., Michael Meister, Georg Rödelsperger, 05a Rupper t ITT . Gg. Schimpf I., Nikolaus Seitz und Michael Seitz IV.

" Verbreiterung des Battketts auf der Straße nach Heuchelheim. Der Kreis Gießen hat, nachdem schon früher bic Stabt Gießen das Gelänbe bazu zur Verfügung gestellt hatte, unter Beteiligung ber Provinz beschlossen, bic Kosten ber Anlage eine« Bürgersteigartigen Bankett« längs ber Robheimer C-Hatiffee bis zu der nach Heuchelheim ab­gehenden Straße, im Anschluß an den von der Stadt bereits angelegten verbreiterten Fußweg, zu übernehmen. Mit ben Arbeiten zu dieser wichtigen BerkehrSverbefferung wird alsbald begonnen werben.

* Polizeibericht. Gestern nachmittag gerieten in einer Wirtschaft in ber Frankfurterstraße hiesige Droschken­kutscher in Streit, wobei es bhitenbt Köpfe absetzte. Tie Leute hatten die Gelegenheit benutzt, während ihre Fahrgäste sich in der Kirche befanden, sich m einer m der Nähe ge­legenen Wirtschaft zu prügeln. Anzeige ist erhoben worden.

* Für bic Burg Gleiberg hat bekanntlich die Stadt Gießen eine Summe von 100 Mk. bewilligt. Auch bie Kreis Vertretung hat für die alte König Sburg 200 Mk. auS den Mitteln deS Kreises Gießen bcigeftcurrt

* Von ben sechs Vizefeldwebeln der Re­serve, welche zur Ableistung der am vergangenen Donners­tag beendigten Hebung B beim hiesigen Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm eingezogen waren, haben fünf die vor­geschriebene Prüfung bestanden und dadurch die Quali­fikation zum Reserveoffizier erlangt.

DenkmalS-Einweihung für gefallene Krieger bei Wörth Wie man uns schreibt, wird daS 3. Hess. Ins Regt. v. Wittich Nr.83, Garnison Cassel, mit dem Verein ehemaliger 83er am kommenden SamS- tog den 6 d. M., dem Jahrestag ber Schlacht bei Wörth, dort, bei Wörth, seinen in jener schlacht gefallenen Kame­raden 7um Gedächtnis ein würdiges Denkmal enthüllen. Zu diesem Zweck werden sich die Festteilnehmer Samstag morgens in Cassel versammeln, wo um 10.50 Uhr ein Sonder-Schnellzug absahren unb auf einigen Stationen der Main-D-eser-Bahn für weitere Festbesucher anhalten wird. Cberfl von Sommerfeld nebst einer Anzahl Offiziere deS Regis. S3 sowie eine arößere Beteillgmttz von ci>e maligen Offizieren, Reserveosfi^ieren und Veteranen, welche ben Feldzug beim Regt. 83 mitgemacht haben, werden die gemeinsame Reise ^vit diesem Zuge zunächst di- Straßburg unternehmen. Abends findet dort Vereinigung und Be­grüßung der Festteilnehmer statt. U. a. werden Oekonomie- rat Sch lenke und Gutspachter K'le in -Hos-Albach, die beide dem Regt. Nr. 83 im Feldzuge als Reserveoffiziere angehört haben, sich an dieser Cinweihungsfeier bei 2Ärth beteiligen.

Gin Ausruf gegen den Wiederaufbau deS Heidelberger Schlosses istunS zugegangen, unterzeichnet von folgenden Herren deS engeren AusschuffeS: Geh. Hofrat Prof. Tr. Th ade, Heidelberg, Prof. Konrad Sutter, Mainz, Prof. Wilh. Trübner, Karlsruhe, Dr. F. Mam- rot h, Frankfurt a. M., und Prof. Wilh. Manchot, Frank­furt a. M. Es wird aufgefordert, sich zu einem Bunde zu vereinigen. Der Beitritt geschieht ohne Geldbeitrag durch bloße Anmeldung bei Hetten der Ausschüsse. Außer den obigen, den engeren Ausschuß bildenden Herren nehmen auS Heffcn u. a. folgende Mitglieder deS weiteren AuSschuffeS Anmeldungen entgegen: Oberst & la suite Maximilian Frei­herr v. Heyl in Darmstadt, Professor Olbrich in Darmstadt und Rechtsanwalt Kleefeld in WormS.

fc. Darmstadt, 3. Aug. Von den Kavallerie- Offizieren deS XVIII. Armeekorps wurde in der ver­gangenen Nacht um den von dem Kaiser gestifteten Ehrenpreis geritten. Ter Abritt der Offiziere erfolgte gestern abend in Darmstadt mit der Richtung nach dem TaunnS. Ten Teilnehmern lag wie immer auch die Lösung einer kriegsmäßigen Aufgabe ob. Die zu erkundenden Truppen- ausstellungen wurden von den Garnisonen Mainz, Wiesbaden unb Homburg außgesühri.

fid. Darmstabt, 3. August. Die Ausschreitungen ber Streikenben am Neubau beß ,Darmstädter HofeS* nehmen täglich größere Dimensionen an, so daß die Polizei kaum mehr in der Lage ist, die Ordnung ausrecht zu er­halten. Die arbeitswilligen Zimmerer mußten heute mit Wagen zur Bahn gebracht werden. Einige Radaumacher wurden verhaftet.

w- Hanau, 3. August. In der Gegend von Gers­feld in der Rhön gingen schwere Gewitter nieder, bei den-'n eine Anzahl von Gebäuden von Blitzschlägen ge­troffen und eingeäjchert wurden.

Frankfurt a. M., 3. Ang. In ber Nacht zum Mow- tag erkrankte hier die Familie deS Kaufmanns! Bing, bestehend auS ben Eltern unb zwei Mcidchen im Mter von 8 nnb 5 Jahren, sowie bic Köchin unb boS Dienstmädchen unter Vergift nngsersch ein n nge n. ES liegt ohne Ziveifel eine Vergiftung durch verdorbene Speisen vor. Es wurden sofort Gegenmittel ängewandt; eine Lebensgefahr erscheint ausgeschlossen. Die Untersnch-

III 'N! I

M annheim, 3. Aug. Die Kriminalpolizei verhaftete gestern den Schreiner Johann Rühl aiiS Dottenheim, der sich ditrch VeraiiSgabling von Coupons verdächtig gemacht hatte. Wie sich herauSsteNt, hat Rühl in der Nacht vom 23. zum 24. v. MtS. in Milten berge am Main bem Samenhänbler G. I. Gäffenstein eine Kassette mit KouponS unb Depotscheinen im Werte von rn ii b einer halben Million Mark gestohlen. In seinem Besitze würben nur noch Wertpapiere im Betrage von 200 000 Mk. ge­funden, die übrigen KouponS und Wertpapiere behauptete er in seinem Koffer, der in Miltenberg stehe, verschlossen zu haben. Rühl hatte zwei Bekannte mitgenommen, die ihm beim Absatz der KouponS behilsiich waren; dieselben wurden gleichfalls sestgenommen.

Hhm Jalils fette Meise.

Tie vorläufige Beisetzimg der Leick>e KrügcrS schildert ein englifder .Korrespondent im Haag in einem ergreifenden Bericht: Paul Krs'ger ist in das Mutterland feiner Rasse heimgekehrt, der alte Krieger ist selbst von seinem Adoptivvaterlande fern gcHorben. Eine Stunde vor der Ankunft der LeickZe im Haag brach ein Unwetter loS, heftige Regengüsse fegten ^die Straßen leer. Aber nach einer halben Stunde hörte die Sintstut auf, und die Sonne brach wieder durch die Wolken. Da belebten die Straßen sich wieder, die Bewohner des Haag zogen nach dem Bahnbof, auf dem die Leiche ankommen sollte. Tie Zugänge n>aii'n dicht besetzt, den ganzen Weg entlang bildeten t ilnepmende Zuschauer Spalier. Die Blumenspenden, die zur Ausschmückung des Vctd enn-agim^ dienen sollten, lagen in einem Wattezimmer des Bakniboses aus. Ohrohe Orchideenkränze waren in Menge gesandt, auf vielen Schleifen las inan das WortBereeniging". Um k2 Uhr fuhr der Zug in den Bahnhof ein. Eine Rangier- ma'd> nc k p e t' einen schäbig auSfchenbcn 0'eräckwag n von dem Zuge los, bet zwei gewöhnliche Gepäckzettel mit ber Ausschrift Von Basel nach dem Haag" trug. Die kleinen Fenster waren schmutzig von dem Staub der langen Reise, nur einzelne Jmmer- gvünblälter innen an den Fenstern beuteten barauf bin, was ber Wagen in sich barg. Ter Wagen wurde auf ein NebengelriS rangiert, das Siegel erbrochen nnb die Tür zurü kgestoßen. Im ?.nnem war ber Versuch gemacht, ben Wagen onrch Grün und Blumen in eine Kapelle zu verwanbeln. Schnell würbe ber ein­fache Sarg, ber die sterblichen Heber roste Pcml Krugers enthält, aus bem Wagen gehoben unb auf ben Leichenwagen gestellt. Die Männer lüfteten ben Hut, hier unb ba l)örtc man das Schluchzen einer Fran. Vor allen sichtbar lag der Königin Wil­helmine großer Palmenkranz mit nvihen Lilien unb dem könig­lichen Monogramm in Gold auf violettem Bande. Langsam be­wegte fid) jetzt ber Zug vorwärts, voran ber Bürgermeister in offenem Wagen und eine Abteilung berittener Polizei. ..Unter dem Trauergesolge befanden fid> der frühere Präsident Steijn und Dr. Lcvd^. an bereu Wagcwenster bie Vorlränge heruntergelassen waren Tie Mehrzahl ber Zuschauer waren Frauen, bereu roeintnbe Gesichter einen rührenden Eindruck machten. Ter Weg nach Eiken- buinen, dem vorläufigen Ruheplatz des früheren Präsidenten, bot einen ntalcrifdrn Anblick. Ter erste Teil führte burd) die Stadt, über breite Plätze unb durch eine schmale strafte, bann war die Hauptstraße zum Friedhof erreicht. Hier standen die Leute nneber dickt gedrängt In der ersten Reibe barte man einem kleinen Mcidchon Platz gemacht: den ganzen Nachmittag hatte eS mit einem großen Strauß Rosen gewartet, unb jetzt reichte es ihn beim Vorbeifahren des Leichenwagens schüchtern hin. Einer der Leidtragenden nahm die Mumim unb warf sie auf b.n Wogen, wo sie auf b?r prächtigen Blurnenspeude der Königin ruhten. Ter Weg führte weiter an einem schmalen Kanal entlang, lieber der Strafte wölbten sich die Baume zu beiden Seiten zu einem Bogen zusammen, zur anderen Seite be-5 Kanals behüten sich saftige Wiesen, hinten am Horizont drehten sich ein Tuv,cnt> W ndmschlen Barken lagen auf bem Kanal, bic mit Frückt n des Landes bedeckt waren. Tie Bauern^luden geschäftig daS Genüsse aus, als aber der Trau ewig in Sicht kam, ruhte alle Arbeit . . Tiefe Bauern drängten fid) an ben Rand des Kanals, bic Bahre bes Mannes zu sehen, ber nicht viel besser als sie erzogen war unb ein großes Gebiet, die reichsten Gold­felder der Welt beherrscht hatte Hier kam erjangiam hinter den schwarzbehängten Pferden daher, in dem Sarge, der ver­borgen unter zarten Blumen war. Atss jeder Barke standen ein Tupenb Zusd auer, mand'er Vater hielt seinen Knaben hoch, damit er KrügerS Leicl)0 vorbciz ehen schon könnte. In ber Ka» pelle würben Sieben gehalten und Lobpreisungen laut von Mannern, bic ihn kannten . . . Tas wahre Begräbnis wird es freilich erst sein, wenn Krüger dort unten liegt, wo sein Herz war, in Afrika. . .

Herichtssaal.

fc. Mainz, 3. August. Wegen Veröffentlichung derKretsch- manii-Briofe^ ftent gegen die »Mainzer Volkszeitung^ vor der hiesigen Strafkammer Termin am 26. August an. Am 26 August hat sich die Else Frett wurst vor desselben Kammer wegen Hntesschlagung von 41,000 Mark zu verantworten.

d. Mainz, 3. Aug. ,Ter 29jährige hiesige Metzger­in ei stör Karl Nufthag wegen Betrugs mit zwei Monaten Gefängnis vorbestraft, ist d.s unlauteren Wettbewerbs angeklagt. In hiesigen Blättern loarcn anfangs b. I. Inserate des Angellagten erschienen, in denen großer Preisabschlag angekündigt wurde; u. a. war vrima Rind- unb Ochsenfleisch, das Pfund zu 60 Pfg., offeriert. Tatsächlich soll aber bet Angeschuldigte in der damaligen Zeit gar keine Ochsen geschlachtet und mir Kuh- und Rindfl ei sch verkauft haben. Aus dem Scküacht- und Vi hhos mürben damals von der Polizei diese Feststellungen nemaüit. Ter Angeschuldigte gibt auch zu, daß er zurzeit deS Erscheinens ber Inserate keine Ochsen geschlachtet habe, ber Preis mit bem Ochsensleisd> fti irrtümlich in bad Inserat hineingckom- men. Ein in seiner Nähe nwhnenber Kaufmann habe bas In­serat verfaßt unb in den Blättern ausgegeben. Trotzdem habe diese Preisangabe des Ochscnsieisches nichts zu bedeuten, denn fein Kuhflcisch sei erster Qualität unb zum Teil besser ald Ochsenlleisch. Tie Leute kämen hoch zu ihm, pb er Ochsen- ober Rindfleisch schreibe. Metzger, die nur prima Ochsensleiscb verkauften, kauften bet ihm die Nierenstücke, Rostbeefs usw. Daß einzelne Blätter, trotz seines Widerrufs, das Inserat in seiner alten Fassung weiter gebracht, sei nicht sein Verschulden, sondern auf ein Versehen der Expeditionen znrückzuführen. Aus der Beweisaufnahme ging hervor, baß der Angellagte zur da­maligen Zeit keine Ochsen geschlachtet hatte. Ter Viehhändler Deringer aus Dobeiiheim hat bem Angellagten fdxm öfters Vieh verkauft. Gt habe nur prima Kühe bezogen, bie ntandimal besser seien als Ochsen. Ter Preis zu 60 Pfg pro Psunb sei viel zu niedrig geivcsen. Metzgermeister EiSwapcr bestätigte, daß der Angeklagte nur prima Kühe geschlachtet. Von einer Täusdmng deS P. blikums könne man h er nickt sprechen Sach­verständiger Obermeister Falk führte auS, daß es icbcnfalld sehr unreckt und immerhin biS zu einem gewissen Grab auf Schädigung ber-enigen Metzger, nnddh' nur Ochsen schlachten, be­rechnet sei, wenn ein nur trübe unb Bullen schlachtender Metzger in den Zeitungen |nrinta Rind und Ochsenfteisd) zu reduzierten Preisen empfehle. Auch cinbere daran die von dem Angeklagten angeführte Tatfadx nid>tS, baß er Roastbeefs unb Lenden, wenn er ein gutes 6tücf gesd-ladstct habe, ab und zu an Ochsenmetz-cr