Ausgabe 
4.2.1904 Zweites Blatt
 
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Unwersitüts-UaHrichten.

Professor Ernst Häckel, der berühmte Forscher und Lehrer an der Universität Jena, feiert, rote wir schon mitteilten, am 16. Februar seinen 70. Geburtstag. Nachdem der^ 60. Geburts­tag des Gelehrten unter Teilnahme einer Schar von Freunden und Schülern begangen werden konnte, wird in diesem Jahre die Feier etwas stiller verlausen, da der trotz seines Alters noch un­gewöhnlich rüstige Forscher sich z. Zt. in Italien befindet und vor dem Frühjahr nicht zurückerivartet tvird.

Der Promotionsakt in der philosphischen Fakultät zu Berlin, der infolge der neuen, bei Beginn des nächsten Semesters in Kraft tretenden Promolionsordnung eine Aenderung erfahren hat, wird sich in Zukutlst bei der Berliner Universität in der Weise vollziehen, daß der Dekan mit einer deutschen Ansprache im Namen und Auftrag der Fakultät den Doktoranden kraft seines Amtes als Dekan das Toktordlplom überreicht und mit seierlichem Handschlag verpslichtet, die Würde vor jedem Makel zu bewahren und jederzeit hochzuhallen. Mit Ueberreichung des Diploms spricht zugleich der Dekan seine und der Fakultät Glückwünsche aus. Dieser vereinfachte Promolionsakt ist öffentlich rote bisher und wird in der Aula slattsinden. In den eigentlichen PromoNonsbedmgungen ist nichts geändert, so daß die Erwerbung des Doktordtploms nach wie vor abhängig bleibt von der Abfassung einer wissenschaftlichen Arbeit und dem Bestehen einer mündlichen Prüfung vor der Fakultät (in einem Hauptfach, einem Nebenfach und ui der Philosophie). Bei der cheologifchen,

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Uniform Verändenmgeu.

Au diesem Thema schreibt mau aus Abgeordneten kreisen:

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Tuberkulose der Lungen

Tuberkulose allgemeine

Krebs

Bronchitis Herzleiden Gehirnentzündung Altersschwäche Lebensschwäche

Mannheim. Die übrigen Petenten treten für eine Höher» stellung ihrer Wohnorte um eine bis drei Stufen ein; Sommer­frischen, wie Westerland (Sylt), Steele (bei Essen), das Brackwede deslangen Möllers", wollen den Sprung von der vierten gleich in die erste Stufe machen. Für einige Petitionen haben sich bereits Mitglieder des Hauses engagiert, so Jtschert (Ztr.) für Cronberg u T. und Königstein i. T., Graf zu Stolberg-Wernigerode (kons.) für Lyck in Ostpr., Zehnter (Zeutr.) für Mannheim, Krämer (natUib.) für Wetzlar.

Sinnt: Die in Klammern gesetzten Zifferri geben an, wie vir. der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.

nehmsten Viertel von Mailand mieteten vor Jahresfrist zwei junge, elegante, sehr hübsche Damen eine Villa. Es waren zwei Schwestern, Deutsche, beide blond, mit blauen Augen und majestätischer Haltung, aber die eine schlank und sentimental, die andere .üppig" und sehr heiter. Die schlanke Schwester mar vor mehreren Monaten mit ihrem Kind­verschwunden; die üppige blieb allein zurück und machte mit ihren, prächtigen Neufundländer häufig Spaziergänge in der Umgebung der Villa. An einem der letzten Tage hörte man vor der sonst so stillen Villa einen großen Lärm. Vor der Tur hielten zwei Droschken; einer derselben entstieg eine sehr vornehme Dame mit ihrem Rechtsanwalt. Man wollte ihr aber die Tür nicht öffnen, und aus dem Hause heraus ließ sich eine Stimme vernehmen: .Wenn Ihr mit Gewalt eindringt, schieße ich!" .Ich kann auch schießen," erwiderte die sehr vornehme Dame, .aber es ist doch viel­leicht besser, wenn wir Alles in Ruhe abmachen. Ich weiß, daß mein Mann hier ist, und ich will ihn wieder haben!" Nach einigen Unterhaltungen öffnete sich die Tür. Tie Frau, die ihren Mann suchte, fand in der Villa mit der ihn üppigen jungen Deutschen, und bald darauf fuhr in der einen Droschke die Frau mit dem wiedereroberten Mann davon und in der andern die hübsche deutsche Geliebte des Mannes. Tie Frau und ,hr Mann fuhren nut dem Schnellzug nach Genua, die hübsche Deutsche blieb mit ihren Neufundländer m Mailand. So endete diese romantische Liebesgeschichte. (Was ist denn nun eigentlich aus der sentunentaeen Schwester nebst Kind geworden??)

* 2ln 6 0 00 Schauspieler sind infolge des Thea» terbrandes in Ehicaao beschäftigungslos und mit­tellos. Mcht nur in Chicago selbst, sondern auch in vielen anderen Städten schließen die Theater und Su)au- bühnen, da das Publikum den Vorstellungen fernbietbt. Es soll ein vollständiger Schrecken in Bezug auf Ausfach­ungen aller Art herrschen. Viele Millionen Pfund Sterling, so meldet dieDaily Mail", sind durch diese Abneigung der Bevölkerung gegen Schaustellungen aller Arr verloren gegangen, und man befürchtet, daß der Höhepunkt dieser für die Theateruiiternehmer so bedenklichen Kri,e noch nicht erreicht ist.

* Abonnentenfang in großem Maß st ab e. Von einem unserer Leser wurde dem .Gieß. Anz." neulich em Prospekt zugesandt, den ein italienisches Blatt an Private in Deutschland versendet hatte. Diese Zeitung hatte seinen Abonnenten ein Haus in Mailand, das 6860 Mk. im Jahre bringt, eine Villa in San Remo im Werte von 80 000 Mk. und ein Hänschen in Brummte am Komersee neben vielen anderen kleineren Preisen ausgesetzt. Die Ver­teilung fand am 24. Januar statt. Der erstePreis wurde von zwei Kellnern gewonnen, die sich zusammen beteiligt hatten, und augenblicklich in einem Hotel m San Remo angcstellt find. Ter zweite wurde von einem armen Kauf­mann in Mailand und der dritte von einem Mailänder Doktor gewonnen.

Aus Ztuöt uni Aiuü.

Gießen, den 4. Februar 1904.

" Konzert-Verein. In Fräulein Mina Rode, die als Solistin am Sonntag, den 7. Februar, im Klubsaal Mitwirken wird, begrüßen wir eine fertige Virtuosin. Für die Gießener musikalischen Kreise ist das von höchstem In­teresse, haben wir doch die junge Dame, die heute auf der Höhe ihres Könnens steht, noch vor wenigen Jahren als Kunstnovize kennen gelernt. Freilich sahen wir damals schon mit ehrlicher Bewunderung, welch außerordentliches Talent in dieser jugendlichen Künstlerin schlummerte, darum sind wir heute durchaus nicht erstaunt, in kritischen Berichten hervor­ragender Blätter begeisterte Anerkennung zu finden. So z. B. lesen wir in Stuttgarter Zeitungen:

.Tie Glanzpunkte des Konzerts waren dann unstreitig die wahrhaft hinreißenden Darbietungen der Frankfurter Violiiwirtuosiii Frln. Alina Rode, die einmal Felix Mendelsfohn-Barlholdys E- uwII-Konzert (Op. 64), dann Lach-WilhelrnjsAir" und Jenö HubaysEzarda-Szenen" Nr. 4 zum Vortrag brachte. Man wußte nicht, ob man mehr das temperamentvolle Spiel, die glänzende Technik oder das außerordentliche Gedächtnis der jungen Künstlerin bewundern sollte, die sie befähigten, die meist sehr schwierigen Kompositionen völlig frei und in schönster Harmonie mit dem Orchester zum Vortrag zu bringen."

Ebenso urteilt die Nürnberger Kritik:

.Im 9. Volkskonzert im Herkulesoekodrom entzückte die Bioliiivirtuosin Frln. Alina Rode aus Frankmrt a. M. die leider nicht so zahlreich wie sonst anwesende Zuhörerschaft durch ihr wundervolles Spiel, das ihr, besonders bet den mit erstaunlicher Virtuosität vorgetragenen Czardas-Szenen von Karl Hubav, einen wahren Beifallsturm euurug. Inniges Verständnis für alle Emzel- heiten und feinsinnige Auffassung zeigte ihre elegante Wiedergabe des Konzertes in E-inoll von Mendelssohn (mit Orchesicrbegleitung), wobei besonders die knappe Anpassung an das Orchester und der sich dem Gedankengang anschließende Solopart sich angenehm geltend machten. Dieser Vortrag trug der Künstlerm ebenfalls herzlichen Beifall ein.

Wir würden unsere Leser ermüden, wollten wir unser vorliegendes Material erschöpfen, aus allem aber ersehen wir, daß wir in Fräulein Mina Rode eine große und erste Künstlerin gewonnen haben.

*2)er2)länner-Turnverein veranstaltet ein Masken­kränzchen, wie m der letzten Hauptversammlung beschlossen mürbe, am nächsten Samstag in sämtlichen Räumen des Neuen Saalbaues in Gestalt einer Bauern-Kirmes. Nach den Vorbereitungen zu urteilen es kommen u. a. ein Karussell, Schlagbaum, Schießbude, Amsterdamer Männchen, Glücksrad usw. zur Aufstellung verspricht das Fest für die Mitglieder em recht genußreicher und schöner Abend zu werden. Sonntag den 7. d. M. schließt sich ein Ausflug auf Textor's Hardt daran an.

r. Abend sic rn, 3. Febr. Für die hiesige Teilstrecke der Hauptbahn Lollar-Wetzlar stehen bebeutenbe Be­triebsveränderungen bevor; für die Haltestellen Wiß­mar, Abendstern und Dorlar werden nämlich Güterverlade- ftationen eingerichtet. Die langjährigen Anregungen und Bemühungen der beteiligten Gemeinden und vieler Prioat- intereffenten gehen damit ihrer Verwirklichung entgegen. Daneben wird die Gemeinde Atzbach eine Haltestelle erhalten, was umso erfreulicher ist, zumal dieses große Dorf bisher die einzige Gemeinde an dieser Bahnlinie war, welcher trotz wiederholter Anregung dieser Wunsch betreffs einer Personenhaltestelle bisher versagt blieb.

Breitenbrunn i. Odenw., 2. Febr. Die Johannes Riedel Eheleute feierten nach 6bjähriger glücklicher Ehe ihre .Eiserne Hochzeit". Der Jubilar ist 87, die Jubi­larin 85 Jahre alt, und beide erfreuen sich noch einer be­neidenswerten geistigen und körperlichen Rüstigkett. Das ganze Dorf nahm an diesem Feste aufrichtigen Anteil und von nah und fern liefen im Laufe des Tages Gaben und Glückwünsche ein. Es war ein fesselndes Bild, das sich gegen halb 2 Uhr dem Auge bot. Hier verläßt ein blühendes, jugendfrohes Paar, das soeben am Altar den Bund für§;, Leben geschlossen, im schmucken Hochzeitszuge das Gotteshaus, dort auf der Dorfstraße nahen im hellen, warmen Sonnen» chein, dem richtigen Hochzeitswetter, unter Glockenklang die .Eisernen". Voraus kommt mit sicherem Gang und in fast ungebeugter Haltung das ehrwürdige Paar; jetzt schreitet es an der alten hochragenden Dorflinde, dem Wahrzeichen und Stolz des Ortes, vorüber, wird von einer zahlreichen Zu- chauermenge ehrerbietig begrüßt und betritt das schmucke Kirchlein, um seinen Ehebund neu einfegnen zu lassen an derselben Stelle, an der es heute vor 65 Jahren zum ersten- male im Ehrenkleid gestanden. Die zahlreichen Familien­glieder, aus Kindern, Enkeln und Urenkeln bestehend, sowie getreue Nachbarn und der Kirchen- und Gemeindeoorftand haben sich ihnen angeschlossen. Zwei Ur-Urenkelinnen können noch nicht teilnehmen, sie sind noch zu jung und zart. Fünf Generationen! Se. Kgl. Hohett der Großherzog, sowie das Großh. Oberkonsistorium hatten das Jubelpaar mit Gaben und herzlichen Glückwunschschreiben erfreut.

(N. D. Tagt. Anz.)

Bei der neuerdings in der Budgetkommission des Reichstags behandelten Frage der UniformäiibcTungcn in der Armee denkt man in wetteren Bevolierungsrrcis.n zumeist nur an die Kosten, die dem Reiche wie den Offi­zieren be$D. den Vätern derselben dadurch erwachsen, und verbindet damtt die Auffassung, als ob den Favrikaitten und Schneidern dadurch sogar recht wesentliche Vorteile erwüchsen. Vierter Punkt: Die Beunruhigung großer Kreise derJndustrie, die im höchsten Grade gefährdet wird, tritt erst in neuerer Zeit mehr in Oefsentlichkett, nachdem einige Handelskammern uno Presse sich dieser Angelegenheit ang.nommen hab n ür die Armee notwendige große Beoar, an Stoffen ordert natürlich auch eine große Fabrikation; sie ich vielfach sogar schon zur Spezialität entwickelt. ind hieran ganz besonders Grünberg, Sorau, Görlitz, Düren, Lennep, Aachen, Burscheid, Werben, Kamenz, Bi­schofswerda, Lattowitz il a. m., also große JndustrieLreise mteref fiert

Vermischtes.

(Sine Liebes - und Entführungsgeschichte, in der zwei deutsche Damen die Hauptrollen spielen, erzählt die MailänderLombardier". In einem der vor­

stehenden Kommission dürfen wir eine solche beleidigende Vermutung nimmermehr antun

Professor Oertmann erörtert dann die Notwendigkeit einer Abänderung des bestehenden Rechtszusiandes und kommt dabei zu dem Ergebnisse, daß der Antrag von Treuenfels die beste Lösung biete. Er schließt seine Dar­legungen mit folgenden Sätzen:

Will man von der unbedingten Haftung ablassen, so bleibt fchwerlich ein anderer Weg übrig als der in dem Antrag Treuenfels eingeschlagene. Was diesen noch be- sonbers empfiehlt, ist einmal das Vorbild eines großen Teils der bisherigen Rechte, zum andern die Anlehnung an die Haftpflicht der Geschäftsherrn für Hilssperfoneu, 8 d31. Wer sich fremder Kräfte bedient, mag gleichmäßig für sie einstehen, seien sie vernunftbegabt oder vernunft- beraubt. Aber die Verantwortlichkeit für die Tiere, gegen deren naive Feindseligkeit das Publttum sich in der Regel leichter schützen iann als gegen die Beschädigung durch einen betiiuiijligen, aber gerade darum auch oft raffi­nierteren Menschen, stärker anzuipannen, als die für Hilfs- Personen, das scheine mir durch die Ansorderullgen der Vernunft im Recht" in leiner Weife begründet zu fein."

Die Annahme, die Erlaubnis des Auftragens der bis­her im Gebrauch befindlichen Kleidungsstücke mildere die Wirkung ein^r derartigen, ganz plötzlich kommenden Neu- einführung, ist durchaus irrig, denn vom Augenblick der offiziellen Einführung an wird nicht em Rock von alter Farbe mehr neu gemacht Daß Steuerungen überhaupt aber unterbleiben sollten, wird schließlich lern verständiger Fabrikant fordern; ja, wenn eine Aenderung aus mili­tärischen Gründen als notwendig sich erweist, so würden gerade die gut patriotisch gesinnten Uniformiuchsabriianten die letzten sein, die sich prinzipiell dagegen auflehnen möchten. Nur die Art der Einführung bedroht ihre Existenz, nicht die Einführung einer notwendig gewor­denen Aenderung an sich. Wenn heut z. B. die feldgraue Farbe aus taktischen Gründen zur Notwendigkett geworden sein sollte, dann muß sie zum Besten des Vmerland-es auch ausgeführt werden, aber nicht so plötzlich, sondern unter rechtzeitiger Ankündigung, in welcher gesagt ist, von welcher Zett an erst die betreffenden neuen Uniformstücke getragen werden dürfen und welche vor allem noch hin­reichend Spielraum zur Ausbrauck-ung der alten Bestände läßt; dann lassen sich die Disposttionen rechtzeitig ent­sprechend ändern und der Fabritant farm sich beizeiten auch aus die neuen Artikel entrichten. Auch wird bie Mißstimmung vermieden, die seinerzett bei Einführung der grauen Stoffe für die Mäntel erregt wurde, daß nämlich, einzelne Firmen, die auf irgend eine Weise die kommende Veränderung vorzettig erfahren hatten, den Artikel in großen Quantitäten un voraus auf Lager ar­beiten und dann das Hauptgeschäft an sich reißen tonnten.

Dem llebelstande würde also wesentlich gesteuert wer­den, wenn die Ingebrauchnahme der neuen Stosse aus­drücklich vor dem offiziellen Termin, der bei Stoffänder­ungen so wett als tuniich hinousbeschoben werden möchte, nicht gestattet wird. Auch ist es sicher kein unberechtigtes Verlangen der Industrie, wenn sie den Wunsch äußert, daß mit dem Erlaß zugleich offizielle Vorlagemuster aus- gegeben werden. Im wesentlichen handelt es sich hier also nicht um eine Bekrittelung der sich mllitärischerseits als notwendig erweisenden Uniformänberungen sondern um Verwaltungsmaßnahmen inbetreff der Durchführung der als notwendig erachteten Aenderungeu. Der Äriegsminister würde sich ein großes Verdienst erwerben, wenn er sich über die von der Militärverwaltung etwa beabsichtigten Aenderungen klipp und klar im Reichstage ausspräche, und wenn er das hier angedeutete Verfahren zum Schutze un­serer heimischen Industrie akzeptierte.

Haftung des Tierhalters.

Der konservative Abg. v. Treucnsels hat im Reichstage einen Antrag eingebracht, der darauf hinaus­geht, daß die durch das Bürgerliche Gesetzbuch eingeführte unbedingte Haftung des Tierhallers, die unbegründet und unbillig ist, in vernünftiger Weise eingeschränkt werde. In der neuesten Nummer derDeutschen Juristenztg." be­schäftigt sich der Erlanger Prof. Dr. Paul Oertmann mit dieser Frage. Er erinnert zunächst daran, daß in dem zweiten Entwürfe des Bürgerlichen Gesetzbuches, der dem Reichstage zugegangen war, der fragliche §'833 folgende Zusammensetzung hatte:

Die Ässatzpflicht tritt nicht ein, wenn der Schaden dnüch ein Haustier verursacht wird und derjenige, welcher das Tier hält, bei dessen Beaufsichtigung die im Ver­kehr erforderliche Sorgfall beobachtet, oder wenn der Schaden auch bei Anwendung dieser Sorg fall entstanden sein würde."

Dann führt er Wetter aus:

Erst die Reichstagskommission beschloß, die Haftung des Tierhalters durch Stteichung des Absatzes 2 zu einer unbedingten zu erheben, ttotz Widerspruches der verbündeten ^Regierungen. Tie Begründung für denmit großer Majorität" aesaßten Beschluß beschränkte sich auf den Hinweisauf die nicht wenigen, durch das Halten von großen Luxushunden hervorgerufenen Körper­verletzungen" .Hub den Satz, ,st> auch, wer zu gewerblichen Zwecken gefährliche Tiere zu halten gezwungen sei, die damtt für andere verbundene Gefahren übernehmen müffe". Das Plenum hielt in dvttter Lesung, nachdem ein zunächst gefaßter gegenteiliger Beschluß alsdurch ein formelles Versehen ungiltig" weggefallen war, an dem von der Kommission eingenommenen Standpunkt fest. Daß dieser sich zum nüni)e)ien die Begründung außer­ordentlich leicht gemacht hat, wird niemand beftreiten. Die etwas philiströse Angst vor dem Schrecken der Luxus­hunde hat einen Beschluß gezeitigt, dessen mögliche und inzwischen zur Tatsache gewordene Tragwette die Gesetz­geber am Königsplatz schwerlich voll erwogen haben. Die im Leben bei wettern wichtigsten Fälle der Tierschäden, nämlich die von Pferden und Rindvieh angerichteten, hat die Begründung ganz ausgeschaltet; denn Pferde und Rindvieh einfach alsgefährliche Tiere" zu brandmarken, hätte vielleicht in einem Kaffeekränzchen älterer Damen Beifall gefunden einer aus deutschen Männern be-

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Kitteratur.

In dem Februar-Heft von Velhagen & K l as in gs Monatsheften finden wir u. a. einen originellen Stoff behandelt, der merlwürdigerroeise hier zum erstenmal einer zusam. menfasjeiiden Darstellung gewürdigt wurde. Ernst v. Teslouches, der Archivar der Stadt Aiünchen, unterzieht das Atunchner »vuibl, bas Wappenzeichen von Jfar-Att)en, einer hislorsich-kruifchen Betrachtung, die von zahlreichen Abbildungen begleitet ist. Dtigi- pell ist auch ein zweiter illustrierter Artikel, indem E. v. Viiiceiiti lustig von Wiener Gjchnas und Wiener Karnevalsfesten piaiibert In einem dritten, farbig illustrierten Beittag handelt Prof. A panjen in Gießen von der reichen Flora der Riviera. Als einer der genauesten Kenner der modernen Türkei gibt Colmar F-rhr. v. d. Goltz eine Untersuchung:Woran es in Mazedonien gefehlt hat", während H. v. Zobeltitz die bedeutendsten Sleu-Erjchei' nungen auf den Berliner Bühnen bespricht. Das Heft bringt an Unterhaltungsstoff außer dem Schluß des Romairs , Simone" von G. o. Omptcda und dem Beginn eines RomansUnter sengender Sonne" von E. Schroeder eine größere, sehr feine NovelleVorbei.. / von Rudolf Stratz. Die stets roiederkehrende Bücherfchau von Hemrich Hart und eine illustrierte Rundschau über Kunst und Kunstgewerbe schließen das Heft ab.

MöchkMche litbtrW iitr LotttM mbrrrlMiimW

4. Woche. Vom 17. bis 23. Januar 1904. Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 (infL 1600 Mann Militär.

Sterblichkeitszijfer: 18,90

nach Abzug von 3 Ortsfremden: 13,23 u/cc.

Kinder

Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom

L Lebensjahr: 2.15. Jahr