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4.3.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 54

Erscheint täglich außer DonntagS.

^em Gießener Anzeiger werden im Mechtel mit dem hessischen Landwirt die Stetzener Kamillen, blätter viermal in der Woche beigelegt.

iftota tion6brucf u. Ver­lag der Brüh l'schen Un»vers..Buch-u.Stein- bruderet. 9L Lange. Redaktion, Grrvebtllon uitb Druckerei:

Schul st raße 7.

Lldresie für Depeschen: Unzetger Gießen.

FrrnlprkchanlctilußNr bl.

Erstes Blatt.

154. Jahrgang

Freitag 4. März 1904

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger w

Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Vezug«pret»r monatlich 7b Pi., viertel- jabrlicf) Mk. 2.20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen |ür die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 12Ps* auswärts 20 Psg.

Verantwortlich füt den pollL und allgem. Teil: P. Witiko: für .Stadt und Lanrck und Gerichtssaall: August Goetz; für den An­zeigenteil: Hans Beck.

Volilische Tagesschau.

Die ueveste Kaiserrede.

Tie Ansprache, die der Kaiser am Tage der Bei­sest unq des kleinen Prinzen Heinrich vor den versammelten Offizieren der Ehrenkompaanie des Kie­ler Seebataillons hielt, lautete, tote jetzt bekannt wird, folgendermaßen:

In dem Moment, da wir diese kleine Menschenknospe jur ewigen Ruhe beipesetzt haben, standen etwa 250 Mann f er Marine-Insanierte mit Teilen der Schuhtruppe in heißem zehnstündigem Oesecht bei Otjihinamapa- rero, 50 Kilometer östlich Omarurus, um ihr Leben für Kaiser und Vaterland in die Schanze zu schlagen. Es ist ilhnen gelungen, die in fast uneinnehmbarer Stellung befindliche Uebermacht des Gegners zu werfen und ihm eine große Menge Vieh abzunehmen. Ich spreche den wenigen hier zurückgebliebenen Offizieren meine Anerkenn­ung zu dem schönen Erfolge aus und beauftrage Sie, dies len anderen Kameraden zu übermitteln. Die Marine-Jn- smnterie hat dadurch zu den alten ein neues Blatt in dem Nuhrneskranze, den sie sich in den letzten Jahren erworben, tinzugesügt. Ich werde als Zeichen meiner Anerkennung brr Marine-Infanterie nach Schluß des Feldzuges Fah­renbänder mit dem Namen des Gefechts verleihen. Um ober der Truppe noch ein weiteres Zeichen der Anerkenn­ung zu geben, bitte ich hiernrit Se. Königliche Hoheit den <Aroß Herzog von Hessen, sich als ä la suite der Marine-Infanterie gestellt zu betrachten."

Schippe! verurteilt.

Wir haben uns in letzter Zeit nicht mehr mit dem Lruderkampfe zwischen den Herren Schippel und KautSky be- sHäftigt, weil er nachgerade zu langweilig wurde. Jetzt ist nun in diesem Kampfe der Berichtigungen und Gegen- b^richtigungen insofern ein Markstein zu verzeichnen, als der Vorwärts" das Erkenntnis veröffentlicht, das in dieser An- gilegenhcit von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gi fällt worden ist. In der Begründung wird heroorgehoben, duß Schippel gegen die Parteitaktik verstoßen und bt n Gegnern der Partei Gelegenheit zu deren Bekämpfung gegeben habe. Der eigentliche Tenor des ErkenntniffeS lautet:

Tas unklare, zu Mißdeutungen führende Verhalten Schippels In Zolliragen ist mit einer wirksamen Vertretung der von der ^rirtei wiederholt festgelegten Stellung zu diesen Fragen unver- cir-bnr und führt zu einem für die Partei und die Fraktion uner­träglichen Zustand. Es ist erforderlich, daß Schippel ungesäumt Veranlassung nimmt, auf eine klare, unanfechtbare Weise der Öffentlichkeit gegenüber festzustellen, welche grundsätzliche Stellung er den Agrarzöllen gegenüber einnimmt. Tie Fraktion fordert mit Rücksicht auf die Notwendigkeit einheitlicher und überein- snvnmender Progagierung der Parteibeschlüsse Schippel auf, Zoll» sraigen fortan nur in einer jede Mißdeutung ausschließenden Weise zu behandeln."

Danach ist also Schippel in diesem Streitoersahren unter­legen, und den Strafanträgen des Herrn KautSky ist in allen Punkten nachgegeben worden. Es fragt sich nun, ob Schippel sich damit beruhigen und dem Parteioorstande seine Unter­werfung anzeigen, oder ob er versuchen wird, weiter gegen betn Stachel zu löcken, in welchem Falle wohl das Zwangs­verfahren mittels HinausweisenS auf ihn angewandt werden wurde. Wenn man nach dem Beispiel GöhreS urteilen will, io ist es wahrscheinlich, daß auch Schippel sich der Partei- bisziplin fügen wird. TaS ist seine persönliche Angelegenheit, in die man sich nicht weiter einzumischen hat. Nur sollen, io bemerkt dieKöln. Ztg.", die Sozialdemokraten nicht jagen, daß sie die Partei der Freiheit seien, denn in keiner Partei wirb so schroff die eigene Meinungsäußerung unter­drückt wie bei ihnen.

Aer Krieg zwischen Japan und Außtand.

Nach den über dieLageinWladiwostok einlaufen- üen Nachrichten fdjeint der Ausbruch des Krieges dort ritte wahre Panik hervorgerufen zu haben, da man stünd­lich ein Bombardement erwartete. Die russische Bank 'vwie viele Deutsche gingen nach Nikolsk, andere mttelst Bootes nach Nagasaki. 170 als Kuli verkleidete Chinesen wurden, als sie im Begriffe waren, die Eisen­bahn brücke bei Charbin und Wladiwostok zu spren­gen, verhaftet. Das Wladiwostok-Kreuzergeschwader, das cm 9. Februar den Hasen verließ, um, um den Norden Ja­pans segelnd, mit dem Port Arthur-Geschwader Verbindung jit suchen, wurde von japanischen Kriegsschiffen zurückge- stieben und liegt nun eingekapselt in Wladiwostok, wo 7200 Mann Garnison und für vier Monate Lebensmittel vorhan­den sein sollen.

Dem russischen Freiwilligenkorps, welches sich in W l a d i w o st o k für den Fall einer Belagerung der Ostung gebildet hat, gehören auch Studenten und Pro­fessoren des orientalischen Instituts uird mehrere Reichs deutsche an. Die Polizei hat einen Aufruf er­lassen, ihr die sich in der Stadt versteckt haltenden Japaner anzugeben.

I Das russische MarineblattKronstadtski Wjestnik" er­klärt das passive Verhalten der russischen Flotte in Port Arthur durch ihre Aufgabe, den rechten Flügel unL den Rücken der Aktionsarmee sowie die Bahnverbind- in$ Port Arthurs mit Rußland schützen zu müsen. Die Ent­en düng des Port Arthur-Gcschjwaders auf dre Suche nach inro Feind würde mit einer Preisgabe der Küsten gleich- icboeutent) sein. Ein Ausfall gegen das 300 Meilen ent­ernde Tschemulpo ist ein Ding der Unmöglichkeit. Tas l'jmrineblatt gibt zu, daß die russische Flotte im, Osten vn derthalbmal schwächer sei als die japa­nische, daher sei ein vernichtender Schlag ge-'en

die Japaner zur See unmöglich. Eine offene See­schlacht würde nur zu gleichen Verlusten führen, ohne Rußland die Herrschaft zur See zu sichern.

Ein russischer Berichterstatter derTimes" meldet, General Dragomirow, der nach Petersburg berufen wurde, um den Beratungen über die Kriegsführung beizuwohnen, hake nicht nur sehr streng die Politik der Regierung in Ostasien kritisiert, sondern auch darauf gedrungen, daß die Flotte wie das Heer Port Arthur räumen soll­ten. Ein solcher Rückzug sei notwendig, um noch größere Katastrophen zu verhüten. Ter Vorschlag sei aber ener­gisch zurückgewiesen worden.

Nach einer Meldung aus Charbin zieht derStautshalter Alexejew größere Truppenmassen bei Laoyang zwischen Mukden und Niutschjwang zusammen. Chinesische Pilger­züge, die sich in jener Gegend aufhalten, werden von dem russischen General Nadarow scharf bewacht; er läßt sie an der mongolischen Grenze lagern.

DieSaint James Gazette" meldet atts Tientsin: Ad­miral Alexejew schlug eine Petition der Bewohner Ost­sibiriens, in gewissen Zwischenräumen Proviantzüge dahin zu senden, ab. Er erklärte, bei einer so ernsten Krisis müßten die Erfordernisse für das Heer allem anderen voran­gehen. Es heißt. Hunger und Nahrungsmangel treiben Hunderte unter die Banditen Ostsibiriens. In Charbin kommen bedeutende Truppenmassen an.

Bei der japanischen GesandtschaftinBerlin sind zahlreiche Meldungen von Nichtjapanern zum Dienst im japanischen Heere eingegangen, auch von ehemaligen deutschen Militärs. Die Bewerbungen sind in allen Fällen mit Dank abgelehnt worden, da Fremde im japanischen Heere nicht dienen dürfen.

Einem Telegramm aus Schinkingschau zufolge brachen dort Unruhen aus infolge Auferlegung von Ab­gaben zur Zahlung der Kriegsentschädigung. Die Unter» Präfektur wurde in der verganaenen Nacht geplündert.

Deutsches Reich.

Berlin, 3. März. Ter Kaiser traf heute mittag 2 Uhr auf dem LinienschiffKaiser M>ill>elm II." auf der Reede bop Bremerhaven ein, begrüßt vom Salut der Weser-Forts. Ter Kaiser fuhr dann auf dem Llohddampfer Kehrewieder" nach Nordenham zur Besichttgttng des dortigen Kabelwerks. Tie Abfahrt nach Berlin erfolgte um 10i/2 Uhr abends.

Anläßlich des Eintreffens des ersten Eisen­bahnzuges in Tsinanfu übermittelte der Kaiser dem Gouverneur dec Provinz Schantung fol­gendes Telegramm:

Nachdem mir gemeldet worden ist, daß der erste Eisenbahnzug in Tsinansu eingetroffen ist, beglück­wünsche ich Emre Exzellenz zu diescm für die Ihnen unterstellte Provinz reichen Segen ergießenden Ereignis.

Gouverneur Chousu erwiderte:

Ich danke Eurer Majestät für den telegraphischen Glückwunsch tiefsten Herzens. Tie Eisenbahn ist nun bis Tsinansu vollendet zinn Wohle des. Handels beider Länder. Ich hosfe fest, daß die Fr e u n d sch a ft zwischen den Deutschen und den Chinesen immer an­dauern und noch inniger werden wird, und daß deutsche und chinesische Kaufleute einträchtig zusammen­wirken werden. Ich will mit allen Kräften helfen, und trachten, daß Eurer Majestät Hoffnungen sich erfüllen. In der Provinz Schantung ist alles friedlich. Ich toünfrfye Eurer Majestät Gesundheit und langes Leben.

Nach demB. T" verlautet, die freisinnigen Gruppen des preuß. Abgeordnetenhauses hätten mit den Nationalliberalen Fühlung genommen behufs Ausarbeitung eines gemeinsamen Antrages aus A e n d e r- ung des Wahlrechtsgesetzes und Neueinteil- ung der Wahlkre ise.

Karlsruhe, 3. März. Um den in letzter Zeit aus­tretenden beunruhigenden Gerüchten über das Befin­den des Großherzogs entgegenzutreten, teilt die Karlsruher Ztg." einen Bericht der behandelnden Aerzte deS Großherzogs über dessen Zustand mit. Tanach leidet der Großherzog seit einigen Wochen an Magendarm­katarrh und einer dadurch bedingten Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, das sich in einem Gefühl der Ermüdung und des Bedürfnisses nach Ruhe attsdrückt. Tie Erkrankungserscheinungen sind im Abnehmen begriffen und der Großherzog befindet sich im Zustande der Rekonvaleszenz, die langsam, aber stetig sortschreitet. Sonstige E-rscheinungen, die auf Krankheitsaffektionen an­derer Art schließen ließen, sind nicht vorhanden.

Tie Stellung des M i n i st e r s S che n k e l ist, wie aus Abgeordnetenkreisen berichtet wird, infolge seiner schwankenden Haltung gegenüber den Sozialdemokraten so­wie infolge der Regierung äußerst peinlicher Vorgänge in der Kammer sehr erschüttert. DerMannh. Vlksst." zufolge steht die Ernennung des Ministerialdirektors Tr. Nicolai zum Finanrministec bevor.

F»artamcntansches.

Berlin, 3. März. In der Bud getkomm issi0n des Reichstages wurde die Beratung des Marineetats fortgesetzt. Wiederum entspann sich eine längere Debatte, über die geplante Vermehrung des Seeoffizier­korps um 140 Stellen. Vom Zentrum und der Linken wurde geltend gemackt, daß hierdurch der Rahmen des letzten Flottengefetzes überschritten werde, was von den Regierungsvertretern und Mitgliedern der Rechten be­stritten wurde. Mit den Scknsfsbauicn müßte die Vermehr­ung des Ossizierkorps gleiäten Siüritt halten; bei der jetzigen Präsenz müßten zahlreiche Stelle^! unbesetzt bleiben oder mit Ossizieren mit einem niederen Dienstgrad besetzt werden. Schließlich wird gemäß einem Antrag des Ahg.

von Thüneseld (Ztr.) 1 Admiral, 1 Kontreadmiral, 7 Fre­gattenkapitäne und 57 Offiziere, im ganzen also 6 6 von ben verlangten 140 Stellen gestrichen. Tagegen wird die Zahl der Fähnriche von 368 auf 433 erhöht. Eine Reihe von Forderungen bis Kapitel 54 wurden ohne wesent- liche Aenderung bewilligt.

Keer und Ilotte.

Als Nachfolger des zum 1. April d. I. in den Ruhestand tretenden kommandierenden Generals des 11. Armeekorps, v. Wittich, ist nach derTägl. Rundschau" der Kommandant des kaiserlichen Hauptquartiers, General v. Plessen, in Aussicht genommen.

Ausland.

London, 3. März. Der König leidet an Erkält­ung.

Unterhaus. Auf eine Anfrage antwortete Parla­mentssekretär Pretymann, daß die britische Flotte im fernen Osten sich zusammensetze aus: 5 Schlachtschiffen, 4 Kreuzern 1 .Klasse, 4 Kreuzern 2. Klasse, einem Kreuzer 3. Klasse, 8 Kanonenbooten, 9 Torpedobvotszerstörern, 4 Torpedobooten und 12 Flußkanonenbooten.

Brüssel, 3. März. Im Anschluß an den im Sep­tember 1903 zu Stuttgart abgehaltenen Kongreß zur Erörterung der Fragen desMittelstandes begannen hier gestern die Verhandlungen des Zentral-Ausschusses des internationalen Verbandes zum Studium der Verhält­nisse des Mittelstandes. Der Minister für Industrie, Fran- cotte, empfing die aus Deutschland erschienenen Delegierten, darunter den Wirll. Geh. Ober-Reg.-Rat Dr. Boedicker und den Präsidenten der preußischen Zentral-Genossenschafts- kasse Dr. Heiligenstedt, sowie die Telegierten Belgiens, Hol­lands, Frankreichs, Luxemburgs, der Schweiz, Oesterreich- Ungarns usw. Die in deutscher und französischer Sprache abgefaßten Statuten wurden im einzelnen durchgegangen. Sodann wurde das Präsidium für die ersten drei Jahre gewählt. Es besteht aus Dr. Boedicker als Vorsitzender, Professor Dr. Geißler-Stuttgart und Ministerialrat Prosessop Schwiedland-Wien als stellvertretenden Vorsitzenden und Ministerialdirektor Steven-Brüssel als ständigen Sekretär. Der Arbeitsplan wurde erörtert und gewisse Gesichtspunkte dafür festgelegt.

Budapest, 3. März. Ministerpräsident Graf Tisza richtete einen eindringlichen Appell an die Obstruk- tion mit den Worten:Die patriotische Erbitterung über die durch die Übergriffe der Minorität verursachten Zu­stände hat in mir den Entschluß gereift, bis zur äußersten Grenze zu gehen, wohin man zur Niederringung dieses dem Geiste der Verfassung widersprechenden Widerstandes gehen muß. Vorher wollte ich jedoch alle friedlichen Mittel durch gütliche Ueberredung erschöpfen. Ich richte nochmals und zum letztenmale im Namen des Landes einen Appell an die Abgeordneten: halten Sie ein auf der Bahn des Wahn­sinns, fetzen Sie nicht die Verfassung aufs Spiel! Es liegt nicht im Geist der Verfassung, daß eine winzige Minorität hier ihre Heinen Späße treibe. Die ungarische Nation will leben und sie wird leben! (Stürmischer Beifall rechts.) Tamit die ungarische Nation lebe und bestehe, muß jeder Widerstand zertreten werden, der dem im Wege steht.

Aus Stadt und Saud.

Gießen, den 4. März 1904.

** Aus dem Bureau des Stadttheaters. Wegen Erkrankung von Frl. Hellberg muß die Fremdenvorstellung vonZapfenstreich^' am Sonntag nachmittag aus fallen. Es sei ausdrücklich darauf hin­gewiesen, daß nach Lage des Repertoirs voraussichtlich nur die eine Eg m 0 n t-Ausführung am Sonntag statt- sinden kann.

* Unserer Bumbaß-Geselischaft wurde in Mav bürg von den dortigen Kommilitonen ein seltsamer Empfang bereitet. Wir lasten einEingesandt" aus derOberh. Ztg." sprechen:

Tie Aliffordeninq, in Marburg ein Konzert zu geben, ging von Herrn Kohler, dein Iichaber des Mllieums, aus, der stch mit dem Oberbürgermeister verständigte, der Reinertrag solle zum Besten der Bismarcksäule sein. Tie vlleßener sagten zu und benach­richtigten vergangenen Freitag sämtliche Marburger Korporationen mit der Bitte, durch ihren Besuch den guten Zweck zu unterstützen. Es must für die Gießener Kommilitonen sehr wenig erfreulich ge­wesen sein, als um 318 Uhr der Saal noch sehr leer war. Bald erlebten sie eine neue seltsame Ueberraschung. Kurz vor 8 Uhr erschien beim Kapellmeister der Vertreter des Marburger Studenten­ausschusses und erklärte, der A s s eh u ß fön ne ben (Srtrag des Konzertes a l s Beitrag zur BiSmarckläule nicht annehmen. Im Saale herrschte noch immer gähnende Leere. Nur das zahlreiche Erscheinen der Marburger Tarnen er­mutigte den Kapellmeister Dar, trotz des geringen Besuches nicht ganz abzusagen. Ich will nicht imtersucheii, ob die Entscheidung des 2lusschusses berechtigt war oder nicht. TaS ist eine prinzipielle Frage. Mir ist nur ganz unverständlich, weshalb fast sämtliche Korporationen erschienen waren nur Saronen und Teu­tonen dem Konzerte fern geblieben sind. Was haben denn die Gießener Kommilitonen verbrochen, daß man ihre Ver­anstaltungen b 0 y k 0 t i c r t ? Sie opfern Zeit und Muhe, kommen in menschenfreundlicher 2lbsicht her uno ernten statt der er­warteten Zustimmung der Marburger Studenten eine offizielle, falte Absage. Welche Schuld trifft denn sie, wenn dem Marburger Studentenausschuß die Verwendung des Geldes nicht genehm ist? Sie akzeptierten nur einen Vorschlag, über dessen Richtigkeit ober Unrichtigkeit sie gar nicht urteilen konnten. Mag ber Protest bes Ausschusses an sich noch so berechtigt sein, sicher war die Art und Weise, wie er angebracht wurde, unrichtig.

Ter begeisterte Beifall der Anwesenden wird den Gießener Kommilitonen gezeigt haben, wie sehr ihr fröhlicher Humor gewirkt hat. Und ich hoffe, daß das kameradschaftliche Entgegenkommen der anwesenden Marburger Studenten sie die große negative Be­suchsziffer vergessen machen wird."