Ausgabe 
4.7.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 154

Zweites Blatt.

154. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieGießener Kamilienblatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der hessische Landwirt' erscheint monatlich einmal.

Gieheim Anzeiger

Montag 4. Juli 1904

Rotationsdruck und Verlag bet Brühl'sch«, Uniüerjüätäb ruderet. R. Lange. Gteßen.

Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.f.

Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr. r Anzeiger Dietzen,

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.

Aie heutige Kummer umfaßt 10 Seite«-

KrKanntmachung.

Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Unter-Widdcrs- heim.

Die Feldbereinigung und die Anlage von Feldwegen in den Obstbaumstücken der Gemarkung Unter-Widdersheim wurde von 28 Grundeigentümern, welche zusammen 154,4356 ha beteiligte Fläche besitzen, schriftlich beantragt. In dem Feld­bereinigungsbezirk sind im ganzen 117 Grundeigentümer mi 278,0898 ha beteiligt.

Der Antrag wurde vom Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, für zu­lässig und zweckmäßig erachtet, und es erscheint die Feld- bereinigung und die Anlage von Wegen in den Obstbaum- stücken nach Art. 3 und 6 des Gesetzes vom 28. September 1887 beschlossen, da sich mehr wie ein Fünftel der beteiligten Grundeigentümer, welche mehr als die Hälfte der betreffenden Fläche besitzen, unterschristlich dafür erklärt haben.

Der Antrag mit den Zusiimmungserklärungen nebst Er­gebnis und Zusammenstellung desselben, liegt vom 7. bis einschließlich 14. Juli 1904 auf der Großh. Bürger­meisterei Nuter-Widdersheim während der Geschäfts­stunden zur Einsichtnahme offen.

Einwendungen gegen die Zulässigkeit oder Rechts­beständigkeit des Ergebnisses sind nach Art. 11 des Gesetzes binnen 14 Tagen, von der Veröffentlichung dieser Bekannt­machung im Kreisblatt an gerechnet, mittelst schriftlicher Be­schwerde bei Meidung späterer Rlchtberücksichtigung bei Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, in Darmstadt geltend zu machen.

Die außerhalb der Gemarkung Unter - Widdersheim wohnenden beteiligten Grundeigentümer (Ausmärker) werden hiermtt auf Grund von Art. 9 Abs. 3 des Gesetzes auf­gefordert, zur Wahrung ihrer Interessen einen in der Ge­markung Unter-Widdersheim wohnenden Bevollmächtigten zu beließen, indem eine gesetzliche Verpflichtung zu einer weiteren besonderen Zuschrift cm dieselben im Laufe des Verfahrens nicht vorhanden ist.

Büdingen, den 1. Juli 1904.

Der Großherzogliche FeldbereinigungSkommiffär. Schnittspahn, Regierungsassessor.

KeKanntmachung,

Im Jntereflr möglichst frühzeitiger Inangriffnahme der Arbeiten zum weiteren Ausbau der Fernsprechanlagen ist es erforderlich, daß die Anmeldungen neuer Fernsprechanschlüsse spätestens bis zum 1. August an die Kaiserlichen Tele­graphenanstalten eingereicht werden.

Verspätet angemeldete und infolge dessen außer­halb des Bauplans mit einem Mehraufwand (z. B. durch besondere Entsendung einer Baukolonne usw.) herzustellende Anschlüsse können in dem nächsten Bauabschnitt nur dann ausgeführt werden, wenn die Antragsteller zu den entstehen­den Mehrkosten einen Zuschuß von 15 Mk. leisten, lieber» steigen jedoch diese Mehrkosten den Betrag von 50 Msi, so wird der wirklich au.'gewendete Kostenbetrag eingezogen.

Darmstadt, den 25. Juni 1904.

Kaiserliche Ober-Postdirektion.

Kobelt.

Politische Wochenschau.

Die Zusammenkunft König Eduards mit Kaiser Wilhelm in Kiel hat dem Weltgetriebe der verflossenen Woche ihr charakteristisches Gepräge aufge­drückt. Was vorher von der in- und ausländischen Presse prophezeit wurde, daß der Entrevue eine hervorragende politische Bedeutung nicht zukomme, ist im ganzen wohl eingetroffen, wenn auch nicht geleugnet werden kann, daß sowohl die englische wie die deutsche Regierung durch den Besuch König Eduards ihre Rechnung gesunden haben. Für Deutschland bedeuteten die Kieler Tage schon insofern einen Gewinn, als sie gewissermaßen ein Gegengewicht gegen das vor kurzem zu stände gekommene englisch-fran­zösische Abkommen bildeten, das Verstimmung in Deutschland erzeugt hatte, weil man darin eine verstockte Spitze gegen Deutschland sehen zu müssen glaubte. Da wurde oioser drohende Winter des allgemeinen Mißver- §nüaens plötzlich in den glorreichen Sommer der Kieler Woche durch die Sonne des siebenten Eduards verwandelt, der endlich seinen schon lange schsuldigen deutschen Besuch nachholte und mit vier stolzen englischen Kriegsschsiffen zu der internationalen Segelregatta in der Kieler Bucht erschien, ftntfer Wilhelm liebt es bekanntlich bei solchen Gelegenheiten allen Prunk und Glanz höfischen mrd mili­tärischen Zeremoniells zu entfalten, was. man aber bei dieser Gelegenheit zu sehen bekam, das soll das bisher ge­wohnte noch um ein erhebliches überstiegen haben, ein Beweis, wie großes Gewicht der Kaiser auf diesen Besuch seines Onkels legte. Man berichtete darüber dem Berliner Tageblatte:

Was an Bord derHohenzollern" in den letzten Tagen geschaffen ivuvbe, grenzt ans Wunderbare. Morg inländische Plnm- tasie und Pracht bietet sich dem Auge. Das Deck und die Junen- räume sind in Blumengärten nmgcnxunbclt worden. Schwimm- krälme hoben die herrlichen Arrangements an Bocb, wo ein baldaclsinartiger Schmuck l)ergestellt wurde. In der ganzen Länge des Schiffes schließen sich daran Blumengewinde, die an die Hängenden Gärten erinnern."

Mau wiro dabei das peinliche Gefühl nicht los, daß die zu solchem Tand verausgabten enormen Gelder besser anderen Zwecken, z. B. bcn bedauernswerten A nsied - lern Südwestasrikaö zugestossen wären!

.Aie offiziellen Trinksprüche der Monarchen ließen

an Versicherungen gegenseitigen Wohlwollens und persön­licher .Freundschaft nichts zu wünschen übrig, greifbare Re­sultate werden aber nur naive Gemüter von ihnen erhoffen. In der Beurteilung der Vieler Zusammenkünfte stehen sich in der öffentlichen Meinung zwei Behauptungen gegenüber, eine optimistische und eine pessimistische. Tie Wohlmeinen­den glauben, daß der europäische Friede jetzt auf unab­sehbare Zeiten gesichert sei, während die Schwarzseher der Ansicht sind, daß England nur beabsichtigt habe, die e n - tente cordiale, die zwischen Deutschland und Rußland besteht, wenn nicht zu trennen, so doch soweit zu lockern, daß Deutschland, um nicht glänzend zu vereinsamen, genötigt sei, bei England Schutz zu suchen. An beiden Ansichten mag etwas Wahres fein.IN fortwährendem Lavieren, Drängen, Drohen, Stuften, Zurückweichen und doch Frieden halten be­steht ja heute und schpn seit langem die europäische Politik und kann sich noch lange so halten", sagt sehr richtig Prof. Delbrück in denPreuß. Jahrb." In diesem Sinne kann man auch den Besuch König Eduards nur als ein Moment in dieser allgemeinen Bewegung betrachten.

Von allen Landtagen ^zuletzt, doch nicht der letzte unfern Herzen", um ein Shakespearesches Wort zu brauchen, hat sichin dieser lieben Sommerzeit" die zweite hessi­sche Kammer versammelt. In der Eröffnungssitzung wurde über die Frage der Verkehrsabgaben au- schiffbaren Flüssen verhandelt. Die Mehrheit des Ausschusses beantragte ganz vergnügt, die Regierung zu ersuchen, im Bundesrat für die Einführung derartiger M- gaben einzutreten; die Minderheit verlangte dagegen ein entgegengesetztes Verhalten der Regierung. Nach langem Hin und Her erklärte Geh. Staatsrat v. Krug zu Mdda im Namen der Regierung, wie zu erwarten war, der Regier­ung sei nichts davon belannt, daß von irgend einer Sette die Einführung von Binrtenschisfahrtsabgaben beabsichtigt fei; sollte dem Bundesrat eine bezügliche Vorlage zugehen, so beabsichtige die hessische Regierung an dem Grund­satz der Abgabefreiheit in der Weise und in dem Umfange, wie eine solche in den Bestimmungen der Reichs- versassung und der Rheinschiffahrtsakte gewährleistet ist, festzuhalten. Schließlich wurde mit 19 gegen 17 Stimmen oerab gabenfeindliche Minderheitsantrag an­genommen. Dagegen stimmten 10 Mitglieder des Bauernbundes und 7 NationaUiderale aus ländlichen Wahl­kreisen. Wären die ländlichen Abgeordneten am ersten Tage bereits vollzählig zur Stelle gewesen, so wäre wahr­scheinlich der abgabenfreundliche Mehrhettsantrag ange­nommen worden, obgleich der überwiegende Teil der hessi­schen Bevölkerung gegen die Einführung der Abgaben ist und obgleich die Handel und Industrie treibenden Städte des Landes, die mehr als die Hälfte der ge­samten Steuern aufbringen, febe Erhebung von Schiffahrtsabgaben als schwere Schädigung ihrer Interessen empfinden würden.

Die schwere, aber glückliche Entbindung seiner lieben Frau, der zweiten Kammer, von einem gesunden Knaben, dem geheimen direkten Wahlrecht, zeigt ergebenst an der hessische Staat." Ja, es ist nicht leicht hergegangen bei diesem kritischen Akt, es war eine komplizierte Zangengeburt. Die Ange­hörigen der Mutter waren getrennter Meinung, vier von ihnen es sind, zu unserem Ruhm, keine Oberhessen meinten mit medizinischen Mienen, dem Büblein dürfe nicht das Leben geschenkt werden, wolle man das blühende Leben ein seltsames Vorkommnis des »Vaters erhalten. Di^ »nderen aber, in überwiegender Mehrzahl, verstanden sich viel besser auf die natürlick)en Umstände, und mit ihrer sachverständigen Hilfe genas denn die Mutter eines sehr lebenskräftigen, prächtigen Buben, der voraussicht­lich den Eltern und dem ganzen Lande rechte Freude machen wird. Hätte die Regierung den Ehrgeiz gehabt, 8 Tage lang in den Dorf wir tslsiiusern des Landes eine ungeheure Popularität zu besitzen, urrd nach dem Rezepte:Nach uns die Sintflut" nur für den Augenblick zu sorgen, dann hätte sie sich die Arhett leicht machen und einfach noch ein paar ländliche ^.Nandate auf Kosten der Städte schassen können. Doch die Regierung unseres Großherzogtums kennt ihre Pflicht als Wahrer in der Bedürfnisse der überwiegenden Mehrhett des Volkes. Sie wollle den Städten geben, was ihnen bei ihrer Bedeutung für den Wohlstand des Landes und ihrer, im Gegensatz zu den Dörfern, stündig zunehmen­den Bevölkermrgszahl zukommt. Aber die Regierung, die zum Lenken berufene, denkt und die Kammer, die zum Denken berufene, lenkt. Der Städte Rechte sollen an allen Ecken und Enden beschnitten werden, die Städte Fried­berg, Alsfeld uni) Bingen sollen ihr altes historisches Recht der Wahl eigener 'Abgeordneter ganz verlieren und den Bauernbündlern in die Arme fallen. Der Wahlkreis Gießen-Stadt bekommt die Orte Wies eck und Heuchelheim aufgehalst, und so wird der Kreis Gießen-Land auch ein agrarischer. Das nennen dann die Herren ausgleichende Gerechtigkeit ztvi- "chen Stadt und Land! Eine willkürlichere, einseitigere Berücksichtigung ihrer ganz speziellen Sondertttteressen hätten die Herren Bähr intb Genossen nicht zu Wege bringen können. Mr dürfen unfeuer Regierung vertrauen, daß sie diese Vergewaltigung der Städte nicht mitmacht. Sie wird sich das ihr allein zukommende Recht der Wahlkreiseinteilung von mehr oder minder un- pffchickten Händen nicht entreißen lassen und lieber den in erster Lesung gefallenen Antrag Korell auf Belassung der alten Wah l kreis e in teil un g in zweiter Lesung befürtwrteii, als dem Antrag Bkihr und Gen. zustimmen.

Während die hessische Regierung jedenfalls nicht pur ordre de rauft! nach der Pfeife der Herren Bähr und Genossen tanzen wird, wußte sich die preußische Regierung, allerdings in ziemlich unbeholfener Weise, dem Ansinnen zu enlzieln'.n, eine Interpellation über das sonderbare und eigenmächtige Vorgehen des vielgelvandlen und vielgenaml- tcn Ober Hofmeisters v. Mirbach zu beantworten. Dieser Herr hatte u. a. über den Kopf des Ministers des Innern lveg die Oberpräsidenten, iuir wollen sagen,an­gewiesen", bte ihnen unterstellten Behörden zu veranlassen,

Sammlungen für ein kaiserliches Sitberhochzettsgeschenk zu veranstalten. Da der preuß. Landtag aber heute, Montag, sich in die Ferien schicken laßt und erst im Herbst wieder zufammentpitt, so ist die preuß. Regierung der fatalen Auf­gabe enthoben, über ihr Verhalten in dieser Angelegenheit Rede stehen zu müssen. Aber es wird dadurch wieder die Vorstellung von einer allmächtigen Hofkamarilla in Berlin lebendig, vor der die obersten Beamten des preußischen Staates zurückweichen. Die ganzen unerquicklichen Ent­hüllungen, die der berüchtigte Pommernbankprozeß veranlaßt hat, wurden aber übertroffen durch das Ver­halten des amtierenden Gerichtshofes. Herr v. Mirbach wurde nicht als Zeuge uoraelaben, man wartete vielmehr geduldig, bis der einflußreiche Mann es für angezeigt hielt, sein persönliches Erscheinen selber zu annoncieren. Solche Vortommnisse sind geeignet, wieder neues Wasser auf die schon oft leeegegangeneMühle derSozialdemokratie zu gießen, oie überhaupt in diesem Prozeß, aus dem sie ein immenses Kcchital schlagen wird, wieder ihr berühmtesSchweine­glück' gefunden hat. Das von sozialistischer Sette geprägte häßliche Wort von der ,Massenjustiz" sollte aber im Deut­schen Reiche nie und nimmer auch, nur den leisesten Schein von Berechtigung annehmen.

Deutschlands Sorgenkind, Südweftafrika, will noch immer nicht gesunden, obwohl eine Menge Blut und eine stattliche Zahl von Millionen für seine WundbehandluM geopfert werden mußte. Es muß mehr und mehr den maßgebenden Kreisen der Vorwurf gemacht werden, daß sie die Gefahr so lange unterschätzt haben, daß sie sie nicht erkannt haben, als die Funken des Aufstandes noch unter der Asche glommen. Jetzt, da die Flammen lichter­loh emporlodern, wttd nach Hilfe und Geld gerufen, und teuer ist der Preis, den wtt erlegen müffen.

Auf dem o st asiatischen Kriegsschauplätze ist die Lage in und um Port Arthur fortgesetzt sehr ernst. Bis jetzt drcht sich noch alles um den Besitz dieses wichtigen Platzes, den Hauptschlüssel zu der russischen Position in Ostasien. Die Nachricht von der Einnahme dreier seiner Außenforts hat bisher noch keine Bestätigung gefunden. Dagegen meldete die Russische Telegraphenagentur aus Mukden noch vom 2. Juli:Nach Mit­teilungen aus Port Arthur herrscht in der Festung vollkommene Ruhe. Die Bevölkerung ist an die Beschießung durch die japa­nische Flotte so gewöhm, daß die Schüsse nunmehr keinen Ein­druck machen. .Das öffentliche Leben nimmt seinen gewöhnlichen Lauf. In der Stadt mangelt es an nichts." Nach Reuter aber spitzen sich die Tinge in Port Arthur zu einer Krisis zu, und die Russen sind bereit, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Kräften ihr zu begegnen. Die wenigen zurückgebllebenen Fremden erhielten Befehl, .Port Arthur zu verladen, mit Ausnahme der verdächtig.Scheinenden. Der norwegische DampferSentts" liegt klar, .um die Frauen und Kinder fortzubrmgeu. Alle russischen Untertanen sind eingestellt, um die Anzahl der Soldaten beim Angriff der Japaner zu erhöhen. Vier 'LcAnchtschiffe, eine Anzahl Kanonenboote und Torpedoboote werden im Hafen gehalten, wäh­rend zwei Schlachtschiffe, fünf Kreuzer und eine Abteilung Tor­pedoboote auf See kreuzen. Einer AnzaU Dschunken mit frischem Proviant ist es gelungen, die Blokade zu buchen.

Aus dem russischen Hauptquartier Liaujang wird vom 2. Jnll gemeldet: Der japanischen Strategie schemt wenigstens für den Augenblick Halt geboten zu sein, obgleich sie alle Pässe im Besitz haben, mtt Ausnahme des Dalinpasses, welchen Kuropatkin wieder besetzte. Die japanische Gardediviswn zieht sich nach Osten zurück, verfolgt vom General Grasen Kttler, der Verstärkungen erhielt.

Einem Petersburger Blatte wurde vom 2. d. M. aus Liau­jang folgendes gemeldet: Unsere Truppen ergreifen jetzt die Offensive. Der Dalinpaß ist feit dem Kampfe am 30. Juni in unseren Händen. Zwei andere Pässe, die von Mo­dul i n und Fenschuilin, die von den Japanern besetzt waren, rourben von der Abteilung des Grasen Keller genommen. Auf der Straße von Liaojan nach Taschip'chiao griff eine Kvfaken- abteilung unter General Mischtschenko eine japanische Brigade an und vernichtete sie. .Die Truppen Mischtschenkos rücken auf der Straße Kondiao-Seniutffchen vor. .Die Japaner ziehen sich auf der ganzen Linie zurück

Eine wettere offttiöie russische Meldmvg besagt folgendes:

Am 26. Ium besetzten die Russen den Dalinpaß mit fünf Bataillonen und 16 Geschützen. Am 27. Juni früh griffen die Japaner die russische Stellung.mit etwa einer Division In­fanterie und drei Batterien an. Als die Streitkräfte und die Absicht der Japaner, der Russen redete Flanke zu umgehen, klar- gestellt war, räuintc der russische General Lewestan den Paß und zog sich in die« Stellung bei ©eniutfdjen zurück Die Japaner stellten aber den Angriff auf den Paß ein, der von russischen Truppen wiederum besetzt wurde.

Am 27. Jmri griffen die Japaner auch die Truppen des Grasen Keller an, welche den Moduliupaß räumten und sich nach Tithc zurückzogeu. Dieser Eingriff mürbe abgeschlagen. Arn 27. Ium bestand die Abteilung.des General Mifchtsck-enkv abermals einen Kampf bei Sahotan. Dies loar bei dritte Versuch Vcr Russen berittene Borbutabteilung aus ihrer Position zu ver­drängen, welche den JaMnem den Lllrsgang auf pic Straße Kutzandsi-Tantfchi-Tasiüitschiao versperrte, nadjbetn die ersten yrci Versuche am 23. .und 26. Juni stattgefunden Hutten. Der Kampf war vorl-crrschend ein Artilleriekampf. Eine beteiligte Gebirgs- batteric ging mit großer Kühnheit vor und ein Zug einer be­rittenen Batterie sprengte mit Selbstaufopferung die Höhe des S a i w b o t a i.p a f f e s hinan. General Mischtsck^nko erwartete ein neues Treffen für den 28. Juni, doch wagten die Japaner nad) ihren augenscheinlich bedeutenden Verlusten, keinen neuen Angriff uni) zogen sich ein Stück weit zurück

'bte groß allmählich die Erbitterung auf beiden Seiten gf* inorben ist und wie sehr der.Kauwf immer härtere und barba* röche re Formen nninmmt, ist aus den Belkiuptimgen russischer Heerführer zu ersehen, die besagen, daß russische Verwundete von lupauffchen Soldaten mißhandelt und verhimmelt seien. Daraus- Inn hat der Zar beschloßen, eine Protestnote an die Mächte zu richten, nmfomtb andererseits in Trckio diese Anschilldi.Nlngen mit Entrüstung znrückgewiesin wurden daran mahr, übertrieben ober ersunden gewesen ist, wird sich wodl erst später ermitteln lassen.

In bcn Vereinigten Staaten rüstet man sich zur Präsidentenwahl; nach der Berfaffang muß sie in bkfem Jahr aut 8. November statt finden. Die ersten ^llcnschiäge bei Wal»lbcwcgung machen sich fdxm jetzt fühlbar; der republikanische ÄationaltonDciU in Ehicaao bat Roosevelt für den Prüf, bcntentwNCH ausgestellt. Roosevelt ilt durch seine erfolgreiche imperialistische Welt- und Flottenpolitik zurzeit der populärste Mann des sick» immer gewaltiger emporreclenden StaarenbuudeS. und es besteht kein Zweifel, daß er als glänzender Sieger ms WeiR' Haus wieder elnzichcn wird.